Sehnsucht

Ich türme die Stunden
zu Tagen trage
all die Kilometer die uns
trennen
auf meinen Schultern jeden
Tag jeden
Tag jede Stunde jede
Minute

Ich sitze in
dieser Kugel aus Sehnsucht
abgeschnitten
von der Welt
hab sie
angezogen wie
meine zweite Haut sie klebt
klebt an mir
diese Sehnsucht
lässt mich nicht
los

Ich esse
nicht ich
schlafe nicht
ich atme
diese Sehnsucht ein
und aus und
ein und
aus

bis ich
dich
spüren kann

Suche

Ich suche dich
im fallenden Regen vor meinem
Fenster im schwarzen Asphalt
in dessen glänzendem Spiegel
der Mond sich dreht

ich suche dich
im tosenden Nordwind
in den Wolken in diesem Himmel
der so schwarz ist wie
die Traurigkeit in mir

Ich suche dich
im Echo deiner Hände
auf meiner Haut in jedem Ton
der in mir schwingt und
das Lied meiner Liebe erzählt

Am Ende
ganz am Ende finde ich
dich in mir
in meinem Herzen
bette deinen Kopf
in meinen Schoß und
halte dich

Bruder

andere Ufer fremde
Kontinente
wollte ich erkunden
betrat unbekanntes Land dann
traf ich dich
Bruder

du bist
mein Zwilling mein
Spiegel der
Meister weise und
wissend um alle
Abgründe die uns drohen
die Gipfel die uns locken
schreckten dich nie du bist

das Gras auf dem ich
barfuß gehe du reichst mir
deine Hand Bruder

du bist
mein Zwilling so nah
dass du sprichst
was ich denke und mein
Herzschlag deinem
folgt

Deine Reise

du hast dich

wieder auf die Reise gemacht

erkundest jeden Millimeter

auf der Landkarte

meiner Haut

entdeckst verborgene Orte

die auch ich

nicht kannte

berührst meine Seele

mit deinen

deinen Worten

 

du bist die Erde

in der ich

Wurzeln schlagen kann

du bist

der Himmel und ich

ich breite meine Schwingen aus

und fliege

 

du fängst mich

auf in deinen Armen

verschwinden Raum

und Zeit

Liebster alles Schwere

alles Schwere ist fort

Der Garten

Du und ich

im Garten lass uns

unsere

Blumen pflanzen

unseren Pfad finden gegen

alle Widerstände in die

verborgensten Winkel

eindringen

 

Keine Angst mehr

vor der

Dunkelheit und

auch nicht

vor dem Licht

das uns treffen wird

 

du bist das

Feuer und

zündest mich an

wenn ich friere

du

du zündest mich an

 

Aufbruch II

Unerwartet

sind sie eingestürzt

lautlos

 

Seelengefängnisse

in sich

zerfallen die Ruinen

werfen Schatten

auf

unsere Tage

 

Meine Liebe

vogelfrei die Gedanken

auf den Fingerspitzen

gefühlen

 

Mein Weg

führt ins Nichts immer

suchte ich deinen lang

berührten sie sich

 

Wortmeer

Du und ich

wir sind

gefangen im Meer

aus Worten

Rudern mit

den Armen

tauchen unter

wollen uns gegenseitig

Halt geben wir

berühren uns sanft

wie nie mit diesen

Worten die nie

gesprochen werden

wir versinken in Leidenschaft aus

nie gesagten

Worten

Ich

sehne mich nach

Worten

deinen Worten

deinem Mund der

sie spricht auf meine

Haut Bilder malt aus Worten

mit deinen Lippen deinen

Händen

Chatroom

Schweig

in diesem Raum der

keiner ist

in diesem Kontinent

ohne Land

wo meine Füße

keinen Boden spüren

Schweig mich an und

ich baue

meine Mauern wieder

auf Stein

um Stein

um Stein bis

ich dich

nicht mehr sehe

(2012)