abc Etüden 21-2017 Obsession

dieses Mal war es eine echte Herausforderung, vermeintlich alltägliche Worte aber die Kombi – au weia. Nicht so einfach, finde ich zumindest. Heute abend war ich im Ballett, „Don Quichote““ mit der wunderbaren Alicia Amatriain. In der ersten Pause, blieb ich an meinem Platz und habe diese kleine Geschichte geschrieben, die plötzlich da war….

Wie immer gab es eine Wortspende, dieses Mal von Andrea aus Bremen, und die schöne Grafik stammt von Ludwig Zeidler. Alles, was man über die abc Etüden wissen muss, findet ihr bei Christiane.

3 Worte, maximal 10 Sätze, eine Geschichte.

Sie war zart wie eine Elfe, ihr Körper schwebte über die Bühne  wie der Samen einer Pusteblume. Gottfried s Augen hingen an ihren schmalen Fesseln, den zierlichen und doch so kräftigen Füßen,  den großen Augen in dem schmalen Gesicht. Er beneidete den Tänzer an ihrer Seite mit aller Inbrunst, zu der er fähig war. Hier war seine Welt, nicht in der Markthalle am Käsehobel. Jeden Cent, den er entbehren konnte, sparte er für die Eintrittskarten, denn er wollte ihr so nahe wie möglich sein. Immer saß er in der ersten Reihe, etwas seitlich, damit er seine Rosen  auf die Bühne werfen konnte ohne dass sie im Orchestergraben landeten. Und jetzt kam der große Tag, an dem die Companie zugunsten eines Hilfsprojekts Dinge versteigern würde, unter anderem ein Paar zertanzte Spitzenschuhe der Primaballerina. Gottfried hatte seine ganzen Ersparnisse dabei, fünftausenddreihundertachtundsechzig Euro, und als die Schuhe aufgerufen wurden, bot er erst zaghaft und dann entschlossen mit. Als der Hammer beim letzten Gebot dreimal auf Holz schlug und er bei 8550 Euro den Zuschlag bekam, stand er zitternd auf und dachte: ich werde einen Kredit aufnehmen müssen.

abc Etüden 20-2017 Mit links

Neue Woche neues Etüden-Glück! Dieses Mal mit der Wortspende vom Etüden-Erfinder himself, Ludwig Zeidler!

3 Worte, 10 Sätze, eine Geschichte – das Ganze wird betreut von Christiane, die sich über jeden neuen Etüdenfan freut!

Mir ist meine kleine Geschichte „mit links“ aus der imaginären Feder geflossen, und mit einem Augenzwinkern 🙂

Die Gebrauchsanweisung für guten Golfrasen hatte er in irgendeinem Ordner auf seinem  zugespamten Laptop. War jetzt auch völlig egal, was die feinen Pinkel zum Zustand des Rasens anzumerken hatten. Die waren ja schon zu blöd gewesen um zu durchschauen, dass die Referenzen von den drei Golfclubs in Kalifornien, wo er angeblich als Head-Greenkeeper einen „very good  job“ gemacht hatte, allesamt gefälscht waren.  Wenn sich etwas gelohnt hatte in seinem  Leben, dann das amouröse Abenteuer mit der kleinen Grafikerin, die ihm außer prickelndem Bürosex auch noch einen kostenlosen Crashkurs in Phtoshop gegeben hatte. Mittlerweile konnte er jedes gewünschte Dokument herstellen.  Dieser Provinzgolfclub hatte genug Geld, um sich einen Stab von Mitarbeitern für die Platzpflege zu leisten, die jetzt von ihm geführt werden sollten und hatte außerdem eine piekfeine Wohnung direkt am Golfplatz zu vergeben. Das einzige Problem bei der Sache war, ein Greenkeeper musste mindestens ein Handicap von 36 vorweisen, er hatte aber noch nie einen Golfschläger in der Hand gehabt. Nach intensiver Recherche über die Gesundheitsrisiken des Golfsports legte er sich daher eine „Golfschulter“ zu  und teilte dem Vorstand beim Vertragstermin mit einer Träne im Augenwinkel mit, dass dieser Schmerz  leider chronisch war, was er zutiefst bedauerte als er mit der linken Hand seine Unterschrift unter den Fünfjahresvertrag für Job und Wohnung setzte.  „Ich werde wohl nochmal von vorne anfangen müssen“, sagte er seufzend. „Mit links.“

abc Etüden KW 17.17 Es war einmal….

Immer wieder Sonntags….kommen die inspirierenden Worte für die abc Etüden. Eine Idee von Herrn Textstaub, jetzt gehostet von Christiane

Die 3 Wörter der Wortspende sollen in meaximal 10 Sätzen in eine Geschichte verpackt werden – das sind die Bedingungen. Diese Woche kam die Wortspende von bittemito 

Safranstaubkussspuren
Knospenkollisionskurs
Irisreinkarnationslied

die super schöne Grafik dazu wie immer von lz.

Prinz Leopold war zu weit gegangen als er im Feenwald mit  der Elfenprinzessin auf Knospenkollissionskurs gegangen war.

Er war ihr durch schillernde Blütenwälder und Gärten voll duftender Rosenblüten gefolgt  bis hinein in das allergeheimste Kräuterlabyrinth.

Kaum hatte der Prinz gewagt zu atmen, als er, hinter einem riesigen Basilikumstrauch verborgen, die zarte Gestalt entdeckt hatte.

Die Fee leuchtete in flirrendem himmelblaurosa und schien durch den geheimen Garten zu schweben, während sie die zarten Griffel der Krokusse in einen  Korb aus geflochtenem Gold sammelte.

Leopold überraschte sie, sprang aus seinem Versteck und drückte seine Lippen auf ihren duftenden Knospenmund.

Noch Stunden später spürte er die Safranstaubkussspuren und in seinen Ohren dröhnte das Irisreinkarnationlied, das der ganze Wald angestimmt hatte um die Prinzessin zu schützen.

Jeder Grashalm, jede Blüte, die Blätter an Bäumen und Sträuchern, Vögel und Bienen, alles was lebte stimmte ein in diese Kakophonie aus Klängen.

Leopold hielt sich die Ohren zu und flüchtete, stolperte,  rannte um sein Leben um endlich nach Stunden den Rand des Waldes zu erreichen.

Er trat aus dem Feenwald hinaus in das goldene Licht der untergehenden Sonne der menschlichen Welt als ihn ein stechender Schmerz durchfuhr und ein Schrei sich den Weg aus seinen Lungen in die Abendluft bahnte: QUAAAAAAAK !

abc Etüden KW 14 Relativitätstheorie

auf den letzten Drücker, aber ich bin dabei, auch in KW 14 und die Worte, die Herrn Textstaubs abc Etüden beflügeln, kommen diese Woche von mickzwo (Alles mit Links.)

Danke an lz http://www.textstaub.wordpress.com für die wieder einmal wunderschönen Grafiken, ich habe mir die hier ausgesucht:

„Ich muss mich da durch friemeln“, dachte sie. Irgendwo in ihrem Magen klumpte sich Panik zusammen. Sie sezierte dieses Gefühl und es fühlte sich an wie öliger Sirup, der sich mehr und mehr in ihrem Inneren ausbreitete. Aus Gewohnheit kaute sie auf dem Fingernagel ihres rechten kleinen Fingers herum, es war nur der eine, der abgekaut wurde, schon immer, und sie hätte nicht sagen können, warum. Ihre Beine fühlten sich an wie Pudding, ein Glück, dass sie sitzen konnte, hätte sie stehen müssen wäre sie einfach umgefallen. Sie drehte das Blatt, das vor ihr auf dem Tisch lag, zum wiederholten Mal von links nach rechts, aber die Buchstaben und Zahlen darauf sagten ihr immer noch nichts. Ihre Uhr lag auf dem Tisch und der Zeiger rückte ungerührt weiter, obwohl sie der Zeit befohlen hatte, stehenzubleiben. Das war ihre private Meinung zur Relativitätstheorie, die Zeit vergeht für jeden unterschiedlich langsam oder schnell. Gäbe es diese tickenden Metallklumpen nicht, dann wäre das auch alles viel einfacher, dann wäre es zwölf Uhr wenn es sich für sie nach zwölf Uhr anfühlte. Aber das zählte hier nicht, es blieben ihr jetzt nur noch genau 41 Minuten bis zur Abgabe der Matheklausur.

 

3 Worte, 10 Sätze und unvergessene Erinnerungen an gruselige Mathe-, Physik- oder Chemiearbeiten…inspieriert bin ich sicher durch das bevorstehende Abi meines Sohns, das am 24. April mit Deutsch beginnt. Das wird er, ganz die Mama, mit links machen – aber ich beneide ihn nicht um die Matheprüfung!

abc Etüden/ KW 13

woher die Geschichte kam, weiß ich nicht. Sie war halt plötzlich da, wie so oft. Manchmal habe ich das Gefühl, irgendwo ist ein Brunnen, in dem die Geschichten lagern und wenn die die Zeit da ist, dann steigen sie nach oben…..die Wortgeschenke von Herrn Textstaubs abc Etüden scheinen so etwas wie ein Katalysator zu sein.

http://www.textstaub.wordpress.com

Diese Woche kam das Geschenk von Frau Dergl:

Sie drehte sich nicht um, als sie die Grenze passierten, sie hatte noch kein einziges Mal zurückgeschaut.

Diese Reise erschien ihr wie ein Fluss, es gab nur eine Richtung und es gab kein Zurück.

Sie ließ die Frage, die sie seit Wochen vor sich selbst versteckte, in den milchweißen Himmel aufsteigen.

`Werde ich jetzt frei sein?`

Man reichte ihr eine Flasche, das Wasser war abgestanden und schmeckte nach Rost.

„Die Luft riecht nach Schnee“ , sagte jemand neben ihr.

Sie dachte an ihren Vater, der ihr seinen alten Mantel beim Abschied aufgedrängt hatte.

„Du wirst ihn brauchen“, hatte er gesagt.

„Es ist so deutsch in Kaltland.“

abc Etuden/ Die Schönste

eine neue Woche mit neuen Worten. Eine kleine Geschichte für Herrn Textsaub`s abc Etuden. 3 Worte, 10 Sätze, eine Geschichte.

Die Bärin erkannte ihr Junges sofort.

Es war groß und stark geworden, der Junge trug die Züge seines Vaters.

Fliederfarbene Erinnerungen stiegen in Kallisto auf, an eine Nacht am Meer, an feuchten Sand unter nackten Fußsohlen.

Sie erinnerte sich nur an Bruchstücke, vielleicht wollte sie sich auch nicht erinnern,  an seine Augen, seinen Mund, seine Hände, an ihre zerrissene Toga, an Artemis Verachtung.

Der Wunsch, ihr Kind zu umarmen, war so stark, dass Kallisto vergaß, wer sie war.

Sie trat aus der Deckung des Waldes da entdeckte er sie.

Der Junge riss seinen Bogen hoch und legte auf die Bärin an.

Kallisto schrie seinen Namen, aber er hörte nur das Knurren des Bären.

Plötzlich stand die Zeit still, der Pfeil in der Luft, die zitternde Sehne des Bogens ruhig.

„Ihr werdet sternenwandern“, Kallisto hörte die Stimme wie aus weiter Ferne.

Anmerkung zu dieser Geschichte: Kallisto ist die Tochter des Königs Lykaon aus Arkadien Sie war als eine der Nymphen Artemis zur Keuschheit verpflichtet, erweckte durch ihre Schönheit jedoch Zeus Begierde. Zeus nähert sich Kallisto in der Gestalt Artemis und küsst sie – allerdings nicht wie eine Jungfrau küssen soll … Sie wehrt sich, aber wer kann Zeus bezwingen? Kallisto versucht ihre ungewollte Schwangerschaft zu verbergen, wird aber beim Bad von den anderen Nymphen bloßgestellt und daraufhin von Artemis verstoßen. Nach der Geburt ihres Sohnes Arkas, des späteren Ahnherrn der Arkadier, wird sie von Zeus‘ Gattin Hera aus Eifersucht in eine Bärin verwandelt. Als Kallisto nach fünfzehn Jahren auf ihren Sohn Arkas, der nun Jäger ist, trifft, will sie ihn umarmen, dieser aber das vermeintlich wilde Tier töten. Zeus greift ein und versetzt Kallisto als das Sternbild des Großen Bären und Arkas als das des Kleinen Bären in den Himmel. Hera erwirkt bei Okeanos immerhin, dass die beiden Sternbilder niemals in das erfrischende Meer eintauchen dürfen; daher werden sie zu zirkumpolaren Sternbildern. (Quelle: wikipedia)

Ich liebe die griechische Mythologie mit all ihren Göttern, ihren Leidenschaften und Tragödien ….und sind sie nicht immer noch unter uns, die Olympier? https://wortwabe.wordpress.com/2012/06/10/zeus-teil-1-fortsetzung-folgt/

abc Etuden Nobody does it better

https://textstaub.wordpress.com/2017/02/26/schreibeinladung-textwoche-9-17-kuerzestgeschichten-micronouvelles-microrrelatos/

Herrn Textstaubs Inspiration für diese Woche kommt von Sandra Blume, die Worte sind Uferlos / Atem / Fragment

Vielleicht weil Carneval ist habe ich diese Geschichte mit einem Augenzwinkern geschrieben :

 

Ich mag diese uferlosen Reden nicht.

Ohne Punkt und Komma, statt Atem zu holen nur noch nach Luft schnappen.

Keine Pause entstehen lassen, die dem Gegenüber die Möglichkeit gibt, mit mehr als einem Wort dazwischen zu gehen.

„Ja nee und dann…“ und weiter geht es mit dem Wasserfall aus Worthülsen, deren Inhalt bereits vor dem Aussprechen entsorgt wurde.

Ich löste die Aufmerksamkeit von meinem Gegenüber und ließ meine Augen durch den Raum wandern, trank meinen Champagner und winkte den aufmerksamen Kellner zu mir, der mir eifrig nachschenkte.

Während die Flasche mit leisem Klirren in das Eis des Kühlers glitt, platzierte ich für Gerd ein Fragment meines Lächelns im Gesicht und wandte meine Aufmerksamkeit dem gutaussehenden Fremden zu, der hinter Gerds Rücken alleine an der Bar stand.

Wir sahen uns schon seit Minuten direkt in die Augen und als er sein Glas hob und mir zuprostete stand ich auf und ging, ohne Gerd noch eines Blickes zu würdigen, zu dem Fremden an die Bar.

Er bot mir einen Barhocker an, nahm meine Hand und hauchte galant einen Handkuss darauf.

Dann reichte er mir ein Glas Champagner, deutete eine kleine Verbeugung an und sagte:

„Mein Name ist Bond – James Bond.“

Machs wie Holly/ abc Etuden

abc-etuden

Christiane (https://365tageasatzaday.wordpress.com) hat recht, man sehnt sie herbei, die neuen Wörter für die nächste challenge…ich kenne das ja von den „Friday Fictoineers“, für die ich leider gar keine Zeit mehr habe, weil das auf Englisch nochmal so viel Zeit kostet…anspruchsvoll ist es aber auch in der Muttersprache, eine Geschichte in 10 Sätzen zu erzählen und dann auch noch 3 vorgebene Worte darin unterzubringen.

Königin Backerbsen Korallenriff 

Da mich die Muse heute doch kurz gestreift hat, hier meine Geschichte:

 

Mach´s wie Holly

Ich kann nicht kochen, das weiß jeder, der mich kennt.

Es gibt eine geheime Liste mit etwa zehn Gerichten, die ich kochen kann ohne einen Nervenzusammenbruch zu bekommen. Rührei, Pfannkuchen oder Gemüsebrühe aus dem Glas mit Backerbsen steht auch darauf. Viel wichtiger als die kleine Hausfrau zu mimen ist es doch, sich für den Schutz bedrohter Tierarten oder Landstriche einzusetzen, zum Beispiel für den Erhalt des großen Korallenriffs vor Australien. Trotzdem wollte ich in diesem speziellen Fall mit einem perfekten Dinner punkten, Vorspeise, Hauptgang, Dessert, natürlich aus dem Lehrbuch eines bekannten Sternekochs.

Ich dachte immer, wer lesen kann, kann auch kochen, aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass diese Rezepte eine Ansammlung von unbekannten Begriffen sein würden. Blanchieren, flämmen,  dünsten –  ich weiß nicht, was genau schief ging aber jetzt stehe ich nach Abzug der Feuerwehr in meiner abgefackelten Küche, tropfnass von oben bis unten, Jakobsmuscheln und Rinderfilet schwimmen auf dem Herd in Resten von Löschwasser.

Der Plan war, dass er mich heute nach diesem perfekten 3-Gänge-Menü zu seiner Königin machen würde, die Wirklichkeit sagt mir, dass ich noch 58 Minuten habe um mich selbst und die Küche zu restaurieren.

Holly Golightly, die ich sehr verehre, mitsamt ihrem Schöpfer Truman Capote, hätte sich jetzt in ihr kleines Schwarzes geschmissen, einen trockenen Martini gemixt und die Küche Küche sein lassen.

56 Minuten später stöckele ich auf schwarzen High Heels durch meine Wohnung und drappiere die Tabletts des „First-Class-Delivery-Service“  auf dem Esstisch, um den Hals an einer langen Kette den Schlüssel zur Küche.

Was ein Glück, dass ich so einen altmodischen Grundriss habe, eine Küche zum Abschließen, Hallelujah!