28.10.2015, ein Abend in der wortwabe

Ich hatte heute trotz allem Lebenshunger einen einsamen Tag. Es ist als ob es in mir, kurz vor dem Schlafengehen, eine innere Instanz gibt, die ein Resümee des Tages zieht. Und das Resümee für heute ist eben, dieser Tag war einsam. Vielleicht, weil mein Exmann heute da war und mir die Trennung wieder bewusst gemacht hat. Vielleicht, weil unser Sohn heute mit ihm gegangen ist und ich den Abend alleine verbracht habe. Das Gefühl sitzt tatsächlich im Herzen, in meinem Herz ist eine leere Stelle, die sich nicht gut anfühlt. Ein Leck, das ich heute nicht füllen konnte und die Angst, dass ich dieses Leck nie werde stopfen können.
Die Angst, alleine zu bleiben für den Rest meines Lebens, alleine unter irgendeinem Dach zu wohnen, zu essen zu schlafen, keinen Menschen an meiner Seite – diese Angst ist mein ständiger Begleiter. Sie ist mal da und mal nicht, kommt ganz plötzlich und setzt sich neben mich. Es ist seltsam, da mein dringendster Wunsch doch ist, alleine zu sein, um denken zu können, schreiben zu können. Und dann bin ich alleine und kann es nicht ertragen. Es ist die Sehnsucht nach Nähe, nach Berührung, nach Augenkontakt, nach einer Hand, die ich halte. Einfache Dinge, ruhige Dinge. Das sind die Abende, die Abende und die Nächte fühlen sich anders an als die Tage. Manchmal gehe ich so tief in mein Inneres, dass ich Angst bekomme nicht mehr herauszufinden.
Es reift etwas in mir heran – aber ich weiß noch nicht was es wird. Ich muss Geduld haben. Eine Eigenschaft , die mir fast völlig abgeht. Vielleicht geht es genau darum. Geduld zu lernen.
Und das Leben auszuhalten.
In diesen Stunden erscheint mir unsere Welt und alles, was wir so wichtig nehmen, klein und lächerlich.
Das einzige, wofür es sich wirklich lohnt, zu leben, ist die Liebe. Alles andere ist unwichtig.
Good night.

5 Gedanken zu „28.10.2015, ein Abend in der wortwabe

  1. Ich lese diese Worte und dabei kommt es mir vor als habe ich sie selbst geschrieben. Nicke und sage ja. Weil ich es nur allzu gut kenne. Und dann beraubt mich die Nacht um den Schlaf und nichts bleibt als dem inneren Hamster Auslauf zu geben. Zu malen. Zu schreiben. Still und trotzig Formen zu finden um nicht am eigenen denken durch den Wunsch es möge anders sein im Kreis zu gehen. Danke dir.

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    • das hold weiblich wesen, das ich einst geehelicht habe war gestern zugegen. Immerhin verzieht sich der Nebel vom Weg, zumindest von meinem. Der Blick zurück sammelt mit der Zeit immer weniger Licht . Der Weg sollte vor den Zehen liegen nicht hinter den Fersen. Meine Nachfahren sind felsenfest.
      Nur Mut und alles Liebe

      Gefällt 2 Personen

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