Nachtrag zu „Kastanienblüte“

Es gibt noch etwas nachzutragen zu meiner Geschichte…beim Film nennt man das wohl „making of“ 🙂

Ihr kennt das bestimmt: Geschichten werden erzählt und bleiben hängen, weil sie etwas in dir berühren. Orte tauchen vor deinem geistigen Auge auf, wenn du ein Stichwort hörst, weil sie eine Bedeutung für dich haben. Solche Fragmente wahrer Geschichten stecken auch in der Geschichte über Viktor und Mitzi.

Meine verstorbene Schwiegermama, die heute Geburtstag hätte,  hat mir einmal erzählt, dass sie an ihrem Geburtstag nie „echte“ Kerzen auf dem Tisch hatte sondern immer „Kastanienkerzen“, weil ihre Mutter fand, dass diese am besten zu ihrem Geburtstag passen würden.

Das Gymnasium, das hier beschrieben wird, gibt es wirklich. Es gibt die kleine Mauer, den Schulhof, die Kastanienbäume. Und das Stadtfest im Mai. Es ist das Gymnasium, das meine Mutter besuchte, die ein bißchen jünger ist als Viktor und Mitzi. Die Geschichte vom strafversetzten Lehrer ist auch nicht erfunden.

Meine Herzensfreundin Susanne, die oft teilhat am Entstehungsprozess meiner Geschichten, hat mir erzählt, dass nach dem Krieg die Amerikaner in diesem Gymnasium ihr Hauptquartier aufgeschlagen haben. Und dass ihr Vater, der sehr  gerne Klavier spielte, aber keine neuen Noten mehr beschaffen konnte, damals als junger Mann mit den amerikanischen Soldaten Noten getauscht hat. So kam er an die Noten von zum Beispiel „Rhapsody in Blue“. Sie hat die Noten heute noch.

Ich finde es immer schön, wenn solche Erinnerungen nicht verlorengehen sondern in meinen Geschichten weiterleben.

 

 

2 Gedanken zu „Nachtrag zu „Kastanienblüte“

  1. Ja, du hast vollkommen Recht.
    Denn nur das, was vergessen wird, ist verloren.
    Darum trage ich schon seit vielen Jahren Notizbücher mit mir herum, in denen ich Skizzen, alltägliche Eindrücke, Anmerkungen, Kritzeleien und Ideen notiere, bevor diese zu Bildern oder vielleicht auch zu Geschichten werden. Nämlich dann, wenn sich die Essenz dieser Aufzeichnungen in meinen Hirnwindungen kondensiert hat. Später vielleicht. Eventuell. Oder auch gleich. Die meisten von ihnen werden jedoch bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag nichts als Momentaufnahmen bleiben, die ich versucht habe, auf diesen karierten Blättern festzuhalten und in denen ich z.B. in Stunden der Besinnung ab und zu herum stöbere. Und dabei oft genug feststelle, dass vieles, auch so manche Gedanken, ein ums andere Mal im Alltagsmatsch versunken sind. Eigentlich müsste man viel mehr von ihnen retten. Aufschreiben, skizzieren, mitteilen, noch mal denken. Oh ja. Nicht nur einmal ist es mir passiert, dass ich bei manchen Eintragungen auch nach Jahren noch für einen kurzen Moment innehalte und denke: „Huch.“ Und: „Wow.“
    Nur muss man ab und zu daran erinnert werden.

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    • Besser kann man es nicht sagen, „nur das, was vergessen wird, ist verloren“. Ich glaube, wer innehält und in sich hineinspürt, der kann die Geschichten flüstern hören…und wenn du ganz still bist, dann verstehst du sie und kannst sie weitererzählen….wir haben ja die Leben aller, die vor uns da waren, in unseren Zellen.

      Gefällt 2 Personen

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