Über gingerpoetry

am liebsten bin ich in meiner wortwabe und schreibe...Kurzgeschichten, Gedichte, Notizen -

Lebkuchen allover

Die Lebkuchenfront ist wieder da – ein deutlícheres Zeichen dafür, dass das Jahresende um die Ecke biegt, kann es nicht geben. Der Sommer hat sich ja dieses Jahr ins Unendliche ausgedehnt und ich konnte mich der Illussion hingeben, dass es noch lange hin ist bis zum Herbst und Winter….

Ich renne 2018 nur im Hamsterrad, kaum Zeit zum Luftholen. Gefühlt war die einzige Atempause meine Woche in Bassum, die sich angefühlt hat wie 10 Tage, weil die Zeit ohne die allgegenwärtigen Zeitbeschleuniger Internet und Telefon einfach langsamer vergeht. In dieser Woche kann ich mich auf mich selbst zurückfallen lassen – das tut so gut. Kein tickender Metallklumpen, der deinen Tag zerhackt, die Termine sind überschaubar und die Zeit dazwischen ist ein weites Feld, das ich mit meinen Gedaniken füllen kann. In drei Monaten werde ich mich bereits wieder anmelden für die nächste Sommerakademie. Seit drei Jahren ist das der Fixstern im Sommer!

Die Augenkrankheit, die mich im Frühjahr fast drei Monate lang außer Gefecht gesetzt hat, hat mir soviel Zeit gestohlen. Die vielen Stunden im Krankenhaus, die ich mit Warten verbracht habe, sind irgendwie verpufft. Da ich wegen der Augen nicht lesen konnte, waren sie auch nicht sinnvoll zu nutzen. Per Kopfhörer etwas anhören ging ja auch nicht, dann hätte ich ja nicht gehört, wenn ich aufgerufen werde. Denke ich an diese Wochen zurück ist es, als ob sie fehlen würden. Ein weißer Fleck in meiner Erinnerung.

Kaum war das vorbei hieß es, die Vorbereitungen für den dreimonatigen Kanadaaufenhalt meines Sohnes zu treffen, es ging Schlag auf Schlag bei ihm. Sein Praktikum bei Radio big fm endete am 3. Juli und am 10. Juli saß er bereits im Flieger nach Montreal. Während er in Kanada war trudelten hier die Zusagen für´s Studium ein, wie erhofft war auch die Zusage für seinen Favoriten-Studiengang iin Düsseldorf dabei. Während er in Kanada reiste und arbeitete, organiserte ich hier ein Zimmer in Düsseldorf, bereitete den Umzug vor und holte ihn dann am 10. Oktober in Frankfurt ab. Am 13. Oktober ging es schon morgens kurz  nach 5 Uhr mit dem großen Wagen nach Düsseldorf. Mittlerweile hat er angefangen mit dem Studium und  mit seinem selbständigen Leben. Auch eine Umstellung für mich – Mama allein zuhaus!

Die letzen Wochen des Sommers waren traurig, denn einer unserer beiden Kater wurde sehr krank. Er war schon immer ein Freigänger, kam aus dem Tierheim und war ursprünglich aus Italien. Es kam häufig vor, dass er mal 2 oder 3 Tage unterwegs war. Aber dann fehlte er eine ganze Woche und ich hatte ihn schon aufgegeben. Nach einer Woche war er wieder da, völlig entkräftet, abgemagert und schwach. Wir hatten schon länger den Eindruck, dass er „dement“ ist, mein Sohn sagt, das gibt es bei Katzen auch. Vielleicht hat er einfach nicht mehr nach Hause gefunden? Danach habe ich ihn nicht mehr rausgelassen, was ein Drama war, denn er wollte ja immer raus. Ich bin dann mit ihm zusammen in den Garten, damit er an die frische Luft kommt,  und habe ihn nicht aus den Augen gelassen.

Am Ende war er aber doch schon so krank, dass die Tierärztin Nierenversagen und Leberversagen konstatiert hat und vermutlich hatte er auch einen Schlaganfall. ich hatte gehofft, dass er durchhält bis mein Sohn wieder da ist, aber er hat es nicht geschafft. Das Schlimmste war, diesen kleinen weichen Körper zu begraben, mir ist fast das Herz gebrochen, denn er war ja 13 Jahre bei uns.

Das ist jetzt auch schon wieder fast vier Wochen her.

Ich vermute, ich wache am Neujahrsmorgen 2019 auf und weiß nicht, welches Jahr wir haben….immerhin weiß ich, siehe oben, dank der allgegenwärtigen Lebkuchen dass wir uns auf die Weihnachtszeit zubewegen. Wenn die Zeit weiter so dahin rast, dann wird der Übergang zum Osterhasen fließend sein für mich.

 

Gerade gelesen

Ich hab´s ja nicht so mit Buchempfehlungen. Etwas gut zu finden, ist doch immer etwas Subjektives, wenn man kein Literaturkritiker ist. Wobei ich gestehen muss, dass ich mich bei deren Empfehlungen beim Lesen des entsprechenden Buchs häufig frage, warum sie genau dieses Buch so toll fanden. Allerdings habe ich aufgehört, mich zu fragen, ob ich zu blöd bin, es zu verstehen. In Amerika gibt es ja nicht diesen deutsch-ernsthaften Unterschied zwischen „E“ und „U“, ein Buch darf den Leser nicht langweilen, „show don´t tell“ ist die Devise.

Wie dem auch sei, ich möchte all denen unter Euch, die Eltern haben, deren Jugend auf dem Altar des 2. Weltkriegs geopfert wurde, dieses Buch ans Herz legen. Und auch denen, die Großeltern haben, deren Jugend so weit weg ist, dass sie gar nicht zu existieren scheint, weil man diese Großeltern nur als alte Menschen kennengelernt hat.

„Die Freibadclique“ von Oliver Storz.

Für mich als Schwäbin aus dem Raum Stuttgart auch deshalb so spannend, weil es hier in der Region angesiedelt ist. Es ist die Geschichte einer Jungsclique Jahrgang 1929, beginnt im Jahr 1944 und Oliver Storz schildert darin weitgehend seine eigenen Erlebnisse. Ein Buch, das es leicht macht, einzutauchen. Ein Buch, das Bilder im Kopf entstehen lässt. Ein  Buch, bei dem ich geweint habe um die verlorenen Jahre der Sorglosigkeit meiner Eltern. Ich bin schon lange der Meinung, dass wir alle die Geschichten unserer Ahnen in unserem Blut haben, all die nie erzählten Schrecken. Es schwingt immer mit, unausgesprochene Geheimnisse schweben wie Spinnenfäden durch den Raum, wenn die Familie zusammenkommt und bleiben an dir kleben. Hier hat einer seine Geschichte erzählt, der erzählen kann. Und die Geschichten müssen erzählt werden, damit sie nicht vergessen werden, wenn eine Generation ausstirbt.

Aus dem Klappentext:

„Irgendwie waren wir missraten. Wir schwänzten Schule und HJ-Dienst, nachts lauschten wir unter Wolldecken verborgen den Feindsendern, wo Benny Goodman, Duke Ellington und Glenn Miller spielten, kurz wir taugten nichts, jedenfalls nicht zu Helden…“

Sommer 1944, irgendwo im Schwäbischen. Knuffke, Bubu, Zungen-Kuss, Rosenacher („Hosenmacher“) und der Erzähler sind fünfzehn, und ihnen steht der Sinn nach allem mehr als nach Nationalismus. Sie wollen wissen, wie das mit den Mädels ist, wie man die Penne hinter sich bringt und um die SS-Wehrmacht herumkommt. Aber sie ahnen, dass es, trotz ihrer gut trainierten Lässigkeit, ums Überleben geht. Als sie dann, im April 45, doch noch zum Volkssturm müssen, sind sie bald nur noch zu dritt. Rosenacher geht verschütt. Zungen-Kuss hatte es zuvor auf einem Maisfeld am Westwall erwischt. Als die drei übrigen unter Lebensgefahr türmen, haben sie keine Ahnung, was ihnen zu Hause blüht, vielleicht ist die US-Army ja auch schon da.                                                          Oliver Storz schildert in seinem Roman das Drama des Jahrgangs 1929, dem er selbst angehörte, ungemein lebendig, poetisch – und weitgehend aus eigener Erfahrung.“

 

Falls es jemand liest und mir einen Kommentar hinterlassen möchte, freue ich mich sehr!

Update

Meine Sommerwoche in Bassum rückt näher, endlich die langersehnte Auszeit zum Schreiben vor Augen, kann ich wieder mal eintauchen in meine Geschichten. Zuviel andere, nicht immer schöne Dinge haben in den letzten Monaten meine Tage bestimmt. Meine Mutter hat sich auf einen langsamen Weg des Abschieds begeben, sie scheint verschwinden zu wollen, lautlos. Manchmal spricht sie halbe Sätze ohne Sinn, selten erkennt sie uns, meistens ist sie in ihrer eigenen Welt. Ich habe meine eigene Art, mit solchen Herausforderungen umzugehen, am besten klappt es, wenn ich mich zurückziehe und mein Schneckenhaus neu einrichte.

Heute habe ich den Tag genutzt für längst überfällige Recherchen, die mich wieder neu inspiriert und motiviert haben. Die Geschichte von Rosa und Harold liegt ja immer noch in Fragmenten da und will sortiert und beendet werden. Einige Übungen zu diesem Text sind ja auch hier auf dem blog (Schlagwort „Rosas Reise“), heute habe ich mir Gedanken zu Harold gemacht, nachdem ich einen vergessenen Text in einer meiner vielen Kladden entdeckt habe. Hier die Geschichte von Harold, den ich immer noch nicht identifiziert habe. Mittlerweile bleibt aber nur eine Möglichkeit übrig, es muss wohl jener Harold Syms gewesen sein, Rezeptionist und Room Steward auf der „Olympic“. Bei ihm passt das Alter, die Größe und Haarfarbe. Wie er sich mit Rosa verständigt hat, weiß ich nicht, aber dazu gibt es ja die Fiktion und Fantasie. „Mein“ Harold sprach zumindest ein bißchen Deutsch.

Harold Syms

Harold

 

Harold Pinter wurde als Kind deutscher Einwanderer geboren. Das Schiff, das seine Eltern als jungvermähltes Ehepaar in New York an Land spuckte, war einer der neuen schnellen Dampfer, die keine zwei Wochen mehr brauchten um den Atlantik zu überqueren.

Margarete Pfänder, geborene Huber, war eine schweigsame schüchterne Frau. Ihre großen blauen Augen hatten immer den erschreckten Ausdruck eines Kindes, das die Mutter aus dem Blickfeld verloren hat. Sie betrat diesen unbekannten Kontinent zögerlich, fest an den Arm von Nikolaus geklammert. Nikolaus Pfänder überragte seine Frau  um Haupteslänge, er hatte einen aufrechten Gang und die Arbeit als Zimmermann hatte seine Muskeln gestählt. Wenn Margarete ihren Mann ansah, hatte sie das Gefühl, er könne die Welt besiegen auch wenn ihm eine Hand auf den Rücken gebunden wäre. Nach der Landung in New York verschlug es die jungen Einwanderer nach Boston, wo sie beide Arbeit fanden. Trotz ihrer schüchternen Art war Margarete der Kopf dieser Ehe, während Nikolaus mit seiner unbändigen Kraft und eisernem Willen die Schwierigkeiten aus dem Weg räumte. Margarete arbeitete als Küchenhilfe bei Jakob Wirth, der ein deutsches Wirtshaus in der Eliotstraße betrieb, wo deutsche Weine und Spezialitäten aus der süddeutschen Heimat angeboten wurden. Jakob Wirth, genannt Jake, war es, der Margarete vorlebte, wie weit man es bringen konnte, wenn man die Sprache des neuen Heimatlandes beherrschte.  Nikolaus und Margarete wollten es schaffen und so sprachen sie auch untereinander nur noch Englisch. Als das erste Kind geboren wurde, änderte Nikolaus den deutschen Nachnamen „Pfänder“  in ein englisches „Pinter“ und das Kind bekam den englischen Vornamen Harold.

Harold war lebhaft und die stille Margarete schien durch dieses Kind wie verwandelt. Sie lachte viel und redete auf das Baby ein, das sie mit ebenso großen blauen Augen wie ihre eigenen ansah. Jetzt verfiel sie auch immer wieder in ihre Muttersprache und so kam es, dass Harold mit dem Klang zweier Sprachen aufwuchs. So sehr Margarete nach ihrer Ankunft in Boston die Assimilation vorangetrieben hatte, so sehr war ihr jetzt daran gelegen, ihrem Kind die eigenen Wurzeln zu vermitteln. Sie war immer noch schüchtern und darauf bedacht, nicht aufzufallen. Ihr Englisch war nahezu akzentfrei, sie war ein natürlicher Teil ihrer neuen Heimat geworden und allmählich fühlte sie sich auch sicher. Harolds offene Art, die Mühelosigkeit, mit der er auf andere Menschen zuging, faszinierten Margarete und sie suchte in seinem Gesicht, in seinen Gesten nach Ähnlichkeiten mit Familienmitgliedern. Harold kannte die abgegriffenen Fotos von fernen Großeltern, Onkeln und Tanten, er konnte jedes Gesicht beim Namen nennen. Seine Spielkameraden hatten leibhaftige Großeltern, die man besuchen konnte und die einem auch mal einen Penny in die Hand drückten. Harolds Familie war neben seinen Eltern eine Familie aus Papier, in schwarz, weiß und grau.

Als Harold viele Jahre später auf der „Olympic“ anheuerte und sich auf die erste Reise nach Europa begab, war die ferne Familie in seiner Vorstellung immer noch schwarz-weiß aber er hatte seinen Eltern versprochen, sobald als möglich die alte Heimat zu besuchen. Eisern sparte er jeden möglichen Dollar seiner  Heuer bis er endlich das Geld für die Reise zum Dorf seiner Eltern zusammen hatte.

Seine Mutter hatte den Geschwistern den Besuch des Sohnes angekündigt. Die Papierfamilie in Deutschland hatte zugesagt, Harold am Bahnhof in Ulm abzuholen. Seit der Abreise von Harolds Eltern waren dreißig Jahre vergangen, die schwarz-weißen Großeltern waren verstorben und aus den ernst dreinblickenden jungen Leuten waren gesetzte Mittfünfziger geworden, die Harold wie ein seltsames unbekanntes Tier bestaunten. Er sprach nur bruchstückhaftes Deutsch als er bei der Verwandtschaft ankam, aber nach ein paar Tagen klappte die Verständigung. Harold besuchte die Gräber der Großeltern und legte im Namen seiner Eltern kleine Kränze nieder, stand mit gefalteten Händen und gesenktem Blick vor den Gräbern und wunderte sich über die bunten Farben der Blumen.

Die Familie reichte Harold herum wie einen Wanderpokal, er besuchte die Geschwister der Mutter und den Bruder des Vaters, lernte die zahlreichen Vettern und Basen kennen und bezahlte am Ende das große Familienfoto, zu dem alle zusammengerufen worden waren. Das sollte eine Überraschung für seine Eltern werden und jetzt war er es, der den schwarz-weißen Figuren auf dem Foto einen Namen geben und die Verwandtschaftsverhältnisse erklären konnte.

Harold blieb zwei Wochen bei der Familie, reiste dann über Paris nach Cherbourg und heuerte wieder auf der „Olympic“ an. Er  beschloss, zukünftig jede Gelegenheit zu nutzen um sein Deutsch weiter zu verbessern. Auf jeder Überfahrt gab es  deutsche Auswanderer oder Heimkehrer, mit denen er als Rezeptionist in Kontakt kam.

 

Was kommt noch?

https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.brand-in-seniorenheim-in-frickenhausen-mit-einem-blauen-auge-davongekommen.33c84e42-d6e2-4445-9583-5230cc387e23.html

 

 

Ungeschick höre auf –

und willst du nicht aufhören so mache wenigstens eine Pause!

(arabisches Sprichwort)

 

Gesten abend der Anruf meiner Schwester: „Im Seniorenheim brennt es!“

Ich bin sofort hingerannt, mit dem Auto fahren machte keinen Sinn, der halbe Ort war abgesperrt….ich war plötzlich mitten in einer Szene wie aus einem Tatort. Sanitäter, Polizisten, Feuerwehrmänner. Die Hilfsbereitschaft der Nachbarn war überwältigend Sie haben ihr Haus geöffnet für die alten Leute, von denen viele wie meine Mum dement sind. Ihr Wohnzimmer wurde Untersuchungszimmer und Aufenthaltsraum,

Sie haben in ihrer Garage Tische aufgestellt für Heimbewohner und Helfer, Kaffee gekocht, Decken und Kleidung verteilt, denn viele Bewohner waren, wie meine Mama, nur mit Schlafkleidung und ohne Schuhe aus dem Haus getragen worden. Unser Pfarrer hat das naheliegende Gemeindehaus als Notunterkunft hergerichtet, sicher waren auch hier viele helfende Hände, aber das habe ich nicht mitbekommen, weil ich dann  ja auf dem Weg ins Krankenhaus war.

Meine Mutter lag im Bett als der Brand im Zimmer eines Bewohners ausbrach, ihr Zimmer liegt direkt daneben. Sie war eine der fünf Personen, die mit Verdacht auf Rauchvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Da sie nicht versteht, was da passiert und wo sie ist, habe ich die Nacht mit ihr in der Notaufnahme verbracht. Darin habe ich ja schon Übung….

Die beiden Wohngemeinschaften aus dem 1. Obergeschoß werden erst in etwa sechs Wochen in ihre Wohnungen zurückkehren können, denn die ganze Etage ist unbewohnbar. Im Zimmer meiner Mutter ist alles kaputt, vom Rauch , vom Ruß und vom Löschwasser.

Am Ende gab es glücklicherweise nur Sachschaden und niemand wurde verletzt. Aber der Schreck sitzt mir noch in den Knochen.Und ich bin voller Dankbarkeit für die vielen Helfer vom DRK, der Feuerwehr und der Polizei und die Anwohner, die spontan geholfen haben.

Für dieses Jahr habe ich genug von Katastrophen. Also bitte: Ungeschick, höre auf!

Augustmond

Mondin blaßgoldene

zieht ihre Bahn kommt

geht

verschwindet  ungerührt

egal ob

Grillen zirpen oder

Schüsse fallen

egal

ob ich liebe

oder nicht

 

 

August 2016

Fundstück – in einer meiner zahlreichen Kladden, denen ich letztes Jahr einen Post gewidmet habe, entdeckt. Womit sich wieder einmal die Nützlichkeit der bunten Hefte beweist.. Ich muss immer eines zur Hand haben, so wie die Flasche Wasser, griffbereit, und einen Stift, am besten einen, der schön schreibt. Einen Bleistift, nicht zu hart, oder einen Tintenroller, ein Kuli, der gut in der Hand liegt und vorzugsweise eine schwarze Mine hat, tut´s auch. Schon zwei Mal war ich in den letzten Monaten bei einem Workshop im  im Hotel „Le Meridian“, und am Ende der Tagung sammelte ich die Kulis im Konferenzraum ein. Sie sind keuchtend türkis, wie Meerwasser, und haben eine weiche schwarze Mine. Ich liebe diese Stifte und meine fast ausnahmslos männlichen Kollegen haben mir ihren gerne überlassen. So kommt zu den vorzugsweise bunten Kladden jetzt der türkise Stift dazu. Früher war ich pflichtgemäß puristisch, das gehörte sich einfach, ein schwarzes Moleskine und ein schwarzer Faber-Castell, mehr nicht. Mittlerweile stehe ich zu meiner Vorliebe für Pink und Türkis, das Leben ist manchmal sehr unbunt, da tut etwas Farbe im Alltag meiner Seele gut.

Putz-und Fegtag

Heute ist mein großer Putz-und Fegtag. Ich räume mein Büro auf, oder besser, ich miste aus. Dringend nötig. In den Untiefen des riesigen Einbauschranks in meinem Büro (es ist der ehemalige Kleiderschrank meiner Eltern, ihr früheres Schlafzimmer ist jetzt mein Büro) habe ich das verschollen geglaubte Sammelbuch der Kindheitserinnerungen meines Sohnes gefunden. Wie es so geht bei dieser Tätigkeit, man kommt nicht wirklich voran, weil man ja alles in die Hand nehmen, alte Fotos anschauen und altes Zeug lesen muss.

In diesem grandiosen Buch sind unter anderem Bonmots von Benedict gesammelt. Hier ein paar Kostproben:

Juli 2002, Benedict auf die Frage was ich ihm vor dem Einschlafen vorlesen soll:

„Eine Nachtgutgeschichte mit ohne Buch!“

10. August 2002 (Benedict ist 3 Jahre alt und wir arbeiten daran, die Windel loszuwerden)

„Jetzt habe ich eine große Kartoffel in meine Windel reinkartoffelt!“

27. Juli 2007 (Benedict ist sechs Jahre alt und komponiert neuerdings eigene Songs mit deutschen Texten)

Benedict´s aktueller Lieblingssongtext:

„Ein Leben ohne Liebe ist unbeschreiblich

noch schlimmer wie ein Leben ohne Polizei!“

 

19. Mai 2008 (Benedict ist knapp 9 Jahre alt)

Benedict ärgert sich, er hat drei Pickel am Kinn.

„Na hoffentlich bekommst du nicht die Masern“, sagt Carmen.

„Nein, ich bin doch geimpft! Und auch gegen Rumpf!“

„Wogegen?!?“

„Gegen Mumpf – oder wie heißt das?“

(Für alle, die eine Erklärung brauchen: er meinte MUMPS)

Einige Wochen später…vorausschicken muss ich , dass ich bei unserem Umbau 2004  im Dachgeschoß eine Toilette mit Urinal einbauen ließ – zwei Männer im Haus, da lohnt sich das 🙂

Bei Benedict Geburtstagsparty gab es einen unbekannten „Stehpinkler“, der zu Carmen´s Ärger die Klobrille nicht wieder runtergeklappt hat und sein Pipi zum Teil auf den Boden gemacht hat. Benedict versucht, den Übeltäter am nächsten Tag zu ermitteln.

„…und dann hab ich ihnen (Anm. seinen Freunden) gesagt, sie hätten das Overal benutzen sollen!“

 

Ich hoffe, ich konnte Euch jetzt ein Lachen ins Gesicht zaubern…oder zumindest ein Lächeln!

 

 

Mögen Sie Pilze?

Pilz, der

Wortart: Substantiv, maskulin

Bedeutungsübersicht

  1. [früher als Pflanze angesehener] blatt- und blütenloser, fleischiger Organismus, der meist aus einem schlauch- bis keulenförmigen Stiel und einem flachen oder kugel- bis kegelförmigen Hut besteht
  2. aus schlauchförmigen Fäden bestehender Organismus ohne Blattgrün, der krankheitserregend sein kann oder in gezüchteter Form zur Herstellung von Antibiotika sowie von bestimmten Nahrungs- und Genussmitteln verwendet wird
  3. (umgangssprachlich) Kurzform für: Hautpilz

(Quelle: Duden)

 

„Zur Zeit ist doch gar keine Pilzsaison“, sagte einer der Gitarristen meiner Band.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, so war das doch, oder?

Ich kann mich nicht einmal mehr erinnern, WANN ich das letzte Mal hier in meiner Wortwabe war, zu lange her. Seit mehr als zwei Monaten habe ich ihn, den Pilz. Er hat sich eingenistet und beschäftigt mich jeden Tag. Er sitzt in meinem linken Auge, hat die Hornhaut durchlöchert und mich wochenlang gequält. Die Augenklinik  in Tübingen ist quasi seit Wochen mein Wohnzimmer. Mittlerweile bin ich in der neunten Woche, allerdings hat es einige Zeit gedauert bis klar war, WAS das ist, da in meinem Auge. Ich wusste bis dato nicht, dass man auch im Auge einen Abstrich machen kann. Nachdem klar war, dass es ein Pilz ist, wurde die Behandlung mit speziellen Augentropfen fortgeführt, die nur in der Apotheke hergestellt werden können. Die gute Nachricht: die fünf Löcher haben sich mittlerweile geschlossen, es gibt keine Vernarbungen, die zu verminderter Sehleistung führen könnten. Die Zeit, die ich auf dem Weg zur Augenklinik (knapp 40 Kilometer einfache Strecke) und dort im Warteraum und bei den vielfältigen Untersuchungen gelassen habe, hat mich allerdings unter Stress gebracht. Denn der Tag hat ja nun mal keine 48 Stunden. Ich musste zwangsläufig alles liegen lassen, was nicht unbedingt nach Erledigung schrie.

Jetzt ist aber Besserung in Sicht. Heute werde ich wieder nach Tübingen fahren, die nächste Ration der Spezial-Wundertropfen abholen. In zwei Wochen ist dann ein weiterer Kontrolltermin. Ein echter Fortschritt, nicht mehr täglich in die Augenklinik zu müssen – die jedoch wirklich ganz großartig ist. Ich bin sehr dankbar, dass ich so nahe an der Universitätsstadt Tübingen mit ihren tollen Kliniken bin.

Noch renne ich meinen Aufgaben hinterher, aber es ist Land in Sicht. So wird auch meine Wortwabe endlich wieder öfter Besuch von mir bekommen. Es ist höchste Zeit wieder zu Schreiben.

Happy Birthday to me

Ich erinnere mich, es gab eine Zeit, da las meine Mama meine Gedichte.

Sie las die Titel und suchte sich dann eines aus, das sie interessierte. Ich bin sicher, sie fand es schön. Vielleicht war sie stolz auf mich, vielleicht war sie auch verwundert, dass es ihr Kind war, das so etwas hervorbrachte. Mag sein, es überraschte sie nicht, denn sie hatte selbst eine natürliche Begabung für den Umgang mit Worten, wie auch mein Vater sie hatte, der wunderbare Reden halten konnte, frei gesprochen, mit viel Empathie. Auf Grund seiner Herkunft, in seiner Generation, als Sohn einfacher Bauern auf dem Land, hatte er keine Chance, etwas aus dieser Begabung zu machen.

Jetzt ist die Zeit gekommen, die ich so gefürchtet habe. Ich wusste, dass der Tag kommen würde, wusste, dass ich mich darauf zu bewege, wie in einem Zug, der fährt ohne anzuhalten, auf sein Ziel zusteuert, ohne eine Chance auszusteigen.

Meine Mama erkennt mich nicht mehr. Auch wenn sie versucht, es zu verbergen, ich weiß, dass sie nicht weiß, wer ich bin.

Vor einigen Tagen hatte ich Geburtstag, und ich hatte keinerlei Bedürfnis, zu feiern oder diesen Tag irgendwie zu zelebrieren, denn sie, die mir das Leben geschenkt hat, weiß nichts mehr von meiner Existenz.

Wie immer, wenn etwas besonders schmerzhaft ist, wende ich mich nach innen, lege den Schmerz ab in diesem geheimen Raum und  verschließe die Tür.

Und ich erinnere mich. Ich erinnere mich an eine Zeit, da las meine Mama meine Gedichte….. .

 

abc Etüden 04/2018

Discokugel

Wahnsinnig

Klauen

für diese Woche kommen die 3 Wörter von Sabine von wortgeflumselkritzelkram (wortgeflumselkritzelkram.wordpress.com), die Grafik ist von Ludwig und die Aufgabe ist, bekanntermaßen, aus diesen 3 Worten in 10 Sätzen eine Geschichte zu bauen. Bei Christiane findet ihr alles, was man über die abc Etüden wissen muss und die links zu den vielen wunderbaren Geschichten der anderen abc-Etüden-Junkies!

https://365tageasatzaday.files.wordpress.com/2018/01/2018_04_2_zweia.jpg?w=482&h=482

Warum hängt man sich so ein Ding in die Wohnung, mit Elektroantrieb, als Glitzerlampe im Dauerbetrieb?

Die Lichtspiegelungen wanderten durch den Raum, wie tastende helle Finger, immer rundherum, schienen mir zu folgen, es machte mich wahnsinnig.

Ein Fingernagel war  mir abgebrochen, was sehr,  sehr ärgerlich war, denn es war der Zeigefinger der rechten Hand und die Nageldesignerin hatte ihn handbemalt mit einer Miniatur-Mona-Lisa.

Nun ja, ein bisschen Schwund ist immer, dachte ich, am Ende muss man alles gegeneinander aufwiegen und suchte in dem diffusen Licht nach der schwarzen Sporttasche.

Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich klauen würde, im Gegenteil, ich fand, das Geld stand mir zu.

Barny und Joe hatten sich nie über den Weg getraut, bis zum Ende nicht, einer gönnte dem anderen die Butter auf dem Brot nicht.

Als der Streit eskalierte war hatte ich mich im Bad eingeschlossen und war erst wieder herausgekommen als es still war,  ganz still.

Joe saß am Boden, die Beine leicht gespreizt, sein Kopf hing herab und die Wand war blutverschmiert, Barny lag neben dem Tisch, eine hässliche Wunde klaffte in seiner Brust und ich versuchte nicht hinzusehen, als ich die Sporttasche unter dem Tisch hervorzog, die Geldbündel herausnahm und in meine Tasche stopfte.

Was konnte ich dafür, wenn diese beiden Alpha-Männchen sich die Köpfe einschlagen mussten – ich hatte nur Schmiere gestanden.

Ich nahm meinen Revolver aus der Tasche, schoss die verdammte Discokugel von der Decke und verließ das Haus.

abc Etüden 03-2018 Supernova

Noch ein Beitrag zur Wortspende von Woche 03-2018, von meinem Sohn Benedict

ABC-Etüden : FrB121102 – ultraviolett – Supernovaüberrest

 

 

Supernova

 

„Boah, der ist ja mal ultraviolett!“ ,rief er mit funkelnden Augen, so dass ich unwillkürlich grinsen musste.

„Gefällt er dir?“ ,fragte ich rhetorisch.

Jaa, der passt super zu mir, damit seh ich aus wie Luke!“, antwortete er strahlend.

„Ich brauch ihn nicht mehr, also kannst du ihn gerne ihm Sternenkrieg einsetzen.“, erwiderte ich.

Nachdem er sich eine Weile stolz im Spiegel betrachtet hatte,  begleitet von abwechselnden Grimassen und pantomimischen Lichtschwertschwüngen, glitten seine Hände in die Seitentaschen des im Licht schimmernden Mantels und er blickte mich verdutzt an.

„Was ist das denn? Da steht FrB121102 und irgendwas zum Essen…“, las er stockend ab, in der Hand eine alte zerknitterte Rechnung, deren Beschriftung stellenweise schon verbleicht war.

„Hm, ich schätze das ist ein Supernovaüberrest.“, sagte ich mit tiefer Stimme und bedeutender Miene.

„Ein Super-was? Wie alt ist das denn?“ fragte er noch eindringlicher.

„Da habe ich deine Mama kennengelernt, sie war damals Bedienung dort.“

Ich fuhr fort: „Das FrB steht für Frau Blum und die Zahlen sind das Datum. Das Essen war köstlich, aber nichts gegen ihr Lachen. Das war von einem anderen Stern. Ein paar Wochen später waren wir schon auf Wolke 7“, erzählte ich ihm und zeigte zur Decke, während er mich mit großen Augen anstarrte.

„Aber wo ist sie jetzt, Papa?“, fragte er mit zitternder Stimme, sein ehrliches kindliches Gesicht fixierte mich voller Verständnislosigkeit.

Es dauerte ein paar Momente, bis ich die richtigen Worte fand, um seiner Frage gerecht zu werden.

Ich räusperte mich und sagte: „Sie ist jetzt in einer anderen Galaxie, Jonas. Nur weil ein Stern verglüht, heißt es nicht dass er nicht an einer anderen Stelle weiter existiert. Weißt du, wenn es dunkel wird, kannst du sie sehen. Sie wacht über uns; beschützt uns vor fiesen Aliens und Meteoriden“.

„Also ist sie gegangen um Superheldin zu werden?“, schoss es aus seinem Mund, dieses Mal schon weniger ernst sondern vielmehr voller Bewunderung.

„Ja, so könnte man das sagen.“, sagte ich erleichtert und lächelte.

abc Etüden Textwoche 03.18 LIEBE

Das Jahr eilt voran, schon sind wir in Woche 3 angekommen…und siehe da, die Etüden feiern ihr Einjähriges! Herzlichen Glückwunsch an uns Etüdenschreiber und vielen Dank an Ludwig, den Erfinder und an Christiane , die Woche für Woche auf ihrem Blog viel Zeit investiert um die abc Etüden am Laufen zu halten!

Dieses Mal kommen nicht nur die Grafiken sondern auch die Wörter von Ludwig, es gilt sich dem zu stellen:

FRB 121102 (FRB = Fast Radio Burst, hier speziell zu FRB 121102 nachlesen)
ultraviolett
Supernovaüberrest.

Diese 3 Wörter sind, so ist die Aufgabenstellung, in einer Geschichte mit nicht mehr als 10 Sätzen unterzubringen.

2018_03_3_lz | 365tageasatzaday

In den Äonen seit des Großen Friedens hatte es einen solchen Fall noch nie gegeben, niemand hatte sich je erhoben gegen die Charta, niemand hatte gegen die Regeln des Einen Volkes verstoßen.

Und jetzt hatte ausgerechnet Kaibu, der begabteste unter den Schülern Z`Aano`s das getan, was das Eine Volk mehr bedrohte, als die ultravioletten Strahlen des Supernovarrests aus der Nachbargalaxie.

`Wie lange sendet er das Signal schon?`, der Gedanke des Vorsitzenden des Großen Rats teilte die Stille.

`Seit zwanzig Sonnen wissen wir davon, aber er sagt uns nicht, wann er damit begonnen hat`,  Z ´Aanos Gedanke hatte eine besorgte Schwingung und so schwang auch der nächste Gedanke, der in das Bewusstsein der Anwesenden floss.

`Das wirklich Beunruhigende ist, dass die Wellen aufgefangen wurden auf einem Planeten mit unterentwickelten, kriegerischen Lebewesen, die sich gegenseitig bekämpfen anstatt sich liebend zu respektieren und die die Mutter Erde, die sie nährt, mehr und mehr zerstören.`

Der Vorsitzende hob seinen Kopf und öffnete die Augen, seine Frage bohrte sich in die Gedanken der ganzen Runde und jeder spürte, dass dies der entscheidende Punkt war.

`Verstehen Sie was er sendet?`

`Nein, sie nennen die Wellen FRB 121102 und glauben, der Ursprung wäre drei Milliarden Lichtjahre entfernt.

Ihre Technik ist unterentwickelt, sie wissen nicht, dass sie uns viel näher sind, als sie glauben, weil wir uns bis jetzt vor ihnen verbergen konnten.`

Der Vorsitzende versank in Schweigen und als er die Augen wieder öffnete sendete er seinem Volk die Antwort auf diese Bedrohung.

 

 

 

 

abc Etüden Textwoche 02.18 NEUSTART

2018_02.18_1_eins_lz | 365tageasatzaday

Das sind die Wörter dieser Woche, gespendet von Christiane. Alles, was man wissen muss zu den abc Etüden, findet Ihr auf Ihrem Blog https://365tageasatzaday.wordpress.com/

Die Grafik oben kommt wie immer vom Etüden Erfinder Ludwig Z.

3 Wörter in 10 Sätze verpackt – ich habe es heute genutzt um mich nach langer Abstinenz in meiner Wortwabe wieder zurück zu melden. Möge das neue Jahr ein produktiveres werden, bitte OHNE die Katastrophen des letzten Jahres!

Ich wünsche allen, die hier vorbeischauen, ein glückliches neues Jahr, voll strotzender Gesundheit, mit Glück, das vom Himmel fällt und Herausforderungen, die gestemmt werden können!

Hier meine Etüde:

Wie lange will ich die nie gefassten guten Vorsätze noch auf die lange Bank schieben?

Ich fühle mich irgendwie speckig, das neue Jahr türmt sich vor mir auf wie eine riesige Bürde von noch nicht gelebten Tagen, unüberwindlich.

Die ersten Tage sind vorbeigezogen im Permastress der Nach-Weihnachtszeit, mit frühen Geburtstagen, die ich immer vergesse, was mir dann gleich zu Jahresbeginn die Schamröte ins Gesicht treibt.

Wozu gibt es den Kalender im Handy, der mich doch treu und brav an alles erinnern würde, hätte ich es denn eingespeichert –

Ein Jahreswechsel ohne Weihnachten direkt davor wäre deutlich entspannter.

Der Kalender ist schon im Januar angekommen, meine Seele noch nicht.

Ich dümple immer noch im Niemandsland zwischen den Jahren herum, frage mich, ob es Zeit wäre die Weihnachtsdeko wieder in Kisten zu verstauen und mich mit nackten Fensterbänken ohne Kitsch anzufreunden.

Die Vögel singen so, wie sie an Frühlingstagen singen, die sind wohl auch aus der Zeit gefallen, willkommen im Club!

Der Kalender zeigt den achten Januar, das bedeutet zumindest, es ist kein weiterer unsäglicher Feiertag in Sicht, kein Geburtstag, den ich vergessen könnte, das Leben scheint sich wieder in die gewohnten Bahnen einzuordnen mit allem, was dazugehört: neue Gesetze, Berufsverkehr, Stau auf der A 8, und dem restlichen ganz normalen Wahnsinn.

Hilft ja nichts, weitermachen, heißt die Devise, immer weitermachen, seit Neuestem eben 2018.

Abschied

Schnee fällt auf mein Herz

der Mondin bleiches Licht wirft

graue Schatten

auf das Land

 

das wilde Heer jagt

durch die Wolken

Rauhnächte künden

von kommenden Monden flüstern

die Zukunft In mein Herz

 

Werde ich blühen

Werd ich verglühn

Meine Seele raunt mir zu

Lass ihn ziehn

Lass ihn ziehn

Lass ihn

 

Ziehn.

Schlüssel-los

Sie möchten ja so gerne heraus aus mir, die Geschichten. Aber sie finden die Türe nicht. Jetzt sitzen sie eingepfercht in mir drin und gehen sich gegenseitig auf die Nerven. All die Figuren stolpern sich über die Füße und bringen Zeit und Raum durcheinander. Ich brauche unbedingt einen Schlüssel um dieses Tor aufzuschließen, damit ich sie herauslassen kann. In die vermeintliche Freiheit, die keine sein wird, weil ich der Schöpfer ihrer Welt bin.

Vielleicht bin ich selbst ja auch nicht wirklich sondern nur eine Figur im Kopf irgendjemandes, der sich gerade überlegt, dass ich aufschreibe, dass meine Geschichten aus mir herauswollen aber nicht können.

Ich fasse mich an und versuche zu glauben, dass es mir gelingen könnte, die Realität zu beweisen indem ich mich kneife. Um sicherzustellen, dass ich aus Fleisch und Blut bin.

Ich bin nicht sicher.

abc Etüden KW 48 : Schwarze Nacht

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Puh, hatte ja schon Entzugserscheinungen – dank Schnupfennase habe ich mir heute mal Zeit für einen entspannten Etüden-Schreibabend genommen. Manchmal fliegt einem ja auch sofort was zu wenn man die Wörter liest. So wars bei mir mit den drei Wörten von Frau Myriade

Flussbett

langwierig

klöppeln

Die Grafik kommt von Ludwig Zeidler, zu finden bei https://ludwigzeidler.de/ , der Christiane, die die abc Etüden auf ihrem blog hostet, zuverlässig mit seinen tollen Grafiken versorgt.

Viel Spaß mit meiner Etüde!

Schwarze Nacht

Der Schlitten raste neben dem Flussbett entlang.

Die Nacht war so schwarz, dass die Tannen sich kaum vom Horizont abhoben.

Alles schien in einem dunklen Nebel zu versinken und jeder schickte ein Stoßgebet zum Himmel, in der Hoffnung, der Mond möge endlich die Wolken durchdringen und sein kaltes Licht auf die Erde  schicken.

Das Ausarbeiten der Route war derartig langwierig gewesen, dass Frau Claus behauptet hatte, sie hätte in derselben Zeit ein Spitzendeckchen klöppeln können.

Aber es war nun einmal wie es war, sie konnten jetzt eben nur an Flüssen und großen Straßen entlang reisen,  sonst wären sie völlig verloren gewesen.

Umwege ih Kauf zu nehmen war das kleinere Übel, denn niemand aus dem Team hatte Interesse daran, sich zu verirren in dieser stockfinsteren Nacht.

In kleine Seitenstraßen abzubiegen war  jedoch nicht immer zu vermeiden, und es grenzte jedes Mal an ein Wunder, wenn sie dann doch wieder auf der Hauptroute landeten und das nächste Ziel ansteuern konnten.

Der kranke Rudolf hatte dieses Jahr alles durcheinander gebracht.

Ohne das Licht seiner Nase den Weg zu finden war so irrsinnig anstrengend für alle Beteiligten, dass Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Donner und Blitzen beschlossen, Santa Claus endlich ein Navigationsgerät zu Weihnachten zu schenken.