Das Seminar (Die Schlange 5)

Anna schätzte das Alter des Unbekannten auf Ende Vierzig. In Gedanken machte sie eine Miniumfrage, nach dem Motto „Kreuzen sie das Zutreffende an“:

„Kein normaler Mann in diesem Alter ist allein, also trifft wahrscheinlich Punkt 3 zu. Es wäre also die Frage zu lösen, warum trägt er keinen Ehering? Mag er keinen Schmuck? Will er seinen Beziehungsstatus verbergen „ich rede schon wie ein Facebookprofil auf zwei Beinen“, dachte Anna und musste grinsen.

Anna war nicht unbedingt auf der Suche nach einem Mann, aber ein Flirt würde dem Seminar bestimmt ein bisschen Würze geben. Sie saugte am Strohhalm ihrer Latte Macchiato und sah verstohlen zum Nebentisch. Anna konnte einfach nicht anders, „Berufskrankheit“ pflegte sie zu sagen. „Das Hemd ist von van Laak, der Anzug könnte von Boss Black sein. Die Schuhe waren auf jeden Fall rahmengenähte Budapester, er hatte zweifellos Geschmack. Sie schielte unauffällig über den Rand ihrer Zeitschrift. Er war attraktiv, keine Frage, aber nicht zu perfekt. Anna hatte nichts übrig für die geleckten Typen, ein Mann mit Ecken und Kanten traf eher ihr Beuteschema. „Ein Kerl“ stellte sie fest.

Vielleicht war dieses Seminarwochenende gar nicht so verkehrt, wenn man hier solche Männer traf –

Der Unbekannte hatte seine Email beantwortet und wandte sich wieder Anna zu. Sie sah in ein paar graugrüne Augen, die mit hellen Sprenkeln durchsetzt waren.  Und als sie sich abwandte war ihr schon klar dass sie ein My zu lange in diese Augen geschaut hatte. „Darf ich mich vorstellen? Steffen Amberg:“ „Anna Stickel“ antwortete Anna. ´Er hat auch noch eine angenehme Stimme´ dachte Anna.

„Nett Sie kennenzulernen,“ sagte Steffen. „Was führt sie denn hierher? Das ist ja nicht gerade ein Wellnesshotel für ein erholsames Wochenende“, fuhr er fort. Anna musste ihm zustimmen, es war ein typisches Tagungshotel, pragmatisch und nüchtern eingerichtet, aber ohne Charme. Er lächelte Anna an. „Ich nehme hier an einem Seminar teil“ sagte sie,“ es beginnt in“ sie sah auf die Uhr, „genau einer Stunde.“ Wie hatte sich der Typ eben vorgestellt? Steffen Irgendwas  – Anna suchte in ihrer Tasche nach den Seminarunterlagen. Der Name war ihr irgendwie bekannt vorgekommen aber sie hatte keinen Zusammenhang hergestellt. Sie warf einen Blick auf die Liste der Referenten. Da stand sein Name, Steffen  Amberg, er moderierte das Seminar.  Es war seine Unternehmensberatung, die das Seminar durchführte. Wie peinlich – hätte sie doch mal die Unterlagen genauer durchgelesen.  Sie lächelte ihn mit ihrem unwiderstehlichen Lächeln an: „ Ich dachte eben, der Name kommt mir bekannt vor – Herr Amberg, sie halten das Seminar an dem ich teilnehme: „Führung und Magie“.

„Ich bin schon so gespannt“, Anna log ohne rot zu werden und wie erwartet sprang Steffen Amberg darauf an. Männer sind einfach gestrickt, sobald frau sie lobt ist das der Startschuss für einen Monolog. So war es auch jetzt. Anna bekam eine Kurzfassung der Seminarinhalte und deren Relevanz für die Allgemeinheit und Anna im Besonderen. Sie lehnte sich entspannt zurück und nutzte die Zeit um  Steffen Amberg ausführlich zu betrachten. Er gefiel ihr immer besser.

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