Inzwischen im Olymp (Zeus Teil3)

Hera saß an ihrem großen gläsernen Schreibtisch im Arbeitszimmer ihrer Villa im Olymp. Alles in diesem Raum war strahlend weiß, der Blick aus dem Fenster zeigte eine leuchtend blaue Himmelswiese übersät mit  luftigen schneeweißen Cirruswolken. Sie las den neuesten Bericht eines ihrer Informanten und ärgerte sich einmal mehr über ihren Gatten Zeus. Sein ausschweifendes Leben war ihr schon immer ein Dorn im Auge gewesen. Für ihren Geschmack trieb er sich viel zu gerne in der Welt der Sterblichen herum, er wohnte sogar teilweise dort.

Hera hatte das immer abgelehnt. Sie blieb im Olymp, in dieser unbeschreiblichen Unendlichkeit, deren Weite sie fühlen musste um sich frei fühlen zu können. Die begrenzte Welt der Sterblichen engte sie zu sehr ein.

Sie war eine sehr schöne Frau, aber Ihre Schönheit war unvollständig, weil ihr die Leidenschaft fehlte. Hera wusste das, aber sie konnte nun mal nicht aus ihrer Haut.

Sie war extrem diszipliniert, ihre Tage waren minutiös durchgeplant, sie überließ nichts dem Zufall. Sich so treiben zu lassen wie Zeus, der generell nur nach seinem eigenen Lustprinzip lebte, war ihr völlig fremd. Aber genau das war es auch, was ihre Eifersucht immer wieder anstachelte. Warum konnten die sterblichen Frauen sich so bei ihm fallen lassen? Sie konnte nicht verstehen, was da passierte.

Die Tür wurde aufgerissen und Artemis stürmte herein.

„Hera, ich muss dich sprechen!“, rief sie.

„Kannst du nicht anklopfen, Artemis? “ Hera sah wütend von ihrer Lektüre auf.

„Du weißt, dass ich es hasse, wenn ich gestört werde!“

„Ja ja,“ Artemis ließ sich in weißen Ledersesel vor Heras Schreibtisch fallen und streckte ihre langen Beine von sich. Wie immer war sie in Reitkleidung, sie trug nie etwas anderes als Reithosen und hohe Lederstiefel. Sie war sehr groß und hatte eine knabenhafte Figur. Ihre Haare waren flammendrot, ihre Haut schimmerte wie Marmor und ihre großen Augen hatten die Farbe von Veilchen. Ohne Zweifel, sie war eine außerordentliche Schönheit.  Wenn sie sich, wie in diesem Moment, über etwas ärgerte, dann wurden die veilchenblauen Augen dunkel, fast schwarz.

„Wir müssen jetzt endlich etwas tun, Hera.“

Artemis setzte sich auf und sah Hera auffordernd an.

„Zeus hat bei Apollon zehn neue Liebesgedichte bestellt. Zwei auf Englisch, drei auf Deutsch und fünf auf Italienisch. Erato soll sie bis zum nächsten Vollmond fertigstellen. Außerdem hat er noch zehn Haiku für Neumond bestellt. Du weißt, ich bin die Hüterin der Frauen und Kinder und ich kann dieses Elend, das er anrichtet, nicht länger mit ansehen. Es muss jetzt endlich etwas passieren!“

Hera spürte, wie die Wut sich wieder in ihr ausbreitete. Liebesgedichte! Also hatte ihr Informant recht gehabt, Zeus gab sich wieder als Schriftsteller aus!

„Wie stellst du dir das vor, Artemis? Zeus ist Zeus, er lacht uns aus!“ Hera zuckte resigniert mit den Schultern.

„Ich will aber nicht, dass du dich immer an den Frauen rächst, oder ihren Kindern. Sie sind ja nur Opfer von Zeus Verführungskunst. Ihm müssen wir jetzt endlich das Handwerk legen!“

Hera beugte sich interessiert nach vorne: „Was hast du vor? Ich spüre doch, dass du bereits einen Plan hast, Artemis.“

„Ja, ich habe einen Plan, aber ohne Hilfe von Aphrodite wird es nicht klappen.“

„Das wird schwierig, seit der Sache mit Troja sind wir nicht die besten Freundinnen. Sie steht immer auf der Seite von Zeus.“

Artemis dachte nach.

„Vielleicht kommen wir auch ohne Aphrodite aus, aber wir brauchen auf jeden Fall Eros – zumindest einen seiner Pfeile –„

Artemis hatte eine Idee.

„Natürlich, warum bin ich nicht früher darauf gekommen! Ich kann den Pfeil abschießen, ich bin eine hervorragende Bogenschützin!“

Hera sah sie fragend an.

„Kannst du mich mal ins Bild setzen? Ich verstehe nicht, wovon du sprichst, Artemis.“

„Also gut, Hera, hör zu, das ist mein Plan…“

Sie beugte sich über den Tisch und flüsterte Hera etwas ins Ohr.

„Liebe?“ Hera  schüttelte den Kopf.

„Das wird nicht klappen. Zeus kann nicht lieben. Er liebt nur sich selbst und seine Lust.“

„Ja, aber mit einem Pfeil von Eros im Herzen –„

Artemis ließ den Satz offen.

„Zeus soll spüren, was es heißt, zu lieben, sich zu verzehren vor Sehnsucht.“

Heras Interesse war geweckt.

„Du willst ihm das Herz brechen?“

„Brechen lassen, Hera, ich werde das nicht übernehmen, du weißt, dass ich mir nichts aus Männern mache.

Aber ich kenne jemanden, die sich in den Kopf gesetzt hat, ihn zu verführen.“

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