abcEtüden 06.07.20

Lichtblick des trüben Wochenbeginns: drei neue Wörter, die mich zur Pflicht rufen. Anstatt nur träge rumzusitzen kann ich ja beim Sitzen noch was denken. Und es aufschreiben. Hat geklappt.

Für alle, die noch nicht wissen, worum es geht: es gilt die 3 Wörter, die diese Woche Alice gespendet hat,  in einen Text mit maximal 300 Wörtern zu verpacken. Die Wörter sind: Grippe / gebleicht / knuddeln. Alles, was es sonst noch zu wissen gibt, bitte nachlesen bei Christiane,die sich freundlicherweise um die abcEtüden kümmert und sie mit viel Liebe hegt und pflegt!

Hier meine Etüde: Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett

https://365tageasatzaday.files.wordpress.com/2020/01/2020_0607_1_300.jpg

Hatte er die Grippe?

Marion starrte auf die gebleichten Knochen.

Doktor Schreiber verdrehte die Augen.

Was weiß ich, gestorben ist er jedenfalls an seinem zertrümmerten Schädel, soviel steht fest.

Ich meine ja nur, die hatten doch sicher auch tödliche Viren, damals. Und so ganz ohne Schutzimpfung –

Marion ließ den Satz offen. Sie hatte sich vorgenommen, bei ihrem Praktikum in der Pathologie mit ihrer Intelligenz und ihrem Wissen aus gefühlten zehntausend Krimifilmen zu punkten.

Liebes Kind,

Doktor Schreiber setzte zu einem längeren Monolog an,

Sie sollten sich nicht so sehr an amerikanischen Krimiserien sondern an den vorliegenden Tatsachen orientieren. Dieser Mann lag etwa dreißig Jahre in irgendeinem unzugänglichen Teil des Schwarzwalds, bis man seine Knochen aus Zufall ausgegraben hat. Als ihm jemand mit einem Beil den Schädel gespalten hat, waren Sie noch nicht einmal gezeugt.

Ach so, ich dachte, der Mann ist irgendwie prähistorisch oder so…

Doktor Schreiber versuchte, Marion zu ignorieren, aber das gestaltete sich schwierig, da sie ununterbrochen vor sich hin sprach.

Das war sicher eine Beziehungstat, ein eifersüchtiger Ehemann oder irgendetwas in der Art. So eine Axt oder ein Beil, das kann ja eine Frau gar nicht, und überhaupt, haben Sie schon den Einschlagwinkel der Tatwaffe gemessen? Sollen wir die Tat simulieren?

Sie sah Herrn Schreiber hoffnungsvoll an.

Doktor Schreiber stellte sich vor, wie er Marions Schädel mit einem Beil in zwei Teile spaltete. Er schüttelte den Kopf und sah auf die Uhr über der Tür. Wenn er gewusst hätte, dass die Tochter des Dezernatsleiters so eine Nervensäge war, hätte er dem Schnupperpraktikum niemals zugestimmt.

Ich frage mich liebes Fräulein, Doktor Schreiber unterbrach ihren Redefluss, was sie dazu bewogen hat, sich ausgerechnet für die Pathologie zu interessieren?

Och, Marion sah auf ihre Hände, die in blauen Plastikhandschuhen steckten.

Die Pathologinnen haben doch immer einen Kommissar zum Knuddeln…

299 Wörter

 

 

abc Etüden 04.05.20 Transformation

abc.etüden 2020 04+05 | 365tageasatzaday

Auf ein Neues! Wieder drei wunderbare inspirierende Wörter für die neue challenge, dieses Mal von onlybatscanhang. 

Die Wörter für die neue Woche sind

Papiertiger
belanglos
plätschern.

Diese Wörter müssen in eine Geschichte verpackt werden, die nicht mehr als 300 Wörter hat.

Die Schreibeinladung und alles, was ihr dazu wissen müsst, findet ihr auf dem blog von Christiane

Hier meine Etüde:

Wenn die Zeit so dahin plätschert, quasi b e l a n g l o s, dann bin ich ruhig. Nichts ist wichtig, da ist kein Termin, der meinen Tag in Teile schneidet, keine Aufgabe, die erledigt werden will, nichts, das mich ablenkt von mir. Die Wahrheit ist, das sind die echten Geschenke. Diamonds are a girls best friends? Nicht für mich, nein, nicht für mich. Wenn ein Tag vor mir liegt wie ein weites Feld, ein Weg, der reicht bis zum Horizont, dann fühle ich mich reich. Dann tauche ich ein in meine Innenwelt, steige hinab in Räume, die nur ich kenne. Ich angle Buchstaben, fische nach Erinnerungen und forme daraus Geschichten. Manche bleiben in meinem Kopf, manche reiche ich weiter an den Herrn Papiertiger und erlaube ihm, sie aufzuschreiben. In den letzten Jahren habe ich meinen ewigen Mitbewohner, den inneren Kritiker, mehr und mehr aus diesen geheimen Räumen herausgedrängt. Er war sich seiner Sache jahrzehntelang so sicher, der Gute, und dann kam meine Transformation. Zimmer für Zimmer habe ich ihm abgenommen und jetzt haust er wie Harry Potter in einer Kammer unter der Treppe und ich hoffe, es ist ihm so ungemütlich, dass er irgendwann aufgibt. Was für ein Kampf! Es waren harte Zeiten, aber es hat sich gelohnt. Ab und zu streckt er seinen Kopf aus der kleinen Tür unter der Treppe und mault herum. Will meine Geschichten madig machen. Letztens hat ihn der Papiertiger in die Hand gebissen, seither ist Ruhe. Ich hab gerufen „Verschwinde! Ich brauch dich nicht mehr!“ und er hat beleidigt die Tür zugezogen. Jetzt leckt er vermutlich seine Wunden und bereitet seinen nächsten Anschlag vor. Ich bin realistisch, ganz werde ich ihn sicher nicht mehr los. Aber ich kann ihn jetzt in Schach halten. Und das fühlt sich richtig gut an.

299 Wörter

abc-etüden02.03.20 Murmeltier-Tag

Erstmal allen BlogbesucherInnen ein fulminantes neues Jahr! Ich wünsche Euch alles das, was Ihr Euch wünscht und noch viel mehr 🙂 Ich wollte mich nicht direkt der Letharige ergeben, die diese trüben Januartage so mit sich bringen, bei mir zumindest, und deshalb kam mir Christianes Schreibeinladung gerade recht. Ich nenne diese Tage „Murmeltier-Tage“, angelehnt an den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“, weil ich mich öfter mal um mich selber drehe und nicht aus dem Quark komme. Kennt Ihr das?

3 Begriffe in maximal 300 Wörten verpackt, alles, was es sonst noch zu sagen gibt findet ihr auf .Christianes Blog

abc.etüden 2020 02+03 | 365tageasatzaday

Mickrig ist mein neues Lieblingswort. Irgendwie finde ich heute alles mickrig. Das Wetter mit Blitzeis am Morgen und einem Himmel, der sich mit Nebel überfressen hat: mickrig. Mein Bankkonto zum Jahresstart: mickrig. Die Anzeige auf der Waage: leider nicht mickrig. Ich bin ja, der Form halber und weil es sich so gehört, Optimist. Der Pessimist in mir will aber immer kommandieren und dem Optimisten Steine in den Weg legen, dagegenzuhalten ist schon anstrengend manchmal. Naturgemäß fällt es mir an Tagen wie diesen auch viel leichter, mäkelig zu sein. Mein innerer Pessimist reibt sich schon die Hände, ich kann es förmlich spüren. Er ist dabei, Oberwasser zu bekommen, während sich der Optimist schon nach hinten in die letzte Ecke verzogen hat. Ich denke also an etwas Schönes. Skiurlaub zum Beispiel. Berge – in der Sonne, was sonst? Blauer Himmel, weißer Pulverschnee. Abends in der Sauna entspannen, morgens an den gedeckten Frühstückstisch sitzen – der Optimist streckt seine Nase aus der  Ecke und freut sich. Der Pessimist pöbelt rum „willst du dir wieder die Arme brechen?“. Ein Stoßseufzer ist die Antwort. Der Optimist hat erstmal aufgegeben. Der Pessimist winkt mit einer Tafel Schokolade und der Fernbedienung. Er hat sich mit meinem Schweinehund zusammengetan.  Jetzt wollen sie gemeinsam den Optimisten um die Ecke bringen. „Es ist eh alles umsonst“, jammert der Pessimist. „Genau“, schreit der Schweinehund, „an so einem Tag wie heute hast du dir Ruhe und Süßes verdient. Der Mensch braucht auch mal eine Auszeit!“. Ich spüre, wie meine Hand sich wie ferngesteuert auf die Schokolade zubewegt und meine Beine Richtung Couch ziehen. Da rappelt sich der Optimist mit letzter Kraft auf. „Nein!“, schreit er, „Tu´s nicht! Du schaffst das!“ – das war knapp. Ich räume den Pessimisten aus dem Weg und fange an zu schreiben: Mickrig ist mein neues Lieblingswort….

abc Etüden 23.24.19

abc.etüden 2019 23+24 | 365tageasatzaday

eine Etüde für die KW 23.24.2019, die Wörter sind: Abweichung, unabwendbar, verengen, maximal 300 Wörter dürfen benutzt werden um damit eine Geschichte zu spinnen…gehostet wird die Gruppe von Christiane 

Auf ihrer Seite findet ihr die links zu den Geschichten der anderen TeilnehmerInnen und alles Wissenswerte rund um die Etüden!

Trau, schau, wem!

Es war nur eine kleine, aber bedeutsame Abweichung. Edgar fiel es sofort auf. Seit Wochen hatte er das Gefühl, dass jemand in seiner Abwesenheit in seinem Haus war, deshalb hatte er entschieden, Vorkehrungen zu treffen.

Du entwickelst dich zum Verschwörungstheoretiker!                                                              Miri hatte mit dem Kopf geschüttelt als er ihr seine Befürchtungen erläutert hatte.                                                                                                                                          Wer, bitte schön, hatte Miri gefragt, sollte sich für dich – oder mich –, hatte sie schnell hinzugefügt, interessieren? Wir sind doch sowas von unwichtig! Sie lachte und sagte mit tiefer Stimme: Mein Name ist Bond – James Bond! Und schüttete sich fast aus vor Lachen.

Edgar bereute es bereits, sie eingeweiht zu haben. Seine Augen verengten sich und er sagte kalt, ich glaube, es ist besser, du gehst jetzt.

Miri hatte die Augen verdreht, ihre Jacke geschnappt und war verschwunden. Als die Tür hinter ihr ins Schloss gefallen war, ging Edgar zurück an seinen Schreibtisch. Für ihn war es nicht zu übersehen. Der Abstand vom zweiten zum dritten Bleistift war minimal größer als die anderen Abstände zwischen den Stiften. Es war unabwendbar, er musste es genauso wie geplant durchziehen. Sie wollten sein Geld, aber er würde sie erledigen, wer immer sie auch waren.

Als die Polizeibeamten in das Haus eindrangen, kämpften sie sich durch Stolperdrähte und Selbstschussfallen. Schließlich fanden sie Edgar in einem völlig abgedichteten Raum im Keller.

Sie sind die einzige Verwandte? Der Polizeibeamte sah von Miris Ausweis auf und sie nickte.

Wir wissen nicht, wie lange der Strom nach dem Orkan ausfiel. Ihr Bruder ist erstickt, weil die Tür nicht mehr zu öffnen war und die Belüftung ausfiel.

Miri durchsuchte Edgars Haus genauso systematisch und geduldig, wie sie ihren Bruder in den Wahnsinn getrieben hatte. Als sie das Versteck endlich gefunden hatte, übersah sie einen winzigen Draht….

Schneeweiß

2019 02+03 | 365tageasatzaday

Wie gesagt, ich liebe Märchen….Ludwigs Grafik hat mich inspiriert, Ich erkenne eine Feder — und damit fängt meine Geschichte an, das war das erste Bild, das ich im Kopf hatte. Eine weiße Feder, die langsam zu Boden sinkt…..

EIne Geschichte für die abc Etüden, drei Worte in eine Geschichte mit 300 Seiten packen. Dieses Mal sind die Wärter von Ludwig gestiftet worden:Abfallglück, ,Verfallsdatum, unschuldig. Bei Christiane laufen die Fäden zusammen.

Schneeweiß – ein Märchen

Die Feder flog durch die Luft als wäre sie auf der Suche nach dem richtigen Landeplatz, taumelte dann in sanften Schwüngen nach unten und landete auf dem gefrorenen Boden.

Lina hob sie auf und sah zum Himmel, ein paar Raben kreisten krächzend über ihr, aber sonst war nichts zu sehen. Von diesen Vögeln konnte die Feder niemals stammen, denn sie war schneeweiß, ein derart weißes Weiß, dass Lina nur das Wort „unschuldig“ einfiel bei dieser Farbe. Sie legte die zarte Feder auf ihren blassen Handrücken und hatte das Gefühl, sie würde Wärme ausstrahlen.

`Du wirst tüttelig Lina` dachte sie `du bildest dir Sachen ein.  Sowas kommt, wenn das Verfallsdatum näher rückt.`  Trotzdem, irgendetwas war an dieser Feder, was sie dazu bewog, sie sorgfältig in ein Papiertaschentuch zu wickeln und in die Tasche zu stecken.

Das Wochenende war sonnig gewesen, der Marktplatz voller Menschen. Lina kam erst hierher wenn die Erfolgreichen mit ihren Bastkörben aus Nizza oder Mallorca, voll mit Leckereien, wieder zuhause waren und die Marktfrauen ihre Reste entsorgten. Pfandflaschen gab es hier wenige, aber manchmal eine überreife Mango, einen Apfel mit kleiner Macke oder eine halbleere Flasche Sekt.  Lina steuerte auf den ersten Abfalleimer zu, sah hinein und traute ihren Augen kaum. Eine gefüllte Tasche des Feinkostladens, alles originalverpackt. Warum hatte das jemand weggeworfen? Egal. Sie zog die Tasche heraus und stopfte sie in ihren kleinen Handwagen. Das nenne ich Abfallglück, dachte Lina. Zuhause angekommen packte sie aus doch die Tasche schien nicht leer zu werden. Sie dachte an ein Stück Käse und zog ein goldgelbes Käsestück aus der Tasche. Sie stellte sich Weintrauben vor und hielt sie in der Hand. Lina hielt die Luft an. Dann fiel ihr die seltsame Feder wieder ein. Sie wickelte sie vorsichtig aus und traute ihren Augen nicht. Die Feder war golden.

Märchenzeit – Zeitmärchen

abc Etüden, Klappe, die zweite. Hatte einen kontemplativen Tag heute, mit einer Walkingrunde an der frischen Luft und anderthalb Stunden Yoga. Die Rädchen in meinem Kopf haben eine zweite Etüde ausgespuckt, inspiriert von dem Bild des jungen Jahres.2019 02+03 | 365tageasatzaday

Ein Märchen. Ich liebe Märchen!

 

Punkt Mitternacht drückte die Zeit dem jungen Jahr einen Kuss auf die unschuldig glatte Stirn und sagte:

`Du sollst 2019 heißen! `

Das junge Jahr krabbelte in seinen ersten Tag und sie schubste es sanft an bis es aufstand. Die Minuten tropften aus der Zeit und sammelten sich zu Stunden, bald würde der erste Tag schon wieder Geschichte sein. Die Zeit blies in den Haufen Asche, der vom alten Jahr übrig geblieben war, die Asche wirbelte auf, wurde weiß und klar und legte sich als Rauhreif über Gärten und Dächer.  

`Abfallglück`, flüsterte sie. ` Nichts geht verloren, in der Erinnerung ist alles noch da.`

Sie sah 2019 an, es sah so hoffnungsvoll und rein aus an seinem ersten Tag, wie jedes der Jahre, dem sie seit Äonen auf die Welt geholfen hatte.

 `Es gibt dich nur einmal, 2019, und dennoch wirst du milliardenfach existieren und die Schicksale werden dich gestalten. Am Ende, wenn dein Verfallsdatum erreicht ist, wirst du für die einen ein Jahr voller Glück gewesen sein und für die anderen eines voller Schmerzen oder Leid. Für  mich bist du immer gleich, wie die Jahre, die vor dir da waren und die, die nach dir kommen. Ich bin eine Illusion, genau wie du. Ich bin lang in Stunden des Wartens und Bangens und kurz in Stunden des Glücks, die verfliegen wie ein Windhauch. Es sind nicht die tickenden Metallklumpen der Menschen, die mich machen, sondern ihre Herzen. Sie geben den Takt des Lebens vor, und ich wiege mich in diesem Takt, jahraus jahrein, ta-tamm, ta-tamm,`

Sie drehte sich um sich selbst und die Minuten wirbelten heraus,

` ta-tamm, ta-tamm, ta-tamm…tata-tamm….`

Auf ein Neues!

Da ist es, das neue Jahr. Ich habe es mit offenen Armen empfangen und nach langer Blog-Abstinenz werde ich 2019 wieder aktiver sein können. Alles hat sich am Ende zum Guten gefügt. Vorsätze habe ich keine, außer dem einen: jeden Tag zu geniessen, mit einem Lächeln zu beginnen und mit Dankbarkeit schlafen zu gehen.

Mein Dank gilt gleich vorweg Christiane die sichauf ihrem blog um die abc Etuden kümmert und sie am Laufen hält. 2019 soll also auch für  mich wieder ein Etüdenjahr werden.

Die Worte für die erste Etüde

Abfallglück
Verfallsdatum
unschuldig.

kommen von Ludwig Zeidler, dem abc etuden Erfinder. Etüdenregel: die drei Worte in 300 Wörtern zu einer Geschichte verarbeiten.

Hier meine Etüde:  „Alles wird besser“

Das Jahr hat grade erst begonnen. Unschuldig wie ein Kind ist es, mit seinen sechs Tagen, ich stelle mir vor, es hat blonden Flaum auf dem Kopf und tapst durch die Zeit, weil es noch laufen lernen muss. Das alte Jahr ist gestorben, verbittert und misslaunig wie ein unzufriedenes zahnloses altes Weib, ich weiß, mein altes Jahr war froh, es hinter sich zu haben. Ganz ehrlich, ich bin absolut sicher, hätte man ihm noch einen 366. Tag geschenkt, es wäre schreiend davon gelaufen.  Ich kann ja auch nichts dafür, es gab immer wieder Jahre für mich, mit denen es mir ging wie mit Klassenkameraden, die man auf einer Jahrgangsfeier trifft und feststellt, dass man zehn Jahre neben ihnen im Klassenzimmer saß ohne sie wahrzunehmen. So ein Jahr war mein letztes. Es war aus der Zeit gefallen und ich kann verstehen, dass es am Ende genug hatte.  Wenn das Verfallsdatum so klar ist wie bei einem Jahr mit dreihundertfünfundsechzig Tagen, dann wird es auf die letzten Tage, zumal wenn die Feiertage sich derart knäueln wie in meinem typisch deutschen Jahr, ganz schön mühsam. Ich hab dieses 2018 von Anfang an nicht recht gemocht, und es hat mich auch nicht geschont. Im ersten Halbjahr waren vier Monate geprägt von ständigen Terminen in der Augenklinik in Tübingen und diese Zeit fehlte mir, als ob sie gar nicht existiert hätte. Danach rannte ich der Zeit hinterher, und habe sie doch nie eingeholt. In der Rückschau habe ich das Gefühl, ich war immer irgendwie außer Atem. Meine Erinnerung ist wie eine Wüste mit ein paar Oasen, zwischen denen es keine Verbindung gibt. Ich habe ohne Reue die Reste zusammengefegt zum Jahreswechsel und mit leichter Hand entsorgt – ist das Abfallglück? Egal. Klar ist, ich habe dieses 2019 jetzt schon ins Herz geschlossen.

 

abc Etüden 04/2018

Discokugel

Wahnsinnig

Klauen

für diese Woche kommen die 3 Wörter von Sabine von wortgeflumselkritzelkram (wortgeflumselkritzelkram.wordpress.com), die Grafik ist von Ludwig und die Aufgabe ist, bekanntermaßen, aus diesen 3 Worten in 10 Sätzen eine Geschichte zu bauen. Bei Christiane findet ihr alles, was man über die abc Etüden wissen muss und die links zu den vielen wunderbaren Geschichten der anderen abc-Etüden-Junkies!

https://365tageasatzaday.files.wordpress.com/2018/01/2018_04_2_zweia.jpg

Warum hängt man sich so ein Ding in die Wohnung, mit Elektroantrieb, als Glitzerlampe im Dauerbetrieb?

Die Lichtspiegelungen wanderten durch den Raum, wie tastende helle Finger, immer rundherum, schienen mir zu folgen, es machte mich wahnsinnig.

Ein Fingernagel war  mir abgebrochen, was sehr,  sehr ärgerlich war, denn es war der Zeigefinger der rechten Hand und die Nageldesignerin hatte ihn handbemalt mit einer Miniatur-Mona-Lisa.

Nun ja, ein bisschen Schwund ist immer, dachte ich, am Ende muss man alles gegeneinander aufwiegen und suchte in dem diffusen Licht nach der schwarzen Sporttasche.

Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich klauen würde, im Gegenteil, ich fand, das Geld stand mir zu.

Barny und Joe hatten sich nie über den Weg getraut, bis zum Ende nicht, einer gönnte dem anderen die Butter auf dem Brot nicht.

Als der Streit eskalierte war hatte ich mich im Bad eingeschlossen und war erst wieder herausgekommen als es still war,  ganz still.

Joe saß am Boden, die Beine leicht gespreizt, sein Kopf hing herab und die Wand war blutverschmiert, Barny lag neben dem Tisch, eine hässliche Wunde klaffte in seiner Brust und ich versuchte nicht hinzusehen, als ich die Sporttasche unter dem Tisch hervorzog, die Geldbündel herausnahm und in meine Tasche stopfte.

Was konnte ich dafür, wenn diese beiden Alpha-Männchen sich die Köpfe einschlagen mussten – ich hatte nur Schmiere gestanden.

Ich nahm meinen Revolver aus der Tasche, schoss die verdammte Discokugel von der Decke und verließ das Haus.

abc Etüden Textwoche 03.18 LIEBE

Das Jahr eilt voran, schon sind wir in Woche 3 angekommen…und siehe da, die Etüden feiern ihr Einjähriges! Herzlichen Glückwunsch an uns Etüdenschreiber und vielen Dank an Ludwig, den Erfinder und an Christiane , die Woche für Woche auf ihrem Blog viel Zeit investiert um die abc Etüden am Laufen zu halten!

Dieses Mal kommen nicht nur die Grafiken sondern auch die Wörter von Ludwig, es gilt sich dem zu stellen:

FRB 121102 (FRB = Fast Radio Burst, hier speziell zu FRB 121102 nachlesen)
ultraviolett
Supernovaüberrest.

Diese 3 Wörter sind, so ist die Aufgabenstellung, in einer Geschichte mit nicht mehr als 10 Sätzen unterzubringen.

2018_03_3_lz | 365tageasatzaday

In den Äonen seit des Großen Friedens hatte es einen solchen Fall noch nie gegeben, niemand hatte sich je erhoben gegen die Charta, niemand hatte gegen die Regeln des Einen Volkes verstoßen.

Und jetzt hatte ausgerechnet Kaibu, der begabteste unter den Schülern Z`Aano`s das getan, was das Eine Volk mehr bedrohte, als die ultravioletten Strahlen des Supernovarrests aus der Nachbargalaxie.

`Wie lange sendet er das Signal schon?`, der Gedanke des Vorsitzenden des Großen Rats teilte die Stille.

`Seit zwanzig Sonnen wissen wir davon, aber er sagt uns nicht, wann er damit begonnen hat`,  Z ´Aanos Gedanke hatte eine besorgte Schwingung und so schwang auch der nächste Gedanke, der in das Bewusstsein der Anwesenden floss.

`Das wirklich Beunruhigende ist, dass die Wellen aufgefangen wurden auf einem Planeten mit unterentwickelten, kriegerischen Lebewesen, die sich gegenseitig bekämpfen anstatt sich liebend zu respektieren und die die Mutter Erde, die sie nährt, mehr und mehr zerstören.`

Der Vorsitzende hob seinen Kopf und öffnete die Augen, seine Frage bohrte sich in die Gedanken der ganzen Runde und jeder spürte, dass dies der entscheidende Punkt war.

`Verstehen Sie was er sendet?`

`Nein, sie nennen die Wellen FRB 121102 und glauben, der Ursprung wäre drei Milliarden Lichtjahre entfernt.

Ihre Technik ist unterentwickelt, sie wissen nicht, dass sie uns viel näher sind, als sie glauben, weil wir uns bis jetzt vor ihnen verbergen konnten.`

Der Vorsitzende versank in Schweigen und als er die Augen wieder öffnete sendete er seinem Volk die Antwort auf diese Bedrohung.

 

 

 

 

abc Etüden Textwoche 02.18 NEUSTART

2018_02.18_1_eins_lz | 365tageasatzaday

Das sind die Wörter dieser Woche, gespendet von Christiane. Alles, was man wissen muss zu den abc Etüden, findet Ihr auf Ihrem Blog https://365tageasatzaday.wordpress.com/

Die Grafik oben kommt wie immer vom Etüden Erfinder Ludwig Z.

3 Wörter in 10 Sätze verpackt – ich habe es heute genutzt um mich nach langer Abstinenz in meiner Wortwabe wieder zurück zu melden. Möge das neue Jahr ein produktiveres werden, bitte OHNE die Katastrophen des letzten Jahres!

Ich wünsche allen, die hier vorbeischauen, ein glückliches neues Jahr, voll strotzender Gesundheit, mit Glück, das vom Himmel fällt und Herausforderungen, die gestemmt werden können!

Hier meine Etüde:

Wie lange will ich die nie gefassten guten Vorsätze noch auf die lange Bank schieben?

Ich fühle mich irgendwie speckig, das neue Jahr türmt sich vor mir auf wie eine riesige Bürde von noch nicht gelebten Tagen, unüberwindlich.

Die ersten Tage sind vorbeigezogen im Permastress der Nach-Weihnachtszeit, mit frühen Geburtstagen, die ich immer vergesse, was mir dann gleich zu Jahresbeginn die Schamröte ins Gesicht treibt.

Wozu gibt es den Kalender im Handy, der mich doch treu und brav an alles erinnern würde, hätte ich es denn eingespeichert –

Ein Jahreswechsel ohne Weihnachten direkt davor wäre deutlich entspannter.

Der Kalender ist schon im Januar angekommen, meine Seele noch nicht.

Ich dümple immer noch im Niemandsland zwischen den Jahren herum, frage mich, ob es Zeit wäre die Weihnachtsdeko wieder in Kisten zu verstauen und mich mit nackten Fensterbänken ohne Kitsch anzufreunden.

Die Vögel singen so, wie sie an Frühlingstagen singen, die sind wohl auch aus der Zeit gefallen, willkommen im Club!

Der Kalender zeigt den achten Januar, das bedeutet zumindest, es ist kein weiterer unsäglicher Feiertag in Sicht, kein Geburtstag, den ich vergessen könnte, das Leben scheint sich wieder in die gewohnten Bahnen einzuordnen mit allem, was dazugehört: neue Gesetze, Berufsverkehr, Stau auf der A 8, und dem restlichen ganz normalen Wahnsinn.

Hilft ja nichts, weitermachen, heißt die Devise, immer weitermachen, seit Neuestem eben 2018.

abc Etüden KW 48 : Schwarze Nacht

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Puh, hatte ja schon Entzugserscheinungen – dank Schnupfennase habe ich mir heute mal Zeit für einen entspannten Etüden-Schreibabend genommen. Manchmal fliegt einem ja auch sofort was zu wenn man die Wörter liest. So wars bei mir mit den drei Wörten von Frau Myriade

Flussbett

langwierig

klöppeln

Die Grafik kommt von Ludwig Zeidler, zu finden bei https://ludwigzeidler.de/ , der Christiane, die die abc Etüden auf ihrem blog hostet, zuverlässig mit seinen tollen Grafiken versorgt.

Viel Spaß mit meiner Etüde!

Schwarze Nacht

Der Schlitten raste neben dem Flussbett entlang.

Die Nacht war so schwarz, dass die Tannen sich kaum vom Horizont abhoben.

Alles schien in einem dunklen Nebel zu versinken und jeder schickte ein Stoßgebet zum Himmel, in der Hoffnung, der Mond möge endlich die Wolken durchdringen und sein kaltes Licht auf die Erde  schicken.

Das Ausarbeiten der Route war derartig langwierig gewesen, dass Frau Claus behauptet hatte, sie hätte in derselben Zeit ein Spitzendeckchen klöppeln können.

Aber es war nun einmal wie es war, sie konnten jetzt eben nur an Flüssen und großen Straßen entlang reisen,  sonst wären sie völlig verloren gewesen.

Umwege ih Kauf zu nehmen war das kleinere Übel, denn niemand aus dem Team hatte Interesse daran, sich zu verirren in dieser stockfinsteren Nacht.

In kleine Seitenstraßen abzubiegen war  jedoch nicht immer zu vermeiden, und es grenzte jedes Mal an ein Wunder, wenn sie dann doch wieder auf der Hauptroute landeten und das nächste Ziel ansteuern konnten.

Der kranke Rudolf hatte dieses Jahr alles durcheinander gebracht.

Ohne das Licht seiner Nase den Weg zu finden war so irrsinnig anstrengend für alle Beteiligten, dass Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Donner und Blitzen beschlossen, Santa Claus endlich ein Navigationsgerät zu Weihnachten zu schenken.

 

abc Etüden/ Der kleine freche Wind

Noch eine kleine 10 Sätze Geschichte mit den von Rina P gestifteten Worten

Hyperknall

Pudelwohl

Wanderdüne

für die abc Etüden. die von Christiane gehostet werden.

Ich bin bekennender Märchenjunkie und da liegt es nahe, dass es mal wieder ein Märchen geben muss……

Das Märchen vom kleinen Wind

Es war einmal ein kleiner frecher Wind, in der Wüste Namib, der träumte davon, ein großer Wüstensturm zu werden wie seine Brüder, die den Sand kilometerweit durch die Wüste jagten oder hoch in den Himmel aufsteigen ließen.

Aber er war eben ein kleiner Wind und schaffte es nur, den Sand zu einem Häufchen aufzutürmen.

Aber der kleine Wind gab nicht auf und aus dem kleinen Haufen Sand wurde bald ein größerer und dann ein noch größerer und eines Tages beschloss der kleine Wind, den größten Sandhaufen der Erde zusammen zu blasen.

Seine Brüder lachten ihn aus und sagten; „du hast ja einen Hyperknall! Wir Wüstenwinde haben schon immer den Sand durch die Welt getragen und nicht zu einem Haufen aufgetürmt!“

Doch der kleine Wind ließ sich nicht beirren, denn er fühlte sich pudelwohl, auch wenn er alles anders machte, als es sich für einen Wüstenwind gehörte.

Seine Brüder wollten ihn necken und nachts, wenn der kleine Wind schlief, schoben sie den großen Sandberg weiter, sodass sich der kleine Wind am Morgen verdutzt die Augen rieb wenn er seinen Sandberg nicht mehr neben sich fand.

Irgendwann war der riesige Berg aus Sand nicht mehr zu übersehen und die Menschenwesen kamen um ihn zu bestaunen und nannten den Berg „Big Daddy, die größte Wanderdüne der Welt“.

Da war der kleine Wind glücklich, dass er etwas so Großartiges vollbracht hatte obwohl er alles anders gemacht hatte als seine Brüder und er legte sich jede Nacht auf die Spitze von Big Daddy und sah auf zu den Abermillionen Sternen, die über der Wüste funkelten.

Und weil die Winde unsterblich sind, schieben sie die große Düne immer weiter und weiter und weiter…..

 

 

abc Etüden / Big Daddy

Hyperknall

Wanderdüne

Pudelwohl

sind diese Woche die Worte für die Schreibeinladung zu den abc-Etüden. Sie sollen, verpackt in maximal 10 Sätzen, zu einer Geschichte verarbeitet werden.

Die Wortspende kommt von Rina P.

Christiane sammelt die Geschichten auf ihrem Blog, dort ist auch alles, was man wissen muss, nachzulesen. Ludwig Zeidler stiftet jede Woche die Grafiken für die Etüden. Mitmachen kann jeder, also nur zu!

https://365tageasatzaday.files.wordpress.com/2017/10/2017_44-17_eins1.jpg

Das konnte man wohl als Hyperknall bezeichnen.

Wie gut glaubst du, kennt dich dein Partner nach zehn Jahren Beziehung?

Weiß er, in welchen Momenten du dich pudelwohl fühlst?

Wie um alles in der Welt war Gerd auf die Schnapsidee gekommen mir dieses Geschenk zum  Jahrestag zu überreichen?

Er muss wahnsinnig sein, hatte ich gedacht.

Eine Reise zu Big Daddy, der angeblich größten Wanderdüne der Welt, eine Reise in die WÜSTE!

Als ich den Jeep startete, sah ich nicht mal in den Rückspiegel.

Ich fand, er hatte es verdient.

Wenn er sich das Wasser gut einteilte würde er durchhalten bis die nächste Reisegruppe eintraf.

Falls nicht – würde Big Daddy ihn in seine staubigen Arme schließen.

abc Etüden KW 42/ 2033

Aus verschiedenen Gründen war ich wochenlang abgetaucht, der Hauptgrund war ein totaler Systemabsturz mit weitreichenden zeitraubenden Folgen – aber das ist eine andere Geschichte.

Endlich kann ich mir mal wieder die Zeit nehmen, eine Etüde zu fabrizieren. Für alle, die die abc Etüden nicht kennen, alles was man dazu wissen muss findet Ihr bei Christiane

3 Worte, diese Woche wurden sie gespendet von Gerda Gazakou

und lauten:

verdammt
Zweibrücken
grenzenlos

in 10 Sätzen zu einer Kürzestgeschichte verarbeiten, das ist das Ziel.

Hier meine Etüde für Kalenderwoche 42, die Grafik ist von Ludwig Zeidler, der die abc Etüden erfunden hat.

 

https://365tageasatzaday.files.wordpress.com/2017/10/2017_42-17_eins1.jpg

                                    

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„Er kam aus Zweibrücken“, sagte ich und beobachtete Mara aus dem Augenwinkel, sie  saß vornübergebeugt auf ihrer Bastmatte und malte mit den  Zehen Muster in den Sand.

„Das ist alles verdammt lang her und wir wollen doch heute deinen sechzehnten Geburtstag feiern, Liebes“, ich schlug einen fröhlichen Ton an,“ endlich volljährig!“

Mara wandte sie sich mir zu, ihre grünen Augen leuchteten im Sonnenlicht auf und starrten mich an, wie die Augen einer Katze, die ihre Beute fixiert.

Ich lauerte hinter meiner Sonnenbrille auf ihre Reaktion, bereit für meine Verteidigung, denn ich rechnete fest mit einem Angriff.

Sie fixierte mich mit ihrem Blick und das Schweigen, das sich zwischen uns ausbreitete erschien mir so grenzenlos wie der Ozean vor uns.

„Meinst du nicht, es wäre an der Zeit mit diesem Zweibrücken-Märchen endlich aufzuhören?“ sagte Mara und ihre Stimme war kalt.

Sie zog einen zerknitterten Umschlag aus ihrer Strandtasche und hielt ihn hoch.

Ich erkannte den Umschlag sofort, wusste was er enthielt und verfluchte meine Angewohnheit, aus Sentimentalität alles aufzubewahren, doch bevor ich eingreifen konnte riss Mara den Umschlag auseinander, holte den Kontrakt heraus und warf ihn vor mich in den Sand.

Mara hatte ihren perfekten Körper zwischen mich und die Sonne geschoben, stand wie ein von hinten beleuchteter Racheengel vor mir, beugte sich mit einer grazilen Bewegung zu meinem Ohr  und  flüsterte „23andMe, weißt du noch, Californien 2016?“

Dann richtete sie sich auf und schrie mich an: „ Und bist du denn zufrieden mit deiner Schöpfung, deiner Kreatur – “, sie machte eine Pause und spuckte das Wort in die Luft, „ – Göttin?“

 

Ich habe ein bisschen nach vorne gesehen in der Zeit…aber es ist dennoch keine Science Fiction – leider. Lest selbst in diesem  Artikel in der FAZ vom 04.10.2013

Außerdem gehe ich in meiner Geschichte davon aus, dass 2033 die Kinder mit 16 Jahren volljährig sein werden und wahrscheinlich auch, falls es dann noch so heißt, mit sechzehn das Abitur machen und sich auf ihre nächsten 100 Lebensjahre vorbereiten. Ich bin 2033 schon in Rente, habe hoffentlich die Chance, das zu erleben und zu überprüfen ob ich recht behalten habe. Eigentlich will ich es garnicht wissen……

 

 

 

KW 13.2017 Alles wird gut – wird alles gut?

uiuiui…Bernd von red skies over paradise hat uns ja was eingebrockt diese Woche….die 3 Wörter waren herausfordernd. Aber was ein echter Etüdenfan ist, gibt so schnell nicht auf.Und irgendwie wollte ich ja auch die Geschichte von letzter Woche weiterspinnen – doppelte Herausforderung. Drei Worte, zehn Sätze und die Idee, daraus eine Geschichte zu bauen. Alles, was Ihr dazu wissen müsst, findet ihr bei Christiane, die freundlicherweise die Etüden als Host begleitet. Unermüdlich in seinem Schaffen schenkt uns Ludwig Zeidler die Grafiken zu den Wortspenden!

Hier die Etüde dieser Woche (und wer mag kann die letzte Etüde noch davor lesen, diese ist quasi auch die Fortsetzung….)

Alles wird gut – wird alles gut?

Das sizilianische Kaff lag in der Mittagshitze wie eine träge Raubkatze, die Fenster verschlossen, die Schlitze der Jalousien wie gesenkte Lider, schlafend aber wachsam und immer bereit zuzuschlagen, ich war auf der Hut.

Als der dicke Salvatore mit aufgeschlitzter Kehle von seinem Stuhl rutschte hörte ich einen Schrei – den Schrei einer Frau – ich drehte mich auf dem Absatz um, spähte durch den schlecht beleuchteten Raum und entdeckte sie hinter einem der vollgestopften Regale.

Sie lugte zwischen Kartons hindurch, ich sah nur kastanienbraunes Haar und weit aufgerissene Augen, die mich entsetzt beobachteten, als ich auf sie zuging.

Ich vermutete, sie erwartete, dass ich einer von den ganz bösen Jungs war, die vergewaltigen, brandschatzen und morden und sie jetzt mein nächstes Opfer sein würde.

Wir werden jetzt gemeinsam hier raus gehen und verschwinden,“ ich nahm sie am Arm und zog sie mit mir zur Tür, drehte mich noch einmal um und rief demonstrativ „Ciao Salva!“ in den Raum, zog die Tür hinter uns zu, öffnete die Beifahrertür meines Transporters und schob sie ins Auto.

Sie war nicht nur hübsch sondern auch vernünftig, denn sie schrie nicht und redete kein Wort, sie starrte mich nur völlig unverfroren an und ich wünschte mir, sie in den hermetisch abgeriegelten Laderaum meines Transporters verbannen zu können um ihren Blicken zu entgehen.

Ich hatte nicht viel Zeit, ich würde die Hilfe der Fremden brauchen können, wenn ich Gina retten wollte, deshalb entschied ich mich, sie mit der Wahrheit zu konfrontieren.

Wir müssen in die Sicani Berge, zu Salvatores Hütte, hat mir gesagt, er hätte sie eingemauert hinter dem Keller, der Irre, wir werden wohl einen Kellerdurchbruch machen müssen, dieses Schwein, nur weil sie ihn nicht wollte, meine schöne Schwester und dieser fette Frosch, ein Perverser, unvorstellbar, hoffentlich komme ich noch rechtzeitig – “ ich redete ohne Punkt und Komma auf sie ein, gestikulierte wild herum und plötzlich sprach sie:

Pardon Monsieur, je ne comprends rien – I don´t understand anything – non capisce ….“

Eine Touristin – was war ich nur für ein ausgemachter Trottel.