Urlaub macht urlaubsreif

Demnächst breche ich auf nach Norden, eine Woche Auszeit beim Schreibseminar von Jutta Reichelt. Es ist wie immer, je näher der Urlaub rückt, desto mehr Arbeit türmt sich auf.. Tausend Dinge müssen noch erledigt werden – und die Tage müssten eigenltich 36 Stunden haben.Deshalb müssen die abc Etüden ein bißchen ruhen. Da ich also selbst nichts zustande bringe aus Zeitmangel, will ich wenigstens etwas anderes posten. Gedichte gehen immer, finde ich. Und deshalb gibt es ein ganz wunderbares Gedicht für euch, ich gebe zu, ich liebe es!

Sie saßen und tranken am Teetisch

Sie saßen und tranken am Teetisch
und sprachen von Liebe viel.
Die Herren, die waren ästhetisch,
die Damen von zartem Gefühl.

„Die Liebe muß sein platonisch“,
der dürre Hofrat sprach.
Die Hofrätin lächelt ironisch.
Und dennoch seufzet sie: „Ach!“

Der Domherr öffnet den Mund weit:
„Die Liebe sei nicht zu roh,
sie schadet sonst der Gesundheit.“
Das Fräulein lispelt: „Wieso?“

Die Gräfin spricht wehmütig:
„Die Liebe ist eine Passion!“
Und präsentieret gütig
die Tasse dem Herren Baron.

Am Tische war noch ein Plätzchen;
mein Liebchen, da hast du gefehlt.
Du hättest so hübsch, mein Schätzchen,
von deiner Liebe erzählt.

  • Heinrich Heine

und hier noch zum Hören:

Es lebe die Liebe! Ich wünsche euch ein Wochenende voller Liebe und Sonne!

Das Drama in mir

Ha, was für eine Überschrift! Großartig dramatisch! Um euch zu erklären, wie ich dazu gekommen bin, muss ich einen meiner Gedanken von heute nacht nachvollziehen.

Meine geschätzte Bloggerfreundin Christiane von www.https://365tageasatzaday.wordpress.com/

schenkt uns auf ihrem lesenswerten blog immer wieder (mir) unbekannte Gedichte, die sie zudem meistens mit eigenen Fotos illustriert. Ich habe mich, und jetzt auch sie, gefragt, wo sie diese Schätze denn ausgräbt? Sie habe als Kind viele Gedichte gelesen, an die sie sich erinnere, schrieb sie. Manchmal auch nur eine Zeile, die dann zur Suche nach dem Gedicht dient. Nun, ich habe als Kind auch gerne und viele Gedichte gelesen. Angefangen hat alles mit einem Buch, das mir mein Pate irgendwann während meiner Grundschulzeit geschenkt hat. Gedichte von Joseph Guggenmoos. Wer kennt sie nicht, die Maus:

was denkt die Maus am Donnerstag …..Aus rechtlichen Gründen kann ich das Gedicht nicht hier einfügen, aber hier der link zu Joseph Guggenmoss Seite.

http://www.josef-guggenmos.com/was-denkt-die-maus-am-donnerstag

Ich habe sie geliebt, seine Gedichte. Von der Giraffe, die Autos zwischen ihren langen Beinen durchfahren lässt. Von den Schnirkelschnecken, von der Katetze, die ein „E“ zuviel hat, von der „unberachenberen Schreibmischane“.

Wer noch kleinere Kinder in der Familie hat, dem lege ich Josph Guggenmoos sehr ans Herz!

Von Joseph Guggenmoos ging es ohne Umwege direkt hinein ins Drama. Weg mit den kindlichen Bilderwelten, her mit Mord und Totschlag. Ich fing an die deutschen Balladen zu verschlingen. Schillers Glocke war allerdings eine, die mir eindeutig zu lang und nicht spektakulär genug war. Drama, Baby, Drama! Als Chrisitiane mir schrieb, sie habe, als Kind viele Gedichte gelesen, stieg die Erinnerung an alle meine Lieblinge wieder in mir auf. Ich lernte sie damals auswendig, stellte mich auf einen Hocker oder Stuhl und deklamierte sie mit aller Hingabe, zu der ich fähig war. Manchmal fing ich vorl lauter Inbrunst an zu weinen, wenn es besonders traurig oder dramatisch war. Zum Beispiel an der Stelle, wenn der grausame König in „Des Sängers Fluch“ von Ludwig Uhland den jungen Sänger ermordet. Meine Liebe zum Drama war geboren. Weg mit heiler Welt, gebt meinem Kopfkino Futter, ihr Dichter! Auf meiner persönlichen „Longtime-best-of-list“ steht jedoch nach wie vor folgendes Gedicht, das ich euch hier in ganzer Länge präsentiere:

Der Ring des Polykrates

von Friedrich von Schiller

Er stand auf seines Daches Zinnen,
Er schaute mit vergnügten Sinnen
Auf das beherrschte Samos hin.
„Dies alles ist mir unterthänig,“
Begann er zu Ägyptens König,
„Gestehe, daß ich glücklich bin.“ -„Du hast der Götter Gunst erfahren!
Die vormals deines Gleichen waren,
Sie zwingt jetzt deines Scepters Macht.
Doch Einer lebt noch, sich zu rächen;
Dich kann mein Mund nicht glücklich sprechen,
So lang des Feindes Auge wacht.“ -Und eh der König noch geendet,
Da stellt sich, von Milet gesandt,
Ein Bote dem Tyrannen dar:
„Laß, Herr, des Opfers Düfte steigen,
Und mit des Lorbeers muntern Zweigen
Bekränze dir dein festlich Haar!

„Getroffen sank dein Feind vom Speere,
Mich sendet mit der frohen Märe
Dein treuer Feldherr Polydor -“
Und nimmt aus einem schwarzen Becken,
Noch blutig, zu der Beiden Schrecken,
Ein wohlbekanntes Haupt empor.

Der König tritt zurück mit Grauen.
„Doch warn‘ ich dich, dem Glück zu trauen,“
Versetzt er mit besorgtem Blick.
„Bedenk‘, auf ungetreuen Wellen –
Wie leicht kann sie der Sturm zerschellen –
Schwimmt deiner Flotte zweifelnd Glück.“

Und eh er noch das Wort gesprochen,
Hat ihn der Jubel unterbrochen,
Der von der Rhede jauchzend schallt.
Mit fremden Schätzen reich beladen,
Kehrt zu den heimischen Gestaden
Der Schiffe mastenreicher Wald.

Der königliche Gast erstaunet:
„Dein Glück ist heute gut gelaunet,
Doch fürchte seinen Unbestand.
Der Kreter waffenkund’ge Schaaren
Bedräuen dich mit Kriegsgefahren;
Schon nahe sind sie diesem Strand.“

Und eh ihm noch das Wort entfallen,
Da sieht man’s von den Schiffen wallen,
Und tausend Stimmen rufen: „Sieg!
Von Feindesnoth sind wir befreiet,
Die Kreter hat der Sturm zerstreuet,
Vorbei, geendet ist der Krieg!“

Das hört der Gastfreund mit Entsetzen.
„Fürwahr, ich muß dich glücklich schätzen!
Doch,“ spricht er, „zittr‘ ich für dein Heil.
Mir grauet vor der Götter Neide;
Des Lebens ungemischte Freude
Ward keinem Irdischen zu Theil.

„Auch mir ist alles wohl gerathen,
Bei allen meinen Herrscherthaten
Begleitet mich des Himmels Huld;
Doch hatt‘ ich einen theuren Erben,
Den nahm mir Gott, ich sah in sterben,
Dem Glück bezahlt‘ ich meine Schuld.

„Drum, willst du dich vor Leid bewahren,
So flehe zu den Unsichtbaren,
Daß sie zum Glück den Schmerz verleihn.
Noch Keinen sah ich fröhlich enden,
Auf den mit immer vollen Händen
Die Götter ihre Gaben streun.

„Und wenn’s die Götter nicht gewähren,
So acht‘ auf eines Freundes Lehren
Und rufe selbst das Unglück her;
Und was von allen deinen Schätzen
Dein Herz am höchsten mag ergötzen,
Das nimm und wirf’s in dieses Meer!“

Und Jener spricht, von Furcht beweget:
„Von Allem, was die Insel heget,
Ist dieser Ring mein höchstes Gut.
Ihn will ich den Erinen weihen,
Ob sie mein Glück mir dann verzeihen,“
Und wirft das Kleinod in die Fluth.

Und bei des nächsten Morgens Lichte,
Da tritt mit fröhlichem Gesichte
Ein Fischer vor den Fürsten hin:
„Herr, diesen Fisch hab‘ ich gefangen,
Wie keiner noch ins Netz gegangen,
Dir zum Geschenke bring‘ ich ihn.“

Und als der Koch den Fisch zertheilet,
Kommt er bestürzt herbeigeeilet
Und ruft mit hocherstauntem Blick:
„Sieh, Herr, den Ring, den du getragen,
Ihn fand ich in des Fisches Magen,
O, ohne Grenzen ist dein Glück!“

Hier wendet sich der Gast mit Grausen:
„So kann ich hier nicht ferner hausen,
Mein Freund kannst du nicht weiter sein.
Die Götter wollen dein Verderben;
Fort eil‘ ich, nicht mit dir zu sterben.“
Und sprach’s und schiffte schnell sich ein.

Ich wünsche euch einen erträglich kalten Sonntag – trotz meiner angeborenen Liebe zum Drama mit möglichst wenig davon!

Montagsfrage

in der Bloggerwelt kommt man ja viel rum- und so bin ich auch auf der Seite von Svenja gelandet, die jeden Montag auf ihrem blog eine Frage stellt. Diese Woche geht es da rum, ob man Gedichte mag oder gar liest….Für mich ist das ja keine Frage, und wenn, dann nur rhetorisch 🙂 Ich habe die verlinkten Antworten der anderen Blogger gelesen und muss sagen, es ist mir jetzt klar, warum Gedichtbände so ein Schattendasein führen. Die Generation der 1980er und jünger scheint sich von Gedichten völlig verabschiedet zu haben, leider. Bei Gedichten denken sie an Schillers Glocke oder den Erlkönig. Schade. Zeitgenössische Gedichte zu posten ist aus urheberrechtlichen Gründen nicht so empfehlenswert, aber es gibt ja auch die gesprochene Version. Ich empfehle dann mal hier zwei meiner Lieblingsgedichte:

 

 

und gebe die Frage weiter in die Runde:

Magst und liest du Gedichte/Gedichtbände?

Liebeszeiten

Im Frühling als die
Blüten noch im Geheimen schliefen
waren deine Augen so blau der
Frühlingshimmel wölbte sich
über uns wir hielten uns
fest und ich
ich wollte dich nie
nie mehr loslassen

Im Sommer als der warme Wind über deine
Rosen strich liebten wir uns einmal
einmal nur deine Augen
so blau
Jetzt
schleicht er sich davon
der Sommer
jetzt
kommt der Wind aus dem Norden
er flüstert flüstert leise
deinen Namen in die fallenden Blätter

die Zeit tropft
tropft durch meine
meine Hände ich
breite die Arme aus
sie zerrinnt über meiner nackten Haut
die noch golden glüht
vom Licht des Sommers
die Zeit tropft in mein Haar
wäscht die Sonne aus
verschwindet verschwindet
doch die Sehnsucht bleibt
schmiegt sich an mich
wird mich wärmen
wenn der Winter kommt

Sehnsucht

Ich kannte deinen Namen
nicht und doch
schrieb ich ihn
Nacht für Nacht an den
Himmel den einen
ewigen Traum
von dieser Liebe

habe dich gesucht bin
gereist durch Raum und
Zeit und dann
warst du da

deine Augen
deine Stimme deine
Stimme die Worte
habe ich gesammelt mich eingehüllt
in meine Sehnsucht und dann
warst du da

jetzt
halte ich den Atem an
vor Glück

Mondsichel II

Im schwarzen Himmel deine
bleiche Schale Luna meine Wiege
ich lege mich hinein du
trägst mich über den Horizont
sanft bis ich schlafe
vergesse

wir sind heimatlos
du und ich gebunden
an eine Welt die uns nichts gibt
wandern weiter weiter
folgen wieder und
wieder und wieder
den gleichen Pfaden
bis die Zeit
endet

die kommenden Tage

ein kalter Wintertag licht
blauer Milchglashimmel die Sonne
wärmt das Fensterglas ich lausche
den Vögeln die
vom nahenden Frühling zwitschern
von der Sehnsucht nach
den kommenden Tagen

ich schreibe meine Gedanken
in die Luft für all die
Ungeborenen für die nackten
Seelen und die Vögel zwitschern
von den kommenden Tagen

die Zeit eilt durch die
Straßen die Jahre
verschwinden doch bleibt
die Sehnsucht nach
den kommenden Tagen

und wieder ein Tag und
wieder und wieder
die Vögel zwitschern
von den kommenden Tagen

und wieder ein Winter ein Frühling
ein Jahr ein Tag die Sehnsucht
nach den kommenden Tagen

Wer ist Ich

Du siehst

mich siehst du

mich wer

bin ich wenn du

mich siehst

wer ist die

die ich bin wer

ist Ich

 

immer wieder immer

wieder suche ich

suche diesen Einen

einen Ort wo ich

sein kann

ich sein kann

hinter den Sternen

versteck ich Clown mich

wieder und wieder

 

Niemand

sucht mich

Der letzte Tag

es ist vorbei

gerauscht das Jahr und liegt

im Sterben wild und

unbeherrscht  blies mir

der Fahrtwind die Zeit ins Gesicht

jetzt tropfen die Minuten wie

warmes Wachs in meine Hand

 

die kleine Furcht vor dem

was kommen mag besetzt

meine Gedanken

ich halte mein Herz

ganz fest flüstere

leise mein Mantra

Wünsche

gehen in Erfüllung wenn

du wirklich daran

glaubst

 

der gläserne kalte

Himmel wölbt sich

über mir ein Hauch von rosenrot und

feine weiße Wolkenstreifen

so will er mich

versöhnen dieser

letzte Tag und ich

ich wende mein

Gesicht der Wintersonne

zu und

strahle wie sie

 

 

Ich danke Allen, die 2013 mein blog besucht haben, wünsche Euch einen grandiosen Start in das neue Jahr und für 2014 viele Wünsche, die in Erfüllung gehen!

Happy New Year to everybody!

Floß aus Geschichten

ich tauche

tauche tief ein

in unser Wortmeer

falle durch die Zeit bis

mir schwindlig wird und dann

dann kommst du

bettest mich auf ein

Floß aus Geschichten

lässt mich treiben

auf dem Wortmeer in

ein unbekanntes Land

 

am Ende meiner Reise

lege ich den Kopf an

deine Schulter und lausche

der Stimme des Königs

Nabelschnur

Wort für Wort webt

sie sich unsere

Nabelschnur

fester und fester wird

dieses Band aus

einer anderen Zeit die geteilten

Gedanken füllen den Raum

zwischen uns

 

Reisende sind wir zwischen

den Welten die Schatten

aus anderen Zeiten

verschwinden

 

mein Herz schlägt

in deiner Hand du

hütest es wie

einen Schatz und dann

 

bin ich frei

frei wie du

 

Bruder

Bruder

andere Ufer fremde
Kontinente
wollte ich erkunden
betrat unbekanntes Land dann
traf ich dich
Bruder

du bist
mein Zwilling mein
Spiegel der
Meister weise und
wissend um alle
Abgründe die uns drohen
die Gipfel die uns locken
schreckten dich nie du bist

das Gras auf dem ich
barfuß gehe du reichst mir
deine Hand Bruder

du bist
mein Zwilling so nah
dass du sprichst
was ich denke und mein
Herzschlag deinem
folgt

Nessun Dorma

alle Türen habe ich

geöffnet  suchte in allen

Zimmern sie ist

verschwunden deine Liebe

hat sich leise

davongeschlichen doch die Nähe

die Nähe

bleibt

und der Schmerz der

Schmerz  der kommt

mit  kalten Wellen in der Nacht

ich friere und ich

schlafe nicht wie

die Prinzessin die drei Rätsel

stellte ihrem Liebsten

Nessun dorma

flüstert der Wind

niemand schlafe