abc Etüden 04.05.20 Transformation

abc.etüden 2020 04+05 | 365tageasatzaday

Auf ein Neues! Wieder drei wunderbare inspirierende Wörter für die neue challenge, dieses Mal von onlybatscanhang. 

Die Wörter für die neue Woche sind

Papiertiger
belanglos
plätschern.

Diese Wörter müssen in eine Geschichte verpackt werden, die nicht mehr als 300 Wörter hat.

Die Schreibeinladung und alles, was ihr dazu wissen müsst, findet ihr auf dem blog von Christiane

Hier meine Etüde:

Wenn die Zeit so dahin plätschert, quasi b e l a n g l o s, dann bin ich ruhig. Nichts ist wichtig, da ist kein Termin, der meinen Tag in Teile schneidet, keine Aufgabe, die erledigt werden will, nichts, das mich ablenkt von mir. Die Wahrheit ist, das sind die echten Geschenke. Diamonds are a girls best friends? Nicht für mich, nein, nicht für mich. Wenn ein Tag vor mir liegt wie ein weites Feld, ein Weg, der reicht bis zum Horizont, dann fühle ich mich reich. Dann tauche ich ein in meine Innenwelt, steige hinab in Räume, die nur ich kenne. Ich angle Buchstaben, fische nach Erinnerungen und forme daraus Geschichten. Manche bleiben in meinem Kopf, manche reiche ich weiter an den Herrn Papiertiger und erlaube ihm, sie aufzuschreiben. In den letzten Jahren habe ich meinen ewigen Mitbewohner, den inneren Kritiker, mehr und mehr aus diesen geheimen Räumen herausgedrängt. Er war sich seiner Sache jahrzehntelang so sicher, der Gute, und dann kam meine Transformation. Zimmer für Zimmer habe ich ihm abgenommen und jetzt haust er wie Harry Potter in einer Kammer unter der Treppe und ich hoffe, es ist ihm so ungemütlich, dass er irgendwann aufgibt. Was für ein Kampf! Es waren harte Zeiten, aber es hat sich gelohnt. Ab und zu streckt er seinen Kopf aus der kleinen Tür unter der Treppe und mault herum. Will meine Geschichten madig machen. Letztens hat ihn der Papiertiger in die Hand gebissen, seither ist Ruhe. Ich hab gerufen „Verschwinde! Ich brauch dich nicht mehr!“ und er hat beleidigt die Tür zugezogen. Jetzt leckt er vermutlich seine Wunden und bereitet seinen nächsten Anschlag vor. Ich bin realistisch, ganz werde ich ihn sicher nicht mehr los. Aber ich kann ihn jetzt in Schach halten. Und das fühlt sich richtig gut an.

299 Wörter

15 Gedanken zu „abc Etüden 04.05.20 Transformation

  1. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 06.07.20 | Wortspende von Make a choice Alice | Irgendwas ist immer

  2. O, deiner ist ein zutiefst sympathischer Papiertiger! Er beißt auch mal den ewigen Nörgler und Verhinderer weg! Besonders gefällt mir die Passage, wo du schreibst, wie es sich anfühlt, einen leeren Tag vor sich zu haben. Das kenne ich so gut! Zwar ist es schön,etwas vorzuhaben, Termine zu haben, Menschen zu sehen, irgendwie fühlt man sich dann wahrgenommen, teilnehmend, nachgefragt. Aber welche Wohltat, wenn man sich nichts vorgenommen hat! Welche Befreiung! Welch Abenteuer!

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  3. Ich – als gelernte Redakteurin – liebe das Überarbeiten meiner Texte und habe viel Spaß mit meiner inneren Kritikerin. Sie versteht sich prächtig mit meinem Muser, und ohne die beiden wäre ich manchmal ziemlich allein mit meiner (oder ohne meine?) Kreativität.
    Aber ich weiß, dass Sympathien und Antipathien verschieden verteilt sind, und das ist gut so, denn es macht die Welt, auch die der Buchstaben und Erinnerungen, bunter und vielfältiger.

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    • Elke, ich verstehe was du meinst. Wenn ich meine eigenen Texte überarbeite, dann ist das meine Auseinandersetzung mit dem, was ich da geschrieben habe. Mein innerer Kritiker ist aber keiner, der sich mit etwas auseinandersetzt. Der macht alles runter und hat mich mein Leben lang davon abgehalten, meine Passion zu leben. Ich bin meinen Talenten erfolgreich ausgewichen, weil ja eh nichts gut genug gewesen wäre. Das ist schade und es ist Quatsch. Heute lebe ich nach der Devise: fang an, mach´s einfach. Besser werden kannst du immer noch.

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  4. Ich stelle mir deinen Papiertiger als Wächter deines inneren (Schreib-) Friedens in einer schimmernden Rüstung vor, der nur das zu dir durchlässt, was dir guttut 😁
    Was für ein Schatz!
    Wie deine Etüden leuchten! Wie schön, das zu sehen!
    Ganz herzliche Grüße
    Christiane, die heute friert 😁🐱🍷🌟

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  5. Sehr gut!

    Jetzt leckt er vermutlich seine Wunden und bereitet seinen nächsten Anschlag vor.

    Das gewiss. Aber Du bist gewappnet! 🙂

    Ich hatte mal kurzfristig Kontakt zu einer Frau, die spirituelle Seminare gab und sicher sehr weit war.
    Doch auch sie war nicht gefeit gegen Kränkungen und Zweifel. Zumal diese ja vom inneren Kritiker kommen und nichts mit der erlangten Spiritualität zu tun hatte.
    Aber diese Gefühle schafften es bei ihr immer nur ganz kurze Zeit.

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    • so ist es….wenn man genau hinschaut, kommt alles aus der eigenen Wahrnehmung. Denn ich treffe immer selber die Entscheidung, WIE ich damit umgehe. Ich habe ja die Wahl, lasse ich mich runterziehen oder nicht? Wenn die Kritik einen Punkt betrifft, mit dem man selber nicht im Reinen ist, desto eher trifft es. Deshalb ist mein Plan, mich so zu nehmen wie ich bin. Und das, was ich ändern will, kann ich ja ändern. Aber das ständige an mir selber rum-mäkeln, das habe ich hinter mir gelassen.

      Gefällt 4 Personen

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