abc Etüden. Sie verlassen den amerikanischen Sektor

Gestern abend lief auf 3 Sat der Film „Der Spion, der aus der Kälte kam“ mit Richard Burton. Ich habe nur den Anfang gesehen, weil es schon spät war und ich schlafen wollte. Der Film beginnt mit einer Szene am Checkpoint Charlie in Berlin. Kennt Ihr das – man sieht etwas und wird plötzlich in eine andere Zeit gebeamt, als ob die Erinnerung wie eine Welle über dir zusammenschwappt? So ging es mit heute nacht. Dazu meine Etüde.Die Wörter dieser Schreibwochen sind LIEBLICH, TEILEN, NACHTLICHT. Sie sollen in einer Geschichte mit maximal 300 Wörtern eingebaut werden. Bei Christiane https://365tageasatzaday.wordpress.com/2020/11/01/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-45-46-20-wortspende-von-kain-schreiber/ findet ihr die links zu den anderen großartigen Etüden dieser Schreibeinladung.

abc.etüden 2020 45+46 | 365tageasatzaday

Sie verlassen den amerikanischen Sektor

Sie verlassen den amerikanischen Sektor

Es ist 1978,  ich bin liebliche siebzehn Jahre alt. Mein Leben ist überschaubar. Ich wohne auf dem Land, dort, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Am Vormittag bin ich in der Schule, fahre danach mit dem Bus nach Hause in unser Dorf. Während meine Mutter das Essen kocht, telefoniere ich mit meiner Freundin. Wir teilen alles miteinander. Nach dem Essen telefonieren wir wieder.

Ich habe auch eine Freundin in Westberlin, Kathrin. Sie lädt mich ein, sie in den Herbstferien zu besuchen.

Meine Eltern erlauben es, wir telefonieren, fassen uns kurz, es ist ein Ferngespräch und das ist teuer. Ich fahre mit dem Zug. An der Grenze, meine Mutter nennt sie Zonengrenze, die andere Seite sagt Staatsgrenze, steigen die Zöllner von drüben ein. Im Abteil ist es still, die Beamten kontrollieren meinen Ausweis, mustern mich. Ich versuche, unauffällig und harmlos auszusehen. Wie sieht man unauffällig und harmlos aus? Ich fahre mit der Stadtbahn durch Berlin, es fühlt sich frei an, dabei sind die Menschen hier doch eingesperrt. Kathrins Mutter will mir die letzte Bar mit Tischtelefonen zeigen, vermutlich ein Relikt aus den 50ziger Jahren. Wir gehen an der Garderobe vorbei durch in das Café, über dem Durchgang ist ein grünlich schimmerndes Nachtlicht. Wir setzen uns, auf dem kleinen Tisch vor uns steht ein altmodisches schwarzes Telefon. Plötzlich klingelt es, jemand will mich zum Tanzen auffordern. Ich senke den Altersdurchschnitt im Raum um etwa zwanzig Jahre. Ich weiß nicht mehr, ob ich getanzt habe.

Mit Kathrins Vater besuche ich Checkpoint Charlie, die Ausstellung dort erzählt von den Fluchten aus der DDR. Ich kann die Angst spüren und auch den unbezwingbaren Wunsch nach Freiheit. . Ich lese jede Geschichte und bin völlig erschüttert von dem, was ich sehe. Als wir das Museum verlassen kann ich nicht mehr sprechen, bleibe stundenlang stumm.

https://www.mauermuseum.de/ausstellung/

abc Etüden 45.46 Nur geträumt

Drei Wörter, dieses Mal gestiftet von Kain Schreiber, Die Schreibeinladung findet ihr bei https://365tageasatzaday.wordpress.com/2020/11/01/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-45-46-20-wortspende-von-kain-schreiber/

Die Wörter für diese Etüdenwochen sind

Nachtlicht/ lieblich/teilen

Interressante Kombination, „Nachtlicht“ brachte mir sofort das Bild des Flurs mit den Nachtlichtern über den Türen. Und dann nahm die Geschichte ihren Lauf…..hier meine Etüde:

Die Gänge waren von grünen Nachtlichtern  nur schwach beleuchtet. Zwei Meter Wand, dann eine Tür, über jeder Tür das schwache grüne Licht, auf beiden Seiten des Ganges befanden sich zehn Türen. Ich tastete mich vorwärts, leise, schleichend, immer auf der Hut. Der Teppichboden schluckte jedes Geräusch, dennoch hatte ich das Gefühl einen Höllenlärm zu machen mit meinen Schritten. Mein Blick streifte die Nummern neben den Türen, links von mir gerade, rechts von mir ungerade Zahlen. Hundertzwei, hundertvier, hundertsechs. Endlich erreichte ich das Ende des Ganges und den Lift. Ich drückte auf den Pfeil, der nach unten zeigte und als der Lift endlich kam, schlüpfte ich schnell hinein. „Lobby“ – ich musste dahin, es war nicht zu vermeiden. Der Spiegel im Lift zeigte mir ein groteskes Bild, die Beule auf meiner Stirn färbte sich bereits in lieblichem Rosa.  Der Nachtportier starrte mich an wie ein unbekanntes Insekt. Mir blieb keine Wahl. Ich musste jetzt meine Geschichte mit ihm teilen. Mal sehen, wie er es aufnahm, dass sich eine erwachsene Frau, in ihre Bettdecke eingewickelt, beim Schlafwandeln aus ihrem Zimmer ausgesperrt hat und anschließend gegen ein Fenster gelaufen ist. „Ich, äh, also ich bräuchte dann bitte einen Ersatzschlüssel für mein Zimmer“, war das letzte was ich herausbrachte, dann wurde mir schwarz vor Augen.

abc Etüden KW41/42

Der Countdown läuft – wenn ich lese, dass wir schon auf die 43. Kalenderwoche zusteuern, dann frage ich mich wieder einmal, wo das Jahr geblieben ist.

Mein Beitrag zu dieser Etüdenwoche ist eher ein von der Wortspende inspiriertes Gedankenspiel. Die drei Worte „Landvermesser, undankbar, aussetzen“ wurden gespendet von Werner, dessen blog findet ihr hier https://wkastens.wordpress.com/

Christiane von https://365tageasatzaday.wordpress.com/ hostet die abc-Etüden und vernetzt die EtüdenschreiberInnen.In einer Geschichte mit maximal 300 Worten sollen die Wörter der Wortspende verpackt werden. Wie gesagt, eine Geschichte im klassischen Sinne ist es dieses Mal nicht.

abc.etüden 2020 41+42 | 365tageasatzaday

LEBENSLAND

Wenn mein Leben ein Land ist, dann bin ich der Landvermesser. Was hinter mir liegt, ist bekannt, die Grenzsteine sind klar gesetzt . Was vor mir liegt, ist unbekanntes Land. Ich taste mich vor, Schritt für Schritt, es ist dunkel und der Weg ist unklar. Im Vorangehen kann ich die Strecken messen, ohne Maß, ich messe nur ob etwas mir lang oder kurz erscheint. Das Land hat Berge und Täler, oh ja, und was für welche. Täler so tief, dass ich mich frage, wie ich sie durchschreiten konnte. Immer weiter, ohne Pause, kein aussetzen. Die Höhen sind auch da, sie zu erklimmen war nicht weniger schwer als die Täler zu durchschreiten. Ich will nicht undankbar sein, deshalb achte ich beides, die Höhen und die Tiefen. Genau betrachtet, haben mich die Abgründe, durch die ich mich gequält habe, sogar mehr gelehrt als die Höhenflüge. Misst der Landvermesser die Schönheit einer Landschaft? Nein. Sein Maßstab ist objektiv, es ist Meter und Zentimeter, Kilometer oder Meilen. So will ich das auch sehen können, einfach wahrnehmen, was war und neugierig sein auf das, was kommt. Und wenn ich das Land meines Lebens durchkreuzt habe und am Ende angekommen bin, sagen können: was für ein Trip!

Schreibübung aus Bassum/ Die Schreibgaleere

Wie versprochen hier mein Ergebnis einer Schreibübung, die uns  Jutta Reichelt in der Schreibwerkstatt im Rahmen der Sommerakademie in Bassum gegeben hat:

Schreibe eine Geschichte, die an einem realen Ort spielt, vorzugsweise hier in Bassum oder sogar in der Freudenburg, und lasse eine unheimliche Atmosphäre entstehen. Vielleicht gibt es etwas Bedrohliches, Unheimliches, Unerwartetes – wie immer galt die Devise „alles ist erlaubt“.

Viel Spaß beim Lesen!

Als ich von der A1 abfuhr und auf die Landstraße einbog, die mich zum Seminarhaus bringen sollte, schien alles noch völlig normal. Vor mir fuhren LKWs, rechts von mir lag der Autohof, dessen Werbung ich schon von der Autobahn aus gesehen hatte. Ich fuhr durch Alleen, entlang an rieseigen Feldern und ab und zu standen neben der Straße Bauernhäuser oder kleine Gruppen flacher Wohnhäuser. Wenn ich heute versuche mich zu erinnern, wann ich den letzten LKW überholt habe, gelingt es mir nicht. Ich verstehe auch nicht, warum mir nichts aufgefallen ist. Ich war einfach froh, endlich aufs Gas drücken zu können, weil ich durch einen Stau auf der A1 zwanzig Minuten verloren hatte. Das Navi zeigte noch fünfzehn Minuten Fahrtzeit an, und ich beschloss, die Zeit zu nutzen und noch einen Anruf zu erledigen. Ich wählte die Nummer drei Mal, aber immer wurde der Anruf beendet, bevor eine Verbindung zustande kam. Was für eine Einöde, dachte ich, die haben nicht einmal Empfang hier. Meine Güte, hier wollte ich nicht tot übern Zaun hängen! Ich fuhr wieder durch kleine Weiler und sah mir im Vorbeifahren die Häuser und Vorgärten an. Irgendwann nahm ich wahr, dass ich noch keine Menschen gesehen hatte. Sind die alle bei der Arbeit? fragte ich mich. Es sind doch Ferien, zumindest Kinder sollten unterwegs sein. Aber ich verwarf den Gedanken und schob die Menschenleere der Eigenart der Nordlichter zu, die sich lieber in ihre Häuser verkriechen als mit anderen zu kommunizieren. Drei leidvolle Jahre in Bielefeld haben mich zu einer sehr subjektiven Sicht auf die Menschen nördlich der Mainlinie geführt. Für einen Süddeutschen fängt der Norden schließlich hinter Frankfurt an, Ich grinste vor mich hin und folgte der Stimme aus dem Navigationsgerät. Nur noch fünf Kilometer, gleich hatte ich es geschafft. Als ich endlich  auf den Parkplatz der Freudenburg einbog, war mein Wagen der Einzige. Ich war irritiert, denn ich war ja spät dran. Trotzdem stieg ich aus, schnappte meine Tasche, den Koffer würde ich später holen, und bog auf den Platz am Vorwerk ein. Auch hier war niemand zu sehen. Auf dem Weg ging ein Mann auf und ab, der einen Helm mit Visier trug und ein stinkendes lautes Gerät, mit dem er offenbar Gras aus den Fugen des gepflasterten Wegs entfernte.  Er sah mich mit ausdruckslosem Gesicht an und reagierte nicht auf meinen Gruß. Also so unverständlich war mein „Guten Morgen“ nicht gewesen, fand ich. Es hatte fast hochdeutsch geklungen! Ich ging zum Eingang und setzte meine Maske auf. Als ich das Haus betrat begegnete mir eine Frau mit demselben Helm inklusive Visier und dem gleichen ausdruckslosen Gesicht. Ich spürte, dass hier etwas nicht stimmte, aber bis dieses Gefühl in meinem Bewusstsein angekommen war, stand ich schon vor dem Tresen der Rezeption. Ich hörte noch wie jemand sagte, „willkommen in der Freudenburg!“ dann wurde mir schwarz vor Augen.

Irgendwann kam ich zu mir und fand mich wieder in einem kleinen Raum, der mit Stapeln von Papier aufgefüllt war. Auf einem Tisch standen mehrere Kartons mit Bleistiften, Radierern und Anspitzern. Daneben lag ein Blatt Papier, auf dem nur ein Wort stand:  „SCHREIB!“

Jeden Tag werden das Essen und die Tagesaufgabe durch die Klappe in der Tür geschoben. Abends werden die vollgeschriebenen Seiten abgeholt und kommen am nächsten Morgen mit dem Frühstück und der neuen Tagesaufgabe weder zurück.

Ich gebe zu, noch nie war ich so produktiv wie hier – aber eine Schreibwerkstatt hatte ich mir doch irgendwie anders vorgestellt.

 

Klappe/Bassum die Fünfte

Meine Bassumwoche in der Schreibwerkstatt bei Jutta Reichelt , in der Sommerakademie der VHS Diepholz, ist schon wieder vorbei. Wie immer ist die Zeit, die mir so lang erscheint, wenn ich mich auf den Weg in den Norden mache, verflogen. Coronabedingt war der Aufenthalt in den Gebäuden der Freudenburg nur mit Maske erlaubt, die Essenszeiten waren für die einzelnen Gruppen festgelegt und limitiert. Das Wetter war aber so großartig, dass wir uns nur im Freien aufgehalten haben. Stühle und Tische wurden von der kleinen Terrasse in den Park getragen und dort verteilten wir uns unter den riesigen alten Bäumen im Schatten

Morgens um halb zehn trafen wir uns nach dem Frühstück mit Jutta, die jeden Tag einen kleinen Schreibimpuls für uns vorbereitet hatte, quasi als Aufwärmübung für den Start in den Tag. Einer dieser Schreibimpulse war:

Schreibe eine Geschichte, die an einem realen Ort spielt, vorzugsweise hier in Bassum oder sogar in der Freudenburg, und lasse eine unheimliche Atmosphäre entstehen. Vielleicht gibt es etwas Bedrohliches, Unheimliches, Unerwartetes – wie immer galt die Devise „alles ist erlaubt“.

Diese Geschichte folgt dann noch hier auf dem Blog.

Die Arbeit an meinem Romanprojekt war dieses Mal produktiv wie nie, das war zum Einen dem einzigartigen Kosmos der Freudenburg geschuldet, zum anderen dem Umstand, dass mit klar war, ich muss die ganzen Fragmente, die teilweise schon zusammenhängend waren, teilweise auch nicht, endlich strukturieren. Zu diesem Zweck hatte ich eine Rolle Packpapier eingepackt, viele Meter lang und fünfzig Zentimeter breit. Die perfekte Breite um auf einem Tisch ausgerollt zu werden.

Mehrere Tage habe ich mich in einem der Räume, die wir ohnehin wegen des schönen Wetters nicht genutzt haben, ausgebreitet und an meiner Timeline gearbeitet. 

Die einzelnen Szenen hatte ich zuvor auf  Karteikarten geschrieben und dann auf das Papier übertragen, welche Personen in der Szene auftauchen, wo die Szene stattfindet und kurze Stichworte dazu, was passiert. Die Figur(en), die zum ersten Mal auftauchen, eingeführt werden oder erwähnt werden habe ich mit Farbe hervorgehoben. So hatte ich einen guten Überlick über den Verlauf. Der Erfolg war durchschlagend. Plötzlich waren alle Schleusen offen. Immer wenn ich an einen Punkt kam, wo der  Geschichte der Zusammenhang zwischen zwei Szenen fehlte, habe ich parallel geschrieben und die Szenen so zusammengefügt. Wie ein Puzzle, das am Anfang unüberschaubar aussieht und plötzlich fügt sich eines zum anderen, wenn man die Ecken und Seiten des Puzzles zusammengesetzt hat und Ausschnitte des Ganzen schon erkennen kann. Alles in allem sind es sicher über dreißig Seiten, die jetzt überarbeitet werden können und die Geschichte vorantreiben. Kapitel 1 und 2 sind jedenfalls – endlich – abgeschlossen und mit dem dritten Kapitel habe ich bereits begonnen. Jetzt steht das Aufarbeiten der Teile an, die es aus Kapitel 3 und 4 bereits gibt. Der Schluss des Romans ist ebenfalls schon geschrieben und auch dieser Teil muss noch auf die große Rolle. Es ist Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Dank Jutta Reichelts Gabe, mich jedes Jahr in Bassum mit subtilem Druck in die richtige Richtung zu schieben, bin ich auch dieses Jahr bei der Schreibwerkstatt in Bassum ein großes Stück vorangekommen. Dieses Jahr war ich zum fünften Mal bei Jutta Reichelts Schreibwerkstatt in der Freudenburg und wie immer bin ich völlig glücklich zurück gefahren. Liebe Jutta, vielen Dank!

Etüdensommerpausenintermezzo

7 aus 12 ist die Vorgabe für Sommerpausen-Etüden. Aus folgenden Wörtern

Blaupause
Diätwahn
Herzschmerz
Kantine
Kommentar

Ohrenkneifer
Sahnewölkchen

Stoppelfeld
Strandkorb

Vulkan
Windjammer

Zwischentöne

sind mindestens 7 auszusuchen und in eine Geschichte zu verpacken. Alles weitere und die links zu den anderen großartigen Etüdenschreibern findet ihr bei Christiane ,die die Etüden hegt und pflegt. Ich habe mir die fettgdruckten Wörter ausgesucht und sie in meine Etüde eingebaut, die zudem auch einen – eventuell – realen Ort beschreiben soll. Ich nehme euch mit in unsere Landeshauptstadt, die ich persönlich meistens großräumig umfahre, weil der Verkehr chaotisch ist und ich ein Landkind. Zu viele Menschen. Aber ich kenne die Stadt gut, habe dort gewohnt und viele Jahre mittendrin gearbeitet.

Shop till you drop

Ich drehte mich vor dem Spiegel und fand, ich sah aus wie ein Sahnewölkchen. Naja, um ehrlich zu sein, eher wie eine ausgewachsene Sahne-Cumuluswolke. In diesem Moment wünschte ich mir inständig, ich wäre eine dieser Frauen, die regelmäßig ihrem Diätwahn erliegen und in der Kantine, anstatt sich Bratkartoffeln mit Speck  reinzuschaufeln, mit meditativer Langsamkeit ihr mitgebrachtes Tupperdöschen öffnen und ebenso meditativ die kleingeschnittenen Karotten- Sellerie- oder was auch immer Stäbchen kauen. Mein zweiter Vorname ist NICHT Disziplin, ich bin  eher die Vorsitzende des Geniesservereins, und zwar weltweit und auf jeden Fall die erste Vorsitzende. Die Verkäuferin riss mich aus meinen Tagträumen,

„Sollen wir mal einen Schleier probieren?“

Ich starrte sie an wie ein unbekanntes Insekt, drehte mich wortlos um, ging in die Kabine und schälte mich aus der mehrlagigen Kumuluswolke, stieg in meine ausgeleierte Jeans und zog mir das Sweatshirt über den Kopf. Als ich endlich wieder draußen auf der Königstraße stand, fragte ich mich, was mich eigentlich geritten hatte. Der Tag hatte doch ganz harmlos angefangen. Eigentlich bin ich die klassische Internet-Shopperin und verlasse höchst ungern mein Zuhause um einzukaufen. Aber irgendwie fühlte ich mich nach wochenlangem Lockdown fast schon VERPFLICHTET, auch einmal zum Einkaufen in die Stadt zu fahren und fuhr nach Stuttgart. Ich parkte mein Auto in alter Gewohnheit im Parkhaus Züblin und schlug den Weg über die Breuninger-Passage zum Marktplatz und dann zielgerichtet zur Markthalle ein. Diese Geruchsexplosion! Ich schlenderte durch die Gänge und war wie betäubt von dem riesigen Angebot. So gerne hätte ich meine Nase ohne Maske in die Luft gehalten, aber das war ja leider nicht möglich. Im Geiste notierte ich was ich auf dem Rückweg alles einkaufen wollte und trat nach draußen auf den Schillerplatz. Da war er wieder, mein Herzschmerz. Ich hätte es besser wissen müssen. Hier war unser erstes Rendezvous gewesen, am Schillerdenkmal hatten wir uns verabredet. Die Erinnerung war wie ein Vulkan, der ununterbrochen Magma ausstößt und immer wieder Brandwunden verursacht. Ich schlug einen Haken Richtung Stiftskirche und landete am Ende auf der Königstraße.  Ich war doch zum Shoppen hergekommen, aber jetzt wusste ich gar nicht mehr, was ich eigentlich hier wollte. Ich ging ziellos durch die Geschäfte und das Einzige, was ich einkaufte, war eine Butterbretzel am Bretzelhäusle. Ich stopfte mir beim Gehen die Bretzel in den Mund und wischte meine fettigen Finger an der Serviette ab. Mittlerweile hatte ich den Königsbau erreicht und überlegte, ob es nicht besser wäre auf Kultur zu machen und über den Schloßplatz in Richtung Staatsgalerie abzubiegen. Da sah ich es im ersten Stock des Eckhauses im Schaufenster. Mein Traumkleid. Genau das Brautkleid, das ich bei der Hochzeit getragen hätte, die nun nicht stattfinden würde. Oder um genau zu sein, die Hochzeit, die nicht mit mir stattfinden würde. Nicht ich lag jetzt im Strandkorb neben Mike sondern Linda, die fleischgewordene Blaupause von Barbie. Die mitleidigen Kommentare, mit denen ich nach der geplatzten Verlobung überschüttet wurde, waren unerträglich. Aber dann kam der Lockdown und ich konnte mich, ohne Ausreden erfinden zu müssen, zuhause vergraben und von allem abschotten. Ich kultivierte meine Coronapfunde und ergab mich der Schokisucht. Ich hätte überall hin fahren können, aber nicht nach Benztown. Jetzt sah ich an jeder Ecke irgendetwas, was mich an Mike und unsere gemeinsame Zeit erinnerte. Und dann das Kleid, ein Traum aus ungezählten Lagen Tüll und einer trägerlosen glitzernden Korsage. Ich hatte den Laden wie in Trance betreten und behauptet, ich sei eine Braut auf Brautkleidsuche und darauf bestanden, genau dieses Kleid aus dem Schaufenster anzuprobieren. Und wenn man es genau nimmt, ist doch die Reihenfolge auch völlig egal. Wer sagt denn, dass erst der Mann da sein muss bevor man das Brautkleid aussucht? Warum kann man es nicht andersherum machen? Während die Verkäuferin mir die gefühlten hundert Lagen Tüll über den Kopf zog, entwickelte ich die Theorie, dass das Brautkleid so eine Art „self fulfilling prophecy“ sein könnte. Ich war plötzlich überzeugt davon, das Kleid sei in der Lage, den idealen Mann für mich anzuziehen. Voller Enthusiasmus trat ich aus der Kabine, ging zum Spiegel und erstarrte. Wenn dieses Kleid mir den passenden Mann anziehen würde, dann wäre er vermutlich Schaumschläger.

Schlossplatz Stuttgart mit dem Neuen Schloss, Foto von Wolgang Vogt auf pixabay

Wir könnten das Pferd mit Stroh abreiben. Aber wir haben kein Stroh.

Meine Wortwabe ist grade 8 Jahre alt geworden, am 04. Juni 2012 hat sie das Licht der virtuellen Welt erblickt. ich lasse die Korken knallen, inden ich nach Wochen mit wenig Muse eine kleine „Geschichte aus der wortwabe“ einstelle. Eine sehr persönliche Geschichte, die mit der Überschirft zu tun hat.

Wir könnten das Pferd mit Stroh abreiben. Aber wir haben kein Stroh.

Was für ein kryptischer Satz – völlig ohne Sinn und Verstand.

Für mich öffnet dieser Satz ein ganzes Universum. Eine Tür in meine Kindheit, meine Jugendzeit. Ein Vorhang hebt sich – wie damals bei der Augsburger Puppenkiste – und der Film beginnt.

„Wir könnten das Pferd mit Stroh abreiben. Aber wir haben kein Stroh.“

Ein geflügeltes Wort, eine Art Geheimcode zwischen meiner Mutter und mir, der immer dann angebracht war, wenn etwas fehlte. Über Pfingsten hatte ich eine meiner liebsten Freundinnen zu Besuch. Gaby ist eine Reisetante, aber in Zeiten von Corona war das Reisen gestrichen. Ich sagte, dann komm doch ein paar Tage zu mir, jetzt kann man ja wieder Zug fahren. Das Wetter wird super und in meinem Garten ist es auch wie im Urlaub!

Ich hatte Lillet besorgt, das hatte ich schon einmal getrunken und fand, es schmeckt lecker. Ich wusste, dass man es mit Weißwein mischt, mehr aber auch nicht. Also besorgte ich auch eine Flasche Weißwein. Frau Google erklärte uns dann, dass man auch noch Tonicwater dazu geben muss. Das gab es zwar nicht in meinem Vorrat, aber Sprudelwasser und ein Spritzer Zitronensaft waren der Ersatz dafür. Die Mischung schmeckte uns und nach dem zweiten Schluck meinte meine Freundin:

„Eiswürfel wären noch gut“

Spontan und ohne Nachzudenken antwortete ich ihr:

„Wir könnten  das Pferd mit Stroh abreiben, aber wir haben kein Stroh.“

Sie sah mich fragend an und ich merkte, wie ich plötzlich Jahrzehnte zurückgeworfen wurde und sah mich neben meiner Mum, lachend in der Küche unseres alten Hauses.

„Was hast du gesagt?“  fragte Gaby.

„Wir könnten das Pferd mit Stroh abreiben, aber wir haben kein Stroh“,  wiederholte ich.

Und ich erzählte ihr den Hintergrund.

Von all den Dingen, die meine Mutter mir für mein Leben mitgegeben hat, ist die Liebe zu Büchern, zum Lesen, zur  Sprache, sicher das, was mich am meisten geprägt hat. Lesen war etwas Alltägliches, nichts Besonderes. Ich las viel, bekam Bücher geschenkt oder lieh mir welche in der Bücherei, aber immer wieder griff ich auch in das Regal meiner Mutter. Sie hatte ein Lieblingsbuch, das sie selbst immer wieder las und ich habe es auch sicher über zehnmal gelesen und kenne heute noch Passagen auswendig. Es ist nichts Spektakuläres, eine kleine romantische Geschichte, aus dem Englischen übersetzt, aus den frühen fünfziger Jahren. Ein Buch, das man im Sommer in die Hängematte mitnehmen und in einem Rutsch durchlesen kann. Ich liebe dieses Buch, weil ich, wenn ich die erste Seite aufschlage, sofort hineinfalle und bis zur letzten Seite nicht mehr auftauche. Doch was hat es mit diesem Satz auf sich? Die Protagonistin Gabriele, eine junge Engländerin, verschlägt es nach Sorrent. Dort fährt sie einmal mit einem Pferdekutscher nach Hause, Das Gefährt wird von einem dürren Gaul gezogen, der mit dem steilen Anstieg große Mühe hat. Der Kutscher schlägt mit der Peitsche erbarmungslos auf das Tier ein, um es anzutreiben, was die Protagonistin dazu bringt, abzuspringen und auf den Grobian einzudreschen. Am Ende kauft sie ihm das arme Tier ab und zieht es hinter sich her zu ihrem Haus. Der alte Gärtner schüttelt nur mit dem Kopf und brummt etwas von „piena di pidocchi“, Läuse. Daraufhin beschließt Gabriele den Gaul mit Seifenflocken und Wasser abzuwaschen.  Als das Pferd klatschnass im Garten steht kommt die alte Haushälterin dazu und schlägt bei dem Anblick die Hände über dem Kopf zusammen.

„Ma! Cara mia! Das arme Tier! Es ist bereits ganz nass. Wie wollen Sie es denn wieder trocken kriegen?“

Gabriele hatte keine Ahnung. „An der Sonne vielleicht?“ schlug sie vor. Aber Angelina schüttelte den Kopf.

„Wir könnten es mit Stroh abreiben“, sagte sie, „aber wir haben kein Stroh.“

Meine Mutter und ich liebten diese Szene und der Satz wurde zu einem geflügelten Wort, aber nur für uns.  Wir sahen uns dann an, grinsten und wussten Bescheid.

Ich hatte das Buch und den Satz völlig vergessen, denn seit meine Mutter krank und im Heim ist, gibt es niemanden mehr, mit dem ich das teilen könnte. Und doch ist der Satz und die Geschichte dazu noch immer so in mir verankert, dass ich ihn spontan und ohne Nachzudenken gesagt habe.

Der Satz mag seltsam erscheinen, für mich ist er einer der Trigger, die mich sofort mit meiner Mum verbinden. Das war mir bis zu diesem Moment gar nicht klar. Jetzt habe ich das Buch wieder hervorgeholt und werde es mal ins Heim mitnehmen und meiner Mutter daraus vorlesen. Vielleicht erkennt sie die Worte? Nachdem wir sie mehr als zwei Monate wegen Corona gar nicht sehen durften und jetzt immer noch nicht spontan ins Heim dürfen, sondern nur auf Anmeldung, sie nicht berühren, in den Arm nehmen dürfen, ist es vielleicht ein Weg, zu ihr durchzudringen.

Nicht ohne mein Zitroneneishörnchen

Ich komme nach einem harten Arbeitstag nach Hause und das Erste, was ich sehe, ist das Erbrochene meines Katers. Stiefel findet irgendetwas zum Kotzen, ich auch, jede Menge. Stiefel, wir sind Schwestern im Geiste. Immerhin hatte er Anstand genug sich auf den Fliesen im Keller zu übergeben und nicht auf den teuren Eichendielen. Ich gehe nach oben, ziehe zwei pinke Gummihandschuhe aus der Hunderterpackung und putze das Zeug weg. Anschließend kippe ich vorsichtshalber noch Domestos drüber, hier riecht es wie im Hallenbad. Ich erkläre Stiefel, dass er sich den Magen verdorben hat und deshalb fasten muss. Er sieht mich fragend an und ich entscheide. Ober sticht Unter, so ist das nun einmal im Leben, Ich entsorge das Erbrochene samt Plastikhandschuhen im Müll und wasche mir die Hände. Dann prüfe ich die Eierbestände und meine Ahnung bewahrheitet sich, das reicht nicht für den Geburtstagskuchen, den ich für meinen Sohn backen will. Also wieder rein in die Jacke, raus in den Dauerregen und zum Supermarkt. Das zweite Paar Handschuhe kommt zum Einsatz. Ich bin schon dabei, den obligatorischen Einkaufswagen rauszuziehen, da fällt mir auf, dass ich die Maske im Auto vergessen habe. Also wieder zurück, Maske auf und nochmal von vorne. Ich entwickle eine neue Verschwörungstheorie: die Atemschutzmasken sind mit einem Stoff getränkt. der aggressiv macht.  Je länger ich das Ding aufhabe, desto schlimmer wird es. Als ich endlich mein Auto erreicht habe, reiße ich mir die Maske vom Gesicht und schmeiße sie zu den anderen auf den Beifahrersitz  Mein Auto ist die kleinste fahrbare Müllhalde der Welt, ich stelle mir vor, wie ich in ein paar Wochen zwischen Bergen von Masken und gebrauchten Handschuhen sitze, ein Mosaik aus pink und weiß und türkis. Zuhause angekommen empfängt mich ein Kater, der mit den von mir verordneten medizinischen Maßnahmen in keinster Weise einverstanden ist. Ich lade den Einkauf ab und wasche mir das gefühlt hundertste Mal heute die Hände. Jetzt hilft nur noch süß und weich. Völlig erschöpft sacke ich auf der Couch zusammen und beiße in mein Zitroneneishörnchen.

Aus-Zeit

Ich hatte erwartet, dass ich während der Corona-Auszeit mehr Zeit zum Schreiben haben würde. Wie sich nach mittlerweile sieben Wochen Einschränkungen herausgestellt hat, trifft das nicht zu. Im Gegenteil. Ich arbeite mehr als vor Corona, nur ohne irgendwelche  Ergebnisse. Der existenzielle Druck für mich als Selbständige hat dazu geführt, dass ich wie getrieben gefühlt 24/7 am Arbeiten bin. Jetzt mache ich Videokonferenzen, anfangs war es seltsam, mittlerweile habe ich mich auch daran gewöhnt. Ich fühle mich wie in einer Blase, das Haus zu verlassen erweckt in mir schon Widerstände. Ich schwanke zwischen Resignation und Wut, wobei sich die Wut mal hierhin mal dorthin richtet, einen konkreten Adressaten gibt es ja nicht, das Virus hat nunmal keine Adresse. Manche meiner Freunde hängen Verschwörungstheorien an und schütten mich mit irgendwelchen Youtube-Vidos zu, die ich ungesehen lösche. Ich entziehe mich weitestgehend den Mitteilungen der Presse und weiß nicht mehr, wem ich glauben soll. Wenn ich einkaufen gehen muss, habe ich das Gefühl, ich ersticke unter der Maske. Ich weiche genervt alle paar Meter irgendjemandem aus, fahre mit meinem Einkaufswagen zick-zack durch die Gänge des Supermarkts und kaufe viel zu viel, nur um zu verhindern, dass ich demnächst wieder einkaufen gehen muss. Eine meiner jungen Bekannten geht jetzt immer demonstrieren, jeden Mittwochnachmittag, vielleicht hilft das ja gegen die Wut, aber dazu müsste ich das Haus verlassen und das will ich nicht. Meine Mutter habe ich gestern nach neun Wochen wieder gesehen, zwischen uns einen Tisch, die Maske auf der Nase und das, was so nötig gewesen wäre, eine Umarmung, war nicht erlaubt. Es ist so lächerlich, denn die ganzen Pflegekräfte gehen ja auch jeden Tag wieder raus aus dem Heim, gehen einkaufen, zu ihren Familien nach Hause und dürfen meiner Mum näher kommen als ich. Aber ich nehme auch das hin, bin wieder so unsagbar wütend und streite mich mit meiner Schwester weil ich alles so sinnlos finde. Ich überlege, mich von meiner Familie loszusagen und völlig in die innere und äußere Isolation zu gehen. Der Unterschied wäre vermutlich marginal.Wenn ich es nicht mehr aushalte, so wie gestern nach dem Besuch im Pflegeheim, gehe ich laufen. Wenn mir jemand begegnet, wechsle ich die Straßenseite und grüße demonstrativ nicht. Ich bin dabei, mich zu einem echten Kotzbrocken zu entwickeln, es gibt nicht mehr viele Menschen, deren Gegenwart mich nicht anstrengt oder nervt. Ist das das Ergebnis der Entwöhnung von sozialen Kontakten? Sowas wie Entzugserscheinungen? Das ist die einzige Erklärung, die ich für meinen Zustand habe. Es ist sehr anstrengend, die Leichtigkeit meines früheren Seins jeden Tag wiederherzustellen, immer wieder gelingt es mir einfach nicht. Gestern war ein Freundin bei mir, die ich kenne seit der fünften Klasse. Wir sind uns so nahe, mit ihr ist alles einfach und diese paar Stunden waren wunderbar. Es war eine Art von Normalität, die hier bei mir zuhause möglich ist, aber nicht mehr sobald ich das Haus verlasse . Ich halte mich an alle Regeln, ich bin ja generell linientreuer als ein Volkspolizist, ich parke nicht einmal falsch. Aber es wird von Woche zu Woche anstrengender und manchmal erkenne ich mich selbst nicht wieder. Im Kopf schreibe ich meine Texte, die es dann aber nie auf das Papier schaffen, oder ich spreche mir selbst Nachrichten auf das Diktiergerät im Handy. Das hier ist der erste Post seit Wochen, weil es heute so schlimm ist, dass ich mir diese Auszeit gönnen musste.

Ich weiß ja nicht, wie es Euch da draußen so geht, ob ich die Einzige bin, die so eine Erfahrung mit sich selber macht. Dieser kleine Post hat mir jedenfalls gut getan, ich habe kapiert, dass ich was ändern muss, Existenzangst hin oder her. Wenn ich so weitermache, hilft das niemandem . Es ist völlig klar, ich muss mir wieder meine Auszeiten nehmen. Mal sehen, wie ich diesen Vorsatz umsetze.

abcEtüden10.11/20 Fieber

Noch eine Etüde – ich scheine ja richtig in Fahrt zu kommen bei all den Verschwörungstheorien…..grinse beim Schreiben fröhlich vor mich hin…

Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern. Die Begriffe sind Sonnenuntergang, warm, fliegen. Alles weitere und die links zu den anderen EtüdenschreiberInnen findet ihr bei Christiane

 

abc.etüden 2020 10+11 | 365tageasatzaday

 

FIEBER

`Nach Sonnenuntergang an der Bank hinter dem Hans–im-Glück-Brunnen`

Was sollte diese kryptische Nachricht? Ich starrte auf mein Smartphone und runzelte die Stirn.

Lisa, oder Lakshmi, wie Lisa sich jetzt nannte, hatte in der letzten Zeit immer wieder irritierende Verhaltensweisen an den Tag gelegt. Sie konnte angeblich körperlos durch Zeit und Raum fliegen. Kaum hatte ich den Gedanken zu Ende gedacht, kam die nächste Nachricht.

`Zu Niemand ein Wort!`

Oh je, jetzt litt sie wohl auch noch an Verfolgungswahn.

Doch meine Neugierde siegte, wie immer.
Als ich am Hans-im-Glück-Brunnen eintraf, konnte ich Lisa nirgends entdecken. Da hörte ich ein leises „Pst!Pst!“ und sah mich suchend um. Ich entdeckte sie halb versteckt im Gebüsch. Sie winkte mich hektisch zu sich und sah sich nervös nach allen Seiten um.

„Ist dir jemand gefolgt?“ fragte sie mich flüsternd.

„Nein“, antwortete ich absichtlich laut. „Wer sollte mir –„ sie schnitt mir mit einer Handbewegung das Wort ab.

„So sei doch still!“, flüsterte sie.

„Was ist eigentlich los?“ flüsterte ich jetzt auch.

„Man will uns ausrotten!“ Sie sprach so leise, dass ich mir nicht sicher war, ob ich richtig gehört hatte.

„Ausrotten?“  fragte ich nach.

„Drehst du jetzt völlig durch?“

Sie spähte durch die Sträucher.

„Die Chinesen! Sie wollen die Weltherrschaft!“

Mir wurde warm und ich bekam ein bisschen Angst. Nicht wegen der Chinesen sondern wegen meiner Freundin Lisa.

„Das Virus,“ flüsterte sie, „ist aus einem Labor in Wuhan. Und sie haben den Impfstoff. Dort stirbt niemand mehr! Aber in allen anderen Ländern.“

„Woher hast du denn diese Verschwörungstheorie“, ich grinste.

„Ich war dort!“ Sie wurde lauter. „Man ist hinter mir her –“

Lisa sackte langsam zusammen.

Danach fehlt mir die Erinnerung. Ich weiß nicht, wo ich bin. Durch die Luke in der Tür schaut ab und zu ein asiatisch aussehendes Gesicht. Ein Chinese?

abcEtüden10/11.20 Beam me up, Scotty!

Wegen Karneval und anderer Vorkommnisse habe ich eine Etüdenwoche versäumt – aber jetzt bin ich wieder am Start! Die abc Etüden, ein Schreibimpuls, werden gehostet von Christiane  Auf ihrem Blog könnt ihr alles nachlesen und findet die links zu den anderen EtüdenschreiberInnen. Drei Wörter sollen in eine Geschichte mit maximal 300 Worten eingebunden werden. Dieses Mal wurden die Wörter gestiftet:von Corlys Lesewelt

Sonnenuntergang

Warm

Fliegen

 

Ich fand die Wörter inspirierend, vor allem unter dem Aspekt, wie Christiane auch schreibt, den vordergründigen Schein von Romantik und heiler Welt umzudrehen. Hier also meine Etüde:

Beam me up, Scotty!

Was für ein Sonnenuntergang! Wenigstens ist die Aussicht hier schön –  ich habe sozusagen Glück im Unglück gehabt. Es hätte mich auch in eine Stadtunterkunft verschlagen können, da bin ich doch lieber hier auf dem Land. Eigentlich wollte ich ja auf meine Lieblingsinsel fliegen. Jetzt sitze ich hier fest, habe es zwar warm und gemütlich – aber der Schein trügt. Essen kommt durch die Klappe, wer es hindurchschiebt, weiß ich nicht. Noch nie habe ich ein Gesicht gesehen. Gestern wurden Internet und Fernsehen abgeschaltet, angeblich sei das eine Vorsichtsmaßnahme, um emotionale Aufregungen zu verhindern. Das stand zumindest auf dem Merkblatt, das mir mit dem Essen zugestellt wurde. Ich glaube kein Wort. Niemand will, dass wir erfahren, was wirklich läuft. In China sei das Virus besiegt, habe ich gelesen, nicht aber im Rest der Welt – wollen uns die Chinesen ausrotten? Das letzte, was ich in den Nachrichten gesehen habe, war die Meldung von einem Milliardendeal zwischen der Pharmafirma, die einen Impfstoff entwickelt hat und der deutschen Regierung.  Die Hysterie, die seit Wochen verbreitet wird, ist der wahre Virus. Selektive Berichterstattung, die Absage sämtlicher öffentlicher Veranstaltungen – und dazu die willkürliche Isolation aller, die nur mal öffentlich geniest haben. So wie ich, im Taxi, auf dem Weg zum Flughafen. Der Taxifahrer saß, gesichert durch eine Glasscheibe, vor mir, aber er hat mich die ganze Zeit beobachtet und als er mich niesen sah, ist er nicht zum Flughafen sondern zu einem Sammellager gefahren. Ich wurde sofort in eine Isolierstation auf dem Land gebracht. Seit Tagen warte ich auf die Untersuchung, aber ich habe das Gefühl, es sind so viele „Verdachtsfälle“, dass die Gesundheitsämter gar nicht mehr hinterherkommen mit Blutprobenanalysen oder was auch immer. Immer wieder höre ich Zimmernachbarn randalieren – der Lagerkoller breitet sich aus. Jetzt wäre ich gerne Captain Kirk – drehe ich auch schon durch?

 

300 Wörter

abcEtüden 06.07.20

Lichtblick des trüben Wochenbeginns: drei neue Wörter, die mich zur Pflicht rufen. Anstatt nur träge rumzusitzen kann ich ja beim Sitzen noch was denken. Und es aufschreiben. Hat geklappt.

Für alle, die noch nicht wissen, worum es geht: es gilt die 3 Wörter, die diese Woche Alice gespendet hat,  in einen Text mit maximal 300 Wörtern zu verpacken. Die Wörter sind: Grippe / gebleicht / knuddeln. Alles, was es sonst noch zu wissen gibt, bitte nachlesen bei Christiane,die sich freundlicherweise um die abcEtüden kümmert und sie mit viel Liebe hegt und pflegt!

Hier meine Etüde: Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett

https://365tageasatzaday.files.wordpress.com/2020/01/2020_0607_1_300.jpg

Hatte er die Grippe?

Marion starrte auf die gebleichten Knochen.

Doktor Schreiber verdrehte die Augen.

Was weiß ich, gestorben ist er jedenfalls an seinem zertrümmerten Schädel, soviel steht fest.

Ich meine ja nur, die hatten doch sicher auch tödliche Viren, damals. Und so ganz ohne Schutzimpfung –

Marion ließ den Satz offen. Sie hatte sich vorgenommen, bei ihrem Praktikum in der Pathologie mit ihrer Intelligenz und ihrem Wissen aus gefühlten zehntausend Krimifilmen zu punkten.

Liebes Kind,

Doktor Schreiber setzte zu einem längeren Monolog an,

Sie sollten sich nicht so sehr an amerikanischen Krimiserien sondern an den vorliegenden Tatsachen orientieren. Dieser Mann lag etwa dreißig Jahre in irgendeinem unzugänglichen Teil des Schwarzwalds, bis man seine Knochen aus Zufall ausgegraben hat. Als ihm jemand mit einem Beil den Schädel gespalten hat, waren Sie noch nicht einmal gezeugt.

Ach so, ich dachte, der Mann ist irgendwie prähistorisch oder so…

Doktor Schreiber versuchte, Marion zu ignorieren, aber das gestaltete sich schwierig, da sie ununterbrochen vor sich hin sprach.

Das war sicher eine Beziehungstat, ein eifersüchtiger Ehemann oder irgendetwas in der Art. So eine Axt oder ein Beil, das kann ja eine Frau gar nicht, und überhaupt, haben Sie schon den Einschlagwinkel der Tatwaffe gemessen? Sollen wir die Tat simulieren?

Sie sah Herrn Schreiber hoffnungsvoll an.

Doktor Schreiber stellte sich vor, wie er Marions Schädel mit einem Beil in zwei Teile spaltete. Er schüttelte den Kopf und sah auf die Uhr über der Tür. Wenn er gewusst hätte, dass die Tochter des Dezernatsleiters so eine Nervensäge war, hätte er dem Schnupperpraktikum niemals zugestimmt.

Ich frage mich liebes Fräulein, Doktor Schreiber unterbrach ihren Redefluss, was sie dazu bewogen hat, sich ausgerechnet für die Pathologie zu interessieren?

Och, Marion sah auf ihre Hände, die in blauen Plastikhandschuhen steckten.

Die Pathologinnen haben doch immer einen Kommissar zum Knuddeln…

299 Wörter

 

 

abc Etüden 04.05.20 Transformation

abc.etüden 2020 04+05 | 365tageasatzaday

Auf ein Neues! Wieder drei wunderbare inspirierende Wörter für die neue challenge, dieses Mal von onlybatscanhang. 

Die Wörter für die neue Woche sind

Papiertiger
belanglos
plätschern.

Diese Wörter müssen in eine Geschichte verpackt werden, die nicht mehr als 300 Wörter hat.

Die Schreibeinladung und alles, was ihr dazu wissen müsst, findet ihr auf dem blog von Christiane

Hier meine Etüde:

Wenn die Zeit so dahin plätschert, quasi b e l a n g l o s, dann bin ich ruhig. Nichts ist wichtig, da ist kein Termin, der meinen Tag in Teile schneidet, keine Aufgabe, die erledigt werden will, nichts, das mich ablenkt von mir. Die Wahrheit ist, das sind die echten Geschenke. Diamonds are a girls best friends? Nicht für mich, nein, nicht für mich. Wenn ein Tag vor mir liegt wie ein weites Feld, ein Weg, der reicht bis zum Horizont, dann fühle ich mich reich. Dann tauche ich ein in meine Innenwelt, steige hinab in Räume, die nur ich kenne. Ich angle Buchstaben, fische nach Erinnerungen und forme daraus Geschichten. Manche bleiben in meinem Kopf, manche reiche ich weiter an den Herrn Papiertiger und erlaube ihm, sie aufzuschreiben. In den letzten Jahren habe ich meinen ewigen Mitbewohner, den inneren Kritiker, mehr und mehr aus diesen geheimen Räumen herausgedrängt. Er war sich seiner Sache jahrzehntelang so sicher, der Gute, und dann kam meine Transformation. Zimmer für Zimmer habe ich ihm abgenommen und jetzt haust er wie Harry Potter in einer Kammer unter der Treppe und ich hoffe, es ist ihm so ungemütlich, dass er irgendwann aufgibt. Was für ein Kampf! Es waren harte Zeiten, aber es hat sich gelohnt. Ab und zu streckt er seinen Kopf aus der kleinen Tür unter der Treppe und mault herum. Will meine Geschichten madig machen. Letztens hat ihn der Papiertiger in die Hand gebissen, seither ist Ruhe. Ich hab gerufen „Verschwinde! Ich brauch dich nicht mehr!“ und er hat beleidigt die Tür zugezogen. Jetzt leckt er vermutlich seine Wunden und bereitet seinen nächsten Anschlag vor. Ich bin realistisch, ganz werde ich ihn sicher nicht mehr los. Aber ich kann ihn jetzt in Schach halten. Und das fühlt sich richtig gut an.

299 Wörter

Skiurlaub

Inspiriert von Andrea  von hummelweb und ihrer abc-Etüde habe ich mal in meinen Erinnerungen gefischt und den Winter herausgezogen, als ich Skifahren gelernt habe. Unvergesslich und so präsent, immer noch. Es ist schon was dran, man sollte die Erinnerungen zu Papier bringen, solange sie noch da sind. Hier meine Geschichte.

Den ersten Skiurlaub meines Lebens verdanke ich meiner schlechten Konstitution als kleines Kind. Ich erinnere mich gut an diese Tage im Bett in meinem Kinderzimmer. In meiner Erinnerung bin ich wochenlang im Bett gelegen .Nach Röteln kam der Keuchhusten – mein Bett wurde an die Balkontür geschoben, sodass ich das Vogelhaus auf dem Balkon sehen konnte. Nachts konnte ich nicht schlafen und hörte im Küchenradio meiner Mutter, das man mir neben das Bett gestellt hatte, im Südfunk die Sendung „Musik bis zum frühen Morgen“, die ging bis fünf Uhr. Danach schlief ich meistens ein.  Meine Großeltern hatten ein Gasthaus, ein richtiger Familienbetrieb, im selben Ort. Meine Mutter und meine Tante arbeiteten dort mit. So kam es, dass ich immer wieder alleine war tagsüber. Ich fand das gar nicht so schlimm, ich konnte mich gut beschäftigen. Auch heute noch bin ich gerne alleine für mich und ich brauche das auch. So gern ich in Gesellschaft bin, so sehr brauche ich dann den Rückzug. Die Hightlights dieser Wochen im Krankenstand waren die Besuche meiner Oma Rosa, die mit dem Bus angefahren kam, sich neben mein Bett setzte und mit mir Halma spielte. Ich weiß nicht, ob ich ihr das jemals gesagt habe, WIE besonders diese Nachmittage waren, was für eine Freude sie mir damit gemacht hat. Der Husten war mörderisch, ich erinnere mich, dass ich einmal in der Küche den eben getrunkenen Tee in großen Fontänen auf den Boden gehustet habe. Ich behielt nichts bei mir und unser alter Hausarzt sagte zu  meiner Mutter „Das Kind braucht Luftveränderung“. So kam es, dass mein Vater uns ins Montafon fuhr, nach Schruns. Dort hatten meine Großeltern Freunde, Luzie und Gustl. Diese Freundschaft geht zurück auf meinen Urgroßvater, der mit einem Freund immer ins Montafon fuhr. Deshalb war es bei Tante Luzi und Onkel Gustl auch wie daheim. Tante Luzie war ein Engel, ein Mensch, der so viel Liebe und Güte ausstrahlte, dass man es körperlich spüren konnte. Ich habe sie angebetet. Die Erinnerung an diese Tage in Schruns ist wie eine Wüste mit Oasen, zwischen denen es keine Verbindung gibt. Puzzlestücke, einzelne Szenen, die jedoch ganz klar vor meinen Augen sind. Ich sehe Luzie, die immer eine weiße Schürze trug.. Das Esszimmer bei Luzie mit dem großen Kachelofen. Die Außerlitzstraße, die rote Gondelbahn, die Skihütten. Mein Vater war ein begeisterter Skifahrer, also lag es nahe, dass ich in Schruns einen Skikurs machte. Der Skilehrer hieß Willy. Er war mittelgroß und sehr schlank und hatte rotblonde Haare. Sein Rucksack faszinierte mich über alle Maßen, er war aus braunem Stoff mit Ledergurten und wenn wir eine Abfahrt gemeistert hatten, fischte er kleine Schokoladetäfelchen aus dem Rucksack. Das hört sich heute unspektakulär an, aber in den sechziger Jahren war Schokolade etwas Besonderes, das es nicht jeden Tag gab. Damals gab es auf dem Hochjoch noch zwei urige kleine Skihütten, ganz aus Holz, eingerichtet mit Bänken und Tischen aus Holz und immer zum Brechen voll. Mein liebstes Getränk war heißes „Skiwasser“, klebrig und rot und süß. Wenn wir aus der Hütte wieder nach draußen gingen und der erste Hustenanfall kam, spuckte ich das Skiwasser wie eine blutige rote Spur in den Schnee…Ich hatte mich schon so an das Husten gewöhnt, dass es mir gar nichts mehr ausmachte. Aber nach einer Woche war es besser und als der Urlaub nach zwei Wochen vorbei war, war ich gesund. Und konnte im Pflugbogen zur Mittelstation abfahren.

Die Fotos sind später entstanden, es könnte 1970 oder 1971 sein.

An der Wand einer der beiden Skihütten, vorne links sitze ich, dahinter meine Schwester, meine Cousine, ein hartnäckiger Verehrer meiner Schwester und meine Patentante.

Auf der Mittelstation mit meiner Mama.

In diesem Winter bekam ich ,meine ersten Skistiefel mit Schnallen und war stolz wie Oskar!

abc-etüden02.03.20 Murmeltier-Tag

Erstmal allen BlogbesucherInnen ein fulminantes neues Jahr! Ich wünsche Euch alles das, was Ihr Euch wünscht und noch viel mehr 🙂 Ich wollte mich nicht direkt der Letharige ergeben, die diese trüben Januartage so mit sich bringen, bei mir zumindest, und deshalb kam mir Christianes Schreibeinladung gerade recht. Ich nenne diese Tage „Murmeltier-Tage“, angelehnt an den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“, weil ich mich öfter mal um mich selber drehe und nicht aus dem Quark komme. Kennt Ihr das?

3 Begriffe in maximal 300 Wörten verpackt, alles, was es sonst noch zu sagen gibt findet ihr auf .Christianes Blog

abc.etüden 2020 02+03 | 365tageasatzaday

Mickrig ist mein neues Lieblingswort. Irgendwie finde ich heute alles mickrig. Das Wetter mit Blitzeis am Morgen und einem Himmel, der sich mit Nebel überfressen hat: mickrig. Mein Bankkonto zum Jahresstart: mickrig. Die Anzeige auf der Waage: leider nicht mickrig. Ich bin ja, der Form halber und weil es sich so gehört, Optimist. Der Pessimist in mir will aber immer kommandieren und dem Optimisten Steine in den Weg legen, dagegenzuhalten ist schon anstrengend manchmal. Naturgemäß fällt es mir an Tagen wie diesen auch viel leichter, mäkelig zu sein. Mein innerer Pessimist reibt sich schon die Hände, ich kann es förmlich spüren. Er ist dabei, Oberwasser zu bekommen, während sich der Optimist schon nach hinten in die letzte Ecke verzogen hat. Ich denke also an etwas Schönes. Skiurlaub zum Beispiel. Berge – in der Sonne, was sonst? Blauer Himmel, weißer Pulverschnee. Abends in der Sauna entspannen, morgens an den gedeckten Frühstückstisch sitzen – der Optimist streckt seine Nase aus der  Ecke und freut sich. Der Pessimist pöbelt rum „willst du dir wieder die Arme brechen?“. Ein Stoßseufzer ist die Antwort. Der Optimist hat erstmal aufgegeben. Der Pessimist winkt mit einer Tafel Schokolade und der Fernbedienung. Er hat sich mit meinem Schweinehund zusammengetan.  Jetzt wollen sie gemeinsam den Optimisten um die Ecke bringen. „Es ist eh alles umsonst“, jammert der Pessimist. „Genau“, schreit der Schweinehund, „an so einem Tag wie heute hast du dir Ruhe und Süßes verdient. Der Mensch braucht auch mal eine Auszeit!“. Ich spüre, wie meine Hand sich wie ferngesteuert auf die Schokolade zubewegt und meine Beine Richtung Couch ziehen. Da rappelt sich der Optimist mit letzter Kraft auf. „Nein!“, schreit er, „Tu´s nicht! Du schaffst das!“ – das war knapp. Ich räume den Pessimisten aus dem Weg und fange an zu schreiben: Mickrig ist mein neues Lieblingswort….