ABC-ETÜDENTextwochen 40.41.21

heute sprudelts…nachdem ich mit Christiane heute über das mitzunehmende Gepäck für unsere Weltraumtour philosophiert habe, fiel mir eine Geschichte aus einem Schwedenurlaub mit meiner Freundin aus Düsseldorf wieder ein. Um beim Flug Geld zu sparen, hatten wir sehr wenig Gepäck dabei. Unter anderem mussten wir mit der Urlaubslektüre haushalten. Der Versuch, die Wortspende der Etüdenwoche in den Text einzubauen, hat geklappt, deshalb ist das meine zweite Etüde!

abc.etüden 2021 40+41 | 365tageasatzaday

Urlaubslektüre

Sperriges Gepäck war auf unserer gemeinsamen Schwedenreise nicht zu erwarten. Schwieriger war, eine Schulferienüberschneidung zwischen Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg zu finden, es gab ein Zeitfenster von nur acht Tagen. Es war also klar, dass wir mit dem Flugzeug anreisen würden, denn für eine Woche lohnte sich die lange Fahrt mit dem Auto nicht. Das Ziel war Südschweden, das Land von Pippi Langstrumpf. Unseren Kindern mussten wir nicht erst suggerieren, dass dieses Ziel super war, die Aussicht, einen echten Elch zu sehen reichte. Der Flug war preiswert, aber nur wenn man ausschließlich Handgepäck dabei hatte, für den Rest musste man bezahlen. Also hatten wir zu fünft nur zwei Koffer. Das bedeutete für jede nur ein Buch, wir lesen und dann wird getauscht. Wir entpuppten uns als wahre Geheimkünstler, keine verriet ihren Titel . Irgendwann lagen wir einträchtig nebeneinander im Sand auf Öland mit unserem jeweils mitgebrachten Buch und plötzlich hörte ich Schniefen neben mir. Weinst du?!? Fragte ich irritiert. Gaby schluchzte. Ja! Das ist so traurig grade! Ich hingegen hatte typische Urlaubslektüre dabei, ein sehr witziger Roman, der in Stuttgart spielt.  Aus dem Grund lachte ich immer mal wieder laut heraus. Wie zu erwarten war, wendete sich das Blatt nach dem Büchertausch. Jetzt heulte ich. In meinem Buch gab es eine Figur , die in den Dialogen schwäbisch sprach. Schwäbisch zu lesen ist vielleicht noch schwieriger für Nichtschwaben als es zu verstehen. Gaby fragte irgendwann: „Sag mal, was heißt o-ge-sa?“ „What??? Zeig mal, das muss ich im Zusammenhang sehen.“ Die Tante fragt die Nichte: „kommsch du gessa oder ogessa?“ Eine typische Frage, heißt so viel wie „hast du schon gegessen wenn du kommst?“ Ausdruck des schwäbischen Pragmatismus. Warum soll ich kochen, wenn mein Besuch schon gegessen hat? Seit diesem Urlaub unser Running Gag, wenn wir uns gegenseitig besuchen. I komm gessa!

ABC-ETÜDENTextwochen 40.41.21 | Wortspende von umgeBUCHt

Der Herbst hat uns im Griff, keine Frage, ich muss endgültig einsehen, dass der eh nicht richtig präsente Sommer sich verzogen hat. Da träume ich mich lieber sonstwohin… zum Beispiel mit einer Etüde zur neuen Schreibeinladung von Christiane: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2021/10/03/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-40-41-21-wortspende-von-umgebucht/ Wie immer gilt es, die drei Wörter der Wortspende in einem Text mit maximal 300 Wörtern unterzubringen. Diese Woche kommt die Spende von Yvonne von https://umgebucht.wordpress.com/.

abc.etüden 2021 40+41 | 365tageasatzaday

Hier meine Etüde:

Ich bin dann mal weg

Ich habe also ein Date. In Baikonur. Am Weltraumbahnhof, mit Christiane und Myriade. Wir wollen alle weg, aus den unterschiedlichsten Motiven. Die beiden sind echte Geheimniskünstler, sie haben mir nicht verraten, warum. Im Prinzip ist es ja auch egal, aus welchen Gründen man ein gemeinsames Ziel ansteuert, oder? Baikonur liegt in Kasachstan, das macht die Sache kompliziert, aber da das Datum unserer Verabredung noch offen ist, hoffe ich mal, dass es dann einen Direktzug von Stuttgart nach Baikonur gibt, ich hasse es, mit Koffern umzusteigen. Wobei ich befürchte, dass sperriges Gepäck eh nicht erlaubt ist, wenn man sich in den Weltraum aufmacht. Vermutlich muss ich meine zwanzig Fotoalben und das Familiensilber zuhause lassen. Umsteigen wäre also nicht weiter tragisch, so ganz ohne Gepäck. Ob Christiane wohl Rilkes gesammelte Werke mitnimmt? Das wäre sicher ein Trost auf dem langen Flug wohin auch immer. Wir haben ja eine Komfortkabine gebucht in einem der noch nicht gebauten, Co2 neutralen Luxusraumschiffe. Ich versuche mir ständig zu suggerieren, dass ich keine Angst habe, weder vor dem Flug noch vor der Tatsache, dass ich noch nicht recht weiß, wie ich das sicherlich UNGLAUBLICH teure Ticket bezahlen soll. Jetzt sitze ich also hier in diesem völlig verregneten Montag und sage mir, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wir schaffen das. Ich sehe uns schon einsteigen, kichernd, ich wahrscheinlich als alte Lady mit blaugefärbtem Haar…und wenn wir dann mit einem Glas Prosecco auf unseren gelungenen Coup anstoßen werde ich rufen: Rockn Roll Ladies! und die Bar mit Guns and Roses „Welcome to the Jungle“ beschallen.

Adventüden – heute mit mir!

Christiane von https://365tageasatzaday.wordpress.com/ hat die Adventüden ausgerufen. Jeden Tag öffnet sie ein neues Türchen. Hinter dem Türchen von heute war eine Adventüde von mir versteckt, hier nachzulesen:

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2020/12/06/06-12-die-ueberraschung-adventueden/

Für die Adventsetüden gab es einen ganzen Cocktail aus Wörtern – es galt, so viele wie möglich in die Geschichte mit maximal 300 Worten einzubauen.

Etikett
Gin
Käsekuchen
Kuscheldecke
Lebkuchen
Lichtermeer
Märchenbuch
Minnesang
Nebelschwaden
Schlittenfahrt
Semmelknödel
Streicheleinheiten

Wichtel
Wunschpunsch
Zugvogel

Das Etikett auf der Flasche verhieß nichts Gutes. Wunschpunsch stand da. Gitta las es, drehte die Flasche einmal im Kreis herum und las nochmal. Wunschpunsch. Gitta schob den Käsekuchen zur Seite. Vermutlich ist es einfach nur, Gin, dachte sie – aber wenn doch was dran war? In ihrem alten Märchenbuch gab es eine Geschichte, es war irgendwas mit wenn man trinkt kann man sich etwas wünschen – aber was war die Bedingung? Es gibt immer eine Bedingung bei den Märchen, nichts ist umsonst. Sie nahm die Flasche in die Hand. Kein Drehverschluss, ein seltsamer Korken, der nicht so aussah, als ob man ihn mit dem Korkenzieher herausziehen sollte. Ich könnte mir wünschen, dass ich jetzt noch die Semmelknödel mit Gulasch essen kann, mir nicht schlecht wird und ich morgen trotzdem nicht zugenommen habe, dachte sie. So ein Blödsinn. Sie sollte sich schon etwas Gescheites wünschen. Einen Lottogewinn oder eine Schlittenfahrt mit dem Weihnachtsmann zum Beispiel. Und wenn sie erst beim Weihnachtsmann in der Kutsche saß könnte sie ja direkt weiter wünschen. Der Weihnachtsmann und seine Wichtel erfüllen ja auch Wünsche. Die Frage, wer ihr die Flasche vor die Tür gestellt hatte, war ja auch noch nicht beantwortet. Ich wünsche mir einen Prinzen, der mein Herz mit Minnesang erobert, dachte Gitta, schenkte sich ein Glas halbvoll und nippte. Mmh, lecker. Sie trank in kleinen Schlucken und wünschte sich den Prinzen. Dann trank sie ein zweites Glas und wünschte sich noch das Schloss dazu Und noch ein Glas. Ich wünsche mir die Schlittenfahrt. Gitta wurde schläfrig. Sie liess das Glas sinken und flüsterte, nein, viel lieber will ich ein Zugvogel sein und die ganze Welt von oben sehen. Das Glas fiel zu Boden.

Der Hausmeister fühlte Gittas Puls und wählte eine Nummer.

Die Alte ist hin, sagte er. Die Wohnung wird frei.

abc Etüden KW41/42

Der Countdown läuft – wenn ich lese, dass wir schon auf die 43. Kalenderwoche zusteuern, dann frage ich mich wieder einmal, wo das Jahr geblieben ist.

Mein Beitrag zu dieser Etüdenwoche ist eher ein von der Wortspende inspiriertes Gedankenspiel. Die drei Worte „Landvermesser, undankbar, aussetzen“ wurden gespendet von Werner, dessen blog findet ihr hier https://wkastens.wordpress.com/

Christiane von https://365tageasatzaday.wordpress.com/ hostet die abc-Etüden und vernetzt die EtüdenschreiberInnen.In einer Geschichte mit maximal 300 Worten sollen die Wörter der Wortspende verpackt werden. Wie gesagt, eine Geschichte im klassischen Sinne ist es dieses Mal nicht.

abc.etüden 2020 41+42 | 365tageasatzaday

LEBENSLAND

Wenn mein Leben ein Land ist, dann bin ich der Landvermesser. Was hinter mir liegt, ist bekannt, die Grenzsteine sind klar gesetzt . Was vor mir liegt, ist unbekanntes Land. Ich taste mich vor, Schritt für Schritt, es ist dunkel und der Weg ist unklar. Im Vorangehen kann ich die Strecken messen, ohne Maß, ich messe nur ob etwas mir lang oder kurz erscheint. Das Land hat Berge und Täler, oh ja, und was für welche. Täler so tief, dass ich mich frage, wie ich sie durchschreiten konnte. Immer weiter, ohne Pause, kein aussetzen. Die Höhen sind auch da, sie zu erklimmen war nicht weniger schwer als die Täler zu durchschreiten. Ich will nicht undankbar sein, deshalb achte ich beides, die Höhen und die Tiefen. Genau betrachtet, haben mich die Abgründe, durch die ich mich gequält habe, sogar mehr gelehrt als die Höhenflüge. Misst der Landvermesser die Schönheit einer Landschaft? Nein. Sein Maßstab ist objektiv, es ist Meter und Zentimeter, Kilometer oder Meilen. So will ich das auch sehen können, einfach wahrnehmen, was war und neugierig sein auf das, was kommt. Und wenn ich das Land meines Lebens durchkreuzt habe und am Ende angekommen bin, sagen können: was für ein Trip!

Etüdensommerpausenintermezzo

7 aus 12 ist die Vorgabe für Sommerpausen-Etüden. Aus folgenden Wörtern

Blaupause
Diätwahn
Herzschmerz
Kantine
Kommentar

Ohrenkneifer
Sahnewölkchen

Stoppelfeld
Strandkorb

Vulkan
Windjammer

Zwischentöne

sind mindestens 7 auszusuchen und in eine Geschichte zu verpacken. Alles weitere und die links zu den anderen großartigen Etüdenschreibern findet ihr bei Christiane ,die die Etüden hegt und pflegt. Ich habe mir die fettgdruckten Wörter ausgesucht und sie in meine Etüde eingebaut, die zudem auch einen – eventuell – realen Ort beschreiben soll. Ich nehme euch mit in unsere Landeshauptstadt, die ich persönlich meistens großräumig umfahre, weil der Verkehr chaotisch ist und ich ein Landkind. Zu viele Menschen. Aber ich kenne die Stadt gut, habe dort gewohnt und viele Jahre mittendrin gearbeitet.

Shop till you drop

Ich drehte mich vor dem Spiegel und fand, ich sah aus wie ein Sahnewölkchen. Naja, um ehrlich zu sein, eher wie eine ausgewachsene Sahne-Cumuluswolke. In diesem Moment wünschte ich mir inständig, ich wäre eine dieser Frauen, die regelmäßig ihrem Diätwahn erliegen und in der Kantine, anstatt sich Bratkartoffeln mit Speck  reinzuschaufeln, mit meditativer Langsamkeit ihr mitgebrachtes Tupperdöschen öffnen und ebenso meditativ die kleingeschnittenen Karotten- Sellerie- oder was auch immer Stäbchen kauen. Mein zweiter Vorname ist NICHT Disziplin, ich bin  eher die Vorsitzende des Geniesservereins, und zwar weltweit und auf jeden Fall die erste Vorsitzende. Die Verkäuferin riss mich aus meinen Tagträumen,

„Sollen wir mal einen Schleier probieren?“

Ich starrte sie an wie ein unbekanntes Insekt, drehte mich wortlos um, ging in die Kabine und schälte mich aus der mehrlagigen Kumuluswolke, stieg in meine ausgeleierte Jeans und zog mir das Sweatshirt über den Kopf. Als ich endlich wieder draußen auf der Königstraße stand, fragte ich mich, was mich eigentlich geritten hatte. Der Tag hatte doch ganz harmlos angefangen. Eigentlich bin ich die klassische Internet-Shopperin und verlasse höchst ungern mein Zuhause um einzukaufen. Aber irgendwie fühlte ich mich nach wochenlangem Lockdown fast schon VERPFLICHTET, auch einmal zum Einkaufen in die Stadt zu fahren und fuhr nach Stuttgart. Ich parkte mein Auto in alter Gewohnheit im Parkhaus Züblin und schlug den Weg über die Breuninger-Passage zum Marktplatz und dann zielgerichtet zur Markthalle ein. Diese Geruchsexplosion! Ich schlenderte durch die Gänge und war wie betäubt von dem riesigen Angebot. So gerne hätte ich meine Nase ohne Maske in die Luft gehalten, aber das war ja leider nicht möglich. Im Geiste notierte ich was ich auf dem Rückweg alles einkaufen wollte und trat nach draußen auf den Schillerplatz. Da war er wieder, mein Herzschmerz. Ich hätte es besser wissen müssen. Hier war unser erstes Rendezvous gewesen, am Schillerdenkmal hatten wir uns verabredet. Die Erinnerung war wie ein Vulkan, der ununterbrochen Magma ausstößt und immer wieder Brandwunden verursacht. Ich schlug einen Haken Richtung Stiftskirche und landete am Ende auf der Königstraße.  Ich war doch zum Shoppen hergekommen, aber jetzt wusste ich gar nicht mehr, was ich eigentlich hier wollte. Ich ging ziellos durch die Geschäfte und das Einzige, was ich einkaufte, war eine Butterbretzel am Bretzelhäusle. Ich stopfte mir beim Gehen die Bretzel in den Mund und wischte meine fettigen Finger an der Serviette ab. Mittlerweile hatte ich den Königsbau erreicht und überlegte, ob es nicht besser wäre auf Kultur zu machen und über den Schloßplatz in Richtung Staatsgalerie abzubiegen. Da sah ich es im ersten Stock des Eckhauses im Schaufenster. Mein Traumkleid. Genau das Brautkleid, das ich bei der Hochzeit getragen hätte, die nun nicht stattfinden würde. Oder um genau zu sein, die Hochzeit, die nicht mit mir stattfinden würde. Nicht ich lag jetzt im Strandkorb neben Mike sondern Linda, die fleischgewordene Blaupause von Barbie. Die mitleidigen Kommentare, mit denen ich nach der geplatzten Verlobung überschüttet wurde, waren unerträglich. Aber dann kam der Lockdown und ich konnte mich, ohne Ausreden erfinden zu müssen, zuhause vergraben und von allem abschotten. Ich kultivierte meine Coronapfunde und ergab mich der Schokisucht. Ich hätte überall hin fahren können, aber nicht nach Benztown. Jetzt sah ich an jeder Ecke irgendetwas, was mich an Mike und unsere gemeinsame Zeit erinnerte. Und dann das Kleid, ein Traum aus ungezählten Lagen Tüll und einer trägerlosen glitzernden Korsage. Ich hatte den Laden wie in Trance betreten und behauptet, ich sei eine Braut auf Brautkleidsuche und darauf bestanden, genau dieses Kleid aus dem Schaufenster anzuprobieren. Und wenn man es genau nimmt, ist doch die Reihenfolge auch völlig egal. Wer sagt denn, dass erst der Mann da sein muss bevor man das Brautkleid aussucht? Warum kann man es nicht andersherum machen? Während die Verkäuferin mir die gefühlten hundert Lagen Tüll über den Kopf zog, entwickelte ich die Theorie, dass das Brautkleid so eine Art „self fulfilling prophecy“ sein könnte. Ich war plötzlich überzeugt davon, das Kleid sei in der Lage, den idealen Mann für mich anzuziehen. Voller Enthusiasmus trat ich aus der Kabine, ging zum Spiegel und erstarrte. Wenn dieses Kleid mir den passenden Mann anziehen würde, dann wäre er vermutlich Schaumschläger.

Schlossplatz Stuttgart mit dem Neuen Schloss, Foto von Wolgang Vogt auf pixabay

abcEtüden10.11/20 Fieber

Noch eine Etüde – ich scheine ja richtig in Fahrt zu kommen bei all den Verschwörungstheorien…..grinse beim Schreiben fröhlich vor mich hin…

Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern. Die Begriffe sind Sonnenuntergang, warm, fliegen. Alles weitere und die links zu den anderen EtüdenschreiberInnen findet ihr bei Christiane

 

abc.etüden 2020 10+11 | 365tageasatzaday

 

FIEBER

`Nach Sonnenuntergang an der Bank hinter dem Hans–im-Glück-Brunnen`

Was sollte diese kryptische Nachricht? Ich starrte auf mein Smartphone und runzelte die Stirn.

Lisa, oder Lakshmi, wie Lisa sich jetzt nannte, hatte in der letzten Zeit immer wieder irritierende Verhaltensweisen an den Tag gelegt. Sie konnte angeblich körperlos durch Zeit und Raum fliegen. Kaum hatte ich den Gedanken zu Ende gedacht, kam die nächste Nachricht.

`Zu Niemand ein Wort!`

Oh je, jetzt litt sie wohl auch noch an Verfolgungswahn.

Doch meine Neugierde siegte, wie immer.
Als ich am Hans-im-Glück-Brunnen eintraf, konnte ich Lisa nirgends entdecken. Da hörte ich ein leises „Pst!Pst!“ und sah mich suchend um. Ich entdeckte sie halb versteckt im Gebüsch. Sie winkte mich hektisch zu sich und sah sich nervös nach allen Seiten um.

„Ist dir jemand gefolgt?“ fragte sie mich flüsternd.

„Nein“, antwortete ich absichtlich laut. „Wer sollte mir –„ sie schnitt mir mit einer Handbewegung das Wort ab.

„So sei doch still!“, flüsterte sie.

„Was ist eigentlich los?“ flüsterte ich jetzt auch.

„Man will uns ausrotten!“ Sie sprach so leise, dass ich mir nicht sicher war, ob ich richtig gehört hatte.

„Ausrotten?“  fragte ich nach.

„Drehst du jetzt völlig durch?“

Sie spähte durch die Sträucher.

„Die Chinesen! Sie wollen die Weltherrschaft!“

Mir wurde warm und ich bekam ein bisschen Angst. Nicht wegen der Chinesen sondern wegen meiner Freundin Lisa.

„Das Virus,“ flüsterte sie, „ist aus einem Labor in Wuhan. Und sie haben den Impfstoff. Dort stirbt niemand mehr! Aber in allen anderen Ländern.“

„Woher hast du denn diese Verschwörungstheorie“, ich grinste.

„Ich war dort!“ Sie wurde lauter. „Man ist hinter mir her –“

Lisa sackte langsam zusammen.

Danach fehlt mir die Erinnerung. Ich weiß nicht, wo ich bin. Durch die Luke in der Tür schaut ab und zu ein asiatisch aussehendes Gesicht. Ein Chinese?

abcEtüden10/11.20 Beam me up, Scotty!

Wegen Karneval und anderer Vorkommnisse habe ich eine Etüdenwoche versäumt – aber jetzt bin ich wieder am Start! Die abc Etüden, ein Schreibimpuls, werden gehostet von Christiane  Auf ihrem Blog könnt ihr alles nachlesen und findet die links zu den anderen EtüdenschreiberInnen. Drei Wörter sollen in eine Geschichte mit maximal 300 Worten eingebunden werden. Dieses Mal wurden die Wörter gestiftet:von Corlys Lesewelt

Sonnenuntergang

Warm

Fliegen

 

Ich fand die Wörter inspirierend, vor allem unter dem Aspekt, wie Christiane auch schreibt, den vordergründigen Schein von Romantik und heiler Welt umzudrehen. Hier also meine Etüde:

Beam me up, Scotty!

Was für ein Sonnenuntergang! Wenigstens ist die Aussicht hier schön –  ich habe sozusagen Glück im Unglück gehabt. Es hätte mich auch in eine Stadtunterkunft verschlagen können, da bin ich doch lieber hier auf dem Land. Eigentlich wollte ich ja auf meine Lieblingsinsel fliegen. Jetzt sitze ich hier fest, habe es zwar warm und gemütlich – aber der Schein trügt. Essen kommt durch die Klappe, wer es hindurchschiebt, weiß ich nicht. Noch nie habe ich ein Gesicht gesehen. Gestern wurden Internet und Fernsehen abgeschaltet, angeblich sei das eine Vorsichtsmaßnahme, um emotionale Aufregungen zu verhindern. Das stand zumindest auf dem Merkblatt, das mir mit dem Essen zugestellt wurde. Ich glaube kein Wort. Niemand will, dass wir erfahren, was wirklich läuft. In China sei das Virus besiegt, habe ich gelesen, nicht aber im Rest der Welt – wollen uns die Chinesen ausrotten? Das letzte, was ich in den Nachrichten gesehen habe, war die Meldung von einem Milliardendeal zwischen der Pharmafirma, die einen Impfstoff entwickelt hat und der deutschen Regierung.  Die Hysterie, die seit Wochen verbreitet wird, ist der wahre Virus. Selektive Berichterstattung, die Absage sämtlicher öffentlicher Veranstaltungen – und dazu die willkürliche Isolation aller, die nur mal öffentlich geniest haben. So wie ich, im Taxi, auf dem Weg zum Flughafen. Der Taxifahrer saß, gesichert durch eine Glasscheibe, vor mir, aber er hat mich die ganze Zeit beobachtet und als er mich niesen sah, ist er nicht zum Flughafen sondern zu einem Sammellager gefahren. Ich wurde sofort in eine Isolierstation auf dem Land gebracht. Seit Tagen warte ich auf die Untersuchung, aber ich habe das Gefühl, es sind so viele „Verdachtsfälle“, dass die Gesundheitsämter gar nicht mehr hinterherkommen mit Blutprobenanalysen oder was auch immer. Immer wieder höre ich Zimmernachbarn randalieren – der Lagerkoller breitet sich aus. Jetzt wäre ich gerne Captain Kirk – drehe ich auch schon durch?

 

300 Wörter

abc Etüden 23/24.2019

und weil ich so in Stimmung bin, gibt es noch eine Etüde hinterher. Sozusagen ein Bonus.

Die Worte sind Abweichung, verengen, unabwendbar. Verpackt in exakt 300 Wörter.

abc.etüden 2019 23+24 | 365tageasatzaday

Gedankenspiele

Wenn das Schicksal unabwendbar ist, dann verengen sich unsere Möglichkeiten doch wie in einem Trichter auf diese eine, einzig mögliche Möglichkeit. Furchtbare Vorstellung.

Charlotte rührte so intensiv in ihrem Kaffeebecher, dass die braune Flüssigkeit überschwappte und einen Fleck auf dem weißen Tischtuch hinterließ.

Da siehst du es, Robert zeigte auf den Fleck, das war unabwendbar, so wie du den Kaffee malträtiert hast.

Was ist denn das wieder für ein abgehobener Quatsch. Erstens habe ich den Kaffee nicht malträtiert und zweitens wäre es sehr wohl abwendbar gewesen, wenn du die Tasse nicht so randvoll eingeschenkt hättest!

Du meinst also, ich bin schuld an dem Kaffeefleck?

Robert war aufgestanden und hatte in der Küche einen Schwamm  geholt um damit den Fleck aus dem Tischtuch zu reiben.

Nein, ich meine, eine Abweichung von dem unabwendbaren Fleck wäre durchaus möglich gewesen. Oder eine Abweichung von deiner Pedanterie, Robert. Das Tischtuch kann man waschen.

Charlotte nahm ihre Tasse wieder auf und ließ den Kaffee in Zeitlupe auf das nun nicht mehr  so blütenweiße Tischtuch laufen.

Bist du irre? Robert sprang auf und versuchte ihr die Tasse aus der Hand zu reißen.  Was ist nur mit dir los? Du benimmst dich wie –

Ja, wie denn? Charlotte sah ihn böse an und hielt die Kaffeetasse in die Luft wie eine Trophäe.

Sag´s ruhig! Sag es, los! Wie eine Verrückte! Nicht wahr? Das willst du mir doch die ganze Zeit schon sagen, stimmt´s?

Robert war immer noch auf der Jagd nach der Tasse, er bekam Charlottes Arm zu fassen und zog ihn zu sich, sie verlor das Gleichgewicht und fiel –

 

 

Der Arzt, der neben Charlotte auf dem Boden kniete, sah zu Robert auf.

Ich kann nichts mehr für ihre Frau tun, sagte er bedauernd. Sie ist mit dem Hinterkopf auf den Kaminsims geprallt. Der Genickbruch war unabwendbar….

abc Etüden 23.24.19

abc.etüden 2019 23+24 | 365tageasatzaday

eine Etüde für die KW 23.24.2019, die Wörter sind: Abweichung, unabwendbar, verengen, maximal 300 Wörter dürfen benutzt werden um damit eine Geschichte zu spinnen…gehostet wird die Gruppe von Christiane 

Auf ihrer Seite findet ihr die links zu den Geschichten der anderen TeilnehmerInnen und alles Wissenswerte rund um die Etüden!

Trau, schau, wem!

Es war nur eine kleine, aber bedeutsame Abweichung. Edgar fiel es sofort auf. Seit Wochen hatte er das Gefühl, dass jemand in seiner Abwesenheit in seinem Haus war, deshalb hatte er entschieden, Vorkehrungen zu treffen.

Du entwickelst dich zum Verschwörungstheoretiker!                                                              Miri hatte mit dem Kopf geschüttelt als er ihr seine Befürchtungen erläutert hatte.                                                                                                                                          Wer, bitte schön, hatte Miri gefragt, sollte sich für dich – oder mich –, hatte sie schnell hinzugefügt, interessieren? Wir sind doch sowas von unwichtig! Sie lachte und sagte mit tiefer Stimme: Mein Name ist Bond – James Bond! Und schüttete sich fast aus vor Lachen.

Edgar bereute es bereits, sie eingeweiht zu haben. Seine Augen verengten sich und er sagte kalt, ich glaube, es ist besser, du gehst jetzt.

Miri hatte die Augen verdreht, ihre Jacke geschnappt und war verschwunden. Als die Tür hinter ihr ins Schloss gefallen war, ging Edgar zurück an seinen Schreibtisch. Für ihn war es nicht zu übersehen. Der Abstand vom zweiten zum dritten Bleistift war minimal größer als die anderen Abstände zwischen den Stiften. Es war unabwendbar, er musste es genauso wie geplant durchziehen. Sie wollten sein Geld, aber er würde sie erledigen, wer immer sie auch waren.

Als die Polizeibeamten in das Haus eindrangen, kämpften sie sich durch Stolperdrähte und Selbstschussfallen. Schließlich fanden sie Edgar in einem völlig abgedichteten Raum im Keller.

Sie sind die einzige Verwandte? Der Polizeibeamte sah von Miris Ausweis auf und sie nickte.

Wir wissen nicht, wie lange der Strom nach dem Orkan ausfiel. Ihr Bruder ist erstickt, weil die Tür nicht mehr zu öffnen war und die Belüftung ausfiel.

Miri durchsuchte Edgars Haus genauso systematisch und geduldig, wie sie ihren Bruder in den Wahnsinn getrieben hatte. Als sie das Versteck endlich gefunden hatte, übersah sie einen winzigen Draht….

Auf ein Neues!

Da ist es, das neue Jahr. Ich habe es mit offenen Armen empfangen und nach langer Blog-Abstinenz werde ich 2019 wieder aktiver sein können. Alles hat sich am Ende zum Guten gefügt. Vorsätze habe ich keine, außer dem einen: jeden Tag zu geniessen, mit einem Lächeln zu beginnen und mit Dankbarkeit schlafen zu gehen.

Mein Dank gilt gleich vorweg Christiane die sichauf ihrem blog um die abc Etuden kümmert und sie am Laufen hält. 2019 soll also auch für  mich wieder ein Etüdenjahr werden.

Die Worte für die erste Etüde

Abfallglück
Verfallsdatum
unschuldig.

kommen von Ludwig Zeidler, dem abc etuden Erfinder. Etüdenregel: die drei Worte in 300 Wörtern zu einer Geschichte verarbeiten.

Hier meine Etüde:  „Alles wird besser“

Das Jahr hat grade erst begonnen. Unschuldig wie ein Kind ist es, mit seinen sechs Tagen, ich stelle mir vor, es hat blonden Flaum auf dem Kopf und tapst durch die Zeit, weil es noch laufen lernen muss. Das alte Jahr ist gestorben, verbittert und misslaunig wie ein unzufriedenes zahnloses altes Weib, ich weiß, mein altes Jahr war froh, es hinter sich zu haben. Ganz ehrlich, ich bin absolut sicher, hätte man ihm noch einen 366. Tag geschenkt, es wäre schreiend davon gelaufen.  Ich kann ja auch nichts dafür, es gab immer wieder Jahre für mich, mit denen es mir ging wie mit Klassenkameraden, die man auf einer Jahrgangsfeier trifft und feststellt, dass man zehn Jahre neben ihnen im Klassenzimmer saß ohne sie wahrzunehmen. So ein Jahr war mein letztes. Es war aus der Zeit gefallen und ich kann verstehen, dass es am Ende genug hatte.  Wenn das Verfallsdatum so klar ist wie bei einem Jahr mit dreihundertfünfundsechzig Tagen, dann wird es auf die letzten Tage, zumal wenn die Feiertage sich derart knäueln wie in meinem typisch deutschen Jahr, ganz schön mühsam. Ich hab dieses 2018 von Anfang an nicht recht gemocht, und es hat mich auch nicht geschont. Im ersten Halbjahr waren vier Monate geprägt von ständigen Terminen in der Augenklinik in Tübingen und diese Zeit fehlte mir, als ob sie gar nicht existiert hätte. Danach rannte ich der Zeit hinterher, und habe sie doch nie eingeholt. In der Rückschau habe ich das Gefühl, ich war immer irgendwie außer Atem. Meine Erinnerung ist wie eine Wüste mit ein paar Oasen, zwischen denen es keine Verbindung gibt. Ich habe ohne Reue die Reste zusammengefegt zum Jahreswechsel und mit leichter Hand entsorgt – ist das Abfallglück? Egal. Klar ist, ich habe dieses 2019 jetzt schon ins Herz geschlossen.

 

abc Etüden 04/2018

Discokugel

Wahnsinnig

Klauen

für diese Woche kommen die 3 Wörter von Sabine von wortgeflumselkritzelkram (wortgeflumselkritzelkram.wordpress.com), die Grafik ist von Ludwig und die Aufgabe ist, bekanntermaßen, aus diesen 3 Worten in 10 Sätzen eine Geschichte zu bauen. Bei Christiane findet ihr alles, was man über die abc Etüden wissen muss und die links zu den vielen wunderbaren Geschichten der anderen abc-Etüden-Junkies!

https://365tageasatzaday.files.wordpress.com/2018/01/2018_04_2_zweia.jpg

Warum hängt man sich so ein Ding in die Wohnung, mit Elektroantrieb, als Glitzerlampe im Dauerbetrieb?

Die Lichtspiegelungen wanderten durch den Raum, wie tastende helle Finger, immer rundherum, schienen mir zu folgen, es machte mich wahnsinnig.

Ein Fingernagel war  mir abgebrochen, was sehr,  sehr ärgerlich war, denn es war der Zeigefinger der rechten Hand und die Nageldesignerin hatte ihn handbemalt mit einer Miniatur-Mona-Lisa.

Nun ja, ein bisschen Schwund ist immer, dachte ich, am Ende muss man alles gegeneinander aufwiegen und suchte in dem diffusen Licht nach der schwarzen Sporttasche.

Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich klauen würde, im Gegenteil, ich fand, das Geld stand mir zu.

Barny und Joe hatten sich nie über den Weg getraut, bis zum Ende nicht, einer gönnte dem anderen die Butter auf dem Brot nicht.

Als der Streit eskalierte war hatte ich mich im Bad eingeschlossen und war erst wieder herausgekommen als es still war,  ganz still.

Joe saß am Boden, die Beine leicht gespreizt, sein Kopf hing herab und die Wand war blutverschmiert, Barny lag neben dem Tisch, eine hässliche Wunde klaffte in seiner Brust und ich versuchte nicht hinzusehen, als ich die Sporttasche unter dem Tisch hervorzog, die Geldbündel herausnahm und in meine Tasche stopfte.

Was konnte ich dafür, wenn diese beiden Alpha-Männchen sich die Köpfe einschlagen mussten – ich hatte nur Schmiere gestanden.

Ich nahm meinen Revolver aus der Tasche, schoss die verdammte Discokugel von der Decke und verließ das Haus.

abc Etüden Textwoche 02.18 NEUSTART

2018_02.18_1_eins_lz | 365tageasatzaday

Das sind die Wörter dieser Woche, gespendet von Christiane. Alles, was man wissen muss zu den abc Etüden, findet Ihr auf Ihrem Blog https://365tageasatzaday.wordpress.com/

Die Grafik oben kommt wie immer vom Etüden Erfinder Ludwig Z.

3 Wörter in 10 Sätze verpackt – ich habe es heute genutzt um mich nach langer Abstinenz in meiner Wortwabe wieder zurück zu melden. Möge das neue Jahr ein produktiveres werden, bitte OHNE die Katastrophen des letzten Jahres!

Ich wünsche allen, die hier vorbeischauen, ein glückliches neues Jahr, voll strotzender Gesundheit, mit Glück, das vom Himmel fällt und Herausforderungen, die gestemmt werden können!

Hier meine Etüde:

Wie lange will ich die nie gefassten guten Vorsätze noch auf die lange Bank schieben?

Ich fühle mich irgendwie speckig, das neue Jahr türmt sich vor mir auf wie eine riesige Bürde von noch nicht gelebten Tagen, unüberwindlich.

Die ersten Tage sind vorbeigezogen im Permastress der Nach-Weihnachtszeit, mit frühen Geburtstagen, die ich immer vergesse, was mir dann gleich zu Jahresbeginn die Schamröte ins Gesicht treibt.

Wozu gibt es den Kalender im Handy, der mich doch treu und brav an alles erinnern würde, hätte ich es denn eingespeichert –

Ein Jahreswechsel ohne Weihnachten direkt davor wäre deutlich entspannter.

Der Kalender ist schon im Januar angekommen, meine Seele noch nicht.

Ich dümple immer noch im Niemandsland zwischen den Jahren herum, frage mich, ob es Zeit wäre die Weihnachtsdeko wieder in Kisten zu verstauen und mich mit nackten Fensterbänken ohne Kitsch anzufreunden.

Die Vögel singen so, wie sie an Frühlingstagen singen, die sind wohl auch aus der Zeit gefallen, willkommen im Club!

Der Kalender zeigt den achten Januar, das bedeutet zumindest, es ist kein weiterer unsäglicher Feiertag in Sicht, kein Geburtstag, den ich vergessen könnte, das Leben scheint sich wieder in die gewohnten Bahnen einzuordnen mit allem, was dazugehört: neue Gesetze, Berufsverkehr, Stau auf der A 8, und dem restlichen ganz normalen Wahnsinn.

Hilft ja nichts, weitermachen, heißt die Devise, immer weitermachen, seit Neuestem eben 2018.

KW 13.2017 Alles wird gut – wird alles gut?

uiuiui…Bernd von red skies over paradise hat uns ja was eingebrockt diese Woche….die 3 Wörter waren herausfordernd. Aber was ein echter Etüdenfan ist, gibt so schnell nicht auf.Und irgendwie wollte ich ja auch die Geschichte von letzter Woche weiterspinnen – doppelte Herausforderung. Drei Worte, zehn Sätze und die Idee, daraus eine Geschichte zu bauen. Alles, was Ihr dazu wissen müsst, findet ihr bei Christiane, die freundlicherweise die Etüden als Host begleitet. Unermüdlich in seinem Schaffen schenkt uns Ludwig Zeidler die Grafiken zu den Wortspenden!

Hier die Etüde dieser Woche (und wer mag kann die letzte Etüde noch davor lesen, diese ist quasi auch die Fortsetzung….)

Alles wird gut – wird alles gut?

Das sizilianische Kaff lag in der Mittagshitze wie eine träge Raubkatze, die Fenster verschlossen, die Schlitze der Jalousien wie gesenkte Lider, schlafend aber wachsam und immer bereit zuzuschlagen, ich war auf der Hut.

Als der dicke Salvatore mit aufgeschlitzter Kehle von seinem Stuhl rutschte hörte ich einen Schrei – den Schrei einer Frau – ich drehte mich auf dem Absatz um, spähte durch den schlecht beleuchteten Raum und entdeckte sie hinter einem der vollgestopften Regale.

Sie lugte zwischen Kartons hindurch, ich sah nur kastanienbraunes Haar und weit aufgerissene Augen, die mich entsetzt beobachteten, als ich auf sie zuging.

Ich vermutete, sie erwartete, dass ich einer von den ganz bösen Jungs war, die vergewaltigen, brandschatzen und morden und sie jetzt mein nächstes Opfer sein würde.

Wir werden jetzt gemeinsam hier raus gehen und verschwinden,“ ich nahm sie am Arm und zog sie mit mir zur Tür, drehte mich noch einmal um und rief demonstrativ „Ciao Salva!“ in den Raum, zog die Tür hinter uns zu, öffnete die Beifahrertür meines Transporters und schob sie ins Auto.

Sie war nicht nur hübsch sondern auch vernünftig, denn sie schrie nicht und redete kein Wort, sie starrte mich nur völlig unverfroren an und ich wünschte mir, sie in den hermetisch abgeriegelten Laderaum meines Transporters verbannen zu können um ihren Blicken zu entgehen.

Ich hatte nicht viel Zeit, ich würde die Hilfe der Fremden brauchen können, wenn ich Gina retten wollte, deshalb entschied ich mich, sie mit der Wahrheit zu konfrontieren.

Wir müssen in die Sicani Berge, zu Salvatores Hütte, hat mir gesagt, er hätte sie eingemauert hinter dem Keller, der Irre, wir werden wohl einen Kellerdurchbruch machen müssen, dieses Schwein, nur weil sie ihn nicht wollte, meine schöne Schwester und dieser fette Frosch, ein Perverser, unvorstellbar, hoffentlich komme ich noch rechtzeitig – “ ich redete ohne Punkt und Komma auf sie ein, gestikulierte wild herum und plötzlich sprach sie:

Pardon Monsieur, je ne comprends rien – I don´t understand anything – non capisce ….“

Eine Touristin – was war ich nur für ein ausgemachter Trottel.

 

abc Etüden Woche 22-2017 Beurteilen Sie das Buch nie nach dem Umschlag!

Es ist mir nicht mehr möglich, mich der Verführung zu entziehen, egal wie angefüllt mit Arbeit die Woche auch ist, es findet sich ein Zeitfenster für die abc etüden. Bei Christiane findet ihr alles WIssenswerte, kurz zusamengefasst 3 Wörter und 10 Sätze ergeben eine Kürzest-geschichte. Ins Leben gerufen von Ludwig Zeidler, der mit seinen wunderschönen Grafiken Woche um Woche das Projekt bebildert.

Hier meine Etüde mit den Worten der Woche:

Kramladen

verlustieren

Angst

 

Beurteilen Sie das Buch nie nach dem Umschlag!

Sanne fühlte sich schon immer vom Abgründigen, Dunklen angezogen.

In dem kleinen Kramladen waren auf staubigen Regalböden aus kieselgrauem Resopal Dosensuppen und Hundefutter gestapelt, Garnrollen mit festem schwarzen Zwirn, Nähnadeln, angestaubte Verpackungen von Glühbirnen – alles lagerte scheinbar planlos in dem stickigen Raum, die Leuchtröhre über ihr flackerte immer wieder.

Zuerst hörte sie nur seine Stimme, weich, warm und tief, wie das entspannte Schnurren einer großen Katze, sie drehte sich wie elektrisiert um und spähte zwischen Mehltüten und einem originalverpacken „Starmix“ aus den siebziger Jahren,  zur Kasse, wo er, ihr den Rücken zuwendend, mit dem Besitzer des Ladens verhandelte, der wie ein dicker träger Frosch hinter der Kasse saß und den Fremden aus großen basedowschen Augen musterte.

Sie sah schwarze Haare, die im Nacken zu einem Zopf zusammengebunden waren, breite Schultern in einem verwaschenen, meerblauen T-Shirt, muskulöse braungebrannte Arme und einen vermutlich perfekten Hintern in der lässigen Jeans.

Sanne verstand nicht, worum es in dem Gespräch ging, doch das war unwichtig denn sie folgte nur  dem Klang dieser Stimme, schloss für einen Moment die Augen und stellte sich vor, wie sie sich mit diesem Mann am Strand verlustieren könnte.

Einem inneren Impuls folgend blieb sie dennoch  hinter dem Regal stehen, beobachtete die Szene schweigend mit angehaltenem Atem und wartete auf den Moment, da er sich umdrehen und sie sein Gesicht sehen würde.

Dann veränderte sich der Ton zwischen den beiden Männern, sie wurden lauter, schrien sich an, das hohe gequetschte Keifen des Froschs und das tiefe drohende Brummen des Fremden verkeilten sich in der Luft, der Dicke sprang auf und wollte durch die Tür hinter der Kasse ins Hinterzimmer flüchten, Stahl blitzte auf und Sanne sah entsetzt, wie Blut in einer breiten Fontäne aus dem kurzen Hals des dicken Mannes gepumpt wurde.

Sie schrie auf und hielt sich im selben Augenblick die Hand vor den Mund, doch es war zu spät, der Fremde drehte sich um, sein Blick tastete sich durch den Raum und ihre Augen trafen sich.

Sanne erstarrte vor Angst und war unfähig, den Befehlen ihres Gehirns zu folgen, sich umzudrehen, die rettende Tür nach draußen in die Sonne zu öffnen und zu verschwinden.

Als er vor ihr stand, dachte sie, sein Gesicht ist noch schöner als ich es erwartet hatte.

abc Etüden KW 18.17 Wer lesen kann, kann auch kochen

neue Woche mit neuen Wörtern. Diese Woche lockt uns Christiane wieder in die Schreibwerkstatt, der Lockstoff kommt  von pinselfisch :

Paradeiser, Schlawiner, Kinkerlitzchen.

„Wer lesen kann, kann auch kochen“ – sagte meine Mutter immer, und ich stimme ihr zu, wenn auch nur bedingt 🙂 hier meine Geschichte:

Das sind doch Kinkerlitzchen. Tom war ein Schlawiner, er wollte sie an ihrer Ehre packen.  Als ob sie es nicht schaffen würde, eine essbare Tomatensuppe zu kochen.  Marketing ist alles, dachte sie, deshalb fing sie mit der Menükarte an. Nach zwei Stunden intensiver Photoshop-Arbeit hielt sie das erste gedruckte Exemplar in der Hand. “Sahnegipfel in Paradeisermeer“ – das klang doch viel imposanter als „Tomatensuppe mit Sahnehäubchen“.  Sie hatte die teuerste Dosensuppe gekauft und die Sahne eigenhändig geschlagen – es sah wirklich spektalulär gut aus in den neuen weißen Riesentellern. Wie vom Sternekoch.