Schneeweiß

2019 02+03 | 365tageasatzaday

Wie gesagt, ich liebe Märchen….Ludwigs Grafik hat mich inspiriert, Ich erkenne eine Feder — und damit fängt meine Geschichte an, das war das erste Bild, das ich im Kopf hatte. Eine weiße Feder, die langsam zu Boden sinkt…..

EIne Geschichte für die abc Etüden, drei Worte in eine Geschichte mit 300 Seiten packen. Dieses Mal sind die Wärter von Ludwig gestiftet worden:Abfallglück, ,Verfallsdatum, unschuldig. Bei Christiane laufen die Fäden zusammen.

Schneeweiß – ein Märchen

Die Feder flog durch die Luft als wäre sie auf der Suche nach dem richtigen Landeplatz, taumelte dann in sanften Schwüngen nach unten und landete auf dem gefrorenen Boden.

Lina hob sie auf und sah zum Himmel, ein paar Raben kreisten krächzend über ihr, aber sonst war nichts zu sehen. Von diesen Vögeln konnte die Feder niemals stammen, denn sie war schneeweiß, ein derart weißes Weiß, dass Lina nur das Wort „unschuldig“ einfiel bei dieser Farbe. Sie legte die zarte Feder auf ihren blassen Handrücken und hatte das Gefühl, sie würde Wärme ausstrahlen.

`Du wirst tüttelig Lina` dachte sie `du bildest dir Sachen ein.  Sowas kommt, wenn das Verfallsdatum näher rückt.`  Trotzdem, irgendetwas war an dieser Feder, was sie dazu bewog, sie sorgfältig in ein Papiertaschentuch zu wickeln und in die Tasche zu stecken.

Das Wochenende war sonnig gewesen, der Marktplatz voller Menschen. Lina kam erst hierher wenn die Erfolgreichen mit ihren Bastkörben aus Nizza oder Mallorca, voll mit Leckereien, wieder zuhause waren und die Marktfrauen ihre Reste entsorgten. Pfandflaschen gab es hier wenige, aber manchmal eine überreife Mango, einen Apfel mit kleiner Macke oder eine halbleere Flasche Sekt.  Lina steuerte auf den ersten Abfalleimer zu, sah hinein und traute ihren Augen kaum. Eine gefüllte Tasche des Feinkostladens, alles originalverpackt. Warum hatte das jemand weggeworfen? Egal. Sie zog die Tasche heraus und stopfte sie in ihren kleinen Handwagen. Das nenne ich Abfallglück, dachte Lina. Zuhause angekommen packte sie aus doch die Tasche schien nicht leer zu werden. Sie dachte an ein Stück Käse und zog ein goldgelbes Käsestück aus der Tasche. Sie stellte sich Weintrauben vor und hielt sie in der Hand. Lina hielt die Luft an. Dann fiel ihr die seltsame Feder wieder ein. Sie wickelte sie vorsichtig aus und traute ihren Augen nicht. Die Feder war golden.

Rosas Reise geht weiter

Es ist an der Zeit, euch mal wieder etwas von Rosa zu erzählen. Es ist einiges entstanden und. hurra, das Ende der Geschichte ist gefunden. Immerhin. Noch nicht geschrieben zwar, aber drei Jahre Hirnschmalz haben dann doch endlich zu einem Ergebnis geführt, mit dem ich leben kann.

Ich habe auch entschieden, dass ich Rosas Kindheit und Jugendzeit noch etwas mehr „Stoff“ geben werde, denn das ist die Zeit ihres Lebens, die mich sehr berührt. Für die, die die ersten Teile nicht kennen, es sind ein paar Seiten hier auf dem blog zu finden unter dem Stichwort „Rosa“. Nicht alles wurde so verwendet oder verwertet wie es mal geschrieben wurde. Der Text befindet sich in einer permanenten Metamorphose. Manchmal muss ich etwas ruhen lassen und warte Monate, bis ich es wieder in die Hand nehme, überrpüfe meine eigene Reaktion darauf, verwende manchmal dann nur noch eine Metapher, die mir besonders gut gefällt, einen Satz, den Teil eines Dialogs.  So ist auch der folgende Auszug sicher noch nicht ganz fertig 🙂

Es war eine überstürzte Hochzeit, die Braut in schwarz, der Bräutigam in Uniform, feldgrau.

„Du ziehst zu uns“, entschied Albert nach der Trauung und nahm Elses Hände.

„Du bist jetzt ein Teil der Familie und bekommst Wilhelms Kind.“

Schweigend standen sie vor der Kirche in der Spätsommersonne auf einem Teppich aus unausgesprochenen Gebeten, Verzweiflung und erahnten Katastrophen. Wie ein unsichtbares Band wob die Angst alle zusammen.

„Danke Vater“ Wilhelm lächelte und Rosa sah ihn an und würde später immer dieses Bild in Erinnerung haben, wenn sie an Wilhelm dachte. Seine dunklen Haare, jetzt kurzgeschoren, seine starken Arme, das hellrote Zahnfleisch, die weißen Zähne, die strahlenden grünen Augen.

Else zog in das große Bauernhaus ein und Wilhelm reiste mit seinen Brüdern an die Front.

Die erste Feldpost kam von einer Stellung an der Marne und war datiert am 31. August 1914.

Liebe Mutter, lieber Vater, wir liegen an der Marne in Stellung und erwarten täglich den Beginn der Schlacht. Es geht mir gut und mit Gottes Hilfe werde ich bald zu euch zurückkehren. Habt meine Else recht lieb, bis ich wieder in der Heimat bin.  Euer Sohn Wilhelm

Wilhelm war in der 4. Armee, die von Herzog Albrecht von Württemberg befehligt wurde. Der Held von Neufchateau führte diese Truppe, die nur aus kurz ausgebildeten und schlecht ausgestatteten Reservisten bestand in die Schlacht von Marne. Sieben grausame Tage folgten und Wilhelm zog dann mit dem Rest der 4. Armee weiter Richtung Flandern, während ein Teil der Truppen beider Seiten zurückblieb, doch niemand rechnete zu diesem Zeitpunkt damit, dass sie in einem jahrelangen Stellungskrieg gefangen sein würden der hunderttausende Soldaten das Leben kosten würde.

Im Dorf gab es keinen Jubel und kein Hurrageschrei, denn der Krieg griff hier nach denen, die man zum Überleben der Familie dringend brauchte, den Vätern und den Söhnen. Immer wenn der Büttel die neuen Gefallenenlisten aufhängte, die schlimme Nachrichten schneller ins Dorf brachten als die Feldpost, gingen Rosa und Else Hand in Hand zum Rathaus und fielen sich in die Arme wenn sie Wilhelms Namen nicht auf der Liste fanden.

Der Herbst war über das Land gezogen und hatte die Hügel rund um das Dorf in rot und gelb und braun getaucht. Am Morgen hing Nebel über den Wiesen und silberne, von Tau benetzte Spinnenfäden zogen sich durch den Garten. Die ersten kalten Tage kamen früh im Oktober, Rosa bereitete sich mit ihren Klassenkameraden auf die Konfirmation vor und träumte schon von der Zeit, wenn sie die Schule verlassen würde und vielleicht auch die Enge des Dorfs. Von Wilhelm war schon lange keine Nachricht mehr gekommen und so studierte Rosa die Zeitung, die der Vater jeden Tag bekam und suchte die Orte mit den fremden Namen auf der Landkarte in der Schule.

Marne, Ypern, Langemarck. Irgendwo dort war Wilhelm. Nachts sah sie mit Else in den Himmel und sie fragten sich, ob Wilhelm dieselben Sterne sah, dort wo er war. Dann kam der November und brachte den ersten Schnee. Mina war jetzt schon fast achtzig Jahre alt aber es gab keine andere Hebamme im Dorf. Und so würde sie auch dem Kind von Wilhelm auf die Welt helfen, den sie vor mehr als fünfundzwanzig Jahren Barbara nach der Geburt in die Arme gelegt hatte. Laut Minas Prognose würde das Kind nicht vor Ende März zur Welt kommen. Rosa schrieb ihrem Bruder: „Geliebter Wilhelm, unserer Else geht es gut und dem Kinde auch. Die Mina sagt es kommt wohl erst im März. Das ist gut weil dann der Schnee getaut ist und die Kälte nicht mehr so groß. Mutter und Else haben sich aneinander gewöhnt, und Else hilft der Mutter wo sie kann. Kannst du nicht zu Weihnachten nach Hause kommen? Das Weihnachtsfest ohne dich ist kein richtiges Fest und die Else musst du auch einmal mit ihrem dicken Bauch sehen. Sie wird immer runder! Ich hoffe sehr dass wir dich bald wiedersehen, deine dich liebende Schwester Rosa“ Sie brachte ihren Brief Else, die dein eigenen und den Brief von Rosa in ein Kuvert steckte und mit der Post aufgab. Beide hofften und beteten sie, dass Wilhelm an Weihnachten Heimaturlaub bekommen würde.

Die erste Flandernschlacht dauerte vom  zwanzigsten Oktober bis zum neunzehnten November 1914.  Die neuen Listen kamen fast täglich und immer war Rosa an Elses Seite vor dem Kasten am Rathaus. Sie standen den Frauen bei, die Ehemann, Sohn oder Bruder verloren hatten und schämten sich fast, dass sie verschont geblieben waren. Schon über zwanzig Männer aus dem Dorf waren gefallen, es gab kaum eine Familie, die keinen Toten zu beklagen hatte Jedes Mal dasselbe Bild, Rosa, die mit hastigem Blick die Namen überfliegt, ihr Finger, der suchend die Liste entlangwandert, bis er an diesem Tag im November auf Wilhelms Namen stehenblieb. Sie erstarrte und konnte  ihren Finger nicht lösen von dieser Ansammlung falscher Buchstaben. Else neben ihr, die aufschrie, zusammenbrach. Hände, die sie wegzerrten von dem Kasten und ihr rechter Zeigefinger, der ausgestreckt blieb, wie ein Mahnmal. Wilhelm, ihr schöner Bruder, zerschossen in irgendeinem Schützengraben.

Märchenzeit – Zeitmärchen

abc Etüden, Klappe, die zweite. Hatte einen kontemplativen Tag heute, mit einer Walkingrunde an der frischen Luft und anderthalb Stunden Yoga. Die Rädchen in meinem Kopf haben eine zweite Etüde ausgespuckt, inspiriert von dem Bild des jungen Jahres.2019 02+03 | 365tageasatzaday

Ein Märchen. Ich liebe Märchen!

 

Punkt Mitternacht drückte die Zeit dem jungen Jahr einen Kuss auf die unschuldig glatte Stirn und sagte:

`Du sollst 2019 heißen! `

Das junge Jahr krabbelte in seinen ersten Tag und sie schubste es sanft an bis es aufstand. Die Minuten tropften aus der Zeit und sammelten sich zu Stunden, bald würde der erste Tag schon wieder Geschichte sein. Die Zeit blies in den Haufen Asche, der vom alten Jahr übrig geblieben war, die Asche wirbelte auf, wurde weiß und klar und legte sich als Rauhreif über Gärten und Dächer.  

`Abfallglück`, flüsterte sie. ` Nichts geht verloren, in der Erinnerung ist alles noch da.`

Sie sah 2019 an, es sah so hoffnungsvoll und rein aus an seinem ersten Tag, wie jedes der Jahre, dem sie seit Äonen auf die Welt geholfen hatte.

 `Es gibt dich nur einmal, 2019, und dennoch wirst du milliardenfach existieren und die Schicksale werden dich gestalten. Am Ende, wenn dein Verfallsdatum erreicht ist, wirst du für die einen ein Jahr voller Glück gewesen sein und für die anderen eines voller Schmerzen oder Leid. Für  mich bist du immer gleich, wie die Jahre, die vor dir da waren und die, die nach dir kommen. Ich bin eine Illusion, genau wie du. Ich bin lang in Stunden des Wartens und Bangens und kurz in Stunden des Glücks, die verfliegen wie ein Windhauch. Es sind nicht die tickenden Metallklumpen der Menschen, die mich machen, sondern ihre Herzen. Sie geben den Takt des Lebens vor, und ich wiege mich in diesem Takt, jahraus jahrein, ta-tamm, ta-tamm,`

Sie drehte sich um sich selbst und die Minuten wirbelten heraus,

` ta-tamm, ta-tamm, ta-tamm…tata-tamm….`

Auf ein Neues!

Da ist es, das neue Jahr. Ich habe es mit offenen Armen empfangen und nach langer Blog-Abstinenz werde ich 2019 wieder aktiver sein können. Alles hat sich am Ende zum Guten gefügt. Vorsätze habe ich keine, außer dem einen: jeden Tag zu geniessen, mit einem Lächeln zu beginnen und mit Dankbarkeit schlafen zu gehen.

Mein Dank gilt gleich vorweg Christiane die sichauf ihrem blog um die abc Etuden kümmert und sie am Laufen hält. 2019 soll also auch für  mich wieder ein Etüdenjahr werden.

Die Worte für die erste Etüde

Abfallglück
Verfallsdatum
unschuldig.

kommen von Ludwig Zeidler, dem abc etuden Erfinder. Etüdenregel: die drei Worte in 300 Wörtern zu einer Geschichte verarbeiten.

Hier meine Etüde:  „Alles wird besser“

Das Jahr hat grade erst begonnen. Unschuldig wie ein Kind ist es, mit seinen sechs Tagen, ich stelle mir vor, es hat blonden Flaum auf dem Kopf und tapst durch die Zeit, weil es noch laufen lernen muss. Das alte Jahr ist gestorben, verbittert und misslaunig wie ein unzufriedenes zahnloses altes Weib, ich weiß, mein altes Jahr war froh, es hinter sich zu haben. Ganz ehrlich, ich bin absolut sicher, hätte man ihm noch einen 366. Tag geschenkt, es wäre schreiend davon gelaufen.  Ich kann ja auch nichts dafür, es gab immer wieder Jahre für mich, mit denen es mir ging wie mit Klassenkameraden, die man auf einer Jahrgangsfeier trifft und feststellt, dass man zehn Jahre neben ihnen im Klassenzimmer saß ohne sie wahrzunehmen. So ein Jahr war mein letztes. Es war aus der Zeit gefallen und ich kann verstehen, dass es am Ende genug hatte.  Wenn das Verfallsdatum so klar ist wie bei einem Jahr mit dreihundertfünfundsechzig Tagen, dann wird es auf die letzten Tage, zumal wenn die Feiertage sich derart knäueln wie in meinem typisch deutschen Jahr, ganz schön mühsam. Ich hab dieses 2018 von Anfang an nicht recht gemocht, und es hat mich auch nicht geschont. Im ersten Halbjahr waren vier Monate geprägt von ständigen Terminen in der Augenklinik in Tübingen und diese Zeit fehlte mir, als ob sie gar nicht existiert hätte. Danach rannte ich der Zeit hinterher, und habe sie doch nie eingeholt. In der Rückschau habe ich das Gefühl, ich war immer irgendwie außer Atem. Meine Erinnerung ist wie eine Wüste mit ein paar Oasen, zwischen denen es keine Verbindung gibt. Ich habe ohne Reue die Reste zusammengefegt zum Jahreswechsel und mit leichter Hand entsorgt – ist das Abfallglück? Egal. Klar ist, ich habe dieses 2019 jetzt schon ins Herz geschlossen.

 

Lebkuchen allover

Die Lebkuchenfront ist wieder da – ein deutlícheres Zeichen dafür, dass das Jahresende um die Ecke biegt, kann es nicht geben. Der Sommer hat sich ja dieses Jahr ins Unendliche ausgedehnt und ich konnte mich der Illussion hingeben, dass es noch lange hin ist bis zum Herbst und Winter….

Ich renne 2018 nur im Hamsterrad, kaum Zeit zum Luftholen. Gefühlt war die einzige Atempause meine Woche in Bassum, die sich angefühlt hat wie 10 Tage, weil die Zeit ohne die allgegenwärtigen Zeitbeschleuniger Internet und Telefon einfach langsamer vergeht. In dieser Woche kann ich mich auf mich selbst zurückfallen lassen – das tut so gut. Kein tickender Metallklumpen, der deinen Tag zerhackt, die Termine sind überschaubar und die Zeit dazwischen ist ein weites Feld, das ich mit meinen Gedaniken füllen kann. In drei Monaten werde ich mich bereits wieder anmelden für die nächste Sommerakademie. Seit drei Jahren ist das der Fixstern im Sommer!

Die Augenkrankheit, die mich im Frühjahr fast drei Monate lang außer Gefecht gesetzt hat, hat mir soviel Zeit gestohlen. Die vielen Stunden im Krankenhaus, die ich mit Warten verbracht habe, sind irgendwie verpufft. Da ich wegen der Augen nicht lesen konnte, waren sie auch nicht sinnvoll zu nutzen. Per Kopfhörer etwas anhören ging ja auch nicht, dann hätte ich ja nicht gehört, wenn ich aufgerufen werde. Denke ich an diese Wochen zurück ist es, als ob sie fehlen würden. Ein weißer Fleck in meiner Erinnerung.

Kaum war das vorbei hieß es, die Vorbereitungen für den dreimonatigen Kanadaaufenhalt meines Sohnes zu treffen, es ging Schlag auf Schlag bei ihm. Sein Praktikum bei Radio big fm endete am 3. Juli und am 10. Juli saß er bereits im Flieger nach Montreal. Während er in Kanada war trudelten hier die Zusagen für´s Studium ein, wie erhofft war auch die Zusage für seinen Favoriten-Studiengang iin Düsseldorf dabei. Während er in Kanada reiste und arbeitete, organiserte ich hier ein Zimmer in Düsseldorf, bereitete den Umzug vor und holte ihn dann am 10. Oktober in Frankfurt ab. Am 13. Oktober ging es schon morgens kurz  nach 5 Uhr mit dem großen Wagen nach Düsseldorf. Mittlerweile hat er angefangen mit dem Studium und  mit seinem selbständigen Leben. Auch eine Umstellung für mich – Mama allein zuhaus!

Die letzen Wochen des Sommers waren traurig, denn einer unserer beiden Kater wurde sehr krank. Er war schon immer ein Freigänger, kam aus dem Tierheim und war ursprünglich aus Italien. Es kam häufig vor, dass er mal 2 oder 3 Tage unterwegs war. Aber dann fehlte er eine ganze Woche und ich hatte ihn schon aufgegeben. Nach einer Woche war er wieder da, völlig entkräftet, abgemagert und schwach. Wir hatten schon länger den Eindruck, dass er „dement“ ist, mein Sohn sagt, das gibt es bei Katzen auch. Vielleicht hat er einfach nicht mehr nach Hause gefunden? Danach habe ich ihn nicht mehr rausgelassen, was ein Drama war, denn er wollte ja immer raus. Ich bin dann mit ihm zusammen in den Garten, damit er an die frische Luft kommt,  und habe ihn nicht aus den Augen gelassen.

Am Ende war er aber doch schon so krank, dass die Tierärztin Nierenversagen und Leberversagen konstatiert hat und vermutlich hatte er auch einen Schlaganfall. ich hatte gehofft, dass er durchhält bis mein Sohn wieder da ist, aber er hat es nicht geschafft. Das Schlimmste war, diesen kleinen weichen Körper zu begraben, mir ist fast das Herz gebrochen, denn er war ja 13 Jahre bei uns.

Das ist jetzt auch schon wieder fast vier Wochen her.

Ich vermute, ich wache am Neujahrsmorgen 2019 auf und weiß nicht, welches Jahr wir haben….immerhin weiß ich, siehe oben, dank der allgegenwärtigen Lebkuchen dass wir uns auf die Weihnachtszeit zubewegen. Wenn die Zeit weiter so dahin rast, dann wird der Übergang zum Osterhasen fließend sein für mich.

 

Gerade gelesen

Ich hab´s ja nicht so mit Buchempfehlungen. Etwas gut zu finden, ist doch immer etwas Subjektives, wenn man kein Literaturkritiker ist. Wobei ich gestehen muss, dass ich mich bei deren Empfehlungen beim Lesen des entsprechenden Buchs häufig frage, warum sie genau dieses Buch so toll fanden. Allerdings habe ich aufgehört, mich zu fragen, ob ich zu blöd bin, es zu verstehen. In Amerika gibt es ja nicht diesen deutsch-ernsthaften Unterschied zwischen „E“ und „U“, ein Buch darf den Leser nicht langweilen, „show don´t tell“ ist die Devise.

Wie dem auch sei, ich möchte all denen unter Euch, die Eltern haben, deren Jugend auf dem Altar des 2. Weltkriegs geopfert wurde, dieses Buch ans Herz legen. Und auch denen, die Großeltern haben, deren Jugend so weit weg ist, dass sie gar nicht zu existieren scheint, weil man diese Großeltern nur als alte Menschen kennengelernt hat.

„Die Freibadclique“ von Oliver Storz.

Für mich als Schwäbin aus dem Raum Stuttgart auch deshalb so spannend, weil es hier in der Region angesiedelt ist. Es ist die Geschichte einer Jungsclique Jahrgang 1929, beginnt im Jahr 1944 und Oliver Storz schildert darin weitgehend seine eigenen Erlebnisse. Ein Buch, das es leicht macht, einzutauchen. Ein Buch, das Bilder im Kopf entstehen lässt. Ein  Buch, bei dem ich geweint habe um die verlorenen Jahre der Sorglosigkeit meiner Eltern. Ich bin schon lange der Meinung, dass wir alle die Geschichten unserer Ahnen in unserem Blut haben, all die nie erzählten Schrecken. Es schwingt immer mit, unausgesprochene Geheimnisse schweben wie Spinnenfäden durch den Raum, wenn die Familie zusammenkommt und bleiben an dir kleben. Hier hat einer seine Geschichte erzählt, der erzählen kann. Und die Geschichten müssen erzählt werden, damit sie nicht vergessen werden, wenn eine Generation ausstirbt.

Aus dem Klappentext:

„Irgendwie waren wir missraten. Wir schwänzten Schule und HJ-Dienst, nachts lauschten wir unter Wolldecken verborgen den Feindsendern, wo Benny Goodman, Duke Ellington und Glenn Miller spielten, kurz wir taugten nichts, jedenfalls nicht zu Helden…“

Sommer 1944, irgendwo im Schwäbischen. Knuffke, Bubu, Zungen-Kuss, Rosenacher („Hosenmacher“) und der Erzähler sind fünfzehn, und ihnen steht der Sinn nach allem mehr als nach Nationalismus. Sie wollen wissen, wie das mit den Mädels ist, wie man die Penne hinter sich bringt und um die SS-Wehrmacht herumkommt. Aber sie ahnen, dass es, trotz ihrer gut trainierten Lässigkeit, ums Überleben geht. Als sie dann, im April 45, doch noch zum Volkssturm müssen, sind sie bald nur noch zu dritt. Rosenacher geht verschütt. Zungen-Kuss hatte es zuvor auf einem Maisfeld am Westwall erwischt. Als die drei übrigen unter Lebensgefahr türmen, haben sie keine Ahnung, was ihnen zu Hause blüht, vielleicht ist die US-Army ja auch schon da.                                                          Oliver Storz schildert in seinem Roman das Drama des Jahrgangs 1929, dem er selbst angehörte, ungemein lebendig, poetisch – und weitgehend aus eigener Erfahrung.“

 

Falls es jemand liest und mir einen Kommentar hinterlassen möchte, freue ich mich sehr!

Update

Meine Sommerwoche in Bassum rückt näher, endlich die langersehnte Auszeit zum Schreiben vor Augen, kann ich wieder mal eintauchen in meine Geschichten. Zuviel andere, nicht immer schöne Dinge haben in den letzten Monaten meine Tage bestimmt. Meine Mutter hat sich auf einen langsamen Weg des Abschieds begeben, sie scheint verschwinden zu wollen, lautlos. Manchmal spricht sie halbe Sätze ohne Sinn, selten erkennt sie uns, meistens ist sie in ihrer eigenen Welt. Ich habe meine eigene Art, mit solchen Herausforderungen umzugehen, am besten klappt es, wenn ich mich zurückziehe und mein Schneckenhaus neu einrichte.

Heute habe ich den Tag genutzt für längst überfällige Recherchen, die mich wieder neu inspiriert und motiviert haben. Die Geschichte von Rosa und Harold liegt ja immer noch in Fragmenten da und will sortiert und beendet werden. Einige Übungen zu diesem Text sind ja auch hier auf dem blog (Schlagwort „Rosas Reise“), heute habe ich mir Gedanken zu Harold gemacht, nachdem ich einen vergessenen Text in einer meiner vielen Kladden entdeckt habe. Hier die Geschichte von Harold, den ich immer noch nicht identifiziert habe. Mittlerweile bleibt aber nur eine Möglichkeit übrig, es muss wohl jener Harold Syms gewesen sein, Rezeptionist und Room Steward auf der „Olympic“. Bei ihm passt das Alter, die Größe und Haarfarbe. Wie er sich mit Rosa verständigt hat, weiß ich nicht, aber dazu gibt es ja die Fiktion und Fantasie. „Mein“ Harold sprach zumindest ein bißchen Deutsch.

Harold Syms

Harold

 

Harold Pinter wurde als Kind deutscher Einwanderer geboren. Das Schiff, das seine Eltern als jungvermähltes Ehepaar in New York an Land spuckte, war einer der neuen schnellen Dampfer, die keine zwei Wochen mehr brauchten um den Atlantik zu überqueren.

Margarete Pfänder, geborene Huber, war eine schweigsame schüchterne Frau. Ihre großen blauen Augen hatten immer den erschreckten Ausdruck eines Kindes, das die Mutter aus dem Blickfeld verloren hat. Sie betrat diesen unbekannten Kontinent zögerlich, fest an den Arm von Nikolaus geklammert. Nikolaus Pfänder überragte seine Frau  um Haupteslänge, er hatte einen aufrechten Gang und die Arbeit als Zimmermann hatte seine Muskeln gestählt. Wenn Margarete ihren Mann ansah, hatte sie das Gefühl, er könne die Welt besiegen auch wenn ihm eine Hand auf den Rücken gebunden wäre. Nach der Landung in New York verschlug es die jungen Einwanderer nach Boston, wo sie beide Arbeit fanden. Trotz ihrer schüchternen Art war Margarete der Kopf dieser Ehe, während Nikolaus mit seiner unbändigen Kraft und eisernem Willen die Schwierigkeiten aus dem Weg räumte. Margarete arbeitete als Küchenhilfe bei Jakob Wirth, der ein deutsches Wirtshaus in der Eliotstraße betrieb, wo deutsche Weine und Spezialitäten aus der süddeutschen Heimat angeboten wurden. Jakob Wirth, genannt Jake, war es, der Margarete vorlebte, wie weit man es bringen konnte, wenn man die Sprache des neuen Heimatlandes beherrschte.  Nikolaus und Margarete wollten es schaffen und so sprachen sie auch untereinander nur noch Englisch. Als das erste Kind geboren wurde, änderte Nikolaus den deutschen Nachnamen „Pfänder“  in ein englisches „Pinter“ und das Kind bekam den englischen Vornamen Harold.

Harold war lebhaft und die stille Margarete schien durch dieses Kind wie verwandelt. Sie lachte viel und redete auf das Baby ein, das sie mit ebenso großen blauen Augen wie ihre eigenen ansah. Jetzt verfiel sie auch immer wieder in ihre Muttersprache und so kam es, dass Harold mit dem Klang zweier Sprachen aufwuchs. So sehr Margarete nach ihrer Ankunft in Boston die Assimilation vorangetrieben hatte, so sehr war ihr jetzt daran gelegen, ihrem Kind die eigenen Wurzeln zu vermitteln. Sie war immer noch schüchtern und darauf bedacht, nicht aufzufallen. Ihr Englisch war nahezu akzentfrei, sie war ein natürlicher Teil ihrer neuen Heimat geworden und allmählich fühlte sie sich auch sicher. Harolds offene Art, die Mühelosigkeit, mit der er auf andere Menschen zuging, faszinierten Margarete und sie suchte in seinem Gesicht, in seinen Gesten nach Ähnlichkeiten mit Familienmitgliedern. Harold kannte die abgegriffenen Fotos von fernen Großeltern, Onkeln und Tanten, er konnte jedes Gesicht beim Namen nennen. Seine Spielkameraden hatten leibhaftige Großeltern, die man besuchen konnte und die einem auch mal einen Penny in die Hand drückten. Harolds Familie war neben seinen Eltern eine Familie aus Papier, in schwarz, weiß und grau.

Als Harold viele Jahre später auf der „Olympic“ anheuerte und sich auf die erste Reise nach Europa begab, war die ferne Familie in seiner Vorstellung immer noch schwarz-weiß aber er hatte seinen Eltern versprochen, sobald als möglich die alte Heimat zu besuchen. Eisern sparte er jeden möglichen Dollar seiner  Heuer bis er endlich das Geld für die Reise zum Dorf seiner Eltern zusammen hatte.

Seine Mutter hatte den Geschwistern den Besuch des Sohnes angekündigt. Die Papierfamilie in Deutschland hatte zugesagt, Harold am Bahnhof in Ulm abzuholen. Seit der Abreise von Harolds Eltern waren dreißig Jahre vergangen, die schwarz-weißen Großeltern waren verstorben und aus den ernst dreinblickenden jungen Leuten waren gesetzte Mittfünfziger geworden, die Harold wie ein seltsames unbekanntes Tier bestaunten. Er sprach nur bruchstückhaftes Deutsch als er bei der Verwandtschaft ankam, aber nach ein paar Tagen klappte die Verständigung. Harold besuchte die Gräber der Großeltern und legte im Namen seiner Eltern kleine Kränze nieder, stand mit gefalteten Händen und gesenktem Blick vor den Gräbern und wunderte sich über die bunten Farben der Blumen.

Die Familie reichte Harold herum wie einen Wanderpokal, er besuchte die Geschwister der Mutter und den Bruder des Vaters, lernte die zahlreichen Vettern und Basen kennen und bezahlte am Ende das große Familienfoto, zu dem alle zusammengerufen worden waren. Das sollte eine Überraschung für seine Eltern werden und jetzt war er es, der den schwarz-weißen Figuren auf dem Foto einen Namen geben und die Verwandtschaftsverhältnisse erklären konnte.

Harold blieb zwei Wochen bei der Familie, reiste dann über Paris nach Cherbourg und heuerte wieder auf der „Olympic“ an. Er  beschloss, zukünftig jede Gelegenheit zu nutzen um sein Deutsch weiter zu verbessern. Auf jeder Überfahrt gab es  deutsche Auswanderer oder Heimkehrer, mit denen er als Rezeptionist in Kontakt kam.

 

Was kommt noch?

https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.brand-in-seniorenheim-in-frickenhausen-mit-einem-blauen-auge-davongekommen.33c84e42-d6e2-4445-9583-5230cc387e23.html

 

 

Ungeschick höre auf –

und willst du nicht aufhören so mache wenigstens eine Pause!

(arabisches Sprichwort)

 

Gesten abend der Anruf meiner Schwester: „Im Seniorenheim brennt es!“

Ich bin sofort hingerannt, mit dem Auto fahren machte keinen Sinn, der halbe Ort war abgesperrt….ich war plötzlich mitten in einer Szene wie aus einem Tatort. Sanitäter, Polizisten, Feuerwehrmänner. Die Hilfsbereitschaft der Nachbarn war überwältigend Sie haben ihr Haus geöffnet für die alten Leute, von denen viele wie meine Mum dement sind. Ihr Wohnzimmer wurde Untersuchungszimmer und Aufenthaltsraum,

Sie haben in ihrer Garage Tische aufgestellt für Heimbewohner und Helfer, Kaffee gekocht, Decken und Kleidung verteilt, denn viele Bewohner waren, wie meine Mama, nur mit Schlafkleidung und ohne Schuhe aus dem Haus getragen worden. Unser Pfarrer hat das naheliegende Gemeindehaus als Notunterkunft hergerichtet, sicher waren auch hier viele helfende Hände, aber das habe ich nicht mitbekommen, weil ich dann  ja auf dem Weg ins Krankenhaus war.

Meine Mutter lag im Bett als der Brand im Zimmer eines Bewohners ausbrach, ihr Zimmer liegt direkt daneben. Sie war eine der fünf Personen, die mit Verdacht auf Rauchvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Da sie nicht versteht, was da passiert und wo sie ist, habe ich die Nacht mit ihr in der Notaufnahme verbracht. Darin habe ich ja schon Übung….

Die beiden Wohngemeinschaften aus dem 1. Obergeschoß werden erst in etwa sechs Wochen in ihre Wohnungen zurückkehren können, denn die ganze Etage ist unbewohnbar. Im Zimmer meiner Mutter ist alles kaputt, vom Rauch , vom Ruß und vom Löschwasser.

Am Ende gab es glücklicherweise nur Sachschaden und niemand wurde verletzt. Aber der Schreck sitzt mir noch in den Knochen.Und ich bin voller Dankbarkeit für die vielen Helfer vom DRK, der Feuerwehr und der Polizei und die Anwohner, die spontan geholfen haben.

Für dieses Jahr habe ich genug von Katastrophen. Also bitte: Ungeschick, höre auf!

Augustmond

Mondin blaßgoldene

zieht ihre Bahn kommt

geht

verschwindet  ungerührt

egal ob

Grillen zirpen oder

Schüsse fallen

egal

ob ich liebe

oder nicht

 

 

August 2016

Fundstück – in einer meiner zahlreichen Kladden, denen ich letztes Jahr einen Post gewidmet habe, entdeckt. Womit sich wieder einmal die Nützlichkeit der bunten Hefte beweist.. Ich muss immer eines zur Hand haben, so wie die Flasche Wasser, griffbereit, und einen Stift, am besten einen, der schön schreibt. Einen Bleistift, nicht zu hart, oder einen Tintenroller, ein Kuli, der gut in der Hand liegt und vorzugsweise eine schwarze Mine hat, tut´s auch. Schon zwei Mal war ich in den letzten Monaten bei einem Workshop im  im Hotel „Le Meridian“, und am Ende der Tagung sammelte ich die Kulis im Konferenzraum ein. Sie sind keuchtend türkis, wie Meerwasser, und haben eine weiche schwarze Mine. Ich liebe diese Stifte und meine fast ausnahmslos männlichen Kollegen haben mir ihren gerne überlassen. So kommt zu den vorzugsweise bunten Kladden jetzt der türkise Stift dazu. Früher war ich pflichtgemäß puristisch, das gehörte sich einfach, ein schwarzes Moleskine und ein schwarzer Faber-Castell, mehr nicht. Mittlerweile stehe ich zu meiner Vorliebe für Pink und Türkis, das Leben ist manchmal sehr unbunt, da tut etwas Farbe im Alltag meiner Seele gut.

Putz-und Fegtag

Heute ist mein großer Putz-und Fegtag. Ich räume mein Büro auf, oder besser, ich miste aus. Dringend nötig. In den Untiefen des riesigen Einbauschranks in meinem Büro (es ist der ehemalige Kleiderschrank meiner Eltern, ihr früheres Schlafzimmer ist jetzt mein Büro) habe ich das verschollen geglaubte Sammelbuch der Kindheitserinnerungen meines Sohnes gefunden. Wie es so geht bei dieser Tätigkeit, man kommt nicht wirklich voran, weil man ja alles in die Hand nehmen, alte Fotos anschauen und altes Zeug lesen muss.

In diesem grandiosen Buch sind unter anderem Bonmots von Benedict gesammelt. Hier ein paar Kostproben:

Juli 2002, Benedict auf die Frage was ich ihm vor dem Einschlafen vorlesen soll:

„Eine Nachtgutgeschichte mit ohne Buch!“

10. August 2002 (Benedict ist 3 Jahre alt und wir arbeiten daran, die Windel loszuwerden)

„Jetzt habe ich eine große Kartoffel in meine Windel reinkartoffelt!“

27. Juli 2007 (Benedict ist sechs Jahre alt und komponiert neuerdings eigene Songs mit deutschen Texten)

Benedict´s aktueller Lieblingssongtext:

„Ein Leben ohne Liebe ist unbeschreiblich

noch schlimmer wie ein Leben ohne Polizei!“

 

19. Mai 2008 (Benedict ist knapp 9 Jahre alt)

Benedict ärgert sich, er hat drei Pickel am Kinn.

„Na hoffentlich bekommst du nicht die Masern“, sagt Carmen.

„Nein, ich bin doch geimpft! Und auch gegen Rumpf!“

„Wogegen?!?“

„Gegen Mumpf – oder wie heißt das?“

(Für alle, die eine Erklärung brauchen: er meinte MUMPS)

Einige Wochen später…vorausschicken muss ich , dass ich bei unserem Umbau 2004  im Dachgeschoß eine Toilette mit Urinal einbauen ließ – zwei Männer im Haus, da lohnt sich das 🙂

Bei Benedict Geburtstagsparty gab es einen unbekannten „Stehpinkler“, der zu Carmen´s Ärger die Klobrille nicht wieder runtergeklappt hat und sein Pipi zum Teil auf den Boden gemacht hat. Benedict versucht, den Übeltäter am nächsten Tag zu ermitteln.

„…und dann hab ich ihnen (Anm. seinen Freunden) gesagt, sie hätten das Overal benutzen sollen!“

 

Ich hoffe, ich konnte Euch jetzt ein Lachen ins Gesicht zaubern…oder zumindest ein Lächeln!

 

 

Mögen Sie Pilze?

Pilz, der

Wortart: Substantiv, maskulin

Bedeutungsübersicht

  1. [früher als Pflanze angesehener] blatt- und blütenloser, fleischiger Organismus, der meist aus einem schlauch- bis keulenförmigen Stiel und einem flachen oder kugel- bis kegelförmigen Hut besteht
  2. aus schlauchförmigen Fäden bestehender Organismus ohne Blattgrün, der krankheitserregend sein kann oder in gezüchteter Form zur Herstellung von Antibiotika sowie von bestimmten Nahrungs- und Genussmitteln verwendet wird
  3. (umgangssprachlich) Kurzform für: Hautpilz

(Quelle: Duden)

 

„Zur Zeit ist doch gar keine Pilzsaison“, sagte einer der Gitarristen meiner Band.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, so war das doch, oder?

Ich kann mich nicht einmal mehr erinnern, WANN ich das letzte Mal hier in meiner Wortwabe war, zu lange her. Seit mehr als zwei Monaten habe ich ihn, den Pilz. Er hat sich eingenistet und beschäftigt mich jeden Tag. Er sitzt in meinem linken Auge, hat die Hornhaut durchlöchert und mich wochenlang gequält. Die Augenklinik  in Tübingen ist quasi seit Wochen mein Wohnzimmer. Mittlerweile bin ich in der neunten Woche, allerdings hat es einige Zeit gedauert bis klar war, WAS das ist, da in meinem Auge. Ich wusste bis dato nicht, dass man auch im Auge einen Abstrich machen kann. Nachdem klar war, dass es ein Pilz ist, wurde die Behandlung mit speziellen Augentropfen fortgeführt, die nur in der Apotheke hergestellt werden können. Die gute Nachricht: die fünf Löcher haben sich mittlerweile geschlossen, es gibt keine Vernarbungen, die zu verminderter Sehleistung führen könnten. Die Zeit, die ich auf dem Weg zur Augenklinik (knapp 40 Kilometer einfache Strecke) und dort im Warteraum und bei den vielfältigen Untersuchungen gelassen habe, hat mich allerdings unter Stress gebracht. Denn der Tag hat ja nun mal keine 48 Stunden. Ich musste zwangsläufig alles liegen lassen, was nicht unbedingt nach Erledigung schrie.

Jetzt ist aber Besserung in Sicht. Heute werde ich wieder nach Tübingen fahren, die nächste Ration der Spezial-Wundertropfen abholen. In zwei Wochen ist dann ein weiterer Kontrolltermin. Ein echter Fortschritt, nicht mehr täglich in die Augenklinik zu müssen – die jedoch wirklich ganz großartig ist. Ich bin sehr dankbar, dass ich so nahe an der Universitätsstadt Tübingen mit ihren tollen Kliniken bin.

Noch renne ich meinen Aufgaben hinterher, aber es ist Land in Sicht. So wird auch meine Wortwabe endlich wieder öfter Besuch von mir bekommen. Es ist höchste Zeit wieder zu Schreiben.

Happy Birthday to me

Ich erinnere mich, es gab eine Zeit, da las meine Mama meine Gedichte.

Sie las die Titel und suchte sich dann eines aus, das sie interessierte. Ich bin sicher, sie fand es schön. Vielleicht war sie stolz auf mich, vielleicht war sie auch verwundert, dass es ihr Kind war, das so etwas hervorbrachte. Mag sein, es überraschte sie nicht, denn sie hatte selbst eine natürliche Begabung für den Umgang mit Worten, wie auch mein Vater sie hatte, der wunderbare Reden halten konnte, frei gesprochen, mit viel Empathie. Auf Grund seiner Herkunft, in seiner Generation, als Sohn einfacher Bauern auf dem Land, hatte er keine Chance, etwas aus dieser Begabung zu machen.

Jetzt ist die Zeit gekommen, die ich so gefürchtet habe. Ich wusste, dass der Tag kommen würde, wusste, dass ich mich darauf zu bewege, wie in einem Zug, der fährt ohne anzuhalten, auf sein Ziel zusteuert, ohne eine Chance auszusteigen.

Meine Mama erkennt mich nicht mehr. Auch wenn sie versucht, es zu verbergen, ich weiß, dass sie nicht weiß, wer ich bin.

Vor einigen Tagen hatte ich Geburtstag, und ich hatte keinerlei Bedürfnis, zu feiern oder diesen Tag irgendwie zu zelebrieren, denn sie, die mir das Leben geschenkt hat, weiß nichts mehr von meiner Existenz.

Wie immer, wenn etwas besonders schmerzhaft ist, wende ich mich nach innen, lege den Schmerz ab in diesem geheimen Raum und  verschließe die Tür.

Und ich erinnere mich. Ich erinnere mich an eine Zeit, da las meine Mama meine Gedichte….. .

 

abc Etüden 04/2018

Discokugel

Wahnsinnig

Klauen

für diese Woche kommen die 3 Wörter von Sabine von wortgeflumselkritzelkram (wortgeflumselkritzelkram.wordpress.com), die Grafik ist von Ludwig und die Aufgabe ist, bekanntermaßen, aus diesen 3 Worten in 10 Sätzen eine Geschichte zu bauen. Bei Christiane findet ihr alles, was man über die abc Etüden wissen muss und die links zu den vielen wunderbaren Geschichten der anderen abc-Etüden-Junkies!

https://365tageasatzaday.files.wordpress.com/2018/01/2018_04_2_zweia.jpg?w=482&h=482

Warum hängt man sich so ein Ding in die Wohnung, mit Elektroantrieb, als Glitzerlampe im Dauerbetrieb?

Die Lichtspiegelungen wanderten durch den Raum, wie tastende helle Finger, immer rundherum, schienen mir zu folgen, es machte mich wahnsinnig.

Ein Fingernagel war  mir abgebrochen, was sehr,  sehr ärgerlich war, denn es war der Zeigefinger der rechten Hand und die Nageldesignerin hatte ihn handbemalt mit einer Miniatur-Mona-Lisa.

Nun ja, ein bisschen Schwund ist immer, dachte ich, am Ende muss man alles gegeneinander aufwiegen und suchte in dem diffusen Licht nach der schwarzen Sporttasche.

Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich klauen würde, im Gegenteil, ich fand, das Geld stand mir zu.

Barny und Joe hatten sich nie über den Weg getraut, bis zum Ende nicht, einer gönnte dem anderen die Butter auf dem Brot nicht.

Als der Streit eskalierte war hatte ich mich im Bad eingeschlossen und war erst wieder herausgekommen als es still war,  ganz still.

Joe saß am Boden, die Beine leicht gespreizt, sein Kopf hing herab und die Wand war blutverschmiert, Barny lag neben dem Tisch, eine hässliche Wunde klaffte in seiner Brust und ich versuchte nicht hinzusehen, als ich die Sporttasche unter dem Tisch hervorzog, die Geldbündel herausnahm und in meine Tasche stopfte.

Was konnte ich dafür, wenn diese beiden Alpha-Männchen sich die Köpfe einschlagen mussten – ich hatte nur Schmiere gestanden.

Ich nahm meinen Revolver aus der Tasche, schoss die verdammte Discokugel von der Decke und verließ das Haus.

abc Etüden 03-2018 Supernova

Noch ein Beitrag zur Wortspende von Woche 03-2018, von meinem Sohn Benedict

ABC-Etüden : FrB121102 – ultraviolett – Supernovaüberrest

 

 

Supernova

 

„Boah, der ist ja mal ultraviolett!“ ,rief er mit funkelnden Augen, so dass ich unwillkürlich grinsen musste.

„Gefällt er dir?“ ,fragte ich rhetorisch.

Jaa, der passt super zu mir, damit seh ich aus wie Luke!“, antwortete er strahlend.

„Ich brauch ihn nicht mehr, also kannst du ihn gerne ihm Sternenkrieg einsetzen.“, erwiderte ich.

Nachdem er sich eine Weile stolz im Spiegel betrachtet hatte,  begleitet von abwechselnden Grimassen und pantomimischen Lichtschwertschwüngen, glitten seine Hände in die Seitentaschen des im Licht schimmernden Mantels und er blickte mich verdutzt an.

„Was ist das denn? Da steht FrB121102 und irgendwas zum Essen…“, las er stockend ab, in der Hand eine alte zerknitterte Rechnung, deren Beschriftung stellenweise schon verbleicht war.

„Hm, ich schätze das ist ein Supernovaüberrest.“, sagte ich mit tiefer Stimme und bedeutender Miene.

„Ein Super-was? Wie alt ist das denn?“ fragte er noch eindringlicher.

„Da habe ich deine Mama kennengelernt, sie war damals Bedienung dort.“

Ich fuhr fort: „Das FrB steht für Frau Blum und die Zahlen sind das Datum. Das Essen war köstlich, aber nichts gegen ihr Lachen. Das war von einem anderen Stern. Ein paar Wochen später waren wir schon auf Wolke 7“, erzählte ich ihm und zeigte zur Decke, während er mich mit großen Augen anstarrte.

„Aber wo ist sie jetzt, Papa?“, fragte er mit zitternder Stimme, sein ehrliches kindliches Gesicht fixierte mich voller Verständnislosigkeit.

Es dauerte ein paar Momente, bis ich die richtigen Worte fand, um seiner Frage gerecht zu werden.

Ich räusperte mich und sagte: „Sie ist jetzt in einer anderen Galaxie, Jonas. Nur weil ein Stern verglüht, heißt es nicht dass er nicht an einer anderen Stelle weiter existiert. Weißt du, wenn es dunkel wird, kannst du sie sehen. Sie wacht über uns; beschützt uns vor fiesen Aliens und Meteoriden“.

„Also ist sie gegangen um Superheldin zu werden?“, schoss es aus seinem Mund, dieses Mal schon weniger ernst sondern vielmehr voller Bewunderung.

„Ja, so könnte man das sagen.“, sagte ich erleichtert und lächelte.

abc Etüden Textwoche 03.18 LIEBE

Das Jahr eilt voran, schon sind wir in Woche 3 angekommen…und siehe da, die Etüden feiern ihr Einjähriges! Herzlichen Glückwunsch an uns Etüdenschreiber und vielen Dank an Ludwig, den Erfinder und an Christiane , die Woche für Woche auf ihrem Blog viel Zeit investiert um die abc Etüden am Laufen zu halten!

Dieses Mal kommen nicht nur die Grafiken sondern auch die Wörter von Ludwig, es gilt sich dem zu stellen:

FRB 121102 (FRB = Fast Radio Burst, hier speziell zu FRB 121102 nachlesen)
ultraviolett
Supernovaüberrest.

Diese 3 Wörter sind, so ist die Aufgabenstellung, in einer Geschichte mit nicht mehr als 10 Sätzen unterzubringen.

2018_03_3_lz | 365tageasatzaday

In den Äonen seit des Großen Friedens hatte es einen solchen Fall noch nie gegeben, niemand hatte sich je erhoben gegen die Charta, niemand hatte gegen die Regeln des Einen Volkes verstoßen.

Und jetzt hatte ausgerechnet Kaibu, der begabteste unter den Schülern Z`Aano`s das getan, was das Eine Volk mehr bedrohte, als die ultravioletten Strahlen des Supernovarrests aus der Nachbargalaxie.

`Wie lange sendet er das Signal schon?`, der Gedanke des Vorsitzenden des Großen Rats teilte die Stille.

`Seit zwanzig Sonnen wissen wir davon, aber er sagt uns nicht, wann er damit begonnen hat`,  Z ´Aanos Gedanke hatte eine besorgte Schwingung und so schwang auch der nächste Gedanke, der in das Bewusstsein der Anwesenden floss.

`Das wirklich Beunruhigende ist, dass die Wellen aufgefangen wurden auf einem Planeten mit unterentwickelten, kriegerischen Lebewesen, die sich gegenseitig bekämpfen anstatt sich liebend zu respektieren und die die Mutter Erde, die sie nährt, mehr und mehr zerstören.`

Der Vorsitzende hob seinen Kopf und öffnete die Augen, seine Frage bohrte sich in die Gedanken der ganzen Runde und jeder spürte, dass dies der entscheidende Punkt war.

`Verstehen Sie was er sendet?`

`Nein, sie nennen die Wellen FRB 121102 und glauben, der Ursprung wäre drei Milliarden Lichtjahre entfernt.

Ihre Technik ist unterentwickelt, sie wissen nicht, dass sie uns viel näher sind, als sie glauben, weil wir uns bis jetzt vor ihnen verbergen konnten.`

Der Vorsitzende versank in Schweigen und als er die Augen wieder öffnete sendete er seinem Volk die Antwort auf diese Bedrohung.