ABC Etüden KW 16/17

Ich melde mich zurück aus dem Schreibuniversum – dieses Jahr war ich schon richtig fleißig, aber halt in diversen Projekten und nicht hier auf dem Blog. Heute habe ich die geschenkten Wörter als Inspiration für einen kleinen Text für ein geplantes Projekt genutzt .Vielleicht wird daraus mal eine Szene, mal schauen.

Für alle, die die ABC Etüden nicht kennen: 3 Wörter sind in einer Geschichte mit maximal 300 Worten einzubauen.

Christianes Blog ist die Anlauf-und Sammelstelle für alle Etüden, hier könnt ihr auch die Schreibeinladung für die Kalenderwochen 16 und 17.2021 nachlesen. Die drei gespendeten Worte für diese Schreibwoche sind Pfanne, glücklich, trennen. Gestiftet wurden sie von DOROIARTabc.etüden 2021 16+17 | 365tageasatzaday

Schlimmer geht immer

Elle schlug in dem kleinen Schwarzwaldstädtchen Oberwalden auf wie ein Meteorit, und ähnlich verheerend waren die Spuren, die sie hinterließ. Ihre Jahre als Model und später als Fotografin der Schönen und Reichen hatten sie um die ganze Welt geführt, warum sie in ihre Heimatstadt zurückgekehrt war, verstand niemand. Ihre Affäre mit dem jungen Bürgermeister hatte diesen seine Ehe und die Wiederwahl gekostet, Elle jedoch schüttelte sich nur und lebte ihr Leben weiter. Es war ihr nicht leichtgefallen, sich von Tobias zu trennen, aber so glücklich sie miteinander waren, ein verheirateter Mann, zudem noch fünfzehn Jahre jünger, war langfristig nichts für sie. Sie rührte gedankenverloren in der Pfanne, als sie jemanden an der Wohnungstür hörte. „Mechthild, bist du das?“ Mechthild rief kurzatmig „Ja-ha!“, fegte zur Tür herein und sank auf einen Stuhl. „Ich bin völlig fertig“, schnaubte sie. „Du glaubst nicht, was passiert ist, ein Wunder, dass ich nicht ohnmächtig geworden bin!“ Elle verdrehte die Augen und wartete ab, was ihre, zu Melodramatik neigende, Freundin jetzt wieder zu erzählen hatte. „Schieß los“, sagte Elle und schenkte Mechthild ein Glas Prosecco ein. Mechthild seufzte, nahm einen Schluck Prosecco und sagte dann: „Bevor ich dir sage, was passiert ist, musst du dich hinsetzen.“ Elle lachte. „Echt jetzt? So schlimm kann es nicht sein, es handelt sich ja wohl nicht um Mord!“ Mechthild fing an zu schluchzen. „Doch, Elle, Mord!“ rief sie. „Der Wallner wurde erschossen! Ich hab` ihn grade gefunden!“ „Du hast was?“ „Ich habe grade den toten Wallner im Ferienhaus entdeckt!“ „Du hast doch die Polizei gerufen?“ Elle schwante Böses. Sie kannte ihre naive Freundin. „Aber nein, ich bin gleich zu dir gekommen!“ kam prompt die Antwort, die Elle befürchtet hatte. „Was sollen wir denn jetzt machen, Elle?“ „Wir?“ fragte Elle. „Warum wir?“ „Aber“, Mechthild schluckte, „er liegt doch in deinem Ferienhaus!“

abcEtüden 06.07.20

Lichtblick des trüben Wochenbeginns: drei neue Wörter, die mich zur Pflicht rufen. Anstatt nur träge rumzusitzen kann ich ja beim Sitzen noch was denken. Und es aufschreiben. Hat geklappt.

Für alle, die noch nicht wissen, worum es geht: es gilt die 3 Wörter, die diese Woche Alice gespendet hat,  in einen Text mit maximal 300 Wörtern zu verpacken. Die Wörter sind: Grippe / gebleicht / knuddeln. Alles, was es sonst noch zu wissen gibt, bitte nachlesen bei Christiane,die sich freundlicherweise um die abcEtüden kümmert und sie mit viel Liebe hegt und pflegt!

Hier meine Etüde: Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett

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Hatte er die Grippe?

Marion starrte auf die gebleichten Knochen.

Doktor Schreiber verdrehte die Augen.

Was weiß ich, gestorben ist er jedenfalls an seinem zertrümmerten Schädel, soviel steht fest.

Ich meine ja nur, die hatten doch sicher auch tödliche Viren, damals. Und so ganz ohne Schutzimpfung –

Marion ließ den Satz offen. Sie hatte sich vorgenommen, bei ihrem Praktikum in der Pathologie mit ihrer Intelligenz und ihrem Wissen aus gefühlten zehntausend Krimifilmen zu punkten.

Liebes Kind,

Doktor Schreiber setzte zu einem längeren Monolog an,

Sie sollten sich nicht so sehr an amerikanischen Krimiserien sondern an den vorliegenden Tatsachen orientieren. Dieser Mann lag etwa dreißig Jahre in irgendeinem unzugänglichen Teil des Schwarzwalds, bis man seine Knochen aus Zufall ausgegraben hat. Als ihm jemand mit einem Beil den Schädel gespalten hat, waren Sie noch nicht einmal gezeugt.

Ach so, ich dachte, der Mann ist irgendwie prähistorisch oder so…

Doktor Schreiber versuchte, Marion zu ignorieren, aber das gestaltete sich schwierig, da sie ununterbrochen vor sich hin sprach.

Das war sicher eine Beziehungstat, ein eifersüchtiger Ehemann oder irgendetwas in der Art. So eine Axt oder ein Beil, das kann ja eine Frau gar nicht, und überhaupt, haben Sie schon den Einschlagwinkel der Tatwaffe gemessen? Sollen wir die Tat simulieren?

Sie sah Herrn Schreiber hoffnungsvoll an.

Doktor Schreiber stellte sich vor, wie er Marions Schädel mit einem Beil in zwei Teile spaltete. Er schüttelte den Kopf und sah auf die Uhr über der Tür. Wenn er gewusst hätte, dass die Tochter des Dezernatsleiters so eine Nervensäge war, hätte er dem Schnupperpraktikum niemals zugestimmt.

Ich frage mich liebes Fräulein, Doktor Schreiber unterbrach ihren Redefluss, was sie dazu bewogen hat, sich ausgerechnet für die Pathologie zu interessieren?

Och, Marion sah auf ihre Hände, die in blauen Plastikhandschuhen steckten.

Die Pathologinnen haben doch immer einen Kommissar zum Knuddeln…

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