KW 13.2017 Alles wird gut – wird alles gut?

uiuiui…Bernd von red skies over paradise hat uns ja was eingebrockt diese Woche….die 3 Wörter waren herausfordernd. Aber was ein echter Etüdenfan ist, gibt so schnell nicht auf.Und irgendwie wollte ich ja auch die Geschichte von letzter Woche weiterspinnen – doppelte Herausforderung. Drei Worte, zehn Sätze und die Idee, daraus eine Geschichte zu bauen. Alles, was Ihr dazu wissen müsst, findet ihr bei Christiane, die freundlicherweise die Etüden als Host begleitet. Unermüdlich in seinem Schaffen schenkt uns Ludwig Zeidler die Grafiken zu den Wortspenden!

Hier die Etüde dieser Woche (und wer mag kann die letzte Etüde noch davor lesen, diese ist quasi auch die Fortsetzung….)

Alles wird gut – wird alles gut?

Das sizilianische Kaff lag in der Mittagshitze wie eine träge Raubkatze, die Fenster verschlossen, die Schlitze der Jalousien wie gesenkte Lider, schlafend aber wachsam und immer bereit zuzuschlagen, ich war auf der Hut.

Als der dicke Salvatore mit aufgeschlitzter Kehle von seinem Stuhl rutschte hörte ich einen Schrei – den Schrei einer Frau – ich drehte mich auf dem Absatz um, spähte durch den schlecht beleuchteten Raum und entdeckte sie hinter einem der vollgestopften Regale.

Sie lugte zwischen Kartons hindurch, ich sah nur kastanienbraunes Haar und weit aufgerissene Augen, die mich entsetzt beobachteten, als ich auf sie zuging.

Ich vermutete, sie erwartete, dass ich einer von den ganz bösen Jungs war, die vergewaltigen, brandschatzen und morden und sie jetzt mein nächstes Opfer sein würde.

Wir werden jetzt gemeinsam hier raus gehen und verschwinden,“ ich nahm sie am Arm und zog sie mit mir zur Tür, drehte mich noch einmal um und rief demonstrativ „Ciao Salva!“ in den Raum, zog die Tür hinter uns zu, öffnete die Beifahrertür meines Transporters und schob sie ins Auto.

Sie war nicht nur hübsch sondern auch vernünftig, denn sie schrie nicht und redete kein Wort, sie starrte mich nur völlig unverfroren an und ich wünschte mir, sie in den hermetisch abgeriegelten Laderaum meines Transporters verbannen zu können um ihren Blicken zu entgehen.

Ich hatte nicht viel Zeit, ich würde die Hilfe der Fremden brauchen können, wenn ich Gina retten wollte, deshalb entschied ich mich, sie mit der Wahrheit zu konfrontieren.

Wir müssen in die Sicani Berge, zu Salvatores Hütte, hat mir gesagt, er hätte sie eingemauert hinter dem Keller, der Irre, wir werden wohl einen Kellerdurchbruch machen müssen, dieses Schwein, nur weil sie ihn nicht wollte, meine schöne Schwester und dieser fette Frosch, ein Perverser, unvorstellbar, hoffentlich komme ich noch rechtzeitig – “ ich redete ohne Punkt und Komma auf sie ein, gestikulierte wild herum und plötzlich sprach sie:

Pardon Monsieur, je ne comprends rien – I don´t understand anything – non capisce ….“

Eine Touristin – was war ich nur für ein ausgemachter Trottel.

 

abc Etüden Woche 22-2017 Beurteilen Sie das Buch nie nach dem Umschlag!

Es ist mir nicht mehr möglich, mich der Verführung zu entziehen, egal wie angefüllt mit Arbeit die Woche auch ist, es findet sich ein Zeitfenster für die abc etüden. Bei Christiane findet ihr alles WIssenswerte, kurz zusamengefasst 3 Wörter und 10 Sätze ergeben eine Kürzest-geschichte. Ins Leben gerufen von Ludwig Zeidler, der mit seinen wunderschönen Grafiken Woche um Woche das Projekt bebildert.

Hier meine Etüde mit den Worten der Woche:

Kramladen

verlustieren

Angst

 

Beurteilen Sie das Buch nie nach dem Umschlag!

Sanne fühlte sich schon immer vom Abgründigen, Dunklen angezogen.

In dem kleinen Kramladen waren auf staubigen Regalböden aus kieselgrauem Resopal Dosensuppen und Hundefutter gestapelt, Garnrollen mit festem schwarzen Zwirn, Nähnadeln, angestaubte Verpackungen von Glühbirnen – alles lagerte scheinbar planlos in dem stickigen Raum, die Leuchtröhre über ihr flackerte immer wieder.

Zuerst hörte sie nur seine Stimme, weich, warm und tief, wie das entspannte Schnurren einer großen Katze, sie drehte sich wie elektrisiert um und spähte zwischen Mehltüten und einem originalverpacken „Starmix“ aus den siebziger Jahren,  zur Kasse, wo er, ihr den Rücken zuwendend, mit dem Besitzer des Ladens verhandelte, der wie ein dicker träger Frosch hinter der Kasse saß und den Fremden aus großen basedowschen Augen musterte.

Sie sah schwarze Haare, die im Nacken zu einem Zopf zusammengebunden waren, breite Schultern in einem verwaschenen, meerblauen T-Shirt, muskulöse braungebrannte Arme und einen vermutlich perfekten Hintern in der lässigen Jeans.

Sanne verstand nicht, worum es in dem Gespräch ging, doch das war unwichtig denn sie folgte nur  dem Klang dieser Stimme, schloss für einen Moment die Augen und stellte sich vor, wie sie sich mit diesem Mann am Strand verlustieren könnte.

Einem inneren Impuls folgend blieb sie dennoch  hinter dem Regal stehen, beobachtete die Szene schweigend mit angehaltenem Atem und wartete auf den Moment, da er sich umdrehen und sie sein Gesicht sehen würde.

Dann veränderte sich der Ton zwischen den beiden Männern, sie wurden lauter, schrien sich an, das hohe gequetschte Keifen des Froschs und das tiefe drohende Brummen des Fremden verkeilten sich in der Luft, der Dicke sprang auf und wollte durch die Tür hinter der Kasse ins Hinterzimmer flüchten, Stahl blitzte auf und Sanne sah entsetzt, wie Blut in einer breiten Fontäne aus dem kurzen Hals des dicken Mannes gepumpt wurde.

Sie schrie auf und hielt sich im selben Augenblick die Hand vor den Mund, doch es war zu spät, der Fremde drehte sich um, sein Blick tastete sich durch den Raum und ihre Augen trafen sich.

Sanne erstarrte vor Angst und war unfähig, den Befehlen ihres Gehirns zu folgen, sich umzudrehen, die rettende Tür nach draußen in die Sonne zu öffnen und zu verschwinden.

Als er vor ihr stand, dachte sie, sein Gesicht ist noch schöner als ich es erwartet hatte.

abc Etüden KW 18.17 Wer lesen kann, kann auch kochen

neue Woche mit neuen Wörtern. Diese Woche lockt uns Christiane wieder in die Schreibwerkstatt, der Lockstoff kommt  von pinselfisch :

Paradeiser, Schlawiner, Kinkerlitzchen.

„Wer lesen kann, kann auch kochen“ – sagte meine Mutter immer, und ich stimme ihr zu, wenn auch nur bedingt 🙂 hier meine Geschichte:

Das sind doch Kinkerlitzchen. Tom war ein Schlawiner, er wollte sie an ihrer Ehre packen.  Als ob sie es nicht schaffen würde, eine essbare Tomatensuppe zu kochen.  Marketing ist alles, dachte sie, deshalb fing sie mit der Menükarte an. Nach zwei Stunden intensiver Photoshop-Arbeit hielt sie das erste gedruckte Exemplar in der Hand. “Sahnegipfel in Paradeisermeer“ – das klang doch viel imposanter als „Tomatensuppe mit Sahnehäubchen“.  Sie hatte die teuerste Dosensuppe gekauft und die Sahne eigenhändig geschlagen – es sah wirklich spektalulär gut aus in den neuen weißen Riesentellern. Wie vom Sternekoch.

abc Etüden KW 17.17 und wenn sie nicht gestorben sind….

KW 17.17 Klappe – die zweite! Für alle, die jetzt erst lesen empfehle ich auf den vorigen post zu gehen und diesen hier danach zu lesen….

Safranstaubkussspuren
Knospenkollisionskurs
Irisreinkarnationslied

sind die 3 Wörter der Wortspende von Frau Käthe Knobloch, in 10 Sätzen zu verarbeiten zu einer Geschichte. Grafik von Herrn Textstaub, der auch die Idee zu den abc-Etüden hatte. Host der Etüden ist Christiane.

Leopold, der Frosch, der einmal ein Prinz gewesen war, träumte.

Nach wochenlangem Gehopse war er endlich bei seinem Schloss angekommen und saß nun seit Wochen im schmutzigbraunen Wasser des Schlossgrabens fest.

Jede Fliege, die seine Zunge schnappte, schmeckte nach Safranstaubkussspuren und die Tiere um ihn herum stimmten das Irisreinkarnationslied an, wenn sie ihn sahen.

In seinen Träumen war er jedoch immer noch der stolze Prinz, der jagte, fischte und die Schönen seines Reichs mit seinem Charme betörte.

Er mied alles, was nur entfernt nach Blume aussah, denn er wollte nie wieder auf Knospenkollissionskurs mit einer Blumenelfe gehen.

Deshalb hockte er auch nicht auf einem Seerosenblatt in seinem Schlossteich sondern im brackigen Schlamm des Wassergrabens.

Er schlief, wann immer es ging, denn er hoffte dass ihm, wie es in Märchen üblich war, die erlösende Antwort, der befreiende Zauberspruch, im Traum geschenkt würde.

Sieben Winter und sieben Sommer zogen an Leopold vorbei bis er endlich den Traum, den er so sehr ersehnte, träumte.

„Geh ins Nachbarreich,“ sagte eine Stimme, die ihm auch im Traum einen Schauer den glitschigen Rücken hinunterjagte, „ setze dich in den Schlossteich und warte auf die goldene Kugel der Königstochter!“

Leopold hatte keine Ahnung, was das nun wieder zu bedeuten hatte, aber er machte sich sofort auf den Weg.

abc Etüden KW 16-17: Wetterbericht aus der Wortwabe

Da will ich mich eigentlich gleich wieder ins Bett legen, je länger ich aus dem Fenster schaue desto schlechter gehts mir irgendwie. Fühle ich nicht eine Erkältung heraufziehen? Meine Nase läuft und erschöpft bin ich auch…von Frühlingsgefühlen spüre ich NICHTS mehr. Das ist doch eher der Leichenschmaus des Winters, der, statt sich selbst endlich zu Grabe zu tragen, dem Frühling den Garaus machen will. Der Himmel sieht aus wie ein alter Duschvorhang und meine Tulpen frieren unter diesem weißen Zwangsjäckchen aus Schnee. Im Kamin prasselt ein Feuer mit dem letzten übrigen Holz und ich trinke heißen Tee. Meine Motivationskurve ist keine Kurve mehr sondern eine Steilwand in den Abgrund, gegen Null. Vielleicht sollte ich auch mal zum Jammerlappen mutieren und wegen Wetterfühligkeit heute mein Lager auf der Couch am Kamin aufschlagen. Dieses ewige „was-uns-nicht-umbringt-macht-uns-nur-härter-“ – gedöns ist auf die Dauer echt anstrengend.

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Die abc Etüden https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/04/16/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-16-17-wortspende-von-ruhrkoepfe/abc Etüden

sind diese Woche wie ein Ohrwurm, den ich nicht mehr aus dem Kopf bekomme. Aber wenigstens eine Geschichte ohne Leiche, quasi eher ein Bericht in Echtzeit, fast schon livestream.

Frühling!!!! Hallo!!! Hörst du  mich???? Wo bleibt dein blaues Band?!?!?

abc Etüden KW 16-17 Schrei doch!

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https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/04/16/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-16-17-wortspende-von-ruhrkoepfe/abc etüden

noch einer 🙂

Als sie aus dem Kellerloch herauskroch fiel ihr Blick auf die Häuserzeile gegenüber.

Wie bei einer aufgeklappten Puppenstube konnte sie in die Wohnungen hineinsehen, ein mit roten Punkten bedruckter Duschvorhang flappte im Wind hin und her.

Sie erinnerte sich an den letzten Abend, den warmen Wind, den Duft von Hyazinthen, das leuchtende Rot der Tulpen und das Gold der Narzissen im Garten.

Sie hatten getanzt, ihre Locken waren geflogen, Toni hatte sie geneckt : “Sind das Frühlingsgefühle, Ida?“ und sie hatte gelacht.

Gestern noch, gestern hatten sie noch getanzt.

„Ist das dein Leichenschmaus, Gott? Hast du nicht endlich genug?“ schrie sie in den wolkenlosen Himmel.

„Ida!“ die Stimme ihrer Mutter schallte gellend über den Platz.

„Ida!“, jetzt überschlug sie sich mit einem keifenden Quieken, „bleib stehen, Ida!“.

Doch Ida trottete weiter, mit hängenden Schultern, und kickte eine leere Getränkedose weg, die mit blechernem Ton gegen eine halbeingestürzte Hauswand knallte.

„Ida!“ die Mutter schrie wieder,“ wie oft habe ich dir schon gesagt, du sollst dich nicht zwischen den Abruchhäusern herumtreiben!“

abc Etüden KW 16-17

Es geht weiter bei den abc etüden, gehostet von der wunderbaren Christiane

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/04/16/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-16-17-wortspende-von-ruhrkoepfe/comment-page-1/#comment-14866

mit der Wortspende von Annette von ruhrkoepfe.wordpress.com,  wie immer künstlerisch unterstützt von Herrn Textstaub, der uns jede Woche die schönen Grafiken schenkt und die abc Etüden ins Leben gerufen hat.

„Ich hätte mal besser auf Maria gehört“, dachte Ines und schob den Duschvorhang so schwungvoll zur Seite, dass er sich aus zwei Ringen löste.

Den meisten ihrer Freunde half bei Frust ein Glas Wein oder ein Schnaps, ihr half nur eine heiße Dusche.

„Keine Projektionen, Ines!“ hatte Maria sie gewarnt.

Der Abend war so quälend langsam vergangen, ein Leichenschmaus wäre vermutlich im Vergleich dazu eine Party gewesen.

Sie hatten sich nichts, aber auch gar nichts zu sagen gehabt.

Und warum in aller Welt war es erlaubt, Fotos in das eigene Profil zu stellen, die mindestens zehn Jahre alt waren?

Sie war zu gut erzogen um einfach auf der Stelle umzudrehen und zu verschwinden, sie hatte es ausgesessen, ihren Wein getrunken und sich nach dem Espresso höflich bedankt.

Ines war so wütend auf sich selbst, dass sie während des gesamten Heimwegs auf das Lenkrad hämmerte und „Mist Mist Mist“ brüllte.

Die Sonne war schuld, und der Frühling, Gefühlsduselei elendige.

Mit solchen Frühlingsgefühlen zu einem blind date zu gehen war wirklich eine Schnapsidee gewesen.

Wahrheit oder Pflicht/abc.etüden

Angesteckt durch Chistiane von https://365tageasatzaday.wordpress.com habe ich mich an Herrn Textstaubs abc.etüden versucht. https://textstaub.wordpress.com

Die Wörter sind Moped, Zirkus, Prag. Der Bahnhof ist bei mir eher Zufall,der war wohl aber auch zwingend vorgegeben. Wie dem auch sei, hier mein Versuch:

Zirkus mochte ich nie.

Der Geruch der Tiere ist mir unangenehm, die halsbrecherischen Nummern der Akrobaten verursachen mir Übelkeit.  Ich kann nicht nach oben schauen, wenn sich die Artisten von Trapez zu Trapez schwingen oder,  während sie mit einem Moped rund um die Manege rasen, Saltos drehen.

Als ich in Prag aus dem Zug stieg und auf der Suche nach Tony den Bahnsteig entlang ging, sah ich sie überall: Riesige Plakate, die das Zirkusfestival ankündigten. „Freddy“, schrie Tony mit seiner donnernden Bassstimme,  und es schien mir, als ob mein Name über die Köpfe der anderen Reisenden auf mich zu rollen würde.  Ich machte mich noch kleiner, als ich war und hoffte, dass Tony aufhören würde, nach mir zu rufen.

Sein Grinsen schwebte über mir, als ich ihn erreichte und er zeigte auf die Plakate.

„The Clown Brothers“ las ich zum zigsten Mal und sah mich im Kostüm des ernsthaften Weißclowns, daneben meinen riesigen Bruder Tony als Dummen August..

Tradition und Familie gehen mir über alles, ich bin pflichtbewusst bis in die Haarspitzen.

Wie gesagt, Zirkus mochte ich nie.