2004

Jedes Jahr wenn das Nahen der Weihnachtsfeiertage nicht mehr zu übersehen ist, dann kommt die Erinnerung. Es wird besser, Jahr für Jahr, aber es geht nicht weg. Irgendwo in mir ist ein Ort an dem sich der Schmerz und die Verzweiflung eingekapselt haben. Dabei ist es nicht einmal mein eigener Schmerz, ich war ja nur Beobachter und am Rande betroffen. Vielleicht ist es deshalb so hartnäckig, weil mich die Tragödie in so einer entspannten Situation erreicht hat. Man sagt ja, jeder erinnert sich, wo er war, als er von 9/11 gehört hat und was er gemacht hat. Das geht mir auch so, aber es verursacht in mir nicht dieses Entsetzen wie die Nachricht vom 26.12.2004. Es war der Abend des zweiten Weihnachtsfeiertags. Ich war im Wohnzimmer und legte Holz im Kamin nach, als mein Handy klingelte. Es war eine ehemalige Kollegin. Ich war überrascht und freute mich, dass sie anrief. Sie ließ keine Zeit für Floskeln sondern fragte direkt                                                                                                           

Hast du etwas von Sylvie gehört?                                                                                                                                      

Sylvie? Die ist im Urlaub, die Glückliche, antwortete ich.                                                                                                          

Ja, das weiß ich, sagte Ute und klang ungeduldig, aber sie ist doch auf Sri Lanka. Da ist doch das Erdbeben!                                                                                                                                                                                                

Ich erstarrte innerlich. An Weihnachten sehe ich keine Nachrichten oder höre Radio. Trotzdem hatte ich am Rande mitbekommen, dass es wieder irgendein Erdbeben irgendwo gegeben hatte. Das Ausmaß war mir in diesem Moment nicht klar. Sylvie war eine langjährige Freundin, die wie Ute, immer noch in dem Unternehmen arbeitete, das ich vor einem halben Jahr verlassen hatte. Wir hatten vor ihrem Urlaub noch telefoniert, denn sie plante wieder nach Sri Lanka zu fliegen um eine Ayurveda Kur zu machen. Ich hatte ihr vor Jahren begeistert von meinem Aufenthalt auf Sri Lanka erzählt und das war nun schon ihre zweite Reise auf diese wunderschöne Insel.                                                                            

Ich beneide dich, hatte ich gesagt, ich könnte auch eine Ayurveda Kur gebrauchen, genieß es!                        

Sylvie war Single und hatte keine Familie, daher hatte sie ihre Reise über die Weihnachtsfeiertage gebucht. Ich war alarmiert und sagte zu Ute                                                                                                                                

Ich versuche sofort, sie zu erreichen!                                                                                                                                                          

Ich wählte Sylvies Nummer, erfolglos. Dann schaltete ich den Fernseher an und sah zum ersten Mal, was da eigentlich passiert war. Ich schrieb Sylvie eine SMS. Nach Stunden kam endlich eine Antwort. Sie lebte. Ich war erleichtert. Die Kommunikation war schwierig, aber ich wußte jetzt, dass sie während einer Behandlung auf der Massageliege von der ersten Welle überrascht wurde. Ihre Nachrichten waren spärlich und erst später erfuhr ich, was wirklich passiert war. Irgendwie konnte sie hinausschwimmen durch ein kleines Fenster. Im Wasser ist sie auf alles Mögliche, auch Scherben getreten, sodass ihre Fußsohlen völlig zerschnitten waren. Die Überlebenden retteten sich nach der ersten Welle auf Dächer und die Angestellten des Resorts kämpften sich unter Lebensgefahr in die Gästezimmer und retteten, was vom Gepäck übrig war. Ihr Zimmer lag im ersten oder zweiten Stock und fast ihr ganzes Gepäck wurde gerettet. Dann kam die zweite Welle. Sie schlug sich mit einer Gruppe von Gästen und dem Hotelmanager nach Colombo durch, das dauerte wohl 24 Stunden. Dort konnten ihre Wunden aber nicht versorgt werden. Ihr Handyakku war irgendwann leer und wir konnten nicht mehr Kontakt halten. Ich wusste aber, dass sie ihren ursprünglich geplanten Rückflug würde nehmen können und forschte auf der Seite des Frankfurter Flughafens nach Flügen, die an diesem Tag aus Sri Lanka ankommen würden. Ich hatte eine Tasche mit Kleidung dabei, weil ich nicht wusste, ob sie überhaupt etwas zum Anziehen hatte für unsere Wintertemperaturen. Als ich sie endlich aus dem Gepäckbereich kommen sah, fiel mir ein Stein vom Herzen. Es war etwa einundzwanzig Uhr, als wir uns im Auto auf den Weg zu mir machten. Von unterwegs rief ich in unserem Krankenhaus an, schilderte ihren Fall und fragte, ob ich direkt mit ihr vorbeikommen könnte. So fuhren wir zuerst ins Krankenhaus, mittlerweile war es fast Mitternacht. Ihre Wunden wurden versorgt und sie lag dann zwei Wochen bei mir, jeden Tag fuhren wir ins Krankenhaus, damit sie versorgt werden konnte. Sie lebte, das war das Wichtigste. Nach den Feiertagen ging ich wieder arbeiten. Dort erfuhr ich, dass einer unserer Kollegen mit seiner Frau, seiner Schwester und deren Mann vermisst wurde. Sie waren immer über Weihnachten und den Jahreswechsel in Thailand, seit Jahren, immer zu viert. An diesem Tag hatten sie einen Ausflug nach Kao Lak gemacht. Alle vier waren vermisst. Etwa nach einem halben Jahr entschloss sich das Unternehmen, die Stelle, die bisher interimsmäßig besetzt war, neu auszuschreiben. In den Jahren nach dieser Tragödie habe ich diese Gefühle, die das in mir ausgelöst hat, in Geschichten verarbeitet.

https://wortwabe.wordpress.com/2012/11/14/driving-home-for-christmas/

Die Erinnerung an die Ereignisse von Weihnachten 2004 gehört seither zu jedem Weihnachten, vielleicht brauche ich deshalb auch meinen Märchenfilm so sehr, siehe den Post von gestern.

So schwarz

so schwarz
die Nacht der Morgen
fällt in mein kaltes Herz du
bist fortgegangen
du gehst fort
immer wieder kommst
nicht mehr

ich tauche
nach Erinnerungen Bild
um Bild um Bild
gräbt sich
in meinen Kopf du
kommst nicht mehr

die Kälte schmiegt sich
an mich wie ein Kind
ich wärme sie geb ihr
mein kaltes Herz du
kommst nicht mehr

Schmerz

Diese wunde Stelle in
mir sie schmerzt
wieder und wieder kaum
dass dünner Schorf
sie bedeckt
kommt einer und
reißt sie wieder und wieder auf

ich verlor meine
Sprache suchte das
Wortmeer tauchen wollte ich mich
verlieren in meinen Bildern
und taumelte nur
doch dann
kamst du

Da schrieb der Stift
von ganz allein ich konnte
deine blauen Augen in den Himmel
malen und mein Glück

auch du
hast mir den dünnen Schorf
abgerissen
jetzt halte ich mein Herz
wieder in der Hand und
schaue mich nicht um
nach dir

Wer ist Ich

Du siehst

mich siehst du

mich wer

bin ich wenn du

mich siehst

wer ist die

die ich bin wer

ist Ich

 

immer wieder immer

wieder suche ich

suche diesen Einen

einen Ort wo ich

sein kann

ich sein kann

hinter den Sternen

versteck ich Clown mich

wieder und wieder

 

Niemand

sucht mich

sprachlos

Wir haben unsere

Sprache verloren

Bruder

die Brücke ist

eingestürzt mutlos stehe ich

an meinem Ufer und betrachte

die Trümmer die unser Wir

begraben

 

Meine Hände wurzeln

in den Taschen ich hole

Spieglein um Spieglein um Spieglein

hervor und frage

war ich denn nicht die Schönste in

deinem Land

 

Da kommt er mein

alter Freund der Schmerz doch ich

schicke ihn weg die Kraft

reicht gerade für den ersten

Schritt auf meinem Weg

 

Ich gehe davon mit

klarem Blick ohne mich

umzudrehen nach dir

Nessun Dorma

alle Türen habe ich

geöffnet  suchte in allen

Zimmern sie ist

verschwunden deine Liebe

hat sich leise

davongeschlichen doch die Nähe

die Nähe

bleibt

und der Schmerz der

Schmerz  der kommt

mit  kalten Wellen in der Nacht

ich friere und ich

schlafe nicht wie

die Prinzessin die drei Rätsel

stellte ihrem Liebsten

Nessun dorma

flüstert der Wind

niemand schlafe

Traum III

Wie

kann ich etwas vermissen

was ich nie besaß

nie kannte

es war

ein Traum dieser eine

Traum Tag für Tag und

Nacht für Nacht

immer dieser Traum

von dir

wusste ich nichts und doch

warst du da irgend

wo irgendwo und ich

habe dich nicht gesucht

aber du

hast mich gefunden

Nackt

Jetzt

sperre ich sie

ein tief in mir

die Worte und

auch alles andere

jedes Gefühl verschließe ich

Haltbarkeitsdatum unbekannt

 

Ich frage

mich warum

tut mir das

so weh es sollte

mich nicht erreichen

genau dieses Gefühl sollte sich

fern

von mir halten

genau das wollte ich

nicht

 

keinen Schmerz

keinen

Schmerz

nichts besitzen damit

ich nichts

verlieren kann

 

mir ist kalt ich

habe alles

ausgezogen

alle Gedanken

alle Gefühle

meine Haut hab ich

mir abgezogen

hab keine zweite jetzt

friere ich

Auf der Spur

Gebt mir

einen Platz wo ich

sein kann

ich

sein kann

ein unbekanntes

Land in mir

ist das Geheimnis

versteckt

tief in

meinem Herzen

 

 

Ich folge

dieser Spur dem Schmerz

mein Herz

klopft schneller

wo ist mein

Platz

wo bist du

Bruder

wer

hält mich wenn

ich falle

Black and White

THE CHALLENGE:

Write a one hundred word story that has a beginning, middle and end. (No one will be ostracized for going a few words over the count.) the group is hosted by Rochelle, each week we find an inspiring new photo on her blog: http://rochellewisofffields.wordpress.com

THE KEY:

Make every word count.

To see all the great 100 word stories of the weekly challenge use this link:
http://www.inlinkz.com/wpview.php?id=325879

This time I felt like writing a poem- what an adventure! It is this the kind of lyric I write in German, line breaking, playing around with words – so I hope imploringly I didn´t use any ridiculous or completely wrong phrases – comments and help with the language are welcome, as always! I hope you enjoy my first attempt in poetry here…

dismantled-keyboard

We were the black and

the white

the perfect sound of

our love

a warm coat in

this cold world

 

now the

pain rises

inside of me like

water in a swelling river

and silence

has nested in every

room

 

I believed in

you and me and

in the wonderful structure of verse

and chorus

and bridge of our life

 

Now our love

has fallen

silent the rooms

don´t  breath your perfume

anymore

I see my heart

lying in the dust

there is no beat no

music

nothing to hear

no

love

 

 

Genre: poem

words: 95

homeless

photo-88

There was not much left when the water withdrew. Miles behind the coast the destruction was not so heavy but still the car park of the supermarket was flooded.

“What is your name, Miss?”

The voice of the friendly looking young man seemed not to reach Eva´s ears.

“Miss? Where do you come from?”

Eva stared at the water, silently. Then with a sudden move she turned around.

“I didn´t let her off, “she said with a soundless voice.

“She must be here somewhere, I didn´t let her off, I´m sure -”

Shopping carts drifted in the muddy water like homeless boats.

Words: 102

This story I dedicate to all those, who survived any kind of catastrophe and feel guilty because they could not save their beloved ones.The title „homeless“ means not only the loss of a physical home but more than that the feeling of having lost the „Heimat“ of your heart.

http://en.wikipedia.org/wiki/Survivor_guilt

what a difference a day makes

the photo of this weeks inspiring prompt comes from Sandra Crook

the photo of this weeks inspiring prompt comes from Sandra Crook

Sitting on the steps of the old amphitheatre, I hummed the melody of the song that marked the beginning of our lovestory. There was no shadow, I could feel the heat on my skin.

„Thank you guys, good job, it will be a fantastic premiere! “

The director was enthusiastic.

“You were all great, just memorize this rehearsal and replay it at 9:00 p.m. tonight!”

Some of them laughed, I watched the group leaving the wooden stage and tried to find out, which of the three women was the one who just ruined my marriage: Bianca, Emilia or Desdemona.

105 words today are looking forward to your helpful comments!

Abgrund

Tom stand an der Klippe und war so fasziniert vom Kampf zweier Möwen dass er Dorotheé nicht kommen hörte.

„Traumabewältigung“ hatte er diese Reise genannt. Dorotheé wollte nie eine Villa mit Pool mieten, aber sie konnte sich wie immer nicht durchsetzen.

„Es gibt eine Poolabdeckung,“ lachte er. „Ich schwimme und decke danach den Pool ab, Ich schwöre!“

Nachdem sie Tammy gefunden hatten, stolperte Dorotheé schreiend durch den Garten, das tote Kind in den Armen.

„Ich wollte nicht zurückkommen,“ flüsterte sie.

Die Möwen flatterten erschrocken auf, als die beiden Körper auf den Strand krachten.

Copyright – E.A. Wicklund

Copyright – E.A. Wicklund

93 Wörter / diese Geschichte habe ich auf Englisch für meine Friday Fictioneers community geschrieben ( es gibt ein Foto als Vorgabe, zu diesem Foto schreibt man eine Geschichte, die nur 100 Worte hat ) – und dann übertragen ins Deutsche, Wider Erwarten habe ich 10 Wörter weniger auf Deutsch. Es ist zum Teil eine wahre Geschichte, die im Ferienhaus neben uns passiert ist und mich nie verlassen hat.

Meinem Vater

Jetzt bin ich

im fünften Jahr

ohne dich

 

Weit weit entfernt davon

Dich

loszulassen zu sagen

wie sehr ich

Dich

vermisse dafür

gibt es keine Sprache

derer ich mächtig bin

 

Gerade jetzt

wenn der Sommer

müde die letzten Sonnentage

über das Land schiebt

und der junge Herbst

sich aufbläht im nebligen

Morgen

Gerade jetzt

ist die Sehnsucht

am größten

 

Jedes Blatt das

zur Erde fällt und sich

in den raschelnden Teppich

der anderen Blätter webt

erzählt von unserem

letzten Sommer als dir

deine Krankheit die Sprache

nahm

 

Stumm hielt ich

deine Hand und

suchte in deinen Augen

nach Worten

die es nicht mehr gab

es gab keinen

Trost die Verzweiflung

kam später

 

Jetzt stehe ich in

klaren Nächten

Im Garten

lege den Kopf in den Nacken und

warte

auf ein Zeichen von dir