abc Etüden KW 14 Relativitätstheorie

auf den letzten Drücker, aber ich bin dabei, auch in KW 14 und die Worte, die Herrn Textstaubs abc Etüden beflügeln, kommen diese Woche von mickzwo (Alles mit Links.)

Danke an lz http://www.textstaub.wordpress.com für die wieder einmal wunderschönen Grafiken, ich habe mir die hier ausgesucht:

„Ich muss mich da durch friemeln“, dachte sie. Irgendwo in ihrem Magen klumpte sich Panik zusammen. Sie sezierte dieses Gefühl und es fühlte sich an wie öliger Sirup, der sich mehr und mehr in ihrem Inneren ausbreitete. Aus Gewohnheit kaute sie auf dem Fingernagel ihres rechten kleinen Fingers herum, es war nur der eine, der abgekaut wurde, schon immer, und sie hätte nicht sagen können, warum. Ihre Beine fühlten sich an wie Pudding, ein Glück, dass sie sitzen konnte, hätte sie stehen müssen wäre sie einfach umgefallen. Sie drehte das Blatt, das vor ihr auf dem Tisch lag, zum wiederholten Mal von links nach rechts, aber die Buchstaben und Zahlen darauf sagten ihr immer noch nichts. Ihre Uhr lag auf dem Tisch und der Zeiger rückte ungerührt weiter, obwohl sie der Zeit befohlen hatte, stehenzubleiben. Das war ihre private Meinung zur Relativitätstheorie, die Zeit vergeht für jeden unterschiedlich langsam oder schnell. Gäbe es diese tickenden Metallklumpen nicht, dann wäre das auch alles viel einfacher, dann wäre es zwölf Uhr wenn es sich für sie nach zwölf Uhr anfühlte. Aber das zählte hier nicht, es blieben ihr jetzt nur noch genau 41 Minuten bis zur Abgabe der Matheklausur.

 

3 Worte, 10 Sätze und unvergessene Erinnerungen an gruselige Mathe-, Physik- oder Chemiearbeiten…inspieriert bin ich sicher durch das bevorstehende Abi meines Sohns, das am 24. April mit Deutsch beginnt. Das wird er, ganz die Mama, mit links machen – aber ich beneide ihn nicht um die Matheprüfung!

abc Etüden/ KW 13

woher die Geschichte kam, weiß ich nicht. Sie war halt plötzlich da, wie so oft. Manchmal habe ich das Gefühl, irgendwo ist ein Brunnen, in dem die Geschichten lagern und wenn die die Zeit da ist, dann steigen sie nach oben…..die Wortgeschenke von Herrn Textstaubs abc Etüden scheinen so etwas wie ein Katalysator zu sein.

http://www.textstaub.wordpress.com

Diese Woche kam das Geschenk von Frau Dergl:

Sie drehte sich nicht um, als sie die Grenze passierten, sie hatte noch kein einziges Mal zurückgeschaut.

Diese Reise erschien ihr wie ein Fluss, es gab nur eine Richtung und es gab kein Zurück.

Sie ließ die Frage, die sie seit Wochen vor sich selbst versteckte, in den milchweißen Himmel aufsteigen.

`Werde ich jetzt frei sein?`

Man reichte ihr eine Flasche, das Wasser war abgestanden und schmeckte nach Rost.

„Die Luft riecht nach Schnee“ , sagte jemand neben ihr.

Sie dachte an ihren Vater, der ihr seinen alten Mantel beim Abschied aufgedrängt hatte.

„Du wirst ihn brauchen“, hatte er gesagt.

„Es ist so deutsch in Kaltland.“

abc Etüden / rien de rien

Ein schönes Ritual sind sie mittlerweile, Herrn Textstaubs abc. Etüden. Diese Woche wurden die 3 inspirienden Worte gestiftet von Melanie Coupar, vielen Dank dafür!

https://textstaub.wordpress.com/2017/03/12/schreibeinladung-fuer-abc-etueden-fuer-die-textwoche-11-17-worte-by-melanie-coupar/

Hier meine Etüde:

Damals im Val D`Isère , auf viel zu niedrigen roten Kunstledersesseln an kleinen Resopaltischen, vor uns der riesige Teller auf einem Austerngestell, dicht an dicht belegt mit Austern – damals liebte ich ihn. Jedes Jahr im Frühling, wenn die erste Sonne die Menschen nach draußen lockt, fuhren wir nach Paris. Wir wohnten im Hotel California an der Rue de Berri und gingen am Abend die paar Schritte ins Val D`Isère, wo er seinen Stammplatz hatte und die Kellner ihn wie einen alten Freund begrüßten. Ich sah ihm zu wie er seine Austern schlürfte – das Geräusch macht mir heute Übelkeit, damals fand ich es weltmännisch und versuchte es ihm nachzumachen, schlürfte mit angehaltenem Atem die Auster und würgte sie hinunter. Ich fand es ekelhaft und erinnere mich genau, dass ich mir dachte, es sind nur Meeresfrüchte, so wie Muscheln, einfach nur Meeresfrüchte. An einem dieser Abende im Val d`Isère, als ich ihm beim Austernschlürfen zusah, fällte ich das Urteil über ihn, über mich und über mein Leben. Ich weiß nicht mehr genau, ob es nach Auster Nummer sieben oder Auster Nummer acht war, aber ich erinnere mich, dass ich ihn ansah und wusste, es geht nicht mehr. Ich nahm meine Tasche, entschuldigte mich und ließ ihn in dem Glauben, ich würde mir die Nase pudern gehen, am Tisch zurück. An der Garderobe nahm ich meinen Mantel in Empfang, trat auf die Straße, wandte mich nach links zur Champs Elysèe, stieg dort in das nächste freie Taxi und fuhr zum Charles De Gaulle.

Die Hängematte schaukelt an dem alten Olivenbaum, ich hole Bild um Bild um Bild aus meiner Erinnerung und summe leise vor mich hin – Non… rien de rien, Non… je ne regrette rien C’est payé, balayé, oublié Je me fous du passé…

 

Sicherlich auch beeinflußt durch den Einbruch in mein Haus am Freitag, habe ich diese Geschichte geschrieben, in der es auch darum geht, dass materielle Dinge nichts sind, solange man seine Würde behält und morgens in den Spiegel schauen kann.

Das „Hotel California“ hat eine spannende Geschichte, ich durfte auf geschäftlichen Reisen in den 90er Jahren häufig dort übernachten:

Roots in Hollywood

Hotel California has always played the trump card of the American West Coast and its easy living. This is because for many years, the effervescent Herald Tribune (which was first known as the New York Herald Tribune) was right across the street. The headquarters of the European edition of this American press giant was located at 15 Rue de Berri from 1930 to 1978.

Great American journalists, who were special envoys from New York or Los Angeles, gradually turned Rue de Berri into an essentially American street. When France was liberated, they found themselves at a ringside seat with an eye on the action. This was where the first American restaurants on the Champs-Elysées were founded, which obviously attracted the leading names of Hollywood cinema.

At the California Bar in the fifties, it was not unusual to cross the path of Hemingway, Orson Welles or Clark Gable; Elizabeth Taylor and Richard Burton were regular visitors. Hotel California was born officially on March 9, 1925, when the Princess of Polignac bought land located at 16 Rue de Berri. Pierre Bermond, the French pioneer of the luxury hotel industry, who also left his mark on the history of the Royal Monceau Hotel in Paris, the Ruhl in Nice and the Miramar in Biarritz, turned the hotel into a veritable palace. It immediately became famous with the arrival of the first American journalists. Stars were interviewed in their suites. There was a shopping area with a hairdressing salon on the underground floor.

Bustling activity that concerned newspapers, cinema and the United States focused on the California, which was long a beacon reflecting the lights of Hollywood.(Quelle:http://www.leshotelsduroy.com/en/hotel-california/your-hotel/hotel-california-paris-history)

abc Etuden Nobody does it better

https://textstaub.wordpress.com/2017/02/26/schreibeinladung-textwoche-9-17-kuerzestgeschichten-micronouvelles-microrrelatos/

Herrn Textstaubs Inspiration für diese Woche kommt von Sandra Blume, die Worte sind Uferlos / Atem / Fragment

Vielleicht weil Carneval ist habe ich diese Geschichte mit einem Augenzwinkern geschrieben :

 

Ich mag diese uferlosen Reden nicht.

Ohne Punkt und Komma, statt Atem zu holen nur noch nach Luft schnappen.

Keine Pause entstehen lassen, die dem Gegenüber die Möglichkeit gibt, mit mehr als einem Wort dazwischen zu gehen.

„Ja nee und dann…“ und weiter geht es mit dem Wasserfall aus Worthülsen, deren Inhalt bereits vor dem Aussprechen entsorgt wurde.

Ich löste die Aufmerksamkeit von meinem Gegenüber und ließ meine Augen durch den Raum wandern, trank meinen Champagner und winkte den aufmerksamen Kellner zu mir, der mir eifrig nachschenkte.

Während die Flasche mit leisem Klirren in das Eis des Kühlers glitt, platzierte ich für Gerd ein Fragment meines Lächelns im Gesicht und wandte meine Aufmerksamkeit dem gutaussehenden Fremden zu, der hinter Gerds Rücken alleine an der Bar stand.

Wir sahen uns schon seit Minuten direkt in die Augen und als er sein Glas hob und mir zuprostete stand ich auf und ging, ohne Gerd noch eines Blickes zu würdigen, zu dem Fremden an die Bar.

Er bot mir einen Barhocker an, nahm meine Hand und hauchte galant einen Handkuss darauf.

Dann reichte er mir ein Glas Champagner, deutete eine kleine Verbeugung an und sagte:

„Mein Name ist Bond – James Bond.“

Wahrheit oder Pflicht/abc.etüden

Angesteckt durch Chistiane von https://365tageasatzaday.wordpress.com habe ich mich an Herrn Textstaubs abc.etüden versucht. https://textstaub.wordpress.com

Die Wörter sind Moped, Zirkus, Prag. Der Bahnhof ist bei mir eher Zufall,der war wohl aber auch zwingend vorgegeben. Wie dem auch sei, hier mein Versuch:

Zirkus mochte ich nie.

Der Geruch der Tiere ist mir unangenehm, die halsbrecherischen Nummern der Akrobaten verursachen mir Übelkeit.  Ich kann nicht nach oben schauen, wenn sich die Artisten von Trapez zu Trapez schwingen oder,  während sie mit einem Moped rund um die Manege rasen, Saltos drehen.

Als ich in Prag aus dem Zug stieg und auf der Suche nach Tony den Bahnsteig entlang ging, sah ich sie überall: Riesige Plakate, die das Zirkusfestival ankündigten. „Freddy“, schrie Tony mit seiner donnernden Bassstimme,  und es schien mir, als ob mein Name über die Köpfe der anderen Reisenden auf mich zu rollen würde.  Ich machte mich noch kleiner, als ich war und hoffte, dass Tony aufhören würde, nach mir zu rufen.

Sein Grinsen schwebte über mir, als ich ihn erreichte und er zeigte auf die Plakate.

„The Clown Brothers“ las ich zum zigsten Mal und sah mich im Kostüm des ernsthaften Weißclowns, daneben meinen riesigen Bruder Tony als Dummen August..

Tradition und Familie gehen mir über alles, ich bin pflichtbewusst bis in die Haarspitzen.

Wie gesagt, Zirkus mochte ich nie.