Hoffnung III

du sollst

dir kein Bildnis machen

und doch

macht mein Herz

sich Bild um Bild um Bild

von dir von morgen und

übermorgen

 

das Heute ist ja schon

Geschichte und so

liegt alle Hoffnung

im Morgen

im neuen Tag

der sicher kommt

zum Heute wird

sich über meine Bilder

schiebt

 

und wieder

liegt alle Hoffnung

im Morgen

im neuen Tag

der sicher kommt

zum Heute wird

dann mache ich mir

Bild um Bild um Bild

vom  neuen Morgen

dem neuen Tag

der sicher kommt

zum Heute wird

sich über meine Bilder

schiebt

 

 

abc Etüden KW 18.17 Wer lesen kann, kann auch kochen

neue Woche mit neuen Wörtern. Diese Woche lockt uns Christiane wieder in die Schreibwerkstatt, der Lockstoff kommt  von pinselfisch :

Paradeiser, Schlawiner, Kinkerlitzchen.

„Wer lesen kann, kann auch kochen“ – sagte meine Mutter immer, und ich stimme ihr zu, wenn auch nur bedingt 🙂 hier meine Geschichte:

Das sind doch Kinkerlitzchen. Tom war ein Schlawiner, er wollte sie an ihrer Ehre packen.  Als ob sie es nicht schaffen würde, eine essbare Tomatensuppe zu kochen.  Marketing ist alles, dachte sie, deshalb fing sie mit der Menükarte an. Nach zwei Stunden intensiver Photoshop-Arbeit hielt sie das erste gedruckte Exemplar in der Hand. “Sahnegipfel in Paradeisermeer“ – das klang doch viel imposanter als „Tomatensuppe mit Sahnehäubchen“.  Sie hatte die teuerste Dosensuppe gekauft und die Sahne eigenhändig geschlagen – es sah wirklich spektalulär gut aus in den neuen weißen Riesentellern. Wie vom Sternekoch.

liebes-lied

Poste dein liebstes Lieblingslied – dieser Aufruf kommt von Arabella https://teil2einfachesleben.wordpress.com/2017/04/22/aufruf-die-welt-braucht-mehr-liebe-blogger-spielen-liebeslieder/

Unter dem Motto „die Welt braucht mehr Liebe“ – wohl wahr. Ich glaube auch, dass Musik die Menschen verbindet und dass Singen gut tut ist ja bereits bewiesen.Mein liebstes Liebeslied ist definitv mein eigenes, da steckt einfach am meisten von mir selber drin. Schon paar Tage her, dass ich es aufgenommen habe, aber immer noch schön.

 

 

Déjà Vu

Ich bin ja in meiner Eigenschaft als Mutter regelmäßigen Déjà Vus ausgesetzt. Heute war es eines der monströseren Art. DEUTSCHABI. Mein Sohn schrieb heute sein Deutsch-Abi. Überhaupt ist diese ganze Abisache ein Dauer-Déjà Vu, ohne dass ich behaupten könnte, dass mir Einzelheiten aus meiner Vor-Abi-Zeit präsent sind. Ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, dass ich viel gelernt habe. Aber das habe ich wohl schon getan, und ich habe Fontanes „Effi Briest“ mit mir herumgeschleppt wo immer ich war. Trotzdem hat es für den Scheffelpreis nicht gereicht, ich war Zweitbeste. Wie dem auch sei, mein Herzblatt kommt ganz nach der Frau Mama und glänzt in Deutsch und in den Fremdsprachen, schwächelt aber ebenso herausragend in Mathe und den Naturwissenschaften. Da er aber disziplinierter ist als ich, hat er bisher trotzdem immer einen Notenschnitt von 2,3 gehabt. Jetzt also das Abitur, und es beginnt, wie in Baden-Württemberg Tradition, mit dem Fach Deutsch. Geplant hatte er, entweder den Gedichte-Vergleich zu machen oder eine Interpretation. Die Gedichte wurden dann doch von ihm aussortiert (eines war von Georg Takl), und stattdessen gab es einen Text von Christoph Meckel („Auf der Felsenkuppe“ ) zu interpretieren. Zu diesem Text findet man auch Lehrermaterial im Internet, denn offenbar war er schon 2004 Inhalt des Deutschabis im Leistungskurs Deutsch. Ich liebe die Gedichte von Christoph Meckel, aber aus Datenschutzgründen kann ich hier keines zitieren, habe jedoch eiine Seite gefunden die das offenbar darf, hier der link zu einem Gedicht von Christoph Meckel, das sich absolut passend anfühlt für mich, für heute:

Chritsoph Meckel DIESER TAG

Es herrscht auf jeden Fall Ausnahmezustand bei uns, das gesunde Essen wird noch gesünder, die Luft vibriert und ich tauche immer wieder ein in Erinnerungen und Bilder, die unkontrolliert prlötzlich aufsteigen. Bei mir ist es 36 Jahre her aber dennoch sind viele Bilder aus der Zeit sehr präsent. Das Abitur ist doch ein Quantensprung, eine Kerbe im Lebenslineal, die tiefer ist als manche andere. Und die Aussicht, die Schule (für´s erste zumindest) hinter sich zu lassen, berauscht nicht nur den Sohn sondern auch mich, ich gebe es zu, Nie wieder Rücksicht nehmen müssen auf die SCHULFERIEN – wie großartig!

Passend dazu der Klassiker von Alice Cooper, in einer Version mit Lyrics. Enjoy!

 

abc Etüden KW 17.17 und wenn sie nicht gestorben sind….

KW 17.17 Klappe – die zweite! Für alle, die jetzt erst lesen empfehle ich auf den vorigen post zu gehen und diesen hier danach zu lesen….

Safranstaubkussspuren
Knospenkollisionskurs
Irisreinkarnationslied

sind die 3 Wörter der Wortspende von Frau Käthe Knobloch, in 10 Sätzen zu verarbeiten zu einer Geschichte. Grafik von Herrn Textstaub, der auch die Idee zu den abc-Etüden hatte. Host der Etüden ist Christiane.

Leopold, der Frosch, der einmal ein Prinz gewesen war, träumte.

Nach wochenlangem Gehopse war er endlich bei seinem Schloss angekommen und saß nun seit Wochen im schmutzigbraunen Wasser des Schlossgrabens fest.

Jede Fliege, die seine Zunge schnappte, schmeckte nach Safranstaubkussspuren und die Tiere um ihn herum stimmten das Irisreinkarnationslied an, wenn sie ihn sahen.

In seinen Träumen war er jedoch immer noch der stolze Prinz, der jagte, fischte und die Schönen seines Reichs mit seinem Charme betörte.

Er mied alles, was nur entfernt nach Blume aussah, denn er wollte nie wieder auf Knospenkollissionskurs mit einer Blumenelfe gehen.

Deshalb hockte er auch nicht auf einem Seerosenblatt in seinem Schlossteich sondern im brackigen Schlamm des Wassergrabens.

Er schlief, wann immer es ging, denn er hoffte dass ihm, wie es in Märchen üblich war, die erlösende Antwort, der befreiende Zauberspruch, im Traum geschenkt würde.

Sieben Winter und sieben Sommer zogen an Leopold vorbei bis er endlich den Traum, den er so sehr ersehnte, träumte.

„Geh ins Nachbarreich,“ sagte eine Stimme, die ihm auch im Traum einen Schauer den glitschigen Rücken hinunterjagte, „ setze dich in den Schlossteich und warte auf die goldene Kugel der Königstochter!“

Leopold hatte keine Ahnung, was das nun wieder zu bedeuten hatte, aber er machte sich sofort auf den Weg.

abc Etüden KW 17.17 Es war einmal….

Immer wieder Sonntags….kommen die inspirierenden Worte für die abc Etüden. Eine Idee von Herrn Textstaub, jetzt gehostet von Christiane

Die 3 Wörter der Wortspende sollen in meaximal 10 Sätzen in eine Geschichte verpackt werden – das sind die Bedingungen. Diese Woche kam die Wortspende von bittemito 

Safranstaubkussspuren
Knospenkollisionskurs
Irisreinkarnationslied

die super schöne Grafik dazu wie immer von lz.

Prinz Leopold war zu weit gegangen als er im Feenwald mit  der Elfenprinzessin auf Knospenkollissionskurs gegangen war.

Er war ihr durch schillernde Blütenwälder und Gärten voll duftender Rosenblüten gefolgt  bis hinein in das allergeheimste Kräuterlabyrinth.

Kaum hatte der Prinz gewagt zu atmen, als er, hinter einem riesigen Basilikumstrauch verborgen, die zarte Gestalt entdeckt hatte.

Die Fee leuchtete in flirrendem himmelblaurosa und schien durch den geheimen Garten zu schweben, während sie die zarten Griffel der Krokusse in einen  Korb aus geflochtenem Gold sammelte.

Leopold überraschte sie, sprang aus seinem Versteck und drückte seine Lippen auf ihren duftenden Knospenmund.

Noch Stunden später spürte er die Safranstaubkussspuren und in seinen Ohren dröhnte das Irisreinkarnationlied, das der ganze Wald angestimmt hatte um die Prinzessin zu schützen.

Jeder Grashalm, jede Blüte, die Blätter an Bäumen und Sträuchern, Vögel und Bienen, alles was lebte stimmte ein in diese Kakophonie aus Klängen.

Leopold hielt sich die Ohren zu und flüchtete, stolperte,  rannte um sein Leben um endlich nach Stunden den Rand des Waldes zu erreichen.

Er trat aus dem Feenwald hinaus in das goldene Licht der untergehenden Sonne der menschlichen Welt als ihn ein stechender Schmerz durchfuhr und ein Schrei sich den Weg aus seinen Lungen in die Abendluft bahnte: QUAAAAAAAK !

abc Etüden KW 16-17: Wetterbericht aus der Wortwabe

Da will ich mich eigentlich gleich wieder ins Bett legen, je länger ich aus dem Fenster schaue desto schlechter gehts mir irgendwie. Fühle ich nicht eine Erkältung heraufziehen? Meine Nase läuft und erschöpft bin ich auch…von Frühlingsgefühlen spüre ich NICHTS mehr. Das ist doch eher der Leichenschmaus des Winters, der, statt sich selbst endlich zu Grabe zu tragen, dem Frühling den Garaus machen will. Der Himmel sieht aus wie ein alter Duschvorhang und meine Tulpen frieren unter diesem weißen Zwangsjäckchen aus Schnee. Im Kamin prasselt ein Feuer mit dem letzten übrigen Holz und ich trinke heißen Tee. Meine Motivationskurve ist keine Kurve mehr sondern eine Steilwand in den Abgrund, gegen Null. Vielleicht sollte ich auch mal zum Jammerlappen mutieren und wegen Wetterfühligkeit heute mein Lager auf der Couch am Kamin aufschlagen. Dieses ewige „was-uns-nicht-umbringt-macht-uns-nur-härter-“ – gedöns ist auf die Dauer echt anstrengend.

18.04. schnee aud Tulpen18.04. schnee

Die abc Etüden https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/04/16/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-16-17-wortspende-von-ruhrkoepfe/abc Etüden

sind diese Woche wie ein Ohrwurm, den ich nicht mehr aus dem Kopf bekomme. Aber wenigstens eine Geschichte ohne Leiche, quasi eher ein Bericht in Echtzeit, fast schon livestream.

Frühling!!!! Hallo!!! Hörst du  mich???? Wo bleibt dein blaues Band?!?!?

abc Etüden KW 16-17 Schrei doch!

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https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/04/16/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-16-17-wortspende-von-ruhrkoepfe/abc etüden

noch einer 🙂

Als sie aus dem Kellerloch herauskroch fiel ihr Blick auf die Häuserzeile gegenüber.

Wie bei einer aufgeklappten Puppenstube konnte sie in die Wohnungen hineinsehen, ein mit roten Punkten bedruckter Duschvorhang flappte im Wind hin und her.

Sie erinnerte sich an den letzten Abend, den warmen Wind, den Duft von Hyazinthen, das leuchtende Rot der Tulpen und das Gold der Narzissen im Garten.

Sie hatten getanzt, ihre Locken waren geflogen, Toni hatte sie geneckt : “Sind das Frühlingsgefühle, Ida?“ und sie hatte gelacht.

Gestern noch, gestern hatten sie noch getanzt.

„Ist das dein Leichenschmaus, Gott? Hast du nicht endlich genug?“ schrie sie in den wolkenlosen Himmel.

„Ida!“ die Stimme ihrer Mutter schallte gellend über den Platz.

„Ida!“, jetzt überschlug sie sich mit einem keifenden Quieken, „bleib stehen, Ida!“.

Doch Ida trottete weiter, mit hängenden Schultern, und kickte eine leere Getränkedose weg, die mit blechernem Ton gegen eine halbeingestürzte Hauswand knallte.

„Ida!“ die Mutter schrie wieder,“ wie oft habe ich dir schon gesagt, du sollst dich nicht zwischen den Abruchhäusern herumtreiben!“

Balladenmontag

Christiane von 365tageasatzaday.wordpress.com hat den  Balladenmontag

ausgerufen. Da ich ja bekanntermaßen quasi die erste Vorsitzende des Balladenfanclubs bin, hier mein Beitrag für diese Woche, einmal in Textform und dann auch als Song interpretiert von dem von mir sehr sehr verehrten Klaus Hoffmann.

blog_goes_balladeBalladentag

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/04/13/aufruf-ostermontag-ist-balladentag/

Bertolt Brecht

Ballade von den Seeräubern

Von Branntwein toll und Finsternissen!
Von unerhörten Güssen naß!
Vom Frost eiskalter Nacht zerrissen!
Im Mastkorb, von Gesichten blaß!
Von Sonne nackt gebrannt und krank!
(Die hatten sie im Winter lieb)
Aus Hunger, Fieber und Gestank
Sang alles, was noch übrig blieb:
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!
Kein Weizenfeld mit milden Winden
Selbst keine Schenke mit Musik
Kein Tanz mit Weibern und Absinthen
Kein Kartenspiel hielt sie zurück.
Sie hatten vor dem Knall das Zanken
Vor Mitternacht die Weiber satt:
Sie lieben nur verfaulte Planken
Ihr Schiff, das keine Heimat hat.
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Mit seinen Ratten, seinen Löchern
Mit seiner Pest, mit Haut und Haar
Sie fluchten wüst darauf beim Bechern
Und liebten es, so wie es war.
Sie knoten sich mit ihren Haaren
Im Sturm in seinem Mastwerk fest:
Sie würden nur zum Himmel fahren
Wenn man dort Schiffe fahren läßt.
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Sie häufen Seide, schöne Steine
Und Gold in ihr verfaultes Holz
Sie sind auf die geraubten Weine
In ihren wüsten Mägen stolz.
Um dürren Leib riecht toter Dschunken
Seide glühbunt nach Prozession
Doch sie zerstechen sich betrunken
Im Zank um einen Lampion.
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Sie morden kalt und ohne Hassen
Was ihnen in die Zähne springt
Sie würgen Gurgeln so gelassen
Wie man ein Tau ins Mastwerk schlingt.
Sie trinken Sprit bei Leichenwachen
Nachts torkeln trunken sie in See
Und die, die übrig bleiben, lachen
Und winken mit der kleinen Zeh:
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Vor violetten Horizonten
Still unter bleichem Mond im Eis
Bei schwarzer Nacht in Frühjahrsmonden
Wo keiner von dem andern weiß
Sie lauern wolfgleich in den Sparren
Und treiben funkeläugig Mord
Und singen um nicht zu erstarren
Wie Kinder, trommelnd im Abort:
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Sie tragen ihren Bauch zum Fressen
Auf fremde Schiffe wie nach Haus
Und strecken selig im Vergessen
Ihn auf die fremden Frauen aus.
Sie leben schön wie noble Tiere
Im weichen Wind, im trunknen Blau!
Und oft besteigen sieben Stiere
Eine geraubte fremde Frau
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Wenn man viel Tanz in müden Beinen
Und Sprit in satten Bäuchen hat
Mag Mond und zugleich Sonne scheinen:
Man hat Gesang und Messer satt.
Die hellen Sternennächte schaukeln
Sie mit Musik in süße Ruh
Und mit geblähten Segeln gaukeln
Sie unbekannten Meeren zu.
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Doch eines Abends im Aprile
Der keine Sterne für sie hat
Hat sie das Meer in aller Stille
Auf einmal plötzlich selber satt.
Der große Himmel, den sie lieben
Hüllt still in Rauch die Sternensicht
Und die geliebten Winde schieben
Die Wolken in das milde Licht.
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Der leichte Wind des Mittags fächelt
Sie anfangs spielend in die Nacht
Und der Azur des Abends lächelt
Noch einmal über schwarzem Schacht.
Sie fühlen noch, wie voll Erbarmen
Das Meer mit ihnen heute wacht
Dann nimmt der Wind sie in die Arme
Und tötet sie vor Mitternacht.
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Noch einmal schmeißt die letzte Welle
Zum Himmel das verfluchte Schiff
Und da, in ihrer letzten Helle
Erkennen sie das große Riff.
Und ganz zuletzt in höchsten Masten
War es, weil Sturm so gar laut schrie
Als ob sie, die zur Hölle rasten
Noch einmal sangen, laut wie nie:
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

 

abc Etüden KW 16-17

Es geht weiter bei den abc etüden, gehostet von der wunderbaren Christiane

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/04/16/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-16-17-wortspende-von-ruhrkoepfe/comment-page-1/#comment-14866

mit der Wortspende von Annette von ruhrkoepfe.wordpress.com,  wie immer künstlerisch unterstützt von Herrn Textstaub, der uns jede Woche die schönen Grafiken schenkt und die abc Etüden ins Leben gerufen hat.

„Ich hätte mal besser auf Maria gehört“, dachte Ines und schob den Duschvorhang so schwungvoll zur Seite, dass er sich aus zwei Ringen löste.

Den meisten ihrer Freunde half bei Frust ein Glas Wein oder ein Schnaps, ihr half nur eine heiße Dusche.

„Keine Projektionen, Ines!“ hatte Maria sie gewarnt.

Der Abend war so quälend langsam vergangen, ein Leichenschmaus wäre vermutlich im Vergleich dazu eine Party gewesen.

Sie hatten sich nichts, aber auch gar nichts zu sagen gehabt.

Und warum in aller Welt war es erlaubt, Fotos in das eigene Profil zu stellen, die mindestens zehn Jahre alt waren?

Sie war zu gut erzogen um einfach auf der Stelle umzudrehen und zu verschwinden, sie hatte es ausgesessen, ihren Wein getrunken und sich nach dem Espresso höflich bedankt.

Ines war so wütend auf sich selbst, dass sie während des gesamten Heimwegs auf das Lenkrad hämmerte und „Mist Mist Mist“ brüllte.

Die Sonne war schuld, und der Frühling, Gefühlsduselei elendige.

Mit solchen Frühlingsgefühlen zu einem blind date zu gehen war wirklich eine Schnapsidee gewesen.

abc Etüden KW 15

dieses Mal urlaubsbedingt mit Verspätung 🙂

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/04/09/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-15-17-wortspende-von-wortwabe/

 

Die Treppenstufen waren bezogen mit mohnrotem Velours, der jeden Schritt verschluckte.

Sie schritt langsam Stufe um Stufe hinunter und  tauchte ein in die Lobby, in das flirrende Stimmengewirr und Geschirrgeklapper eines belebten Samstagnachmittags.

Niemand beachtete sie, als sie den Gang entlang zu der mächtigen Drehtür ging, es schien, als ob sie sich unsichtbar gemacht hätte.

Nur ein unauffälliger Herr in grauem Anzug, der in einem großen Sessel hinter seiner aufgeschlagenen Tageszeitung fast verschwand, ließ diese sinken und sah ihr nach.

Während sie ruhig Richtung Ausgang ging, legte er die Zeitung zur Seite, erhob sich und ging der jungen Frau nach.

Sie hatte die Hände in den Taschen ihres Mantels versenkt und an ihrem rechten Ellenbogen hing eine Hermes-Kelly-bag, aus der sie, ohne stehenzubleiben oder gar einen Blick in die Tasche zu werfen, eine große runde Sonnenbrille hervorzog und aufsetzte.

Jetzt würde sie sich in das kleine Café an der Piazza setzen, einen Milchkaffee trinken und solange sitzen bleiben, bis ihr Herz endlich wieder seinen normalen Rhythmus gefunden hatte.

In ihren Manteltaschen spürte sie das kalte Metall und lächelnd fasste sie an den Messinggriff der Drehtür, als sich eine Hand auf ihre Schulter legte und sie festhielt.

Der graugekleidete Mann beugte seinen Kopf zu ihrem Ohr und flüsterte „Komm!“, sie erstarrte mitten in der Bewegung und ließ sich widerstrebend von ihm zurück in die Halle ziehen.

„Komm mit du kleine Diebin“, sagte er.

 

abc Etüden KW 14 Relativitätstheorie

auf den letzten Drücker, aber ich bin dabei, auch in KW 14 und die Worte, die Herrn Textstaubs abc Etüden beflügeln, kommen diese Woche von mickzwo (Alles mit Links.)

Danke an lz http://www.textstaub.wordpress.com für die wieder einmal wunderschönen Grafiken, ich habe mir die hier ausgesucht:

„Ich muss mich da durch friemeln“, dachte sie. Irgendwo in ihrem Magen klumpte sich Panik zusammen. Sie sezierte dieses Gefühl und es fühlte sich an wie öliger Sirup, der sich mehr und mehr in ihrem Inneren ausbreitete. Aus Gewohnheit kaute sie auf dem Fingernagel ihres rechten kleinen Fingers herum, es war nur der eine, der abgekaut wurde, schon immer, und sie hätte nicht sagen können, warum. Ihre Beine fühlten sich an wie Pudding, ein Glück, dass sie sitzen konnte, hätte sie stehen müssen wäre sie einfach umgefallen. Sie drehte das Blatt, das vor ihr auf dem Tisch lag, zum wiederholten Mal von links nach rechts, aber die Buchstaben und Zahlen darauf sagten ihr immer noch nichts. Ihre Uhr lag auf dem Tisch und der Zeiger rückte ungerührt weiter, obwohl sie der Zeit befohlen hatte, stehenzubleiben. Das war ihre private Meinung zur Relativitätstheorie, die Zeit vergeht für jeden unterschiedlich langsam oder schnell. Gäbe es diese tickenden Metallklumpen nicht, dann wäre das auch alles viel einfacher, dann wäre es zwölf Uhr wenn es sich für sie nach zwölf Uhr anfühlte. Aber das zählte hier nicht, es blieben ihr jetzt nur noch genau 41 Minuten bis zur Abgabe der Matheklausur.

 

3 Worte, 10 Sätze und unvergessene Erinnerungen an gruselige Mathe-, Physik- oder Chemiearbeiten…inspieriert bin ich sicher durch das bevorstehende Abi meines Sohns, das am 24. April mit Deutsch beginnt. Das wird er, ganz die Mama, mit links machen – aber ich beneide ihn nicht um die Matheprüfung!

abc Etüden/ KW 13

woher die Geschichte kam, weiß ich nicht. Sie war halt plötzlich da, wie so oft. Manchmal habe ich das Gefühl, irgendwo ist ein Brunnen, in dem die Geschichten lagern und wenn die die Zeit da ist, dann steigen sie nach oben…..die Wortgeschenke von Herrn Textstaubs abc Etüden scheinen so etwas wie ein Katalysator zu sein.

http://www.textstaub.wordpress.com

Diese Woche kam das Geschenk von Frau Dergl:

Sie drehte sich nicht um, als sie die Grenze passierten, sie hatte noch kein einziges Mal zurückgeschaut.

Diese Reise erschien ihr wie ein Fluss, es gab nur eine Richtung und es gab kein Zurück.

Sie ließ die Frage, die sie seit Wochen vor sich selbst versteckte, in den milchweißen Himmel aufsteigen.

`Werde ich jetzt frei sein?`

Man reichte ihr eine Flasche, das Wasser war abgestanden und schmeckte nach Rost.

„Die Luft riecht nach Schnee“ , sagte jemand neben ihr.

Sie dachte an ihren Vater, der ihr seinen alten Mantel beim Abschied aufgedrängt hatte.

„Du wirst ihn brauchen“, hatte er gesagt.

„Es ist so deutsch in Kaltland.“

abc Etüden/ Zaunkönig

dieser Beitrag ist von meinem 17 – jährigen Sohn, der meine Etüden mitverfolgt und sich jetzt auch mal daran beteiligen wollte. Hier seine kurze Geschichte mit 3 Worten und 10 Sätzen. das Wortgeschenk der Woche 17 von Herrn Textstaubs Blog:

https://textstaub.wordpress.com/2017/03/19/micronouvelles-einladung-txtprojekt-3-worte-10-saetze-aktuell-by-findesatz/

ZAUNKÖNIG

Es wurde schon hell als die Männer in Uniformen sie stoppten und nach ihren Papieren fragten. Das Mädchen presste ihre Hand, in welcher sie eine orange-gelbe Murmel hielt, so stark sie konnte zusammen. Diese Stück Kindheit war neben einer verblassten Fotografie alles an Habseligkeit was sie von ihrem Zuhause und ihrer Heimat noch bei sich trug. Sie zitterte und ihr Blick war wie vereist , stumm auf den kargen Untergrund gerichtet.

Einige Stunden später legte sich eine dünne Schneeschicht über eine Kugel aus Glas in der Größe eines Kirschkerns , welche sich unter der hoch stehenden Mittagsonne purpurrot zu färben schien. Über den schwachen Umrissen von Fußabdrücken, deren Spur sich an einem Punkt in der Weite verlor, sang ein Zaunkönig, sein Kopf war geneigt.

Sein Gesang klang wie ein schallendes Lachen, als amüsierte ihn diese Geschichte. Niemand bemerkte den Regenbogen am Horizont.

von Benedict

abc Etuden/ Ping – Pong

neue Woche neue Worte. Herr Textstaub lädt wieder ein, dieses Mal mit einer Wortgabe von findesatz:, Marion Beyers-Reuber

Das Sprichwort „ein Wort gibt das andere“ sagt ja schon viel aus. Wörtlich interpretiert passt es ja wunderbar zu Herrn Textstaubs Idee der „Wortgabe“ für die abc-Etüden. Im wahren Leben produziert dieses Ping-Pong mit Worten oft Mißverständnisse und Streit. Aus dieser Idee entstand meine Etüde für diese Woche.

„Hast du schon einmal über das Wort „Habseligkeiten“ nachgedacht?“

„Nö, warum – hast du einen an der Murmel?“

„Nein, Idiot, ich finde das Wort eben interessant.   „Hab-Seligkeiten“,  `ich habe meine Seligkeiten` sozusagen. Macht also das Haben selig?“

„Mann Mann Mann – ist heute Tag der Philosophie oder was? Dann frage ich jetzt mal was: Ist der Zaunkönig der König des Zauns?“

„Du nimmst mich nicht ernst, das ist mal wieder typisch.“

„Oha, Madame ist wieder empfindlich – hast du eine Ahnung wie sehr das nervt?“

„Weißt du was – hau doch einfach ab und lass mich in Ruhe!“