abc Etüden 04/2018

Discokugel

Wahnsinnig

Klauen

für diese Woche kommen die 3 Wörter von Sabine von wortgeflumselkritzelkram (wortgeflumselkritzelkram.wordpress.com), die Grafik ist von Ludwig und die Aufgabe ist, bekanntermaßen, aus diesen 3 Worten in 10 Sätzen eine Geschichte zu bauen. Bei Christiane findet ihr alles, was man über die abc Etüden wissen muss und die links zu den vielen wunderbaren Geschichten der anderen abc-Etüden-Junkies!

https://365tageasatzaday.files.wordpress.com/2018/01/2018_04_2_zweia.jpg?w=482&h=482

Warum hängt man sich so ein Ding in die Wohnung, mit Elektroantrieb, als Glitzerlampe im Dauerbetrieb?

Die Lichtspiegelungen wanderten durch den Raum, wie tastende helle Finger, immer rundherum, schienen mir zu folgen, es machte mich wahnsinnig.

Ein Fingernagel war  mir abgebrochen, was sehr,  sehr ärgerlich war, denn es war der Zeigefinger der rechten Hand und die Nageldesignerin hatte ihn handbemalt mit einer Miniatur-Mona-Lisa.

Nun ja, ein bisschen Schwund ist immer, dachte ich, am Ende muss man alles gegeneinander aufwiegen und suchte in dem diffusen Licht nach der schwarzen Sporttasche.

Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich klauen würde, im Gegenteil, ich fand, das Geld stand mir zu.

Barny und Joe hatten sich nie über den Weg getraut, bis zum Ende nicht, einer gönnte dem anderen die Butter auf dem Brot nicht.

Als der Streit eskalierte war hatte ich mich im Bad eingeschlossen und war erst wieder herausgekommen als es still war,  ganz still.

Joe saß am Boden, die Beine leicht gespreizt, sein Kopf hing herab und die Wand war blutverschmiert, Barny lag neben dem Tisch, eine hässliche Wunde klaffte in seiner Brust und ich versuchte nicht hinzusehen, als ich die Sporttasche unter dem Tisch hervorzog, die Geldbündel herausnahm und in meine Tasche stopfte.

Was konnte ich dafür, wenn diese beiden Alpha-Männchen sich die Köpfe einschlagen mussten – ich hatte nur Schmiere gestanden.

Ich nahm meinen Revolver aus der Tasche, schoss die verdammte Discokugel von der Decke und verließ das Haus.

abc Etüden Textwoche 03.18 LIEBE

Das Jahr eilt voran, schon sind wir in Woche 3 angekommen…und siehe da, die Etüden feiern ihr Einjähriges! Herzlichen Glückwunsch an uns Etüdenschreiber und vielen Dank an Ludwig, den Erfinder und an Christiane , die Woche für Woche auf ihrem Blog viel Zeit investiert um die abc Etüden am Laufen zu halten!

Dieses Mal kommen nicht nur die Grafiken sondern auch die Wörter von Ludwig, es gilt sich dem zu stellen:

FRB 121102 (FRB = Fast Radio Burst, hier speziell zu FRB 121102 nachlesen)
ultraviolett
Supernovaüberrest.

Diese 3 Wörter sind, so ist die Aufgabenstellung, in einer Geschichte mit nicht mehr als 10 Sätzen unterzubringen.

2018_03_3_lz | 365tageasatzaday

In den Äonen seit des Großen Friedens hatte es einen solchen Fall noch nie gegeben, niemand hatte sich je erhoben gegen die Charta, niemand hatte gegen die Regeln des Einen Volkes verstoßen.

Und jetzt hatte ausgerechnet Kaibu, der begabteste unter den Schülern Z`Aano`s das getan, was das Eine Volk mehr bedrohte, als die ultravioletten Strahlen des Supernovarrests aus der Nachbargalaxie.

`Wie lange sendet er das Signal schon?`, der Gedanke des Vorsitzenden des Großen Rats teilte die Stille.

`Seit zwanzig Sonnen wissen wir davon, aber er sagt uns nicht, wann er damit begonnen hat`,  Z ´Aanos Gedanke hatte eine besorgte Schwingung und so schwang auch der nächste Gedanke, der in das Bewusstsein der Anwesenden floss.

`Das wirklich Beunruhigende ist, dass die Wellen aufgefangen wurden auf einem Planeten mit unterentwickelten, kriegerischen Lebewesen, die sich gegenseitig bekämpfen anstatt sich liebend zu respektieren und die die Mutter Erde, die sie nährt, mehr und mehr zerstören.`

Der Vorsitzende hob seinen Kopf und öffnete die Augen, seine Frage bohrte sich in die Gedanken der ganzen Runde und jeder spürte, dass dies der entscheidende Punkt war.

`Verstehen Sie was er sendet?`

`Nein, sie nennen die Wellen FRB 121102 und glauben, der Ursprung wäre drei Milliarden Lichtjahre entfernt.

Ihre Technik ist unterentwickelt, sie wissen nicht, dass sie uns viel näher sind, als sie glauben, weil wir uns bis jetzt vor ihnen verbergen konnten.`

Der Vorsitzende versank in Schweigen und als er die Augen wieder öffnete sendete er seinem Volk die Antwort auf diese Bedrohung.

 

 

 

 

abc Etüden Textwoche 02.18 NEUSTART

2018_02.18_1_eins_lz | 365tageasatzaday

Das sind die Wörter dieser Woche, gespendet von Christiane. Alles, was man wissen muss zu den abc Etüden, findet Ihr auf Ihrem Blog https://365tageasatzaday.wordpress.com/

Die Grafik oben kommt wie immer vom Etüden Erfinder Ludwig Z.

3 Wörter in 10 Sätze verpackt – ich habe es heute genutzt um mich nach langer Abstinenz in meiner Wortwabe wieder zurück zu melden. Möge das neue Jahr ein produktiveres werden, bitte OHNE die Katastrophen des letzten Jahres!

Ich wünsche allen, die hier vorbeischauen, ein glückliches neues Jahr, voll strotzender Gesundheit, mit Glück, das vom Himmel fällt und Herausforderungen, die gestemmt werden können!

Hier meine Etüde:

Wie lange will ich die nie gefassten guten Vorsätze noch auf die lange Bank schieben?

Ich fühle mich irgendwie speckig, das neue Jahr türmt sich vor mir auf wie eine riesige Bürde von noch nicht gelebten Tagen, unüberwindlich.

Die ersten Tage sind vorbeigezogen im Permastress der Nach-Weihnachtszeit, mit frühen Geburtstagen, die ich immer vergesse, was mir dann gleich zu Jahresbeginn die Schamröte ins Gesicht treibt.

Wozu gibt es den Kalender im Handy, der mich doch treu und brav an alles erinnern würde, hätte ich es denn eingespeichert –

Ein Jahreswechsel ohne Weihnachten direkt davor wäre deutlich entspannter.

Der Kalender ist schon im Januar angekommen, meine Seele noch nicht.

Ich dümple immer noch im Niemandsland zwischen den Jahren herum, frage mich, ob es Zeit wäre die Weihnachtsdeko wieder in Kisten zu verstauen und mich mit nackten Fensterbänken ohne Kitsch anzufreunden.

Die Vögel singen so, wie sie an Frühlingstagen singen, die sind wohl auch aus der Zeit gefallen, willkommen im Club!

Der Kalender zeigt den achten Januar, das bedeutet zumindest, es ist kein weiterer unsäglicher Feiertag in Sicht, kein Geburtstag, den ich vergessen könnte, das Leben scheint sich wieder in die gewohnten Bahnen einzuordnen mit allem, was dazugehört: neue Gesetze, Berufsverkehr, Stau auf der A 8, und dem restlichen ganz normalen Wahnsinn.

Hilft ja nichts, weitermachen, heißt die Devise, immer weitermachen, seit Neuestem eben 2018.

abc Etüden KW 48 : Schwarze Nacht

https://365tageasatzaday.files.wordpress.com/2017/11/2017_48-17_eins.jpg?w=625&h=625

Puh, hatte ja schon Entzugserscheinungen – dank Schnupfennase habe ich mir heute mal Zeit für einen entspannten Etüden-Schreibabend genommen. Manchmal fliegt einem ja auch sofort was zu wenn man die Wörter liest. So wars bei mir mit den drei Wörten von Frau Myriade

Flussbett

langwierig

klöppeln

Die Grafik kommt von Ludwig Zeidler, zu finden bei https://ludwigzeidler.de/ , der Christiane, die die abc Etüden auf ihrem blog hostet, zuverlässig mit seinen tollen Grafiken versorgt.

Viel Spaß mit meiner Etüde!

Schwarze Nacht

Der Schlitten raste neben dem Flussbett entlang.

Die Nacht war so schwarz, dass die Tannen sich kaum vom Horizont abhoben.

Alles schien in einem dunklen Nebel zu versinken und jeder schickte ein Stoßgebet zum Himmel, in der Hoffnung, der Mond möge endlich die Wolken durchdringen und sein kaltes Licht auf die Erde  schicken.

Das Ausarbeiten der Route war derartig langwierig gewesen, dass Frau Claus behauptet hatte, sie hätte in derselben Zeit ein Spitzendeckchen klöppeln können.

Aber es war nun einmal wie es war, sie konnten jetzt eben nur an Flüssen und großen Straßen entlang reisen,  sonst wären sie völlig verloren gewesen.

Umwege ih Kauf zu nehmen war das kleinere Übel, denn niemand aus dem Team hatte Interesse daran, sich zu verirren in dieser stockfinsteren Nacht.

In kleine Seitenstraßen abzubiegen war  jedoch nicht immer zu vermeiden, und es grenzte jedes Mal an ein Wunder, wenn sie dann doch wieder auf der Hauptroute landeten und das nächste Ziel ansteuern konnten.

Der kranke Rudolf hatte dieses Jahr alles durcheinander gebracht.

Ohne das Licht seiner Nase den Weg zu finden war so irrsinnig anstrengend für alle Beteiligten, dass Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Donner und Blitzen beschlossen, Santa Claus endlich ein Navigationsgerät zu Weihnachten zu schenken.

 

abc Etüden/ Der kleine freche Wind

Noch eine kleine 10 Sätze Geschichte mit den von Rina P gestifteten Worten

Hyperknall

Pudelwohl

Wanderdüne

für die abc Etüden. die von Christiane gehostet werden.

Ich bin bekennender Märchenjunkie und da liegt es nahe, dass es mal wieder ein Märchen geben muss……

Das Märchen vom kleinen Wind

Es war einmal ein kleiner frecher Wind, in der Wüste Namib, der träumte davon, ein großer Wüstensturm zu werden wie seine Brüder, die den Sand kilometerweit durch die Wüste jagten oder hoch in den Himmel aufsteigen ließen.

Aber er war eben ein kleiner Wind und schaffte es nur, den Sand zu einem Häufchen aufzutürmen.

Aber der kleine Wind gab nicht auf und aus dem kleinen Haufen Sand wurde bald ein größerer und dann ein noch größerer und eines Tages beschloss der kleine Wind, den größten Sandhaufen der Erde zusammen zu blasen.

Seine Brüder lachten ihn aus und sagten; „du hast ja einen Hyperknall! Wir Wüstenwinde haben schon immer den Sand durch die Welt getragen und nicht zu einem Haufen aufgetürmt!“

Doch der kleine Wind ließ sich nicht beirren, denn er fühlte sich pudelwohl, auch wenn er alles anders machte, als es sich für einen Wüstenwind gehörte.

Seine Brüder wollten ihn necken und nachts, wenn der kleine Wind schlief, schoben sie den großen Sandberg weiter, sodass sich der kleine Wind am Morgen verdutzt die Augen rieb wenn er seinen Sandberg nicht mehr neben sich fand.

Irgendwann war der riesige Berg aus Sand nicht mehr zu übersehen und die Menschenwesen kamen um ihn zu bestaunen und nannten den Berg „Big Daddy, die größte Wanderdüne der Welt“.

Da war der kleine Wind glücklich, dass er etwas so Großartiges vollbracht hatte obwohl er alles anders gemacht hatte als seine Brüder und er legte sich jede Nacht auf die Spitze von Big Daddy und sah auf zu den Abermillionen Sternen, die über der Wüste funkelten.

Und weil die Winde unsterblich sind, schieben sie die große Düne immer weiter und weiter und weiter…..

 

 

abc Etüden / Big Daddy

Hyperknall

Wanderdüne

Pudelwohl

sind diese Woche die Worte für die Schreibeinladung zu den abc-Etüden. Sie sollen, verpackt in maximal 10 Sätzen, zu einer Geschichte verarbeitet werden.

Die Wortspende kommt von Rina P.

Christiane sammelt die Geschichten auf ihrem Blog, dort ist auch alles, was man wissen muss, nachzulesen. Ludwig Zeidler stiftet jede Woche die Grafiken für die Etüden. Mitmachen kann jeder, also nur zu!

https://365tageasatzaday.files.wordpress.com/2017/10/2017_44-17_eins1.jpg?w=533&h=610

Das konnte man wohl als Hyperknall bezeichnen.

Wie gut glaubst du, kennt dich dein Partner nach zehn Jahren Beziehung?

Weiß er, in welchen Momenten du dich pudelwohl fühlst?

Wie um alles in der Welt war Gerd auf die Schnapsidee gekommen mir dieses Geschenk zum  Jahrestag zu überreichen?

Er muss wahnsinnig sein, hatte ich gedacht.

Eine Reise zu Big Daddy, der angeblich größten Wanderdüne der Welt, eine Reise in die WÜSTE!

Als ich den Jeep startete, sah ich nicht mal in den Rückspiegel.

Ich fand, er hatte es verdient.

Wenn er sich das Wasser gut einteilte würde er durchhalten bis die nächste Reisegruppe eintraf.

Falls nicht – würde Big Daddy ihn in seine staubigen Arme schließen.

abc Etüden KW 42/ 2033

Aus verschiedenen Gründen war ich wochenlang abgetaucht, der Hauptgrund war ein totaler Systemabsturz mit weitreichenden zeitraubenden Folgen – aber das ist eine andere Geschichte.

Endlich kann ich mir mal wieder die Zeit nehmen, eine Etüde zu fabrizieren. Für alle, die die abc Etüden nicht kennen, alles was man dazu wissen muss findet Ihr bei Christiane

3 Worte, diese Woche wurden sie gespendet von Gerda Gazakou

und lauten:

verdammt
Zweibrücken
grenzenlos

in 10 Sätzen zu einer Kürzestgeschichte verarbeiten, das ist das Ziel.

Hier meine Etüde für Kalenderwoche 42, die Grafik ist von Ludwig Zeidler, der die abc Etüden erfunden hat.

 

https://365tageasatzaday.files.wordpress.com/2017/10/2017_42-17_eins1.jpg?w=610&h=610

                                    

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„Er kam aus Zweibrücken“, sagte ich und beobachtete Mara aus dem Augenwinkel, sie  saß vornübergebeugt auf ihrer Bastmatte und malte mit den  Zehen Muster in den Sand.

„Das ist alles verdammt lang her und wir wollen doch heute deinen sechzehnten Geburtstag feiern, Liebes“, ich schlug einen fröhlichen Ton an,“ endlich volljährig!“

Mara wandte sie sich mir zu, ihre grünen Augen leuchteten im Sonnenlicht auf und starrten mich an, wie die Augen einer Katze, die ihre Beute fixiert.

Ich lauerte hinter meiner Sonnenbrille auf ihre Reaktion, bereit für meine Verteidigung, denn ich rechnete fest mit einem Angriff.

Sie fixierte mich mit ihrem Blick und das Schweigen, das sich zwischen uns ausbreitete erschien mir so grenzenlos wie der Ozean vor uns.

„Meinst du nicht, es wäre an der Zeit mit diesem Zweibrücken-Märchen endlich aufzuhören?“ sagte Mara und ihre Stimme war kalt.

Sie zog einen zerknitterten Umschlag aus ihrer Strandtasche und hielt ihn hoch.

Ich erkannte den Umschlag sofort, wusste was er enthielt und verfluchte meine Angewohnheit, aus Sentimentalität alles aufzubewahren, doch bevor ich eingreifen konnte riss Mara den Umschlag auseinander, holte den Kontrakt heraus und warf ihn vor mich in den Sand.

Mara hatte ihren perfekten Körper zwischen mich und die Sonne geschoben, stand wie ein von hinten beleuchteter Racheengel vor mir, beugte sich mit einer grazilen Bewegung zu meinem Ohr  und  flüsterte „23andMe, weißt du noch, Californien 2016?“

Dann richtete sie sich auf und schrie mich an: „ Und bist du denn zufrieden mit deiner Schöpfung, deiner Kreatur – “, sie machte eine Pause und spuckte das Wort in die Luft, „ – Göttin?“

 

Ich habe ein bisschen nach vorne gesehen in der Zeit…aber es ist dennoch keine Science Fiction – leider. Lest selbst in diesem  Artikel in der FAZ vom 04.10.2013

Außerdem gehe ich in meiner Geschichte davon aus, dass 2033 die Kinder mit 16 Jahren volljährig sein werden und wahrscheinlich auch, falls es dann noch so heißt, mit sechzehn das Abitur machen und sich auf ihre nächsten 100 Lebensjahre vorbereiten. Ich bin 2033 schon in Rente, habe hoffentlich die Chance, das zu erleben und zu überprüfen ob ich recht behalten habe. Eigentlich will ich es garnicht wissen……

 

 

 

KW 13.2017 Alles wird gut – wird alles gut?

uiuiui…Bernd von red skies over paradise hat uns ja was eingebrockt diese Woche….die 3 Wörter waren herausfordernd. Aber was ein echter Etüdenfan ist, gibt so schnell nicht auf.Und irgendwie wollte ich ja auch die Geschichte von letzter Woche weiterspinnen – doppelte Herausforderung. Drei Worte, zehn Sätze und die Idee, daraus eine Geschichte zu bauen. Alles, was Ihr dazu wissen müsst, findet ihr bei Christiane, die freundlicherweise die Etüden als Host begleitet. Unermüdlich in seinem Schaffen schenkt uns Ludwig Zeidler die Grafiken zu den Wortspenden!

Hier die Etüde dieser Woche (und wer mag kann die letzte Etüde noch davor lesen, diese ist quasi auch die Fortsetzung….)

Alles wird gut – wird alles gut?

Das sizilianische Kaff lag in der Mittagshitze wie eine träge Raubkatze, die Fenster verschlossen, die Schlitze der Jalousien wie gesenkte Lider, schlafend aber wachsam und immer bereit zuzuschlagen, ich war auf der Hut.

Als der dicke Salvatore mit aufgeschlitzter Kehle von seinem Stuhl rutschte hörte ich einen Schrei – den Schrei einer Frau – ich drehte mich auf dem Absatz um, spähte durch den schlecht beleuchteten Raum und entdeckte sie hinter einem der vollgestopften Regale.

Sie lugte zwischen Kartons hindurch, ich sah nur kastanienbraunes Haar und weit aufgerissene Augen, die mich entsetzt beobachteten, als ich auf sie zuging.

Ich vermutete, sie erwartete, dass ich einer von den ganz bösen Jungs war, die vergewaltigen, brandschatzen und morden und sie jetzt mein nächstes Opfer sein würde.

Wir werden jetzt gemeinsam hier raus gehen und verschwinden,“ ich nahm sie am Arm und zog sie mit mir zur Tür, drehte mich noch einmal um und rief demonstrativ „Ciao Salva!“ in den Raum, zog die Tür hinter uns zu, öffnete die Beifahrertür meines Transporters und schob sie ins Auto.

Sie war nicht nur hübsch sondern auch vernünftig, denn sie schrie nicht und redete kein Wort, sie starrte mich nur völlig unverfroren an und ich wünschte mir, sie in den hermetisch abgeriegelten Laderaum meines Transporters verbannen zu können um ihren Blicken zu entgehen.

Ich hatte nicht viel Zeit, ich würde die Hilfe der Fremden brauchen können, wenn ich Gina retten wollte, deshalb entschied ich mich, sie mit der Wahrheit zu konfrontieren.

Wir müssen in die Sicani Berge, zu Salvatores Hütte, hat mir gesagt, er hätte sie eingemauert hinter dem Keller, der Irre, wir werden wohl einen Kellerdurchbruch machen müssen, dieses Schwein, nur weil sie ihn nicht wollte, meine schöne Schwester und dieser fette Frosch, ein Perverser, unvorstellbar, hoffentlich komme ich noch rechtzeitig – “ ich redete ohne Punkt und Komma auf sie ein, gestikulierte wild herum und plötzlich sprach sie:

Pardon Monsieur, je ne comprends rien – I don´t understand anything – non capisce ….“

Eine Touristin – was war ich nur für ein ausgemachter Trottel.

 

abc Etüden Woche 22-2017 Beurteilen Sie das Buch nie nach dem Umschlag!

Es ist mir nicht mehr möglich, mich der Verführung zu entziehen, egal wie angefüllt mit Arbeit die Woche auch ist, es findet sich ein Zeitfenster für die abc etüden. Bei Christiane findet ihr alles WIssenswerte, kurz zusamengefasst 3 Wörter und 10 Sätze ergeben eine Kürzest-geschichte. Ins Leben gerufen von Ludwig Zeidler, der mit seinen wunderschönen Grafiken Woche um Woche das Projekt bebildert.

Hier meine Etüde mit den Worten der Woche:

Kramladen

verlustieren

Angst

 

Beurteilen Sie das Buch nie nach dem Umschlag!

Sanne fühlte sich schon immer vom Abgründigen, Dunklen angezogen.

In dem kleinen Kramladen waren auf staubigen Regalböden aus kieselgrauem Resopal Dosensuppen und Hundefutter gestapelt, Garnrollen mit festem schwarzen Zwirn, Nähnadeln, angestaubte Verpackungen von Glühbirnen – alles lagerte scheinbar planlos in dem stickigen Raum, die Leuchtröhre über ihr flackerte immer wieder.

Zuerst hörte sie nur seine Stimme, weich, warm und tief, wie das entspannte Schnurren einer großen Katze, sie drehte sich wie elektrisiert um und spähte zwischen Mehltüten und einem originalverpacken „Starmix“ aus den siebziger Jahren,  zur Kasse, wo er, ihr den Rücken zuwendend, mit dem Besitzer des Ladens verhandelte, der wie ein dicker träger Frosch hinter der Kasse saß und den Fremden aus großen basedowschen Augen musterte.

Sie sah schwarze Haare, die im Nacken zu einem Zopf zusammengebunden waren, breite Schultern in einem verwaschenen, meerblauen T-Shirt, muskulöse braungebrannte Arme und einen vermutlich perfekten Hintern in der lässigen Jeans.

Sanne verstand nicht, worum es in dem Gespräch ging, doch das war unwichtig denn sie folgte nur  dem Klang dieser Stimme, schloss für einen Moment die Augen und stellte sich vor, wie sie sich mit diesem Mann am Strand verlustieren könnte.

Einem inneren Impuls folgend blieb sie dennoch  hinter dem Regal stehen, beobachtete die Szene schweigend mit angehaltenem Atem und wartete auf den Moment, da er sich umdrehen und sie sein Gesicht sehen würde.

Dann veränderte sich der Ton zwischen den beiden Männern, sie wurden lauter, schrien sich an, das hohe gequetschte Keifen des Froschs und das tiefe drohende Brummen des Fremden verkeilten sich in der Luft, der Dicke sprang auf und wollte durch die Tür hinter der Kasse ins Hinterzimmer flüchten, Stahl blitzte auf und Sanne sah entsetzt, wie Blut in einer breiten Fontäne aus dem kurzen Hals des dicken Mannes gepumpt wurde.

Sie schrie auf und hielt sich im selben Augenblick die Hand vor den Mund, doch es war zu spät, der Fremde drehte sich um, sein Blick tastete sich durch den Raum und ihre Augen trafen sich.

Sanne erstarrte vor Angst und war unfähig, den Befehlen ihres Gehirns zu folgen, sich umzudrehen, die rettende Tür nach draußen in die Sonne zu öffnen und zu verschwinden.

Als er vor ihr stand, dachte sie, sein Gesicht ist noch schöner als ich es erwartet hatte.

abc Etüden 21-2017 Obsession

dieses Mal war es eine echte Herausforderung, vermeintlich alltägliche Worte aber die Kombi – au weia. Nicht so einfach, finde ich zumindest. Heute abend war ich im Ballett, „Don Quichote““ mit der wunderbaren Alicia Amatriain. In der ersten Pause, blieb ich an meinem Platz und habe diese kleine Geschichte geschrieben, die plötzlich da war….

Wie immer gab es eine Wortspende, dieses Mal von Andrea aus Bremen, und die schöne Grafik stammt von Ludwig Zeidler. Alles, was man über die abc Etüden wissen muss, findet ihr bei Christiane.

3 Worte, maximal 10 Sätze, eine Geschichte.

Sie war zart wie eine Elfe, ihr Körper schwebte über die Bühne  wie der Samen einer Pusteblume. Gottfried s Augen hingen an ihren schmalen Fesseln, den zierlichen und doch so kräftigen Füßen,  den großen Augen in dem schmalen Gesicht. Er beneidete den Tänzer an ihrer Seite mit aller Inbrunst, zu der er fähig war. Hier war seine Welt, nicht in der Markthalle am Käsehobel. Jeden Cent, den er entbehren konnte, sparte er für die Eintrittskarten, denn er wollte ihr so nahe wie möglich sein. Immer saß er in der ersten Reihe, etwas seitlich, damit er seine Rosen  auf die Bühne werfen konnte ohne dass sie im Orchestergraben landeten. Und jetzt kam der große Tag, an dem die Companie zugunsten eines Hilfsprojekts Dinge versteigern würde, unter anderem ein Paar zertanzte Spitzenschuhe der Primaballerina. Gottfried hatte seine ganzen Ersparnisse dabei, fünftausenddreihundertachtundsechzig Euro, und als die Schuhe aufgerufen wurden, bot er erst zaghaft und dann entschlossen mit. Als der Hammer beim letzten Gebot dreimal auf Holz schlug und er bei 8550 Euro den Zuschlag bekam, stand er zitternd auf und dachte: ich werde einen Kredit aufnehmen müssen.

abc Etüden 20-2017 Happy Birthday

hier die zweite Etüde mit der Wortspende von Ludwig Zeidler: Golfrasen, Gebrauchsanweisung, Bürosex. Alles rund um das Thema abc-Etüden könnt Ihr bei Christiane  

nachlesen. 3 Worte, maximal 10 Sätze, eine Geschichte.

Happy Birthday

Ganz ehrlich, ich kann keinen Golfrasen mehr sehen, das viele Grün deprimiert mich.  Mein Abschlag ist berüchtigt, seit ich gestern einem meiner Mitstreiter den Golfschläger in die Magengrube gerammt habe, weil er sich nicht rechtzeitig in Sicherheit gebracht hat.  Ich bin einfach nicht geeignet für Dinge, die man nicht durch das Lesen der Gebrauchsanweisung versteht, Golfen gehört dazu.  Im Vergleich hierzu ist mein Job eine Ansammlung von Highlights, vor allem der Bürosex mit meiner Praktikantin fehlt mir, ich gebe es zu. Ich quäle mich dennoch seit vier Tagen jeden Morgen auf den Golfplatz und habe noch weitere drei  Tage vor mir. Meine rechte Schulter schmerzt und irgendwie habe ich mir auch die Hüfte verrenkt, glaube ich. Beim Abendessen humple ich zum Tisch wie ein Greis, da hilft auch der maßgeschneiderte Anzug nicht mehr weiter. Ich finde mich selber ja schon so wenig anziehend , dass ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, wie irgendeine der anwesenden Damen mich attraktiv finden könnte. Ich habe wirklich keinen blassen Schimmer warum meine Freunde geglaubt haben, eine Woche Golfurlaub im Single-Hotel wäre das einzig wahre Geschenk zu meinem Fünfzigsten.

abc Etüden 20-2017 Mit links

Neue Woche neues Etüden-Glück! Dieses Mal mit der Wortspende vom Etüden-Erfinder himself, Ludwig Zeidler!

3 Worte, 10 Sätze, eine Geschichte – das Ganze wird betreut von Christiane, die sich über jeden neuen Etüdenfan freut!

Mir ist meine kleine Geschichte „mit links“ aus der imaginären Feder geflossen, und mit einem Augenzwinkern 🙂

Die Gebrauchsanweisung für guten Golfrasen hatte er in irgendeinem Ordner auf seinem  zugespamten Laptop. War jetzt auch völlig egal, was die feinen Pinkel zum Zustand des Rasens anzumerken hatten. Die waren ja schon zu blöd gewesen um zu durchschauen, dass die Referenzen von den drei Golfclubs in Kalifornien, wo er angeblich als Head-Greenkeeper einen „very good  job“ gemacht hatte, allesamt gefälscht waren.  Wenn sich etwas gelohnt hatte in seinem  Leben, dann das amouröse Abenteuer mit der kleinen Grafikerin, die ihm außer prickelndem Bürosex auch noch einen kostenlosen Crashkurs in Phtoshop gegeben hatte. Mittlerweile konnte er jedes gewünschte Dokument herstellen.  Dieser Provinzgolfclub hatte genug Geld, um sich einen Stab von Mitarbeitern für die Platzpflege zu leisten, die jetzt von ihm geführt werden sollten und hatte außerdem eine piekfeine Wohnung direkt am Golfplatz zu vergeben. Das einzige Problem bei der Sache war, ein Greenkeeper musste mindestens ein Handicap von 36 vorweisen, er hatte aber noch nie einen Golfschläger in der Hand gehabt. Nach intensiver Recherche über die Gesundheitsrisiken des Golfsports legte er sich daher eine „Golfschulter“ zu  und teilte dem Vorstand beim Vertragstermin mit einer Träne im Augenwinkel mit, dass dieser Schmerz  leider chronisch war, was er zutiefst bedauerte als er mit der linken Hand seine Unterschrift unter den Fünfjahresvertrag für Job und Wohnung setzte.  „Ich werde wohl nochmal von vorne anfangen müssen“, sagte er seufzend. „Mit links.“

abc Etüden KW 19.17 / Neben uns

Das Jahr eilt voran – nun sind wir schon in der 19. Woche angelangt…und wieder gibt es eine, wie ich finde, wunderbare Wortspende, sie kommt von Jaecki Lindenau, die schönen Grafiken wie jede Woche von Ludwig Zeidler. Auf der Seite von Chrstiane findet Ihr alles Wissenswerte zu den abc Etüden. 3 Worte, maximal 10 Sätze, eine Geschichte.

Sie war völlig erschöpft.

Stundenlang hatte sie mit den Fäusten gegen die verschlossene Tür getrommelt und gebrüllt bis ihre Stimme heiser war und die Knöchel schmerzten.

Jetzt saß sie apathisch auf ihrem Bett und dachte an den Streit vom Vorabend.

„Ich weiß doch nicht einmal, was das für ein Mensch ist“, hatte sie geschrien.

Die Augen ihres Vaters waren schwarz und kalt als er sie ansah, und sie fühlte nichts weil auch er nichts fühlte.

„Es ist ein guter Mann, er macht der Familie Ehre“, sagte er.

Später hatte die Mutter ihre Hände genommen und gesagt „Wenn du erst ein Kind hast wird alles gut, glaub mir.“

Die Hände der Mutter waren warm gewesen, wie damals, als sie ihr die wilden Locken zum ersten Mal unter das Kopftuch gebunden hatte.

Sie öffnete das Fenster und atmete die kalte Nachtluft ein.

Als sie sprang, dachte sie an das Meer.

 

 

Ich widme diese Geschichte Hatice. Ich hoffe, es geht dir gut, Liebes, wo immer du jetzt auch bist. Du bist immer willkommen!

abc Etüden KW 18.17 Wer lesen kann, kann auch kochen

neue Woche mit neuen Wörtern. Diese Woche lockt uns Christiane wieder in die Schreibwerkstatt, der Lockstoff kommt  von pinselfisch :

Paradeiser, Schlawiner, Kinkerlitzchen.

„Wer lesen kann, kann auch kochen“ – sagte meine Mutter immer, und ich stimme ihr zu, wenn auch nur bedingt 🙂 hier meine Geschichte:

Das sind doch Kinkerlitzchen. Tom war ein Schlawiner, er wollte sie an ihrer Ehre packen.  Als ob sie es nicht schaffen würde, eine essbare Tomatensuppe zu kochen.  Marketing ist alles, dachte sie, deshalb fing sie mit der Menükarte an. Nach zwei Stunden intensiver Photoshop-Arbeit hielt sie das erste gedruckte Exemplar in der Hand. “Sahnegipfel in Paradeisermeer“ – das klang doch viel imposanter als „Tomatensuppe mit Sahnehäubchen“.  Sie hatte die teuerste Dosensuppe gekauft und die Sahne eigenhändig geschlagen – es sah wirklich spektalulär gut aus in den neuen weißen Riesentellern. Wie vom Sternekoch.

abc Etüden KW 17.17 und wenn sie nicht gestorben sind….

KW 17.17 Klappe – die zweite! Für alle, die jetzt erst lesen empfehle ich auf den vorigen post zu gehen und diesen hier danach zu lesen….

Safranstaubkussspuren
Knospenkollisionskurs
Irisreinkarnationslied

sind die 3 Wörter der Wortspende von Frau Käthe Knobloch, in 10 Sätzen zu verarbeiten zu einer Geschichte. Grafik von Herrn Textstaub, der auch die Idee zu den abc-Etüden hatte. Host der Etüden ist Christiane.

Leopold, der Frosch, der einmal ein Prinz gewesen war, träumte.

Nach wochenlangem Gehopse war er endlich bei seinem Schloss angekommen und saß nun seit Wochen im schmutzigbraunen Wasser des Schlossgrabens fest.

Jede Fliege, die seine Zunge schnappte, schmeckte nach Safranstaubkussspuren und die Tiere um ihn herum stimmten das Irisreinkarnationslied an, wenn sie ihn sahen.

In seinen Träumen war er jedoch immer noch der stolze Prinz, der jagte, fischte und die Schönen seines Reichs mit seinem Charme betörte.

Er mied alles, was nur entfernt nach Blume aussah, denn er wollte nie wieder auf Knospenkollissionskurs mit einer Blumenelfe gehen.

Deshalb hockte er auch nicht auf einem Seerosenblatt in seinem Schlossteich sondern im brackigen Schlamm des Wassergrabens.

Er schlief, wann immer es ging, denn er hoffte dass ihm, wie es in Märchen üblich war, die erlösende Antwort, der befreiende Zauberspruch, im Traum geschenkt würde.

Sieben Winter und sieben Sommer zogen an Leopold vorbei bis er endlich den Traum, den er so sehr ersehnte, träumte.

„Geh ins Nachbarreich,“ sagte eine Stimme, die ihm auch im Traum einen Schauer den glitschigen Rücken hinunterjagte, „ setze dich in den Schlossteich und warte auf die goldene Kugel der Königstochter!“

Leopold hatte keine Ahnung, was das nun wieder zu bedeuten hatte, aber er machte sich sofort auf den Weg.