Das war´s dann, Zeus (Zeus Teil 16)

Zeus musste Hypnos nicht lange überreden mit ihm zu kommen und die Sicherheitsleute im Louvre einzuschläfern. Da er so daran gewöhnt war, dass alle nach seiner Pfeife tanzten, wunderte er sich auch nicht über Hypnos prompte Zustimmung. Kurz vor Mitternacht trafen sie im Louvre ein und Hypnos machte sich sofort ans Werk, während Zeus sich auf die Suche begab nach La Liberté. Erinnerungen wurden wach an leidenschaftliche Nächte mit der schönen Französin und er war mehr als gespannt zu sehen, wie eine gemalte Legende aussah, wenn sie aus ihrem Rahmen stieg.

Der große Zeiger auf der Armbanduhr des Sicherheitsbeamten hüpfte auf die Zwölf, Mitternacht. Er griff nach seinem Kaffeebecher und nahm einen kräftigen Schluck. Routinemäßig beobachtete er dabei die Bildschirme und sah einen Schatten in einem der Gänge. „Merde!“ entfuhr es ihm, aber bevor er weiter darüber nachdenken konnte, was passierte, fiel er in einen so tiefen Schlaf, dass auch ein Presslufthammer direkt neben seinem Stuhl ihn nicht geweckt hätte. Der Kaffeebecher war ihm aus der Hand gefallen und Reste des Kaffees verteilten sich auf dem Boden. Hypnos tauchte aus dem Nichts neben dem Schlafenden auf. Er bückte sich nach der Kaffeetasse, stellte sie auf den Tisch und beseitigte mit einer trägen Handbewegung die Spuren der verschütteten Flüssigkeit. „Das war der Letzte,“ sagte er zu sich selbst,“ jetzt schlafen sie alle und träumen von einer ruhigen Nacht mit regelmäßigen Kontrollen, die unauffällig sein werden. Ich bin einfach großartig.“ Hypnos warf einen letzten Blick in das Büro und verließ den Raum.

La Liberté war um Punkt zwölf Uhr aus ihrem Rahmen geklettert und zum Raum von Mona Lisa gerannt. „Lisa“, rief sie schon von weitem, raffte ihre Röcke und kam schnaufend vor Mona Lisas Rahmen zum Stehen. Diese war gerade dabei, sich aus ihrem kleinen Bild zu schälen.

„Ich weiß nicht, was Leonardo sich dabei gedacht hat, das Portrait so klein zu machen.“ Mona Lisa strich ihre Röcke glatt. „Er kommt, Lisa!“ La Liberté konnte es kaum erwarten, die Neuigkeit loszuwerden. „Wer kommt? Wovon sprichst du?“ Mona Lisa sah ihre Freundin fragend an. „Zeus! Zeus kommt heute Nacht! Wahrscheinlich ist er schon da – “ La Liberté fingerte an Lisas Oberteil herum. „Was machst du da?“  Mona Lisa riss sich los. „Willst du ihn nun verführen oder nicht?“ La Liberté zog an Mona Lisas Mieder. „Du bist viel zu zugeknöpft, jetzt zeig mal was du hast!“ Mona Lisa versuchte ihr Mieder etwas nach unten zu ziehen sodass ihr Dekolleté besser zur Geltung kam. Da hörten beide die bekannte samtige Stimme: “ Das habt ihr doch gar nicht nötig, ihr seid mit und ohne Kleider reizvoll – pardon, Mademoiselle Lisa, sie kenne ich natürlich nur bekleidet – “ Mona Lisa wurde rot. „Wie kannst du sie so in Verlegenheit bringen, Zeus!“ zischte La Liberté ihm ins Ohr. Zeus fand Mona Lisa anziehend aber etwas zu brav, er war mit seinen Gedanken bei der leidenschaftlichen Liberté. Diese stupste Mona Lisa an und schob sie Richtung Zeus. Mona Lisa nahm all ihren Mut zusammen, sah dem Mann ihrer Träume in die Augen und – lächelte. Zeus war völlig hingerissen von diesem Lächeln und bemerkte nicht, dass Eros sich hinter einer Ecke versteckt hatte. Sein Bogen war gespannt und er wartete ruhig auf den richtigen Augenblick.

Zeus sah Mona Lisa tief in die Augen. Sie war eigentlich ganz niedlich. „Mademoiselle, ich muss gestehen, sie sind“ da traf ihn Eros  Pfeil, „  – wunderschön!“ hauchte er. Eros beobachtete wie sich das Liebesgift langsam in Zeus Körper ausbreitete. Er fing an zu lächeln, er grinste über das ganze Gesicht, strahlte Mona Lisa an und schien völlig vergessen zu haben, wo er war. Eros verschwand bevor La Liberté ihn bemerkte, aber der liebliche Rosenduft, der ihn stets umgab, wehte ihr in die Nase, sie sah sich um und schnupperte. Einen Moment lang glaubte sie, einen goldenen Flügel gesehen zu haben, aber in so einer Nacht wie dieser konnte man sich alles möglich einbilden.

Irgendetwas geschah mit Zeus, aber was? Er schien völlig für die Welt verloren. Zeus hielt Mona Lisa im Arm und La Liberté  sagte nur: „ Ihr wisst, dass der Spaß bei Sonnenaufgang zu Ende ist.“  Doch die beiden waren gerade dabei sich in ihrem ersten Kuss zu verlieren und La Liberté wusste nur zu gut, was die Küsse von Zeus für eine Wirkung hatten.

Ananke beobachtete die Szene im Louvre vom Olymp aus und war zufrieden. Zeus würde seine Lektion lernen, da war sie sich sicher. Die Liebe zu einer Legende, die nur nachts zum Leben erwachte und Tage voller Sehnsucht in einer Welt, die nicht die seine war – das war eine bittere Strafe für einen Herzensbrecher wie ihn.

Vielleicht würde ihn das Schicksal eines Tages erlösen, vielleicht blieb er auch für immer Mona Lisa verfallen. Das wusste Ananke in diesem Moment selbst noch nicht. Sie spann ihren Schicksalsfaden und versank in Schweigen.

 

 

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