abc Etüden 03.04.21 Morgenritual

Die Wortspende von blaupause7 gibt die Worte

erschüttern, orange (die Farbe, nicht die Frucht) Lautsprecher

vor. Die Regeln für die Etüde sind, diese 3 Wörter in einer Geschichte mit maximal 300 Worten zu verpacken. Ich wurde von Christianes Etüde inspiriert.https://365tageasatzaday.wordpress.com/2021/01/26/morgenskizze-mit-felltraeger-abc-etueden/

Christiane kümmert sich auf ihrem blog https://365tageasatzaday.wordpress.com/ mit viel Hingabe und Enthusiasmus um die Etüden und jeder ist eingeladen, mitzumachen!

Morgenritual (frei nach Christiane)

Heute fühlt sich mein Tag leider nicht orange an, sondern so wie der Himmel, milchigweiß. Es schneit immer noch. Als ich die Haustür öffne um Stiefel hereinzulassen, beschwert er sich wie erwartet, weil ich nicht früher aufgemacht habe. Stiefel ist verwöhnt, er weiß, dass er jetzt erstmal mit einem Handtuch abgetrocknet wird, Rücken, Bauch und alle vier Pfoten und legt sich freiwillig hin. Während ich ihn trockenreibe motzt er weiter. Ich lege das Handtuch in den Korb und sage „Hopp, geh hoch!“ und er trabt folgsam die Treppe hoch. Ich bilde mir ein, er ist beschwingt, weil er mir erstens die Meinung gesagt hat und ich ihm zweitens den Pelz massiert habe. Ich ergebe mich in die Rolle des Hauspersonals und fülle seinen Napf. Während er mampft koche ich mir meinen Kaffee, schäume Milch auf und gehe dann mit der Kaffeetasse hinunter in den Keller, zur Tür in den Garten. Wenn es trocken ist setze ich mich auf die Stufen der Treppe, die in den Garten führt, und schreibe in  mein Tagebuch. Das mache ich so ob Sommer oder Winter, hat sich einfach so ergeben. Ich höre mir das Morgenpalaver der Spatzengang an und stelle mir vor, es wäre Frühling.  Heute bleibt es bei einer Stippvisite an der Tür, weil es schneit. Stiefel kommentiert alles. Wenn er nach dem Fressen in mein Nähzimmer geht, wo sein Lieblingsschlafplatz ist, dann erzählt er das lautstark, redet den ganzen Weg, durch die Tür, die Treppe hinunter, damit ich es auch wirklich mitbekomme. Ich habe das Gefühl, er ist schwerhörig, er wird immer lauter, als ob er einen eingebauten Lautsprecher hätte, den er bei Bedarf anwerfen kann. So dümpeln wir wie ein altes Ehepaar durch die Tage, treffen uns, erzählen uns was und dann geht wieder jeder seiner Wege.

abc.etüden 2021 03+04 | 365tageasatzaday

Inspiriert durch Christianes Etüde habe ich mal mein Morgenritual aufgeschrieben. Wer sich fragt, woher Kater Stiefel seinen Namen hat, hier die Auslösung:

Die Schwiegermutter meiner ältesten Freundin war bei der Katzenhilfe und 2006 haben sie vier Katzenkinder , die eigentlich umgebracht werden sollten, von einem Bauernhof gerettet. Meine Freundin hatte zwei bei sich zum Aufpäppeln. War ja klar, dass es nicht zu umgehen war, dass wir eines adoptiert haben. Ich war ja häufig bei meiner Freundin und wer kann schon einem Katzenkind widerstehen? Unser Kater Marti, der aus einem Tierheim knapp zwei Jahre zuvor bei uns eingezogen war, war anfangs not amused, aber sie wurden dann doch Freunde, meistens zumindest. Beide waren schwarz-weiß, was ein witziger Zufall war, sie sahen aus wie Brüder. Die Tochter meiner Freundin taufte das Kätzchen „Stiefelette“, weil es vier weiße Stiefel hat, und beim Tierarzt stellte sich dann heraus, dass es ein Kater ist. So wurde aus Stiefelette Stiefel, und das passte irgendwie auch gut. Er ist schon etwas rustikal in seinem ganzen Gehabe, während Marti, der leider vor zwei Jahren in den Katzenhimmel umgezogen ist, sehr feine Manieren hatte. Er war sehr vornehm und leise, wurde dann aber durch den Einfluss des ungezogenen Teenagers Stiefel zusehends lauter und gesprächiger. Die beiden zu beobachten war köstlich. Als ich Marti begraben musste, war es einer der schlimmsten Tage meines Lebens. Er hat einen super schönen Platz in meinem Garten und manchmal habe ich das Gefühl, er ist da und streicht mir schnurrend um die Beine

Marti (oben) mit Stiefel „im Arm“

Gegenseitiges Ablecken vor lauter Liebe…

Sie lagen oft zusammen in einem Korb und „umarmten“ sich, obwohl jeder seinen eigenen Korb hatte.

Zwei Sphinxe bewachen den Eingang

Lebkuchen allover

Die Lebkuchenfront ist wieder da – ein deutlícheres Zeichen dafür, dass das Jahresende um die Ecke biegt, kann es nicht geben. Der Sommer hat sich ja dieses Jahr ins Unendliche ausgedehnt und ich konnte mich der Illussion hingeben, dass es noch lange hin ist bis zum Herbst und Winter….

Ich renne 2018 nur im Hamsterrad, kaum Zeit zum Luftholen. Gefühlt war die einzige Atempause meine Woche in Bassum, die sich angefühlt hat wie 10 Tage, weil die Zeit ohne die allgegenwärtigen Zeitbeschleuniger Internet und Telefon einfach langsamer vergeht. In dieser Woche kann ich mich auf mich selbst zurückfallen lassen – das tut so gut. Kein tickender Metallklumpen, der deinen Tag zerhackt, die Termine sind überschaubar und die Zeit dazwischen ist ein weites Feld, das ich mit meinen Gedaniken füllen kann. In drei Monaten werde ich mich bereits wieder anmelden für die nächste Sommerakademie. Seit drei Jahren ist das der Fixstern im Sommer!

Die Augenkrankheit, die mich im Frühjahr fast drei Monate lang außer Gefecht gesetzt hat, hat mir soviel Zeit gestohlen. Die vielen Stunden im Krankenhaus, die ich mit Warten verbracht habe, sind irgendwie verpufft. Da ich wegen der Augen nicht lesen konnte, waren sie auch nicht sinnvoll zu nutzen. Per Kopfhörer etwas anhören ging ja auch nicht, dann hätte ich ja nicht gehört, wenn ich aufgerufen werde. Denke ich an diese Wochen zurück ist es, als ob sie fehlen würden. Ein weißer Fleck in meiner Erinnerung.

Kaum war das vorbei hieß es, die Vorbereitungen für den dreimonatigen Kanadaaufenhalt meines Sohnes zu treffen, es ging Schlag auf Schlag bei ihm. Sein Praktikum bei Radio big fm endete am 3. Juli und am 10. Juli saß er bereits im Flieger nach Montreal. Während er in Kanada war trudelten hier die Zusagen für´s Studium ein, wie erhofft war auch die Zusage für seinen Favoriten-Studiengang iin Düsseldorf dabei. Während er in Kanada reiste und arbeitete, organiserte ich hier ein Zimmer in Düsseldorf, bereitete den Umzug vor und holte ihn dann am 10. Oktober in Frankfurt ab. Am 13. Oktober ging es schon morgens kurz  nach 5 Uhr mit dem großen Wagen nach Düsseldorf. Mittlerweile hat er angefangen mit dem Studium und  mit seinem selbständigen Leben. Auch eine Umstellung für mich – Mama allein zuhaus!

Die letzen Wochen des Sommers waren traurig, denn einer unserer beiden Kater wurde sehr krank. Er war schon immer ein Freigänger, kam aus dem Tierheim und war ursprünglich aus Italien. Es kam häufig vor, dass er mal 2 oder 3 Tage unterwegs war. Aber dann fehlte er eine ganze Woche und ich hatte ihn schon aufgegeben. Nach einer Woche war er wieder da, völlig entkräftet, abgemagert und schwach. Wir hatten schon länger den Eindruck, dass er „dement“ ist, mein Sohn sagt, das gibt es bei Katzen auch. Vielleicht hat er einfach nicht mehr nach Hause gefunden? Danach habe ich ihn nicht mehr rausgelassen, was ein Drama war, denn er wollte ja immer raus. Ich bin dann mit ihm zusammen in den Garten, damit er an die frische Luft kommt,  und habe ihn nicht aus den Augen gelassen.

Am Ende war er aber doch schon so krank, dass die Tierärztin Nierenversagen und Leberversagen konstatiert hat und vermutlich hatte er auch einen Schlaganfall. ich hatte gehofft, dass er durchhält bis mein Sohn wieder da ist, aber er hat es nicht geschafft. Das Schlimmste war, diesen kleinen weichen Körper zu begraben, mir ist fast das Herz gebrochen, denn er war ja 13 Jahre bei uns.

Das ist jetzt auch schon wieder fast vier Wochen her.

Ich vermute, ich wache am Neujahrsmorgen 2019 auf und weiß nicht, welches Jahr wir haben….immerhin weiß ich, siehe oben, dank der allgegenwärtigen Lebkuchen dass wir uns auf die Weihnachtszeit zubewegen. Wenn die Zeit weiter so dahin rast, dann wird der Übergang zum Osterhasen fließend sein für mich.

 

Erste Sonne II

Endlich

riecht die Luft

nach Frühling erste Sonne

stiehlt sich durch die

Schleier der schwarzweiße

Kater schnuppert an der

Tür ins Blaue

 

Schneekristalle

auf dem Blumenbeet die letzen

Reste schmilzt die Sonne krachend

fallen sie

vom Dach doch der Winter

der Winter lacht uns

ins Gesicht die Nasen rot

treten wir

frierend auf der Stelle