Je prends la voiture

… dachte ich und mietete für die ersten drei Urlaubstage ein Auto. Da mein Sohn während unseres Urlaubs eine Woche mit seinem Austauschschüler und dessen Familie in der Nähe von St. Tropez verbringen würde, wollte ich ihn mit dem Auto dort hinfahren und bei dieser Gelegenheit die Familie von Maxim kennenlernen. Dank Googlemaps und seinen Satellitenbildern wusste ich bereits, dass die Straße, in der mein gemietetes Appartement liegt, sehr schmal ist. Das Auto muss am Straßenrand abgestellt werden und da meine Einparkkünste in etwa meinen Kenntnissen der französischen Sprache entsprechen, musste ich das kleinste mögliche Auto mieten.
Aus irgendeinem unerfindlichen Grund war ich in dem Glauben angereist, der Flughafen in Nizza sei einer der kleinen Airports wie man sie oft in Touristenstädten findet, etwa wie der in Florenz. Mittlerweile habe ich gelernt, dass der “Aèroport Nice Côte d`Azur“ nach „Paris Charles de Gaulle“ und „Paris Orly“ der drittgrößte Flughafen Frankreichs ist. Um es mir nicht zu einfach zu machen landete Lufthansa auf Terminal 1 und die Mietwagenzentrale ist in Terminal 2. Doch auch diese Hürde meisterte ich samt tiefenentspanntem Teenie und Gepäck, fand nach einigem Hin und Her auch die Mietwagenzentrale, die in einem eigenen Parkhaus untergebracht ist und stellte mich in die Schlange vor Avis/Budget. Nach einer knappen Stunde war ich endlich an der Reihe, die Schlange war inzwischen doppelt so lang und vermutlich war das der Grund, warum die Anzahl der geöffneten Schalter von vier auf drei reduziert wurde. Und zwar genau in dem Moment als ich beim Schalter vier an der Reihe gewesen wäre. Der junge Mann hinter dem Tresen packte seine Sachen und verschwand ohne eine weitere Erklärung durch eine Tür. Ich zählte aus, bei wem ich nun wohl landen würde (eene-meene-muh) und legte im Geiste schon mal ein paar französische Sätze bereit. Als endlich der nächste Schalter frei war stellte sich heraus, dass der freundliche Angestellte sogar Deutsch sprach, was die Kommunikation entscheidend erleichterte. Er erklärte mir ausführlich, welche Kratzer und Schrammen das Auto bereits hatte und markierte diese auf einer Skizze. Es wäre trotzdem gut bei der Übergabe mit seinem Kollegen nochmals alles durchzugehen, meinte er. „Das fängt ja gut an,“ dachte ich. „Ich hoffe, das Auto fährt wenigstens.“
Wir fanden nach einigem Suchen unseren Ford KA und bei der Übernahme zeigte ich dem AVIS-Mitarbeiter im Parkhaus alle kleinen Kratzer und Dellen, die ich vor dem Einsteigen bei genauer Untersuchung des Wagens gefunden hatte. Doch der Angestellte tat das meiste mit dem Satz „Bah, c `est normal, pas d`problem Madame“ ab. Er kritzelte irgendetwas auf den Übernahmeschein, ich unterschrieb und dann waren wir entlassen. Der abendliche Verkehr auf Nizzas Straßen erwartete mich. Das aus Deutschland mitgebrachte Navigationsgerät berechnete die Route und ich quälte mich durch den, für meine geordnete deutsche Null-Punkte-in-Flensburg-Mentalität chaotischen Verkehr. Leider passte der Stecker des Navigationsgeräts nicht richtig in die Buchse und das Display wurde immer wieder schwarz, was mich jedes Mal in Panik versetzte. Ab und zu verpasste ich eine Abfahrt und musste schwindelerregende Serpentinen fahren, durch Straßen, die so schmal waren, dass ich Angst hatte, das kleine Auto würde zwischen den Häusern steckenbleiben. Irgendwann kamen wir dann aber doch ohne weiteren Kratzer im Lack bei meinem Appartement an und ich durfte das Auto am Berg in der schmalen Straße parken. Das war ohne Einparkhilfe, die mittels diverser Pieptöne vor der nahenden Mauer warnt, eine echte Herausforderung. Schweißgebadet und urlaubsreifer denn je quetschte ich mich, nachdem ich noch die Seitenspiegel eingeklappt hatte, über den Beifahrersitz ins Freie, denn wie heißt es so schön: „Der Ausstieg ist in Fahrtrichtung rechts“ !
Eigentlich ist das Autofahren hier gar nicht mehr schwer, wenn man erst einmal verstanden hat, dass die deutschen Verkehrsregeln in Frankreich (fast) nichts zu bedeuten haben. Auch rote Ampeln kann man getrost überfahren, wenn unter dem „feu rouge“ ein kleiner Pfeil blinkt. Außerdem ist es angezeigt, das Tempo zu erhöhen wenn nicht direkt vor dem eigenen Auto ein anderer fährt, damit nicht der Hintermann auf die Idee kommt, er müsse einen mittels lautem Hupen aus dem 50-Kilometer-pro-Stunde-in-geschlossenen-Ortschaften-Tiefschlaf holen. Trotzdem war ich heilfroh, als ich nach drei Tagen vom Autofahrer zum Fußgänger mutierte. Nachdem auf ich auf der Rückfahrt von St. Tropez nicht in der Lage gewesen war, an einer Autobahntankstelle zu tanken, weil es nur Zapfsäulen mit Kartenzahlung gab deren Handhabung sich mir auch nach mehreren Versuchen nicht erschloss, war mein Elan was das Autofahren in Frankreich angeht eh wieder im Eimer. Ich musste die Tankstelle unverrichteter Dinge verlassen und hoffte inständig, dass ich am Flughafen eine Tanke mit „echten“ Menschen finden würde, wo ich tanken und bezahlen konnte wie ich das gewöhnt war. Wie gesagt, das Auto ist weg und ich bin auf Bus und Bahn umgestiegen, aber auch das ist nicht ohne Tücken. Doch das ist eine andere Geschichte.
À bientôt!

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