Der zweite Pfeil (Zeus Teil 13)

Hera legte den Pfeil mit der Goldspitze in den Bogen ein. Sie spannte die Sehne doch dann zögerte sie und ließ den Bogen wieder sinken.

„Das ist eine gute Entscheidung, Hera,“ Tyche war so plötzlich neben Hera aufgetaucht, dass diese heftig zusammenzuckte.

„Tyche –“  Hera wusste nicht recht, was sie sagen sollte.

„Gib mir den Pfeil, Hera. Du hast schon genug Schaden angerichtet.“

Hera nahm den Pfeil aus dem Bogen und reichte ihn schweigend an Tyche weiter.

„Was wirst du jetzt damit machen?“ fragte sie.

„Das liegt nicht in meiner Macht, Hera. “ und Tyche verschwand so plötzlich wie sie gekommen war. Hera blieb alleine zurück und fragte sich, warum sie sich überhaupt auf dieses Spiel eingelassen hatte. Sie war verletzt und wütend gewesen wegen Zeus, aber das war nichts Neues. Die Hoffnung, dass Zeus sich je ändern würde, war vergebens und Hera beschloss, nicht mehr darüber nachzudenken sondern einfach weiterzumachen wie bisher. Sie ging wieder in ihr Büro, checkte ihre zahlreichen To-do-Listen und versuchte, nicht mehr an Zeus, die Pfeile und Artemis zu denken.

Tyche war in der Zwischenzeit in der dunklen Höhle des Schicksals angekommen und legte Ananke den Pfeil zu Füssen. Selbst für Tyche, die ständig mit Ananke zu tun hatte, war diese furchteinflössend. Eine dunkle große Gestalt, die substanzlos schien und doch eine Schwere verströmte, die jeden, der in ihre Nähe kam, lähmte.

„Danke mein Kind,“ Ananke schien Tyche in die Augen zu blicken, aber da ihr Gesicht im Dunkeln lag, konnte Tyche, den Blick nur erahnen. „Du kannst gehen“.

Tyche beeilte sich aus dem Dunkel ins Licht zu kommen und Ananke sah sinnend auf den Pfeil. Dann rief sie Eros zu sich.

Augenpads

Heute brauche ich Augenpads. Der Restalkoholpegel in der Wortwabe senkt sich auch nur langsam ab. Insgesamt ist meine Stimmung also eher bescheiden.

Außerdem bin ich sauer auf Zeus. Er ist wieder reumütig zu Hera zurückgekehrt.

Es ist mir unerklärlich warum meine Figuren nicht das machen, was ich ursprünglich geplant hatte.

Eigentlich will ich ihn auch gar nicht mehr sehen, das war mir immer unheimlich wenn er so plötzlich vor mir stand. Obwohl – wenn ich an seine Augen denke, dann werde ich fast wieder schwach….

Nein, ich bin jetzt konsequent und wende mich anderen Themen zu.

Also um ehrlich zu sein, ich finde die Ehe wird total überbewertet. Diese Treueschwüre für ein ganzes Leben, im Grunde ist das ja nur sentimentaler Quatsch. Aber irgendetwas scheint Sterbliche und Götter daran zu faszinieren.

Die einzige ewige Liebe die ich kenne ist die mittlerweile zweiundvierzig Jahre dauernde Freundschaft zu meiner ältesten Freundin. (Ich sehe schon wie in Gedanken hochgerechnet wird wie alt wir wohl sind. Zeit ist ja relativ, also spielt das doch keine Rolle, oder?)

Gestern haben wir ihren Geburtstag gefeiert. Und deshalb geht es heute nur mit Augenpads.

Wie es mit Zeus weiter geht? Ich weiß es schon, aber ob es dann so kommt wie ich es mir in der Wortwabe ausgedacht habe – wer weiß? Ich bin ja nicht einmal sicher, ob ich nicht selbst auch nur eine Figur bin in der Geschichte irgendeines anderen, der sich jetzt ärgert, weil ich nicht das mache, was er sich ausgedacht hat?

Bin ich aus Fleisch und Blut? So unsicher wie heute war ich noch nie….

Bad News (Zeus Teil 7)

Hera betrachtete die beiden Pfeile. Sie spielte in Gedanken verschiedene Szenarien durch. Der Pfeil könnte Zeus treffen wenn er bei einer Sterblichen war und Hera würde anschließend dafür sorgen dass die Sterbliche von dem anderen Pfeil getroffen wurde, dem mit bleierner Spitze. Das würde ihre Liebe zu Zeus sofort im Keim ersticken und er würde bei ihr ins Leere laufen. Er wäre nicht mehr in der Lage eine andere Frau zu lieben und würde mit gebrochenem Herzen dieser Einen nachlaufen –

Moment. Keine gute Idee – denn wenn Zeus dann keine andere Frau mehr lieben könnte, dann könnte er auch sie, Hera, nicht mehr lieben.

Also dann doch lieber den Pfeil abschießen, wenn er bei Hera im Olymp war – aber dann hätte sie einen liebeskranken Zeus an ihrer Seite, der sie mit der ganzen Leidenschaft, zu der er fähig war, belagern würde. Auch nicht gut. Sie war jetzt schon so lange daran gewöhnt, ihre Zeit selber einzuteilen und nach ihren Vorstellungen zu leben, dass sie sich eine derartige Symbiose nicht mehr vorstellen konnte.

Während Hera sich in diesen Planspielen erging öffnete sich die Tür zu ihrem Büro. Hera sah auf: „Tyche – du?“

Hera spürte wie sich die Haare auf ihren Unterarmen aufstellten. Tyche war eine Tochter des Zeus und zuständig für das Schicksal. (Tyche ist die Göttin des Schicksals, der glücklichen (oder bösen) Fügung und des Zufalls Anm. aus der wortwabe)

Sie hier zu sehen war kein gutes Zeichen.

Tyche ging langsam auf Hera zu. Ihre tiefdunkelblaue Toga bildete einen extremen Kontrast zum strahlenden Weiß des Raumes. Über ihrem Kopf trug sie einen ebenso dunklen Schleier aus zartem Organza. Sie schlug den Schleier zurück und ihre Augen blickten Hera direkt ins Herz.

„Was ihr vorhabt verstößt gegen alle Gesetze, Hera. Ananke hat davon erfahren. Sie wird eine solche Einmischung von euch nicht akzeptieren. Nehmt euch in acht.“ (Ananke ist in der griechischen Mythologie die oberste Schicksalsmacht, der selbst die Götter gehorchen müssen, Anmerkung aus der wortwabe)