abc Etuden/ Die Schönste

eine neue Woche mit neuen Worten. Eine kleine Geschichte für Herrn Textsaub`s abc Etuden. 3 Worte, 10 Sätze, eine Geschichte.

Die Bärin erkannte ihr Junges sofort.

Es war groß und stark geworden, der Junge trug die Züge seines Vaters.

Fliederfarbene Erinnerungen stiegen in Kallisto auf, an eine Nacht am Meer, an feuchten Sand unter nackten Fußsohlen.

Sie erinnerte sich nur an Bruchstücke, vielleicht wollte sie sich auch nicht erinnern,  an seine Augen, seinen Mund, seine Hände, an ihre zerrissene Toga, an Artemis Verachtung.

Der Wunsch, ihr Kind zu umarmen, war so stark, dass Kallisto vergaß, wer sie war.

Sie trat aus der Deckung des Waldes da entdeckte er sie.

Der Junge riss seinen Bogen hoch und legte auf die Bärin an.

Kallisto schrie seinen Namen, aber er hörte nur das Knurren des Bären.

Plötzlich stand die Zeit still, der Pfeil in der Luft, die zitternde Sehne des Bogens ruhig.

„Ihr werdet sternenwandern“, Kallisto hörte die Stimme wie aus weiter Ferne.

Anmerkung zu dieser Geschichte: Kallisto ist die Tochter des Königs Lykaon aus Arkadien Sie war als eine der Nymphen Artemis zur Keuschheit verpflichtet, erweckte durch ihre Schönheit jedoch Zeus Begierde. Zeus nähert sich Kallisto in der Gestalt Artemis und küsst sie – allerdings nicht wie eine Jungfrau küssen soll … Sie wehrt sich, aber wer kann Zeus bezwingen? Kallisto versucht ihre ungewollte Schwangerschaft zu verbergen, wird aber beim Bad von den anderen Nymphen bloßgestellt und daraufhin von Artemis verstoßen. Nach der Geburt ihres Sohnes Arkas, des späteren Ahnherrn der Arkadier, wird sie von Zeus‘ Gattin Hera aus Eifersucht in eine Bärin verwandelt. Als Kallisto nach fünfzehn Jahren auf ihren Sohn Arkas, der nun Jäger ist, trifft, will sie ihn umarmen, dieser aber das vermeintlich wilde Tier töten. Zeus greift ein und versetzt Kallisto als das Sternbild des Großen Bären und Arkas als das des Kleinen Bären in den Himmel. Hera erwirkt bei Okeanos immerhin, dass die beiden Sternbilder niemals in das erfrischende Meer eintauchen dürfen; daher werden sie zu zirkumpolaren Sternbildern. (Quelle: wikipedia)

Ich liebe die griechische Mythologie mit all ihren Göttern, ihren Leidenschaften und Tragödien ….und sind sie nicht immer noch unter uns, die Olympier? https://wortwabe.wordpress.com/2012/06/10/zeus-teil-1-fortsetzung-folgt/

Stonecold

THE CHALLENGE:

Write a one hundred word story that has a beginning, middle and end. (No one will be ostracized for going a few words over the count.) the group is hosted by Rochelle, each week we find an inspiring new photo on her blog:http://rochellewisofffields.wordpress.com

THE KEY:

Make every word count. To see all the great 100 word stories of the weekly challenge use this link http://new.inlinkz.com/luwpview.php?id=331433

al_forbes

He courted me, besieged me with expensive gifts and last night he came up with his real identity.

“I am Zeus,” he said and smiled, “no woman could ever resist me.”

I was sure definitely now he was insane.

“But I love Tommy,” my voice trembled.

“Sure,” his eyes were cold. “That´s the place he is waiting for you, Darling.”

He handed me a piece of parchment. I knew the street, lots of beautiful old mansions.

I found the house and slowly panic was spreading in my stomach.

“Tommy? “

Above my head I heard a crunching noise and looked up into Tommy`s stony face-

Genre: fantasy

Words: 105

Wer ist Zeus? (Nachtrag aus September 2012)

Es wird Herbst

Ich sitze in meiner wortwabe und trauere dem Sommer hinterher. Der Himmel ist grau und immer wieder regnet es. Die Rosen vor meinem Fenster recken trotzig die letzten Knospen in die kühle Luft. Ich schließe mich Ihnen an und hoffe auf einen goldenen Oktober.

Plötzlich steht ein Mann vor meinem Schreibtisch, den ich noch nie gesehen habe. Ich schaue ihn irritiert an und als ich in seine Augen sehe, bin ich mir nicht sicher: kenne ich ihn?

„Erkennen Sie mich nicht?“

„Äh, nein. Wer sind Sie denn?“ frage ich ihn direkt.

„Ich bin Zeus!“ Das Ausrufezeichen am Ende des Satzes ist nicht zu überhören. `Meine Güte`, denke ich, `die Typen lassen sich immer schrägere Namen einfallen.`

„Der Name ist mir nicht EINGEFALLEN – ich BIN Zeus!“ sagt der Fremde jetzt mit einem ärgerlichen Unterton.

Woher weiß er, was ich eben gedacht habe? Jetzt wird er mir unheimlich.

„Sie müssen sich doch an mich erinnern, meine Liebe“, sagt er jetzt etwas freundlicher. Er sieht mich wieder an und tief in mir sitzt eine Erinnerung, die nicht aus ihrem Versteck kommt.

„Schön“, sage ich,“ Sie sind also Zeus. Und was wollen Sie von mir, Herr Zeus?“

„Einfach nur `Zeus`“, sagt er und setzt sich auf meinen Schreibtisch. Jetzt atme ich seinen Duft ein und aus dem Nichts schießt mir durch den Kopf „Ambrosia“.

„So ähnlich“ sagt der Typ, der behauptet Zeus zu sein. „Eine ganz besondere Mischung, exklusiv für mich komponiert. Übrigens von Aphrodite persönlich.“

`Ein Irrer`, denke ich noch und plane meine Flucht. Aber da ist er schon verschwunden.

Das war´s dann, Zeus (Zeus Teil 16)

Zeus musste Hypnos nicht lange überreden mit ihm zu kommen und die Sicherheitsleute im Louvre einzuschläfern. Da er so daran gewöhnt war, dass alle nach seiner Pfeife tanzten, wunderte er sich auch nicht über Hypnos prompte Zustimmung. Kurz vor Mitternacht trafen sie im Louvre ein und Hypnos machte sich sofort ans Werk, während Zeus sich auf die Suche begab nach La Liberté. Erinnerungen wurden wach an leidenschaftliche Nächte mit der schönen Französin und er war mehr als gespannt zu sehen, wie eine gemalte Legende aussah, wenn sie aus ihrem Rahmen stieg.

Der große Zeiger auf der Armbanduhr des Sicherheitsbeamten hüpfte auf die Zwölf, Mitternacht. Er griff nach seinem Kaffeebecher und nahm einen kräftigen Schluck. Routinemäßig beobachtete er dabei die Bildschirme und sah einen Schatten in einem der Gänge. „Merde!“ entfuhr es ihm, aber bevor er weiter darüber nachdenken konnte, was passierte, fiel er in einen so tiefen Schlaf, dass auch ein Presslufthammer direkt neben seinem Stuhl ihn nicht geweckt hätte. Der Kaffeebecher war ihm aus der Hand gefallen und Reste des Kaffees verteilten sich auf dem Boden. Hypnos tauchte aus dem Nichts neben dem Schlafenden auf. Er bückte sich nach der Kaffeetasse, stellte sie auf den Tisch und beseitigte mit einer trägen Handbewegung die Spuren der verschütteten Flüssigkeit. „Das war der Letzte,“ sagte er zu sich selbst,“ jetzt schlafen sie alle und träumen von einer ruhigen Nacht mit regelmäßigen Kontrollen, die unauffällig sein werden. Ich bin einfach großartig.“ Hypnos warf einen letzten Blick in das Büro und verließ den Raum.

La Liberté war um Punkt zwölf Uhr aus ihrem Rahmen geklettert und zum Raum von Mona Lisa gerannt. „Lisa“, rief sie schon von weitem, raffte ihre Röcke und kam schnaufend vor Mona Lisas Rahmen zum Stehen. Diese war gerade dabei, sich aus ihrem kleinen Bild zu schälen.

„Ich weiß nicht, was Leonardo sich dabei gedacht hat, das Portrait so klein zu machen.“ Mona Lisa strich ihre Röcke glatt. „Er kommt, Lisa!“ La Liberté konnte es kaum erwarten, die Neuigkeit loszuwerden. „Wer kommt? Wovon sprichst du?“ Mona Lisa sah ihre Freundin fragend an. „Zeus! Zeus kommt heute Nacht! Wahrscheinlich ist er schon da – “ La Liberté fingerte an Lisas Oberteil herum. „Was machst du da?“  Mona Lisa riss sich los. „Willst du ihn nun verführen oder nicht?“ La Liberté zog an Mona Lisas Mieder. „Du bist viel zu zugeknöpft, jetzt zeig mal was du hast!“ Mona Lisa versuchte ihr Mieder etwas nach unten zu ziehen sodass ihr Dekolleté besser zur Geltung kam. Da hörten beide die bekannte samtige Stimme: “ Das habt ihr doch gar nicht nötig, ihr seid mit und ohne Kleider reizvoll – pardon, Mademoiselle Lisa, sie kenne ich natürlich nur bekleidet – “ Mona Lisa wurde rot. „Wie kannst du sie so in Verlegenheit bringen, Zeus!“ zischte La Liberté ihm ins Ohr. Zeus fand Mona Lisa anziehend aber etwas zu brav, er war mit seinen Gedanken bei der leidenschaftlichen Liberté. Diese stupste Mona Lisa an und schob sie Richtung Zeus. Mona Lisa nahm all ihren Mut zusammen, sah dem Mann ihrer Träume in die Augen und – lächelte. Zeus war völlig hingerissen von diesem Lächeln und bemerkte nicht, dass Eros sich hinter einer Ecke versteckt hatte. Sein Bogen war gespannt und er wartete ruhig auf den richtigen Augenblick.

Zeus sah Mona Lisa tief in die Augen. Sie war eigentlich ganz niedlich. „Mademoiselle, ich muss gestehen, sie sind“ da traf ihn Eros  Pfeil, „  – wunderschön!“ hauchte er. Eros beobachtete wie sich das Liebesgift langsam in Zeus Körper ausbreitete. Er fing an zu lächeln, er grinste über das ganze Gesicht, strahlte Mona Lisa an und schien völlig vergessen zu haben, wo er war. Eros verschwand bevor La Liberté ihn bemerkte, aber der liebliche Rosenduft, der ihn stets umgab, wehte ihr in die Nase, sie sah sich um und schnupperte. Einen Moment lang glaubte sie, einen goldenen Flügel gesehen zu haben, aber in so einer Nacht wie dieser konnte man sich alles möglich einbilden.

Irgendetwas geschah mit Zeus, aber was? Er schien völlig für die Welt verloren. Zeus hielt Mona Lisa im Arm und La Liberté  sagte nur: „ Ihr wisst, dass der Spaß bei Sonnenaufgang zu Ende ist.“  Doch die beiden waren gerade dabei sich in ihrem ersten Kuss zu verlieren und La Liberté wusste nur zu gut, was die Küsse von Zeus für eine Wirkung hatten.

Ananke beobachtete die Szene im Louvre vom Olymp aus und war zufrieden. Zeus würde seine Lektion lernen, da war sie sich sicher. Die Liebe zu einer Legende, die nur nachts zum Leben erwachte und Tage voller Sehnsucht in einer Welt, die nicht die seine war – das war eine bittere Strafe für einen Herzensbrecher wie ihn.

Vielleicht würde ihn das Schicksal eines Tages erlösen, vielleicht blieb er auch für immer Mona Lisa verfallen. Das wusste Ananke in diesem Moment selbst noch nicht. Sie spann ihren Schicksalsfaden und versank in Schweigen.

 

 

Ein seltsamer Brief

Ich habe eine Baustelle vor meiner Wortwabe. Es ist unerträglich. Nicht nur der extreme Lärm macht mir zu schaffen, ab und zu wackelt das ganze Haus als ob es gleich in die Baugrube stürzen wollte.

Konzentration fällt in so einer Situation nicht so leicht, aber ich kann nicht warten, muss schreiben, es muss jetzt heraus..

Ich schiebe lose Seiten zu einem Stapel zusammen um sie zu sortieren, da rutscht ein seltsames Papier heraus. Es sieht aus wie Pergament und riecht irgendwie – modrig. Die Buchstaben darauf sind tiefdunkelblau und verschwimmen vor meinen Augen.  Einen Moment lang habe ich den Eindruck, es wären griechische Buchstaben gewesen, aber jetzt sind es plötzlich lateinische Buchstaben in einer fließenden, schwungvollen aber deutlichen Handschrift.

„Es tut mir leid;“ steht da zu lesen,“  dass das Schicksal nicht gut genug aufgepasst hat. Dieser Pfeil hätte Sie nicht treffen dürfen. Aber Sie werden zu gegebener Zeit Ihrem Seelenpartner begegnen. Vertrauen Sie uns. Gezeichnet Tyche“

Ist das der Werbebrief einer neuen Sekte? Ich habe keine Ahnung, um welchen Pfeil es hier geht. Aber der Brief ist für mich, hier steht mein Name, ganz deutlich. Ich drehe das Papier von links nach rechts, rieche daran, es riecht als ob es in einer feuchten Höhle gelegen hätte und plötzlich zerfällt es vor meinen Augen.Staub wirbelt auf und ist verschwunden.

Wieder einmal muss ich mich kneifen, weil ich nicht sicher bin, ob ich wirklich bin oder nicht selbst auch eine Figur in einer Geschichte über – ja worüber eigentlich? Die Liebe?

Ananke spinnt den Schicksalsfaden (Zeus Teil 15)

La Liberté zwinkerte Zeus zu. Er stand mit einer langbeinigen Blondine vor ihrem Gemälde und hielt der jungen Dame, die an seinen Lippen klebte, einen weitschweifenden Vortrag über Delacroix und die Julirevolution 1830.

„Sie hört dir doch ohnehin nicht zu, “ begann La Liberté eine lautlose Unterhaltung mit Zeus.

„Ich weiß, aber ich doziere eben gerne,“ Zeus lächelte süffisant, “Vorher –“ er ließ den Satz offen. „Aber sie ist längst nicht so leidenschaftlich wie du, meine Liebe.“ Zeus grinste und kraulte seiner Begleiterin den Nacken. Sie schmiegte sich verliebt an ihn. „Zeus, du alter Schwerenöter“ La Libertés Mundwinkel zuckten. „Du bist einfach immer zur falschen Zeit hier –“

Zeus horchte auf: „Wie meinst du das?“ „Nun – “ La Liberté machte eine kleine kunstvolle Pause, „du musst nach Mitternacht kommen, Zeus. Dann kommen wir aus unseren Rahmen heraus und sind aus Fleisch und Blut. Wir könnten viel Spaß haben – “

Zeus traute seinen Ohren nicht. Konnte das sein? Ohne dass er, Zeus, davon gewusst hatte? Davon musste er sich selbst überzeugen. „Nach Mitternacht, sagst du?“ „Ja, bis zum Morgengrauen, dann müssen wir zurück in unsere Gemälde. Kommst Du?“ La Liberté lauerte auf eine Antwort. „Natürlich, das muss ich mir ansehen!“ „Schön, aber dann bring Hypnos mit, damit wir unsere Ruhe haben vor den Sicherheitsleuten, das ist manchmal etwas mühsam. Aber mit Hypnos Hilfe schlafen sie bis zum Morgen und können sich dann an nichts erinnern.“ „In Ordnung, dann bis heute Nacht, meine Schöne,“ Zeus warf La Liberté zum Abschied eine Kusshand zu.

„Warum machst du das?“ fragte seine Begleiterin beim Hinausgehen. „Ach weißt du, sie ist eine alte Freundin.“ Das Mädchen lachte als ob er einen besonders lustigen Witz gemacht hätte. Sie  hatte ja keine Ahnung, wer ihr Begleiter war…

Im Olymp beobachtete Ananke zufrieden die Szene im Louvre und spann ihren Schicksalsfaden. „Es ist Zeit Hypnos zu rufen,“ sagte sie zu Tyche, die sofort aufstand um die Anweisung ihrer Mutter zu befolgen.

Hypnos wirkte auf sein Gegenüber immer irgendwie einschläfernd. Aus halbgeöffneten Augen sah er jeden träge an und sofort musste man gähnen. Er wirkte zwar schläfrig, war aber in Wirklichkeit hellwach. Er konnte jeden zum Einschlafen bringen, nicht nur seine Gegenwart verfehlte  ihre Wirkung nicht, es stand ihm auch eine große Auswahl diverser Schlaftränke zur Verfügung. Vom leichten Mittagsschlaf bis zum todesähnlichen Zustand konnte er alles anbieten. Sein berühmtester Trank war der, den Julia einst verabreicht bekam. Wie diese Geschichte ausging, ist ja allseits bekannt.

Als er zu Ananke gerufen wurde, wirkte er äußerlich zwar völlig tiefenentspannt aber in seinem Inneren schrillten sämtliche Alarmglocken. Er konnte sich denken, warum sie ihn sprechen wollte. Die Sache mit Eros war herausgekommen. Hypnos machte sich auf eine Gardinenpredigt gefasst.

„Hypnos, du weißt, warum du hier bist.“ begann Ananke. „Du hast dich an einer Intrige beteiligt, die Ausmaße angenommen hat, die nicht sein dürfen.“ Hypnos lief rot an und trat verlegen von einem Bein auf das andere. “Ihr habt in das Schicksal eingegriffen, das steht euch nicht zu. Du musst zusammen mit Eros die Dinge wieder ins Reine bringen. Hier ist deine Aufgabe.“ Ananke erläuterte Hypnos, was er zu tun hatte. Hypnos war erleichtert, das sollte nicht allzu schwer werden, wenn das die ganze Strafe war, wäre er ja nochmal davongekommen.

Doch Ananke war noch nicht fertig. „ Da du ja so gerne deine Macht demonstrierst, wirst du ab sofort genau das nicht mehr tun. Du sagst deine Meditationskurse bis auf weiteres ab.“

Hypnos starrte Ananke an, senkte aber sofort den Blick. Niemand, nicht einmal Zeus konnte in das Dunkel des Gesichts blicken, in dem nichts zu erkennen war, dessen unsichtbare Augen jedoch jeden mitten ins Herz trafen. Ausgerechnet sein Meditationskurs, in dem ihm die schönsten Frauen im Olymp zu Füßen lagen, sprichwörtlich. Das war wirklich eine harte Strafe, Ananke wusste genau was sie tat. Aber Hypnos wagte nicht, zu widersprechen, machte eine kleine Verbeugung und beeilte sich, aus der Höhle des Schicksals zu verschwinden.

Ananke war zufrieden. Die Dinge entwickelten sich ganz in ihrem Sinne.

Eros bekommt eine Aufgabe (Zeus Teil 14)

Eros war direkt der Schicksalsabteilung unterstellt. Regelmäßig bekam er Listen mit den Namen der Sterblichen, die auserwählt waren, von einem seiner Pfeile getroffen zu werden. Heute sollte er zu Ananke selbst kommen. Sogar für einen so unbekümmerten Jungen wie Eros hatte ein Besuch bei der großen Herrin über alle Schicksale etwas Beängstigendes. Er beeilte sich, ihrem Ruf zu folgen und fand sich pünktlich in der furchteinflößenden dunklen Höhle ein.

Ananke nahm seine Verbeugung mit einem Kopfnicken zur Kenntnis und legte den Pfeil, den Hera ihm gestohlen hatte, vor ihn hin.

„Weißt du, woher dieser Pfeil kommt, Eros?“

Eros sah, dass es einer seiner Pfeile mit Goldspitze war und bekam eine Gänsehaut. Der Traum, dieser seltsame Traum –  Er wollte antworten aber Anankes Gegenwart verfehlte auch bei ihm ihre Wirkung nicht und er gab nur ein Krächzen von sich. Er räusperte sich und sah dorthin, wo er Anankes Augen vermutete, doch obwohl er sie nicht sehen konnte, musste er den Blick senken.

„Nein, Ananke, große Göttin, ich weiß es nicht.“ Eros zögerte einen Moment. „ Aber ich hatte einen seltsamen Traum – Hera war bei mir und stahl mir zwei Pfeile – einen mit goldener und einen mit bleierner Spitze. Als ich erwachte konnte ich mich daran erinnern als ob es Wirklichkeit gewesen wäre, aber es war so verrückt, deshalb war ich überzeugt, es wäre ein Traum gewesen – “ Eros schwieg.

„Es war kein Traum, Eros. Hera hat dir diese Pfeile gestohlen, einen hat sie selbst abgeschossen in die Welt der Sterblichen. Du hast nicht gut genug aufgepasst, Eros. Du weißt, dass du die Verantwortung für deine Pfeile trägst und sie gut bewachen musst.“ Ananke sah Eros streng an.

„Ja aber – „ Eros zögerte einen Moment „ich weiß nicht, was passiert ist. Ich muss betäubt worden sein, denn wenn ich schlafe verschließe ich die Pfeile und dieses Schloss kann niemand öffnen.“

„Ich weiß, Eros, Du bist immer sehr pflichtbewusst gewesen. Hera hat dich mit Hypnos Hilfe betäubt. Hypnos wird dafür bestraft werden. Aber wir müssen die Sache mit dem Pfeil in Ordnung bringen. Er muss abgeschossen werden und du musst das übernehmen. Es wird keine leichte Aufgabe, denn der, den du treffen sollst, ist – “ Ananke winkte Eros näher und schrieb einen Namen auf ein Stück Pergament. Sie reichte Eros das Papier, er wurde blass.

„Das kann ich nicht, Ananke. Nicht ihn!“

„Du musst es tun, Eros. Du wirst einen Weg finden. Tyche wird dir Ort und Zeit mitteilen.“

Ananke bedeutete Eros mit einer Handbewegung, dass die Besprechung zu Ende war. Eros verbeugte sich und verließ schnell den Raum.

Der zweite Pfeil (Zeus Teil 13)

Hera legte den Pfeil mit der Goldspitze in den Bogen ein. Sie spannte die Sehne doch dann zögerte sie und ließ den Bogen wieder sinken.

„Das ist eine gute Entscheidung, Hera,“ Tyche war so plötzlich neben Hera aufgetaucht, dass diese heftig zusammenzuckte.

„Tyche –“  Hera wusste nicht recht, was sie sagen sollte.

„Gib mir den Pfeil, Hera. Du hast schon genug Schaden angerichtet.“

Hera nahm den Pfeil aus dem Bogen und reichte ihn schweigend an Tyche weiter.

„Was wirst du jetzt damit machen?“ fragte sie.

„Das liegt nicht in meiner Macht, Hera. “ und Tyche verschwand so plötzlich wie sie gekommen war. Hera blieb alleine zurück und fragte sich, warum sie sich überhaupt auf dieses Spiel eingelassen hatte. Sie war verletzt und wütend gewesen wegen Zeus, aber das war nichts Neues. Die Hoffnung, dass Zeus sich je ändern würde, war vergebens und Hera beschloss, nicht mehr darüber nachzudenken sondern einfach weiterzumachen wie bisher. Sie ging wieder in ihr Büro, checkte ihre zahlreichen To-do-Listen und versuchte, nicht mehr an Zeus, die Pfeile und Artemis zu denken.

Tyche war in der Zwischenzeit in der dunklen Höhle des Schicksals angekommen und legte Ananke den Pfeil zu Füssen. Selbst für Tyche, die ständig mit Ananke zu tun hatte, war diese furchteinflössend. Eine dunkle große Gestalt, die substanzlos schien und doch eine Schwere verströmte, die jeden, der in ihre Nähe kam, lähmte.

„Danke mein Kind,“ Ananke schien Tyche in die Augen zu blicken, aber da ihr Gesicht im Dunkeln lag, konnte Tyche, den Blick nur erahnen. „Du kannst gehen“.

Tyche beeilte sich aus dem Dunkel ins Licht zu kommen und Ananke sah sinnend auf den Pfeil. Dann rief sie Eros zu sich.

Wehmut

Ich bin heute ein bisschen wehmütig in meiner wortwabe, weil die Sache mit Zeus ein so anderes Ende genommen hat als ich das geplant hatte. Irgendwie haben sich meine Gefühle für ihn in weniger als Nichts aufgelöst. Die ganze Geschichte wird sich jetzt dem Ende zu neigen, unweigerlich. Wie immer steht eigentlich alles fest und kommt dann doch anders als geplant. Warum das so ist kann ich nicht erklären aber die Figuren machen eben teilweise, was sie wollen und ich kann scheinbar nichts dagegen tun. Jetzt hat ohnehin Ananke die Sache in die Hand genommen und ich bin gespannt wie es ausgehen wird. Wie immer weiß ich nicht genau, ob ich schreibe oder geschrieben werde –

Der Pfeil mit der bleiernen Spitze (Zeus Teil 12)

Hera holte die Pfeile aus dem Schrank und wog sie in der Hand. Sie waren leicht wie Federn obwohl ihre Spitzen aus Metall waren. Der eine Pfeil hatte eine goldene, der andere eine bleierne Spitze.

Sie hatte eigentlich nicht vorgehabt, ihre Trümpfe aus der Hand zu geben, aber die Nacht mit Zeus hatte sie euphorisch gestimmt und sie wollte die Beweise ihrer Intrige gegen ihn loswerden. „Zeus kehrt immer zu Hera zurück,“ dachte sie zufrieden, „das ist ein ungeschriebenes Gesetz. Auch wenn er es als Opfer empfinden mag, das er bringen muss.“

Die Entscheidung war gefallen, die Pfeile mussten weg. Hera hatte jedoch noch nie einen Bogen gespannt, aber so schwer konnte das ja nicht sein. Sie hatte auch gehört, dass Eros Pfeile ganz von selbst ihren vorbestimmten Weg finden würden, egal wie der Bogen gespannt wurde.

Sie ging in Zeus Jagdzimmer und suchte einen passenden Bogen.  „Ich werde den bleiernen Pfeil zuerst abschießen, vielleicht erlöst er ja eine Sterbliche von ihren Gefühlen zu meinem Mann.“ Bei diesem Gedanken  musste sie laut auflachen, denn das war ja tatsächlich ein Teil des Plans gewesen, nur mit anderen Vorzeichen.

Sie spannte den Bogen und der Pfeil flog, hinab in die Welt der Sterblichen.

Wo sind die Pfeile von Eros? (Zeus Teil 11)

Hera hatte die Pfeile gut versteckt. Sie lagen eingehüllt in ein goldenes Tuch in der hintersten Ecke eines ihrer Schränke. Sie hatte nicht vor, die Pfeile einzusetzen, aber man wusste ja nie. Sie waren da und gaben ihr ein Gefühl von Macht – auch wenn sie selbst noch nie einen Bogen gespannt hatte und nicht wusste, wie sie die Pfeile hätte abschießen können.

Als Hermes mit dem riesigen Rosenstrauß und dem Liebesbrief von Zeus vor der Villa stand wollte Hera eigentlich die Tür wieder zuschlagen – aber von dem Brief ging eine solche Anziehungskraft aus, dass sie nicht widerstehen konnte. Sie kannte Zeus und jeden seiner Tricks – wahrscheinlich hatte er den Brief mit Dionysos´ stärkstem Aphrodisiakum besprüht.

„Was gibt´s?“ Hera tat als ob sie der Rosenstrauß nichts anginge.

Hermes unterdrückte ein kleines Grinsen, das sich in seine Mundwinkel stehlen wollte.

„Das schickt dir Zeus, liebe Hera.“ Er deutete eine kleine Verbeugung an und hielt Hera den Strauß und den Brief hin.

„Ach ja?“ Hera tat betont uninteressiert, aber Hermes sah in ihren Augen, dass sie es kaum erwarten konnte, den Brief zu lesen. „Schön, stell alles dort ab, auf dem Tisch, danke Hermes.“ Hera, sah zu wie Hermes Rosenstrauß und Brief auf den weißen Tisch in der Halle legte und wartete, dass er wieder zur Tür zurück kam. Hermes ließ sich bewusst Zeit.

„Ich soll Zeus eine Antwort überbringen, Hera. Würdest du bitte den Brief lesen und mir deine Antwort mitgeben?“

Hera sah Hermes überrascht an. Was hatte Zeus vor? Ihr war schon aufgefallen, dass Hermes sie die ganze Zeit beobachtet hatte, vermutlich sollte er Zeus Heras Reaktion beschreiben. Wie raffiniert! Na warte, Zeus.

„Hera?“ Hermes riss Hera aus ihren Gedanken. „Ach ja, der Brief, Moment Hermes.“

Sie ging zum Tisch, drehte sich aber bewusst und wie zufällig zur Seite, als sie den Brief öffnete, sodass Hermes ihr Gesicht nicht sehen konnte.  Hera überflog den Brief. Eigentlich hätte sie geschworen, dass Zeus Liebesbriefe sie kaltlassen würden, sie wäre noch eine Minute bevor sie den Brief geöffnet hatte, vollkommen überzeugt davon gewesen. Aber dann las sie und spürte, wie ihr warm wurde. Sie atmete den schweren Duft des Aphrodisiakums ein (natürlich hatte Zeus den Brief eingesprüht) und eine warme Welle der Erregung erfasste sie. Von einem Augenblick auf den anderen wollte sie nur noch Zeus Hände auf ihrem Körper spüren und die Aussicht, ihn wiederzusehen machte sie geradezu euphorisch.

Hermes räusperte sich. Es war ihm nicht entgangen, dass Hera vollkommen entrückt den Brief las.

„Hera? Hast du eine Antwort für Zeus?“

Hera drehte sich langsam um und es kam ihr vor als ob sie aus einem anderen Universum auftauchen würde. „Ich würde mich,“ Hera musste sich ebenfalls räuspern, ihre Stimme war seltsam rau,

“ ja also, du kannst Zeus ausrichten, ich würde mich freuen ihn heute Abend zu sehen.“ Sie versuchte verzweifelt, möglichst kühl und unbeteiligt auszusehen, aber sie wusste intuitiv, dass ihr das nicht gelang.

Hermes machte eine zufriedene Miene. „Das richte ich gerne aus, Hera. Ich wünsche dir noch einen entspannten Tag.“

Hera schloss die Tür hinter Hermes und rannte die Treppe hinauf in ihr Ankleidezimmer. Sie warf nicht einmal einen Blick in ihren Kalender oder checkte ihre Termine und To-Do-listen. Die Aussicht auf eine Nacht mit Zeus versetzte sie in einen Zustand, den sie vollkommen vergessen hatte. Oder nur verdrängt? Es war ihr eigentlich auch gleichgültig, jetzt zählte nur dieser Abend, diese Nacht, und es sollte alles perfekt sein, wie immer.

Augenpads

Heute brauche ich Augenpads. Der Restalkoholpegel in der Wortwabe senkt sich auch nur langsam ab. Insgesamt ist meine Stimmung also eher bescheiden.

Außerdem bin ich sauer auf Zeus. Er ist wieder reumütig zu Hera zurückgekehrt.

Es ist mir unerklärlich warum meine Figuren nicht das machen, was ich ursprünglich geplant hatte.

Eigentlich will ich ihn auch gar nicht mehr sehen, das war mir immer unheimlich wenn er so plötzlich vor mir stand. Obwohl – wenn ich an seine Augen denke, dann werde ich fast wieder schwach….

Nein, ich bin jetzt konsequent und wende mich anderen Themen zu.

Also um ehrlich zu sein, ich finde die Ehe wird total überbewertet. Diese Treueschwüre für ein ganzes Leben, im Grunde ist das ja nur sentimentaler Quatsch. Aber irgendetwas scheint Sterbliche und Götter daran zu faszinieren.

Die einzige ewige Liebe die ich kenne ist die mittlerweile zweiundvierzig Jahre dauernde Freundschaft zu meiner ältesten Freundin. (Ich sehe schon wie in Gedanken hochgerechnet wird wie alt wir wohl sind. Zeit ist ja relativ, also spielt das doch keine Rolle, oder?)

Gestern haben wir ihren Geburtstag gefeiert. Und deshalb geht es heute nur mit Augenpads.

Wie es mit Zeus weiter geht? Ich weiß es schon, aber ob es dann so kommt wie ich es mir in der Wortwabe ausgedacht habe – wer weiß? Ich bin ja nicht einmal sicher, ob ich nicht selbst auch nur eine Figur bin in der Geschichte irgendeines anderen, der sich jetzt ärgert, weil ich nicht das mache, was er sich ausgedacht hat?

Bin ich aus Fleisch und Blut? So unsicher wie heute war ich noch nie….

Hera wird schwach (Zeus Teil 10)

Artemis öffnete die Tür zu Heras Büro. Der Platz hinter dem Schreibtisch war leer. „Hera?“ Artemis betrat den großen weißen Raum und sah sich suchend um, aber Hera war nicht zu sehen. Das war irritierend, denn Hera hielt sich streng an ihren Plan, ihre To-Do-L:isten wurden gewissenhaft abgearbeitet.

Artemis ging zurück in die große Halle. „Hera?“ rief sie erhielt jedoch keine Antwort.

Was war hier los? Suchend ging Artemis durch alle Räume, schließlich rannte sie, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, die große Freitreppe hoch. Sie fand Hera in ihrem Ankleideraum. Um in den Dimensionen der Sterblichen zu bleiben: er war riesig, ein perfekt quadratischer Raum, eine Seite öffnete sich zum Himmel hin. Hera war fanatisch wenn es um Symmetrie ging. Ihre privaten Zimmer waren folgendermaßen angeordnet: würde man den Bauplan von oben betrachten dann würde man ein Quadrat sehen, das in vier gleiche Teile geteilt wurde. Rechts oben lag das Ankleidezimmer, links daneben, das Bad. Unten links befand sich Heras Salon und rechts daneben ihr Schlafzimmer. Die Räume gingen ineinander über und waren nur mit großen Schiebetüren abgetrennt. Man betrat diesen Teil des Hauses durch eine breite Tür, die vom Gang in den Salon führte, auf der anderen Seite des Ganges lagen die Räume von Zeus.

Das Ankleidezimmer enthielt offene Schränke, in denen unzählige Kleider hingen, in verschiedenen Längen, Stilen und aus unterschiedlichsten Stoffen. Sie waren jedoch alle weiß oder cremefarben oder golden. Zusammen mit den weißen Möbeln und dem transparenten Organzaschleier vor dem Fenster wirkte das Zimmer fast unwirklich. Neben Kleidern fanden sich ebenso viele Sandalen, Sandaletten, aus feinstem goldenem Leder, mit langen Bändern zum Schnüren oder filigranen Riemchen. Hera kleidete sich immer sehr feminin, und Zeus wusste das zu schätzen.

Vor dem bodentiefen Fenster, das wieder den Blick auf einen perfekt blauen, heute wolkenlosen, Himmel freigab, stand ein kleiner, selbstverständlich quadratischer, Beistelltisch. Auf ihm war in einer großen goldenen Amphore der schönste Strauß weißer und cremefarbener Rosen arrangiert, den Artemis je gesehen hatte. Neben der Amphore lag ein handgeschriebener Brief und Artemis meinte, Zeus schwungvolle Handschrift zu erkennen.

„Hera, was machst du hier?“ Artemis in ihren Reithosen mit den hohen schwarzen Stiefeln sah etwas deplaziert aus in diesem weiß-goldenen Göttinentraum.

Hera stand vor einem großen Spiegel und hielt sich abwechselnd ein weißes und ein goldenes Kleid vor die Brust. Beide Kleider waren mit dem Begriff „ein Hauch von nichts“ am besten zu beschreiben. Artemis hatte einen Verdacht. „Hera, was ist los? Hat sich Zeus bei dir gemeldet?“ Sie fing an sich in Rage zu reden. „Du wirst doch nicht wieder auf diesen Heuchler hereinfallen, Hera! Denk doch daran, was er dir schon alles angetan hat! Hera!“ Artemis nahm Hera die Kleider aus den Händen und stellte sich ihr in den Weg, als diese den Ankleideraum verlassen wollte.

„Wir wollten doch heute die Strategie für den Pfeil besprechen! Was ist bloß los mit dir?“

Hera schob sich an Artemis vorbei, die wütend die Kleider, die sie noch immer in den Händen hielt, auf den Boden warf.

„Weißt du Artemis, ich glaube nicht mehr, dass die Sache mit dem Pfeil eine gute Idee ist. Außerdem war es ja eigentlich deine Idee. Und Ananke –„Hera zögerte einen Moment und fuhr dann fort. „Ich habe heute auch überhaupt keine Zeit mehr, Artemis. Ich muss noch so viel vorbereiten. “

Hera ging zur Tür des Salons und öffnete sie. Mit einem Ausdruck in der Stimme, der keinen Widerspruch duldete, sagte sie: „Du musst jetzt gehen Artemis, ich bin beschäftigt.“

Sie machte eine kleine Pause und sagte dann: „Zeus kommt heute Abend.“

Artemis stapfte wütend an Hera vorbei, drehte sich jedoch auf dem Gang noch einmal um.

„Dann gib mir wenigstens den Pfeil, Hera!“ sie wirkte fast verzweifelt.

„Nein Artemis. Du solltest dich auch nicht so in deine Rachegedanken verstricken. Eigentlich geht es dir doch gar nicht um die Sterblichen sondern nur um Kallisto. Du hast sie nie vergessen. Versuche, endlich darüber wegzukommen. Und der Pfeil – ich kann ihn dir gar nicht geben, ich habe ihn nicht mehr, ich habe beide Pfeile nicht mehr.“

Artemis kam wieder zurück und fragte drohend:“Wo sind die Pfeile, Hera?“

„Das darf ich dir nicht sagen, Artemis. Aber es ist gut so wie es ist. Geh jetzt.“

Hera wandte sich um und schloss die Tür hinter sich. Artemis blieb mit ihrer Wut auf dem Gang zurück. Mit Tränen in den Augen verließ sie Heras Villa.

Was war geschehen?

Zeus ist wieder da

Heute ist ein ziemlich heißer Tag, ungewöhnlich heiß. So ein Tag, an dem man seine langen Haare verflucht und irgendwie versucht zu bändigen. Ein Tag, an dem Mascara unter den Augen zu schwarzen Flecken gerinnt und die Nase glänzt als ob sie dafür einen Preis gewinnen könnte. Und ausgerechnet heute, wenn ich vollkommen derangiert in meiner Wortwabe sitze, kommt Zeus.

Unangemeldet, wie immer. Er setzt sich mir gegenüber an den zweiten Schreibtisch und ich versuche verzweifelt, mich hinter meinem Bildschirm zu verstecken. Ich bücke mich und fingere an meinem Router herum. Zeus bückt sich ebenfalls und grinst mich unter dem Tisch an:

„Suchen Sie etwas? Ich finde, Sie wirken heute irgendwie überspannt!“

Im Gegensatz zu mir sieht Zeus wieder umwerfend aus, allerdings ist er heute blond und mein Beuteschema ist eher dunkelhaarig. Kaum habe ich den Gedanken zu Ende gedacht, sind seine Haare braun, fast schwarz. Zeus spielt mit einer langstieligen roten Rose herum: „Wollten wir nicht eine Nacht zusammen verbringen?“

Er schaut mir tief in die Augen, mittlerweile befinden wir uns wieder über der Tischplatte. Habe ich schon erwähnt, dass Zeus eine außergewöhnliche Stimme hat? Irgendwie sanft, aber auch bestimmend und auf eine Art – vage – so als ob er bei jedem Satz bereits bei seinem nächsten Gedanken wäre  –

„Ich, äh, also –“ meine Güte, jetzt fange ich schon an zu stottern!

Ich kneife mich ganz fest in den rechten Unterarm (ich bin Linkshänderin) und sofort bildet sich ein Fleck.

Zeus ist verschwunden.

Auf meiner Tastatur liegt – können Sie sich das nicht denken?

Eine Rose….und ich schaue mir meinen rechten Arm an und frage mich, ob ich wirklich aus Fleisch und Blut bin oder nur eine Figur in einer Geschichte die gerade irgendwo geschrieben wird. Ich bin nicht sicher.