abc Etüden 21-2017 Obsession

dieses Mal war es eine echte Herausforderung, vermeintlich alltägliche Worte aber die Kombi – au weia. Nicht so einfach, finde ich zumindest. Heute abend war ich im Ballett, „Don Quichote““ mit der wunderbaren Alicia Amatriain. In der ersten Pause, blieb ich an meinem Platz und habe diese kleine Geschichte geschrieben, die plötzlich da war….

Wie immer gab es eine Wortspende, dieses Mal von Andrea aus Bremen, und die schöne Grafik stammt von Ludwig Zeidler. Alles, was man über die abc Etüden wissen muss, findet ihr bei Christiane.

3 Worte, maximal 10 Sätze, eine Geschichte.

Sie war zart wie eine Elfe, ihr Körper schwebte über die Bühne  wie der Samen einer Pusteblume. Gottfried s Augen hingen an ihren schmalen Fesseln, den zierlichen und doch so kräftigen Füßen,  den großen Augen in dem schmalen Gesicht. Er beneidete den Tänzer an ihrer Seite mit aller Inbrunst, zu der er fähig war. Hier war seine Welt, nicht in der Markthalle am Käsehobel. Jeden Cent, den er entbehren konnte, sparte er für die Eintrittskarten, denn er wollte ihr so nahe wie möglich sein. Immer saß er in der ersten Reihe, etwas seitlich, damit er seine Rosen  auf die Bühne werfen konnte ohne dass sie im Orchestergraben landeten. Und jetzt kam der große Tag, an dem die Companie zugunsten eines Hilfsprojekts Dinge versteigern würde, unter anderem ein Paar zertanzte Spitzenschuhe der Primaballerina. Gottfried hatte seine ganzen Ersparnisse dabei, fünftausenddreihundertachtundsechzig Euro, und als die Schuhe aufgerufen wurden, bot er erst zaghaft und dann entschlossen mit. Als der Hammer beim letzten Gebot dreimal auf Holz schlug und er bei 8550 Euro den Zuschlag bekam, stand er zitternd auf und dachte: ich werde einen Kredit aufnehmen müssen.

abc Etüden 20-2017 Happy Birthday

hier die zweite Etüde mit der Wortspende von Ludwig Zeidler: Golfrasen, Gebrauchsanweisung, Bürosex. Alles rund um das Thema abc-Etüden könnt Ihr bei Christiane  

nachlesen. 3 Worte, maximal 10 Sätze, eine Geschichte.

Happy Birthday

Ganz ehrlich, ich kann keinen Golfrasen mehr sehen, das viele Grün deprimiert mich.  Mein Abschlag ist berüchtigt, seit ich gestern einem meiner Mitstreiter den Golfschläger in die Magengrube gerammt habe, weil er sich nicht rechtzeitig in Sicherheit gebracht hat.  Ich bin einfach nicht geeignet für Dinge, die man nicht durch das Lesen der Gebrauchsanweisung versteht, Golfen gehört dazu.  Im Vergleich hierzu ist mein Job eine Ansammlung von Highlights, vor allem der Bürosex mit meiner Praktikantin fehlt mir, ich gebe es zu. Ich quäle mich dennoch seit vier Tagen jeden Morgen auf den Golfplatz und habe noch weitere drei  Tage vor mir. Meine rechte Schulter schmerzt und irgendwie habe ich mir auch die Hüfte verrenkt, glaube ich. Beim Abendessen humple ich zum Tisch wie ein Greis, da hilft auch der maßgeschneiderte Anzug nicht mehr weiter. Ich finde mich selber ja schon so wenig anziehend , dass ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, wie irgendeine der anwesenden Damen mich attraktiv finden könnte. Ich habe wirklich keinen blassen Schimmer warum meine Freunde geglaubt haben, eine Woche Golfurlaub im Single-Hotel wäre das einzig wahre Geschenk zu meinem Fünfzigsten.

abc Etüden 20-2017 Mit links

Neue Woche neues Etüden-Glück! Dieses Mal mit der Wortspende vom Etüden-Erfinder himself, Ludwig Zeidler!

3 Worte, 10 Sätze, eine Geschichte – das Ganze wird betreut von Christiane, die sich über jeden neuen Etüdenfan freut!

Mir ist meine kleine Geschichte „mit links“ aus der imaginären Feder geflossen, und mit einem Augenzwinkern 🙂

Die Gebrauchsanweisung für guten Golfrasen hatte er in irgendeinem Ordner auf seinem  zugespamten Laptop. War jetzt auch völlig egal, was die feinen Pinkel zum Zustand des Rasens anzumerken hatten. Die waren ja schon zu blöd gewesen um zu durchschauen, dass die Referenzen von den drei Golfclubs in Kalifornien, wo er angeblich als Head-Greenkeeper einen „very good  job“ gemacht hatte, allesamt gefälscht waren.  Wenn sich etwas gelohnt hatte in seinem  Leben, dann das amouröse Abenteuer mit der kleinen Grafikerin, die ihm außer prickelndem Bürosex auch noch einen kostenlosen Crashkurs in Phtoshop gegeben hatte. Mittlerweile konnte er jedes gewünschte Dokument herstellen.  Dieser Provinzgolfclub hatte genug Geld, um sich einen Stab von Mitarbeitern für die Platzpflege zu leisten, die jetzt von ihm geführt werden sollten und hatte außerdem eine piekfeine Wohnung direkt am Golfplatz zu vergeben. Das einzige Problem bei der Sache war, ein Greenkeeper musste mindestens ein Handicap von 36 vorweisen, er hatte aber noch nie einen Golfschläger in der Hand gehabt. Nach intensiver Recherche über die Gesundheitsrisiken des Golfsports legte er sich daher eine „Golfschulter“ zu  und teilte dem Vorstand beim Vertragstermin mit einer Träne im Augenwinkel mit, dass dieser Schmerz  leider chronisch war, was er zutiefst bedauerte als er mit der linken Hand seine Unterschrift unter den Fünfjahresvertrag für Job und Wohnung setzte.  „Ich werde wohl nochmal von vorne anfangen müssen“, sagte er seufzend. „Mit links.“

abc Etüden KW 19.17 / Neben uns

Das Jahr eilt voran – nun sind wir schon in der 19. Woche angelangt…und wieder gibt es eine, wie ich finde, wunderbare Wortspende, sie kommt von Jaecki Lindenau, die schönen Grafiken wie jede Woche von Ludwig Zeidler. Auf der Seite von Chrstiane findet Ihr alles Wissenswerte zu den abc Etüden. 3 Worte, maximal 10 Sätze, eine Geschichte.

Sie war völlig erschöpft.

Stundenlang hatte sie mit den Fäusten gegen die verschlossene Tür getrommelt und gebrüllt bis ihre Stimme heiser war und die Knöchel schmerzten.

Jetzt saß sie apathisch auf ihrem Bett und dachte an den Streit vom Vorabend.

„Ich weiß doch nicht einmal, was das für ein Mensch ist“, hatte sie geschrien.

Die Augen ihres Vaters waren schwarz und kalt als er sie ansah, und sie fühlte nichts weil auch er nichts fühlte.

„Es ist ein guter Mann, er macht der Familie Ehre“, sagte er.

Später hatte die Mutter ihre Hände genommen und gesagt „Wenn du erst ein Kind hast wird alles gut, glaub mir.“

Die Hände der Mutter waren warm gewesen, wie damals, als sie ihr die wilden Locken zum ersten Mal unter das Kopftuch gebunden hatte.

Sie öffnete das Fenster und atmete die kalte Nachtluft ein.

Als sie sprang, dachte sie an das Meer.

 

 

Ich widme diese Geschichte Hatice. Ich hoffe, es geht dir gut, Liebes, wo immer du jetzt auch bist. Du bist immer willkommen!

Hoffnung III

du sollst

dir kein Bildnis machen

und doch

macht mein Herz

sich Bild um Bild um Bild

von dir von morgen und

übermorgen

 

das Heute ist ja schon

Geschichte und so

liegt alle Hoffnung

im Morgen

im neuen Tag

der sicher kommt

zum Heute wird

sich über meine Bilder

schiebt

 

und wieder

liegt alle Hoffnung

im Morgen

im neuen Tag

der sicher kommt

zum Heute wird

dann mache ich mir

Bild um Bild um Bild

vom  neuen Morgen

dem neuen Tag

der sicher kommt

zum Heute wird

sich über meine Bilder

schiebt

 

 

abc Etüden KW 18.17 Wer lesen kann, kann auch kochen

neue Woche mit neuen Wörtern. Diese Woche lockt uns Christiane wieder in die Schreibwerkstatt, der Lockstoff kommt  von pinselfisch :

Paradeiser, Schlawiner, Kinkerlitzchen.

„Wer lesen kann, kann auch kochen“ – sagte meine Mutter immer, und ich stimme ihr zu, wenn auch nur bedingt 🙂 hier meine Geschichte:

Das sind doch Kinkerlitzchen. Tom war ein Schlawiner, er wollte sie an ihrer Ehre packen.  Als ob sie es nicht schaffen würde, eine essbare Tomatensuppe zu kochen.  Marketing ist alles, dachte sie, deshalb fing sie mit der Menükarte an. Nach zwei Stunden intensiver Photoshop-Arbeit hielt sie das erste gedruckte Exemplar in der Hand. “Sahnegipfel in Paradeisermeer“ – das klang doch viel imposanter als „Tomatensuppe mit Sahnehäubchen“.  Sie hatte die teuerste Dosensuppe gekauft und die Sahne eigenhändig geschlagen – es sah wirklich spektalulär gut aus in den neuen weißen Riesentellern. Wie vom Sternekoch.

liebes-lied

Poste dein liebstes Lieblingslied – dieser Aufruf kommt von Arabella https://teil2einfachesleben.wordpress.com/2017/04/22/aufruf-die-welt-braucht-mehr-liebe-blogger-spielen-liebeslieder/

Unter dem Motto „die Welt braucht mehr Liebe“ – wohl wahr. Ich glaube auch, dass Musik die Menschen verbindet und dass Singen gut tut ist ja bereits bewiesen.Mein liebstes Liebeslied ist definitv mein eigenes, da steckt einfach am meisten von mir selber drin. Schon paar Tage her, dass ich es aufgenommen habe, aber immer noch schön.

 

 

Déjà Vu

Ich bin ja in meiner Eigenschaft als Mutter regelmäßigen Déjà Vus ausgesetzt. Heute war es eines der monströseren Art. DEUTSCHABI. Mein Sohn schrieb heute sein Deutsch-Abi. Überhaupt ist diese ganze Abisache ein Dauer-Déjà Vu, ohne dass ich behaupten könnte, dass mir Einzelheiten aus meiner Vor-Abi-Zeit präsent sind. Ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, dass ich viel gelernt habe. Aber das habe ich wohl schon getan, und ich habe Fontanes „Effi Briest“ mit mir herumgeschleppt wo immer ich war. Trotzdem hat es für den Scheffelpreis nicht gereicht, ich war Zweitbeste. Wie dem auch sei, mein Herzblatt kommt ganz nach der Frau Mama und glänzt in Deutsch und in den Fremdsprachen, schwächelt aber ebenso herausragend in Mathe und den Naturwissenschaften. Da er aber disziplinierter ist als ich, hat er bisher trotzdem immer einen Notenschnitt von 2,3 gehabt. Jetzt also das Abitur, und es beginnt, wie in Baden-Württemberg Tradition, mit dem Fach Deutsch. Geplant hatte er, entweder den Gedichte-Vergleich zu machen oder eine Interpretation. Die Gedichte wurden dann doch von ihm aussortiert (eines war von Georg Takl), und stattdessen gab es einen Text von Christoph Meckel („Auf der Felsenkuppe“ ) zu interpretieren. Zu diesem Text findet man auch Lehrermaterial im Internet, denn offenbar war er schon 2004 Inhalt des Deutschabis im Leistungskurs Deutsch. Ich liebe die Gedichte von Christoph Meckel, aber aus Datenschutzgründen kann ich hier keines zitieren, habe jedoch eiine Seite gefunden die das offenbar darf, hier der link zu einem Gedicht von Christoph Meckel, das sich absolut passend anfühlt für mich, für heute:

Chritsoph Meckel DIESER TAG

Es herrscht auf jeden Fall Ausnahmezustand bei uns, das gesunde Essen wird noch gesünder, die Luft vibriert und ich tauche immer wieder ein in Erinnerungen und Bilder, die unkontrolliert prlötzlich aufsteigen. Bei mir ist es 36 Jahre her aber dennoch sind viele Bilder aus der Zeit sehr präsent. Das Abitur ist doch ein Quantensprung, eine Kerbe im Lebenslineal, die tiefer ist als manche andere. Und die Aussicht, die Schule (für´s erste zumindest) hinter sich zu lassen, berauscht nicht nur den Sohn sondern auch mich, ich gebe es zu, Nie wieder Rücksicht nehmen müssen auf die SCHULFERIEN – wie großartig!

Passend dazu der Klassiker von Alice Cooper, in einer Version mit Lyrics. Enjoy!

 

abc Etüden KW 17.17 und wenn sie nicht gestorben sind….

KW 17.17 Klappe – die zweite! Für alle, die jetzt erst lesen empfehle ich auf den vorigen post zu gehen und diesen hier danach zu lesen….

Safranstaubkussspuren
Knospenkollisionskurs
Irisreinkarnationslied

sind die 3 Wörter der Wortspende von Frau Käthe Knobloch, in 10 Sätzen zu verarbeiten zu einer Geschichte. Grafik von Herrn Textstaub, der auch die Idee zu den abc-Etüden hatte. Host der Etüden ist Christiane.

Leopold, der Frosch, der einmal ein Prinz gewesen war, träumte.

Nach wochenlangem Gehopse war er endlich bei seinem Schloss angekommen und saß nun seit Wochen im schmutzigbraunen Wasser des Schlossgrabens fest.

Jede Fliege, die seine Zunge schnappte, schmeckte nach Safranstaubkussspuren und die Tiere um ihn herum stimmten das Irisreinkarnationslied an, wenn sie ihn sahen.

In seinen Träumen war er jedoch immer noch der stolze Prinz, der jagte, fischte und die Schönen seines Reichs mit seinem Charme betörte.

Er mied alles, was nur entfernt nach Blume aussah, denn er wollte nie wieder auf Knospenkollissionskurs mit einer Blumenelfe gehen.

Deshalb hockte er auch nicht auf einem Seerosenblatt in seinem Schlossteich sondern im brackigen Schlamm des Wassergrabens.

Er schlief, wann immer es ging, denn er hoffte dass ihm, wie es in Märchen üblich war, die erlösende Antwort, der befreiende Zauberspruch, im Traum geschenkt würde.

Sieben Winter und sieben Sommer zogen an Leopold vorbei bis er endlich den Traum, den er so sehr ersehnte, träumte.

„Geh ins Nachbarreich,“ sagte eine Stimme, die ihm auch im Traum einen Schauer den glitschigen Rücken hinunterjagte, „ setze dich in den Schlossteich und warte auf die goldene Kugel der Königstochter!“

Leopold hatte keine Ahnung, was das nun wieder zu bedeuten hatte, aber er machte sich sofort auf den Weg.

abc Etüden KW 17.17 Es war einmal….

Immer wieder Sonntags….kommen die inspirierenden Worte für die abc Etüden. Eine Idee von Herrn Textstaub, jetzt gehostet von Christiane

Die 3 Wörter der Wortspende sollen in meaximal 10 Sätzen in eine Geschichte verpackt werden – das sind die Bedingungen. Diese Woche kam die Wortspende von bittemito 

Safranstaubkussspuren
Knospenkollisionskurs
Irisreinkarnationslied

die super schöne Grafik dazu wie immer von lz.

Prinz Leopold war zu weit gegangen als er im Feenwald mit  der Elfenprinzessin auf Knospenkollissionskurs gegangen war.

Er war ihr durch schillernde Blütenwälder und Gärten voll duftender Rosenblüten gefolgt  bis hinein in das allergeheimste Kräuterlabyrinth.

Kaum hatte der Prinz gewagt zu atmen, als er, hinter einem riesigen Basilikumstrauch verborgen, die zarte Gestalt entdeckt hatte.

Die Fee leuchtete in flirrendem himmelblaurosa und schien durch den geheimen Garten zu schweben, während sie die zarten Griffel der Krokusse in einen  Korb aus geflochtenem Gold sammelte.

Leopold überraschte sie, sprang aus seinem Versteck und drückte seine Lippen auf ihren duftenden Knospenmund.

Noch Stunden später spürte er die Safranstaubkussspuren und in seinen Ohren dröhnte das Irisreinkarnationlied, das der ganze Wald angestimmt hatte um die Prinzessin zu schützen.

Jeder Grashalm, jede Blüte, die Blätter an Bäumen und Sträuchern, Vögel und Bienen, alles was lebte stimmte ein in diese Kakophonie aus Klängen.

Leopold hielt sich die Ohren zu und flüchtete, stolperte,  rannte um sein Leben um endlich nach Stunden den Rand des Waldes zu erreichen.

Er trat aus dem Feenwald hinaus in das goldene Licht der untergehenden Sonne der menschlichen Welt als ihn ein stechender Schmerz durchfuhr und ein Schrei sich den Weg aus seinen Lungen in die Abendluft bahnte: QUAAAAAAAK !

abc Etüden KW 16-17: Wetterbericht aus der Wortwabe

Da will ich mich eigentlich gleich wieder ins Bett legen, je länger ich aus dem Fenster schaue desto schlechter gehts mir irgendwie. Fühle ich nicht eine Erkältung heraufziehen? Meine Nase läuft und erschöpft bin ich auch…von Frühlingsgefühlen spüre ich NICHTS mehr. Das ist doch eher der Leichenschmaus des Winters, der, statt sich selbst endlich zu Grabe zu tragen, dem Frühling den Garaus machen will. Der Himmel sieht aus wie ein alter Duschvorhang und meine Tulpen frieren unter diesem weißen Zwangsjäckchen aus Schnee. Im Kamin prasselt ein Feuer mit dem letzten übrigen Holz und ich trinke heißen Tee. Meine Motivationskurve ist keine Kurve mehr sondern eine Steilwand in den Abgrund, gegen Null. Vielleicht sollte ich auch mal zum Jammerlappen mutieren und wegen Wetterfühligkeit heute mein Lager auf der Couch am Kamin aufschlagen. Dieses ewige „was-uns-nicht-umbringt-macht-uns-nur-härter-“ – gedöns ist auf die Dauer echt anstrengend.

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Die abc Etüden https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/04/16/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-16-17-wortspende-von-ruhrkoepfe/abc Etüden

sind diese Woche wie ein Ohrwurm, den ich nicht mehr aus dem Kopf bekomme. Aber wenigstens eine Geschichte ohne Leiche, quasi eher ein Bericht in Echtzeit, fast schon livestream.

Frühling!!!! Hallo!!! Hörst du  mich???? Wo bleibt dein blaues Band?!?!?

abc Etüden KW 16-17 Schrei doch!

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https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/04/16/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-16-17-wortspende-von-ruhrkoepfe/abc etüden

noch einer 🙂

Als sie aus dem Kellerloch herauskroch fiel ihr Blick auf die Häuserzeile gegenüber.

Wie bei einer aufgeklappten Puppenstube konnte sie in die Wohnungen hineinsehen, ein mit roten Punkten bedruckter Duschvorhang flappte im Wind hin und her.

Sie erinnerte sich an den letzten Abend, den warmen Wind, den Duft von Hyazinthen, das leuchtende Rot der Tulpen und das Gold der Narzissen im Garten.

Sie hatten getanzt, ihre Locken waren geflogen, Toni hatte sie geneckt : “Sind das Frühlingsgefühle, Ida?“ und sie hatte gelacht.

Gestern noch, gestern hatten sie noch getanzt.

„Ist das dein Leichenschmaus, Gott? Hast du nicht endlich genug?“ schrie sie in den wolkenlosen Himmel.

„Ida!“ die Stimme ihrer Mutter schallte gellend über den Platz.

„Ida!“, jetzt überschlug sie sich mit einem keifenden Quieken, „bleib stehen, Ida!“.

Doch Ida trottete weiter, mit hängenden Schultern, und kickte eine leere Getränkedose weg, die mit blechernem Ton gegen eine halbeingestürzte Hauswand knallte.

„Ida!“ die Mutter schrie wieder,“ wie oft habe ich dir schon gesagt, du sollst dich nicht zwischen den Abruchhäusern herumtreiben!“

Balladenmontag

Christiane von 365tageasatzaday.wordpress.com hat den  Balladenmontag

ausgerufen. Da ich ja bekanntermaßen quasi die erste Vorsitzende des Balladenfanclubs bin, hier mein Beitrag für diese Woche, einmal in Textform und dann auch als Song interpretiert von dem von mir sehr sehr verehrten Klaus Hoffmann.

blog_goes_balladeBalladentag

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/04/13/aufruf-ostermontag-ist-balladentag/

Bertolt Brecht

Ballade von den Seeräubern

Von Branntwein toll und Finsternissen!
Von unerhörten Güssen naß!
Vom Frost eiskalter Nacht zerrissen!
Im Mastkorb, von Gesichten blaß!
Von Sonne nackt gebrannt und krank!
(Die hatten sie im Winter lieb)
Aus Hunger, Fieber und Gestank
Sang alles, was noch übrig blieb:
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!
Kein Weizenfeld mit milden Winden
Selbst keine Schenke mit Musik
Kein Tanz mit Weibern und Absinthen
Kein Kartenspiel hielt sie zurück.
Sie hatten vor dem Knall das Zanken
Vor Mitternacht die Weiber satt:
Sie lieben nur verfaulte Planken
Ihr Schiff, das keine Heimat hat.
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Mit seinen Ratten, seinen Löchern
Mit seiner Pest, mit Haut und Haar
Sie fluchten wüst darauf beim Bechern
Und liebten es, so wie es war.
Sie knoten sich mit ihren Haaren
Im Sturm in seinem Mastwerk fest:
Sie würden nur zum Himmel fahren
Wenn man dort Schiffe fahren läßt.
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Sie häufen Seide, schöne Steine
Und Gold in ihr verfaultes Holz
Sie sind auf die geraubten Weine
In ihren wüsten Mägen stolz.
Um dürren Leib riecht toter Dschunken
Seide glühbunt nach Prozession
Doch sie zerstechen sich betrunken
Im Zank um einen Lampion.
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Sie morden kalt und ohne Hassen
Was ihnen in die Zähne springt
Sie würgen Gurgeln so gelassen
Wie man ein Tau ins Mastwerk schlingt.
Sie trinken Sprit bei Leichenwachen
Nachts torkeln trunken sie in See
Und die, die übrig bleiben, lachen
Und winken mit der kleinen Zeh:
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Vor violetten Horizonten
Still unter bleichem Mond im Eis
Bei schwarzer Nacht in Frühjahrsmonden
Wo keiner von dem andern weiß
Sie lauern wolfgleich in den Sparren
Und treiben funkeläugig Mord
Und singen um nicht zu erstarren
Wie Kinder, trommelnd im Abort:
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Sie tragen ihren Bauch zum Fressen
Auf fremde Schiffe wie nach Haus
Und strecken selig im Vergessen
Ihn auf die fremden Frauen aus.
Sie leben schön wie noble Tiere
Im weichen Wind, im trunknen Blau!
Und oft besteigen sieben Stiere
Eine geraubte fremde Frau
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Wenn man viel Tanz in müden Beinen
Und Sprit in satten Bäuchen hat
Mag Mond und zugleich Sonne scheinen:
Man hat Gesang und Messer satt.
Die hellen Sternennächte schaukeln
Sie mit Musik in süße Ruh
Und mit geblähten Segeln gaukeln
Sie unbekannten Meeren zu.
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Doch eines Abends im Aprile
Der keine Sterne für sie hat
Hat sie das Meer in aller Stille
Auf einmal plötzlich selber satt.
Der große Himmel, den sie lieben
Hüllt still in Rauch die Sternensicht
Und die geliebten Winde schieben
Die Wolken in das milde Licht.
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Der leichte Wind des Mittags fächelt
Sie anfangs spielend in die Nacht
Und der Azur des Abends lächelt
Noch einmal über schwarzem Schacht.
Sie fühlen noch, wie voll Erbarmen
Das Meer mit ihnen heute wacht
Dann nimmt der Wind sie in die Arme
Und tötet sie vor Mitternacht.
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Noch einmal schmeißt die letzte Welle
Zum Himmel das verfluchte Schiff
Und da, in ihrer letzten Helle
Erkennen sie das große Riff.
Und ganz zuletzt in höchsten Masten
War es, weil Sturm so gar laut schrie
Als ob sie, die zur Hölle rasten
Noch einmal sangen, laut wie nie:
Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

 

abc Etüden KW 16-17

Es geht weiter bei den abc etüden, gehostet von der wunderbaren Christiane

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/04/16/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-16-17-wortspende-von-ruhrkoepfe/comment-page-1/#comment-14866

mit der Wortspende von Annette von ruhrkoepfe.wordpress.com,  wie immer künstlerisch unterstützt von Herrn Textstaub, der uns jede Woche die schönen Grafiken schenkt und die abc Etüden ins Leben gerufen hat.

„Ich hätte mal besser auf Maria gehört“, dachte Ines und schob den Duschvorhang so schwungvoll zur Seite, dass er sich aus zwei Ringen löste.

Den meisten ihrer Freunde half bei Frust ein Glas Wein oder ein Schnaps, ihr half nur eine heiße Dusche.

„Keine Projektionen, Ines!“ hatte Maria sie gewarnt.

Der Abend war so quälend langsam vergangen, ein Leichenschmaus wäre vermutlich im Vergleich dazu eine Party gewesen.

Sie hatten sich nichts, aber auch gar nichts zu sagen gehabt.

Und warum in aller Welt war es erlaubt, Fotos in das eigene Profil zu stellen, die mindestens zehn Jahre alt waren?

Sie war zu gut erzogen um einfach auf der Stelle umzudrehen und zu verschwinden, sie hatte es ausgesessen, ihren Wein getrunken und sich nach dem Espresso höflich bedankt.

Ines war so wütend auf sich selbst, dass sie während des gesamten Heimwegs auf das Lenkrad hämmerte und „Mist Mist Mist“ brüllte.

Die Sonne war schuld, und der Frühling, Gefühlsduselei elendige.

Mit solchen Frühlingsgefühlen zu einem blind date zu gehen war wirklich eine Schnapsidee gewesen.

abc Etüden KW 15

dieses Mal urlaubsbedingt mit Verspätung 🙂

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/04/09/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-15-17-wortspende-von-wortwabe/

 

Die Treppenstufen waren bezogen mit mohnrotem Velours, der jeden Schritt verschluckte.

Sie schritt langsam Stufe um Stufe hinunter und  tauchte ein in die Lobby, in das flirrende Stimmengewirr und Geschirrgeklapper eines belebten Samstagnachmittags.

Niemand beachtete sie, als sie den Gang entlang zu der mächtigen Drehtür ging, es schien, als ob sie sich unsichtbar gemacht hätte.

Nur ein unauffälliger Herr in grauem Anzug, der in einem großen Sessel hinter seiner aufgeschlagenen Tageszeitung fast verschwand, ließ diese sinken und sah ihr nach.

Während sie ruhig Richtung Ausgang ging, legte er die Zeitung zur Seite, erhob sich und ging der jungen Frau nach.

Sie hatte die Hände in den Taschen ihres Mantels versenkt und an ihrem rechten Ellenbogen hing eine Hermes-Kelly-bag, aus der sie, ohne stehenzubleiben oder gar einen Blick in die Tasche zu werfen, eine große runde Sonnenbrille hervorzog und aufsetzte.

Jetzt würde sie sich in das kleine Café an der Piazza setzen, einen Milchkaffee trinken und solange sitzen bleiben, bis ihr Herz endlich wieder seinen normalen Rhythmus gefunden hatte.

In ihren Manteltaschen spürte sie das kalte Metall und lächelnd fasste sie an den Messinggriff der Drehtür, als sich eine Hand auf ihre Schulter legte und sie festhielt.

Der graugekleidete Mann beugte seinen Kopf zu ihrem Ohr und flüsterte „Komm!“, sie erstarrte mitten in der Bewegung und ließ sich widerstrebend von ihm zurück in die Halle ziehen.

„Komm mit du kleine Diebin“, sagte er.