Was kommt noch?

https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.brand-in-seniorenheim-in-frickenhausen-mit-einem-blauen-auge-davongekommen.33c84e42-d6e2-4445-9583-5230cc387e23.html

 

 

Ungeschick höre auf –

und willst du nicht aufhören so mache wenigstens eine Pause!

(arabisches Sprichwort)

 

Gesten abend der Anruf meiner Schwester: „Im Seniorenheim brennt es!“

Ich bin sofort hingerannt, mit dem Auto fahren machte keinen Sinn, der halbe Ort war abgesperrt….ich war plötzlich mitten in einer Szene wie aus einem Tatort. Sanitäter, Polizisten, Feuerwehrmänner. Die Hilfsbereitschaft der Nachbarn war überwältigend Sie haben ihr Haus geöffnet für die alten Leute, von denen viele wie meine Mum dement sind. Ihr Wohnzimmer wurde Untersuchungszimmer und Aufenthaltsraum,

Sie haben in ihrer Garage Tische aufgestellt für Heimbewohner und Helfer, Kaffee gekocht, Decken und Kleidung verteilt, denn viele Bewohner waren, wie meine Mama, nur mit Schlafkleidung und ohne Schuhe aus dem Haus getragen worden. Unser Pfarrer hat das naheliegende Gemeindehaus als Notunterkunft hergerichtet, sicher waren auch hier viele helfende Hände, aber das habe ich nicht mitbekommen, weil ichdann  ja auf dem Weg ins Krankenhaus war.

Meine Mutter lag im Bett als der Brand im Zimmer eines Bewohners ausbrach, ihr Zimmer liegt direkt daneben. Sie war eine der fünf Personen, die mit Verdacht auf Rauchvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Da sie nicht versteht, was da passiert und wo sie ist, habe ich die Nacht mit ihr in der Notaufnahme verbracht. Dariri habe ich ja schon Übung….

Die beiden Wohngemeinschaften aus dem 1. Obergeschoß werden erst in etwa sechs Wochen in ihre Wohnungen zurückkehren können, denn die ganze Etage ist unbewohnbar. Im Zimmer meiner Mutter ist alles kaputt, vom Rauch , vom Ruß und vom Löschwasser.

Am Ende gab es glücklicherweise nur Sachschaden und niemand wurde verletzt. Aber der Schreck sitzt mir noch in den Knochen.Und ich bin voller Dankbarkeit für die vielen Helfer vom DRK, der Feuerwehr und der Polizei und die Anwohner, die spontan geholfen haben.

Für dieses Jahr habe ich genug von Katastrophen. Also bitte: Ungeschick, höre auf!

Augustmond

Mondin blaßgoldene

zieht ihre Bahn kommt

geht

verschwindet  ungerührt

egal ob

Grillen zirpen oder

Schüsse fallen

egal

ob ich liebe

oder nicht

 

 

August 2016

Fundstück – in einer meiner zahlreichen Kladden, denen ich letztes Jahr einen Post gewidmet habe, entdeckt. Womit sich wieder einmal die Nützlichkeit der bunten Hefte beweist.. Ich muss immer eines zur Hand haben, so wie die Flasche Wasser, griffbereit, und einen Stift, am besten einen, der schön schreibt. Einen Bleistift, nicht zu hart, oder einen Tintenroller, ein Kuli, der gut in der Hand liegt und vorzugsweise eine schwarze Mine hat, tut´s auch. Schon zwei Mal war ich in den letzten Monaten bei einem Workshop im  im Hotel „Le Meridian“, und am Ende der Tagung sammelte ich die Kulis im Konferenzraum ein. Sie sind keuchtend türkis, wie Meerwasser, und haben eine weiche schwarze Mine. Ich liebe diese Stifte und meine fast ausnahmslos männlichen Kollegen haben mir ihren gerne überlassen. So kommt zu den vorzugsweise bunten Kladden jetzt der türkise Stift dazu. Früher war ich pflichtgemäß puristisch, das gehörte sich einfach, ein schwarzes Moleskine und ein schwarzer Faber-Castell, mehr nicht. Mittlerweile stehe ich zu meiner Vorliebe für Pink und Türkis, das Leben ist manchmal sehr unbunt, da tut etwas Farbe im Alltag meiner Seele gut.

Putz-und Fegtag

Heute ist mein großer Putz-und Fegtag. Ich räume mein Büro auf, oder besser, ich miste aus. Dringend nötig. In den Untiefen des riesigen Einbauschranks in meinem Büro (es ist der ehemalige Kleiderschrank meiner Eltern, ihr früheres Schlafzimmer ist jetzt mein Büro) habe ich das verschollen geglaubte Sammelbuch der Kindheitserinnerungen meines Sohnes gefunden. Wie es so geht bei dieser Tätigkeit, man kommt nicht wirklich voran, weil man ja alles in die Hand nehmen, alte Fotos anschauen und altes Zeug lesen muss.

In diesem grandiosen Buch sind unter anderem Bonmots von Benedict gesammelt. Hier ein paar Kostproben:

Juli 2002, Benedict auf die Frage was ich ihm vor dem Einschlafen vorlesen soll:

„Eine Nachtgutgeschichte mit ohne Buch!“

10. August 2002 (Benedict ist 3 Jahre alt und wir arbeiten daran, die Windel loszuwerden)

„Jetzt habe ich eine große Kartoffel in meine Windel reinkartoffelt!“

27. Juli 2007 (Benedict ist sechs Jahre alt und komponiert neuerdings eigene Songs mit deutschen Texten)

Benedict´s aktueller Lieblingssongtext:

„Ein Leben ohne Liebe ist unbeschreiblich

noch schlimmer wie ein Leben ohne Polizei!“

 

19. Mai 2008 (Benedict ist knapp 9 Jahre alt)

Benedict ärgert sich, er hat drei Pickel am Kinn.

„Na hoffentlich bekommst du nicht die Masern“, sagt Carmen.

„Nein, ich bin doch geimpft! Und auch gegen Rumpf!“

„Wogegen?!?“

„Gegen Mumpf – oder wie heißt das?“

(Für alle, die eine Erklärung brauchen: er meinte MUMPS)

Einige Wochen später…vorausschicken muss ich , dass ich bei unserem Umbau 2004  im Dachgeschoß eine Toilette mit Urinal einbauen ließ – zwei Männer im Haus, da lohnt sich das 🙂

Bei Benedict Geburtstagsparty gab es einen unbekannten „Stehpinkler“, der zu Carmen´s Ärger die Klobrille nicht wieder runtergeklappt hat und sein Pipi zum Teil auf den Boden gemacht hat. Benedict versucht, den Übeltäter am nächsten Tag zu ermitteln.

„…und dann hab ich ihnen (Anm. seinen Freunden) gesagt, sie hätten das Overal benutzen sollen!“

 

Ich hoffe, ich konnte Euch jetzt ein Lachen ins Gesicht zaubern…oder zumindest ein Lächeln!

 

 

Mögen Sie Pilze?

Pilz, der

Wortart: Substantiv, maskulin

Bedeutungsübersicht

  1. [früher als Pflanze angesehener] blatt- und blütenloser, fleischiger Organismus, der meist aus einem schlauch- bis keulenförmigen Stiel und einem flachen oder kugel- bis kegelförmigen Hut besteht
  2. aus schlauchförmigen Fäden bestehender Organismus ohne Blattgrün, der krankheitserregend sein kann oder in gezüchteter Form zur Herstellung von Antibiotika sowie von bestimmten Nahrungs- und Genussmitteln verwendet wird
  3. (umgangssprachlich) Kurzform für: Hautpilz

(Quelle: Duden)

 

„Zur Zeit ist doch gar keine Pilzsaison“, sagte einer der Gitarristen meiner Band.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, so war das doch, oder?

Ich kann mich nicht einmal mehr erinnern, WANN ich das letzte Mal hier in meiner Wortwabe war, zu lange her. Seit mehr als zwei Monaten habe ich ihn, den Pilz. Er hat sich eingenistet und beschäftigt mich jeden Tag. Er sitzt in meinem linken Auge, hat die Hornhaut durchlöchert und mich wochenlang gequält. Die Augenklinik  in Tübingen ist quasi seit Wochen mein Wohnzimmer. Mittlerweile bin ich in der neunten Woche, allerdings hat es einige Zeit gedauert bis klar war, WAS das ist, da in meinem Auge. Ich wusste bis dato nicht, dass man auch im Auge einen Abstrich machen kann. Nachdem klar war, dass es ein Pilz ist, wurde die Behandlung mit speziellen Augentropfen fortgeführt, die nur in der Apotheke hergestellt werden können. Die gute Nachricht: die fünf Löcher haben sich mittlerweile geschlossen, es gibt keine Vernarbungen, die zu verminderter Sehleistung führen könnten. Die Zeit, die ich auf dem Weg zur Augenklinik (knapp 40 Kilometer einfache Strecke) und dort im Warteraum und bei den vielfältigen Untersuchungen gelassen habe, hat mich allerdings unter Stress gebracht. Denn der Tag hat ja nun mal keine 48 Stunden. Ich musste zwangsläufig alles liegen lassen, was nicht unbedingt nach Erledigung schrie.

Jetzt ist aber Besserung in Sicht. Heute werde ich wieder nach Tübingen fahren, die nächste Ration der Spezial-Wundertropfen abholen. In zwei Wochen ist dann ein weiterer Kontrolltermin. Ein echter Fortschritt, nicht mehr täglich in die Augenklinik zu müssen – die jedoch wirklich ganz großartig ist. Ich bin sehr dankbar, dass ich so nahe an der Universitätsstadt Tübingen mit ihren tollen Kliniken bin.

Noch renne ich meinen Aufgaben hinterher, aber es ist Land in Sicht. So wird auch meine Wortwabe endlich wieder öfter Besuch von mir bekommen. Es ist höchste Zeit wieder zu Schreiben.