Auf ein Neues!

Da ist es, das neue Jahr. Ich habe es mit offenen Armen empfangen und nach langer Blog-Abstinenz werde ich 2019 wieder aktiver sein können. Alles hat sich am Ende zum Guten gefügt. Vorsätze habe ich keine, außer dem einen: jeden Tag zu geniessen, mit einem Lächeln zu beginnen und mit Dankbarkeit schlafen zu gehen.

Mein Dank gilt gleich vorweg Christiane die sichauf ihrem blog um die abc Etuden kümmert und sie am Laufen hält. 2019 soll also auch für  mich wieder ein Etüdenjahr werden.

Die Worte für die erste Etüde

Abfallglück
Verfallsdatum
unschuldig.

kommen von Ludwig Zeidler, dem abc etuden Erfinder. Etüdenregel: die drei Worte in 300 Wörtern zu einer Geschichte verarbeiten.

Hier meine Etüde:  „Alles wird besser“

Das Jahr hat grade erst begonnen. Unschuldig wie ein Kind ist es, mit seinen sechs Tagen, ich stelle mir vor, es hat blonden Flaum auf dem Kopf und tapst durch die Zeit, weil es noch laufen lernen muss. Das alte Jahr ist gestorben, verbittert und misslaunig wie ein unzufriedenes zahnloses altes Weib, ich weiß, mein altes Jahr war froh, es hinter sich zu haben. Ganz ehrlich, ich bin absolut sicher, hätte man ihm noch einen 366. Tag geschenkt, es wäre schreiend davon gelaufen.  Ich kann ja auch nichts dafür, es gab immer wieder Jahre für mich, mit denen es mir ging wie mit Klassenkameraden, die man auf einer Jahrgangsfeier trifft und feststellt, dass man zehn Jahre neben ihnen im Klassenzimmer saß ohne sie wahrzunehmen. So ein Jahr war mein letztes. Es war aus der Zeit gefallen und ich kann verstehen, dass es am Ende genug hatte.  Wenn das Verfallsdatum so klar ist wie bei einem Jahr mit dreihundertfünfundsechzig Tagen, dann wird es auf die letzten Tage, zumal wenn die Feiertage sich derart knäueln wie in meinem typisch deutschen Jahr, ganz schön mühsam. Ich hab dieses 2018 von Anfang an nicht recht gemocht, und es hat mich auch nicht geschont. Im ersten Halbjahr waren vier Monate geprägt von ständigen Terminen in der Augenklinik in Tübingen und diese Zeit fehlte mir, als ob sie gar nicht existiert hätte. Danach rannte ich der Zeit hinterher, und habe sie doch nie eingeholt. In der Rückschau habe ich das Gefühl, ich war immer irgendwie außer Atem. Meine Erinnerung ist wie eine Wüste mit ein paar Oasen, zwischen denen es keine Verbindung gibt. Ich habe ohne Reue die Reste zusammengefegt zum Jahreswechsel und mit leichter Hand entsorgt – ist das Abfallglück? Egal. Klar ist, ich habe dieses 2019 jetzt schon ins Herz geschlossen.

 

Tag 1

Eine neue Zahl: 2016.

Irgendwie gefällt mir die Zahl besser als die alte, 2015. Subjektive Wahrnehmung nennt man das wohl. Das neue Jahr habe ich begrüßt auf der Feuertreppe der Hautklinik der Uniklinik Tübingen, mit einer Handvoll Menschen, die wie ich einen guten Grund hatten, hier zu sein. Die Nachtschwester, zwei Ärzte, der Portier, ein Patient. Und ich. Am Ende des Ganges lag meine Mutter, erkrankt an Gürtelrose, die sich wie ein Feuermal über die rechte Seite ihres Gesichts zieht, über das Auge bis in den Haaransatz. Da sie wegen ihrer Demenz, die die Folge einer Hirnblutung ist, völlig ohne Orientierung ist, muss 24 Stunden jemand bei ihr sein. Ich teile mir die Tage mir meiner Schwester auf. Sie übernimmt den Tagdienst und ich die Nacht und den Morgen, Gleich wird sie kommen um mich abzulösen. So bin ich zu diesem Silvester der anderen Art gekommen. Es war irgendwie surreal, da auf der Feuertreppe im nebligen Tübingen. Das Knallen der Raketen und Böller ein Feuerwerk für die Ohren, sehen konnte man wegen des Nebels fast nichts, einzelne Raketen, die sehr hoch in den Himmel stiegen, waren sichtbar. Das war ja wie ein Sinnbild für meinen persönlichen Jahreswechsel. Er war auch „beschnitten“, vernebelt wie die Sinne meiner Mutter.

Ich hatte, dem Schicksal trotzend, mein Ausgehkleidchen angezogen, Schmuck und Ohrringe, dunkelroten Lippenstift. Ich wollte Silvester feiern, schön sein, für mich. Ich hatte mir eine kleine Flasche Brut eingepackt und Luftschlangen an den Galgen über dem Krankenbett, das für mich neben dem Bett meiner Mutter steht, aufgehängt.

Es sind ruhige Stunden hier in der Klinik. keine Ablenkung, kein Radio, kein Fernsehen, nur die mühsamen Atemzüge meiner  Mutter im Bett neben mir. Viel Zeit für Reflektion. Seit heute morgen habe ich auch Zugang zum Internet, nachdem der frreundliche Portier mir gezeigt hat, wie ich es machen muss. Alle hier sind unglaublich nett, hilfsbereit, es ist eine sehr ruhige, schöne Schwingung in diesem Haus.

Jetzt freue ich mich einfach, endlich wieder mal Zeit für meinen Blog zu haben, es muss wohl einiges wieder raus was sich über die anstrengenden letzten Wochen angestaut hat.

Ich wünsche Euch allen ein glückliches neues Jahr, Gesundheit, Liebe und Zufriedenheit. Mögen die Menschen um Euch sein, die ihr liebt und braucht.