Schlüssel-los

Sie möchten ja so gerne heraus aus mir, die Geschichten. Aber sie finden die Türe nicht. Jetzt sitzen sie eingepfercht in mir drin und gehen sich gegenseitig auf die Nerven. All die Figuren stolpern sich über die Füße und bringen Zeit und Raum durcheinander. Ich brauche unbedingt einen Schlüssel um dieses Tor aufzuschließen, damit ich sie herauslassen kann. In die vermeintliche Freiheit, die keine sein wird, weil ich der Schöpfer ihrer Welt bin.

Vielleicht bin ich selbst ja auch nicht wirklich sondern nur eine Figur im Kopf irgendjemandes, der sich gerade überlegt, dass ich aufschreibe, dass meine Geschichten aus mir herauswollen aber nicht können.

Ich fasse mich an und versuche zu glauben, dass es mir gelingen könnte, die Realität zu beweisen indem ich mich kneife. Um sicherzustellen, dass ich aus Fleisch und Blut bin.

Ich bin nicht sicher.

abc Etüden KW 48 : Schwarze Nacht

https://365tageasatzaday.files.wordpress.com/2017/11/2017_48-17_eins.jpg?w=625&h=625

Puh, hatte ja schon Entzugserscheinungen – dank Schnupfennase habe ich mir heute mal Zeit für einen entspannten Etüden-Schreibabend genommen. Manchmal fliegt einem ja auch sofort was zu wenn man die Wörter liest. So wars bei mir mit den drei Wörten von Frau Myriade

Flussbett

langwierig

klöppeln

Die Grafik kommt von Ludwig Zeidler, zu finden bei https://ludwigzeidler.de/ , der Christiane, die die abc Etüden auf ihrem blog hostet, zuverlässig mit seinen tollen Grafiken versorgt.

Viel Spaß mit meiner Etüde!

Schwarze Nacht

Der Schlitten raste neben dem Flussbett entlang.

Die Nacht war so schwarz, dass die Tannen sich kaum vom Horizont abhoben.

Alles schien in einem dunklen Nebel zu versinken und jeder schickte ein Stoßgebet zum Himmel, in der Hoffnung, der Mond möge endlich die Wolken durchdringen und sein kaltes Licht auf die Erde  schicken.

Das Ausarbeiten der Route war derartig langwierig gewesen, dass Frau Claus behauptet hatte, sie hätte in derselben Zeit ein Spitzendeckchen klöppeln können.

Aber es war nun einmal wie es war, sie konnten jetzt eben nur an Flüssen und großen Straßen entlang reisen,  sonst wären sie völlig verloren gewesen.

Umwege ih Kauf zu nehmen war das kleinere Übel, denn niemand aus dem Team hatte Interesse daran, sich zu verirren in dieser stockfinsteren Nacht.

In kleine Seitenstraßen abzubiegen war  jedoch nicht immer zu vermeiden, und es grenzte jedes Mal an ein Wunder, wenn sie dann doch wieder auf der Hauptroute landeten und das nächste Ziel ansteuern konnten.

Der kranke Rudolf hatte dieses Jahr alles durcheinander gebracht.

Ohne das Licht seiner Nase den Weg zu finden war so irrsinnig anstrengend für alle Beteiligten, dass Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Donner und Blitzen beschlossen, Santa Claus endlich ein Navigationsgerät zu Weihnachten zu schenken.

 

Stille Zeit

Warum ist eigentlich die Zeit vor Weihnachten immer so pickepacke vollgepackt? Jedes Jahr habe ich das Gefühl „SO schlimm wie dieses Jahr war es noch nie!“ Und irgendwie scheint der Beginn der „arbeitstechnischen Vorweihnachtszeit“ sich mehr und mehr dem Zeitpunkt des Auftauchens von Spekulatius und Lebkuchen in den Supermärkten anzunähern….das Jahresende winkt schon im September bedrohlich mit der schwarz-weißen Zielflagge.

Ich kämpfe mich durch den Arbeitsberg nach oben und hoffe ständig, dass ich bald mal oben an der Spitze ankomme und den Überblick habe, dann schmeißt wieder irgendwer was oben drauf und ich fang wieder an zu rudern….

Jetzt habe ich auch noch Grippe – noch nicht richtig schlimm aber das soll es auch nicht werden. Also gleich einen Gang runter schalten und mal wieder bei Christiane vorbeischauen und entspannt bei Ingwertee an einer Etüde rumbasteln…die gehen irgendwie (fast) immer.

Ich sehne also Weihnachten herbei – aber einfach deshalb weil ich mal zwei Tage nur abhängen kann und SCHLAFEN! Gähn!

abc Etüden/ Der kleine freche Wind

Noch eine kleine 1ß Sätze Geschichte mit den von Rina P gestifteten Worten

Hyperknall

Pudelwohl

Wanderdüne

für die abc Etüden. die von Christiane gehostet werden.

Ich bin bekennender Märchenjunkie und da liegt es nahe, dass es mal wieder ein Märchen geben muss……

Das Märchen vom kleinen Wind

Es war einmal ein kleiner frecher Wind, in der Wüste Namib, der träumte davon, ein großer Wüstensturm zu werden wie seine Brüder, die den Sand kilometerweit durch die Wüste jagten oder hoch in den Himmel aufsteigen ließen.

Aber er war eben ein kleiner Wind und schaffte es nur, den Sand zu einem Häufchen aufzutürmen.

Aber der kleine Wind gab nicht auf und aus dem kleinen Haufen Sand wurde bald ein größerer und dann ein noch größerer und eines Tages beschloss der kleine Wind, den größten Sandhaufen der Erde zusammen zu blasen.

Seine Brüder lachten ihn aus und sagten; „du hast ja einen Hyperknall! Wir Wüstenwinde haben schon immer den Sand durch die Welt getragen und nicht zu einem Haufen aufgetürmt!“

Doch der kleine Wind ließ sich nicht beirren, denn er fühlte sich pudelwohl, auch wenn er alles anders machte, als es sich für einen Wüstenwind gehörte.

Seine Brüder wollten ihn necken und nachts, wenn der kleine Wind schlief, schoben sie den großen Sandberg weiter, sodass sich der kleine Wind am Morgen verdutzt die Augen rieb wenn er seinen Sandberg nicht mehr neben sich fand.

Irgendwann war der riesige Berg aus Sand nicht mehr zu übersehen und die Menschenwesen kamen um ihn zu bestaunen und nannten den Berg „Big Daddy, die größte Wanderdüne der Welt“.

Da war der kleine Wind glücklich, dass er etwas so Großartiges vollbracht hatte obwohl er alles anders gemacht hatte als seine Brüder und er legte sich jede Nacht auf die Spitze von Big Daddy und sah auf zu den Abermillionen Sternen, die über der Wüste funkelten.

Und weil die Winde unsterblich sind, schieben sie die große Düne immer weiter und weiter und weiter…..

 

 

abc Etüden / Big Daddy

Hyperknall

Wanderdüne

Pudelwohl

sind diese Woche die Worte für die Schreibeinladung zu den abc-Etüden. Sie sollen, verpackt in maximal 10 Sätzen, zu einer Geschichte verarbeitet werden.

Die Wortspende kommt von Rina P.

Christiane sammelt die Geschichten auf ihrem Blog, dort ist auch alles, was man wissen muss, nachzulesen. Ludwig Zeidler stiftet jede Woche die Grafiken für die Etüden. Mitmachen kann jeder, also nur zu!

https://365tageasatzaday.files.wordpress.com/2017/10/2017_44-17_eins1.jpg?w=533&h=610

Das konnte man wohl als Hyperknall bezeichnen.

Wie gut glaubst du, kennt dich dein Partner nach zehn Jahren Beziehung?

Weiß er, in welchen Momenten du dich pudelwohl fühlst?

Wie um alles in der Welt war Gerd auf die Schnapsidee gekommen mir dieses Geschenk zum  Jahrestag zu überreichen?

Er muss wahnsinnig sein, hatte ich gedacht.

Eine Reise zu Big Daddy, der angeblich größten Wanderdüne der Welt, eine Reise in die WÜSTE!

Als ich den Jeep startete, sah ich nicht mal in den Rückspiegel.

Ich fand, er hatte es verdient.

Wenn er sich das Wasser gut einteilte würde er durchhalten bis die nächste Reisegruppe eintraf.

Falls nicht – würde Big Daddy ihn in seine staubigen Arme schließen.

Herbstnacht

ich kann den Winter sehen

versteckt in den Stürmen des Bruders

schleicht er sich heran

 

Ich kann den Winter sehen

sein kalter Atem weht

die letzten bunten Blätter fort

 

Ich kann den Winter sehen

das schwarze Tuch der langen Nächte

wirft er über das  Land

 

mir ist kalt

abc Etüden KW 42/ 2033

Aus verschiedenen Gründen war ich wochenlang abgetaucht, der Hauptgrund war ein totaler Systemabsturz mit weitreichenden zeitraubenden Folgen – aber das ist eine andere Geschichte.

Endlich kann ich mir mal wieder die Zeit nehmen, eine Etüde zu fabrizieren. Für alle, die die abc Etüden nicht kennen, alles was man dazu wissen muss findet Ihr bei Christiane

3 Worte, diese Woche wurden sie gespendet von Gerda Gazakou

und lauten:

verdammt
Zweibrücken
grenzenlos

in 10 Sätzen zu einer Kürzestgeschichte verarbeiten, das ist das Ziel.

Hier meine Etüde für Kalenderwoche 42, die Grafik ist von Ludwig Zeidler, der die abc Etüden erfunden hat.

 

https://365tageasatzaday.files.wordpress.com/2017/10/2017_42-17_eins1.jpg?w=610&h=610

                                    

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„Er kam aus Zweibrücken“, sagte ich und beobachtete Mara aus dem Augenwinkel, sie  saß vornübergebeugt auf ihrer Bastmatte und malte mit den  Zehen Muster in den Sand.

„Das ist alles verdammt lang her und wir wollen doch heute deinen sechzehnten Geburtstag feiern, Liebes“, ich schlug einen fröhlichen Ton an,“ endlich volljährig!“

Mara wandte sie sich mir zu, ihre grünen Augen leuchteten im Sonnenlicht auf und starrten mich an, wie die Augen einer Katze, die ihre Beute fixiert.

Ich lauerte hinter meiner Sonnenbrille auf ihre Reaktion, bereit für meine Verteidigung, denn ich rechnete fest mit einem Angriff.

Sie fixierte mich mit ihrem Blick und das Schweigen, das sich zwischen uns ausbreitete erschien mir so grenzenlos wie der Ozean vor uns.

„Meinst du nicht, es wäre an der Zeit mit diesem Zweibrücken-Märchen endlich aufzuhören?“ sagte Mara und ihre Stimme war kalt.

Sie zog einen zerknitterten Umschlag aus ihrer Strandtasche und hielt ihn hoch.

Ich erkannte den Umschlag sofort, wusste was er enthielt und verfluchte meine Angewohnheit, aus Sentimentalität alles aufzubewahren, doch bevor ich eingreifen konnte riss Mara den Umschlag auseinander, holte den Kontrakt heraus und warf ihn vor mich in den Sand.

Mara hatte ihren perfekten Körper zwischen mich und die Sonne geschoben, stand wie ein von hinten beleuchteter Racheengel vor mir, beugte sich mit einer grazilen Bewegung zu meinem Ohr  und  flüsterte „23andMe, weißt du noch, Californien 2016?“

Dann richtete sie sich auf und schrie mich an: „ Und bist du denn zufrieden mit deiner Schöpfung, deiner Kreatur – “, sie machte eine Pause und spuckte das Wort in die Luft, „ – Göttin?“

 

Ich habe ein bisschen nach vorne gesehen in der Zeit…aber es ist dennoch keine Science Fiction – leider. Lest selbst in diesem  Artikel in der FAZ vom 04.10.2013

Außerdem gehe ich in meiner Geschichte davon aus, dass 2033 die Kinder mit 16 Jahren volljährig sein werden und wahrscheinlich auch, falls es dann noch so heißt, mit sechzehn das Abitur machen und sich auf ihre nächsten 100 Lebensjahre vorbereiten. Ich bin 2033 zweiundsiebzig Jahre alt, habe also gute Chancen, das zu erleben und zu überprüfen ob ich recht behalten habe. Eigentlich will ich es garnicht wissen……

 

 

 

Bassum 2017

Was für ein Sommerabend! Der Tag heute war genauso unerträglich schwül wie gestern, ganz langsam kühlt die Luft jetzt ab und ich sitze jetzt in meinem Garten und genieße die letzten Sonnenstrahlen. Endlich habe ich mal Muse für einen kurzen Bericht von meiner Schreibwoche in Bassum.

Die Volkshochschule Diepholz veranstaltet im Sommer traditionell eine Sommerakademie in der Freudenburg in Bassum. Hier ist der Name Programm, denn dieses Ensemble aus restaurierten Fachwerkhäusern in einem parkartigen Garten ist wirklich eine Oase. Einfach w u n d e r s c h ö n ! Als Seminarteilnehmer eines Workshops, der die ganze Woche dauert, kann man für kleines Geld in der Freudenburg bei voller Verpflegung wohnen und das trägt, zumindest in meinem Fall, sehr zum Wohlbefinden bei. Keine nervige Anfahrt jeden Morgen, ich gehe ein paar Schritte über den Gang und bin im Frühstücksraum oder, die Treppe hoch, im Seminarraum. Wir hatten den Luxus einer fast perfekten Sommerwoche, bis auf einen Regentag hatten wir nur wunderbares Wetter und konnten uns auf der Terrasse und im Garten zum Schreiben hinsetzen. Morgens und am Nachmittag trafen wir wieder als Gruppe mit Jutta zusammen und tauschten uns aus. Morgens gab es eine Schreibübung zum Einstimmen, zwischendurch hatten wir die Möglichkeit, mit  Jutta Reichelt ein Coachinggesprch zu vereinbaren. Die Gruppe war sehr homogen und ich denke, ich kann für alle sprechen: wir haben ein jeder von den anderen profitiert, wurden inspiriert.

Im Raum neben uns war eine Gruppe Frauen, die sich dem Patchwork – Quilting – verschrieben hatten. Beim Austausch am letzten Abend der Woche habe ich gelernt, dass es viele verschiedene Techniken bei Patchwork gibt  und diese Gruppe nur von Hand nähte. Sechs Stiche auf einen Zentimeter, da nahm es Aurelia, die Kursleiterin, sehr genau. Von Martina aus unserer Schreibgruppe kam die Idee, den Patchworkgedanken für eine Gemeinschaftsaufgabe aufzugreifen. Also spendeten wir alle am Dienstag und am Mittwoch je einen Satz und Jutta fügte unsere Einzelsätze zu einem Text zusammen. Danach konnten wir mit diesem Text arbeiten, Wörter oder Satzteile ausschneiden und neu zusammensetzen, Wörter im Text „Schwärzen“ und einen neuen Text erfinden mit den noch lesbaren Wörtern – es gab keinerlei Vorgabe, jeder machte sich an die Aufgabe, wie er/sie wollte. Nach anfänglichem Zögern kam ich dann in Fluß und war völlig begeistert. Wer Lust hat oder grade eine Schreibblockade, sollte das einmal ausprobieren, zum Beispiel mit einem Zeitungstext. Es macht unglaublichen Spaß!

Hier also mein Patchork:

und dann ist da natürlich noch

das Ende der Halmspitzen die sieben Jahre

wieder nachwachsen werden

mit einer scheinbaren Selbstverständlichkeit.

Was braucht der Mensch mehr?

Der Rasenmäher, wie eine kleine Schlange, die langsam durch das Gras gleitet.

Sieben Minuten, aber das Gras wächst weiter.

Nur nicht aufhören.

War da noch was?

Alle finden sich suchend in der Welt.

Wir tun erstmal so, als wäre weiter nichts.

Der Rasenmäher will nicht mehr, ich lege

die Liste der Namen in diesen hellen, sonnigen , erfrischenden Morgen.

Die Geschichten, die ich nie schreiben werde,

bluten Sprache

Ich liebe den deutschen Sommer – es ist die schönste Woche im Jahr!

okay, ganz so schlimm ist es nicht, zumal ich mich glücklich schätzen kann, nicht zu den gebeutelten Menschen zu gehören, deren Haus überschwennt wurde und die jetzt ohne Existenzgrundlage dastehen, weil sie nicht gegen Elementarschäden versichert waren.

Aber heute hatte ich das beklemmende Gefühl, der Planet will uns loswerden, Wie ein Tier, das sich schüttelt um die Fliegen zu vertreiben. Die Schmeißfliegen. Erinnert sich noch jemand an das Buch „Die grüne Rache“? Muss in den 80ern gewesen sein, als es im „Stern“ abgedruckt wurde, jede Woche ein paar Seiten. Meine Mutter war eine Stern-leserrin der ersten Stunde und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie je eine Ausgabe versäumt hat in Jahrzehnten bis, naja, bis zum  November 2014

Damals konnte man also im „Stern“ noch Bücher als Vorab-Druck lesen. Eben auch „Die grüne Rache“. Und ich erinnere, dass es in dem Buch genau darum geht: die Natur wehrt sich. Genaues weiß ich nicht mehr aber eine Szene habe ich nicht vergessen, eine Frau wird von einem Baum „gekapert“ und er wächst um sie herum…gruselig. Verdenken könnte man es dem Planeten, Mutter Erde, nicht, wenn dem so wäre. Sie überschwemmt uns, läßt uns vertrocknen, verhungern – und den Rest erledigen wir selbst.

Morgen wird voraussichtlich die Sonne wieder scheinen, die Nacht ist sehr mild, fast schon lau. Dann vergesse ich wieder, dass ich schon ewig keinen Schmetterling mehr gesehen habe, noch keinen einzigen Marienkäfer und wenig Bienen,

Scheint heute mein Tag der Schwermut zu sein.

In meinem Garten, Sommer 2014.

können Sie sich ausweisen?

Einen Schriftsteller erkennt man nicht an seinem Ausweis sondern an dem, was er gschrieben hat!

lässt Michail Bulgakow eine seiner Figuren in „Der Meister und Margarita“ sagen.

Dann hoffe ich mal das Beste, denn mein Reisepass ist abgelaufen. Dank der intensiven Schreibzeit in Bassum bin ich jedoch ein gutes Stück weitergekommen,und habe ein optimistisches Ziel ins Auge gefasst, mich sozusagen weit aus dem Fenster gelehnt:

nächstes Jahr will ich in Bassum an einem neuen Projekt arbeiten. Warum? na, weil ich das „alte“ beendet habe!

Der Plot steht endlich , die Szenenplanung auch und rund 70 Seiten sind in der Schublade, 50 davon bereits überarbeitet. Das Ziel ist also greifbar. Jetzt muss ich mir nur noch jeden Tag die Karotte vor meinen Schweinehund-Esel hängen, dann klappt das.

das ist übrigens der Blick aus dem Paradies ——- der Blick  aus dem Raum, in dem unser Workshop stattgefunden hat. Himmlisch!

ach, die Liebe!


Inspiriert von Christiane, die zu den abc Etuden auch eine kleine Geschichte über den Beginn einer Liebe geschrieben hat, schenke ich euch heute mal ein Gedicht eines meiner Lieblingsdichter, Joachim Ringelnatz. Ich mag seine, oft ein bißchen schrägen, Geschichten, die er in seinen Gedichten erzählt.

Joachim Ringelnatz

Der Briefmark

Ein männlicher Briefmark erlebte
was Schönes, bevor er klebte.
Er war von einer Prinzessin beleckt.
Da war die Liebe in ihm erweckt.

Er wollte sie wiederküssen,
da hat er verreisen müssen.
So liebte er sie vergebens.
Das ist die Tragik des Lebens!

Hallelujah!

…und nochmal mit Inbrunst: H A L L E L U J A H !

Die Zahl des Tages: 2,4. Das ist die amtlich errechnete Durchschnittsnote des Zeugnisses der allgemeinen Hochschulreife – oder wie es die Schulleiterin meines Sohnes genannt hat, des „höchsten möglichen Schulalbschlusses in Deutschland“ von Benedict, meinem Sohn. Und für mich der Schlusspunkt unter die Schulzeit. Ein Quantensprung! Nie mehr auf Schulferien Rücksicht nehmen, school`s out for ever! Ich fühle mich, als ob jemand Eisenkugeln von meinen Füßen entfernt hätte – Freiheit! Kein Schulkind mehr zu haben ist eine derartig berauschende Aussicht, dass ich es noch garnicht fassen kann!

Heute abend war die offizielle Verleihung der Zeugnisse und damit mein letzter Besuch im Hölderlingymnasium. Nochmal Hallelujah!

Men Sohn ist wunderbar und wird seinen Weg gehen. Ich habe einen großen Teil meiner Aufgabe schon erledigt. Jetzt wird er das Nest verlassen und das ist auch gut so. Für uns beide heißt es jetzt: auf zu neuen Ufern! Ich bin mindestens so erleichtert wie er und freue mich auf die andere Zeit, die jetzt auch für mich beginnt. Ich habe noch viel vor und freue mich auf das was kommt!

Urlaub macht urlaubsreif

Demnächst breche ich auf nach Norden, eine Woche Auszeit beim Schreibseminar von Jutta Reichelt. Es ist wie immer, je näher der Urlaub rückt, desto mehr Arbeit türmt sich auf.. Tausend Dinge müssen noch erledigt werden – und die Tage müssten eigenltich 36 Stunden haben.Deshalb müssen die abc Etüden ein bißchen ruhen. Da ich also selbst nichts zustande bringe aus Zeitmangel, will ich wenigstens etwas anderes posten. Gedichte gehen immer, finde ich. Und deshalb gibt es ein ganz wunderbares Gedicht für euch, ich gebe zu, ich liebe es!

Sie saßen und tranken am Teetisch

Sie saßen und tranken am Teetisch
und sprachen von Liebe viel.
Die Herren, die waren ästhetisch,
die Damen von zartem Gefühl.

„Die Liebe muß sein platonisch“,
der dürre Hofrat sprach.
Die Hofrätin lächelt ironisch.
Und dennoch seufzet sie: „Ach!“

Der Domherr öffnet den Mund weit:
„Die Liebe sei nicht zu roh,
sie schadet sonst der Gesundheit.“
Das Fräulein lispelt: „Wieso?“

Die Gräfin spricht wehmütig:
„Die Liebe ist eine Passion!“
Und präsentieret gütig
die Tasse dem Herren Baron.

Am Tische war noch ein Plätzchen;
mein Liebchen, da hast du gefehlt.
Du hättest so hübsch, mein Schätzchen,
von deiner Liebe erzählt.

  • Heinrich Heine

und hier noch zum Hören:

Es lebe die Liebe! Ich wünsche euch ein Wochenende voller Liebe und Sonne!

Mittsommer

Sie liegen überall herum, meine Kladden. In unterschiedlichen Formaten, Farben, Papieren. Mehr oder weniger vollgeschrieben enthalten sie tagebuchartige Einträge, angefangene Gedichte, Fragmente von Geschichten, Schreibübungen, Kartendeutungen oder numerologische Auswertungen. Ich trage sie in Handtaschen mit mir herum, sie liegen zwischen dem Strickzeug oder stehen im Bücherregal. Geben Zeugnis von einem Leben, das vermutlich reichlich unorganisiert wirkt, dominiert von zahlreichen Liebesaffairen, die zum größten Teil nur auf dem Papier existierten, in meinem Kopf, in meiner Fantasie und in meinem mehrfach gebrochenen und wieder zusammengeflickten Herzen. Manchmal stelle ich mir vor, wer wohl nach meinem Ableben  diese Ergüsse zu entziffern versuchen wird. Vermutlich niemand. Sie werden, so hoffe ich, ungelesen im Müll versenkt. Was nicht in säuberlicher Druckschrift im Laptop abgespeichert wird, taugt nichts. Die nachfolgenden Generationen werden vielleicht die Handschrift gar nicht mehr beherrschen, wer weiß.

Manchmal finde ich eine längst vergessene Aufzeichnung und staune über das, was ich da lese. tauche ein in mein eigenes früheres Leben wie Harry Potter in Dumbledores Denkarium.

Jetzt zirpen die Grillen um mich herum, an einem schwülen Juniabend der langsam der Nacht entgegen dämmert und das schwindende Licht lässt die Buchstaben vor meinen Augen verschwimmen.

Die Sonnwende ist vollzogen, die Tage werden wieder kürzer, der Sommer hat gerade erst begonnen und schon wird seine Trauerfeier vorbereitet. Ein paar Wochen noch werden wir der Illusion erliegen können, die Tage wären endlos und das Leben ein einziger Sommernachtstraum. Doch die Zeit schreitet unerbittlich voran, wie ein treuer Soldat, und treibt das siebzehnte Jahr dieses noch so jungen Milleniums seinem Ende entgegen.

Der Mann, den ich liebe, sagt: „das Buch ist geschrieben“, und ich finde das tröstlich und erschreckend zugleich. Letztlich löst dieses Gedankengebilde aber doch nur eines in mir aus: Stürz dich ins Leben! Lebe! Jetzt! In diesem Moment, an diesem Abend im Juni, im schwindenden Licht dieses Tages.