homeless

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There was not much left when the water withdrew. Miles behind the coast the destruction was not so heavy but still the car park of the supermarket was flooded.

“What is your name, Miss?”

The voice of the friendly looking young man seemed not to reach Eva´s ears.

“Miss? Where do you come from?”

Eva stared at the water, silently. Then with a sudden move she turned around.

“I didn´t let her off, “she said with a soundless voice.

“She must be here somewhere, I didn´t let her off, I´m sure -”

Shopping carts drifted in the muddy water like homeless boats.

Words: 102

This story I dedicate to all those, who survived any kind of catastrophe and feel guilty because they could not save their beloved ones.The title „homeless“ means not only the loss of a physical home but more than that the feeling of having lost the „Heimat“ of your heart.

http://en.wikipedia.org/wiki/Survivor_guilt

Abgrund

Tom stand an der Klippe und war so fasziniert vom Kampf zweier Möwen dass er Dorotheé nicht kommen hörte.

„Traumabewältigung“ hatte er diese Reise genannt. Dorotheé wollte nie eine Villa mit Pool mieten, aber sie konnte sich wie immer nicht durchsetzen.

„Es gibt eine Poolabdeckung,“ lachte er. „Ich schwimme und decke danach den Pool ab, Ich schwöre!“

Nachdem sie Tammy gefunden hatten, stolperte Dorotheé schreiend durch den Garten, das tote Kind in den Armen.

„Ich wollte nicht zurückkommen,“ flüsterte sie.

Die Möwen flatterten erschrocken auf, als die beiden Körper auf den Strand krachten.

Copyright – E.A. Wicklund

Copyright – E.A. Wicklund

93 Wörter / diese Geschichte habe ich auf Englisch für meine Friday Fictioneers community geschrieben ( es gibt ein Foto als Vorgabe, zu diesem Foto schreibt man eine Geschichte, die nur 100 Worte hat ) – und dann übertragen ins Deutsche, Wider Erwarten habe ich 10 Wörter weniger auf Deutsch. Es ist zum Teil eine wahre Geschichte, die im Ferienhaus neben uns passiert ist und mich nie verlassen hat.

Abyss

Copyright – E.A. Wicklund

Copyright – E.A. Wicklund

ABYSS

Tom stood at the edge of the cliff and was so fascinated by the fight of two seagulls that he didn´t hear Dorothy coming.

“Trauma-overcoming” he had named this journey. Dorothy never wanted to rent a villa with pool, but as always she could not prevail.

“There is a cover for the pool”, he`d laughed, “I`ll swim and then close the cover, I swear!”

After they had found Tammy, Dorothy was stumbling through the garden, carrying the dead child in her arms.

“I didn`t want to come back,” she whispered.

The seagulls fluttered away frightened when the two bodies crashed on the beach.

103 words – and it was hard to get it down to 103!

Part of this story really happened in the villa next to us on Mallorca/Spain few weeks before we where there with our little son. Our landlord told us the mother stumbled through the garden with the child and was not able to accept that her little girl died.So in my head since then is the image of the  mother with the dead child in her arms and it never left me –   this story maybe was also for me a kind of Trauma-overcoming (this word I created because I could not find anything matching)

Meinem Vater

Jetzt bin ich

im fünften Jahr

ohne dich

 

Weit weit entfernt davon

Dich

loszulassen zu sagen

wie sehr ich

Dich

vermisse dafür

gibt es keine Sprache

derer ich mächtig bin

 

Gerade jetzt

wenn der Sommer

müde die letzten Sonnentage

über das Land schiebt

und der junge Herbst

sich aufbläht im nebligen

Morgen

Gerade jetzt

ist die Sehnsucht

am größten

 

Jedes Blatt das

zur Erde fällt und sich

in den raschelnden Teppich

der anderen Blätter webt

erzählt von unserem

letzten Sommer als dir

deine Krankheit die Sprache

nahm

 

Stumm hielt ich

deine Hand und

suchte in deinen Augen

nach Worten

die es nicht mehr gab

es gab keinen

Trost die Verzweiflung

kam später

 

Jetzt stehe ich in

klaren Nächten

Im Garten

lege den Kopf in den Nacken und

warte

auf ein Zeichen von dir

 

Rosa (2)

Rosa, eine kleine Blume, die Augen zwei blaue Tropfen in ihrem winzigen Gesicht. Barbara hat das Kind aus sich herausgepresst als ob es nichts mit ihr zu tun hätte. Es (das Kind) ist zu klein, sagt die Hebamme, es wird wohl die Nacht nicht überleben. Ihr müsst eine Nottaufe machen. Wilhelm, der Älteste,  ein stiller Beobachter, starrt auf das Kind, wartet, dass die Seele den kleinen Körper verlässt. Aber das Kind stirbt nicht. Barbara taumelt durch das Haus wie Treibgut im Meer, ziellos. Doch das neue Kind (Rosa) gedeiht trotz der fehlenden Mutterliebe. Schon jetzt scheint sie zu wissen, dass sie nur bekommt, was sie sich erkämpft. Sie weint ohne Unterbrechung bis Barbara sie wieder stillt.

Das Kind weiß was es will, sagt die Hebamme nach einer Woche. Rosa kämpft um ihr kleines Leben, mit nachdenklichem Gesicht (wie ein Stiefmütterchen) blickt sie in die Welt. Da ist die Mutter, deren Herzschlag sie kennt. Der Vater, dessen Stimme sie hört, und da ist Wilhelm. Der erste, der sie bei ihrem Namen nennt, Rosa. Alle anderen werden noch monatelang „das Kind“ sagen, wenn sie von ihr sprechen. Der Beginn ihres Lebens untrennbar verbunden mit dem Tod der älteren Schwester. Der Winter,  in dem sie geboren wurde, für immer der Winter in dem Maria starb.

Später wird man Rosa fragen, wie das war, damals in ihrer Kindheit. Und sie wird die Augen schließen und Wilhelm sehen. Seine dunklen Locken, seine starken Arme, das hellrote Zahnfleisch, wenn er lacht. Sie denkt an seine überstürzte Hochzeit, (weil Else schwanger war) Spätsommersonne, die Braut in schwarz, der Bräutigam in grau (Uniform). Heimaturlaub. Wie ein unsichtbares Band wob die Angst alle zusammen. Sie standen auf einem Teppich aus unausgesprochenen Gebeten, Verzweiflung und geahnten Katastrophen. Und sie wird wieder an diesen Frühlingstag denken (erste Sonne), als sie mit Wilhelms junger Frau (hochschwanger) vor dem Glaskasten am Rathaus steht, wo der Büttel die neuen Gefallenenlisten aufgehängt hat. Ihr Finger, der suchend die Liste entlangwandert, bis er auf Wilhelms Namen stehenbleibt. Wie sie erstarrt und ihren Finger nicht lösen kann von dieser Ansammlung falscher Buchstaben. Wie Else neben ihr aufschreit, zusammenbricht. Hände, die sie wegzerren von dem Kasten und ihr rechter Zeigefinger, immer noch ausgestreckt, wie ein Mahnmal. Wilhelm, ihr schöner Bruder, zerschossen in irgendeinem Schützengraben.

An diesem Tag entschied sich Rosa, wegzugehen.

Spring !

Strecke die Hand

aus

ins Nichts ziehen Wolken

vorbei Spring

raschelt es im Baum

spring doch verdorrte

Rosenknospe mahnt

einäugig Spring ins Nichts

ziehen Wolken

vorbei nehmt mich mit

ins Nichts

strecke die Hand

aus den Wolken

Spring

raschelt es im Baum