Stuttgart – Köln, einfach (2)

Teil 2    Koblenz – Bonn – Köln

Die Tupfensockenfrau  verlässt in Koblenz den Zug. Ich mache mich auf den Weg zum Bordbistro (von Wagon 8 nach Wagon 11) und überlege es mir im nächsten Wagon anders. Eigentlich habe ich keine Lust auf einen überteuerten Kaffee mit Kondensmilch (bei dem Gedanken an Kondensmilch gruselt es mich) da ich ja in Köln zum Kaffeetrinken verabredet bin. Also suche ich mir den erstbesten freien Sitz und setze mich an einem Viererplatz mit Tisch einem jungen Paar gegenüber.

Die beiden sind etwa Anfang zwanzig und beide tippen auf ihren Smartphones, während sie sich unterhalten.

Zur Abwechslung schaue ich mal aus dem Fenster und konzentriere mich anstatt auf Schuhe auf den Dialog, der mir gegenüber stattfindet.

Sie: „Dann machen wir morgen Spinat.“

Er: „Ich dachte, wir essen Bohnen?“

Sie: „Nein, ich dachte, wir kochen heute Champignons, das ist doch auch schon Gemüse.“

Er: “Und dazu Spinat?“

Sie:“Nein Bohnen, das schmeckt doch lecker mit Zwiebelchen angebraten!“

Er:“ Montag muss ich die Immatrikulationsbescheinigung abgeben.“

Sie, tippt auf ihrem Smartphone rum, ist etwas abwesend: “Ist doch toll.“

Er:“Ich glaube, ich hole mir kein I-phone. Ich hole mir ein anderes Smartphone.“
Sie:“ Ja, aber wenn es dann nicht mit dem Mac kompatibel ist – „ ihr Daumen wischt hektisch auf dem Screen hin und her, „oh, ich habe Post von meinen Eltern bekommen.“

Er: „Was schreiben sie denn?“

Sie hält ihm ihr Telefon hin: „Lies selbst.“

Er überfliegt die Nachricht und gibt ihr das Telefon zurück:“ Okay, dann essen wir also morgen Bohnen.“

Sie: „Nein, Spinat.“

Er: „Spinat mit Bohnen.“

Sie: „Nein, Spinat.“

Er: „Also nur Spinat.“

Sie: „Ja, das ist doch lecker. Mit Zwiebelchen angebraten.“

Die Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse sagte schon der kleine Prinz. Die gleichzeitige Benutzung von Smartphones während einer Unterhaltung scheint diesen Effekt noch zu verstärken. Hätte der kleine Prinz ein Smartphone dabeigehabt in der Wüste, wäre es wohl nie zu diesen grandiosen Zeichnungen des Piloten gekommen, denn er hätte ja alles mit dem Smartphone fotografiert und dem Piloten die Fotos digital gezeigt. Auf den letzten Kilometern zwischen Bonn und Köln werde ich also noch sentimental und stelle mir vor wie das war, damals, ohne Mobiltelefon.

Allein die Tatsache, dass ich mich an eine Zeit ohne Handy erinnern kann, sagt schon sehr viel über mein tatsächliches Alter aus. Wenn ich es recht überlege, könnte ich theoretisch sogar die Mutter der beiden Jungköche gegenüber von mir sein. Ich werde noch sentimentaler. Habe ich schon erwähnt, dass ich Zugfahren hasse?

„Verehrte Fahrgäste, in wenigen Minuten erreichen wir Köln-Hauptbahnhof. Ausstieg in Fahrtrichtung rechts.“

Endlich. Der Dom.

3 Gedanken zu „Stuttgart – Köln, einfach (2)

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