Märchenzeit – Zeitmärchen

abc Etüden, Klappe, die zweite. Hatte einen kontemplativen Tag heute, mit einer Walkingrunde an der frischen Luft und anderthalb Stunden Yoga. Die Rädchen in meinem Kopf haben eine zweite Etüde ausgespuckt, inspiriert von dem Bild des jungen Jahres.2019 02+03 | 365tageasatzaday

Ein Märchen. Ich liebe Märchen!

 

Punkt Mitternacht drückte die Zeit dem jungen Jahr einen Kuss auf die unschuldig glatte Stirn und sagte:

`Du sollst 2019 heißen! `

Das junge Jahr krabbelte in seinen ersten Tag und sie schubste es sanft an bis es aufstand. Die Minuten tropften aus der Zeit und sammelten sich zu Stunden, bald würde der erste Tag schon wieder Geschichte sein. Die Zeit blies in den Haufen Asche, der vom alten Jahr übrig geblieben war, die Asche wirbelte auf, wurde weiß und klar und legte sich als Rauhreif über Gärten und Dächer.  

`Abfallglück`, flüsterte sie. ` Nichts geht verloren, in der Erinnerung ist alles noch da.`

Sie sah 2019 an, es sah so hoffnungsvoll und rein aus an seinem ersten Tag, wie jedes der Jahre, dem sie seit Äonen auf die Welt geholfen hatte.

 `Es gibt dich nur einmal, 2019, und dennoch wirst du milliardenfach existieren und die Schicksale werden dich gestalten. Am Ende, wenn dein Verfallsdatum erreicht ist, wirst du für die einen ein Jahr voller Glück gewesen sein und für die anderen eines voller Schmerzen oder Leid. Für  mich bist du immer gleich, wie die Jahre, die vor dir da waren und die, die nach dir kommen. Ich bin eine Illusion, genau wie du. Ich bin lang in Stunden des Wartens und Bangens und kurz in Stunden des Glücks, die verfliegen wie ein Windhauch. Es sind nicht die tickenden Metallklumpen der Menschen, die mich machen, sondern ihre Herzen. Sie geben den Takt des Lebens vor, und ich wiege mich in diesem Takt, jahraus jahrein, ta-tamm, ta-tamm,`

Sie drehte sich um sich selbst und die Minuten wirbelten heraus,

` ta-tamm, ta-tamm, ta-tamm…tata-tamm….`

Auf ein Neues!

Da ist es, das neue Jahr. Ich habe es mit offenen Armen empfangen und nach langer Blog-Abstinenz werde ich 2019 wieder aktiver sein können. Alles hat sich am Ende zum Guten gefügt. Vorsätze habe ich keine, außer dem einen: jeden Tag zu geniessen, mit einem Lächeln zu beginnen und mit Dankbarkeit schlafen zu gehen.

Mein Dank gilt gleich vorweg Christiane die sichauf ihrem blog um die abc Etuden kümmert und sie am Laufen hält. 2019 soll also auch für  mich wieder ein Etüdenjahr werden.

Die Worte für die erste Etüde

Abfallglück
Verfallsdatum
unschuldig.

kommen von Ludwig Zeidler, dem abc etuden Erfinder. Etüdenregel: die drei Worte in 300 Wörtern zu einer Geschichte verarbeiten.

Hier meine Etüde:  „Alles wird besser“

Das Jahr hat grade erst begonnen. Unschuldig wie ein Kind ist es, mit seinen sechs Tagen, ich stelle mir vor, es hat blonden Flaum auf dem Kopf und tapst durch die Zeit, weil es noch laufen lernen muss. Das alte Jahr ist gestorben, verbittert und misslaunig wie ein unzufriedenes zahnloses altes Weib, ich weiß, mein altes Jahr war froh, es hinter sich zu haben. Ganz ehrlich, ich bin absolut sicher, hätte man ihm noch einen 366. Tag geschenkt, es wäre schreiend davon gelaufen.  Ich kann ja auch nichts dafür, es gab immer wieder Jahre für mich, mit denen es mir ging wie mit Klassenkameraden, die man auf einer Jahrgangsfeier trifft und feststellt, dass man zehn Jahre neben ihnen im Klassenzimmer saß ohne sie wahrzunehmen. So ein Jahr war mein letztes. Es war aus der Zeit gefallen und ich kann verstehen, dass es am Ende genug hatte.  Wenn das Verfallsdatum so klar ist wie bei einem Jahr mit dreihundertfünfundsechzig Tagen, dann wird es auf die letzten Tage, zumal wenn die Feiertage sich derart knäueln wie in meinem typisch deutschen Jahr, ganz schön mühsam. Ich hab dieses 2018 von Anfang an nicht recht gemocht, und es hat mich auch nicht geschont. Im ersten Halbjahr waren vier Monate geprägt von ständigen Terminen in der Augenklinik in Tübingen und diese Zeit fehlte mir, als ob sie gar nicht existiert hätte. Danach rannte ich der Zeit hinterher, und habe sie doch nie eingeholt. In der Rückschau habe ich das Gefühl, ich war immer irgendwie außer Atem. Meine Erinnerung ist wie eine Wüste mit ein paar Oasen, zwischen denen es keine Verbindung gibt. Ich habe ohne Reue die Reste zusammengefegt zum Jahreswechsel und mit leichter Hand entsorgt – ist das Abfallglück? Egal. Klar ist, ich habe dieses 2019 jetzt schon ins Herz geschlossen.