Urlaub macht urlaubsreif

Demnächst breche ich auf nach Norden, eine Woche Auszeit beim Schreibseminar von Jutta Reichelt. Es ist wie immer, je näher der Urlaub rückt, desto mehr Arbeit türmt sich auf.. Tausend Dinge müssen noch erledigt werden – und die Tage müssten eigenltich 36 Stunden haben.Deshalb müssen die abc Etüden ein bißchen ruhen. Da ich also selbst nichts zustande bringe aus Zeitmangel, will ich wenigstens etwas anderes posten. Gedichte gehen immer, finde ich. Und deshalb gibt es ein ganz wunderbares Gedicht für euch, ich gebe zu, ich liebe es!

Sie saßen und tranken am Teetisch

Sie saßen und tranken am Teetisch
und sprachen von Liebe viel.
Die Herren, die waren ästhetisch,
die Damen von zartem Gefühl.

„Die Liebe muß sein platonisch“,
der dürre Hofrat sprach.
Die Hofrätin lächelt ironisch.
Und dennoch seufzet sie: „Ach!“

Der Domherr öffnet den Mund weit:
„Die Liebe sei nicht zu roh,
sie schadet sonst der Gesundheit.“
Das Fräulein lispelt: „Wieso?“

Die Gräfin spricht wehmütig:
„Die Liebe ist eine Passion!“
Und präsentieret gütig
die Tasse dem Herren Baron.

Am Tische war noch ein Plätzchen;
mein Liebchen, da hast du gefehlt.
Du hättest so hübsch, mein Schätzchen,
von deiner Liebe erzählt.

  • Heinrich Heine

und hier noch zum Hören:

Es lebe die Liebe! Ich wünsche euch ein Wochenende voller Liebe und Sonne!

Happy New Year –

Klappe/die 56 igste

Wieder einmal der letzte Tag des Jahres. Gefühlt habe ich mich noch nicht mal an 2016 gewöhnt und schon ist es wieder vorbei. Jetzt ist es bereits dunkel und die Ungeduldigsten fangen schon an, die ersten Böller loszulassen.

Ich habe heute Nacht ausgerechnet, dass dies meine 56. Silvesternacht ist. Die erste Silvesternacht, an die ich mich bewusst und mit Details erinnere, ist die von 1971 auf 1972. Ich war 10 Jahre alt, meine Schwester hatte im Herbst ihren 21. Geburtstag gefeiert und war jetzt volljährig.  Im Sommer war sie von einem zweijährigen Auslandsaufenthalt in den USA zurückgekehrt, direkt aus Washington DC in ein schwäbisches Dorf mit etwa zweitausend Einwohnern. Als sie abgereist war fuhr die ganze Familie mit zum Flughafen nach Stuttgart. Man schrieb das Jahr 1969 und Fliegen war etwas höchst außergewöhnliches, ein Flug nach Amerika , über den „großen Teich“, wie meine Mutter das nannte, eine kleine Sensation. Es war ein strahlender Sommertag, wir saßen alle auf der Aussichtsterrasse als meine Schwester mit den anderen Fluggästen aus dem Terminal unter uns heraustrat und zum Flugzeug ging. Ja, richtig, man ging zum Flugzeug, es gab keinen Bus. Wir winkten ihr zu wie einem Filmstar und ich fand, sie sah auch wie einer aus. Ich werde das Bild nie vergessen.  Sie trug ein weißes Kleid aus Pikèestoff, das mit sonnengelben Konturen von Blumen bedruckt war, dazu einen passenden Mantel in Gelb und eine gelbe Pillbox, ein kleiner runder Hut aus weichem Filz, der in den 60erJahren schwer in Mode war. Ihr dickes schwarzes Haar war hochgesteckt und die Pillbox saß  so keck auf ihrem Dutt wie die Hütchen der PanAm Stewardessen. Ich fand  meine Schwester wunderschön und das war sie auch, zweifellos. Sie war das perfekte Ergebnis der Anstrengungen unserer Mutter, sie zu dem zu formen, was Mama sich unter einer wohlgeratenen Tochter vorstellte. Der Aufenthalt in Amerika war etwas, was unsere Mutter vorangetrieben hatte, sie wollte meiner Schwester einen Traum erfüllen, den sie selbst geträumt aber nie erlebt hatte. Aber ich bin mir sicher, dass meine Mutter sich in ihren kühnsten Träumen nicht ausgemalt hatte, was dieses Land und vor allem in dieser Zeit, 1969, mit ihrem braven Mädchen machen würde.

An Weihnachten kamen Pakete aus Amerika, es waren die großen, in denen Bananen verschifft werden. Der Boden der Pakete war mit Schokoriegeln aufgefüllt, eine Art Süßigkeit, die mir zu diesem Zeitpunkt noch völlig unbekannt war. Eine Sorte hieß „3 Musketeers“, daran erinnere ich mich noch genau.  Ich bekam meine erste „Barbie“ von meiner Schwester, direkt aus Amerika unter den deutschen Weihnachtsbaum.

In diesem Jahr war Amerika für mich allgegenwärtig, denn meine Familie hatte zwei in der Nähe stationierte amerikanische Soldaten, die regelmäßig im Gasthaus meiner Großeltern einkehrten, eingeladen. Sie wollten unbedingt einmal echte deutsche Weihnachten erleben. Ich weiß noch, dass die Erwachsenen alle einen ausgewachsenen Schwips hatten, sogar meine Oma, die eigentlich nie trank, hatte rote Bäckchen und man sieht sie auf jedem der Dias, die mein Vater machte, lauthals lachen. Die beiden Soldaten erinnerten mich an Pat und Patachon, einer war klein und rundlich, der andere lang und schlaksig, mit ausgeprägter Nase. Im Gegenzug waren wir zu „Thanksgiving“ in den „Kelly Barracks“ eingeladen gewesen. Die Feier fand in einer großen Halle statt und am Eingang zum Saal wurde man von einem riesigen Truthahn empfangen, der auf einer silbernen Platte angerichtet war. Am faszinierendsten waren für mich die weißen Papierhütchen, die man dem Truthahn auf die Füße gesteckt hatte. (Sorry, ich kenne den Fachbegriff für diese Teile nicht). Ein Kohlkopf  war als Kopf mit Gesicht dekoriert, selbiger trug einen Zylinder mit Stars `n Stripes.  Die beiden Jungs, deren Namen ich nicht mehr weiß, wurden im Jahr nach diesen Weihnachten nach Vietnam abgezogen. Wir haben nie mehr etwas von ihnen gehört.

Meine Schwester kam an einem ebenso heißen Sommertag wieder in Deutschland an. Wir fuhren extra nach Frankfurt, um sie abzuholen. Ich erinnere mich an ein Spalier von Abholern, in meiner Erinnerung ist dieses Spalier meterlang. Die Angekommenen kamen durch die Tür der Gepäckabfertigung und mussten durch dieses Spalier gehen. Ich stand mit meiner Mutter eingekeilt zwischen anderen Wartenden, die ihre Köpfe Richtung Tür reckten. Immer wieder fielen sich Menschen in die Arme. Ich versuchte einen Blick auf die zu erhaschen, die aus der Tür traten. Dann war da eine zierliche Frau mit hüftlangen, offenen schwarzen Haaren, die ein buntes bodenlanges Blumenkleid trug und, unfassbar, nackte Füße in Sandalen. Für einen Moment hatte ich die Eingebung, dass dieses Wesen meine Schwester sein könnte, aber da meine Mutter nicht reagierte, dachte ich, ich hätte mich getäuscht. Dann setzte sich meine Mutter doch in Bewegung und zog mich in Richtung Ende des Spaliers. Dort sah ich das Feenwesen am Hals meines Vaters hängen.

Ich weiß bis heute nicht, was meine Mum sich gedacht hat als sie meine Schwester sah. Sie fing  sich vermutlich schnell wieder weil sie sich freute, ihr Kind endlich wieder zu sehen. Aber ich bilde mir seit Jahrzehnten ein, dass sie schockiert gewesen ist.

Mit meiner Schwester zogen Wilson Pickett, Otis Redding und die Jackson Five bei uns ein. Ich verbannte Roy Black, dem ich die Sache mit Anita ohnehin übelgenommen hatte, in den Schrank und schwärmte ab sofort für den kleinsten der Jacksons, Michael, nachdem meine Schwester mir erklärt hatte, dass er nur ein bisschen älter wäre als ich.

Dieses erste Silvester, an das ich mich bewusst erinnere, feierten wir in Österreich. Im Montafon, in Schruns. Wir waren in einem Hotel das, wenn ich es recht erinnere, „Alpenrose“ hieß.

Es lag oberhalb des Ortes und man hatte einen fantastischen Blick auf den Ort und die Berge. Meine Schwester war wieder bildschön, sie hatte ein Kleid aus Amerika mitgebracht das einfach spektakulär war. Es war eigentlich ein Jumpsuit mit sehr weiten Hosenbeinen, hatte aber einen bodenlagen, vorne geschlitzten Rock über der Hose. Die Hose war weiß, der Rest des Kleides schwarz.  Mir hatte sie eines dieser bodenlangen Hippiekleider aus Amerika mitgebracht, sodass ich mich standesgemäß gekleidet fühlte für diese besondere Nacht.  Der Blick von oben auf das Feuerwerk war großartig, die Nacht kalt und klar. Wenn ich es recht bedenke, war das eine der glücklichsten Silvesternächte meines Lebens. Ich war ein Kind, die Welt war in Ordnung und ich war mit den Menschen, die ich am meisten liebte, an einem wunderschönen Ort.

Mittlerweile messe ich diesem Tag keine große Bedeutung mehr bei. Dieses Jahr, an meinem 56. Silvester, bin ich das erste Mal ganz alleine. Ich sitze hier mit Schnupfennase am Kamin, trinke Tee und mache mir so meine Gedanken. Und um Mitternacht werde ich mir etwas wünschen. Was ? Verrate ich nicht 🙂

Meine Lieben, ich wünsche Euch ein wunderschönes 2017 mit Liebe, mit guten Freunden,  Zufriedenheit, Sorglosigkeit und FRIEDEN.

Liebe deinen Nächsten….

Der 24.12. eignet sich ja eigentlich hervorragend um über die Liebe zu philosophieren.

Schließlich steht das hochgerühmte „Fest der Liebe“ bevor.  ich liebe ja den Satz „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ aus dem Alten Testament.

Denn alle Gesetze werden in einem Wort erfüllt, in dem: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Galater 5.14

Ich vermute, ich liebe diesen Satz, weil er eine wichtige Bedeutung für mich bekommen hat im Laufe meines Lebens. Denn ich tat mich nie schwer damit, meine Liebe zu verschenken, im Gegenteil, meine Art zu lieben ist für die meisten Menschen zu viel – zu viel Hingabe. Aber da bin ich ganz bei Pablo Neruda „ich liebe dich so, weil ich anders zu lieben nicht verstehe“.

Es ist wirklich kein Problem für mich, in Liebe zu zerfließen – mit der Liebe zu mir selbst hatte ich allerdings mein Leben lang Probleme. Das war tatsächlich das Lernprojekt der letzten drei Jahre, zu lernen, mich selbst zu lieben. Mit all den Unzulänglichkeiten, die ich tagtäglich an mir entdecke. Mich einfach okay zu finden, an manchen Tagen sogar schön oder liebenswert, oder, wenn es ein besonders guter Tag ist, einfach großartig! Mittlerweile geht’s besser, noch nicht gut genug, aber besser. Wurde ja auch langsam Zeit.

Liebe deinen Nächsten WIE DICH SELBST.

Was aber, wenn ich mich NICHT liebe? Dann kann ich wohl auch meinen Nächsten nicht lieben.  Dann suche ich die Anerkennung und die Liebe immer außen und bin frustriert, wenn sie nicht kommt. Also heißt das Gebot der Stunde, liebe dich mit all deinen Macken. Liebe dich selbst genauso wie du bist. Mäkel nicht an dir rum weil du glaubst den Erwartungshaltungen der Anderen nicht zu entsprechen. Hm. Soweit so gut. Okay, ich probiers mal. Weil Weihnachten ist.

In diesem Sinne, ein frohes Fest! Liebt Euch, Leute!

 

 

der Wald ist weiß

der Wald ist weiß

der Himmel schwer vom Nebel

der Garten stumm

die letzte Rose starr

 

die Stadt ist still

ich folge meinem Atem

hab deinen Duft

noch immer auf der Haut

ich geh wie du

seit tausenden von Jahren

geh mit geschlossnen Augen

suchend durch die Zeit

 

doch spür ich meine Narben

und die Wunden

die alten Wunden tun mir weh

der größte Schmerz ist immer noch

die Lüge

die Lüge die das Recht auf Wahrheit stiehlt

ich halt mein Herz

und  es ist voller Liebe

doch ich bin voller Furcht

auf und davon

 

 

 

Verschwunden ist der Mond

verschwunden ist der Mond

ich suche meinen Stern am

schwarzen Firmament

ich suche deine Worte

im leeren Himmel suche

das Feuer

das Feuer das uns eng umschlungen hielt

in dieser Nacht

 

du bist

verschwunden wie der Mond

die schmale Sichel eine Ahnung

unter Wolken

ich warte still

unter dem kalten Himmel

eilt das Jahr davon und

winkt mir zu

ich sterbe bald ruft es

komm mit ich

sterbe bald

 

ich lass es ziehn

das Jahr wie

all die andern

warte still

 

dann kehrt der Mond zurück

 

 

Novembernacht

so zart wie Elfenhaar

ein seidner Faden nur

staunend sahen wir

das Mondlicht darin schimmern

 

verspinnen wollte ich das zarte Band

mit deinen Worten

weben die Worte

in den silbernen Teppich

der uns weit

weit hinausträgt

in den aufleuchtenden Morgen

 

doch du bliebst stumm

Novembermond

ich mache mir die Nacht

zum Tage

der Wald wird Scherenschnitt

vor platingrauem Himmel

Novembermond

 

die Einsamkeit ist kalt

wie das Mondlicht

ich schlafe nicht

schlaf nie mehr

mit dir neben

deinem Atem nie mehr

lausche ich deinem

schlafenden Ich

 

Elf Monde

die Tage haben sich zu

Wochen gestapelt zu Monaten

aufgetürmt zwischen uns

liegen die Schichten der Zeit

Schicht um Schicht um

Schicht sah ich dich weniger

sah ich dich

verschwinden

jetzt vergrabe ich meine Sehnsucht

darin und die Erinnerung

 

und doch ist die Spur

die du in mir gegraben hast so

tief dass ich ihr folgen kann

blind und tastend

durch die Schichten der Zeit

zurück in meinen Traum

 

Herbstnacht

jetzt ist die Zeit

da die Worte sich verstecken eines

eines nur

find ich jede Nacht

ich grab es aus und

leg es zu den andern

nur eines

eines find ich jede Nacht

 

bald ist das Jahr zu Ende

ich hab noch zweimal dreißig Nächte

noch zweimal dreißig Worte

die leeren Seiten

zu schließen die

Leere zwischen uns

zu füllen

 

mind the gap

Worte1

 

So schwarz

so schwarz
die Nacht der Morgen
fällt in mein kaltes Herz du
bist fortgegangen
du gehst fort
immer wieder kommst
nicht mehr

ich tauche
nach Erinnerungen Bild
um Bild um Bild
gräbt sich
in meinen Kopf du
kommst nicht mehr

die Kälte schmiegt sich
an mich wie ein Kind
ich wärme sie geb ihr
mein kaltes Herz du
kommst nicht mehr

pillowbook 27. Oktober 2015

Mondnacht

wissende
weise Mondin
scheinst nur
wenn du angestrahlt wirst bist wie
die Blume der Liebe
die dann am schönsten blüht
wenn sie
Resonanz bekommt

Liebeszeiten

Im Frühling als die
Blüten noch im Geheimen schliefen
waren deine Augen so blau der
Frühlingshimmel wölbte sich
über uns wir hielten uns
fest und ich
ich wollte dich nie
nie mehr loslassen

Im Sommer als der warme Wind über deine
Rosen strich liebten wir uns einmal
einmal nur deine Augen
so blau
Jetzt
schleicht er sich davon
der Sommer
jetzt
kommt der Wind aus dem Norden
er flüstert flüstert leise
deinen Namen in die fallenden Blätter

die Zeit tropft
tropft durch meine
meine Hände ich
breite die Arme aus
sie zerrinnt über meiner nackten Haut
die noch golden glüht
vom Licht des Sommers
die Zeit tropft in mein Haar
wäscht die Sonne aus
verschwindet verschwindet
doch die Sehnsucht bleibt
schmiegt sich an mich
wird mich wärmen
wenn der Winter kommt

Meine Reise

Du bist mein
unbekanntes Land das ich
lange nicht bereiste
Die Mauern stehen so hoch

Berge deren Gipfel
In der Sonne schimmern
wie goldene Zitadellen
dunkle Schluchten
die ihre Geheimnisse bewahren
im staubschwarzen Stein
blaugrünglänzende Fluten
zu deren Grund kein Lichtstrahl
dringt dort
habe ich mein Herz vergraben

auf der Karte meines
Lebens zeichne ich den Weg
zu dir ich gehe
am Tag und in der Nacht
zähle nicht die Stunden ich
trage die Zeit auf meinen
Schultern habe sie aufgetürmt
auf meinem Kopf
es tut nicht weh

ich gehe
langsam gehe Schritt für
Schritt für Schritt bis
ich angekommen
bin

Stunde des Pan

Sieh her sieh
und staune wie ich
Schritt für Schritt aus
deinem Schatten trete

ich
bin meine Sonne
ich
dreh mich nicht mehr
um dich

ich
leuchte ich strahle
ich dufte wie die Rosen wie
der üppige Jasmin vor meinem
Fenster ich blühe hinein
in meine Tage ohne
dich ohne meine Angst du
könntest mich vergessen jetzt
habe ich dich vergessen

der Wind erzählt nicht mehr
im Garten
die Geschichte von Zweien
die sich liebten
in der Stunde des Pan
er flüstert nicht deinen Namen deinen
Namen er flüstert neue Geschichten
aus meinem Leben dort
hinter dem Horizont

manchmal noch hab ich
eine Ahnung im Herz
von der Stunde des Pan der
flirrenden Hitze
auf kühlen Laken, ein Lachen, einen Kuss –

ich drehe mich um
gehe Schritt für Schritt
für Schritt
aus deinem Schatten heraus