ABC Etüde/KW 38.39.21

Der Herbst ist da, es gibt kein Entkommen vor dem Winter. Noch scheint die Sonne, aber das ist auch bald wieder Geschichte, glaubt man der Wettervorhersage. Wenn die usselige Jahreszeit kommt, dann bleibe ich doch auch eher mal im Haus, der Garten hat Pause. Die Wörter für die aktuelle Schreibeinladung von Christiane https://365tageasatzaday.wordpress.com/2021/09/19/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-38-39-21-wortspende-von-werner-kastens/ kommen von Werner Kastens. Meine Etüde diese Woche ist nicht wirklich eine Etüde im Sinne einer kleinen Geschichte, dennoch haben die Wörter

Prophezeiung

anständig

verkrümeln

abc.etüden 2021 38+39 | 365tageasatzaday

wunderbar zu meinen Gedanken an diesem Morgen gepasst. Danke an den Wortspender und danke an Christiane, die auf ihrem Blog https://365tageasatzaday.wordpress.com die Etüden hostet und mit Liebe und viel Arbeit am Laufen hält!

Was bleibt

Die letzte Prophezeiung zu den Ergebnissen ist bereits wieder Geschichte. Das Land hat gewählt und obwohl ich hoffe, dass die, die uns regieren werden, anständig sind, bin ich mir doch nicht ganz sicher. Manchmal würde gerne laut hinausrufen: „Welt! Anhalten! Ich will austeigen!“ und mich ganz schnell verkrümeln. In den Weltraum, das Universum oder sonst wohin, wo ich meine Ruhe habe.

Meine Ratio ist aber noch ganz gut in Schuss, deshalb ist mir völlig klar, dass ich trotzdem weitermachen werde, irgendwie. Statistisch bleiben mir noch etwa zweiundzwanzig Jahre auf dem Planeten, die kriege ich auch noch rum. Wenn ich richtig gerechnet habe, kann ich dann noch fünf Mal wählen. Ich hoffe jetzt einfach, dass ich auch eine Wahl habe und uns die Demokratie erhalten bleibt.

Übrigens habe ich mal den Begriff „anständig“ gegoogelt. Die Plattform „openthesaurus.de“ bietet folgende Synonyme an, die für „anständig“ stehen:

anständig · aufrecht · aufrichtig · das Herz am rechten Fleck haben (fig., sprichwörtlich) · ehrbar · ehrlich · fair · geradeheraus · grundanständig · grundehrlich · grundgut · kreuzbrav · lauter · patent · rechtschaffen · redlich · treu · treu und brav · unverstellt · veritabel · wahrhaft · honett (geh.) · lauteren Herzens (geh., veraltend)

Ich versuche gerade, im Politikerportfolio der gestrigen Elefantenrunde eine Figur zu finden, auf die das zutreffen könnte. Mir fällt keiner/keine ein. Das Einzige, was mir einfällt, ist eine Verszeile von Heinrich Heine:

Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.

Scheint also alles beim Alten zu sein, schließlich wurde das schon im Jahr 1844 veröffentlicht. Was bleibt ist, im eigenen Umfeld das Beste zu geben, aufrichtig zu sein und mir selber treu zu bleiben.

ABC Etüden 36/37.21

Nach längerer Pause will ich endlich mal wieder eine Etüde abliefern – man sollte sich nicht so vom Alltag vereinnahmen lassen, mehr Disziplin, Baby! Schaun mer mal wie es läuft im Herbst…in dieser Runde bin ich jedenfall dabei. Die Worte für die Etüdenwochen sind

Schlick/putzen/omiinös,

die Wortspende kommt von Ludwig Zeidler, der die Etüden erfunden hat. Seit Jahren schon werden sie von Christiane gehostet

abc.etüden 2021 36+37 | 365tageasatzaday

Wer mitschreiben will, der Link führt euch direkt zur Schreibeinladung. https://365tageasatzaday.wordpress.com/2021/09/05/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-36-37-21-wortspende-von-ludwig-zeidler/

Hier also meine Etüde, 300 Wörter ohne Titel

Seemann und Schlick

Sein Name war Schlick, Bernhard Schlick. Mein Job war es, sein Büro zu putzen, das seiner Sekretärin, Frau Seemann, und das seiner Abteilung. Frau Seemann und Herr Schlick, das entbehrte nicht der Komik. Ich wusste, dass der verheiratete Bernhard Schlick mit der attraktiven Blondine ein Verhältnis hatte. Frau Seemann liegt im Schlick, sozusagen. Ich kicherte in mich hinein und schob meinen Wagen durch den Gang. Wenn ich kam, lag die ganze Mannschaft sicher noch im Bett, wenn ich ging, waren die Büros immer noch leer. Ich war schnell, und trotzdem gründlich. Schnell genug, um den einen oder anderen Blick auf Fotos zu werfen, die auf den Schreibtischen standen, in Schubladen zu blicken oder hinter die Aktenordner in den Schränken.  Es war erstaunlich, was man alles fand. In der letzten Ecke von Marina Seemanns unterster Schreibtischschublade lagerte immer ein größerer Vorrat von Kondomen, unter Post-Its versteckt. Es deutete alles darauf hin, dass die beiden Sex im Büro hatten. Ich stellte mir vor, wie Bernhard seine Frau anrief, sie hieß übrigens Isabell. Das Foto von Isabell und den Kindern stand auf Bernhards Schreibtisch. `Schatz, leider wird es heute später, ich muss da noch dieses Projekt abschließen – ` Vielleicht sollte ich Isabell mal einen Tipp geben? Irgendeine ominöse Nachricht schicken mit einem kryptischen Text, so etwa in der Art von „gehen Sie doch mal zu Ihrem Mann ins Büro wenn er Überstunden macht, Sie werden überrascht sein“.  Der Gedanke ließ mich nicht mehr los, ich musste es einfach tun. Und dann nahm die Katastrophe ihren Lauf. Und ich bin schuld. Seit Stunden sitze ich jetzt hier und versichere den Beamten, dass ich schuld bin. Sie nehmen mich nicht ernst. Es könne gar nicht sein, dass ich Marina Seemann erschossen hätte, völlig ausgeschlossen, sagen sie. Sie verstehen es einfach nicht. Ich bin schuld.