Geplante Fleißarbeit und wie daraus ein Loblied auf die Freundschaft wurde

Mein nächstes Projekt wird eine Fleißarbeit. Einer meiner Schreiblehrer, Rüdiger Heins, sagte einmal: „Ein Gedicht ist nie fertig.“ (www.ruedigerheins.de)

Wie recht er hat. Und er meinte, man solle seine Gedichte mit der Jahreszahl der Entstehung kennzeichnen. In diesem blog sind Gedichte aus vier Jahrzehnten und ein bißchen mehr gesammelt. Manche der „alten“ Gedichte sind überarbeitet worden, andere noch im Ursprungszustand. Abgeschrieben aus Dutzenden mehr oder weniger zerfledderten Kladden, die sich über die Jahre angesammelt haben.

Mein Vorsatz: bis Ende des Sommers möchte ich die Jahreszahlen unter die Gedichte eintragen. Für mich ist es immer wieder spannend, in meine Welt als Achtzehnjährige einzutauchen oder dem nachzuspüren, was ich als Studentin in den Zwanzigern gefühlt habe. Um am Ende zu dem immer gleichen Ergebnis zu kommen: manches ändert sich nie. Der Schmerz in der Liebe oder auch das Glück. Irgendwo gibt es noch einen Tagebucheintrag meines Teenager-Ichs zum Thema „Erwachsensein“. Damals war ich der Ansicht, dass das nur eine Täuschung sei, dass es gar kein „erwachsen“ gibt. Es wäre nur eine andere Art sich anzuziehen und zu leben. Jedenfalls kein Zustand, der einem erlaubt, von oben herab auf eine Sechzehnjährige zu blicken. Denn die Seelenschmerzen mit sechzehn wären mindestens genauso schlimm wie das, was ein selbsternannter Erwachsener auszuhalten hätte.

War nicht ganz verkehrt diese These. Heute würde ich es umdrehen und sagen, Liebeskummer fühlt sich mit 50 plus genauso schlimm an wie mit sechzehn. Und Schmetterlinge im Bauch ebenso. Der Unterschied ist, dass mit sechzehn noch keine Existenzen am Scheitern einer Ehe oder Beziehung hängen und man als Teenie noch nicht die Last von Jahrzehnten Biografie und Lebenserfahrung mit sich rumträgt, weniger vorsichtig ist und nicht so gebeutelt von den Tiefschlägen, die einem das Leben schon verpasst hat.

Es hat also schon seinen Sinn, die Jahreszahlen festzuhalten. Vielleicht auch, um zu sehen, was man alles aushalten kann und dass es offensichtlich immer weiter ging.

Ich bin immer noch da. Und vielleicht ist das jetzt sogar die glücklichste Zeit meines Lebens. Über all die Jahre hat sich aber eines nie geändert: es sind meine Freundinnen, die mich getragen haben und tragen. Die Höhenflüge und Abstürze mit mir geteilt haben und mich ausbremsen, wenn ich mal wieder dabei bin, mich  mit der blühenden Fantasie, die mir ja zu eigen ist, in etwas hineinzusteigern. Und diese Klasse-Frauen begleiten mich teilweise schon seit der Grundschule. Selbst wenn es nichts Anderes mehr gäbe, was schön ist in meinem Leben, dann wären diese Freundschaften ein Grund zu sagen: alles ist gut.

(für Gabi, Susanne, Gabriele, Zejnep, Elke, Birgit, Vicky)

2 Gedanken zu „Geplante Fleißarbeit und wie daraus ein Loblied auf die Freundschaft wurde

  1. „…man als Teenie noch nicht die Last von Jahrzehnten Biografie und Lebenserfahrung mit sich rumträgt…“ Ich hatte vor einigen Wochen die impulsartige Eingebung, dass in unseren Zellen einerseits ein ganzes bisher gelebtes Leben an Erfahrungen liegt (und ja – lastet), und andererseits ja auch diverse psychotraumatische Forschungen von vererbten Traumata reden und wohl auch diese ihre Last einbringen. Danke für den Text.

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