Wer hat die blauen Häkchen bei whatsapp erfunden? (Oder Die Kommunikation auf der Venus läuft anders als auf dem Mars)

Gleich vorweg: so praktisch es ist, ich bin mittlerweile, und da stehe ich mit meiner Meinung nicht alleine, überzeugt davon, dass whatsapp für die Kommunikation zwischen den Geschlechtern völlig ungeeignet ist. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel aber soweit es sich um Männer handelt, die vor 1970 geboren wurden sollte man mit Kommunikation via whatsapp vorsichtig sein.
Wir Frauen können mit whatsapp wunderbar umgehen. Wir finden die ausgefallensten emoticons, um etwas auszudrücken wenn die Zeit fehlt um eine Nachricht zu schreiben. Unsere Gefühle lassen sich ohne Probleme in zwei oder drei markante Smileys packen. Wir beantworten unsere Nachrichten gegenseitig immer, manchmal eben auch nur mit einem emoticon. Aber das signalisiert der Anderen zum Beispiel: hi, ich hab`s gelesen und ich freu mich dass du an mich gedacht hast. Oder wir nehmen eine Sprachnachricht auf, auch eine sehr praktische Sache wenn man keine Hand zum Tippen frei hat.
Das neueste Gimmick von whatsapp, die doppelten blauen Häkchen, wenn die Nachricht gelesen wurde war ja wohl die allergrößte Schnapsidee aller Zeiten. Das muss ein Frauenfeind gewesen sein, der das erfunden hat. Denn was gibt es Frustrierenderes, als festzustellen, dass die eigene Nachricht gelesen wurde und dann KEINE Antwort zu bekommen? Das passiert mir mit Frauen nie. Wie gesagt, es kommt wenigstens ein Smiley zurück. Männer hingegen agieren eher nach der Devise: warum soll ich ihr schreiben, ich habe mich doch vor drei Tagen schon mal gemeldet. Außerdem wissen sie nicht wo der button für die smileys ist.
Frauen scheinen auch mit dem Lesen und Interpretieren des Gelesenen eher vertraut zu sein. Denn bei dieser Art kurzer Nachrichten fehlt eben die Sprache, das Hören, die Betonung, die Satzmelodie, die Mimik des Gegenüber – eine Frau kann sich da reinfühlen. Ein Mann versteht den Subtext nicht, er braucht eine klare Ansage.
Ich erinnere mich an ein Konzert von Georg Danzer, Gott hab ihn selig, in Tübingen in der Mensa Morgenstelle, Ende der 70er Jahre. Damals war eine Zukunft mit Mobiltelefonen, Laptops, facebook und Co so sehr Fantasy wie Startrek. Einer der Texte, die Danzer damals zwischen seinen Liedern vortrug, kommt mir jedoch immer wieder in den Sinn, wenn ich mit derlei destruktiver Kommunikation konfrontiert bin.
Am Beispiel des Satzes „Im Prater blühn wieder die Bäume“ veranschaulichte er, WIE wichtig die Betonung der Worte im Satz für die Aussage und das Verständnis ist. Nachstehend der Satz in verschiedenen Varianten, das fettgedruckte Wort wird betont:
Im Prater blühn wieder die Bäume (im Prater und nicht sonstwo)
Im Prater blühn wieder die Bäume (die Bäume und nicht die überfüllten Papierkörbe)
Ich denke, es ist klar worum es mir geht. Diese Feinheiten kann man in einer Kurznachricht nicht rüberbringen. Missverständnis vorprogrammiert. Der kleine Prinz sagt im gleichnamigen Buch von Antoine de Saint-Exupèry: „Die Sprache ist die Quelle der Missverständnisse“. Das Buch ist 1943 erschienen, ich frage mich also, ob es ein generelles Thema ist und whatsapp nur ein Katalysator?
Allerdings gibt es, wie gesagt auch Ausnahmen. Ich kenne tatsächlich einen Mann, der mit der ganzen Klaviatur der Emonticons spielen kann und sogar weiß wie man Sprachnachrichten verschickt. Er antwortet innerhalb einer überschaubaren Zeit oder auch mal gleich, wenn er Zeit hat zu chatten. Er kann seinen geballten Charme in zwei gemalte Rosen stecken und sie auf den virtuellen Datenweg schicken. Ein Phänomen. Und wenn ihm etwas nicht klar ist, ruft er an. Vielleicht sollte ich ihn bitten, einen Kurs an der VHS zu geben:
Whatsapp Kommunikation für Anfänger.
Erste Stunde: wo ist der button für die smileys.

7 Gedanken zu „Wer hat die blauen Häkchen bei whatsapp erfunden? (Oder Die Kommunikation auf der Venus läuft anders als auf dem Mars)

  1. Mann: „Warum seid ihr bloß immer so kompliziert?“
    Frau: „Warum seid ihr bloß immer so simpel gestrickt?“
    Ich habe schon Männern erklären müssen, dass bei Frauen „kompliziert“ durchaus ein Lob sein kann. (Gleiche Generation.) Ich kenne das von dir geschilderte Verhalten auch. Auch ich erfreue mich an den Ausnahmen 🙂

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    • Ein langes Telefonat mit einer guten Freundin hat mich inspiriert zu diesem post – wir waren uns auch einig:-) und haben uns gemeinsam an eine Szene aus dem Film „Stadtgespräch“ erinnert (mit Katja Riemann, aus den 90ern). Die Protagonistin wartet auf einen Anruf ihrer neuen Flamme und das Telefon klingelt nicht…dann prüft sie das Telefonkabel, ob das Telefon richtig eingesteckt ist. Danach ruft sie ihre Freundin an:“Du, ruf mich mal an, ich glaube mein Telefon ist kaputt!“ Meine Freundin hatte die Szene auch noch genau im Kopf und wir haben beide herzhaft gelacht…

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    • da hast du schon recht – aber es ist im Moment Teil meiner Wahrnehmung. Und wie gesagt, es gibt ja auch andere Beispiele. Die Männer meiner Generation scheinen aber mit diesem Medium ein Problem zu haben. Das ist nicht nur mein Eindruck. Frauen haben ja im Umkehrschluss auch ein Problem damit, nur eben ein anderes 🙂

      Gefällt 2 Personen

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