Griechenland – Russland 1 : 0 (Zeus Teil 9)

Hermes drückte auf den Knopf der Fernbedienung. Wie immer funktionierte alles einwandfrei. Das Bild des Beamers an der makellos weißen Wand war glasklar und scharf.Die großen Schiebetüren zur Terrasse waren offen, der Blick auf das Meer atemberaubend. Die Terrasse ging in einen großen Überlaufpool über, sodass man der Illusion erlag, das Wasser des Pools würde direkt ins Meer fließen. Zeus hatte auch hier auf der kleinen griechischen Insel sein Haus am schönsten Fleck. Auch für einen Gott war die Schönheit der Natur nichts selbstverständliches. Hermes konnte immer wieder darüber staunen.

In der Welt der Sterblichen hatte Zeus Gefallen an einem Spiel namens Fußball gefunden und jetzt, während der Europameisterschaft, war ihm eine Parteiname für Griechenland nicht abzusprechen.

„Du weißt, dass du dich nicht in das Schicksal einmischen darfst, Pa.“

„Ach komm, Hermes, das ist ja nicht kriegsentscheidend.“

„Du hast wirklich keine Ahnung vom echten Leben, Pa. Für die Sterblichen ist Fußball extrem wichtig, für manche ist es so etwas ähnliches wie Krieg. Bei diesem Spiel geht es um Ehre, um Nationalstolz – “

„Aber sie rennen doch nur einem Lederball hinterher – es geht nicht einmal um eine schöne Frau -“ Zeus konnte das nicht ganz nachvollziehen. Aber er musste zugeben, dass man beim Zuschauen gepackt wurde und auch ihn das Spiel in eine Erregung versetzte, die er sonst nur auf anderem Gebiet erlebte.

Heute war der große Tag, er wollte mit seinem Sohn das abhalten, was die Sterblichen einen „Männerabend“ nannten. Hermes hatte dafür gesorgt, dass sie die Übertragung des Spiels in bester Qualität sehen konnten.

Zeus machte es sich auf dem breiten Ledersofa bequem. Er hatte Aphrodite mit der Ausstattung aller seiner Häuser beauftragt, sie hatte einfach einen untrüglichen Instinkt für den Zeitgeist,

Die Einrichtung der Villa war eine perfekte Mischung aus puristischen modernen Möbeln und ausgesuchten alten Stücken. Apoll hatte die Auswahl der Gemälde übernommen, selbstverständlich nur Originale. Andy Warhols Marilyn Monroe Dyptichon gehörte zu Zeus Favoriten, stand aber jetzt am Boden, da die Wand als Beamerleinwand benötigt wurde.

„Wenn die Sterblichen wüßten, wie viele Gemälde in ihren Museen in Wirklichkeit Kopien sind weil die Originale in deinen Häusern hängen, würden sie Sturm laufen“,                sagte Hermes als er Marilyn zur Seite rückte.

„Andy Warhol hätte damit kein Problem,“ grinste Zeus. „er war immer der Meinung, dass das Original weniger zählt als die Vervielfältigung. Schon die Dadaisten haben die „multiples“ hergestellt. Wenn wir die Kunstwerke im Olymp vervielfältigen ist das auch eine Art von Kunst.“ Zeus wollte gerade zu einem längeren Exkurs über Josef Beuys ansetzen, da wurde das Spiel angepfiffen und Hermes drehte demonstrativ den Ton lauter.

Die Regeln dieses Spiels erschlossen sich Zeus nicht wirklich, aber er verstand die grundlegenden Dinge. Bei diesem Spiel gab es sowieso nur eine Regel, die Griechen mussten gewinnen und er, Zeus, würde wenn es nötig war, etwas nachhelfen. Ananke würde schon ein Auge zudrücken, diese eine Mal.

Das Spiel nahm seinen Lauf. In den ersten zwanzig Minuten sah es so aus, als ob die Griechen es auch ohne Zeus Hilfe schaffen könnten. Zum Ende der ersten Halbzeit mischte Zeus sich das erste Mal ein und Karagounis gelang der Führungstreffer. In der zweiten Halbzeit wurde Zeus  immer nervöser und konnte sich nicht mehr beherrschen. Er musste  jetzt aktiv werden. Als Denisov in der 57. Minute zielte lenkte Zeus den Ball knapp am Tor vorbei. Doch Ananke ließ das nicht ungestraft und der Schiedsrichter verpasste kurz darauf dem griechischen Kapitän eine gelbe Karte. Zeus entschied sich daraufhin dafür, sich jetzt zurückzuhalten und hoffte das Beste.

Immer wieder zeigte die Kamera Bilder aus dem Publikum. Wild gestikulierende blau-weiß angemalte Fans hüpften auf den Tribünen herum. Ein Fan war verkleidet wie an Karneval und trug eine weiße Lockenperücke und einen Rauschebart.                                            „Das sollst du sein,“ lachte Hermes und zeigte auf den Bildschirm.

„Das ist ja lächerlich. So habe ich nie ausgesehen,“ empörte sich Zeus.

Das Spiel wurde abgepfiffen und Zeus wandte sich zufrieden seinem Wein zu.

„Gegen wen spielen wir im nächsten Spiel?“ fragte er Hermes.

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