Stonecold

THE CHALLENGE:

Write a one hundred word story that has a beginning, middle and end. (No one will be ostracized for going a few words over the count.) the group is hosted by Rochelle, each week we find an inspiring new photo on her blog:http://rochellewisofffields.wordpress.com

THE KEY:

Make every word count. To see all the great 100 word stories of the weekly challenge use this link http://new.inlinkz.com/luwpview.php?id=331433

al_forbes

He courted me, besieged me with expensive gifts and last night he came up with his real identity.

“I am Zeus,” he said and smiled, “no woman could ever resist me.”

I was sure definitely now he was insane.

“But I love Tommy,” my voice trembled.

“Sure,” his eyes were cold. “That´s the place he is waiting for you, Darling.”

He handed me a piece of parchment. I knew the street, lots of beautiful old mansions.

I found the house and slowly panic was spreading in my stomach.

“Tommy? “

Above my head I heard a crunching noise and looked up into Tommy`s stony face-

Genre: fantasy

Words: 105

Wer ist Zeus? (Nachtrag aus September 2012)

Es wird Herbst

Ich sitze in meiner wortwabe und trauere dem Sommer hinterher. Der Himmel ist grau und immer wieder regnet es. Die Rosen vor meinem Fenster recken trotzig die letzten Knospen in die kühle Luft. Ich schließe mich Ihnen an und hoffe auf einen goldenen Oktober.

Plötzlich steht ein Mann vor meinem Schreibtisch, den ich noch nie gesehen habe. Ich schaue ihn irritiert an und als ich in seine Augen sehe, bin ich mir nicht sicher: kenne ich ihn?

„Erkennen Sie mich nicht?“

„Äh, nein. Wer sind Sie denn?“ frage ich ihn direkt.

„Ich bin Zeus!“ Das Ausrufezeichen am Ende des Satzes ist nicht zu überhören. `Meine Güte`, denke ich, `die Typen lassen sich immer schrägere Namen einfallen.`

„Der Name ist mir nicht EINGEFALLEN – ich BIN Zeus!“ sagt der Fremde jetzt mit einem ärgerlichen Unterton.

Woher weiß er, was ich eben gedacht habe? Jetzt wird er mir unheimlich.

„Sie müssen sich doch an mich erinnern, meine Liebe“, sagt er jetzt etwas freundlicher. Er sieht mich wieder an und tief in mir sitzt eine Erinnerung, die nicht aus ihrem Versteck kommt.

„Schön“, sage ich,“ Sie sind also Zeus. Und was wollen Sie von mir, Herr Zeus?“

„Einfach nur `Zeus`“, sagt er und setzt sich auf meinen Schreibtisch. Jetzt atme ich seinen Duft ein und aus dem Nichts schießt mir durch den Kopf „Ambrosia“.

„So ähnlich“ sagt der Typ, der behauptet Zeus zu sein. „Eine ganz besondere Mischung, exklusiv für mich komponiert. Übrigens von Aphrodite persönlich.“

`Ein Irrer`, denke ich noch und plane meine Flucht. Aber da ist er schon verschwunden.

Das war´s dann, Zeus (Zeus Teil 16)

Zeus musste Hypnos nicht lange überreden mit ihm zu kommen und die Sicherheitsleute im Louvre einzuschläfern. Da er so daran gewöhnt war, dass alle nach seiner Pfeife tanzten, wunderte er sich auch nicht über Hypnos prompte Zustimmung. Kurz vor Mitternacht trafen sie im Louvre ein und Hypnos machte sich sofort ans Werk, während Zeus sich auf die Suche begab nach La Liberté. Erinnerungen wurden wach an leidenschaftliche Nächte mit der schönen Französin und er war mehr als gespannt zu sehen, wie eine gemalte Legende aussah, wenn sie aus ihrem Rahmen stieg.

Der große Zeiger auf der Armbanduhr des Sicherheitsbeamten hüpfte auf die Zwölf, Mitternacht. Er griff nach seinem Kaffeebecher und nahm einen kräftigen Schluck. Routinemäßig beobachtete er dabei die Bildschirme und sah einen Schatten in einem der Gänge. „Merde!“ entfuhr es ihm, aber bevor er weiter darüber nachdenken konnte, was passierte, fiel er in einen so tiefen Schlaf, dass auch ein Presslufthammer direkt neben seinem Stuhl ihn nicht geweckt hätte. Der Kaffeebecher war ihm aus der Hand gefallen und Reste des Kaffees verteilten sich auf dem Boden. Hypnos tauchte aus dem Nichts neben dem Schlafenden auf. Er bückte sich nach der Kaffeetasse, stellte sie auf den Tisch und beseitigte mit einer trägen Handbewegung die Spuren der verschütteten Flüssigkeit. „Das war der Letzte,“ sagte er zu sich selbst,“ jetzt schlafen sie alle und träumen von einer ruhigen Nacht mit regelmäßigen Kontrollen, die unauffällig sein werden. Ich bin einfach großartig.“ Hypnos warf einen letzten Blick in das Büro und verließ den Raum.

La Liberté war um Punkt zwölf Uhr aus ihrem Rahmen geklettert und zum Raum von Mona Lisa gerannt. „Lisa“, rief sie schon von weitem, raffte ihre Röcke und kam schnaufend vor Mona Lisas Rahmen zum Stehen. Diese war gerade dabei, sich aus ihrem kleinen Bild zu schälen.

„Ich weiß nicht, was Leonardo sich dabei gedacht hat, das Portrait so klein zu machen.“ Mona Lisa strich ihre Röcke glatt. „Er kommt, Lisa!“ La Liberté konnte es kaum erwarten, die Neuigkeit loszuwerden. „Wer kommt? Wovon sprichst du?“ Mona Lisa sah ihre Freundin fragend an. „Zeus! Zeus kommt heute Nacht! Wahrscheinlich ist er schon da – “ La Liberté fingerte an Lisas Oberteil herum. „Was machst du da?“  Mona Lisa riss sich los. „Willst du ihn nun verführen oder nicht?“ La Liberté zog an Mona Lisas Mieder. „Du bist viel zu zugeknöpft, jetzt zeig mal was du hast!“ Mona Lisa versuchte ihr Mieder etwas nach unten zu ziehen sodass ihr Dekolleté besser zur Geltung kam. Da hörten beide die bekannte samtige Stimme: “ Das habt ihr doch gar nicht nötig, ihr seid mit und ohne Kleider reizvoll – pardon, Mademoiselle Lisa, sie kenne ich natürlich nur bekleidet – “ Mona Lisa wurde rot. „Wie kannst du sie so in Verlegenheit bringen, Zeus!“ zischte La Liberté ihm ins Ohr. Zeus fand Mona Lisa anziehend aber etwas zu brav, er war mit seinen Gedanken bei der leidenschaftlichen Liberté. Diese stupste Mona Lisa an und schob sie Richtung Zeus. Mona Lisa nahm all ihren Mut zusammen, sah dem Mann ihrer Träume in die Augen und – lächelte. Zeus war völlig hingerissen von diesem Lächeln und bemerkte nicht, dass Eros sich hinter einer Ecke versteckt hatte. Sein Bogen war gespannt und er wartete ruhig auf den richtigen Augenblick.

Zeus sah Mona Lisa tief in die Augen. Sie war eigentlich ganz niedlich. „Mademoiselle, ich muss gestehen, sie sind“ da traf ihn Eros  Pfeil, „  – wunderschön!“ hauchte er. Eros beobachtete wie sich das Liebesgift langsam in Zeus Körper ausbreitete. Er fing an zu lächeln, er grinste über das ganze Gesicht, strahlte Mona Lisa an und schien völlig vergessen zu haben, wo er war. Eros verschwand bevor La Liberté ihn bemerkte, aber der liebliche Rosenduft, der ihn stets umgab, wehte ihr in die Nase, sie sah sich um und schnupperte. Einen Moment lang glaubte sie, einen goldenen Flügel gesehen zu haben, aber in so einer Nacht wie dieser konnte man sich alles möglich einbilden.

Irgendetwas geschah mit Zeus, aber was? Er schien völlig für die Welt verloren. Zeus hielt Mona Lisa im Arm und La Liberté  sagte nur: „ Ihr wisst, dass der Spaß bei Sonnenaufgang zu Ende ist.“  Doch die beiden waren gerade dabei sich in ihrem ersten Kuss zu verlieren und La Liberté wusste nur zu gut, was die Küsse von Zeus für eine Wirkung hatten.

Ananke beobachtete die Szene im Louvre vom Olymp aus und war zufrieden. Zeus würde seine Lektion lernen, da war sie sich sicher. Die Liebe zu einer Legende, die nur nachts zum Leben erwachte und Tage voller Sehnsucht in einer Welt, die nicht die seine war – das war eine bittere Strafe für einen Herzensbrecher wie ihn.

Vielleicht würde ihn das Schicksal eines Tages erlösen, vielleicht blieb er auch für immer Mona Lisa verfallen. Das wusste Ananke in diesem Moment selbst noch nicht. Sie spann ihren Schicksalsfaden und versank in Schweigen.

 

 

Ananke spinnt den Schicksalsfaden (Zeus Teil 15)

La Liberté zwinkerte Zeus zu. Er stand mit einer langbeinigen Blondine vor ihrem Gemälde und hielt der jungen Dame, die an seinen Lippen klebte, einen weitschweifenden Vortrag über Delacroix und die Julirevolution 1830.

„Sie hört dir doch ohnehin nicht zu, “ begann La Liberté eine lautlose Unterhaltung mit Zeus.

„Ich weiß, aber ich doziere eben gerne,“ Zeus lächelte süffisant, “Vorher –“ er ließ den Satz offen. „Aber sie ist längst nicht so leidenschaftlich wie du, meine Liebe.“ Zeus grinste und kraulte seiner Begleiterin den Nacken. Sie schmiegte sich verliebt an ihn. „Zeus, du alter Schwerenöter“ La Libertés Mundwinkel zuckten. „Du bist einfach immer zur falschen Zeit hier –“

Zeus horchte auf: „Wie meinst du das?“ „Nun – “ La Liberté machte eine kleine kunstvolle Pause, „du musst nach Mitternacht kommen, Zeus. Dann kommen wir aus unseren Rahmen heraus und sind aus Fleisch und Blut. Wir könnten viel Spaß haben – “

Zeus traute seinen Ohren nicht. Konnte das sein? Ohne dass er, Zeus, davon gewusst hatte? Davon musste er sich selbst überzeugen. „Nach Mitternacht, sagst du?“ „Ja, bis zum Morgengrauen, dann müssen wir zurück in unsere Gemälde. Kommst Du?“ La Liberté lauerte auf eine Antwort. „Natürlich, das muss ich mir ansehen!“ „Schön, aber dann bring Hypnos mit, damit wir unsere Ruhe haben vor den Sicherheitsleuten, das ist manchmal etwas mühsam. Aber mit Hypnos Hilfe schlafen sie bis zum Morgen und können sich dann an nichts erinnern.“ „In Ordnung, dann bis heute Nacht, meine Schöne,“ Zeus warf La Liberté zum Abschied eine Kusshand zu.

„Warum machst du das?“ fragte seine Begleiterin beim Hinausgehen. „Ach weißt du, sie ist eine alte Freundin.“ Das Mädchen lachte als ob er einen besonders lustigen Witz gemacht hätte. Sie  hatte ja keine Ahnung, wer ihr Begleiter war…

Im Olymp beobachtete Ananke zufrieden die Szene im Louvre und spann ihren Schicksalsfaden. „Es ist Zeit Hypnos zu rufen,“ sagte sie zu Tyche, die sofort aufstand um die Anweisung ihrer Mutter zu befolgen.

Hypnos wirkte auf sein Gegenüber immer irgendwie einschläfernd. Aus halbgeöffneten Augen sah er jeden träge an und sofort musste man gähnen. Er wirkte zwar schläfrig, war aber in Wirklichkeit hellwach. Er konnte jeden zum Einschlafen bringen, nicht nur seine Gegenwart verfehlte  ihre Wirkung nicht, es stand ihm auch eine große Auswahl diverser Schlaftränke zur Verfügung. Vom leichten Mittagsschlaf bis zum todesähnlichen Zustand konnte er alles anbieten. Sein berühmtester Trank war der, den Julia einst verabreicht bekam. Wie diese Geschichte ausging, ist ja allseits bekannt.

Als er zu Ananke gerufen wurde, wirkte er äußerlich zwar völlig tiefenentspannt aber in seinem Inneren schrillten sämtliche Alarmglocken. Er konnte sich denken, warum sie ihn sprechen wollte. Die Sache mit Eros war herausgekommen. Hypnos machte sich auf eine Gardinenpredigt gefasst.

„Hypnos, du weißt, warum du hier bist.“ begann Ananke. „Du hast dich an einer Intrige beteiligt, die Ausmaße angenommen hat, die nicht sein dürfen.“ Hypnos lief rot an und trat verlegen von einem Bein auf das andere. “Ihr habt in das Schicksal eingegriffen, das steht euch nicht zu. Du musst zusammen mit Eros die Dinge wieder ins Reine bringen. Hier ist deine Aufgabe.“ Ananke erläuterte Hypnos, was er zu tun hatte. Hypnos war erleichtert, das sollte nicht allzu schwer werden, wenn das die ganze Strafe war, wäre er ja nochmal davongekommen.

Doch Ananke war noch nicht fertig. „ Da du ja so gerne deine Macht demonstrierst, wirst du ab sofort genau das nicht mehr tun. Du sagst deine Meditationskurse bis auf weiteres ab.“

Hypnos starrte Ananke an, senkte aber sofort den Blick. Niemand, nicht einmal Zeus konnte in das Dunkel des Gesichts blicken, in dem nichts zu erkennen war, dessen unsichtbare Augen jedoch jeden mitten ins Herz trafen. Ausgerechnet sein Meditationskurs, in dem ihm die schönsten Frauen im Olymp zu Füßen lagen, sprichwörtlich. Das war wirklich eine harte Strafe, Ananke wusste genau was sie tat. Aber Hypnos wagte nicht, zu widersprechen, machte eine kleine Verbeugung und beeilte sich, aus der Höhle des Schicksals zu verschwinden.

Ananke war zufrieden. Die Dinge entwickelten sich ganz in ihrem Sinne.

Eros bekommt eine Aufgabe (Zeus Teil 14)

Eros war direkt der Schicksalsabteilung unterstellt. Regelmäßig bekam er Listen mit den Namen der Sterblichen, die auserwählt waren, von einem seiner Pfeile getroffen zu werden. Heute sollte er zu Ananke selbst kommen. Sogar für einen so unbekümmerten Jungen wie Eros hatte ein Besuch bei der großen Herrin über alle Schicksale etwas Beängstigendes. Er beeilte sich, ihrem Ruf zu folgen und fand sich pünktlich in der furchteinflößenden dunklen Höhle ein.

Ananke nahm seine Verbeugung mit einem Kopfnicken zur Kenntnis und legte den Pfeil, den Hera ihm gestohlen hatte, vor ihn hin.

„Weißt du, woher dieser Pfeil kommt, Eros?“

Eros sah, dass es einer seiner Pfeile mit Goldspitze war und bekam eine Gänsehaut. Der Traum, dieser seltsame Traum –  Er wollte antworten aber Anankes Gegenwart verfehlte auch bei ihm ihre Wirkung nicht und er gab nur ein Krächzen von sich. Er räusperte sich und sah dorthin, wo er Anankes Augen vermutete, doch obwohl er sie nicht sehen konnte, musste er den Blick senken.

„Nein, Ananke, große Göttin, ich weiß es nicht.“ Eros zögerte einen Moment. „ Aber ich hatte einen seltsamen Traum – Hera war bei mir und stahl mir zwei Pfeile – einen mit goldener und einen mit bleierner Spitze. Als ich erwachte konnte ich mich daran erinnern als ob es Wirklichkeit gewesen wäre, aber es war so verrückt, deshalb war ich überzeugt, es wäre ein Traum gewesen – “ Eros schwieg.

„Es war kein Traum, Eros. Hera hat dir diese Pfeile gestohlen, einen hat sie selbst abgeschossen in die Welt der Sterblichen. Du hast nicht gut genug aufgepasst, Eros. Du weißt, dass du die Verantwortung für deine Pfeile trägst und sie gut bewachen musst.“ Ananke sah Eros streng an.

„Ja aber – „ Eros zögerte einen Moment „ich weiß nicht, was passiert ist. Ich muss betäubt worden sein, denn wenn ich schlafe verschließe ich die Pfeile und dieses Schloss kann niemand öffnen.“

„Ich weiß, Eros, Du bist immer sehr pflichtbewusst gewesen. Hera hat dich mit Hypnos Hilfe betäubt. Hypnos wird dafür bestraft werden. Aber wir müssen die Sache mit dem Pfeil in Ordnung bringen. Er muss abgeschossen werden und du musst das übernehmen. Es wird keine leichte Aufgabe, denn der, den du treffen sollst, ist – “ Ananke winkte Eros näher und schrieb einen Namen auf ein Stück Pergament. Sie reichte Eros das Papier, er wurde blass.

„Das kann ich nicht, Ananke. Nicht ihn!“

„Du musst es tun, Eros. Du wirst einen Weg finden. Tyche wird dir Ort und Zeit mitteilen.“

Ananke bedeutete Eros mit einer Handbewegung, dass die Besprechung zu Ende war. Eros verbeugte sich und verließ schnell den Raum.

Der zweite Pfeil (Zeus Teil 13)

Hera legte den Pfeil mit der Goldspitze in den Bogen ein. Sie spannte die Sehne doch dann zögerte sie und ließ den Bogen wieder sinken.

„Das ist eine gute Entscheidung, Hera,“ Tyche war so plötzlich neben Hera aufgetaucht, dass diese heftig zusammenzuckte.

„Tyche –“  Hera wusste nicht recht, was sie sagen sollte.

„Gib mir den Pfeil, Hera. Du hast schon genug Schaden angerichtet.“

Hera nahm den Pfeil aus dem Bogen und reichte ihn schweigend an Tyche weiter.

„Was wirst du jetzt damit machen?“ fragte sie.

„Das liegt nicht in meiner Macht, Hera. “ und Tyche verschwand so plötzlich wie sie gekommen war. Hera blieb alleine zurück und fragte sich, warum sie sich überhaupt auf dieses Spiel eingelassen hatte. Sie war verletzt und wütend gewesen wegen Zeus, aber das war nichts Neues. Die Hoffnung, dass Zeus sich je ändern würde, war vergebens und Hera beschloss, nicht mehr darüber nachzudenken sondern einfach weiterzumachen wie bisher. Sie ging wieder in ihr Büro, checkte ihre zahlreichen To-do-Listen und versuchte, nicht mehr an Zeus, die Pfeile und Artemis zu denken.

Tyche war in der Zwischenzeit in der dunklen Höhle des Schicksals angekommen und legte Ananke den Pfeil zu Füssen. Selbst für Tyche, die ständig mit Ananke zu tun hatte, war diese furchteinflössend. Eine dunkle große Gestalt, die substanzlos schien und doch eine Schwere verströmte, die jeden, der in ihre Nähe kam, lähmte.

„Danke mein Kind,“ Ananke schien Tyche in die Augen zu blicken, aber da ihr Gesicht im Dunkeln lag, konnte Tyche, den Blick nur erahnen. „Du kannst gehen“.

Tyche beeilte sich aus dem Dunkel ins Licht zu kommen und Ananke sah sinnend auf den Pfeil. Dann rief sie Eros zu sich.

Griechenland – Russland 1 : 0 (Zeus Teil 9)

Hermes drückte auf den Knopf der Fernbedienung. Wie immer funktionierte alles einwandfrei. Das Bild des Beamers an der makellos weißen Wand war glasklar und scharf.Die großen Schiebetüren zur Terrasse waren offen, der Blick auf das Meer atemberaubend. Die Terrasse ging in einen großen Überlaufpool über, sodass man der Illusion erlag, das Wasser des Pools würde direkt ins Meer fließen. Zeus hatte auch hier auf der kleinen griechischen Insel sein Haus am schönsten Fleck. Auch für einen Gott war die Schönheit der Natur nichts selbstverständliches. Hermes konnte immer wieder darüber staunen.

In der Welt der Sterblichen hatte Zeus Gefallen an einem Spiel namens Fußball gefunden und jetzt, während der Europameisterschaft, war ihm eine Parteiname für Griechenland nicht abzusprechen.

„Du weißt, dass du dich nicht in das Schicksal einmischen darfst, Pa.“

„Ach komm, Hermes, das ist ja nicht kriegsentscheidend.“

„Du hast wirklich keine Ahnung vom echten Leben, Pa. Für die Sterblichen ist Fußball extrem wichtig, für manche ist es so etwas ähnliches wie Krieg. Bei diesem Spiel geht es um Ehre, um Nationalstolz – “

„Aber sie rennen doch nur einem Lederball hinterher – es geht nicht einmal um eine schöne Frau -“ Zeus konnte das nicht ganz nachvollziehen. Aber er musste zugeben, dass man beim Zuschauen gepackt wurde und auch ihn das Spiel in eine Erregung versetzte, die er sonst nur auf anderem Gebiet erlebte.

Heute war der große Tag, er wollte mit seinem Sohn das abhalten, was die Sterblichen einen „Männerabend“ nannten. Hermes hatte dafür gesorgt, dass sie die Übertragung des Spiels in bester Qualität sehen konnten.

Zeus machte es sich auf dem breiten Ledersofa bequem. Er hatte Aphrodite mit der Ausstattung aller seiner Häuser beauftragt, sie hatte einfach einen untrüglichen Instinkt für den Zeitgeist,

Die Einrichtung der Villa war eine perfekte Mischung aus puristischen modernen Möbeln und ausgesuchten alten Stücken. Apoll hatte die Auswahl der Gemälde übernommen, selbstverständlich nur Originale. Andy Warhols Marilyn Monroe Dyptichon gehörte zu Zeus Favoriten, stand aber jetzt am Boden, da die Wand als Beamerleinwand benötigt wurde.

„Wenn die Sterblichen wüßten, wie viele Gemälde in ihren Museen in Wirklichkeit Kopien sind weil die Originale in deinen Häusern hängen, würden sie Sturm laufen“,                sagte Hermes als er Marilyn zur Seite rückte.

„Andy Warhol hätte damit kein Problem,“ grinste Zeus. „er war immer der Meinung, dass das Original weniger zählt als die Vervielfältigung. Schon die Dadaisten haben die „multiples“ hergestellt. Wenn wir die Kunstwerke im Olymp vervielfältigen ist das auch eine Art von Kunst.“ Zeus wollte gerade zu einem längeren Exkurs über Josef Beuys ansetzen, da wurde das Spiel angepfiffen und Hermes drehte demonstrativ den Ton lauter.

Die Regeln dieses Spiels erschlossen sich Zeus nicht wirklich, aber er verstand die grundlegenden Dinge. Bei diesem Spiel gab es sowieso nur eine Regel, die Griechen mussten gewinnen und er, Zeus, würde wenn es nötig war, etwas nachhelfen. Ananke würde schon ein Auge zudrücken, diese eine Mal.

Das Spiel nahm seinen Lauf. In den ersten zwanzig Minuten sah es so aus, als ob die Griechen es auch ohne Zeus Hilfe schaffen könnten. Zum Ende der ersten Halbzeit mischte Zeus sich das erste Mal ein und Karagounis gelang der Führungstreffer. In der zweiten Halbzeit wurde Zeus  immer nervöser und konnte sich nicht mehr beherrschen. Er musste  jetzt aktiv werden. Als Denisov in der 57. Minute zielte lenkte Zeus den Ball knapp am Tor vorbei. Doch Ananke ließ das nicht ungestraft und der Schiedsrichter verpasste kurz darauf dem griechischen Kapitän eine gelbe Karte. Zeus entschied sich daraufhin dafür, sich jetzt zurückzuhalten und hoffte das Beste.

Immer wieder zeigte die Kamera Bilder aus dem Publikum. Wild gestikulierende blau-weiß angemalte Fans hüpften auf den Tribünen herum. Ein Fan war verkleidet wie an Karneval und trug eine weiße Lockenperücke und einen Rauschebart.                                            „Das sollst du sein,“ lachte Hermes und zeigte auf den Bildschirm.

„Das ist ja lächerlich. So habe ich nie ausgesehen,“ empörte sich Zeus.

Das Spiel wurde abgepfiffen und Zeus wandte sich zufrieden seinem Wein zu.

„Gegen wen spielen wir im nächsten Spiel?“ fragte er Hermes.

Hera auf Abwegen(Zeus Teil 6)

Auf einem großen Sofa lag der pausbäckige Eros in süßem Schlaf. Hypnos hatte ganze Arbeit geleistet. Hera holte zwei Pfeile aus seinem Köcher, einen mit goldener und einen mit bleierner Spitze. Sie schloss leise die Tür hinter sich. Dann verstaute sie die Pfeile in ihrer Tasche und wollte sich gerade unauffällig davonschleichen, als sie mit Aphrodite zusammenstieß.

„Hera,“ Aphrodite lächelte süffisant. „Welch Glanz in meiner Hütte! Wolltest du zu mir?“

Ihre übertriebene Höflichkeit war so aufgesetzt und ihre Stimme so zuckersüß, dass auch ein emotionaler Blindgänger gespürt hätte, dass hier etwas nicht stimmen konnte.

„Äh nein,“ Hera war so überrascht vom plötzlichen Auftauchen Aphrodites dass sie völlig aus dem Konzept kam. Sie zermarterte sich den Kopf nach einer schlüssigen Erklärung.

„Suchst du vielleicht deinen Mann?“ gurrte Aphrodite und lieferte ihr damit eine Ausrede auf dem Silbertablett.

„Nun ja,“ Hera tat so, als würde sich zieren.
„Gib es schon zu, du stellst ihm nach. Aber ich kann dich beruhigen, ich bin nicht sein Typ. Er sucht eher etwas – “ Aphrodite suchte nach dem richtigen Begriff, “ Intellektuelles!“  sagte sie dann. „Neuerdings will er auch reden, über Literatur und so,  das ist nicht meine Welt, weißt du.“

Hera wollte nur noch weg bevor Eros aus seinem hypnotischen Schlaf erwachte.

„Also dann, nichts für ungut, Aphrodite, schönen Abend noch!“

Aphrodite sah Hera kopfschüttelnd nach. „Der arme Zeus! Nicht zu fassen, dass er diese Eifersuchtsdramen jetzt schon so lange mit macht.  Das muss ich ihm unbedingt erzählen, dass Hera mich jetzt wieder auf ihrer Liste hat. Sie sollte doch eigentlich wissen, dass ich nicht sein Typ bin.“

Aphrodite öffnete die Tür. „Eros mein lieber Junge, bist du da?“

Die Stimme seiner Mutter weckte Eros auf. Er rieb sich die Augen. „Hallo Mama,  – „ Eros gähnte. „Ich weiß gar nicht wie lange ich geschlafen habe, aber ich hatte einen total abgefahrenen Traum.“

„Ach ja? Den musst du mir dann später erzählen, Liebling, ich habe noch einen Termin mit Angelina, bis nachher mein Schatz!“