abc Etüden KW 17.17 und wenn sie nicht gestorben sind….

KW 17.17 Klappe – die zweite! Für alle, die jetzt erst lesen empfehle ich auf den vorigen post zu gehen und diesen hier danach zu lesen….

Safranstaubkussspuren
Knospenkollisionskurs
Irisreinkarnationslied

sind die 3 Wörter der Wortspende von Frau Käthe Knobloch, in 10 Sätzen zu verarbeiten zu einer Geschichte. Grafik von Herrn Textstaub, der auch die Idee zu den abc-Etüden hatte. Host der Etüden ist Christiane.

Leopold, der Frosch, der einmal ein Prinz gewesen war, träumte.

Nach wochenlangem Gehopse war er endlich bei seinem Schloss angekommen und saß nun seit Wochen im schmutzigbraunen Wasser des Schlossgrabens fest.

Jede Fliege, die seine Zunge schnappte, schmeckte nach Safranstaubkussspuren und die Tiere um ihn herum stimmten das Irisreinkarnationslied an, wenn sie ihn sahen.

In seinen Träumen war er jedoch immer noch der stolze Prinz, der jagte, fischte und die Schönen seines Reichs mit seinem Charme betörte.

Er mied alles, was nur entfernt nach Blume aussah, denn er wollte nie wieder auf Knospenkollissionskurs mit einer Blumenelfe gehen.

Deshalb hockte er auch nicht auf einem Seerosenblatt in seinem Schlossteich sondern im brackigen Schlamm des Wassergrabens.

Er schlief, wann immer es ging, denn er hoffte dass ihm, wie es in Märchen üblich war, die erlösende Antwort, der befreiende Zauberspruch, im Traum geschenkt würde.

Sieben Winter und sieben Sommer zogen an Leopold vorbei bis er endlich den Traum, den er so sehr ersehnte, träumte.

„Geh ins Nachbarreich,“ sagte eine Stimme, die ihm auch im Traum einen Schauer den glitschigen Rücken hinunterjagte, „ setze dich in den Schlossteich und warte auf die goldene Kugel der Königstochter!“

Leopold hatte keine Ahnung, was das nun wieder zu bedeuten hatte, aber er machte sich sofort auf den Weg.

abc Etüden KW 17.17 Es war einmal….

Immer wieder Sonntags….kommen die inspirierenden Worte für die abc Etüden. Eine Idee von Herrn Textstaub, jetzt gehostet von Christiane

Die 3 Wörter der Wortspende sollen in meaximal 10 Sätzen in eine Geschichte verpackt werden – das sind die Bedingungen. Diese Woche kam die Wortspende von bittemito 

Safranstaubkussspuren
Knospenkollisionskurs
Irisreinkarnationslied

die super schöne Grafik dazu wie immer von lz.

Prinz Leopold war zu weit gegangen als er im Feenwald mit  der Elfenprinzessin auf Knospenkollissionskurs gegangen war.

Er war ihr durch schillernde Blütenwälder und Gärten voll duftender Rosenblüten gefolgt  bis hinein in das allergeheimste Kräuterlabyrinth.

Kaum hatte der Prinz gewagt zu atmen, als er, hinter einem riesigen Basilikumstrauch verborgen, die zarte Gestalt entdeckt hatte.

Die Fee leuchtete in flirrendem himmelblaurosa und schien durch den geheimen Garten zu schweben, während sie die zarten Griffel der Krokusse in einen  Korb aus geflochtenem Gold sammelte.

Leopold überraschte sie, sprang aus seinem Versteck und drückte seine Lippen auf ihren duftenden Knospenmund.

Noch Stunden später spürte er die Safranstaubkussspuren und in seinen Ohren dröhnte das Irisreinkarnationlied, das der ganze Wald angestimmt hatte um die Prinzessin zu schützen.

Jeder Grashalm, jede Blüte, die Blätter an Bäumen und Sträuchern, Vögel und Bienen, alles was lebte stimmte ein in diese Kakophonie aus Klängen.

Leopold hielt sich die Ohren zu und flüchtete, stolperte,  rannte um sein Leben um endlich nach Stunden den Rand des Waldes zu erreichen.

Er trat aus dem Feenwald hinaus in das goldene Licht der untergehenden Sonne der menschlichen Welt als ihn ein stechender Schmerz durchfuhr und ein Schrei sich den Weg aus seinen Lungen in die Abendluft bahnte: QUAAAAAAAK !

abc Etüden KW 16-17: Wetterbericht aus der Wortwabe

Da will ich mich eigentlich gleich wieder ins Bett legen, je länger ich aus dem Fenster schaue desto schlechter gehts mir irgendwie. Fühle ich nicht eine Erkältung heraufziehen? Meine Nase läuft und erschöpft bin ich auch…von Frühlingsgefühlen spüre ich NICHTS mehr. Das ist doch eher der Leichenschmaus des Winters, der, statt sich selbst endlich zu Grabe zu tragen, dem Frühling den Garaus machen will. Der Himmel sieht aus wie ein alter Duschvorhang und meine Tulpen frieren unter diesem weißen Zwangsjäckchen aus Schnee. Im Kamin prasselt ein Feuer mit dem letzten übrigen Holz und ich trinke heißen Tee. Meine Motivationskurve ist keine Kurve mehr sondern eine Steilwand in den Abgrund, gegen Null. Vielleicht sollte ich auch mal zum Jammerlappen mutieren und wegen Wetterfühligkeit heute mein Lager auf der Couch am Kamin aufschlagen. Dieses ewige „was-uns-nicht-umbringt-macht-uns-nur-härter-“ – gedöns ist auf die Dauer echt anstrengend.

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Die abc Etüden https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/04/16/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-16-17-wortspende-von-ruhrkoepfe/abc Etüden

sind diese Woche wie ein Ohrwurm, den ich nicht mehr aus dem Kopf bekomme. Aber wenigstens eine Geschichte ohne Leiche, quasi eher ein Bericht in Echtzeit, fast schon livestream.

Frühling!!!! Hallo!!! Hörst du  mich???? Wo bleibt dein blaues Band?!?!?

abc Etüden KW 16-17 Schrei doch!

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https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/04/16/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-16-17-wortspende-von-ruhrkoepfe/abc etüden

noch einer 🙂

Als sie aus dem Kellerloch herauskroch fiel ihr Blick auf die Häuserzeile gegenüber.

Wie bei einer aufgeklappten Puppenstube konnte sie in die Wohnungen hineinsehen, ein mit roten Punkten bedruckter Duschvorhang flappte im Wind hin und her.

Sie erinnerte sich an den letzten Abend, den warmen Wind, den Duft von Hyazinthen, das leuchtende Rot der Tulpen und das Gold der Narzissen im Garten.

Sie hatten getanzt, ihre Locken waren geflogen, Toni hatte sie geneckt : “Sind das Frühlingsgefühle, Ida?“ und sie hatte gelacht.

Gestern noch, gestern hatten sie noch getanzt.

„Ist das dein Leichenschmaus, Gott? Hast du nicht endlich genug?“ schrie sie in den wolkenlosen Himmel.

„Ida!“ die Stimme ihrer Mutter schallte gellend über den Platz.

„Ida!“, jetzt überschlug sie sich mit einem keifenden Quieken, „bleib stehen, Ida!“.

Doch Ida trottete weiter, mit hängenden Schultern, und kickte eine leere Getränkedose weg, die mit blechernem Ton gegen eine halbeingestürzte Hauswand knallte.

„Ida!“ die Mutter schrie wieder,“ wie oft habe ich dir schon gesagt, du sollst dich nicht zwischen den Abruchhäusern herumtreiben!“

Balladenmontag

Christiane von 365tageasatzaday.wordpress.com hat den  Balladenmontag

ausgerufen. Da ich ja bekanntermaßen quasi die erste Vorsitzende des Balladenfanclubs bin, hier mein Beitrag für diese Woche, einmal in Textform und dann auch als Song interpretiert von dem von mir sehr sehr verehrten Klaus Hoffmann.

blog_goes_balladeBalladentag

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/04/13/aufruf-ostermontag-ist-balladentag/

Bertolt Brecht

Ballade von den Seeräubern

Von Branntwein toll und Finsternissen!
Von unerhörten Güssen naß!
Vom Frost eiskalter Nacht zerrissen!
Im Mastkorb, von Gesichten blaß!
Von Sonne nackt gebrannt und krank!
(Die hatten sie im Winter lieb)
Aus Hunger, Fieber und Gestank
Sang alles, was noch übrig blieb:
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!
Kein Weizenfeld mit milden Winden
Selbst keine Schenke mit Musik
Kein Tanz mit Weibern und Absinthen
Kein Kartenspiel hielt sie zurück.
Sie hatten vor dem Knall das Zanken
Vor Mitternacht die Weiber satt:
Sie lieben nur verfaulte Planken
Ihr Schiff, das keine Heimat hat.
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Mit seinen Ratten, seinen Löchern
Mit seiner Pest, mit Haut und Haar
Sie fluchten wüst darauf beim Bechern
Und liebten es, so wie es war.
Sie knoten sich mit ihren Haaren
Im Sturm in seinem Mastwerk fest:
Sie würden nur zum Himmel fahren
Wenn man dort Schiffe fahren läßt.
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Sie häufen Seide, schöne Steine
Und Gold in ihr verfaultes Holz
Sie sind auf die geraubten Weine
In ihren wüsten Mägen stolz.
Um dürren Leib riecht toter Dschunken
Seide glühbunt nach Prozession
Doch sie zerstechen sich betrunken
Im Zank um einen Lampion.
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Sie morden kalt und ohne Hassen
Was ihnen in die Zähne springt
Sie würgen Gurgeln so gelassen
Wie man ein Tau ins Mastwerk schlingt.
Sie trinken Sprit bei Leichenwachen
Nachts torkeln trunken sie in See
Und die, die übrig bleiben, lachen
Und winken mit der kleinen Zeh:
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Vor violetten Horizonten
Still unter bleichem Mond im Eis
Bei schwarzer Nacht in Frühjahrsmonden
Wo keiner von dem andern weiß
Sie lauern wolfgleich in den Sparren
Und treiben funkeläugig Mord
Und singen um nicht zu erstarren
Wie Kinder, trommelnd im Abort:
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Sie tragen ihren Bauch zum Fressen
Auf fremde Schiffe wie nach Haus
Und strecken selig im Vergessen
Ihn auf die fremden Frauen aus.
Sie leben schön wie noble Tiere
Im weichen Wind, im trunknen Blau!
Und oft besteigen sieben Stiere
Eine geraubte fremde Frau
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Wenn man viel Tanz in müden Beinen
Und Sprit in satten Bäuchen hat
Mag Mond und zugleich Sonne scheinen:
Man hat Gesang und Messer satt.
Die hellen Sternennächte schaukeln
Sie mit Musik in süße Ruh
Und mit geblähten Segeln gaukeln
Sie unbekannten Meeren zu.
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Doch eines Abends im Aprile
Der keine Sterne für sie hat
Hat sie das Meer in aller Stille
Auf einmal plötzlich selber satt.
Der große Himmel, den sie lieben
Hüllt still in Rauch die Sternensicht
Und die geliebten Winde schieben
Die Wolken in das milde Licht.
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Der leichte Wind des Mittags fächelt
Sie anfangs spielend in die Nacht
Und der Azur des Abends lächelt
Noch einmal über schwarzem Schacht.
Sie fühlen noch, wie voll Erbarmen
Das Meer mit ihnen heute wacht
Dann nimmt der Wind sie in die Arme
Und tötet sie vor Mitternacht.
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Noch einmal schmeißt die letzte Welle
Zum Himmel das verfluchte Schiff
Und da, in ihrer letzten Helle
Erkennen sie das große Riff.
Und ganz zuletzt in höchsten Masten
War es, weil Sturm so gar laut schrie
Als ob sie, die zur Hölle rasten
Noch einmal sangen, laut wie nie:
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

 

abc Etüden KW 16-17

Es geht weiter bei den abc etüden, gehostet von der wunderbaren Christiane

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/04/16/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-16-17-wortspende-von-ruhrkoepfe/comment-page-1/#comment-14866

mit der Wortspende von Annette von ruhrkoepfe.wordpress.com,  wie immer künstlerisch unterstützt von Herrn Textstaub, der uns jede Woche die schönen Grafiken schenkt und die abc Etüden ins Leben gerufen hat.

„Ich hätte mal besser auf Maria gehört“, dachte Ines und schob den Duschvorhang so schwungvoll zur Seite, dass er sich aus zwei Ringen löste.

Den meisten ihrer Freunde half bei Frust ein Glas Wein oder ein Schnaps, ihr half nur eine heiße Dusche.

„Keine Projektionen, Ines!“ hatte Maria sie gewarnt.

Der Abend war so quälend langsam vergangen, ein Leichenschmaus wäre vermutlich im Vergleich dazu eine Party gewesen.

Sie hatten sich nichts, aber auch gar nichts zu sagen gehabt.

Und warum in aller Welt war es erlaubt, Fotos in das eigene Profil zu stellen, die mindestens zehn Jahre alt waren?

Sie war zu gut erzogen um einfach auf der Stelle umzudrehen und zu verschwinden, sie hatte es ausgesessen, ihren Wein getrunken und sich nach dem Espresso höflich bedankt.

Ines war so wütend auf sich selbst, dass sie während des gesamten Heimwegs auf das Lenkrad hämmerte und „Mist Mist Mist“ brüllte.

Die Sonne war schuld, und der Frühling, Gefühlsduselei elendige.

Mit solchen Frühlingsgefühlen zu einem blind date zu gehen war wirklich eine Schnapsidee gewesen.

abc Etüden KW 15

dieses Mal urlaubsbedingt mit Verspätung 🙂

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/04/09/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-15-17-wortspende-von-wortwabe/

 

Die Treppenstufen waren bezogen mit mohnrotem Velours, der jeden Schritt verschluckte.

Sie schritt langsam Stufe um Stufe hinunter und  tauchte ein in die Lobby, in das flirrende Stimmengewirr und Geschirrgeklapper eines belebten Samstagnachmittags.

Niemand beachtete sie, als sie den Gang entlang zu der mächtigen Drehtür ging, es schien, als ob sie sich unsichtbar gemacht hätte.

Nur ein unauffälliger Herr in grauem Anzug, der in einem großen Sessel hinter seiner aufgeschlagenen Tageszeitung fast verschwand, ließ diese sinken und sah ihr nach.

Während sie ruhig Richtung Ausgang ging, legte er die Zeitung zur Seite, erhob sich und ging der jungen Frau nach.

Sie hatte die Hände in den Taschen ihres Mantels versenkt und an ihrem rechten Ellenbogen hing eine Hermes-Kelly-bag, aus der sie, ohne stehenzubleiben oder gar einen Blick in die Tasche zu werfen, eine große runde Sonnenbrille hervorzog und aufsetzte.

Jetzt würde sie sich in das kleine Café an der Piazza setzen, einen Milchkaffee trinken und solange sitzen bleiben, bis ihr Herz endlich wieder seinen normalen Rhythmus gefunden hatte.

In ihren Manteltaschen spürte sie das kalte Metall und lächelnd fasste sie an den Messinggriff der Drehtür, als sich eine Hand auf ihre Schulter legte und sie festhielt.

Der graugekleidete Mann beugte seinen Kopf zu ihrem Ohr und flüsterte „Komm!“, sie erstarrte mitten in der Bewegung und ließ sich widerstrebend von ihm zurück in die Halle ziehen.

„Komm mit du kleine Diebin“, sagte er.

 

abc Etüden KW 14 Relativitätstheorie

auf den letzten Drücker, aber ich bin dabei, auch in KW 14 und die Worte, die Herrn Textstaubs abc Etüden beflügeln, kommen diese Woche von mickzwo (Alles mit Links.)

Danke an lz http://www.textstaub.wordpress.com für die wieder einmal wunderschönen Grafiken, ich habe mir die hier ausgesucht:

„Ich muss mich da durch friemeln“, dachte sie. Irgendwo in ihrem Magen klumpte sich Panik zusammen. Sie sezierte dieses Gefühl und es fühlte sich an wie öliger Sirup, der sich mehr und mehr in ihrem Inneren ausbreitete. Aus Gewohnheit kaute sie auf dem Fingernagel ihres rechten kleinen Fingers herum, es war nur der eine, der abgekaut wurde, schon immer, und sie hätte nicht sagen können, warum. Ihre Beine fühlten sich an wie Pudding, ein Glück, dass sie sitzen konnte, hätte sie stehen müssen wäre sie einfach umgefallen. Sie drehte das Blatt, das vor ihr auf dem Tisch lag, zum wiederholten Mal von links nach rechts, aber die Buchstaben und Zahlen darauf sagten ihr immer noch nichts. Ihre Uhr lag auf dem Tisch und der Zeiger rückte ungerührt weiter, obwohl sie der Zeit befohlen hatte, stehenzubleiben. Das war ihre private Meinung zur Relativitätstheorie, die Zeit vergeht für jeden unterschiedlich langsam oder schnell. Gäbe es diese tickenden Metallklumpen nicht, dann wäre das auch alles viel einfacher, dann wäre es zwölf Uhr wenn es sich für sie nach zwölf Uhr anfühlte. Aber das zählte hier nicht, es blieben ihr jetzt nur noch genau 41 Minuten bis zur Abgabe der Matheklausur.

 

3 Worte, 10 Sätze und unvergessene Erinnerungen an gruselige Mathe-, Physik- oder Chemiearbeiten…inspieriert bin ich sicher durch das bevorstehende Abi meines Sohns, das am 24. April mit Deutsch beginnt. Das wird er, ganz die Mama, mit links machen – aber ich beneide ihn nicht um die Matheprüfung!

abc Etüden/ KW 13

woher die Geschichte kam, weiß ich nicht. Sie war halt plötzlich da, wie so oft. Manchmal habe ich das Gefühl, irgendwo ist ein Brunnen, in dem die Geschichten lagern und wenn die die Zeit da ist, dann steigen sie nach oben…..die Wortgeschenke von Herrn Textstaubs abc Etüden scheinen so etwas wie ein Katalysator zu sein.

http://www.textstaub.wordpress.com

Diese Woche kam das Geschenk von Frau Dergl:

Sie drehte sich nicht um, als sie die Grenze passierten, sie hatte noch kein einziges Mal zurückgeschaut.

Diese Reise erschien ihr wie ein Fluss, es gab nur eine Richtung und es gab kein Zurück.

Sie ließ die Frage, die sie seit Wochen vor sich selbst versteckte, in den milchweißen Himmel aufsteigen.

`Werde ich jetzt frei sein?`

Man reichte ihr eine Flasche, das Wasser war abgestanden und schmeckte nach Rost.

„Die Luft riecht nach Schnee“ , sagte jemand neben ihr.

Sie dachte an ihren Vater, der ihr seinen alten Mantel beim Abschied aufgedrängt hatte.

„Du wirst ihn brauchen“, hatte er gesagt.

„Es ist so deutsch in Kaltland.“

abc Etüden/ Zaunkönig

dieser Beitrag ist von meinem 17 – jährigen Sohn, der meine Etüden mitverfolgt und sich jetzt auch mal daran beteiligen wollte. Hier seine kurze Geschichte mit 3 Worten und 10 Sätzen. das Wortgeschenk der Woche 17 von Herrn Textstaubs Blog:

https://textstaub.wordpress.com/2017/03/19/micronouvelles-einladung-txtprojekt-3-worte-10-saetze-aktuell-by-findesatz/

ZAUNKÖNIG

Es wurde schon hell als die Männer in Uniformen sie stoppten und nach ihren Papieren fragten. Das Mädchen presste ihre Hand, in welcher sie eine orange-gelbe Murmel hielt, so stark sie konnte zusammen. Diese Stück Kindheit war neben einer verblassten Fotografie alles an Habseligkeit was sie von ihrem Zuhause und ihrer Heimat noch bei sich trug. Sie zitterte und ihr Blick war wie vereist , stumm auf den kargen Untergrund gerichtet.

Einige Stunden später legte sich eine dünne Schneeschicht über eine Kugel aus Glas in der Größe eines Kirschkerns , welche sich unter der hoch stehenden Mittagsonne purpurrot zu färben schien. Über den schwachen Umrissen von Fußabdrücken, deren Spur sich an einem Punkt in der Weite verlor, sang ein Zaunkönig, sein Kopf war geneigt.

Sein Gesang klang wie ein schallendes Lachen, als amüsierte ihn diese Geschichte. Niemand bemerkte den Regenbogen am Horizont.

von Benedict

abc Etuden/ Ping – Pong

neue Woche neue Worte. Herr Textstaub lädt wieder ein, dieses Mal mit einer Wortgabe von findesatz:, Marion Beyers-Reuber

Das Sprichwort „ein Wort gibt das andere“ sagt ja schon viel aus. Wörtlich interpretiert passt es ja wunderbar zu Herrn Textstaubs Idee der „Wortgabe“ für die abc-Etüden. Im wahren Leben produziert dieses Ping-Pong mit Worten oft Mißverständnisse und Streit. Aus dieser Idee entstand meine Etüde für diese Woche.

„Hast du schon einmal über das Wort „Habseligkeiten“ nachgedacht?“

„Nö, warum – hast du einen an der Murmel?“

„Nein, Idiot, ich finde das Wort eben interessant.   „Hab-Seligkeiten“,  `ich habe meine Seligkeiten` sozusagen. Macht also das Haben selig?“

„Mann Mann Mann – ist heute Tag der Philosophie oder was? Dann frage ich jetzt mal was: Ist der Zaunkönig der König des Zauns?“

„Du nimmst mich nicht ernst, das ist mal wieder typisch.“

„Oha, Madame ist wieder empfindlich – hast du eine Ahnung wie sehr das nervt?“

„Weißt du was – hau doch einfach ab und lass mich in Ruhe!“

 

 

abc Etüden / rien de rien

Ein schönes Ritual sind sie mittlerweile, Herrn Textstaubs abc. Etüden. Diese Woche wurden die 3 inspirienden Worte gestiftet von Melanie Coupar, vielen Dank dafür!

https://textstaub.wordpress.com/2017/03/12/schreibeinladung-fuer-abc-etueden-fuer-die-textwoche-11-17-worte-by-melanie-coupar/

Hier meine Etüde:

Damals im Val D`Isère , auf viel zu niedrigen roten Kunstledersesseln an kleinen Resopaltischen, vor uns der riesige Teller auf einem Austerngestell, dicht an dicht belegt mit Austern – damals liebte ich ihn. Jedes Jahr im Frühling, wenn die erste Sonne die Menschen nach draußen lockt, fuhren wir nach Paris. Wir wohnten im Hotel California an der Rue de Berri und gingen am Abend die paar Schritte ins Val D`Isère, wo er seinen Stammplatz hatte und die Kellner ihn wie einen alten Freund begrüßten. Ich sah ihm zu wie er seine Austern schlürfte – das Geräusch macht mir heute Übelkeit, damals fand ich es weltmännisch und versuchte es ihm nachzumachen, schlürfte mit angehaltenem Atem die Auster und würgte sie hinunter. Ich fand es ekelhaft und erinnere mich genau, dass ich mir dachte, es sind nur Meeresfrüchte, so wie Muscheln, einfach nur Meeresfrüchte. An einem dieser Abende im Val d`Isère, als ich ihm beim Austernschlürfen zusah, fällte ich das Urteil über ihn, über mich und über mein Leben. Ich weiß nicht mehr genau, ob es nach Auster Nummer sieben oder Auster Nummer acht war, aber ich erinnere mich, dass ich ihn ansah und wusste, es geht nicht mehr. Ich nahm meine Tasche, entschuldigte mich und ließ ihn in dem Glauben, ich würde mir die Nase pudern gehen, am Tisch zurück. An der Garderobe nahm ich meinen Mantel in Empfang, trat auf die Straße, wandte mich nach links zur Champs Elysèe, stieg dort in das nächste freie Taxi und fuhr zum Charles De Gaulle.

Die Hängematte schaukelt an dem alten Olivenbaum, ich hole Bild um Bild um Bild aus meiner Erinnerung und summe leise vor mich hin – Non… rien de rien, Non… je ne regrette rien C’est payé, balayé, oublié Je me fous du passé…

 

Sicherlich auch beeinflußt durch den Einbruch in mein Haus am Freitag, habe ich diese Geschichte geschrieben, in der es auch darum geht, dass materielle Dinge nichts sind, solange man seine Würde behält und morgens in den Spiegel schauen kann.

Das „Hotel California“ hat eine spannende Geschichte, ich durfte auf geschäftlichen Reisen in den 90er Jahren häufig dort übernachten:

Roots in Hollywood

Hotel California has always played the trump card of the American West Coast and its easy living. This is because for many years, the effervescent Herald Tribune (which was first known as the New York Herald Tribune) was right across the street. The headquarters of the European edition of this American press giant was located at 15 Rue de Berri from 1930 to 1978.

Great American journalists, who were special envoys from New York or Los Angeles, gradually turned Rue de Berri into an essentially American street. When France was liberated, they found themselves at a ringside seat with an eye on the action. This was where the first American restaurants on the Champs-Elysées were founded, which obviously attracted the leading names of Hollywood cinema.

At the California Bar in the fifties, it was not unusual to cross the path of Hemingway, Orson Welles or Clark Gable; Elizabeth Taylor and Richard Burton were regular visitors. Hotel California was born officially on March 9, 1925, when the Princess of Polignac bought land located at 16 Rue de Berri. Pierre Bermond, the French pioneer of the luxury hotel industry, who also left his mark on the history of the Royal Monceau Hotel in Paris, the Ruhl in Nice and the Miramar in Biarritz, turned the hotel into a veritable palace. It immediately became famous with the arrival of the first American journalists. Stars were interviewed in their suites. There was a shopping area with a hairdressing salon on the underground floor.

Bustling activity that concerned newspapers, cinema and the United States focused on the California, which was long a beacon reflecting the lights of Hollywood.(Quelle:http://www.leshotelsduroy.com/en/hotel-california/your-hotel/hotel-california-paris-history)

Mein Haus

wortwabe

es ist still

so still

in meiner Straße

in dem Dorf das

mir verhasst ist

still ist´s

in dem Haus

das ich so liebe

alt und standhaft ist mein Haus

erzählt von jenen die

vor mir hier lebten  lachten

liebten, sangen, weinten

sich sehnten nach

Brot, nach Frieden, nach

Heimat

mein altes Haus ist still

es weiß

dass ich es liebe

mit all seinen Schwächen

dem morschen Dach den

dicken Mauern

steht es still mein Haus

und ich

ich suche die Spuren der Seelen

suche

die Ungeborenen,

suche die

die nach mir kommen

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Ursprünglichen Post anzeigen

das passiert doch nur den anderen….

heute bin ich echt in der Situation, dass ich was loswerden muss. Am liebsten würde ich mich auf die Straße stellen und meinen Frust hinausschreien…

 

Ich habe heute um etwa 9 Uhr das Haus verlassen.Es war ein Super Tag, ich habe heute tolle Kunden gehabt, der Tag war erfolgreich und einfach nur schön.

Auf dem Heimweg habe ich  mit einer Freundin telefoniert, alles war gut.

Wenn ich heimkomme, gehe ich erstmal drei Stufen runter zum Schuhschrank, Schuhe ausziehen, dann hoch in mein Schlafzimmer, umziehen. Yogahosen Kuschelpulli. Als ich in mein Schlafzimmer kam, traf mich der Schlag. Schranktüren offen, alles rausgerissen, alles lag auf dem Boden – erst hatte ich für eine Sekunde meinen Sohn im Verdacht, wobei ich mir nicht vorstellen konnte, was er da gesucht haben könnte und dass er so ein Chaos hinterlassen würde. Dann erst fiel mir auf, dass mein kleines Schmuckschränkchen offen und leer war. Es ist interessant, was dann im Körper passiert. Wie plötzlich der Herzschlag explodiert, tausend Gedanken sich überschlagen. Weh dem, der eine so blühende Fantasie hat wie ich. Schreiberschicksal? Ich sah irgendwelche fremden Leute in meinem Schlafzimmer rumwühlen, mein privatester Raum, in meinen Sachen rumkramen….

Benedict war nicht da, ich habe ihn nicht erreicht, dann versucht, ihn über seine Freundin zu erreichen. Er rief dann zurück und natürlich wusste er von nichts Während ich telefonierte ging ich in den Keller, einer Ahnung folgend und da stand ein Fenster offen. Einbrecher.

Der nächste Anruf ging zum Polizeinotruf. Dann meine Schwester  Ich brauchte dringend Beistand. Die Polizei kam und nahm alles auf. Bei der Untersuchung des Untergeschosses kam dann das ganze Desaster heraus. Ein Fenster wurde komplett herausgesrissen. Mein Schmuck fehlt komplett. Nicht dass ich mir Reichtümern gesegnet wäre. Aber es fehlen auch zwei Ringe, die ich von meinen Eltern habe, die wertvoll sind, aber auch hohen ideellen Wert haben. Zwei alte Münzen, die ich von meiner Oma bekommen habe, eine davon zum Abschluss des Studiums.

Morgen früh kommt die Spurensicherung. Ich darf mein Schlafzimmer vorher nicht mehr betreten. Und ganz ehrlich, ich weiß nicht ob ich mich je wieder in mein Bett legen werde so unbeschwert wie vor dem Einbruch. Am liebsten würde ich gleich ausziehen.

Jetzt sitze ich hier und schreibe mir, soweit das geht, alles von der Seele. Ich bin wie zugeschnürt, fühle mich in meinen eigenen vier Wänden nicht mehr wohl, nicht mehr sicher. Ich könnte heulen aber ich kann nicht. Es ist die Ohnmacht, das „sich -nicht -wehren -können“ das mich so fertig macht. Zu wissen, dass ich denen, die das gemacht haben, nie meine Wut ins Gesicht schreien kann. Die andere Wange hinhalten? nein danke. So weit geht mein Großmut nicht.  Ich hoffe nur, dass diese Lähmung, die ich grade empfinde, nicht anhält. Dass ich wieder zum normalen Leben zurückfinde.

Der Gedanke, dass wildfremde Menschen in meinen persönlichen Sachen rumgewühlt haben, in meinem Schlafzimmer waren – ekelhaft. Das ist eine Art von Fremdbestimmheit, die mir völlig gegen den Strich geht.

Stand aktuell : ich ziehe aus. So fühlt es sich grade an. Ich will nur noch weg.