Schlüssel-los

Sie möchten ja so gerne heraus aus mir, die Geschichten. Aber sie finden die Türe nicht. Jetzt sitzen sie eingepfercht in mir drin und gehen sich gegenseitig auf die Nerven. All die Figuren stolpern sich über die Füße und bringen Zeit und Raum durcheinander. Ich brauche unbedingt einen Schlüssel um dieses Tor aufzuschließen, damit ich sie herauslassen kann. In die vermeintliche Freiheit, die keine sein wird, weil ich der Schöpfer ihrer Welt bin.

Vielleicht bin ich selbst ja auch nicht wirklich sondern nur eine Figur im Kopf irgendjemandes, der sich gerade überlegt, dass ich aufschreibe, dass meine Geschichten aus mir herauswollen aber nicht können.

Ich fasse mich an und versuche zu glauben, dass es mir gelingen könnte, die Realität zu beweisen indem ich mich kneife. Um sicherzustellen, dass ich aus Fleisch und Blut bin.

Ich bin nicht sicher.

Elf Monde

die Tage haben sich zu

Wochen gestapelt zu Monaten

aufgetürmt zwischen uns

liegen die Schichten der Zeit

Schicht um Schicht um

Schicht sah ich dich weniger

sah ich dich

verschwinden

jetzt vergrabe ich meine Sehnsucht

darin und die Erinnerung

 

und doch ist die Spur

die du in mir gegraben hast so

tief dass ich ihr folgen kann

blind und tastend

durch die Schichten der Zeit

zurück in meinen Traum

 

Sehnsucht

Ich kannte deinen Namen
nicht und doch
schrieb ich ihn
Nacht für Nacht an den
Himmel den einen
ewigen Traum
von dieser Liebe

habe dich gesucht bin
gereist durch Raum und
Zeit und dann
warst du da

deine Augen
deine Stimme deine
Stimme die Worte
habe ich gesammelt mich eingehüllt
in meine Sehnsucht und dann
warst du da

jetzt
halte ich den Atem an
vor Glück

Im Garten

du gehst mit mir

in den

Garten

dorthin wo die

verborgenen Schätze

ruhen und

wunderbare Dinge geschehen

 

du nimmst mich

an der Hand

du führst mich

durch das Tor dorthin

wo Raum und Zeit

verschwinden du lässt

mich fliegen

und fängst mich auf

du nimmst mich

nimmst mich an der Hand

und ich

ich schenke dir

eine Rose die nie

nie verblüht

Traum III

Wie

kann ich etwas vermissen

was ich nie besaß

nie kannte

es war

ein Traum dieser eine

Traum Tag für Tag und

Nacht für Nacht

immer dieser Traum

von dir

wusste ich nichts und doch

warst du da irgend

wo irgendwo und ich

habe dich nicht gesucht

aber du

hast mich gefunden

Traum

Im Traum bin ich

bei Dir

du nimmst mich

an der

Hand und

ich folge dir

in die Dunkelheit

und

ins Licht

 

 

Im Traum

bist du bei mir

mein Herz schlägt

schneller atemlos

flüstere ich deinen Namen

ich spüre

dich falle schwerelos

haltlos

 

Im Traum

fängst du mich

auf

 

 

 

Wer ist Zeus? (Nachtrag aus September 2012)

Es wird Herbst

Ich sitze in meiner wortwabe und trauere dem Sommer hinterher. Der Himmel ist grau und immer wieder regnet es. Die Rosen vor meinem Fenster recken trotzig die letzten Knospen in die kühle Luft. Ich schließe mich Ihnen an und hoffe auf einen goldenen Oktober.

Plötzlich steht ein Mann vor meinem Schreibtisch, den ich noch nie gesehen habe. Ich schaue ihn irritiert an und als ich in seine Augen sehe, bin ich mir nicht sicher: kenne ich ihn?

„Erkennen Sie mich nicht?“

„Äh, nein. Wer sind Sie denn?“ frage ich ihn direkt.

„Ich bin Zeus!“ Das Ausrufezeichen am Ende des Satzes ist nicht zu überhören. `Meine Güte`, denke ich, `die Typen lassen sich immer schrägere Namen einfallen.`

„Der Name ist mir nicht EINGEFALLEN – ich BIN Zeus!“ sagt der Fremde jetzt mit einem ärgerlichen Unterton.

Woher weiß er, was ich eben gedacht habe? Jetzt wird er mir unheimlich.

„Sie müssen sich doch an mich erinnern, meine Liebe“, sagt er jetzt etwas freundlicher. Er sieht mich wieder an und tief in mir sitzt eine Erinnerung, die nicht aus ihrem Versteck kommt.

„Schön“, sage ich,“ Sie sind also Zeus. Und was wollen Sie von mir, Herr Zeus?“

„Einfach nur `Zeus`“, sagt er und setzt sich auf meinen Schreibtisch. Jetzt atme ich seinen Duft ein und aus dem Nichts schießt mir durch den Kopf „Ambrosia“.

„So ähnlich“ sagt der Typ, der behauptet Zeus zu sein. „Eine ganz besondere Mischung, exklusiv für mich komponiert. Übrigens von Aphrodite persönlich.“

`Ein Irrer`, denke ich noch und plane meine Flucht. Aber da ist er schon verschwunden.

Reisetagebuch, Hongkong, März 2001

Heute Abend über die Cameron Road zurückgelaufen auf der Suche nach einem T-Shirt für Lea. Sie wünscht sich eines im Stil von Dolce und Gabbana. Ich finde genügend flippige Teile aber alle maximal in Kindergröße, nichts für ausgewachsene Frauen. Die Gehwege sind voll wie bei uns die Wege auf dem Volksfest, immer wieder muss ich vom Gehweg auf die Straße ausweichen um vorwärts zu kommen. Aus jedem Geschäft dröhnt andere Musik, allerdings sind es dieselben Top 40 Hits wie zuhause. Ich fühle mich mal wieder wie ein Elefant, um mich herum nur kleine Asiatinnen, deren dünne Oberschenkel etwa den Umfang meiner Oberarme haben. Auf dem Rückweg zum Hotel werde ich nicht ein einziges Mal angesprochen von einem Uhrenverkäufer „Copy Watch? You want copy watch?“  Nach zehn Jahren, in denen ich zwei bis viermal pro Jahr hier war, sehe ich wohl nicht mehr so aus wie eine Touristin, suchend und mit dem Stadtplan in der Hand, wie bei meinem ersten Aufenthalt hier. Es riecht nach Essen, nach Gebratenem, nach Meer und Fisch, nach Räucherstäbchen. Der Geruch wäre, könnte man ihn hören, ein einziges Stimmengewirr. Ich registriere das alles nur noch am Rande, zu vertraut ist es mir schon. Im Hotel wie jeden Abend Deutsche Welle, alle halbe Stunde wechselt das Programm von Deutsch zu Englisch. Dann muss ich umschalten. Es ist einfach zu seltsam, die eigene Sprache im Hintergrund zu hören während das Gesagte simultan ins Englische übersetzt wird.

Heute Morgen bin ich um sieben Uhr aufgewacht, nach einem seltsamen Traum. Wir wohnten in einem Haus, das zum Teil in die Erde hinein gebaut war, die Wände und auch der Boden waren aus Lehm. Die Küche grenzte an den Garten, aus einem schmalen Fenster sah man auf eine große Rasenfläche. Die Küche und das Schlafzimmer lagen tiefer als das Wohnzimmer, das gleichzeitig auch Eingangsbereich war. Die Zimmer waren in ein diffuses Licht getaucht, die Holzläden vor den Fenstern geschlossen. Unser Vermieter war ein Herr aus Mallorca, wir hatten im realen Leben schon zweimal sein Ferienhaus gemietet. In diesem Traum besuchte er mich um mich nach einem unterirdischen Tunnel zu fragen, der von unserem Haus zu seinem führen sollte und über den wir zum Schwimmbad in seinem Haus gelangen könnten. Ich wusste, es gab im Schlafzimmer eine Falltüre, die in einen Keller führte. Ich räumte die Matratze unseres Sohnes weg, und öffnete die Falltüre. Es gab aber keine Treppe, man hätte hinunterspringen müssen, was wir aber noch nie ausprobiert hatten. Wir sahen zusammen hinab in den Keller – und genau in diesem Moment wachte ich auf. Ich ärgere mich noch beim Zähneputzen darüber, dass ich nun nie erfahren werde, was genau sich unter dieser Tür und in dem Keller verbarg.

Vor meinem Fenster ist jetzt Bewegung, es ist viertel vor Acht, ein Dampfer fährt in den Hafen ein, die Fähren kreuzen regelmäßig zwischen Hongkong Island und Kowloon. Ich könnte ewig so sitzen und diese Kulisse betrachten. Ein Fenster vom Boden bis zur Decke, so breit wie das Zimmer, gibt mir das Gefühl, ich befände mich auf einer Bühne und die Kulisse Hongkong Islands mit ihren zahlreichen Wolkenkratzern wäre mein Publikum. Das Zimmer würde, könnte man von außen durch die Fenster hineinsehen, wie ein aufgeklappter Karton aussehen, eine Puppenstube mit Schrank, Bett und Fernsehgerät – und ich mittendrin. Die Fenster sind natürlich von außen undurchsichtig, wie es sein muss, ich sehe alles und mich sieht niemand. Ich blicke auf meine nackten Zehen und plötzlich schießt mir der Gedanke durch den Kopf, wie meine Zehen wohl aussehen, wenn ich gestorben bin. Dann habe ich auch nichts als ein Hemd an, so wie jetzt, und meine Haut wird eine wächserne Farbe bekommen haben.

Ein winziges Boot, zur Hälfte überspannt mit einer dieser typischen halbrunden Planen, verlässt das Ufer. Es tanzt bedenklich auf den Wellen und ein Mann hantiert mit Netzen. Der Kontrast erscheint mir immer wieder erstaunlich: die kleinen Boote, die so einsam vor der atemberaubenden Kulisse dieser reichen Stadt im Wasser schaukeln.  Acht Uhr dreißig, ein schnelles Frühstück mit viel frischer Mango und dann Aufbruch zum ersten Termin, irgendwo im Schlund dieses Drachens.

Der erste Pfeil trifft

Manchmal sind kleine Verletzungen unglaublich schmerzhaft. Ich habe mir am linken Zeigefinger bei einer ungeschickten Bewegung ein Stückchen Haut gequetscht und abgerissen. Geblieben ist eine kleine kreisrunde Wunde, die aussieht, als hätte man mir ein Stück Haut heraus gestanzt.

Jetzt muss ich den Stift ganz verkrampft halten, damit ich diese kleine wunde Stelle nicht berühre.

„Soll ich ihre Wunde heilen?“ Da ist er wieder. Die Doppeldeutigkeit seiner Worte scheint Zeus nicht bewusst zu sein. Von diesem anderen Schmerz ahnt er ja offensichtlich nichts. Auch ein allwissender Gott kann nur das fühlen war er selbst kennt, schießt es mir durch den Kopf. Und diese Gefühle kennt er ja nicht.

Er lächelt mich mit seinem unergründlichen Lächeln an. In seinen grünen Augen sind kleine helle Sprenkel.

„Nein danke,“ ich versuche locker zu bleiben, „Das wird schon wieder, halb so schlimm.“

Ich tue so, als wäre ich beschäftigt und versuche ihn nicht zu beachten.

„Warum sind sie denn heute so abweisend, meine Liebe?“ Seine Stimme fließt direkt in mein Herz und breitet sich dort aus, kriecht dann in jede Pore und transformiert sich zu einer so tiefen Sehnsucht, dass ich vor Schmerz die Luft anhalte. Ein Teil meines Ichs ist sich bewusst, dass all das, was ich spüre, nur eine Projektion meiner Fantasie ist. Der andere Teil ist gefangen in dieser Sehnsucht, die mich wie mein eigener Herzschlag durch den Tag begleitet.

Vielleicht ist die Dimension, in der ich mich mit meiner Figur befinde, real und die vermeintliche Realität ist nur eine Illusion?

Während ich die Möglichkeiten abwäge spüre ich einen schmerzhaften Stich in der Brust. Für einen Moment halte ich die Luft an. Ich fasse mich ans Herz, aber da ist nichts. Ich fühle mich plötzlich seltsam leer, als ob man mir etwas genommen hätte, an das ich mich nicht mehr erinnern kann, aber ich weiß dass es da war.

Ich bin allein in meiner Wortwabe und frage mich ob ich wohl eine  Figur bin in der Geschichte eines anderen – bin ich aus Fleisch und Blut? Ich bin nicht sicher.

Das Märchen von Shangri-La

Es war einmal in einem Land lange vor unserer Zeit ein junger Prinz. Er war stolz und leidenschaftlich und der beste Kämpfer im Heere seines Vaters, des Königs. Als die Zeit gekommen war, dass er heiraten sollte, schickte ihn der König in das Nachbarreich, dort lebte die Königstochter, die ihm bestimmt war.

Auf seiner Reise ritt der Prinz durch einen dichten Wald und verirrte sich. Plötzlich hörte er einen so lieblichen Gesang, wie er ihn noch nie gehört hatte. Er folgte der Stimme und fand den Weg heraus aus dem Wald. Da sah er am Waldrand ein Mädchen sitzen, das war so schön, dass die Sonne sich verwundert die Augen rieb weil sie auf ihrer weiten Reise um die Erde nichts Schöneres gesehen hatte.

Das Mädchen sang und der Prinz spürte eine so tiefe Sehnsucht, dass er vergaß, wohin er reisen wollte. Er stieg vom Pferd und fragte das Mädchen:

„Wer bist du?“

Das Mädchen sang:

„Arm bin ich geboren

Hab alles verloren, hab

Kein´ Vater, keine Mutter

Keine Schwester, keinen Bruder“

Da fühlte sich der Prinz noch mehr zu der Schönen hingezogen, nahm ihre Hände und sprach:

„komm mit mir auf mein Schloss und werde meine Frau.“

Und sie hielten sich an den Händen und herzten und küssten sich so innig, dass die Sonne sich hinter einer Wolke versteckte, um die Liebenden nicht zu stören.

Und der Prinz nahm das schöne Mädchen auf sein Pferd und sie ritten zum Schloss seines Vaters, des Königs, zurück.

Als aber der Prinz dem König seine Braut vorstellen wollte war dieser außer sich vor Wut und verbot dem Prinzen ein so armes Mädchen zur Frau zu nehmen. Er befahl seinen Wachen, die Schöne in den Kerker zu werfen, doch der Prinz befreite seine Liebste und sie flohen aus dem Schloss.

Nun war guter Rat teuer. Der einzige Ort, wohin ihnen keiner folgen würde, war der Zauberwald. Alle Menschen machten einen großen Bogen um diesen Wald, in dem unsichtbare Wesen ihren Schabernack mit den Reisenden trieben. Einer alten Sage nach gab es in diesem Wald eine geheime Pforte zum Lande Shangri-La. Ein Land, in dem jeder die Erfüllung seiner Sehnsüchte erlangen konnte.

Der Prinz ritt in den Wald und hielt seine schöne Braut vor sich im Sattel. Der Wald schien zu flüstern und tausend Augen zu haben. Aber weil sie reinen Herzens waren geschah ihnen kein Leid.

Nach einiger Zeit kamen sie auf eine Lichtung, in deren Mitte ein großes Tor aus weißem Marmor in der Sonne leuchtete. Stimmen flüsterten:

„Das Tor nach Shangri-La erfüllt dir deinen größten Wunsch!“

Die Bäume schienen zu wispern oder waren es die die Gräser? Der Prinz hob seine Braut vom Pferd und Hand in Hand gingen sie auf das wundersame Tor zu, das hell in der Sonne leuchtete. Als sie davor standen sagte eine Stimme

„Bedenke wohl was du dir wünschst, es könnte dir gewährt werden, denn jeder hat sein eigenes Shangri-La. Geht ihr zusammen durch das Tor und träumt nicht denselben Traum dann seid ihr für immer getrennt….“

Doch der Prinz hörte gar nicht mehr hin. Er war sich so sicher, dass seine Liebste dieselben Wünsche und Träume hatte wie er und trat Hand in Hand mit ihr durch das Tor.

Der Prinz fand sich wieder inmitten eines großen Turniers aus dem er als gefeierter Sieger hervorging.

Er trat an die Tribüne ums sich von seiner Schönen den Siegerkranz auf das Haupt setzen zu lassen. Doch wo war sie? Er konnte sie nirgends entdecken – hatte sie nicht denselben Traum geträumt?

Plötzlich hörte er eine Nachtigall singen – und ihr Gesang traf ihn mitten ins Herz.

Er ging in seine Kammer und schloss sich ein, wollte nicht essen noch trinken. In der Nacht jedoch hatte er einen Traum. Die Nachtigall saß an seinem Bett und sang mit menschlicher Stimme:

„Arm bin ich geboren

Hab alles verloren, hab

Kein´ Vater, keine Mutter

Keine Schwester, keinen Bruder

Mein Liebster ist fort

An einem anderen Ort

Wird er mich finden

Hinter den Sternen

Der Prinz erwachte und erkannte in der Traumstimme die Stimme seiner liebsten Braut Da sattelte er sein Pferd und machte sich auf den Weg, fest entschlossen seine Liebste zu finden.

Er ritt drei Tage und drei Nächte und fragte alle, denen er begegnete:

„Kennt ihr das Land hinter den Sternen?“

Aber alle schüttelten nur mit dem Kopf. Endlich kam er an einen großen Berg, der war so heiß, dass er glühte und brennende Steine ausspuckte. Das war die Wohnung der Sonne:

„Liebe Sonne,“ rief der Prinz, „kannst du mir nicht den Weg zum Land hinter den Sternen zeigen?“

„Ich helfe dir, mein Prinz,“  sprach die Sonne,“ aber du musst mir erst ein Jahr dienen. Wenn du meinen Sonnenwagen ein Jahr auf der Reise über die Erde gezogen hast zeige ich dir den Weg.“

Und der stolze Prinz spannte sich vor den Wagen der Sonne und zog ihn ein Jahr lang über den Himmel. Er sah in jeden Winkel der Welt aber nirgends konnte er seine Liebste entdecken.

Nach einem Jahr sagte die Sonne:

„Du hast mir treu gedient, du bist frei. Geh auf diesem Sonnenstrahl immer weiter nach Norden und du kommst zu meiner Schwester Luna, die Hüterin des Mondes, sie wird die weiterhelfen. Ich habe auch ein Geschenk für dich. Das wirst du brauchen können.“

Und sie gab ihm einen brennenden Stein, den sie in einen Lederbeutel legte.

Der Prinz bedankte sich und ging auf dem heißen Sonnenstrahl nach Norden und fand Luna, die Hüterin des Mondes einem weißen Palast aus Milchglas, der von innen zu leuchten schien.

„Wer bist du?“ fragte Luna und ihre Stimme klirrte wie Glas.

„Ich bin ein Prinz der seine Liebste sucht. Sie ist im Land hinter den Sternen.“

„Ich kann dir den Weg zeigen aber du musst mir ein Jahr dienen. Zwölfmal musst du  mir helfen, den Mond aufzublasen, dann zeige ich dir den Weg.“

Und der Prinz diente Luna zwölf Monate. Er blies nach Neumond den Mond auf bis er kugelrund war und als leuchtende Scheibe am Himmel hing. Dann verlor der Mond wieder alle Luft und an Neumond fing der Prinz wieder an ihn aufzublasen. Nach dem zwölften Vollmond sagte Luna:

„Du hast mir treu gedient, ich werde dir nun den Weg zu den Sternen zeigen. Geh auf meinem Mondstrahl immer weiter nach Norden, dort findest du die Heimat der Sterne. Hier habe ich noch ein Geschenk für dich.“

Und sie gab ihm einen weißen Stab aus Holz.

„Den wirst du noch brauchen“.

Der Prinz bedankte sich und ging auf dem kalten weißen Mondstrahl nach Norden bis er zur Heimat der Sterne kam.

Hier war die Nacht so dunkel dass er nicht einmal mehr seine Füße am Boden sehen konnte.

„Ihr Sterne“, rief der Prinz in die Dunkelheit hinein,“ ich suche meine Braut im Land hinter den Sternen – “

„Zünde uns an wir zeigen dir den Weg“, riefen die Sterne.

Und der Prinz nahm den glühenden Stein der Sonne und zündete damit den weißen Stab der Luna an.

Plötzlich stand er im Licht und sah die vielen erloschenen Sterne. Er zündete sie an, einen nach dem anderen. Aber es waren so viele dass es ein Jahr dauerte, bis alle Sterne am Firmament leuchteten.

Und da sah er mitten in den Sternen eine Straße, die war weiß wie verschüttete Milch, und er ging die Straße entlang und fand das Land Shangri-La hinter den Sternen. Dort wartete seine Braut und sie war keine Nachtigall mehr sondern das schönste und lieblichste Mädchen unter den Sternen.

Sie nahmen sich an der Hand und wünschten sich nichts sehnlicher, als nie mehr getrennt zu sein.

Und weil sie dieselbe Sehnsucht teilten fanden sie sich wieder im Reich des Prinzen und waren dort Königin und König bis an ihr Lebensende.