Lebkuchen allover

Die Lebkuchenfront ist wieder da – ein deutlícheres Zeichen dafür, dass das Jahresende um die Ecke biegt, kann es nicht geben. Der Sommer hat sich ja dieses Jahr ins Unendliche ausgedehnt und ich konnte mich der Illussion hingeben, dass es noch lange hin ist bis zum Herbst und Winter….

Ich renne 2018 nur im Hamsterrad, kaum Zeit zum Luftholen. Gefühlt war die einzige Atempause meine Woche in Bassum, die sich angefühlt hat wie 10 Tage, weil die Zeit ohne die allgegenwärtigen Zeitbeschleuniger Internet und Telefon einfach langsamer vergeht. In dieser Woche kann ich mich auf mich selbst zurückfallen lassen – das tut so gut. Kein tickender Metallklumpen, der deinen Tag zerhackt, die Termine sind überschaubar und die Zeit dazwischen ist ein weites Feld, das ich mit meinen Gedaniken füllen kann. In drei Monaten werde ich mich bereits wieder anmelden für die nächste Sommerakademie. Seit drei Jahren ist das der Fixstern im Sommer!

Die Augenkrankheit, die mich im Frühjahr fast drei Monate lang außer Gefecht gesetzt hat, hat mir soviel Zeit gestohlen. Die vielen Stunden im Krankenhaus, die ich mit Warten verbracht habe, sind irgendwie verpufft. Da ich wegen der Augen nicht lesen konnte, waren sie auch nicht sinnvoll zu nutzen. Per Kopfhörer etwas anhören ging ja auch nicht, dann hätte ich ja nicht gehört, wenn ich aufgerufen werde. Denke ich an diese Wochen zurück ist es, als ob sie fehlen würden. Ein weißer Fleck in meiner Erinnerung.

Kaum war das vorbei hieß es, die Vorbereitungen für den dreimonatigen Kanadaaufenhalt meines Sohnes zu treffen, es ging Schlag auf Schlag bei ihm. Sein Praktikum bei Radio big fm endete am 3. Juli und am 10. Juli saß er bereits im Flieger nach Montreal. Während er in Kanada war trudelten hier die Zusagen für´s Studium ein, wie erhofft war auch die Zusage für seinen Favoriten-Studiengang iin Düsseldorf dabei. Während er in Kanada reiste und arbeitete, organiserte ich hier ein Zimmer in Düsseldorf, bereitete den Umzug vor und holte ihn dann am 10. Oktober in Frankfurt ab. Am 13. Oktober ging es schon morgens kurz  nach 5 Uhr mit dem großen Wagen nach Düsseldorf. Mittlerweile hat er angefangen mit dem Studium und  mit seinem selbständigen Leben. Auch eine Umstellung für mich – Mama allein zuhaus!

Die letzen Wochen des Sommers waren traurig, denn einer unserer beiden Kater wurde sehr krank. Er war schon immer ein Freigänger, kam aus dem Tierheim und war ursprünglich aus Italien. Es kam häufig vor, dass er mal 2 oder 3 Tage unterwegs war. Aber dann fehlte er eine ganze Woche und ich hatte ihn schon aufgegeben. Nach einer Woche war er wieder da, völlig entkräftet, abgemagert und schwach. Wir hatten schon länger den Eindruck, dass er „dement“ ist, mein Sohn sagt, das gibt es bei Katzen auch. Vielleicht hat er einfach nicht mehr nach Hause gefunden? Danach habe ich ihn nicht mehr rausgelassen, was ein Drama war, denn er wollte ja immer raus. Ich bin dann mit ihm zusammen in den Garten, damit er an die frische Luft kommt,  und habe ihn nicht aus den Augen gelassen.

Am Ende war er aber doch schon so krank, dass die Tierärztin Nierenversagen und Leberversagen konstatiert hat und vermutlich hatte er auch einen Schlaganfall. ich hatte gehofft, dass er durchhält bis mein Sohn wieder da ist, aber er hat es nicht geschafft. Das Schlimmste war, diesen kleinen weichen Körper zu begraben, mir ist fast das Herz gebrochen, denn er war ja 13 Jahre bei uns.

Das ist jetzt auch schon wieder fast vier Wochen her.

Ich vermute, ich wache am Neujahrsmorgen 2019 auf und weiß nicht, welches Jahr wir haben….immerhin weiß ich, siehe oben, dank der allgegenwärtigen Lebkuchen dass wir uns auf die Weihnachtszeit zubewegen. Wenn die Zeit weiter so dahin rast, dann wird der Übergang zum Osterhasen fließend sein für mich.

 

Gerade gelesen

Ich hab´s ja nicht so mit Buchempfehlungen. Etwas gut zu finden, ist doch immer etwas Subjektives, wenn man kein Literaturkritiker ist. Wobei ich gestehen muss, dass ich mich bei deren Empfehlungen beim Lesen des entsprechenden Buchs häufig frage, warum sie genau dieses Buch so toll fanden. Allerdings habe ich aufgehört, mich zu fragen, ob ich zu blöd bin, es zu verstehen. In Amerika gibt es ja nicht diesen deutsch-ernsthaften Unterschied zwischen „E“ und „U“, ein Buch darf den Leser nicht langweilen, „show don´t tell“ ist die Devise.

Wie dem auch sei, ich möchte all denen unter Euch, die Eltern haben, deren Jugend auf dem Altar des 2. Weltkriegs geopfert wurde, dieses Buch ans Herz legen. Und auch denen, die Großeltern haben, deren Jugend so weit weg ist, dass sie gar nicht zu existieren scheint, weil man diese Großeltern nur als alte Menschen kennengelernt hat.

„Die Freibadclique“ von Oliver Storz.

Für mich als Schwäbin aus dem Raum Stuttgart auch deshalb so spannend, weil es hier in der Region angesiedelt ist. Es ist die Geschichte einer Jungsclique Jahrgang 1929, beginnt im Jahr 1944 und Oliver Storz schildert darin weitgehend seine eigenen Erlebnisse. Ein Buch, das es leicht macht, einzutauchen. Ein Buch, das Bilder im Kopf entstehen lässt. Ein  Buch, bei dem ich geweint habe um die verlorenen Jahre der Sorglosigkeit meiner Eltern. Ich bin schon lange der Meinung, dass wir alle die Geschichten unserer Ahnen in unserem Blut haben, all die nie erzählten Schrecken. Es schwingt immer mit, unausgesprochene Geheimnisse schweben wie Spinnenfäden durch den Raum, wenn die Familie zusammenkommt und bleiben an dir kleben. Hier hat einer seine Geschichte erzählt, der erzählen kann. Und die Geschichten müssen erzählt werden, damit sie nicht vergessen werden, wenn eine Generation ausstirbt.

Aus dem Klappentext:

„Irgendwie waren wir missraten. Wir schwänzten Schule und HJ-Dienst, nachts lauschten wir unter Wolldecken verborgen den Feindsendern, wo Benny Goodman, Duke Ellington und Glenn Miller spielten, kurz wir taugten nichts, jedenfalls nicht zu Helden…“

Sommer 1944, irgendwo im Schwäbischen. Knuffke, Bubu, Zungen-Kuss, Rosenacher („Hosenmacher“) und der Erzähler sind fünfzehn, und ihnen steht der Sinn nach allem mehr als nach Nationalismus. Sie wollen wissen, wie das mit den Mädels ist, wie man die Penne hinter sich bringt und um die SS-Wehrmacht herumkommt. Aber sie ahnen, dass es, trotz ihrer gut trainierten Lässigkeit, ums Überleben geht. Als sie dann, im April 45, doch noch zum Volkssturm müssen, sind sie bald nur noch zu dritt. Rosenacher geht verschütt. Zungen-Kuss hatte es zuvor auf einem Maisfeld am Westwall erwischt. Als die drei übrigen unter Lebensgefahr türmen, haben sie keine Ahnung, was ihnen zu Hause blüht, vielleicht ist die US-Army ja auch schon da.                                                          Oliver Storz schildert in seinem Roman das Drama des Jahrgangs 1929, dem er selbst angehörte, ungemein lebendig, poetisch – und weitgehend aus eigener Erfahrung.“

 

Falls es jemand liest und mir einen Kommentar hinterlassen möchte, freue ich mich sehr!

Update

Meine Sommerwoche in Bassum rückt näher, endlich die langersehnte Auszeit zum Schreiben vor Augen, kann ich wieder mal eintauchen in meine Geschichten. Zuviel andere, nicht immer schöne Dinge haben in den letzten Monaten meine Tage bestimmt. Meine Mutter hat sich auf einen langsamen Weg des Abschieds begeben, sie scheint verschwinden zu wollen, lautlos. Manchmal spricht sie halbe Sätze ohne Sinn, selten erkennt sie uns, meistens ist sie in ihrer eigenen Welt. Ich habe meine eigene Art, mit solchen Herausforderungen umzugehen, am besten klappt es, wenn ich mich zurückziehe und mein Schneckenhaus neu einrichte.

Heute habe ich den Tag genutzt für längst überfällige Recherchen, die mich wieder neu inspiriert und motiviert haben. Die Geschichte von Rosa und Harold liegt ja immer noch in Fragmenten da und will sortiert und beendet werden. Einige Übungen zu diesem Text sind ja auch hier auf dem blog (Schlagwort „Rosas Reise“), heute habe ich mir Gedanken zu Harold gemacht, nachdem ich einen vergessenen Text in einer meiner vielen Kladden entdeckt habe. Hier die Geschichte von Harold, den ich immer noch nicht identifiziert habe. Mittlerweile bleibt aber nur eine Möglichkeit übrig, es muss wohl jener Harold Syms gewesen sein, Rezeptionist und Room Steward auf der „Olympic“. Bei ihm passt das Alter, die Größe und Haarfarbe. Wie er sich mit Rosa verständigt hat, weiß ich nicht, aber dazu gibt es ja die Fiktion und Fantasie. „Mein“ Harold sprach zumindest ein bißchen Deutsch.

Harold Syms

Harold

 

Harold Pinter wurde als Kind deutscher Einwanderer geboren. Das Schiff, das seine Eltern als jungvermähltes Ehepaar in New York an Land spuckte, war einer der neuen schnellen Dampfer, die keine zwei Wochen mehr brauchten um den Atlantik zu überqueren.

Margarete Pfänder, geborene Huber, war eine schweigsame schüchterne Frau. Ihre großen blauen Augen hatten immer den erschreckten Ausdruck eines Kindes, das die Mutter aus dem Blickfeld verloren hat. Sie betrat diesen unbekannten Kontinent zögerlich, fest an den Arm von Nikolaus geklammert. Nikolaus Pfänder überragte seine Frau  um Haupteslänge, er hatte einen aufrechten Gang und die Arbeit als Zimmermann hatte seine Muskeln gestählt. Wenn Margarete ihren Mann ansah, hatte sie das Gefühl, er könne die Welt besiegen auch wenn ihm eine Hand auf den Rücken gebunden wäre. Nach der Landung in New York verschlug es die jungen Einwanderer nach Boston, wo sie beide Arbeit fanden. Trotz ihrer schüchternen Art war Margarete der Kopf dieser Ehe, während Nikolaus mit seiner unbändigen Kraft und eisernem Willen die Schwierigkeiten aus dem Weg räumte. Margarete arbeitete als Küchenhilfe bei Jakob Wirth, der ein deutsches Wirtshaus in der Eliotstraße betrieb, wo deutsche Weine und Spezialitäten aus der süddeutschen Heimat angeboten wurden. Jakob Wirth, genannt Jake, war es, der Margarete vorlebte, wie weit man es bringen konnte, wenn man die Sprache des neuen Heimatlandes beherrschte.  Nikolaus und Margarete wollten es schaffen und so sprachen sie auch untereinander nur noch Englisch. Als das erste Kind geboren wurde, änderte Nikolaus den deutschen Nachnamen „Pfänder“  in ein englisches „Pinter“ und das Kind bekam den englischen Vornamen Harold.

Harold war lebhaft und die stille Margarete schien durch dieses Kind wie verwandelt. Sie lachte viel und redete auf das Baby ein, das sie mit ebenso großen blauen Augen wie ihre eigenen ansah. Jetzt verfiel sie auch immer wieder in ihre Muttersprache und so kam es, dass Harold mit dem Klang zweier Sprachen aufwuchs. So sehr Margarete nach ihrer Ankunft in Boston die Assimilation vorangetrieben hatte, so sehr war ihr jetzt daran gelegen, ihrem Kind die eigenen Wurzeln zu vermitteln. Sie war immer noch schüchtern und darauf bedacht, nicht aufzufallen. Ihr Englisch war nahezu akzentfrei, sie war ein natürlicher Teil ihrer neuen Heimat geworden und allmählich fühlte sie sich auch sicher. Harolds offene Art, die Mühelosigkeit, mit der er auf andere Menschen zuging, faszinierten Margarete und sie suchte in seinem Gesicht, in seinen Gesten nach Ähnlichkeiten mit Familienmitgliedern. Harold kannte die abgegriffenen Fotos von fernen Großeltern, Onkeln und Tanten, er konnte jedes Gesicht beim Namen nennen. Seine Spielkameraden hatten leibhaftige Großeltern, die man besuchen konnte und die einem auch mal einen Penny in die Hand drückten. Harolds Familie war neben seinen Eltern eine Familie aus Papier, in schwarz, weiß und grau.

Als Harold viele Jahre später auf der „Olympic“ anheuerte und sich auf die erste Reise nach Europa begab, war die ferne Familie in seiner Vorstellung immer noch schwarz-weiß aber er hatte seinen Eltern versprochen, sobald als möglich die alte Heimat zu besuchen. Eisern sparte er jeden möglichen Dollar seiner  Heuer bis er endlich das Geld für die Reise zum Dorf seiner Eltern zusammen hatte.

Seine Mutter hatte den Geschwistern den Besuch des Sohnes angekündigt. Die Papierfamilie in Deutschland hatte zugesagt, Harold am Bahnhof in Ulm abzuholen. Seit der Abreise von Harolds Eltern waren dreißig Jahre vergangen, die schwarz-weißen Großeltern waren verstorben und aus den ernst dreinblickenden jungen Leuten waren gesetzte Mittfünfziger geworden, die Harold wie ein seltsames unbekanntes Tier bestaunten. Er sprach nur bruchstückhaftes Deutsch als er bei der Verwandtschaft ankam, aber nach ein paar Tagen klappte die Verständigung. Harold besuchte die Gräber der Großeltern und legte im Namen seiner Eltern kleine Kränze nieder, stand mit gefalteten Händen und gesenktem Blick vor den Gräbern und wunderte sich über die bunten Farben der Blumen.

Die Familie reichte Harold herum wie einen Wanderpokal, er besuchte die Geschwister der Mutter und den Bruder des Vaters, lernte die zahlreichen Vettern und Basen kennen und bezahlte am Ende das große Familienfoto, zu dem alle zusammengerufen worden waren. Das sollte eine Überraschung für seine Eltern werden und jetzt war er es, der den schwarz-weißen Figuren auf dem Foto einen Namen geben und die Verwandtschaftsverhältnisse erklären konnte.

Harold blieb zwei Wochen bei der Familie, reiste dann über Paris nach Cherbourg und heuerte wieder auf der „Olympic“ an. Er  beschloss, zukünftig jede Gelegenheit zu nutzen um sein Deutsch weiter zu verbessern. Auf jeder Überfahrt gab es  deutsche Auswanderer oder Heimkehrer, mit denen er als Rezeptionist in Kontakt kam.

 

Was kommt noch?

https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.brand-in-seniorenheim-in-frickenhausen-mit-einem-blauen-auge-davongekommen.33c84e42-d6e2-4445-9583-5230cc387e23.html

 

 

Ungeschick höre auf –

und willst du nicht aufhören so mache wenigstens eine Pause!

(arabisches Sprichwort)

 

Gesten abend der Anruf meiner Schwester: „Im Seniorenheim brennt es!“

Ich bin sofort hingerannt, mit dem Auto fahren machte keinen Sinn, der halbe Ort war abgesperrt….ich war plötzlich mitten in einer Szene wie aus einem Tatort. Sanitäter, Polizisten, Feuerwehrmänner. Die Hilfsbereitschaft der Nachbarn war überwältigend Sie haben ihr Haus geöffnet für die alten Leute, von denen viele wie meine Mum dement sind. Ihr Wohnzimmer wurde Untersuchungszimmer und Aufenthaltsraum,

Sie haben in ihrer Garage Tische aufgestellt für Heimbewohner und Helfer, Kaffee gekocht, Decken und Kleidung verteilt, denn viele Bewohner waren, wie meine Mama, nur mit Schlafkleidung und ohne Schuhe aus dem Haus getragen worden. Unser Pfarrer hat das naheliegende Gemeindehaus als Notunterkunft hergerichtet, sicher waren auch hier viele helfende Hände, aber das habe ich nicht mitbekommen, weil ich dann  ja auf dem Weg ins Krankenhaus war.

Meine Mutter lag im Bett als der Brand im Zimmer eines Bewohners ausbrach, ihr Zimmer liegt direkt daneben. Sie war eine der fünf Personen, die mit Verdacht auf Rauchvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Da sie nicht versteht, was da passiert und wo sie ist, habe ich die Nacht mit ihr in der Notaufnahme verbracht. Darin habe ich ja schon Übung….

Die beiden Wohngemeinschaften aus dem 1. Obergeschoß werden erst in etwa sechs Wochen in ihre Wohnungen zurückkehren können, denn die ganze Etage ist unbewohnbar. Im Zimmer meiner Mutter ist alles kaputt, vom Rauch , vom Ruß und vom Löschwasser.

Am Ende gab es glücklicherweise nur Sachschaden und niemand wurde verletzt. Aber der Schreck sitzt mir noch in den Knochen.Und ich bin voller Dankbarkeit für die vielen Helfer vom DRK, der Feuerwehr und der Polizei und die Anwohner, die spontan geholfen haben.

Für dieses Jahr habe ich genug von Katastrophen. Also bitte: Ungeschick, höre auf!

Putz-und Fegtag

Heute ist mein großer Putz-und Fegtag. Ich räume mein Büro auf, oder besser, ich miste aus. Dringend nötig. In den Untiefen des riesigen Einbauschranks in meinem Büro (es ist der ehemalige Kleiderschrank meiner Eltern, ihr früheres Schlafzimmer ist jetzt mein Büro) habe ich das verschollen geglaubte Sammelbuch der Kindheitserinnerungen meines Sohnes gefunden. Wie es so geht bei dieser Tätigkeit, man kommt nicht wirklich voran, weil man ja alles in die Hand nehmen, alte Fotos anschauen und altes Zeug lesen muss.

In diesem grandiosen Buch sind unter anderem Bonmots von Benedict gesammelt. Hier ein paar Kostproben:

Juli 2002, Benedict auf die Frage was ich ihm vor dem Einschlafen vorlesen soll:

„Eine Nachtgutgeschichte mit ohne Buch!“

10. August 2002 (Benedict ist 3 Jahre alt und wir arbeiten daran, die Windel loszuwerden)

„Jetzt habe ich eine große Kartoffel in meine Windel reinkartoffelt!“

27. Juli 2007 (Benedict ist sechs Jahre alt und komponiert neuerdings eigene Songs mit deutschen Texten)

Benedict´s aktueller Lieblingssongtext:

„Ein Leben ohne Liebe ist unbeschreiblich

noch schlimmer wie ein Leben ohne Polizei!“

 

19. Mai 2008 (Benedict ist knapp 9 Jahre alt)

Benedict ärgert sich, er hat drei Pickel am Kinn.

„Na hoffentlich bekommst du nicht die Masern“, sagt Carmen.

„Nein, ich bin doch geimpft! Und auch gegen Rumpf!“

„Wogegen?!?“

„Gegen Mumpf – oder wie heißt das?“

(Für alle, die eine Erklärung brauchen: er meinte MUMPS)

Einige Wochen später…vorausschicken muss ich , dass ich bei unserem Umbau 2004  im Dachgeschoß eine Toilette mit Urinal einbauen ließ – zwei Männer im Haus, da lohnt sich das 🙂

Bei Benedict Geburtstagsparty gab es einen unbekannten „Stehpinkler“, der zu Carmen´s Ärger die Klobrille nicht wieder runtergeklappt hat und sein Pipi zum Teil auf den Boden gemacht hat. Benedict versucht, den Übeltäter am nächsten Tag zu ermitteln.

„…und dann hab ich ihnen (Anm. seinen Freunden) gesagt, sie hätten das Overal benutzen sollen!“

 

Ich hoffe, ich konnte Euch jetzt ein Lachen ins Gesicht zaubern…oder zumindest ein Lächeln!

 

 

Mögen Sie Pilze?

Pilz, der

Wortart: Substantiv, maskulin

Bedeutungsübersicht

  1. [früher als Pflanze angesehener] blatt- und blütenloser, fleischiger Organismus, der meist aus einem schlauch- bis keulenförmigen Stiel und einem flachen oder kugel- bis kegelförmigen Hut besteht
  2. aus schlauchförmigen Fäden bestehender Organismus ohne Blattgrün, der krankheitserregend sein kann oder in gezüchteter Form zur Herstellung von Antibiotika sowie von bestimmten Nahrungs- und Genussmitteln verwendet wird
  3. (umgangssprachlich) Kurzform für: Hautpilz

(Quelle: Duden)

 

„Zur Zeit ist doch gar keine Pilzsaison“, sagte einer der Gitarristen meiner Band.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, so war das doch, oder?

Ich kann mich nicht einmal mehr erinnern, WANN ich das letzte Mal hier in meiner Wortwabe war, zu lange her. Seit mehr als zwei Monaten habe ich ihn, den Pilz. Er hat sich eingenistet und beschäftigt mich jeden Tag. Er sitzt in meinem linken Auge, hat die Hornhaut durchlöchert und mich wochenlang gequält. Die Augenklinik  in Tübingen ist quasi seit Wochen mein Wohnzimmer. Mittlerweile bin ich in der neunten Woche, allerdings hat es einige Zeit gedauert bis klar war, WAS das ist, da in meinem Auge. Ich wusste bis dato nicht, dass man auch im Auge einen Abstrich machen kann. Nachdem klar war, dass es ein Pilz ist, wurde die Behandlung mit speziellen Augentropfen fortgeführt, die nur in der Apotheke hergestellt werden können. Die gute Nachricht: die fünf Löcher haben sich mittlerweile geschlossen, es gibt keine Vernarbungen, die zu verminderter Sehleistung führen könnten. Die Zeit, die ich auf dem Weg zur Augenklinik (knapp 40 Kilometer einfache Strecke) und dort im Warteraum und bei den vielfältigen Untersuchungen gelassen habe, hat mich allerdings unter Stress gebracht. Denn der Tag hat ja nun mal keine 48 Stunden. Ich musste zwangsläufig alles liegen lassen, was nicht unbedingt nach Erledigung schrie.

Jetzt ist aber Besserung in Sicht. Heute werde ich wieder nach Tübingen fahren, die nächste Ration der Spezial-Wundertropfen abholen. In zwei Wochen ist dann ein weiterer Kontrolltermin. Ein echter Fortschritt, nicht mehr täglich in die Augenklinik zu müssen – die jedoch wirklich ganz großartig ist. Ich bin sehr dankbar, dass ich so nahe an der Universitätsstadt Tübingen mit ihren tollen Kliniken bin.

Noch renne ich meinen Aufgaben hinterher, aber es ist Land in Sicht. So wird auch meine Wortwabe endlich wieder öfter Besuch von mir bekommen. Es ist höchste Zeit wieder zu Schreiben.

Happy Birthday to me

Ich erinnere mich, es gab eine Zeit, da las meine Mama meine Gedichte.

Sie las die Titel und suchte sich dann eines aus, das sie interessierte. Ich bin sicher, sie fand es schön. Vielleicht war sie stolz auf mich, vielleicht war sie auch verwundert, dass es ihr Kind war, das so etwas hervorbrachte. Mag sein, es überraschte sie nicht, denn sie hatte selbst eine natürliche Begabung für den Umgang mit Worten, wie auch mein Vater sie hatte, der wunderbare Reden halten konnte, frei gesprochen, mit viel Empathie. Auf Grund seiner Herkunft, in seiner Generation, als Sohn einfacher Bauern auf dem Land, hatte er keine Chance, etwas aus dieser Begabung zu machen.

Jetzt ist die Zeit gekommen, die ich so gefürchtet habe. Ich wusste, dass der Tag kommen würde, wusste, dass ich mich darauf zu bewege, wie in einem Zug, der fährt ohne anzuhalten, auf sein Ziel zusteuert, ohne eine Chance auszusteigen.

Meine Mama erkennt mich nicht mehr. Auch wenn sie versucht, es zu verbergen, ich weiß, dass sie nicht weiß, wer ich bin.

Vor einigen Tagen hatte ich Geburtstag, und ich hatte keinerlei Bedürfnis, zu feiern oder diesen Tag irgendwie zu zelebrieren, denn sie, die mir das Leben geschenkt hat, weiß nichts mehr von meiner Existenz.

Wie immer, wenn etwas besonders schmerzhaft ist, wende ich mich nach innen, lege den Schmerz ab in diesem geheimen Raum und  verschließe die Tür.

Und ich erinnere mich. Ich erinnere mich an eine Zeit, da las meine Mama meine Gedichte….. .

 

abc Etüden 03-2018 Supernova

Noch ein Beitrag zur Wortspende von Woche 03-2018, von meinem Sohn Benedict

ABC-Etüden : FrB121102 – ultraviolett – Supernovaüberrest

 

 

Supernova

 

„Boah, der ist ja mal ultraviolett!“ ,rief er mit funkelnden Augen, so dass ich unwillkürlich grinsen musste.

„Gefällt er dir?“ ,fragte ich rhetorisch.

Jaa, der passt super zu mir, damit seh ich aus wie Luke!“, antwortete er strahlend.

„Ich brauch ihn nicht mehr, also kannst du ihn gerne ihm Sternenkrieg einsetzen.“, erwiderte ich.

Nachdem er sich eine Weile stolz im Spiegel betrachtet hatte,  begleitet von abwechselnden Grimassen und pantomimischen Lichtschwertschwüngen, glitten seine Hände in die Seitentaschen des im Licht schimmernden Mantels und er blickte mich verdutzt an.

„Was ist das denn? Da steht FrB121102 und irgendwas zum Essen…“, las er stockend ab, in der Hand eine alte zerknitterte Rechnung, deren Beschriftung stellenweise schon verbleicht war.

„Hm, ich schätze das ist ein Supernovaüberrest.“, sagte ich mit tiefer Stimme und bedeutender Miene.

„Ein Super-was? Wie alt ist das denn?“ fragte er noch eindringlicher.

„Da habe ich deine Mama kennengelernt, sie war damals Bedienung dort.“

Ich fuhr fort: „Das FrB steht für Frau Blum und die Zahlen sind das Datum. Das Essen war köstlich, aber nichts gegen ihr Lachen. Das war von einem anderen Stern. Ein paar Wochen später waren wir schon auf Wolke 7“, erzählte ich ihm und zeigte zur Decke, während er mich mit großen Augen anstarrte.

„Aber wo ist sie jetzt, Papa?“, fragte er mit zitternder Stimme, sein ehrliches kindliches Gesicht fixierte mich voller Verständnislosigkeit.

Es dauerte ein paar Momente, bis ich die richtigen Worte fand, um seiner Frage gerecht zu werden.

Ich räusperte mich und sagte: „Sie ist jetzt in einer anderen Galaxie, Jonas. Nur weil ein Stern verglüht, heißt es nicht dass er nicht an einer anderen Stelle weiter existiert. Weißt du, wenn es dunkel wird, kannst du sie sehen. Sie wacht über uns; beschützt uns vor fiesen Aliens und Meteoriden“.

„Also ist sie gegangen um Superheldin zu werden?“, schoss es aus seinem Mund, dieses Mal schon weniger ernst sondern vielmehr voller Bewunderung.

„Ja, so könnte man das sagen.“, sagte ich erleichtert und lächelte.

Schlüssel-los

Sie möchten ja so gerne heraus aus mir, die Geschichten. Aber sie finden die Türe nicht. Jetzt sitzen sie eingepfercht in mir drin und gehen sich gegenseitig auf die Nerven. All die Figuren stolpern sich über die Füße und bringen Zeit und Raum durcheinander. Ich brauche unbedingt einen Schlüssel um dieses Tor aufzuschließen, damit ich sie herauslassen kann. In die vermeintliche Freiheit, die keine sein wird, weil ich der Schöpfer ihrer Welt bin.

Vielleicht bin ich selbst ja auch nicht wirklich sondern nur eine Figur im Kopf irgendjemandes, der sich gerade überlegt, dass ich aufschreibe, dass meine Geschichten aus mir herauswollen aber nicht können.

Ich fasse mich an und versuche zu glauben, dass es mir gelingen könnte, die Realität zu beweisen indem ich mich kneife. Um sicherzustellen, dass ich aus Fleisch und Blut bin.

Ich bin nicht sicher.

Stille Zeit

Warum ist eigentlich die Zeit vor Weihnachten immer so pickepacke vollgepackt? Jedes Jahr habe ich das Gefühl „SO schlimm wie dieses Jahr war es noch nie!“ Und irgendwie scheint der Beginn der „arbeitstechnischen Vorweihnachtszeit“ sich mehr und mehr dem Zeitpunkt des Auftauchens von Spekulatius und Lebkuchen in den Supermärkten anzunähern….das Jahresende winkt schon im September bedrohlich mit der schwarz-weißen Zielflagge.

Ich kämpfe mich durch den Arbeitsberg nach oben und hoffe ständig, dass ich bald mal oben an der Spitze ankomme und den Überblick habe, dann schmeißt wieder irgendwer was oben drauf und ich fang wieder an zu rudern….

Jetzt habe ich auch noch Grippe – noch nicht richtig schlimm aber das soll es auch nicht werden. Also gleich einen Gang runter schalten und mal wieder bei Christiane vorbeischauen und entspannt bei Ingwertee an einer Etüde rumbasteln…die gehen irgendwie (fast) immer.

Ich sehne also Weihnachten herbei – aber einfach deshalb weil ich mal zwei Tage nur abhängen kann und SCHLAFEN! Gähn!

Bassum 2017

Was für ein Sommerabend! Der Tag heute war genauso unerträglich schwül wie gestern, ganz langsam kühlt die Luft jetzt ab und ich sitze jetzt in meinem Garten und genieße die letzten Sonnenstrahlen. Endlich habe ich mal Muse für einen kurzen Bericht von meiner Schreibwoche in Bassum.

Die Volkshochschule Diepholz veranstaltet im Sommer traditionell eine Sommerakademie in der Freudenburg in Bassum. Hier ist der Name Programm, denn dieses Ensemble aus restaurierten Fachwerkhäusern in einem parkartigen Garten ist wirklich eine Oase. Einfach w u n d e r s c h ö n ! Als Seminarteilnehmer eines Workshops, der die ganze Woche dauert, kann man für kleines Geld in der Freudenburg bei voller Verpflegung wohnen und das trägt, zumindest in meinem Fall, sehr zum Wohlbefinden bei. Keine nervige Anfahrt jeden Morgen, ich gehe ein paar Schritte über den Gang und bin im Frühstücksraum oder, die Treppe hoch, im Seminarraum. Wir hatten den Luxus einer fast perfekten Sommerwoche, bis auf einen Regentag hatten wir nur wunderbares Wetter und konnten uns auf der Terrasse und im Garten zum Schreiben hinsetzen. Morgens und am Nachmittag trafen wir wieder als Gruppe mit Jutta zusammen und tauschten uns aus. Morgens gab es eine Schreibübung zum Einstimmen, zwischendurch hatten wir die Möglichkeit, mit  Jutta Reichelt ein Coachinggespräch zu vereinbaren. Die Gruppe war sehr homogen und ich denke, ich kann für alle sprechen: wir haben ein jeder von den anderen profitiert, wurden inspiriert.

Im Raum neben uns war eine Gruppe Frauen, die sich dem Patchwork – Quilting – verschrieben hatten. Beim Austausch am letzten Abend der Woche habe ich gelernt, dass es viele verschiedene Techniken bei Patchwork gibt  und diese Gruppe nur von Hand nähte. Sechs Stiche auf einen Zentimeter, da nahm es Aurelia, die Kursleiterin, sehr genau. Von Martina aus unserer Schreibgruppe kam die Idee, den Patchworkgedanken für eine Gemeinschaftsaufgabe aufzugreifen. Also spendeten wir alle am Dienstag und am Mittwoch je einen Satz und Jutta fügte unsere Einzelsätze zu einem Text zusammen. Danach konnten wir mit diesem Text arbeiten, Wörter oder Satzteile ausschneiden und neu zusammensetzen, Wörter im Text „Schwärzen“ und einen neuen Text erfinden mit den noch lesbaren Wörtern – es gab keinerlei Vorgabe, jeder machte sich an die Aufgabe, wie er/sie wollte. Nach anfänglichem Zögern kam ich dann in Fluß und war völlig begeistert. Wer Lust hat oder grade eine Schreibblockade, sollte das einmal ausprobieren, zum Beispiel mit einem Zeitungstext. Es macht unglaublichen Spaß!

Hier also mein Patchork:

und dann ist da natürlich noch

das Ende der Halmspitzen die sieben Jahre

wieder nachwachsen werden

mit einer scheinbaren Selbstverständlichkeit.

Was braucht der Mensch mehr?

Der Rasenmäher, wie eine kleine Schlange, die langsam durch das Gras gleitet.

Sieben Minuten, aber das Gras wächst weiter.

Nur nicht aufhören.

War da noch was?

Alle finden sich suchend in der Welt.

Wir tun erstmal so, als wäre weiter nichts.

Der Rasenmäher will nicht mehr, ich lege

die Liste der Namen in diesen hellen, sonnigen , erfrischenden Morgen.

Die Geschichten, die ich nie schreiben werde,

bluten Sprache

Ich liebe den deutschen Sommer – es ist die schönste Woche im Jahr!

okay, ganz so schlimm ist es nicht, zumal ich mich glücklich schätzen kann, nicht zu den gebeutelten Menschen zu gehören, deren Haus überschwennt wurde und die jetzt ohne Existenzgrundlage dastehen, weil sie nicht gegen Elementarschäden versichert waren.

Aber heute hatte ich das beklemmende Gefühl, der Planet will uns loswerden, Wie ein Tier, das sich schüttelt um die Fliegen zu vertreiben. Die Schmeißfliegen. Erinnert sich noch jemand an das Buch „Die grüne Rache“? Muss in den 80ern gewesen sein, als es im „Stern“ abgedruckt wurde, jede Woche ein paar Seiten. Meine Mutter war eine Stern-leserrin der ersten Stunde und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie je eine Ausgabe versäumt hat in Jahrzehnten bis, naja, bis zum  November 2014

Damals konnte man also im „Stern“ noch Bücher als Vorab-Druck lesen. Eben auch „Die grüne Rache“. Und ich erinnere, dass es in dem Buch genau darum geht: die Natur wehrt sich. Genaues weiß ich nicht mehr aber eine Szene habe ich nicht vergessen, eine Frau wird von einem Baum „gekapert“ und er wächst um sie herum…gruselig. Verdenken könnte man es dem Planeten, Mutter Erde, nicht, wenn dem so wäre. Sie überschwemmt uns, läßt uns vertrocknen, verhungern – und den Rest erledigen wir selbst.

Morgen wird voraussichtlich die Sonne wieder scheinen, die Nacht ist sehr mild, fast schon lau. Dann vergesse ich wieder, dass ich schon ewig keinen Schmetterling mehr gesehen habe, noch keinen einzigen Marienkäfer und wenig Bienen,

Scheint heute mein Tag der Schwermut zu sein.

In meinem Garten, Sommer 2014.

können Sie sich ausweisen?

Einen Schriftsteller erkennt man nicht an seinem Ausweis sondern an dem, was er gschrieben hat!

lässt Michail Bulgakow eine seiner Figuren in „Der Meister und Margarita“ sagen.

Dann hoffe ich mal das Beste, denn mein Reisepass ist abgelaufen. Dank der intensiven Schreibzeit in Bassum bin ich jedoch ein gutes Stück weitergekommen,und habe ein optimistisches Ziel ins Auge gefasst, mich sozusagen weit aus dem Fenster gelehnt:

nächstes Jahr will ich in Bassum an einem neuen Projekt arbeiten. Warum? na, weil ich das „alte“ beendet habe!

Der Plot steht endlich , die Szenenplanung auch und rund 70 Seiten sind in der Schublade, 50 davon bereits überarbeitet. Das Ziel ist also greifbar. Jetzt muss ich mir nur noch jeden Tag die Karotte vor meinen Schweinehund-Esel hängen, dann klappt das.

das ist übrigens der Blick aus dem Paradies ——- der Blick  aus dem Raum, in dem unser Workshop stattgefunden hat. Himmlisch!

ach, die Liebe!


Inspiriert von Christiane, die zu den abc Etuden auch eine kleine Geschichte über den Beginn einer Liebe geschrieben hat, schenke ich euch heute mal ein Gedicht eines meiner Lieblingsdichter, Joachim Ringelnatz. Ich mag seine, oft ein bißchen schrägen, Geschichten, die er in seinen Gedichten erzählt.

Joachim Ringelnatz

Der Briefmark

Ein männlicher Briefmark erlebte
was Schönes, bevor er klebte.
Er war von einer Prinzessin beleckt.
Da war die Liebe in ihm erweckt.

Er wollte sie wiederküssen,
da hat er verreisen müssen.
So liebte er sie vergebens.
Das ist die Tragik des Lebens!

Hallelujah!

…und nochmal mit Inbrunst: H A L L E L U J A H !

Die Zahl des Tages: 2,4. Das ist die amtlich errechnete Durchschnittsnote des Zeugnisses der allgemeinen Hochschulreife – oder wie es die Schulleiterin meines Sohnes genannt hat, des „höchsten möglichen Schulalbschlusses in Deutschland“ von Benedict, meinem Sohn. Und für mich der Schlusspunkt unter die Schulzeit. Ein Quantensprung! Nie mehr auf Schulferien Rücksicht nehmen, school`s out for ever! Ich fühle mich, als ob jemand Eisenkugeln von meinen Füßen entfernt hätte – Freiheit! Kein Schulkind mehr zu haben ist eine derartig berauschende Aussicht, dass ich es noch garnicht fassen kann!

Heute abend war die offizielle Verleihung der Zeugnisse und damit mein letzter Besuch im Hölderlingymnasium. Nochmal Hallelujah!

Men Sohn ist wunderbar und wird seinen Weg gehen. Ich habe einen großen Teil meiner Aufgabe schon erledigt. Jetzt wird er das Nest verlassen und das ist auch gut so. Für uns beide heißt es jetzt: auf zu neuen Ufern! Ich bin mindestens so erleichtert wie er und freue mich auf die andere Zeit, die jetzt auch für mich beginnt. Ich habe noch viel vor und freue mich auf das was kommt!