Novembernacht

so zart wie Elfenhaar

ein seidner Faden nur

staunend sahen wir

das Mondlicht darin schimmern

 

verspinnen wollte ich das zarte Band

mit deinen Worten

weben die Worte

in den silbernen Teppich

der uns weit

weit hinausträgt

in den aufleuchtenden Morgen

 

doch du bliebst stumm

Sehnsucht

Ich kannte deinen Namen
nicht und doch
schrieb ich ihn
Nacht für Nacht an den
Himmel den einen
ewigen Traum
von dieser Liebe

habe dich gesucht bin
gereist durch Raum und
Zeit und dann
warst du da

deine Augen
deine Stimme deine
Stimme die Worte
habe ich gesammelt mich eingehüllt
in meine Sehnsucht und dann
warst du da

jetzt
halte ich den Atem an
vor Glück

die Liste der Dinge die das Herz schneller schlagen lassen

Heute habe ich in meiner Wortwabe einen wunderschönen Film gesehen: „Die Bettlektüre“ von Peter Greenaway. Die Inspiration dieses Films ist ein über 1000 Jahre altes Buch aus Japan, von einer Hofdame der japanischen Kaiserin geschrieben. Sie beschreibt ihre Wahrnehmungen der Dinge um sie herum, ähnlich wie in einem Tagebuch. Im Film wird aus dem Buch zitiert, eine Aufzählung von „Dingen, die das Herz schneller schlagen lassen.“ Ich finde diese Idee einfach wunderbar und habe die Liste, die Nagiko, die Protagonistin des Films im Stil von Sei Shonagon am Ende aufzählt, hier für Euch aufgeschrieben. Vielleicht als Inspiration, auch einmal so eine ganz persönliche Liste zu schreiben.

Nagiko schreibt:

Warmer Regen

der aus Bergwolken fällt

 

Langsam gehen

gekleidet in karminrot

an Kyoto denkend

 

von einem Liebhaber

im Matsuo Taisha Garten

geküsst werden

 

stilles Wasser

und lautes Wasser

 

Liebe am Nachmittag

die Geschichte imitierend

 

Liebe davor

und Liebe danach

 

Fleisch

und der Schreibtisch

 

von Liebe schreiben

und sie finden

 

 

 

sprachlos

Wir haben unsere

Sprache verloren

Bruder

die Brücke ist

eingestürzt mutlos stehe ich

an meinem Ufer und betrachte

die Trümmer die unser Wir

begraben

 

Meine Hände wurzeln

in den Taschen ich hole

Spieglein um Spieglein um Spieglein

hervor und frage

war ich denn nicht die Schönste in

deinem Land

 

Da kommt er mein

alter Freund der Schmerz doch ich

schicke ihn weg die Kraft

reicht gerade für den ersten

Schritt auf meinem Weg

 

Ich gehe davon mit

klarem Blick ohne mich

umzudrehen nach dir

Floß aus Geschichten

ich tauche

tauche tief ein

in unser Wortmeer

falle durch die Zeit bis

mir schwindlig wird und dann

dann kommst du

bettest mich auf ein

Floß aus Geschichten

lässt mich treiben

auf dem Wortmeer in

ein unbekanntes Land

 

am Ende meiner Reise

lege ich den Kopf an

deine Schulter und lausche

der Stimme des Königs

Nabelschnur

Wort für Wort webt

sie sich unsere

Nabelschnur

fester und fester wird

dieses Band aus

einer anderen Zeit die geteilten

Gedanken füllen den Raum

zwischen uns

 

Reisende sind wir zwischen

den Welten die Schatten

aus anderen Zeiten

verschwinden

 

mein Herz schlägt

in deiner Hand du

hütest es wie

einen Schatz und dann

 

bin ich frei

frei wie du

 

Bruder

Endlich Frühling in der wortwabe

Lang genug hat er gedauert, der Winter. Ein nicht endendes Gemisch aus grauem Himmel, Regen und dicken Pullovern. Die ersten warmen Tage haben dem Garten Beine gemacht. Vor meinem Fenster steht der Apfelbaum in voller  Blüte, mit drei Wochen Verspätung. Das tränende Herz ist scheinbar mit doppelter Geschwindigkeit in die Höhe geschossen und seine pinkfarbenden Blüten schmiegen sich an die zarten Rosenknospen, als wollten sie ihnen Mut machen:“Nur zu, traut euch, der Winter ist endgültig Geschichte!“

Mit der Sonne krabbeln auch die Worte endlich wieder ans Licht, purzeln durch meinen Kopf und wollen sortiert werden. Die Buchstabensuppe kocht leise vor sich hin und ich schöpfe vorsichtig ab, was von unten nach oben steigt.

Gedichte

Ich tauche

nach den Worten ganz

tief muss ich

hinein in den Abgrund dort

ist es dunkel

und einsam ich leuchte

die Dunkelheit aus

mit meinem Stift und

ziehe die Worte

ans Ufer des Papiers

Dort liegen sie auf

gestapelt in der Stille und

ich warte mit ihnen

auf den richtigen

Moment

Geständnis

Du

berührst mich

mit Worten

deinen

deinen Worten

nur du

berührst mich

so

deine Worte

wie ein Schwarm kleiner Fische

die in den

Abgrund

meiner Seele

tauchen

unter meine Haut

sich ergießen

in mir in

jede Pore meines Seins

wenn du

schweigst

dann sehne ich

mich nach deinen

deinen

Worten nur

deinen Worten

unter

meiner Haut

ich sehne mich

nach deinen

Worten nach

deinen

Worten Lippen

auf

meiner Haut