abc Etüden KW41/42

Der Countdown läuft – wenn ich lese, dass wir schon auf die 43. Kalenderwoche zusteuern, dann frage ich mich wieder einmal, wo das Jahr geblieben ist.

Mein Beitrag zu dieser Etüdenwoche ist eher ein von der Wortspende inspiriertes Gedankenspiel. Die drei Worte „Landvermesser, undankbar, aussetzen“ wurden gespendet von Werner, dessen blog findet ihr hier https://wkastens.wordpress.com/

Christiane von https://365tageasatzaday.wordpress.com/ hostet die abc-Etüden und vernetzt die EtüdenschreiberInnen.In einer Geschichte mit maximal 300 Worten sollen die Wörter der Wortspende verpackt werden. Wie gesagt, eine Geschichte im klassischen Sinne ist es dieses Mal nicht.

abc.etüden 2020 41+42 | 365tageasatzaday

LEBENSLAND

Wenn mein Leben ein Land ist, dann bin ich der Landvermesser. Was hinter mir liegt, ist bekannt, die Grenzsteine sind klar gesetzt . Was vor mir liegt, ist unbekanntes Land. Ich taste mich vor, Schritt für Schritt, es ist dunkel und der Weg ist unklar. Im Vorangehen kann ich die Strecken messen, ohne Maß, ich messe nur ob etwas mir lang oder kurz erscheint. Das Land hat Berge und Täler, oh ja, und was für welche. Täler so tief, dass ich mich frage, wie ich sie durchschreiten konnte. Immer weiter, ohne Pause, kein aussetzen. Die Höhen sind auch da, sie zu erklimmen war nicht weniger schwer als die Täler zu durchschreiten. Ich will nicht undankbar sein, deshalb achte ich beides, die Höhen und die Tiefen. Genau betrachtet, haben mich die Abgründe, durch die ich mich gequält habe, sogar mehr gelehrt als die Höhenflüge. Misst der Landvermesser die Schönheit einer Landschaft? Nein. Sein Maßstab ist objektiv, es ist Meter und Zentimeter, Kilometer oder Meilen. So will ich das auch sehen können, einfach wahrnehmen, was war und neugierig sein auf das, was kommt. Und wenn ich das Land meines Lebens durchkreuzt habe und am Ende angekommen bin, sagen können: was für ein Trip!

Der Sex des Alterns

Bitte genau Lesen: des ALTERNS, nicht des Alters. Wie kann Älterwerden sexy sein – das fragen sich wahrscheinlich die jüngeren Leser und die, die ein Problem damit haben, dass sich die Jahre in der eigenen Biografie anhäufen.
Zurzeit habe ich regelmäßig so etwas wie einen „Euphorie-Schub“. Ob die neuerwachte Frühlingssonne daran schuld ist, Zejneps großartiges Salsa-Fit-Training, das eine Endorphinausschüttung bewirkt, die locker zwei Tage anhält – vielleicht eine Mischung aus allem.
Als ich dreißig wurde, hatte ich das Gefühl, das Leben wäre gelaufen und ich hätte alles falsch gemacht. Als ich vierzig wurde, dachte ich, was wollen die von mir? Ich bin vierzig, das lasse ich mir nicht mehr gefallen! Und als ich fünfzig wurde, erkannte ich, dass mehr Jahre hinter mir liegen als vor mir und dass es jetzt an der Zeit ist, mal an mich zu denken. Die Umsetzung der nötigen Portion Egoismus in den Alltag gestaltete sich schwierig. Zumal ich dann dem Klassiker ausgesetzt war, einer gescheiterten Ehe in der ich betrogen wurde. Einer Trennung nach fast zwanzig Jahren, dem Neustart als alleinerziehende Mutter und dem Gedanken: was wird jetzt aus mir?
Aber wie ich schon 2012 in mein „about“ hier im blog geschrieben habe:
Man sollte keine Angst vor Krisen haben, sie können das eigene Leben im positivsten Sinne verändern – man muss nur daran glauben , dass das möglich ist. https://wortwabe.wordpress.com/about/
Ich habe vier Wochen gelitten und dann das gemacht, was viele Frauen in einer persönlichen Krise machen, lach: einen Termin beim Friseur. Mit neuer Haarfarbe stieg ich wie Phönix aus der Asche in mein Auto und fühlte mich großartig. Ich trieb wieder regelmäßig Sport, fing an mit Salsa-Fit (ähnlich wie Zumba), verlor nach und nach die angefutterten Kilos und schälte Monat für Monat mehr meines neuen Ichs heraus. Jetzt, achtzehn Monate nach meinem persönlichen „Reset“ würde ich sagen: mir geht es besser denn je. Ich will keinen Tag jünger sein und fühle mich ausgesprochen wohl in mir und mit mir. Ich habe die Wechseljahre unbeschadet überstanden und habe das Gefühl, ich starte nochmal richtig durch. Ich kann mit den kleinen Schönheitsfehlern, die das Alter so mit sich bringt, bestens leben und finde, ich sehe so gut aus wie noch nie. Und das fühlt sich eben richtig sexy an.
Was in zwanzig Jahren ist, interessiert mich nicht. Jetzt ist jetzt. Der Moment zählt. Und ich lebe jetzt.