Ich liebe den deutschen Sommer – es ist die schönste Woche im Jahr!

okay, ganz so schlimm ist es nicht, zumal ich mich glücklich schätzen kann, nicht zu den gebeutelten Menschen zu gehören, deren Haus überschwennt wurde und die jetzt ohne Existenzgrundlage dastehen, weil sie nicht gegen Elementarschäden versichert waren.

Aber heute hatte ich das beklemmende Gefühl, der Planet will uns loswerden, Wie ein Tier, das sich schüttelt um die Fliegen zu vertreiben. Die Schmeißfliegen. Erinnert sich noch jemand an das Buch „Die grüne Rache“? Muss in den 80ern gewesen sein, als es im „Stern“ abgedruckt wurde, jede Woche ein paar Seiten. Meine Mutter war eine Stern-leserrin der ersten Stunde und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie je eine Ausgabe versäumt hat in Jahrzehnten bis, naja, bis zum  November 2014

Damals konnte man also im „Stern“ noch Bücher als Vorab-Druck lesen. Eben auch „Die grüne Rache“. Und ich erinnere, dass es in dem Buch genau darum geht: die Natur wehrt sich. Genaues weiß ich nicht mehr aber eine Szene habe ich nicht vergessen, eine Frau wird von einem Baum „gekapert“ und er wächst um sie herum…gruselig. Verdenken könnte man es dem Planeten, Mutter Erde, nicht, wenn dem so wäre. Sie überschwemmt uns, läßt uns vertrocknen, verhungern – und den Rest erledigen wir selbst.

Morgen wird voraussichtlich die Sonne wieder scheinen, die Nacht ist sehr mild, fast schon lau. Dann vergesse ich wieder, dass ich schon ewig keinen Schmetterling mehr gesehen habe, noch keinen einzigen Marienkäfer und wenig Bienen,

Scheint heute mein Tag der Schwermut zu sein.

In meinem Garten, Sommer 2014.

können Sie sich ausweisen?

Einen Schriftsteller erkennt man nicht an seinem Ausweis sondern an dem, was er gschrieben hat!

lässt Michail Bulgakow eine seiner Figuren in „Der Meister und Margarita“ sagen.

Dann hoffe ich mal das Beste, denn mein Reisepass ist abgelaufen. Dank der intensiven Schreibzeit in Bassum bin ich jedoch ein gutes Stück weitergekommen,und habe ein optimistisches Ziel ins Auge gefasst, mich sozusagen weit aus dem Fenster gelehnt:

nächstes Jahr will ich in Bassum an einem neuen Projekt arbeiten. Warum? na, weil ich das „alte“ beendet habe!

Der Plot steht endlich , die Szenenplanung auch und rund 70 Seiten sind in der Schublade, 50 davon bereits überarbeitet. Das Ziel ist also greifbar. Jetzt muss ich mir nur noch jeden Tag die Karotte vor meinen Schweinehund-Esel hängen, dann klappt das.

das ist übrigens der Blick aus dem Paradies ——- der Blick  aus dem Raum, in dem unser Workshop stattgefunden hat. Himmlisch!

ach, die Liebe!


Inspiriert von Christiane, die zu den abc Etuden auch eine kleine Geschichte über den Beginn einer Liebe geschrieben hat, schenke ich euch heute mal ein Gedicht eines meiner Lieblingsdichter, Joachim Ringelnatz. Ich mag seine, oft ein bißchen schrägen, Geschichten, die er in seinen Gedichten erzählt.

Joachim Ringelnatz

Der Briefmark

Ein männlicher Briefmark erlebte
was Schönes, bevor er klebte.
Er war von einer Prinzessin beleckt.
Da war die Liebe in ihm erweckt.

Er wollte sie wiederküssen,
da hat er verreisen müssen.
So liebte er sie vergebens.
Das ist die Tragik des Lebens!

Hallelujah!

…und nochmal mit Inbrunst: H A L L E L U J A H !

Die Zahl des Tages: 2,4. Das ist die amtlich errechnete Durchschnittsnote des Zeugnisses der allgemeinen Hochschulreife – oder wie es die Schulleiterin meines Sohnes genannt hat, des „höchsten möglichen Schulalbschlusses in Deutschland“ von Benedict, meinem Sohn. Und für mich der Schlusspunkt unter die Schulzeit. Ein Quantensprung! Nie mehr auf Schulferien Rücksicht nehmen, school`s out for ever! Ich fühle mich, als ob jemand Eisenkugeln von meinen Füßen entfernt hätte – Freiheit! Kein Schulkind mehr zu haben ist eine derartig berauschende Aussicht, dass ich es noch garnicht fassen kann!

Heute abend war die offizielle Verleihung der Zeugnisse und damit mein letzter Besuch im Hölderlingymnasium. Nochmal Hallelujah!

Men Sohn ist wunderbar und wird seinen Weg gehen. Ich habe einen großen Teil meiner Aufgabe schon erledigt. Jetzt wird er das Nest verlassen und das ist auch gut so. Für uns beide heißt es jetzt: auf zu neuen Ufern! Ich bin mindestens so erleichtert wie er und freue mich auf die andere Zeit, die jetzt auch für mich beginnt. Ich habe noch viel vor und freue mich auf das was kommt!

Urlaub macht urlaubsreif

Demnächst breche ich auf nach Norden, eine Woche Auszeit beim Schreibseminar von Jutta Reichelt. Es ist wie immer, je näher der Urlaub rückt, desto mehr Arbeit türmt sich auf.. Tausend Dinge müssen noch erledigt werden – und die Tage müssten eigenltich 36 Stunden haben.Deshalb müssen die abc Etüden ein bißchen ruhen. Da ich also selbst nichts zustande bringe aus Zeitmangel, will ich wenigstens etwas anderes posten. Gedichte gehen immer, finde ich. Und deshalb gibt es ein ganz wunderbares Gedicht für euch, ich gebe zu, ich liebe es!

Sie saßen und tranken am Teetisch

Sie saßen und tranken am Teetisch
und sprachen von Liebe viel.
Die Herren, die waren ästhetisch,
die Damen von zartem Gefühl.

„Die Liebe muß sein platonisch“,
der dürre Hofrat sprach.
Die Hofrätin lächelt ironisch.
Und dennoch seufzet sie: „Ach!“

Der Domherr öffnet den Mund weit:
„Die Liebe sei nicht zu roh,
sie schadet sonst der Gesundheit.“
Das Fräulein lispelt: „Wieso?“

Die Gräfin spricht wehmütig:
„Die Liebe ist eine Passion!“
Und präsentieret gütig
die Tasse dem Herren Baron.

Am Tische war noch ein Plätzchen;
mein Liebchen, da hast du gefehlt.
Du hättest so hübsch, mein Schätzchen,
von deiner Liebe erzählt.

  • Heinrich Heine

und hier noch zum Hören:

Es lebe die Liebe! Ich wünsche euch ein Wochenende voller Liebe und Sonne!

Mittsommer

Sie liegen überall herum, meine Kladden. In unterschiedlichen Formaten, Farben, Papieren. Mehr oder weniger vollgeschrieben enthalten sie tagebuchartige Einträge, angefangene Gedichte, Fragmente von Geschichten, Schreibübungen, Kartendeutungen oder numerologische Auswertungen. Ich trage sie in Handtaschen mit mir herum, sie liegen zwischen dem Strickzeug oder stehen im Bücherregal. Geben Zeugnis von einem Leben, das vermutlich reichlich unorganisiert wirkt, dominiert von zahlreichen Liebesaffairen, die zum größten Teil nur auf dem Papier existierten, in meinem Kopf, in meiner Fantasie und in meinem mehrfach gebrochenen und wieder zusammengeflickten Herzen. Manchmal stelle ich mir vor, wer wohl nach meinem Ableben  diese Ergüsse zu entziffern versuchen wird. Vermutlich niemand. Sie werden, so hoffe ich, ungelesen im Müll versenkt. Was nicht in säuberlicher Druckschrift im Laptop abgespeichert wird, taugt nichts. Die nachfolgenden Generationen werden vielleicht die Handschrift gar nicht mehr beherrschen, wer weiß.

Manchmal finde ich eine längst vergessene Aufzeichnung und staune über das, was ich da lese. tauche ein in mein eigenes früheres Leben wie Harry Potter in Dumbledores Denkarium.

Jetzt zirpen die Grillen um mich herum, an einem schwülen Juniabend der langsam der Nacht entgegen dämmert und das schwindende Licht lässt die Buchstaben vor meinen Augen verschwimmen.

Die Sonnwende ist vollzogen, die Tage werden wieder kürzer, der Sommer hat gerade erst begonnen und schon wird seine Trauerfeier vorbereitet. Ein paar Wochen noch werden wir der Illusion erliegen können, die Tage wären endlos und das Leben ein einziger Sommernachtstraum. Doch die Zeit schreitet unerbittlich voran, wie ein treuer Soldat, und treibt das siebzehnte Jahr dieses noch so jungen Milleniums seinem Ende entgegen.

Der Mann, den ich liebe, sagt: „das Buch ist geschrieben“, und ich finde das tröstlich und erschreckend zugleich. Letztlich löst dieses Gedankengebilde aber doch nur eines in mir aus: Stürz dich ins Leben! Lebe! Jetzt! In diesem Moment, an diesem Abend im Juni, im schwindenden Licht dieses Tages.

KW 13.2017 Alles wird gut – wird alles gut?

uiuiui…Bernd von red skies over paradise hat uns ja was eingebrockt diese Woche….die 3 Wörter waren herausfordernd. Aber was ein echter Etüdenfan ist, gibt so schnell nicht auf.Und irgendwie wollte ich ja auch die Geschichte von letzter Woche weiterspinnen – doppelte Herausforderung. Drei Worte, zehn Sätze und die Idee, daraus eine Geschichte zu bauen. Alles, was Ihr dazu wissen müsst, findet ihr bei Christiane, die freundlicherweise die Etüden als Host begleitet. Unermüdlich in seinem Schaffen schenkt uns Ludwig Zeidler die Grafiken zu den Wortspenden!

Hier die Etüde dieser Woche (und wer mag kann die letzte Etüde noch davor lesen, diese ist quasi auch die Fortsetzung….)

Alles wird gut – wird alles gut?

Das sizilianische Kaff lag in der Mittagshitze wie eine träge Raubkatze, die Fenster verschlossen, die Schlitze der Jalousien wie gesenkte Lider, schlafend aber wachsam und immer bereit zuzuschlagen, ich war auf der Hut.

Als der dicke Salvatore mit aufgeschlitzter Kehle von seinem Stuhl rutschte hörte ich einen Schrei – den Schrei einer Frau – ich drehte mich auf dem Absatz um, spähte durch den schlecht beleuchteten Raum und entdeckte sie hinter einem der vollgestopften Regale.

Sie lugte zwischen Kartons hindurch, ich sah nur kastanienbraunes Haar und weit aufgerissene Augen, die mich entsetzt beobachteten, als ich auf sie zuging.

Ich vermutete, sie erwartete, dass ich einer von den ganz bösen Jungs war, die vergewaltigen, brandschatzen und morden und sie jetzt mein nächstes Opfer sein würde.

Wir werden jetzt gemeinsam hier raus gehen und verschwinden,“ ich nahm sie am Arm und zog sie mit mir zur Tür, drehte mich noch einmal um und rief demonstrativ „Ciao Salva!“ in den Raum, zog die Tür hinter uns zu, öffnete die Beifahrertür meines Transporters und schob sie ins Auto.

Sie war nicht nur hübsch sondern auch vernünftig, denn sie schrie nicht und redete kein Wort, sie starrte mich nur völlig unverfroren an und ich wünschte mir, sie in den hermetisch abgeriegelten Laderaum meines Transporters verbannen zu können um ihren Blicken zu entgehen.

Ich hatte nicht viel Zeit, ich würde die Hilfe der Fremden brauchen können, wenn ich Gina retten wollte, deshalb entschied ich mich, sie mit der Wahrheit zu konfrontieren.

Wir müssen in die Sicani Berge, zu Salvatores Hütte, hat mir gesagt, er hätte sie eingemauert hinter dem Keller, der Irre, wir werden wohl einen Kellerdurchbruch machen müssen, dieses Schwein, nur weil sie ihn nicht wollte, meine schöne Schwester und dieser fette Frosch, ein Perverser, unvorstellbar, hoffentlich komme ich noch rechtzeitig – “ ich redete ohne Punkt und Komma auf sie ein, gestikulierte wild herum und plötzlich sprach sie:

Pardon Monsieur, je ne comprends rien – I don´t understand anything – non capisce ….“

Eine Touristin – was war ich nur für ein ausgemachter Trottel.

 

abc Etüden Woche 22-2017 Beurteilen Sie das Buch nie nach dem Umschlag!

Es ist mir nicht mehr möglich, mich der Verführung zu entziehen, egal wie angefüllt mit Arbeit die Woche auch ist, es findet sich ein Zeitfenster für die abc etüden. Bei Christiane findet ihr alles WIssenswerte, kurz zusamengefasst 3 Wörter und 10 Sätze ergeben eine Kürzest-geschichte. Ins Leben gerufen von Ludwig Zeidler, der mit seinen wunderschönen Grafiken Woche um Woche das Projekt bebildert.

Hier meine Etüde mit den Worten der Woche:

Kramladen

verlustieren

Angst

 

Beurteilen Sie das Buch nie nach dem Umschlag!

Sanne fühlte sich schon immer vom Abgründigen, Dunklen angezogen.

In dem kleinen Kramladen waren auf staubigen Regalböden aus kieselgrauem Resopal Dosensuppen und Hundefutter gestapelt, Garnrollen mit festem schwarzen Zwirn, Nähnadeln, angestaubte Verpackungen von Glühbirnen – alles lagerte scheinbar planlos in dem stickigen Raum, die Leuchtröhre über ihr flackerte immer wieder.

Zuerst hörte sie nur seine Stimme, weich, warm und tief, wie das entspannte Schnurren einer großen Katze, sie drehte sich wie elektrisiert um und spähte zwischen Mehltüten und einem originalverpacken „Starmix“ aus den siebziger Jahren,  zur Kasse, wo er, ihr den Rücken zuwendend, mit dem Besitzer des Ladens verhandelte, der wie ein dicker träger Frosch hinter der Kasse saß und den Fremden aus großen basedowschen Augen musterte.

Sie sah schwarze Haare, die im Nacken zu einem Zopf zusammengebunden waren, breite Schultern in einem verwaschenen, meerblauen T-Shirt, muskulöse braungebrannte Arme und einen vermutlich perfekten Hintern in der lässigen Jeans.

Sanne verstand nicht, worum es in dem Gespräch ging, doch das war unwichtig denn sie folgte nur  dem Klang dieser Stimme, schloss für einen Moment die Augen und stellte sich vor, wie sie sich mit diesem Mann am Strand verlustieren könnte.

Einem inneren Impuls folgend blieb sie dennoch  hinter dem Regal stehen, beobachtete die Szene schweigend mit angehaltenem Atem und wartete auf den Moment, da er sich umdrehen und sie sein Gesicht sehen würde.

Dann veränderte sich der Ton zwischen den beiden Männern, sie wurden lauter, schrien sich an, das hohe gequetschte Keifen des Froschs und das tiefe drohende Brummen des Fremden verkeilten sich in der Luft, der Dicke sprang auf und wollte durch die Tür hinter der Kasse ins Hinterzimmer flüchten, Stahl blitzte auf und Sanne sah entsetzt, wie Blut in einer breiten Fontäne aus dem kurzen Hals des dicken Mannes gepumpt wurde.

Sie schrie auf und hielt sich im selben Augenblick die Hand vor den Mund, doch es war zu spät, der Fremde drehte sich um, sein Blick tastete sich durch den Raum und ihre Augen trafen sich.

Sanne erstarrte vor Angst und war unfähig, den Befehlen ihres Gehirns zu folgen, sich umzudrehen, die rettende Tür nach draußen in die Sonne zu öffnen und zu verschwinden.

Als er vor ihr stand, dachte sie, sein Gesicht ist noch schöner als ich es erwartet hatte.

Nachklang….

kennt Ihr das? Wenn man etwas Schönes erlebt, dann klingt das nach  – wie ein Ton im Inneren, dem man folgen kann…

So geht es mir heute mit dem Erlebnis des Ballettabends gestern. Ich bin immer noch ganz gefangen von diesen wunderschönen Bildern, dem großartigen Bühnenbild, den tollen Kostümen, der schönen Musik und den einzigartigen Tänzern, die die Choreografie und die Geschichte zum Leben erweckt haben!

Hier ein paar Impressionen, mehr davon auf

https://www.stuttgarter-ballett.de/spielplan/spielzeituebersicht-2016-17/don-quijote/bilder/s2239/

Quelle der Fotos: http://www.stuttgarter-ballett.de

abc Etüden 21-2017 Obsession

dieses Mal war es eine echte Herausforderung, vermeintlich alltägliche Worte aber die Kombi – au weia. Nicht so einfach, finde ich zumindest. Heute abend war ich im Ballett, „Don Quichote““ mit der wunderbaren Alicia Amatriain. In der ersten Pause, blieb ich an meinem Platz und habe diese kleine Geschichte geschrieben, die plötzlich da war….

Wie immer gab es eine Wortspende, dieses Mal von Andrea aus Bremen, und die schöne Grafik stammt von Ludwig Zeidler. Alles, was man über die abc Etüden wissen muss, findet ihr bei Christiane.

3 Worte, maximal 10 Sätze, eine Geschichte.

Sie war zart wie eine Elfe, ihr Körper schwebte über die Bühne  wie der Samen einer Pusteblume. Gottfried s Augen hingen an ihren schmalen Fesseln, den zierlichen und doch so kräftigen Füßen,  den großen Augen in dem schmalen Gesicht. Er beneidete den Tänzer an ihrer Seite mit aller Inbrunst, zu der er fähig war. Hier war seine Welt, nicht in der Markthalle am Käsehobel. Jeden Cent, den er entbehren konnte, sparte er für die Eintrittskarten, denn er wollte ihr so nahe wie möglich sein. Immer saß er in der ersten Reihe, etwas seitlich, damit er seine Rosen  auf die Bühne werfen konnte ohne dass sie im Orchestergraben landeten. Und jetzt kam der große Tag, an dem die Companie zugunsten eines Hilfsprojekts Dinge versteigern würde, unter anderem ein Paar zertanzte Spitzenschuhe der Primaballerina. Gottfried hatte seine ganzen Ersparnisse dabei, fünftausenddreihundertachtundsechzig Euro, und als die Schuhe aufgerufen wurden, bot er erst zaghaft und dann entschlossen mit. Als der Hammer beim letzten Gebot dreimal auf Holz schlug und er bei 8550 Euro den Zuschlag bekam, stand er zitternd auf und dachte: ich werde einen Kredit aufnehmen müssen.

abc Etüden 20-2017 Happy Birthday

hier die zweite Etüde mit der Wortspende von Ludwig Zeidler: Golfrasen, Gebrauchsanweisung, Bürosex. Alles rund um das Thema abc-Etüden könnt Ihr bei Christiane  

nachlesen. 3 Worte, maximal 10 Sätze, eine Geschichte.

Happy Birthday

Ganz ehrlich, ich kann keinen Golfrasen mehr sehen, das viele Grün deprimiert mich.  Mein Abschlag ist berüchtigt, seit ich gestern einem meiner Mitstreiter den Golfschläger in die Magengrube gerammt habe, weil er sich nicht rechtzeitig in Sicherheit gebracht hat.  Ich bin einfach nicht geeignet für Dinge, die man nicht durch das Lesen der Gebrauchsanweisung versteht, Golfen gehört dazu.  Im Vergleich hierzu ist mein Job eine Ansammlung von Highlights, vor allem der Bürosex mit meiner Praktikantin fehlt mir, ich gebe es zu. Ich quäle mich dennoch seit vier Tagen jeden Morgen auf den Golfplatz und habe noch weitere drei  Tage vor mir. Meine rechte Schulter schmerzt und irgendwie habe ich mir auch die Hüfte verrenkt, glaube ich. Beim Abendessen humple ich zum Tisch wie ein Greis, da hilft auch der maßgeschneiderte Anzug nicht mehr weiter. Ich finde mich selber ja schon so wenig anziehend , dass ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, wie irgendeine der anwesenden Damen mich attraktiv finden könnte. Ich habe wirklich keinen blassen Schimmer warum meine Freunde geglaubt haben, eine Woche Golfurlaub im Single-Hotel wäre das einzig wahre Geschenk zu meinem Fünfzigsten.

abc Etüden 20-2017 Mit links

Neue Woche neues Etüden-Glück! Dieses Mal mit der Wortspende vom Etüden-Erfinder himself, Ludwig Zeidler!

3 Worte, 10 Sätze, eine Geschichte – das Ganze wird betreut von Christiane, die sich über jeden neuen Etüdenfan freut!

Mir ist meine kleine Geschichte „mit links“ aus der imaginären Feder geflossen, und mit einem Augenzwinkern 🙂

Die Gebrauchsanweisung für guten Golfrasen hatte er in irgendeinem Ordner auf seinem  zugespamten Laptop. War jetzt auch völlig egal, was die feinen Pinkel zum Zustand des Rasens anzumerken hatten. Die waren ja schon zu blöd gewesen um zu durchschauen, dass die Referenzen von den drei Golfclubs in Kalifornien, wo er angeblich als Head-Greenkeeper einen „very good  job“ gemacht hatte, allesamt gefälscht waren.  Wenn sich etwas gelohnt hatte in seinem  Leben, dann das amouröse Abenteuer mit der kleinen Grafikerin, die ihm außer prickelndem Bürosex auch noch einen kostenlosen Crashkurs in Phtoshop gegeben hatte. Mittlerweile konnte er jedes gewünschte Dokument herstellen.  Dieser Provinzgolfclub hatte genug Geld, um sich einen Stab von Mitarbeitern für die Platzpflege zu leisten, die jetzt von ihm geführt werden sollten und hatte außerdem eine piekfeine Wohnung direkt am Golfplatz zu vergeben. Das einzige Problem bei der Sache war, ein Greenkeeper musste mindestens ein Handicap von 36 vorweisen, er hatte aber noch nie einen Golfschläger in der Hand gehabt. Nach intensiver Recherche über die Gesundheitsrisiken des Golfsports legte er sich daher eine „Golfschulter“ zu  und teilte dem Vorstand beim Vertragstermin mit einer Träne im Augenwinkel mit, dass dieser Schmerz  leider chronisch war, was er zutiefst bedauerte als er mit der linken Hand seine Unterschrift unter den Fünfjahresvertrag für Job und Wohnung setzte.  „Ich werde wohl nochmal von vorne anfangen müssen“, sagte er seufzend. „Mit links.“

abc Etüden KW 19.17 / Neben uns

Das Jahr eilt voran – nun sind wir schon in der 19. Woche angelangt…und wieder gibt es eine, wie ich finde, wunderbare Wortspende, sie kommt von Jaecki Lindenau, die schönen Grafiken wie jede Woche von Ludwig Zeidler. Auf der Seite von Chrstiane findet Ihr alles Wissenswerte zu den abc Etüden. 3 Worte, maximal 10 Sätze, eine Geschichte.

Sie war völlig erschöpft.

Stundenlang hatte sie mit den Fäusten gegen die verschlossene Tür getrommelt und gebrüllt bis ihre Stimme heiser war und die Knöchel schmerzten.

Jetzt saß sie apathisch auf ihrem Bett und dachte an den Streit vom Vorabend.

„Ich weiß doch nicht einmal, was das für ein Mensch ist“, hatte sie geschrien.

Die Augen ihres Vaters waren schwarz und kalt als er sie ansah, und sie fühlte nichts weil auch er nichts fühlte.

„Es ist ein guter Mann, er macht der Familie Ehre“, sagte er.

Später hatte die Mutter ihre Hände genommen und gesagt „Wenn du erst ein Kind hast wird alles gut, glaub mir.“

Die Hände der Mutter waren warm gewesen, wie damals, als sie ihr die wilden Locken zum ersten Mal unter das Kopftuch gebunden hatte.

Sie öffnete das Fenster und atmete die kalte Nachtluft ein.

Als sie sprang, dachte sie an das Meer.

 

 

Ich widme diese Geschichte Hatice. Ich hoffe, es geht dir gut, Liebes, wo immer du jetzt auch bist. Du bist immer willkommen!

abc Etüden KW 18.17 Wer lesen kann, kann auch kochen

neue Woche mit neuen Wörtern. Diese Woche lockt uns Christiane wieder in die Schreibwerkstatt, der Lockstoff kommt  von pinselfisch :

Paradeiser, Schlawiner, Kinkerlitzchen.

„Wer lesen kann, kann auch kochen“ – sagte meine Mutter immer, und ich stimme ihr zu, wenn auch nur bedingt 🙂 hier meine Geschichte:

Das sind doch Kinkerlitzchen. Tom war ein Schlawiner, er wollte sie an ihrer Ehre packen.  Als ob sie es nicht schaffen würde, eine essbare Tomatensuppe zu kochen.  Marketing ist alles, dachte sie, deshalb fing sie mit der Menükarte an. Nach zwei Stunden intensiver Photoshop-Arbeit hielt sie das erste gedruckte Exemplar in der Hand. “Sahnegipfel in Paradeisermeer“ – das klang doch viel imposanter als „Tomatensuppe mit Sahnehäubchen“.  Sie hatte die teuerste Dosensuppe gekauft und die Sahne eigenhändig geschlagen – es sah wirklich spektalulär gut aus in den neuen weißen Riesentellern. Wie vom Sternekoch.

liebes-lied

Poste dein liebstes Lieblingslied – dieser Aufruf kommt von Arabella https://teil2einfachesleben.wordpress.com/2017/04/22/aufruf-die-welt-braucht-mehr-liebe-blogger-spielen-liebeslieder/

Unter dem Motto „die Welt braucht mehr Liebe“ – wohl wahr. Ich glaube auch, dass Musik die Menschen verbindet und dass Singen gut tut ist ja bereits bewiesen.Mein liebstes Liebeslied ist definitv mein eigenes, da steckt einfach am meisten von mir selber drin. Schon paar Tage her, dass ich es aufgenommen habe, aber immer noch schön.