Schlüssel-los

Sie möchten ja so gerne heraus aus mir, die Geschichten. Aber sie finden die Türe nicht. Jetzt sitzen sie eingepfercht in mir drin und gehen sich gegenseitig auf die Nerven. All die Figuren stolpern sich über die Füße und bringen Zeit und Raum durcheinander. Ich brauche unbedingt einen Schlüssel um dieses Tor aufzuschließen, damit ich sie herauslassen kann. In die vermeintliche Freiheit, die keine sein wird, weil ich der Schöpfer ihrer Welt bin.

Vielleicht bin ich selbst ja auch nicht wirklich sondern nur eine Figur im Kopf irgendjemandes, der sich gerade überlegt, dass ich aufschreibe, dass meine Geschichten aus mir herauswollen aber nicht können.

Ich fasse mich an und versuche zu glauben, dass es mir gelingen könnte, die Realität zu beweisen indem ich mich kneife. Um sicherzustellen, dass ich aus Fleisch und Blut bin.

Ich bin nicht sicher.

Stille Zeit

Warum ist eigentlich die Zeit vor Weihnachten immer so pickepacke vollgepackt? Jedes Jahr habe ich das Gefühl „SO schlimm wie dieses Jahr war es noch nie!“ Und irgendwie scheint der Beginn der „arbeitstechnischen Vorweihnachtszeit“ sich mehr und mehr dem Zeitpunkt des Auftauchens von Spekulatius und Lebkuchen in den Supermärkten anzunähern….das Jahresende winkt schon im September bedrohlich mit der schwarz-weißen Zielflagge.

Ich kämpfe mich durch den Arbeitsberg nach oben und hoffe ständig, dass ich bald mal oben an der Spitze ankomme und den Überblick habe, dann schmeißt wieder irgendwer was oben drauf und ich fang wieder an zu rudern….

Jetzt habe ich auch noch Grippe – noch nicht richtig schlimm aber das soll es auch nicht werden. Also gleich einen Gang runter schalten und mal wieder bei Christiane vorbeischauen und entspannt bei Ingwertee an einer Etüde rumbasteln…die gehen irgendwie (fast) immer.

Ich sehne also Weihnachten herbei – aber einfach deshalb weil ich mal zwei Tage nur abhängen kann und SCHLAFEN! Gähn!

Bassum 2017

Was für ein Sommerabend! Der Tag heute war genauso unerträglich schwül wie gestern, ganz langsam kühlt die Luft jetzt ab und ich sitze jetzt in meinem Garten und genieße die letzten Sonnenstrahlen. Endlich habe ich mal Muse für einen kurzen Bericht von meiner Schreibwoche in Bassum.

Die Volkshochschule Diepholz veranstaltet im Sommer traditionell eine Sommerakademie in der Freudenburg in Bassum. Hier ist der Name Programm, denn dieses Ensemble aus restaurierten Fachwerkhäusern in einem parkartigen Garten ist wirklich eine Oase. Einfach w u n d e r s c h ö n ! Als Seminarteilnehmer eines Workshops, der die ganze Woche dauert, kann man für kleines Geld in der Freudenburg bei voller Verpflegung wohnen und das trägt, zumindest in meinem Fall, sehr zum Wohlbefinden bei. Keine nervige Anfahrt jeden Morgen, ich gehe ein paar Schritte über den Gang und bin im Frühstücksraum oder, die Treppe hoch, im Seminarraum. Wir hatten den Luxus einer fast perfekten Sommerwoche, bis auf einen Regentag hatten wir nur wunderbares Wetter und konnten uns auf der Terrasse und im Garten zum Schreiben hinsetzen. Morgens und am Nachmittag trafen wir wieder als Gruppe mit Jutta zusammen und tauschten uns aus. Morgens gab es eine Schreibübung zum Einstimmen, zwischendurch hatten wir die Möglichkeit, mit  Jutta Reichelt ein Coachinggespräch zu vereinbaren. Die Gruppe war sehr homogen und ich denke, ich kann für alle sprechen: wir haben ein jeder von den anderen profitiert, wurden inspiriert.

Im Raum neben uns war eine Gruppe Frauen, die sich dem Patchwork – Quilting – verschrieben hatten. Beim Austausch am letzten Abend der Woche habe ich gelernt, dass es viele verschiedene Techniken bei Patchwork gibt  und diese Gruppe nur von Hand nähte. Sechs Stiche auf einen Zentimeter, da nahm es Aurelia, die Kursleiterin, sehr genau. Von Martina aus unserer Schreibgruppe kam die Idee, den Patchworkgedanken für eine Gemeinschaftsaufgabe aufzugreifen. Also spendeten wir alle am Dienstag und am Mittwoch je einen Satz und Jutta fügte unsere Einzelsätze zu einem Text zusammen. Danach konnten wir mit diesem Text arbeiten, Wörter oder Satzteile ausschneiden und neu zusammensetzen, Wörter im Text „Schwärzen“ und einen neuen Text erfinden mit den noch lesbaren Wörtern – es gab keinerlei Vorgabe, jeder machte sich an die Aufgabe, wie er/sie wollte. Nach anfänglichem Zögern kam ich dann in Fluß und war völlig begeistert. Wer Lust hat oder grade eine Schreibblockade, sollte das einmal ausprobieren, zum Beispiel mit einem Zeitungstext. Es macht unglaublichen Spaß!

Hier also mein Patchork:

und dann ist da natürlich noch

das Ende der Halmspitzen die sieben Jahre

wieder nachwachsen werden

mit einer scheinbaren Selbstverständlichkeit.

Was braucht der Mensch mehr?

Der Rasenmäher, wie eine kleine Schlange, die langsam durch das Gras gleitet.

Sieben Minuten, aber das Gras wächst weiter.

Nur nicht aufhören.

War da noch was?

Alle finden sich suchend in der Welt.

Wir tun erstmal so, als wäre weiter nichts.

Der Rasenmäher will nicht mehr, ich lege

die Liste der Namen in diesen hellen, sonnigen , erfrischenden Morgen.

Die Geschichten, die ich nie schreiben werde,

bluten Sprache

Ich liebe den deutschen Sommer – es ist die schönste Woche im Jahr!

okay, ganz so schlimm ist es nicht, zumal ich mich glücklich schätzen kann, nicht zu den gebeutelten Menschen zu gehören, deren Haus überschwennt wurde und die jetzt ohne Existenzgrundlage dastehen, weil sie nicht gegen Elementarschäden versichert waren.

Aber heute hatte ich das beklemmende Gefühl, der Planet will uns loswerden, Wie ein Tier, das sich schüttelt um die Fliegen zu vertreiben. Die Schmeißfliegen. Erinnert sich noch jemand an das Buch „Die grüne Rache“? Muss in den 80ern gewesen sein, als es im „Stern“ abgedruckt wurde, jede Woche ein paar Seiten. Meine Mutter war eine Stern-leserrin der ersten Stunde und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie je eine Ausgabe versäumt hat in Jahrzehnten bis, naja, bis zum  November 2014

Damals konnte man also im „Stern“ noch Bücher als Vorab-Druck lesen. Eben auch „Die grüne Rache“. Und ich erinnere, dass es in dem Buch genau darum geht: die Natur wehrt sich. Genaues weiß ich nicht mehr aber eine Szene habe ich nicht vergessen, eine Frau wird von einem Baum „gekapert“ und er wächst um sie herum…gruselig. Verdenken könnte man es dem Planeten, Mutter Erde, nicht, wenn dem so wäre. Sie überschwemmt uns, läßt uns vertrocknen, verhungern – und den Rest erledigen wir selbst.

Morgen wird voraussichtlich die Sonne wieder scheinen, die Nacht ist sehr mild, fast schon lau. Dann vergesse ich wieder, dass ich schon ewig keinen Schmetterling mehr gesehen habe, noch keinen einzigen Marienkäfer und wenig Bienen,

Scheint heute mein Tag der Schwermut zu sein.

In meinem Garten, Sommer 2014.

können Sie sich ausweisen?

Einen Schriftsteller erkennt man nicht an seinem Ausweis sondern an dem, was er gschrieben hat!

lässt Michail Bulgakow eine seiner Figuren in „Der Meister und Margarita“ sagen.

Dann hoffe ich mal das Beste, denn mein Reisepass ist abgelaufen. Dank der intensiven Schreibzeit in Bassum bin ich jedoch ein gutes Stück weitergekommen,und habe ein optimistisches Ziel ins Auge gefasst, mich sozusagen weit aus dem Fenster gelehnt:

nächstes Jahr will ich in Bassum an einem neuen Projekt arbeiten. Warum? na, weil ich das „alte“ beendet habe!

Der Plot steht endlich , die Szenenplanung auch und rund 70 Seiten sind in der Schublade, 50 davon bereits überarbeitet. Das Ziel ist also greifbar. Jetzt muss ich mir nur noch jeden Tag die Karotte vor meinen Schweinehund-Esel hängen, dann klappt das.

das ist übrigens der Blick aus dem Paradies ——- der Blick  aus dem Raum, in dem unser Workshop stattgefunden hat. Himmlisch!

ach, die Liebe!


Inspiriert von Christiane, die zu den abc Etuden auch eine kleine Geschichte über den Beginn einer Liebe geschrieben hat, schenke ich euch heute mal ein Gedicht eines meiner Lieblingsdichter, Joachim Ringelnatz. Ich mag seine, oft ein bißchen schrägen, Geschichten, die er in seinen Gedichten erzählt.

Joachim Ringelnatz

Der Briefmark

Ein männlicher Briefmark erlebte
was Schönes, bevor er klebte.
Er war von einer Prinzessin beleckt.
Da war die Liebe in ihm erweckt.

Er wollte sie wiederküssen,
da hat er verreisen müssen.
So liebte er sie vergebens.
Das ist die Tragik des Lebens!

Hallelujah!

…und nochmal mit Inbrunst: H A L L E L U J A H !

Die Zahl des Tages: 2,4. Das ist die amtlich errechnete Durchschnittsnote des Zeugnisses der allgemeinen Hochschulreife – oder wie es die Schulleiterin meines Sohnes genannt hat, des „höchsten möglichen Schulalbschlusses in Deutschland“ von Benedict, meinem Sohn. Und für mich der Schlusspunkt unter die Schulzeit. Ein Quantensprung! Nie mehr auf Schulferien Rücksicht nehmen, school`s out for ever! Ich fühle mich, als ob jemand Eisenkugeln von meinen Füßen entfernt hätte – Freiheit! Kein Schulkind mehr zu haben ist eine derartig berauschende Aussicht, dass ich es noch garnicht fassen kann!

Heute abend war die offizielle Verleihung der Zeugnisse und damit mein letzter Besuch im Hölderlingymnasium. Nochmal Hallelujah!

Men Sohn ist wunderbar und wird seinen Weg gehen. Ich habe einen großen Teil meiner Aufgabe schon erledigt. Jetzt wird er das Nest verlassen und das ist auch gut so. Für uns beide heißt es jetzt: auf zu neuen Ufern! Ich bin mindestens so erleichtert wie er und freue mich auf die andere Zeit, die jetzt auch für mich beginnt. Ich habe noch viel vor und freue mich auf das was kommt!

Urlaub macht urlaubsreif

Demnächst breche ich auf nach Norden, eine Woche Auszeit beim Schreibseminar von Jutta Reichelt. Es ist wie immer, je näher der Urlaub rückt, desto mehr Arbeit türmt sich auf.. Tausend Dinge müssen noch erledigt werden – und die Tage müssten eigenltich 36 Stunden haben.Deshalb müssen die abc Etüden ein bißchen ruhen. Da ich also selbst nichts zustande bringe aus Zeitmangel, will ich wenigstens etwas anderes posten. Gedichte gehen immer, finde ich. Und deshalb gibt es ein ganz wunderbares Gedicht für euch, ich gebe zu, ich liebe es!

Sie saßen und tranken am Teetisch

Sie saßen und tranken am Teetisch
und sprachen von Liebe viel.
Die Herren, die waren ästhetisch,
die Damen von zartem Gefühl.

„Die Liebe muß sein platonisch“,
der dürre Hofrat sprach.
Die Hofrätin lächelt ironisch.
Und dennoch seufzet sie: „Ach!“

Der Domherr öffnet den Mund weit:
„Die Liebe sei nicht zu roh,
sie schadet sonst der Gesundheit.“
Das Fräulein lispelt: „Wieso?“

Die Gräfin spricht wehmütig:
„Die Liebe ist eine Passion!“
Und präsentieret gütig
die Tasse dem Herren Baron.

Am Tische war noch ein Plätzchen;
mein Liebchen, da hast du gefehlt.
Du hättest so hübsch, mein Schätzchen,
von deiner Liebe erzählt.

  • Heinrich Heine

und hier noch zum Hören:

Es lebe die Liebe! Ich wünsche euch ein Wochenende voller Liebe und Sonne!

Mittsommer

Sie liegen überall herum, meine Kladden. In unterschiedlichen Formaten, Farben, Papieren. Mehr oder weniger vollgeschrieben enthalten sie tagebuchartige Einträge, angefangene Gedichte, Fragmente von Geschichten, Schreibübungen, Kartendeutungen oder numerologische Auswertungen. Ich trage sie in Handtaschen mit mir herum, sie liegen zwischen dem Strickzeug oder stehen im Bücherregal. Geben Zeugnis von einem Leben, das vermutlich reichlich unorganisiert wirkt, dominiert von zahlreichen Liebesaffairen, die zum größten Teil nur auf dem Papier existierten, in meinem Kopf, in meiner Fantasie und in meinem mehrfach gebrochenen und wieder zusammengeflickten Herzen. Manchmal stelle ich mir vor, wer wohl nach meinem Ableben  diese Ergüsse zu entziffern versuchen wird. Vermutlich niemand. Sie werden, so hoffe ich, ungelesen im Müll versenkt. Was nicht in säuberlicher Druckschrift im Laptop abgespeichert wird, taugt nichts. Die nachfolgenden Generationen werden vielleicht die Handschrift gar nicht mehr beherrschen, wer weiß.

Manchmal finde ich eine längst vergessene Aufzeichnung und staune über das, was ich da lese. tauche ein in mein eigenes früheres Leben wie Harry Potter in Dumbledores Denkarium.

Jetzt zirpen die Grillen um mich herum, an einem schwülen Juniabend der langsam der Nacht entgegen dämmert und das schwindende Licht lässt die Buchstaben vor meinen Augen verschwimmen.

Die Sonnwende ist vollzogen, die Tage werden wieder kürzer, der Sommer hat gerade erst begonnen und schon wird seine Trauerfeier vorbereitet. Ein paar Wochen noch werden wir der Illusion erliegen können, die Tage wären endlos und das Leben ein einziger Sommernachtstraum. Doch die Zeit schreitet unerbittlich voran, wie ein treuer Soldat, und treibt das siebzehnte Jahr dieses noch so jungen Milleniums seinem Ende entgegen.

Der Mann, den ich liebe, sagt: „das Buch ist geschrieben“, und ich finde das tröstlich und erschreckend zugleich. Letztlich löst dieses Gedankengebilde aber doch nur eines in mir aus: Stürz dich ins Leben! Lebe! Jetzt! In diesem Moment, an diesem Abend im Juni, im schwindenden Licht dieses Tages.

Nachklang….

kennt Ihr das? Wenn man etwas Schönes erlebt, dann klingt das nach  – wie ein Ton im Inneren, dem man folgen kann…

So geht es mir heute mit dem Erlebnis des Ballettabends gestern. Ich bin immer noch ganz gefangen von diesen wunderschönen Bildern, dem großartigen Bühnenbild, den tollen Kostümen, der schönen Musik und den einzigartigen Tänzern, die die Choreografie und die Geschichte zum Leben erweckt haben!

Hier ein paar Impressionen, mehr davon auf

https://www.stuttgarter-ballett.de/spielplan/spielzeituebersicht-2016-17/don-quijote/bilder/s2239/

Quelle der Fotos: http://www.stuttgarter-ballett.de

liebes-lied

Poste dein liebstes Lieblingslied – dieser Aufruf kommt von Arabella https://teil2einfachesleben.wordpress.com/2017/04/22/aufruf-die-welt-braucht-mehr-liebe-blogger-spielen-liebeslieder/

Unter dem Motto „die Welt braucht mehr Liebe“ – wohl wahr. Ich glaube auch, dass Musik die Menschen verbindet und dass Singen gut tut ist ja bereits bewiesen.Mein liebstes Liebeslied ist definitv mein eigenes, da steckt einfach am meisten von mir selber drin. Schon paar Tage her, dass ich es aufgenommen habe, aber immer noch schön.

 

 

Déjà Vu

Ich bin ja in meiner Eigenschaft als Mutter regelmäßigen Déjà Vus ausgesetzt. Heute war es eines der monströseren Art. DEUTSCHABI. Mein Sohn schrieb heute sein Deutsch-Abi. Überhaupt ist diese ganze Abisache ein Dauer-Déjà Vu, ohne dass ich behaupten könnte, dass mir Einzelheiten aus meiner Vor-Abi-Zeit präsent sind. Ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, dass ich viel gelernt habe. Aber das habe ich wohl schon getan, und ich habe Fontanes „Effi Briest“ mit mir herumgeschleppt wo immer ich war. Trotzdem hat es für den Scheffelpreis nicht gereicht, ich war Zweitbeste. Wie dem auch sei, mein Herzblatt kommt ganz nach der Frau Mama und glänzt in Deutsch und in den Fremdsprachen, schwächelt aber ebenso herausragend in Mathe und den Naturwissenschaften. Da er aber disziplinierter ist als ich, hat er bisher trotzdem immer einen Notenschnitt von 2,3 gehabt. Jetzt also das Abitur, und es beginnt, wie in Baden-Württemberg Tradition, mit dem Fach Deutsch. Geplant hatte er, entweder den Gedichte-Vergleich zu machen oder eine Interpretation. Die Gedichte wurden dann doch von ihm aussortiert (eines war von Georg Takl), und stattdessen gab es einen Text von Christoph Meckel („Auf der Felsenkuppe“ ) zu interpretieren. Zu diesem Text findet man auch Lehrermaterial im Internet, denn offenbar war er schon 2004 Inhalt des Deutschabis im Leistungskurs Deutsch. Ich liebe die Gedichte von Christoph Meckel, aber aus Datenschutzgründen kann ich hier keines zitieren, habe jedoch eiine Seite gefunden die das offenbar darf, hier der link zu einem Gedicht von Christoph Meckel, das sich absolut passend anfühlt für mich, für heute:

Chritsoph Meckel DIESER TAG

Es herrscht auf jeden Fall Ausnahmezustand bei uns, das gesunde Essen wird noch gesünder, die Luft vibriert und ich tauche immer wieder ein in Erinnerungen und Bilder, die unkontrolliert prlötzlich aufsteigen. Bei mir ist es 36 Jahre her aber dennoch sind viele Bilder aus der Zeit sehr präsent. Das Abitur ist doch ein Quantensprung, eine Kerbe im Lebenslineal, die tiefer ist als manche andere. Und die Aussicht, die Schule (für´s erste zumindest) hinter sich zu lassen, berauscht nicht nur den Sohn sondern auch mich, ich gebe es zu, Nie wieder Rücksicht nehmen müssen auf die SCHULFERIEN – wie großartig!

Passend dazu der Klassiker von Alice Cooper, in einer Version mit Lyrics. Enjoy!

 

abc Etüden KW 16-17: Wetterbericht aus der Wortwabe

Da will ich mich eigentlich gleich wieder ins Bett legen, je länger ich aus dem Fenster schaue desto schlechter gehts mir irgendwie. Fühle ich nicht eine Erkältung heraufziehen? Meine Nase läuft und erschöpft bin ich auch…von Frühlingsgefühlen spüre ich NICHTS mehr. Das ist doch eher der Leichenschmaus des Winters, der, statt sich selbst endlich zu Grabe zu tragen, dem Frühling den Garaus machen will. Der Himmel sieht aus wie ein alter Duschvorhang und meine Tulpen frieren unter diesem weißen Zwangsjäckchen aus Schnee. Im Kamin prasselt ein Feuer mit dem letzten übrigen Holz und ich trinke heißen Tee. Meine Motivationskurve ist keine Kurve mehr sondern eine Steilwand in den Abgrund, gegen Null. Vielleicht sollte ich auch mal zum Jammerlappen mutieren und wegen Wetterfühligkeit heute mein Lager auf der Couch am Kamin aufschlagen. Dieses ewige „was-uns-nicht-umbringt-macht-uns-nur-härter-“ – gedöns ist auf die Dauer echt anstrengend.

18.04. schnee aud Tulpen18.04. schnee

Die abc Etüden https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/04/16/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-16-17-wortspende-von-ruhrkoepfe/abc Etüden

sind diese Woche wie ein Ohrwurm, den ich nicht mehr aus dem Kopf bekomme. Aber wenigstens eine Geschichte ohne Leiche, quasi eher ein Bericht in Echtzeit, fast schon livestream.

Frühling!!!! Hallo!!! Hörst du  mich???? Wo bleibt dein blaues Band?!?!?

abc Etüden KW 16-17

Es geht weiter bei den abc etüden, gehostet von der wunderbaren Christiane

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/04/16/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-16-17-wortspende-von-ruhrkoepfe/comment-page-1/#comment-14866

mit der Wortspende von Annette von ruhrkoepfe.wordpress.com,  wie immer künstlerisch unterstützt von Herrn Textstaub, der uns jede Woche die schönen Grafiken schenkt und die abc Etüden ins Leben gerufen hat.

„Ich hätte mal besser auf Maria gehört“, dachte Ines und schob den Duschvorhang so schwungvoll zur Seite, dass er sich aus zwei Ringen löste.

Den meisten ihrer Freunde half bei Frust ein Glas Wein oder ein Schnaps, ihr half nur eine heiße Dusche.

„Keine Projektionen, Ines!“ hatte Maria sie gewarnt.

Der Abend war so quälend langsam vergangen, ein Leichenschmaus wäre vermutlich im Vergleich dazu eine Party gewesen.

Sie hatten sich nichts, aber auch gar nichts zu sagen gehabt.

Und warum in aller Welt war es erlaubt, Fotos in das eigene Profil zu stellen, die mindestens zehn Jahre alt waren?

Sie war zu gut erzogen um einfach auf der Stelle umzudrehen und zu verschwinden, sie hatte es ausgesessen, ihren Wein getrunken und sich nach dem Espresso höflich bedankt.

Ines war so wütend auf sich selbst, dass sie während des gesamten Heimwegs auf das Lenkrad hämmerte und „Mist Mist Mist“ brüllte.

Die Sonne war schuld, und der Frühling, Gefühlsduselei elendige.

Mit solchen Frühlingsgefühlen zu einem blind date zu gehen war wirklich eine Schnapsidee gewesen.

abc Etüden KW 15

dieses Mal urlaubsbedingt mit Verspätung 🙂

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/04/09/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-15-17-wortspende-von-wortwabe/

 

Die Treppenstufen waren bezogen mit mohnrotem Velours, der jeden Schritt verschluckte.

Sie schritt langsam Stufe um Stufe hinunter und  tauchte ein in die Lobby, in das flirrende Stimmengewirr und Geschirrgeklapper eines belebten Samstagnachmittags.

Niemand beachtete sie, als sie den Gang entlang zu der mächtigen Drehtür ging, es schien, als ob sie sich unsichtbar gemacht hätte.

Nur ein unauffälliger Herr in grauem Anzug, der in einem großen Sessel hinter seiner aufgeschlagenen Tageszeitung fast verschwand, ließ diese sinken und sah ihr nach.

Während sie ruhig Richtung Ausgang ging, legte er die Zeitung zur Seite, erhob sich und ging der jungen Frau nach.

Sie hatte die Hände in den Taschen ihres Mantels versenkt und an ihrem rechten Ellenbogen hing eine Hermes-Kelly-bag, aus der sie, ohne stehenzubleiben oder gar einen Blick in die Tasche zu werfen, eine große runde Sonnenbrille hervorzog und aufsetzte.

Jetzt würde sie sich in das kleine Café an der Piazza setzen, einen Milchkaffee trinken und solange sitzen bleiben, bis ihr Herz endlich wieder seinen normalen Rhythmus gefunden hatte.

In ihren Manteltaschen spürte sie das kalte Metall und lächelnd fasste sie an den Messinggriff der Drehtür, als sich eine Hand auf ihre Schulter legte und sie festhielt.

Der graugekleidete Mann beugte seinen Kopf zu ihrem Ohr und flüsterte „Komm!“, sie erstarrte mitten in der Bewegung und ließ sich widerstrebend von ihm zurück in die Halle ziehen.

„Komm mit du kleine Diebin“, sagte er.