Ich brauche dringend eine Luftveränderung

Meine Wortwabe ist seit Wochen verwaist. Wegen zu viel Arbeit, zu viel Ablenkung, zu vielen Dingen, die meine Muse verschreckt an der Türe umkehren ließen. „Da hilft nur Luftveränderung!“ sagte mein innerer Doktor und ich packte meine Siebensachen und machte mich auf eine Reise an die Coté d`Azur. Man gönnt sich ja sonst nichts. Jetzt sitze ich hier auf den Kieseln an der Baie des Anges zwischen gefühlten Millionen anderen schwitzenden, mehr oder weniger gebräunten Menschen. Vor mir die unglaublich türkisblaue „Bucht der Engel“ und hinter mir die berühmte „Promenade d`Anglais“. Ich wollte nicht in eines dieser eingezäunten Strandbäder, wo man sich für 20 Euro pro Tag eine Liege nebst Sonnenschirm mieten kann um dann Hüfte an Hüfte mit dem Nebenmann zu liegen. Dann schon lieber auf der Strandmatte mitten hinein in diesen bunten Teppich aus Handtüchern und Leibern. Ganz nebenbei noch das Erfolgserlebnis genießen, die Halterung des kleinen Sonnenschirms sicher in den Kieseln versenkt zu haben und im kreisrunden Schatten zu sitzen.
Sonnenölduft mischt sich mit dem Geruch nach Gegrilltem aus dem Restaurant rechts von mir. Die Wellen brechen sich mit Wucht am Strand, er fällt schnell ab und das Meer wird schon kurz nach dem Ufer so tief, dass ich nicht mehr stehen kann. Das Wasser ist ziemlich salzig, ich habe mich nicht geduscht nach dem Schwimmen und jetzt lecke ich mir nach und nach das Salz von den Lippen. Die meisten Leute sitzen hier in der prallen Sonne, das würde ich nicht aushalten, ich brauche Schatten auf dem Kopf. Auf den Kieseln zu liegen ist gar nicht so schlecht, lange nicht so hart oder unbequem wie es von der Promenade aus gewirkt hat. Außerdem ist nicht alles voller Sand, was eindeutig ein Vorteil ist wenn man mit seinen Badetüchern haushalten muss.
Das erste Mal war ich in den Siebzigern hier an der Coté D`Azur, als Rucksacktourist, neudeutsch Backpacker, natürlich mit dem damals allseits beliebten Interrailticket. In diesen Zeiten, ohne Internet und Smartphone, war das ein echter Abenteuerurlaub. Um die Zugverbindungen zu recherchieren mussten Kursbücher von der Stärke des Telefonbuchs einer Großstadt gewälzt werden. Heute kann man selbst die kurze Strecke von Nizza nach Villefranche oder von meinem Appartement in Nizza-Ost in die Stadt googeln. Hier habe ich übrigens eine tolle Seite im Internet entdeckt, auf der scheinbar alle Zugverbindungen der Welt zu finden sind: http://www.rome2rio.com, war mir schon eine echte Hilfe. Doch trotz aller modernen Möglichleiten ist diese Reise irgendwie Abenteuerland weil mein Französisch einem Muskel gleicht, der jahrelang nicht bewegt wurde: mehr als unkontrollierte Zuckungen sind nicht zu erwarten. Gestern brachte mir der Vermieter meines Appartements Oliven aus dem eigenen Garten und ich sagte dankbar zu ihm: „Vous ètes très jolie“, woraufhin er mich etwas befremdet ansah. Heute dämmerte mir auf dem Weg in die Stadt, dass das richtige Wort „gentil“ gewesen wäre, „freundlich“ ! Stattdessen habe ich ihm erklärt, dass er sehr „hübsch“ sei! Naja, was soll`s, vielleicht gibt es dafür heute ein paar Tomaten…
À bientot!

2 Gedanken zu „Ich brauche dringend eine Luftveränderung

  1. Auch bei mir ist die Muse in Urlaub, aber ich bin hier und kämpfe gegen die schlechte Stimmung. An eine größere Reise ist jetzt bei mir nicht zu denken. Ich wünsche Dir eine herrliche erholsame Zeit, nimm alle Sinne mit auf Urlaub! Mir wünsche ich ein Bild von dieser Küste, an der ich noch nie war. Herzliche Grüße aus Leipzig von Gabi

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