Hera wird schwach (Zeus Teil 10)

Artemis öffnete die Tür zu Heras Büro. Der Platz hinter dem Schreibtisch war leer. „Hera?“ Artemis betrat den großen weißen Raum und sah sich suchend um, aber Hera war nicht zu sehen. Das war irritierend, denn Hera hielt sich streng an ihren Plan, ihre To-Do-L:isten wurden gewissenhaft abgearbeitet.

Artemis ging zurück in die große Halle. „Hera?“ rief sie erhielt jedoch keine Antwort.

Was war hier los? Suchend ging Artemis durch alle Räume, schließlich rannte sie, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, die große Freitreppe hoch. Sie fand Hera in ihrem Ankleideraum. Um in den Dimensionen der Sterblichen zu bleiben: er war riesig, ein perfekt quadratischer Raum, eine Seite öffnete sich zum Himmel hin. Hera war fanatisch wenn es um Symmetrie ging. Ihre privaten Zimmer waren folgendermaßen angeordnet: würde man den Bauplan von oben betrachten dann würde man ein Quadrat sehen, das in vier gleiche Teile geteilt wurde. Rechts oben lag das Ankleidezimmer, links daneben, das Bad. Unten links befand sich Heras Salon und rechts daneben ihr Schlafzimmer. Die Räume gingen ineinander über und waren nur mit großen Schiebetüren abgetrennt. Man betrat diesen Teil des Hauses durch eine breite Tür, die vom Gang in den Salon führte, auf der anderen Seite des Ganges lagen die Räume von Zeus.

Das Ankleidezimmer enthielt offene Schränke, in denen unzählige Kleider hingen, in verschiedenen Längen, Stilen und aus unterschiedlichsten Stoffen. Sie waren jedoch alle weiß oder cremefarben oder golden. Zusammen mit den weißen Möbeln und dem transparenten Organzaschleier vor dem Fenster wirkte das Zimmer fast unwirklich. Neben Kleidern fanden sich ebenso viele Sandalen, Sandaletten, aus feinstem goldenem Leder, mit langen Bändern zum Schnüren oder filigranen Riemchen. Hera kleidete sich immer sehr feminin, und Zeus wusste das zu schätzen.

Vor dem bodentiefen Fenster, das wieder den Blick auf einen perfekt blauen, heute wolkenlosen, Himmel freigab, stand ein kleiner, selbstverständlich quadratischer, Beistelltisch. Auf ihm war in einer großen goldenen Amphore der schönste Strauß weißer und cremefarbener Rosen arrangiert, den Artemis je gesehen hatte. Neben der Amphore lag ein handgeschriebener Brief und Artemis meinte, Zeus schwungvolle Handschrift zu erkennen.

„Hera, was machst du hier?“ Artemis in ihren Reithosen mit den hohen schwarzen Stiefeln sah etwas deplaziert aus in diesem weiß-goldenen Göttinentraum.

Hera stand vor einem großen Spiegel und hielt sich abwechselnd ein weißes und ein goldenes Kleid vor die Brust. Beide Kleider waren mit dem Begriff „ein Hauch von nichts“ am besten zu beschreiben. Artemis hatte einen Verdacht. „Hera, was ist los? Hat sich Zeus bei dir gemeldet?“ Sie fing an sich in Rage zu reden. „Du wirst doch nicht wieder auf diesen Heuchler hereinfallen, Hera! Denk doch daran, was er dir schon alles angetan hat! Hera!“ Artemis nahm Hera die Kleider aus den Händen und stellte sich ihr in den Weg, als diese den Ankleideraum verlassen wollte.

„Wir wollten doch heute die Strategie für den Pfeil besprechen! Was ist bloß los mit dir?“

Hera schob sich an Artemis vorbei, die wütend die Kleider, die sie noch immer in den Händen hielt, auf den Boden warf.

„Weißt du Artemis, ich glaube nicht mehr, dass die Sache mit dem Pfeil eine gute Idee ist. Außerdem war es ja eigentlich deine Idee. Und Ananke –„Hera zögerte einen Moment und fuhr dann fort. „Ich habe heute auch überhaupt keine Zeit mehr, Artemis. Ich muss noch so viel vorbereiten. “

Hera ging zur Tür des Salons und öffnete sie. Mit einem Ausdruck in der Stimme, der keinen Widerspruch duldete, sagte sie: „Du musst jetzt gehen Artemis, ich bin beschäftigt.“

Sie machte eine kleine Pause und sagte dann: „Zeus kommt heute Abend.“

Artemis stapfte wütend an Hera vorbei, drehte sich jedoch auf dem Gang noch einmal um.

„Dann gib mir wenigstens den Pfeil, Hera!“ sie wirkte fast verzweifelt.

„Nein Artemis. Du solltest dich auch nicht so in deine Rachegedanken verstricken. Eigentlich geht es dir doch gar nicht um die Sterblichen sondern nur um Kallisto. Du hast sie nie vergessen. Versuche, endlich darüber wegzukommen. Und der Pfeil – ich kann ihn dir gar nicht geben, ich habe ihn nicht mehr, ich habe beide Pfeile nicht mehr.“

Artemis kam wieder zurück und fragte drohend:“Wo sind die Pfeile, Hera?“

„Das darf ich dir nicht sagen, Artemis. Aber es ist gut so wie es ist. Geh jetzt.“

Hera wandte sich um und schloss die Tür hinter sich. Artemis blieb mit ihrer Wut auf dem Gang zurück. Mit Tränen in den Augen verließ sie Heras Villa.

Was war geschehen?

Ich liebe Kommentare! Nur zu!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s