Happy Birthday to me

Ich erinnere mich, es gab eine Zeit, da las meine Mama meine Gedichte.

Sie las die Titel und suchte sich dann eines aus, das sie interessierte. Ich bin sicher, sie fand es schön. Vielleicht war sie stolz auf mich, vielleicht war sie auch verwundert, dass es ihr Kind war, das so etwas hervorbrachte. Mag sein, es überraschte sie nicht, denn sie hatte selbst eine natürliche Begabung für den Umgang mit Worten, wie auch mein Vater sie hatte, der wunderbare Reden halten konnte, frei gesprochen, mit viel Empathie. Auf Grund seiner Herkunft, in seiner Generation, als Sohn einfacher Bauern auf dem Land, hatte er keine Chance, etwas aus dieser Begabung zu machen.

Jetzt ist die Zeit gekommen, die ich so gefürchtet habe. Ich wusste, dass der Tag kommen würde, wusste, dass ich mich darauf zu bewege, wie in einem Zug, der fährt ohne anzuhalten, auf sein Ziel zusteuert, ohne eine Chance auszusteigen.

Meine Mama erkennt mich nicht mehr. Auch wenn sie versucht, es zu verbergen, ich weiß, dass sie nicht weiß, wer ich bin.

Vor einigen Tagen hatte ich Geburtstag, und ich hatte keinerlei Bedürfnis, zu feiern oder diesen Tag irgendwie zu zelebrieren, denn sie, die mir das Leben geschenkt hat, weiß nichts mehr von meiner Existenz.

Wie immer, wenn etwas besonders schmerzhaft ist, wende ich mich nach innen, lege den Schmerz ab in diesem geheimen Raum und  verschließe die Tür.

Und ich erinnere mich. Ich erinnere mich an eine Zeit, da las meine Mama meine Gedichte….. .