Über gingerpoetry

am liebsten bin ich in meiner wortwabe und schreibe...Kurzgeschichten, Gedichte, Notizen -

abc Etüden/ Der kleine freche Wind

Noch eine kleine 1ß Sätze Geschichte mit den von Rina P gestifteten Worten

Hyperknall

Pudelwohl

Wanderdüne

für die abc Etüden. die von Christiane gehostet werden.

Ich bin bekennender Märchenjunkie und da liegt es nahe, dass es mal wieder ein Märchen geben muss……

Das Märchen vom kleinen Wind

Es war einmal ein kleiner frecher Wind, in der Wüste Namib, der träumte davon, ein großer Wüstensturm zu werden wie seine Brüder, die den Sand kilometerweit durch die Wüste jagten oder hoch in den Himmel aufsteigen ließen.

Aber er war eben ein kleiner Wind und schaffte es nur, den Sand zu einem Häufchen aufzutürmen.

Aber der kleine Wind gab nicht auf und aus dem kleinen Haufen Sand wurde bald ein größerer und dann ein noch größerer und eines Tages beschloss der kleine Wind, den größten Sandhaufen der Erde zusammen zu blasen.

Seine Brüder lachten ihn aus und sagten; „du hast ja einen Hyperknall! Wir Wüstenwinde haben schon immer den Sand durch die Welt getragen und nicht zu einem Haufen aufgetürmt!“

Doch der kleine Wind ließ sich nicht beirren, denn er fühlte sich pudelwohl, auch wenn er alles anders machte, als es sich für einen Wüstenwind gehörte.

Seine Brüder wollten ihn necken und nachts, wenn der kleine Wind schlief, schoben sie den großen Sandberg weiter, sodass sich der kleine Wind am Morgen verdutzt die Augen rieb wenn er seinen Sandberg nicht mehr neben sich fand.

Irgendwann war der riesige Berg aus Sand nicht mehr zu übersehen und die Menschenwesen kamen um ihn zu bestaunen und nannten den Berg „Big Daddy, die größte Wanderdüne der Welt“.

Da war der kleine Wind glücklich, dass er etwas so Großartiges vollbracht hatte obwohl er alles anders gemacht hatte als seine Brüder und er legte sich jede Nacht auf die Spitze von Big Daddy und sah auf zu den Abermillionen Sternen, die über der Wüste funkelten.

Und weil die Winde unsterblich sind, schieben sie die große Düne immer weiter und weiter und weiter…..

 

 

abc Etüden / Big Daddy

Hyperknall

Wanderdüne

Pudelwohl

sind diese Woche die Worte für die Schreibeinladung zu den abc-Etüden. Sie sollen, verpackt in maximal 10 Sätzen, zu einer Geschichte verarbeitet werden.

Die Wortspende kommt von Rina P.

Christiane sammelt die Geschichten auf ihrem Blog, dort ist auch alles, was man wissen muss, nachzulesen. Ludwig Zeidler stiftet jede Woche die Grafiken für die Etüden. Mitmachen kann jeder, also nur zu!

https://365tageasatzaday.files.wordpress.com/2017/10/2017_44-17_eins1.jpg?w=533&h=610

Das konnte man wohl als Hyperknall bezeichnen.

Wie gut glaubst du, kennt dich dein Partner nach zehn Jahren Beziehung?

Weiß er, in welchen Momenten du dich pudelwohl fühlst?

Wie um alles in der Welt war Gerd auf die Schnapsidee gekommen mir dieses Geschenk zum  Jahrestag zu überreichen?

Er muss wahnsinnig sein, hatte ich gedacht.

Eine Reise zu Big Daddy, der angeblich größten Wanderdüne der Welt, eine Reise in die WÜSTE!

Als ich den Jeep startete, sah ich nicht mal in den Rückspiegel.

Ich fand, er hatte es verdient.

Wenn er sich das Wasser gut einteilte würde er durchhalten bis die nächste Reisegruppe eintraf.

Falls nicht – würde Big Daddy ihn in seine staubigen Arme schließen.

Herbstnacht

ich kann den Winter sehen

versteckt in den Stürmen des Bruders

schleicht er sich heran

 

Ich kann den Winter sehen

sein kalter Atem weht

die letzten bunten Blätter fort

 

Ich kann den Winter sehen

das schwarze Tuch der langen Nächte

wirft er über das  Land

 

mir ist kalt

abc Etüden KW 42/ 2033

Aus verschiedenen Gründen war ich wochenlang abgetaucht, der Hauptgrund war ein totaler Systemabsturz mit weitreichenden zeitraubenden Folgen – aber das ist eine andere Geschichte.

Endlich kann ich mir mal wieder die Zeit nehmen, eine Etüde zu fabrizieren. Für alle, die die abc Etüden nicht kennen, alles was man dazu wissen muss findet Ihr bei Christiane

3 Worte, diese Woche wurden sie gespendet von Gerda Gazakou

und lauten:

verdammt
Zweibrücken
grenzenlos

in 10 Sätzen zu einer Kürzestgeschichte verarbeiten, das ist das Ziel.

Hier meine Etüde für Kalenderwoche 42, die Grafik ist von Ludwig Zeidler, der die abc Etüden erfunden hat.

 

https://365tageasatzaday.files.wordpress.com/2017/10/2017_42-17_eins1.jpg?w=610&h=610

                                    

   2 0 3 3

„Er kam aus Zweibrücken“, sagte ich und beobachtete Mara aus dem Augenwinkel, sie  saß vornübergebeugt auf ihrer Bastmatte und malte mit den  Zehen Muster in den Sand.

„Das ist alles verdammt lang her und wir wollen doch heute deinen sechzehnten Geburtstag feiern, Liebes“, ich schlug einen fröhlichen Ton an,“ endlich volljährig!“

Mara wandte sie sich mir zu, ihre grünen Augen leuchteten im Sonnenlicht auf und starrten mich an, wie die Augen einer Katze, die ihre Beute fixiert.

Ich lauerte hinter meiner Sonnenbrille auf ihre Reaktion, bereit für meine Verteidigung, denn ich rechnete fest mit einem Angriff.

Sie fixierte mich mit ihrem Blick und das Schweigen, das sich zwischen uns ausbreitete erschien mir so grenzenlos wie der Ozean vor uns.

„Meinst du nicht, es wäre an der Zeit mit diesem Zweibrücken-Märchen endlich aufzuhören?“ sagte Mara und ihre Stimme war kalt.

Sie zog einen zerknitterten Umschlag aus ihrer Strandtasche und hielt ihn hoch.

Ich erkannte den Umschlag sofort, wusste was er enthielt und verfluchte meine Angewohnheit, aus Sentimentalität alles aufzubewahren, doch bevor ich eingreifen konnte riss Mara den Umschlag auseinander, holte den Kontrakt heraus und warf ihn vor mich in den Sand.

Mara hatte ihren perfekten Körper zwischen mich und die Sonne geschoben, stand wie ein von hinten beleuchteter Racheengel vor mir, beugte sich mit einer grazilen Bewegung zu meinem Ohr  und  flüsterte „23andMe, weißt du noch, Californien 2016?“

Dann richtete sie sich auf und schrie mich an: „ Und bist du denn zufrieden mit deiner Schöpfung, deiner Kreatur – “, sie machte eine Pause und spuckte das Wort in die Luft, „ – Göttin?“

 

Ich habe ein bisschen nach vorne gesehen in der Zeit…aber es ist dennoch keine Science Fiction – leider. Lest selbst in diesem  Artikel in der FAZ vom 04.10.2013

Außerdem gehe ich in meiner Geschichte davon aus, dass 2033 die Kinder mit 16 Jahren volljährig sein werden und wahrscheinlich auch, falls es dann noch so heißt, mit sechzehn das Abitur machen und sich auf ihre nächsten 100 Lebensjahre vorbereiten. Ich bin 2033 zweiundsiebzig Jahre alt, habe also gute Chancen, das zu erleben und zu überprüfen ob ich recht behalten habe. Eigentlich will ich es garnicht wissen……

 

 

 

Bassum 2017

Was für ein Sommerabend! Der Tag heute war genauso unerträglich schwül wie gestern, ganz langsam kühlt die Luft jetzt ab und ich sitze jetzt in meinem Garten und genieße die letzten Sonnenstrahlen. Endlich habe ich mal Muse für einen kurzen Bericht von meiner Schreibwoche in Bassum.

Die Volkshochschule Diepholz veranstaltet im Sommer traditionell eine Sommerakademie in der Freudenburg in Bassum. Hier ist der Name Programm, denn dieses Ensemble aus restaurierten Fachwerkhäusern in einem parkartigen Garten ist wirklich eine Oase. Einfach w u n d e r s c h ö n ! Als Seminarteilnehmer eines Workshops, der die ganze Woche dauert, kann man für kleines Geld in der Freudenburg bei voller Verpflegung wohnen und das trägt, zumindest in meinem Fall, sehr zum Wohlbefinden bei. Keine nervige Anfahrt jeden Morgen, ich gehe ein paar Schritte über den Gang und bin im Frühstücksraum oder, die Treppe hoch, im Seminarraum. Wir hatten den Luxus einer fast perfekten Sommerwoche, bis auf einen Regentag hatten wir nur wunderbares Wetter und konnten uns auf der Terrasse und im Garten zum Schreiben hinsetzen. Morgens und am Nachmittag trafen wir wieder als Gruppe mit Jutta zusammen und tauschten uns aus. Morgens gab es eine Schreibübung zum Einstimmen, zwischendurch hatten wir die Möglichkeit, mit  Jutta Reichelt ein Coachinggesprch zu vereinbaren. Die Gruppe war sehr homogen und ich denke, ich kann für alle sprechen: wir haben ein jeder von den anderen profitiert, wurden inspiriert.

Im Raum neben uns war eine Gruppe Frauen, die sich dem Patchwork – Quilting – verschrieben hatten. Beim Austausch am letzten Abend der Woche habe ich gelernt, dass es viele verschiedene Techniken bei Patchwork gibt  und diese Gruppe nur von Hand nähte. Sechs Stiche auf einen Zentimeter, da nahm es Aurelia, die Kursleiterin, sehr genau. Von Martina aus unserer Schreibgruppe kam die Idee, den Patchworkgedanken für eine Gemeinschaftsaufgabe aufzugreifen. Also spendeten wir alle am Dienstag und am Mittwoch je einen Satz und Jutta fügte unsere Einzelsätze zu einem Text zusammen. Danach konnten wir mit diesem Text arbeiten, Wörter oder Satzteile ausschneiden und neu zusammensetzen, Wörter im Text „Schwärzen“ und einen neuen Text erfinden mit den noch lesbaren Wörtern – es gab keinerlei Vorgabe, jeder machte sich an die Aufgabe, wie er/sie wollte. Nach anfänglichem Zögern kam ich dann in Fluß und war völlig begeistert. Wer Lust hat oder grade eine Schreibblockade, sollte das einmal ausprobieren, zum Beispiel mit einem Zeitungstext. Es macht unglaublichen Spaß!

Hier also mein Patchork:

und dann ist da natürlich noch

das Ende der Halmspitzen die sieben Jahre

wieder nachwachsen werden

mit einer scheinbaren Selbstverständlichkeit.

Was braucht der Mensch mehr?

Der Rasenmäher, wie eine kleine Schlange, die langsam durch das Gras gleitet.

Sieben Minuten, aber das Gras wächst weiter.

Nur nicht aufhören.

War da noch was?

Alle finden sich suchend in der Welt.

Wir tun erstmal so, als wäre weiter nichts.

Der Rasenmäher will nicht mehr, ich lege

die Liste der Namen in diesen hellen, sonnigen , erfrischenden Morgen.

Die Geschichten, die ich nie schreiben werde,

bluten Sprache

Ich liebe den deutschen Sommer – es ist die schönste Woche im Jahr!

okay, ganz so schlimm ist es nicht, zumal ich mich glücklich schätzen kann, nicht zu den gebeutelten Menschen zu gehören, deren Haus überschwennt wurde und die jetzt ohne Existenzgrundlage dastehen, weil sie nicht gegen Elementarschäden versichert waren.

Aber heute hatte ich das beklemmende Gefühl, der Planet will uns loswerden, Wie ein Tier, das sich schüttelt um die Fliegen zu vertreiben. Die Schmeißfliegen. Erinnert sich noch jemand an das Buch „Die grüne Rache“? Muss in den 80ern gewesen sein, als es im „Stern“ abgedruckt wurde, jede Woche ein paar Seiten. Meine Mutter war eine Stern-leserrin der ersten Stunde und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie je eine Ausgabe versäumt hat in Jahrzehnten bis, naja, bis zum  November 2014

Damals konnte man also im „Stern“ noch Bücher als Vorab-Druck lesen. Eben auch „Die grüne Rache“. Und ich erinnere, dass es in dem Buch genau darum geht: die Natur wehrt sich. Genaues weiß ich nicht mehr aber eine Szene habe ich nicht vergessen, eine Frau wird von einem Baum „gekapert“ und er wächst um sie herum…gruselig. Verdenken könnte man es dem Planeten, Mutter Erde, nicht, wenn dem so wäre. Sie überschwemmt uns, läßt uns vertrocknen, verhungern – und den Rest erledigen wir selbst.

Morgen wird voraussichtlich die Sonne wieder scheinen, die Nacht ist sehr mild, fast schon lau. Dann vergesse ich wieder, dass ich schon ewig keinen Schmetterling mehr gesehen habe, noch keinen einzigen Marienkäfer und wenig Bienen,

Scheint heute mein Tag der Schwermut zu sein.

In meinem Garten, Sommer 2014.

können Sie sich ausweisen?

Einen Schriftsteller erkennt man nicht an seinem Ausweis sondern an dem, was er gschrieben hat!

lässt Michail Bulgakow eine seiner Figuren in „Der Meister und Margarita“ sagen.

Dann hoffe ich mal das Beste, denn mein Reisepass ist abgelaufen. Dank der intensiven Schreibzeit in Bassum bin ich jedoch ein gutes Stück weitergekommen,und habe ein optimistisches Ziel ins Auge gefasst, mich sozusagen weit aus dem Fenster gelehnt:

nächstes Jahr will ich in Bassum an einem neuen Projekt arbeiten. Warum? na, weil ich das „alte“ beendet habe!

Der Plot steht endlich , die Szenenplanung auch und rund 70 Seiten sind in der Schublade, 50 davon bereits überarbeitet. Das Ziel ist also greifbar. Jetzt muss ich mir nur noch jeden Tag die Karotte vor meinen Schweinehund-Esel hängen, dann klappt das.

das ist übrigens der Blick aus dem Paradies ——- der Blick  aus dem Raum, in dem unser Workshop stattgefunden hat. Himmlisch!

ach, die Liebe!


Inspiriert von Christiane, die zu den abc Etuden auch eine kleine Geschichte über den Beginn einer Liebe geschrieben hat, schenke ich euch heute mal ein Gedicht eines meiner Lieblingsdichter, Joachim Ringelnatz. Ich mag seine, oft ein bißchen schrägen, Geschichten, die er in seinen Gedichten erzählt.

Joachim Ringelnatz

Der Briefmark

Ein männlicher Briefmark erlebte
was Schönes, bevor er klebte.
Er war von einer Prinzessin beleckt.
Da war die Liebe in ihm erweckt.

Er wollte sie wiederküssen,
da hat er verreisen müssen.
So liebte er sie vergebens.
Das ist die Tragik des Lebens!

Hallelujah!

…und nochmal mit Inbrunst: H A L L E L U J A H !

Die Zahl des Tages: 2,4. Das ist die amtlich errechnete Durchschnittsnote des Zeugnisses der allgemeinen Hochschulreife – oder wie es die Schulleiterin meines Sohnes genannt hat, des „höchsten möglichen Schulalbschlusses in Deutschland“ von Benedict, meinem Sohn. Und für mich der Schlusspunkt unter die Schulzeit. Ein Quantensprung! Nie mehr auf Schulferien Rücksicht nehmen, school`s out for ever! Ich fühle mich, als ob jemand Eisenkugeln von meinen Füßen entfernt hätte – Freiheit! Kein Schulkind mehr zu haben ist eine derartig berauschende Aussicht, dass ich es noch garnicht fassen kann!

Heute abend war die offizielle Verleihung der Zeugnisse und damit mein letzter Besuch im Hölderlingymnasium. Nochmal Hallelujah!

Men Sohn ist wunderbar und wird seinen Weg gehen. Ich habe einen großen Teil meiner Aufgabe schon erledigt. Jetzt wird er das Nest verlassen und das ist auch gut so. Für uns beide heißt es jetzt: auf zu neuen Ufern! Ich bin mindestens so erleichtert wie er und freue mich auf die andere Zeit, die jetzt auch für mich beginnt. Ich habe noch viel vor und freue mich auf das was kommt!

Urlaub macht urlaubsreif

Demnächst breche ich auf nach Norden, eine Woche Auszeit beim Schreibseminar von Jutta Reichelt. Es ist wie immer, je näher der Urlaub rückt, desto mehr Arbeit türmt sich auf.. Tausend Dinge müssen noch erledigt werden – und die Tage müssten eigenltich 36 Stunden haben.Deshalb müssen die abc Etüden ein bißchen ruhen. Da ich also selbst nichts zustande bringe aus Zeitmangel, will ich wenigstens etwas anderes posten. Gedichte gehen immer, finde ich. Und deshalb gibt es ein ganz wunderbares Gedicht für euch, ich gebe zu, ich liebe es!

Sie saßen und tranken am Teetisch

Sie saßen und tranken am Teetisch
und sprachen von Liebe viel.
Die Herren, die waren ästhetisch,
die Damen von zartem Gefühl.

„Die Liebe muß sein platonisch“,
der dürre Hofrat sprach.
Die Hofrätin lächelt ironisch.
Und dennoch seufzet sie: „Ach!“

Der Domherr öffnet den Mund weit:
„Die Liebe sei nicht zu roh,
sie schadet sonst der Gesundheit.“
Das Fräulein lispelt: „Wieso?“

Die Gräfin spricht wehmütig:
„Die Liebe ist eine Passion!“
Und präsentieret gütig
die Tasse dem Herren Baron.

Am Tische war noch ein Plätzchen;
mein Liebchen, da hast du gefehlt.
Du hättest so hübsch, mein Schätzchen,
von deiner Liebe erzählt.

  • Heinrich Heine

und hier noch zum Hören:

Es lebe die Liebe! Ich wünsche euch ein Wochenende voller Liebe und Sonne!

Mittsommer

Sie liegen überall herum, meine Kladden. In unterschiedlichen Formaten, Farben, Papieren. Mehr oder weniger vollgeschrieben enthalten sie tagebuchartige Einträge, angefangene Gedichte, Fragmente von Geschichten, Schreibübungen, Kartendeutungen oder numerologische Auswertungen. Ich trage sie in Handtaschen mit mir herum, sie liegen zwischen dem Strickzeug oder stehen im Bücherregal. Geben Zeugnis von einem Leben, das vermutlich reichlich unorganisiert wirkt, dominiert von zahlreichen Liebesaffairen, die zum größten Teil nur auf dem Papier existierten, in meinem Kopf, in meiner Fantasie und in meinem mehrfach gebrochenen und wieder zusammengeflickten Herzen. Manchmal stelle ich mir vor, wer wohl nach meinem Ableben  diese Ergüsse zu entziffern versuchen wird. Vermutlich niemand. Sie werden, so hoffe ich, ungelesen im Müll versenkt. Was nicht in säuberlicher Druckschrift im Laptop abgespeichert wird, taugt nichts. Die nachfolgenden Generationen werden vielleicht die Handschrift gar nicht mehr beherrschen, wer weiß.

Manchmal finde ich eine längst vergessene Aufzeichnung und staune über das, was ich da lese. tauche ein in mein eigenes früheres Leben wie Harry Potter in Dumbledores Denkarium.

Jetzt zirpen die Grillen um mich herum, an einem schwülen Juniabend der langsam der Nacht entgegen dämmert und das schwindende Licht lässt die Buchstaben vor meinen Augen verschwimmen.

Die Sonnwende ist vollzogen, die Tage werden wieder kürzer, der Sommer hat gerade erst begonnen und schon wird seine Trauerfeier vorbereitet. Ein paar Wochen noch werden wir der Illusion erliegen können, die Tage wären endlos und das Leben ein einziger Sommernachtstraum. Doch die Zeit schreitet unerbittlich voran, wie ein treuer Soldat, und treibt das siebzehnte Jahr dieses noch so jungen Milleniums seinem Ende entgegen.

Der Mann, den ich liebe, sagt: „das Buch ist geschrieben“, und ich finde das tröstlich und erschreckend zugleich. Letztlich löst dieses Gedankengebilde aber doch nur eines in mir aus: Stürz dich ins Leben! Lebe! Jetzt! In diesem Moment, an diesem Abend im Juni, im schwindenden Licht dieses Tages.

KW 13.2017 Alles wird gut – wird alles gut?

uiuiui…Bernd von red skies over paradise hat uns ja was eingebrockt diese Woche….die 3 Wörter waren herausfordernd. Aber was ein echter Etüdenfan ist, gibt so schnell nicht auf.Und irgendwie wollte ich ja auch die Geschichte von letzter Woche weiterspinnen – doppelte Herausforderung. Drei Worte, zehn Sätze und die Idee, daraus eine Geschichte zu bauen. Alles, was Ihr dazu wissen müsst, findet ihr bei Christiane, die freundlicherweise die Etüden als Host begleitet. Unermüdlich in seinem Schaffen schenkt uns Ludwig Zeidler die Grafiken zu den Wortspenden!

Hier die Etüde dieser Woche (und wer mag kann die letzte Etüde noch davor lesen, diese ist quasi auch die Fortsetzung….)

Alles wird gut – wird alles gut?

Das sizilianische Kaff lag in der Mittagshitze wie eine träge Raubkatze, die Fenster verschlossen, die Schlitze der Jalousien wie gesenkte Lider, schlafend aber wachsam und immer bereit zuzuschlagen, ich war auf der Hut.

Als der dicke Salvatore mit aufgeschlitzter Kehle von seinem Stuhl rutschte hörte ich einen Schrei – den Schrei einer Frau – ich drehte mich auf dem Absatz um, spähte durch den schlecht beleuchteten Raum und entdeckte sie hinter einem der vollgestopften Regale.

Sie lugte zwischen Kartons hindurch, ich sah nur kastanienbraunes Haar und weit aufgerissene Augen, die mich entsetzt beobachteten, als ich auf sie zuging.

Ich vermutete, sie erwartete, dass ich einer von den ganz bösen Jungs war, die vergewaltigen, brandschatzen und morden und sie jetzt mein nächstes Opfer sein würde.

Wir werden jetzt gemeinsam hier raus gehen und verschwinden,“ ich nahm sie am Arm und zog sie mit mir zur Tür, drehte mich noch einmal um und rief demonstrativ „Ciao Salva!“ in den Raum, zog die Tür hinter uns zu, öffnete die Beifahrertür meines Transporters und schob sie ins Auto.

Sie war nicht nur hübsch sondern auch vernünftig, denn sie schrie nicht und redete kein Wort, sie starrte mich nur völlig unverfroren an und ich wünschte mir, sie in den hermetisch abgeriegelten Laderaum meines Transporters verbannen zu können um ihren Blicken zu entgehen.

Ich hatte nicht viel Zeit, ich würde die Hilfe der Fremden brauchen können, wenn ich Gina retten wollte, deshalb entschied ich mich, sie mit der Wahrheit zu konfrontieren.

Wir müssen in die Sicani Berge, zu Salvatores Hütte, hat mir gesagt, er hätte sie eingemauert hinter dem Keller, der Irre, wir werden wohl einen Kellerdurchbruch machen müssen, dieses Schwein, nur weil sie ihn nicht wollte, meine schöne Schwester und dieser fette Frosch, ein Perverser, unvorstellbar, hoffentlich komme ich noch rechtzeitig – “ ich redete ohne Punkt und Komma auf sie ein, gestikulierte wild herum und plötzlich sprach sie:

Pardon Monsieur, je ne comprends rien – I don´t understand anything – non capisce ….“

Eine Touristin – was war ich nur für ein ausgemachter Trottel.

 

abc Etüden Woche 22-2017 Beurteilen Sie das Buch nie nach dem Umschlag!

Es ist mir nicht mehr möglich, mich der Verführung zu entziehen, egal wie angefüllt mit Arbeit die Woche auch ist, es findet sich ein Zeitfenster für die abc etüden. Bei Christiane findet ihr alles WIssenswerte, kurz zusamengefasst 3 Wörter und 10 Sätze ergeben eine Kürzest-geschichte. Ins Leben gerufen von Ludwig Zeidler, der mit seinen wunderschönen Grafiken Woche um Woche das Projekt bebildert.

Hier meine Etüde mit den Worten der Woche:

Kramladen

verlustieren

Angst

 

Beurteilen Sie das Buch nie nach dem Umschlag!

Sanne fühlte sich schon immer vom Abgründigen, Dunklen angezogen.

In dem kleinen Kramladen waren auf staubigen Regalböden aus kieselgrauem Resopal Dosensuppen und Hundefutter gestapelt, Garnrollen mit festem schwarzen Zwirn, Nähnadeln, angestaubte Verpackungen von Glühbirnen – alles lagerte scheinbar planlos in dem stickigen Raum, die Leuchtröhre über ihr flackerte immer wieder.

Zuerst hörte sie nur seine Stimme, weich, warm und tief, wie das entspannte Schnurren einer großen Katze, sie drehte sich wie elektrisiert um und spähte zwischen Mehltüten und einem originalverpacken „Starmix“ aus den siebziger Jahren,  zur Kasse, wo er, ihr den Rücken zuwendend, mit dem Besitzer des Ladens verhandelte, der wie ein dicker träger Frosch hinter der Kasse saß und den Fremden aus großen basedowschen Augen musterte.

Sie sah schwarze Haare, die im Nacken zu einem Zopf zusammengebunden waren, breite Schultern in einem verwaschenen, meerblauen T-Shirt, muskulöse braungebrannte Arme und einen vermutlich perfekten Hintern in der lässigen Jeans.

Sanne verstand nicht, worum es in dem Gespräch ging, doch das war unwichtig denn sie folgte nur  dem Klang dieser Stimme, schloss für einen Moment die Augen und stellte sich vor, wie sie sich mit diesem Mann am Strand verlustieren könnte.

Einem inneren Impuls folgend blieb sie dennoch  hinter dem Regal stehen, beobachtete die Szene schweigend mit angehaltenem Atem und wartete auf den Moment, da er sich umdrehen und sie sein Gesicht sehen würde.

Dann veränderte sich der Ton zwischen den beiden Männern, sie wurden lauter, schrien sich an, das hohe gequetschte Keifen des Froschs und das tiefe drohende Brummen des Fremden verkeilten sich in der Luft, der Dicke sprang auf und wollte durch die Tür hinter der Kasse ins Hinterzimmer flüchten, Stahl blitzte auf und Sanne sah entsetzt, wie Blut in einer breiten Fontäne aus dem kurzen Hals des dicken Mannes gepumpt wurde.

Sie schrie auf und hielt sich im selben Augenblick die Hand vor den Mund, doch es war zu spät, der Fremde drehte sich um, sein Blick tastete sich durch den Raum und ihre Augen trafen sich.

Sanne erstarrte vor Angst und war unfähig, den Befehlen ihres Gehirns zu folgen, sich umzudrehen, die rettende Tür nach draußen in die Sonne zu öffnen und zu verschwinden.

Als er vor ihr stand, dachte sie, sein Gesicht ist noch schöner als ich es erwartet hatte.

Nachklang….

kennt Ihr das? Wenn man etwas Schönes erlebt, dann klingt das nach  – wie ein Ton im Inneren, dem man folgen kann…

So geht es mir heute mit dem Erlebnis des Ballettabends gestern. Ich bin immer noch ganz gefangen von diesen wunderschönen Bildern, dem großartigen Bühnenbild, den tollen Kostümen, der schönen Musik und den einzigartigen Tänzern, die die Choreografie und die Geschichte zum Leben erweckt haben!

Hier ein paar Impressionen, mehr davon auf

https://www.stuttgarter-ballett.de/spielplan/spielzeituebersicht-2016-17/don-quijote/bilder/s2239/

Quelle der Fotos: http://www.stuttgarter-ballett.de