Klappe/Bassum die Fünfte

Meine Bassumwoche in der Schreibwerkstatt bei Jutta Reichelt , in der Sommerakademie der VHS Diepholz, ist schon wieder vorbei. Wie immer ist die Zeit, die mir so lang erscheint, wenn ich mich auf den Weg in den Norden mache, verflogen. Coronabedingt war der Aufenthalt in den Gebäuden der Freudenburg nur mit Maske erlaubt, die Essenszeiten waren für die einzelnen Gruppen festgelegt und limitiert. Das Wetter war aber so großartig, dass wir uns nur im Freien aufgehalten haben. Stühle und Tische wurden von der kleinen Terrasse in den Park getragen und dort verteilten wir uns unter den riesigen alten Bäumen im Schatten

Morgens um halb zehn trafen wir uns nach dem Frühstück mit Jutta, die jeden Tag einen kleinen Schreibimpuls für uns vorbereitet hatte, quasi als Aufwärmübung für den Start in den Tag. Einer dieser Schreibimpulse war:

Schreibe eine Geschichte, die an einem realen Ort spielt, vorzugsweise hier in Bassum oder sogar in der Freudenburg, und lasse eine unheimliche Atmosphäre entstehen. Vielleicht gibt es etwas Bedrohliches, Unheimliches, Unerwartetes – wie immer galt die Devise „alles ist erlaubt“.

Diese Geschichte folgt dann noch hier auf dem Blog.

Die Arbeit an meinem Romanprojekt war dieses Mal produktiv wie nie, das war zum Einen dem einzigartigen Kosmos der Freudenburg geschuldet, zum anderen dem Umstand, dass mit klar war, ich muss die ganzen Fragmente, die teilweise schon zusammenhängend waren, teilweise auch nicht, endlich strukturieren. Zu diesem Zweck hatte ich eine Rolle Packpapier eingepackt, viele Meter lang und fünfzig Zentimeter breit. Die perfekte Breite um auf einem Tisch ausgerollt zu werden.

Mehrere Tage habe ich mich in einem der Räume, die wir ohnehin wegen des schönen Wetters nicht genutzt haben, ausgebreitet und an meiner Timeline gearbeitet. 

Die einzelnen Szenen hatte ich zuvor auf  Karteikarten geschrieben und dann auf das Papier übertragen, welche Personen in der Szene auftauchen, wo die Szene stattfindet und kurze Stichworte dazu, was passiert. Die Figur(en), die zum ersten Mal auftauchen, eingeführt werden oder erwähnt werden habe ich mit Farbe hervorgehoben. So hatte ich einen guten Überlick über den Verlauf. Der Erfolg war durchschlagend. Plötzlich waren alle Schleusen offen. Immer wenn ich an einen Punkt kam, wo der  Geschichte der Zusammenhang zwischen zwei Szenen fehlte, habe ich parallel geschrieben und die Szenen so zusammengefügt. Wie ein Puzzle, das am Anfang unüberschaubar aussieht und plötzlich fügt sich eines zum anderen, wenn man die Ecken und Seiten des Puzzles zusammengesetzt hat und Ausschnitte des Ganzen schon erkennen kann. Alles in allem sind es sicher über dreißig Seiten, die jetzt überarbeitet werden können und die Geschichte vorantreiben. Kapitel 1 und 2 sind jedenfalls – endlich – abgeschlossen und mit dem dritten Kapitel habe ich bereits begonnen. Jetzt steht das Aufarbeiten der Teile an, die es aus Kapitel 3 und 4 bereits gibt. Der Schluss des Romans ist ebenfalls schon geschrieben und auch dieser Teil muss noch auf die große Rolle. Es ist Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Dank Jutta Reichelts Gabe, mich jedes Jahr in Bassum mit subtilem Druck in die richtige Richtung zu schieben, bin ich auch dieses Jahr bei der Schreibwerkstatt in Bassum ein großes Stück vorangekommen. Dieses Jahr war ich zum fünften Mal bei Jutta Reichelts Schreibwerkstatt in der Freudenburg und wie immer bin ich völlig glücklich zurück gefahren. Liebe Jutta, vielen Dank!