Zeus (Teil 2) Fortsetzung folgt

Die Vernissage im Meatpacking District war langweilig, Zeus hatte auch keine Lust auf seine perfekt gestylte amerikanische Geliebte, keine Lust auf kleine Häppchen in einem neuen angesagten Restaurant. Heute war ihm der Sinn nach etwas Bodenständigem.

„Die Menschen tun mir wirklich leid,“ dachte er. „Sie müssen sich mit irgendwelchen Vehikeln fortbewegen, nur weil sie nicht wissen, wie man körperlos reist.“

Einen Wimpernschlag nach dem Verlassen der Galerie in der Gansevoort Street stand Zeus auf der Terrasse seiner Finca im Süden von Mallorca.
„Wolltest du dich nicht in der Buddha Bar mit der Kleinen aus dem La Perla Shop treffen, Pa?“ Hermes zwinkerte seinem Vater zu.

„Du bist schon da?“ Zeus drehte sich überrascht nach seinem Sohn um  Er war und blieb der Schnellste, daran war nicht zu rütteln.„Nein, ein Glas Chardonnay hier auf der Terrasse ist mir heute lieber.“ antwortete Zeus. „Wir können bei Dionysos´ Restaurant Catering bestellen,“ schlug er Hermes vor. „ Besser kann man nicht essen und trinken. Ich weiß nicht, was er in sein Essen rührt, aber danach bin ich immer wie im Rausch.“

„Gute Idee,“ sagte Hermes und griff nach seinem I-phone.

Dionysos ließ sich nicht lumpen. Wenn es um seinen Vater Zeus ging strengte er sich immer besonders an. Die schönsten Mädchen, die er derzeit in seiner Truppe hatte, servierten eine halbe Stunde später ein fünf Gänge Menü auf der Terrasse.

Die Villa stand auf einer Klippe im Südwesten der Insel, das Meer lag wie eine schimmernde blaue Glasplatte unter ihnen und dank des unwegsamen Geländes am Wasser waren auch keine Touristen zu befürchten. Der Wein war erstklassig und das Essen tropfte von Aphrodisiakum.

Zeus nahm sein Glas und sah versonnen auf das spiegelglatte Meer

Vor dem Abendessen hatte er sich noch frischgemacht und war als blonder braungebrannter Endzwanziger erschienen, mit strahlend blauen Augen. Sein lässiges weißes Leinenhemd war offen fast bis zum Bauchnabel und zu beigen Chinos trug er lederne Flip-Flops.

Aphrodite nannte diesen Look „Californian Style“ und Zeus bewunderte sich nach dem Essen ein weiteres Mal ausgiebig im Spiegel, als er eine altbekannte Stimme hörte.

„Wo hast du denn dein Surfbrett gelassen, alter Knabe?“

„Poseidon !“ rief er  und drehte sich nach seinem Bruder um.

Nach wie vor war es eine Hassliebe zwischen ihnen, aber da sie sich selten begegneten, freute er sich doch, Poseidon mal wieder zu sehen.

„Setz dich her und trink ein Glas Wein mit mir,  Bruder,“ lud er Poseidon ein.

„Ich habe nicht viel Zeit, Zeus. Die Menschen haben wieder so viel Schaden angerichtet im Meer, dass ich Tag und Nacht arbeiten muss.“

„Nun,, ich weiß nicht, ob deine Strategie bei den Menschen auf geht. Ihnen Angst vor dem Meer zu machen indem du Hunderttausende von Ihnen durch Erdbeben in den Hades schickst, hat ja bisher nicht funktioniert. Die Menschen lieben das Meer und sie leben davon, genau wie du. Sie werden sich nie davon abhalten lassen, mit dem Meer und am Meer zu leben.“

„Leider tun sie das auf Kosten der anderen Lebewesen.“ seufzte Poseidon.

Es stimmte schon,, was Zeus sagte. Weder das Erdbeben 2004, das den Tsunami auslöste, noch das letzte große Beben vor Japan hatten den erwarteten Erfolg gebracht. Die Menschen ließen sich durch nichts davon abhalten, das Meer zu befahren und auszubeuten. Jetzt musste er sich zudem noch mit uranverseuchtem Wasser auseinandersetzen. Vielleicht wäre es ganz nett, sich mal wieder mit Zeus einen hinter die Binde zu gießen und die Sorgen zu vergessen.

„Zeus, bevor wir anstoßen, muss ich dir etwas sagen. Ich muss dich warnen.“

Zeus warf sich in die Brust.

„Mich warnen? Meine Güte, Poseidon, vor wem denn? Ich bin Zeus!“, er lachte schallend und schenkte sich nach.

„Wer soll mir denn gefährlich werden?“

„Nimm dich in acht vor Artemis. Sie hasst dich seit der Sache mit Kallisto und ich habe läuten hören, du hättest dich an eine ihrer Schülerinnen herangemacht –“

Poseidon ließ den Satz offen.

„Ach was, Artemis mit ihrem Wahn von der Jungfräulichkeit. Das ist doch alles überholt. Und Kallisto – sie macht sich doch gut als Sternbild am Himmel!“ Er zeigte mit der Hand nach oben.

„Aber die Vergewaltigung –„ Poseidon wurde von Zeus unterbrochen.

„Immer wird behauptet, es sei eine Vergewaltigung gewesen. Kallisto war verschossen in mich, sie hat mich angehimmelt. Ich konnte gar nicht anders!“

„Wie dem auch sei, Artemis und Hera hecken etwas aus, ich wollte es dir nur sagen, nimm dich in Acht.“

Poseidon griff nach seinem Glas und trank es in einem Zug leer.

Er schnippte mit den Fingern und Pegasus tauchte aus dem Nichts neben ihm auf.

„Ich muss dann wieder, mach´s gut, Zeus.“

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